Anton Bruckner - Die Messen und Motetten

  • Sorry, war erst im falschen Unterforum eingestellt


    Hallo miteinander,


    ich bin zwar von Bruckner durchaus angetan, seine geistliche Musik habe ich auch schon oft in den höchsten Tönen gelobt gehört. Da ich aber eher skeptisch veranlagt bin was sakrale Musik angeht, habe ich mich selten mit seinen Messen und Motetten beschäftigt. Ein Fehler wie die folgende CD belegt:



    Komponist: Anton Bruckner
    Werke: Messe Nr. 2 in e-Moll, 5 Motetten, 2 Equale für 3 Posaunen
    Interpreten: Philippe Herreweghe, La Chapelle Royale, Collegium Vocale Gent, Ensemble Musique Oblique (Bläserensemble)
    Label: Harmonia Mundi France
    Katalog: HMC 901322 (ich habe eine Version mit anderem Cover)


    Die CD wird eröffnet vom ersten Equale, einer nur kurzen Komposition für 3 Posauen, deren Stimmung allerdings schon auf die folgenden großartigen Motetten einstimmt. Vor allem das Locus iste ist dabei als Komposition und Interpretation schier überwältigend. Die Chöre (Mitglieder der Chapelle Royal und des Collegium Vocale) begeistern mit glasklarer Intonation und herrlich warmem Gesang. Unterbrochen werden die Motetten durch ein weiteres Equale, ehe die CD mit der 2. Messe Bruckners in e-Moll abschließt. Und das tut sie auf höchstem Niveau.


    Diese Messe ist übrigens nur für Chor und Bläserensemble (Holz und Blech) geschrieben und hebt sich allein dadurch von vielen Genrekollegen ab. Damit entführt die Messe mich auch in besser unbekannte Klangwelten, da es zu einem Zusammenspiel, einem Neben- und auch einem Gegeneinander von Vokal- und Instrumentengruppe kommt. Die Stars sind auch hier wieder die Chöre, viele Passagen werden à capella gesungen, manchmal so gut, dass man auf die Instrumente ganz verzichten möchte. Die sind aber gar nicht zu verachten. Herreweghe verwendet natürlich historische Instrumente, es wird ohne oder nur mit geringstem Vibrato gespielt. Das verstärkt für mich noch die Kontraste innerhalb der Komposition, in der sich besinnliche und aufbrausende Elemte abwechseln. Eine exzellente Akustik und gute Aufnahme passen zu der guten Musik.


    Interpretation: 8-9
    Klang: 9





    XREZENSION

  • Die Herrewhege Aufnahme war meine erste Begegnung mit Bruckners geistlicher Chormusik. Inzwischen habe ich die e-Moll Messe mehrfach im Konzert gehört und die meisten Motteten auch. Fazit: Herrewhege bleibt hier unübertroffen. Aber eine alternative Aufnahme gibt es für die Messe, der Chor ist einfach Spitze:




    Best hat übrigens eine phantastische Einspielung des Te Deum vorgelegt, tolle Solisten, ein toller Chor, monumental und wuchtig:


    :jubel: :jubel: :jubel:


    Herzliche Grüße, :hello::hello::hello:


    Christian

  • »Wenn mich der liebe Gott einst zu sich ruft und fragt: ›Wo hast du die Talente, die ich dir gegeben habe?‹, dann halte ich ihm die Notenrolle mit meinem Te Deum hin, und er wird mir ein gnädiger Richter sein.« Anton Bruckner




    Anton Bruckners im Jahr 1884 fertiggestelltes Werk erklang erstmals unter der Leitung des Komponisten 2. Mai 1885 im Kleinen Musikvereinssaal zu Wien. Der Orchesterpart wurde von 2 Klavieren übernommen.Ein Konzert der Gesellschaft der Musikfreunde am 10. Januar 1886 brachte die erste öffentliche Aufführung unter Hans Richter mit Orchester.
    Obwohl vom Publikum freudig aufgenommen, zählt das "Te Deum" immer noch zu den eher "unbekannten" Werken des Meisters, das zwar einerseits häufig aufgeführt wird, jedoch auf Tonträgern nur ungenügend, gemessen an der Qualität
    der Komposition, präsent ist.


    Um es gleich vorweg zu nehmen:
    Eine wirklich in jeder Hinsicht befriedigende Einspielung des Werkes existert derzeit nicht.
    Hier nun die erhältlichen Aufnahmen im Überblick:



    An erste Stelle der "Klassiker" unter den Eispielungen, Eugen Jochums
    Aufzeichnung aus dem Jahr 1966, hervorragende Solisten, guter Chor, leider ein nur mässig gelungenes Remastering, in meiner Aufnahme ZU starkes Grundrauschen !




    Klemperer-like zupackend und in gutem Mono lohnt die Anschaffung allein wegen Janet Baker und Klemperer :D



    Die Einspielung unter Matthew Best von Hyperion besticht durch exzellente Leistungen im Chor UND durch ein, trotz aller Fortissimo-Stellen, dennoch transparentes Klangbild.


    In Barenboims Einspielung aus 1980 eine bewundernswerte Jessye Norman auf dem Gipfel ihrer Karriere. (Meine Empfehlung für alle jene, die das Werk vor allem in hervorrangender Klang-Qualität besitzen möchten.



    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Danke für den Klemperer- und Barenboimhinweis...


    Karajans Einspielung (1976) mit Tomowa-Sintow, Baltsa, Schreier, Van Dam und den Berliner Philharmonikern gefällt mir etwas besser als Jochums Aufnahme. Ich kenne nur diese beiden Einspielungen.


    Gruß, Markus


  • ThomasBernhard:

    Zitat

    Karajans Einspielung (1976) mit Tomowa-Sintow, Baltsa, Schreier, Van Dam und den Berliner Philharmonikern gefällt mir etwas besser


    Da kann ich leider, auch wenn ich das wollte, nicht ganz "wertneutral" sein, denn ich mag weder die Stimmen von Tomova-Sintov noch von Peter Schreier.


    Die Aufzeichnung unter Celibidache habe ich mit Absicht NICHT erwähnt,
    wird sie doch dem Werk in keiner Weise gerecht...
    SO dirigiert wie bei ihm, steigt einfach nur tödliche Langeweile auf....


    Der schrullige Maestro hatte wohl doch recht mit seiner Selbsteinschätzung. "Es gelingt die Musik oder sie gelingt nicht"...
    Der Mitschnitt von EMI gelang nicht....

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • 1. Giebel, Höffgen, Traxel (naja), Frick, Chor der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale, Berliner Philharmoniker, Forster (Electrola E 80 010, mono,1956?)


    2. Hajossyova, Lang, Schmidt, Polster, Rundfunkchor Berlin, Rundfunk-Sinfonie-Orchester Berlin, Rögner (Ars Vivendi 21000172, 1988 )


    Grüße aus Bonn

  • Die drei "großen Messen" waren Hauptwerke Bruckners, bevor er anfing seine großen Sinfonien zu schreiben. Ich meine: wer seine Sinfonien mag, kommt auch an den Messen nicht vorbei.
    In diesem Thread soll es also gehen um:


    Messe Nr. 1 d-moll für Soli, Chor und Orchester
    Messe Nr. 2 e-moll für achtstimmigen Chor und Blasorchester
    Messe Nr. 3 f-moll für Soli, Chor und Orchester


    Te Deum für Soli, Chor und Orchester [Dauer: etwa 20 Minuten]
    Der 150. Psalm für Sopran, Chor und Orchester [etwa 8 Minuten]


    diverse Motetten (wie zum Beispiel "Locus iste", "Christus factus est pro nobis", "Ecce saccerdos magnus", etc.)


    aber auch "weltliche" Chorwerke, wie das monströse Helgoland



    In jüngerer Zeit haben sich ja Gardiner der ersten Messe und Herreweghe der zweiten Messe angenommen, was auf weitere Neueinspielungen hoffen lässt, denn die "klassischen" Einspielungen mit Jochum sind zwar eine einigermaßen gute Grundlage, bedürfen aber unbedingt weiterer Konkurrenz!


    Also, ich hoffe auf eifrige Bekenntnisse und CD-Empfehlungen..


    Vielleicht traut sich jemand zu einer ausführlichen Liebeserklärung zum Helgoland-Monster?


    Und wer mit Bruckners Vokalschaffen noch gar nicht in Berührung geraten ist, dem empfehle ich sehr die erste Messe, die wird sicherlich jedem gefallen!!!!!


    Gruß, Markus

  • Besonders "plastisch" finde ich ja das Credo aus der ersten Messe.
    Beeindruckend die Crucifixus-Stelle, dann ein kleines Zwischenspiel zum Et resurrexit. Und dazu eine Frage: bei Jochum wird dieses Zwischenspiel von der Orgel solo gespielt, in Gardiners Aufnahme übernehmen das die Holzbläser der Wiener Philharmoniker. kann mir das zufällig jemand erklären, ob es da tatsächlich zwei verschiedene Fassungen gibt?


  • Hallo Markus,


    ich habe vor einiger Zeit mal mit der Brilliant-Box geliebäugelt:



    Ich denke, wenn ich mit den Bruckner-Sinfonien zu meiner Zufriedenheit durch bin, werde ich mich seinen Messen widmen.


    Sonst kenne ich von ihm nur das "Christus factus est" sowie ein weiteres Graduale, das ich nur unter dem Namen "Herr wir weihen die heil'ge Stätte dir" kenne.
    Anspruchsvolle, aber schöne Chorkompositionen.



    Gruß, Peter.

  • Hallo Christian,


    vielen Dank für den Hinweis, in der Tat ging es hier schon einmal um eine Bruckner-Messe, auch wenn die Resonanz sehr überschaubar geblieben ist.
    Ich habe jetzt den neuen an den alten Thread gehangen und werde den Thread jetzt noch passen umtaufen.



    Liebe Grüße.
    petemonova, Moderator



    P.S.: Der Thread zu Bruckners Te Deum wurde auf Anregung von Christian hier eingegliedert.

  • Aus einem anderen Thread hierher genommen:


    Bruckners Te Deum, die Aufnahme unter Leitung von Best:


    Eigentlich reicht ein Blick in Bruckners Partituren - man muß gar nicht berücksichtigen, daß er ein leidenschaftlicher und guter Tänzer war - um zu erkennen, daß die Rhythmik in Bruckners Werken einen wesentlichen Platz einnimmt. Dazu gehören auch rhythmische Kontrastwirkungen.


    In der Aufnahme unter Leitung von Best ist davon leider wenig zu spüren. Aufführungsort (etwas zu hallig), Tontechnik (zu wenig direkt, ganze Gruppen oft nicht hörbar), aber auch wesentlich die Leistung des Orchesters und des Chores tragen dazu bei.


    Die zum Vergleich herangezogene Tonaufnahme unter Leitung von Haitink ist wesentlich rhythmischer und bringt Kontrastwirkungen deutlicher heraus.


    Das Te Deum an sich zeichnet sich durch einen breiten musikalischen Ausdrucksbereich aus, der musikalische Charakter wechselt von Verinnerlichung bis zur Exaltation, von sakral bis theatralisch, von gefühlsmäßig bis abstrakt. Diese Art von Kontrast ist ein wesentliches Merkmal brucknerscher Musik.


    Auch diesbezüglich hat die Aufnahme unter Leitung von Best zu wenig zu bieten, wie ich finde. Alles wirkt brav, ziemlich sakral und letztlich harmlos.
    Haitink ist es dagegen eher geben, die volle Ausdruckpalette des Werkes hörbar zu machen.


    Gruß


    Andreas

  • Liebe Taminos,


    ich möchte hier noch kurz auf die dritte der drei "großen" Meßvertonungen Anton Bruckners eingehen:


    Die Messe No.3 in f-moll. Vollendet hat Bruckner die Komposition 1868. Wie für Bruckner in gewisser Weise typisch, sollte bis zur Aufführung noch einige Zeit vergehen, denn der Komponist unterzog sein Werk einer Überarbeitung, die sich hauptsächlich auf die Instrumentation der Bläser bezog. Am 16. Juni 1872 erfolgte schließlich in der Wiener Augustinerkirche die Uraufführung.


    Ein Kritiker schrieb damals:


    [...] "Die Messe Pruckner´s ist eine Komposition, die von der Erfindungskraft und dem ungewöhnlichen Können des Komponisten das rühmlichste Zeugniß ablegt. [...]


    Befremdet zeigte sich der Rezensent durch Bruckners vermeintliche Neigung sich "[...] von dem dramatischen Gehalt des Textes verführen zu lassen und dabei hin und wieder an das Theatralische zu streifen [...]"


    Ludwig Speidel glaubte sich "[...]mitten in einer christlichen Wolfsschlucht[...]" :D zu finden. Hört man bestimmte Passagen im Credo etwa das "Crucifixus" oder das "Resurrexit" kann man Speidel verstehen. Denn Bruckner setzt hier den Gehalt des Textes besonders plastisch (und unvergleichlich schön) in Musik.


    Interessant in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass man (Hans von Bülow) Verdi bei seinem Requiem ähnliches vorwarf. Diese Kritik ist Ausdruck des Widerstreits zweier Strömungen in der Kirchenmusik, den Verfechtern eines bewußten Archaisierens (Caecilianismus) und den Verfechtern einer "modernen" Kirchenmusik.


    Zurück zu Bruckner.


    Hört man die f-moll Messe ist die Verwandschaft zu den Symphonien Bruckners in der Orchesterbehandlung deutlich zu hören. Herzstück der Messe ist das Credo. Bruckner vertont den Messtext mit einem hohen Maß an Sensibilität. Besonders eindringlich das "Et incarnatus est" (erinnert mich ein wenig an die Missa Solemnis) oder das "Passus et sepultus es". Der Solist singt diese Worte ohne Orchesterbegleitung, fast verlöschend. Im Ganzen trägt die Messe das Bekenntnis einer tief empfunden persönlichen Spiritualität des Komponisten in sich- ohne dabei jemals das Klischee vom "naiven Musikanten Gottes" zu bedienen, eine Vorstellung, die sich insbesondere in der älteren Literatur zu Bruckner immer wieder findet. Hier spricht ein souveräner Meister seines Faches, der sich seiner Mittel und seiner Überzeugung sicher ist. Omnia ad maiorem dei Gloriam.


    Für mich persönlich gehört die f-moll Messe in eine Reihe mit der h-moll Messe oder der Missa Solemnis.


    Sir Colin Davis hat die Messe 1988 in der Originalfassung (ich nehme an, es handelt sich dabei um die Version von 1868 ) eingespielt.


    (Eine Anmerkung noch für die Spezialisten: Der Revisionsbericht für die f-moll Messe ist im Rahmen der kritischen Gesamtausgabe im Jahr 2004 erschienen)



    Herzliche Grüße,:hello::hello:


    Christian

  • Hallo!


    Es wäre toll, wenn jemand diese Liste der Quellen der Texte der Motetten Anton Bruckners (wow, vier Genitive hintereinander! :beatnik: ) ergänzen könnte:


    Locus iste
    ?


    Ave Maria
    Lukas


    Tota pulchra es, Maria
    ?


    Virga Jesse
    Jesaia


    Ecce sacerdos magnus
    Ecclesiasticus


    Afferentur regi
    Psalm 44


    Pange, lingua
    Thomas Aquinus


    Os justi
    Psalm 36


    Vexilla regis
    Venantius Fortunatus


    Christus factus est pro nobis
    Philipper

  • Lieber Pius,


    ich habe die beiden noch fehlenden Bibelstellen ergänzt
    (hochachtungsvoll verneige ich mich vor Deiner meisterhaften Beherrschung des Genitivs! :D :jubel: )


    Übrigens gibt es auf der Homepage des Carus-Verlags eine Datenbank mit den Quellen für 47 geistliche Kompositionen aus Bruckners Ouvre:


    "wehwehweh.carus-verlag.com/index.php3?BLink=kkperson&PersonID=87"



    Herzliche Grüße,:hello::hello:


    Christian


  • Hallo Caesar,
    darf ich bezüglich der Choraufführungen - Bruckner Motetten - eine Frage an Sie richten. Es geht um “Locus iste” welches vor Jahren von einem excellent ausgebildeten Chorleiter an der Stelle: irreprehensibilis est . . . . in vollen Notenwerten, also 4 Viertelnoten im ersten Takt, wechselnd auf punktierte /8 mit angehängter /16, zwei /4 Noten und 1/4 Pause, weiterführend um einen Halbton tiefer, bei gleicher Notation, dann wieder 1/2ton tiefer . . . ., erst die 4 Wiederholung ändert die Notenlänge geringfügig. Ich weiss, es ist schwierig ohne Notenpapier die Stelle zu beschreiben, aber ein Spezialist wie Sie, hat die Stelle auswendig im Kopf. Es klang vornehm, getragen, lyrisch, einfach gesagt wunder schön.
    Nun spießt sich bei mir etwas, ein anderer Chrleiter verlangt diese Stelle mit extrem abgehackten Notenwerten (unästhetisch kurzen Wortfetzen) und den dabei zwangsläufig entstehenden Pausen, mit denen ich gefühlsmäßig schon gar nichts anfangen kann. Jetzt meine Frage, wie macht Herrewhege diese Stelle?
    Ich wede das Gefühl nicht los, dass Anton Bruckner die Pausen im “irreprehensibilis est” geschrieben hätte, wenn diese Vortragsart sein Wunsch gewesen wäre.
    Bitte wer liegt da richtig?


    Danke im Voraus für Ihre Stellungnahme,


    Edi :hello:

  • Ave Edmundus,


    Herreweghe dirigiert die Motetten fließend, eher lyrisch denn dramatisch, hält sich aber ansonsten genau an Bruckners Vorschriften. Im konkreten Fall heißt dies: Der Tenor setzt in Takt 21 mit "ir-re-pre-hen -" ein, in Takt 22 notiert Bruckner eine Viertelpause, die von Herreweghe eingehalten, aber in keinster Weise herausgehoben oder besonders akzentuiert wird, ebenso verfährt Herreweghe bei den Viertelpausen in den Takten 24 und 26, gleiches gilt für Sopran und Alt. Von "abgehackten Wortfetzen" kann bei Herreweghe nicht die Rede sein. Da Bruckner hier ein pp verlangt, würde das IMO auch häßlich klingen. Kurz gefasst: Wo keine Pausen notiert sind, dirigiert Herreweghe auch keine.


    Hoffe mit dieser Auskunft behilflich gewesen sein zu können, ansonsten einfach nochmal nachfragen.


    Herzliche Grüße,:hello: :hello:


    Christian

  • Lieber Christian,


    danke für die prompte Antwort auf meine Anfrage. Somit fühle ich mich, aufgrund meiner “nicht akademischen” Ausbildung, bestätigt, dass es der klang-ästethischen Auffassung zuwiderläuft, diese Stelle zerhackt zu interpretieren.


    Danke,
    Edi :jubel:

  • Liebe Taminos,


    der Thread hätte es durchaus auch einmal wieder verdient aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst zu werden :D


    Und wie der Zufall so will, gibt es einen willkommenen Anlass hierfür. Das SWR-Vokalensemble unter seinem Leiter Markus Creed hat eine Aufnahme von Bruckners Messe Nr. 2 in e-moll für Chor und Bläser vorgelegt. Eingerahmt wird die Messe durch eine Reihe von Motetten Bruckners. Dabei wird ein Bogen von den ersten Chorwerken Bruckners, dem "Ave Maria" von 1861 bis zu späten Werken wie dem "Virga Jesse" von 1885 gespannt:



    Bisher hatte ich ja auf Herreweghe nichts kommen lassen- aber nach den ersten Eindrücken scheint mir die neue Aufnahme durchaus eine Alternative zu sein. Mehr dann später.


    Herzliche Grüße,:hello: :hello:


    Christian

  • [quote]Original von EdmundNun spießt sich bei mir etwas, ein anderer Chrleiter verlangt diese Stelle mit extrem abgehackten Notenwerten (unästhetisch kurzen Wortfetzen) und den dabei zwangsläufig entstehenden Pausen, mit denen ich gefühlsmäßig schon gar nichts anfangen kann.[quote]



    Bei dieser Vorstellung stellen sich bei mir, ehrlich gesagt, die Nackenhaare auf (in voller Länge:-). Die ganze Motette hat trotz ihrer bemerkenswerten Pausensetzungen (mit wohl der spannensten ganzen Pause der Musikgeschichte :D) überhaupt nie was Abgehacktes. Hier kann man den Komponisten doch eigentlich nicht mißverstehen. Ich glaube, ich würde das so nicht mitsingen...


    ?(


    Liebe Grüße
    :hello:
    Ulrica

  • Zitat

    Original von Caesar73
    Das SWR-Vokalensemble unter seinem Leiter Markus Creed hat eine Aufnahme von Bruckners Messe Nr. 2 in e-moll für Chor und Bläser vorgelegt.


    Auf Deine Berichte zu dieser CD, insbesondere der Qualität und den Fähigkeiten des Chores bin ich äußerst gespannt! :yes:


    Außerdem möchte ich umgehend kontern :P und meinerseits eine CD mit Werken Bruckners hier nennen:



    Die zusammengestellten Werke sind jender von der SWR-CD recht ähnlich, namlich die Messe in e-Moll sowie verschiedene mehr oder weniger bekannte Motetten:

    • Ave Maria
    • Locus iste
    • Mass No 2 in E minor
    • Christus factus est
    • Vexilla regis
    • Os iusti
    • Virga Jesse floruit
    • Pange lingua


    Die a capella Motetten habe ich bereits mehrfach gehört (sie waren auch mein Kaufgrund für diese CD), und allein ihretwegen lohnt sich bereits der die Anschaffung :yes:
    "Ave Maria oder Christus factus est sind sehr bewegende und teilweise expressive Werke, jedoch besitzen sie recht gespannte Lagen und intonatorisch problematische Passagen, an denen sich die meisten Chöre die Zähne..äh..die Stimmbänder ausbeißen (bzw. -reißen :) ).


    Die britische Chor Polyphony (eine Vorstellung des Ensembles kann in diesem Thread nachgelesen werden) wird seinen guten Ruf voll gerecht und aggiert auf höchsten chorischen Niveau, dass es eine wahre Ohrenfreude ist. Also eine dicke Empfehlung! :yes:


    Liebe Grüße, der Thomas. :hello:

  • Zitat

    Original von Ulrica


    Bei dieser Vorstellung stellen sich bei mir, ehrlich gesagt, die Nackenhaare auf (in voller Länge:-). Die ganze Motette hat trotz ihrer bemerkenswerten Pausensetzungen (mit wohl der spannensten ganzen Pause der Musikgeschichte :D) überhaupt nie was Abgehacktes.


    Abgehackt kann ich mir diese Stelle ehrlich gesagt auch nicht vorstellen. Im Gegenteil, ich würde sogar dazu Tendieren, die Notenwert von "..est" etwas länger zu halten als die notierte Viertelnote und die nachfolgende Viertelpause (stark) zu verkürzen.


    Aber: es stellt sich mir die Frage, ob man diese Stelle "auf Halbe" dirigieren und singen (ein etwas flotteres Tempo, dafür fließt die Musik sehr getragen) sollte oder "auf Viertel" (der Text wird poientiert, die Stelle wirkt weniger lyrisch aber dafür viel geheimnisvoller, was ein schöner Kontrast zum Anfangs- und Schlussteil sein kann). Was denkt ihr darüber?


    Zitat

    Hier kann man den Komponisten doch eigentlich nicht mißverstehen. Ich glaube, ich würde das so nicht mitsingen...


    Tja, als Chorsänger kann man sich das eigentlich nicht aussuchen. Wenn man eine innere Gegenwehr gegenüber der Interpretation eines bekannten Werkes spürt, liegt diese oft darin begründet, dass es eine andere Interpretation ist, als man kennt. Darüber vertut man sich aber häufg die Chance, sich vorurteilslos auf eine neue musikalische Betrachtung des Bekannten einlassen zu können. Aber selbst wenn man dies getan hat und am Ende zur Erkenntnis gelangt, dass die neue Interpretation dem Stück nicht wohltut, ist dies doch ebenfalls ein Gewinn, weil man die Möglichkeiten ausgelotet hat! :yes:


    Liebe Grüße, der Thomas. :hello:

  • Lieber Thomas,


    soetwas nennt man wohl Gedankenübertragung :D Bei meinem Besuch in Heidelberg habe ich heute genau diese CD erworben. Ich sah die CD, las "Polyphony" und Bruckner griff zu. Dein Posting habe ich gerade erst gelesen. Ein Vergleich dürfte um so spannender werden, da das Repertoire fast identisch ist. In beiden Produktionen umrahmen die Motetten die Messen. Mein Bericht folgt natürlich. Wenn ich mir die Laufzeiten ansehe scheint "Polyphony" ein wenig flotter unterwegs zu sein, aber das hat ja zunächst nichts zu heißen.


    Herzliche Grüße,:hello::hello:


    Christian

  • Zitat

    Original von Caesar73


    Soetwas nennt man wohl Gedankenübertragung :D Bei meinem Besuch in Heidelberg habe ich heute genau diese CD erworben. Ich sah die CD, las "Polyphony" und Bruckner griff zu. Dein Posting habe ich gerade erst gelesen. Ein Vergleich dürfte um so spannender werden, da das Repertoire fast identisch ist. In beiden Produktionen umrahmen die Motetten die Messen. Mein Bericht folgt natürlich. Wenn ich mir die Laufzeiten ansehe scheint "Polyphony" ein wenig flotter unterwegs zu sein, aber das hat ja zunächst nichts zu heißen.


    Wo bleibt denn Dein Bericht? *drängel* :untertauch::P


    Ich bin nunmehr dem umgekehrten Weg des CD-Kaufs geschritten und habe mir diese CD gekauft:



    Die Stärke des SWR-Vokalensembles scheint es zu sein, nicht müde werdene Klangströme zu erzeugen und so weite Phrasen "tragen" zu können (wie bereits im Thread über Transkriptionen von Cyltus Gottwald hier nachzulesen). Genau dies kann man bei dieser CD wundervoll erleben. Gerade die herrlichen Linien im "Ave maria" sind meisterlich ausmusiziert, und der Chor begeistert mit großer Dynamik insbesondere in den pp-Stellen.
    Im Vergleich mit [Polyphony[/B] gefällt mir vor allem die Interpretation der "Messe in e-Moll" durch das SWR-Vokalensemble besser. Die Musik scheint mir von mehr innerer Ruhe geprägt, vielfach spielt der Chor mit einer großen Weichheit und Unaufdringlichkeit im Klang, die mir sehr gut gefällt und auch der Musik zugute kommt. Insgesamt scheint mir das SWR-Vokalensemble mit Chorsinfonik besser klar zukommen als Polyphony. Auf jeden Fall hat das Ensemble mit dieser CD wieder einmal unter Beweis gestellt, dass es zu einem der besten (wenn nicht gar DEM besten) deutschen Chören zählt. :jubel:




    Wieder einmal sei betont, dass beide Ensembles auf allerhöchstem Chorniveau aggieren, einen Fehlkauf wird man keinesfalls machen, egal für welche CD man sich entscheidet! :yes:


    Liebe Grüße, der Thomas. :hello:

  • Zitat

    Original von Caesar73


    Könnt ihr weiter Einspielung der Mess in f-Moll empfehlen? Ich besitze noch keine Aufnahme, möchte mir aber gerne eine zulegen. Hauptaugenmerkt ist für mich (natürlich) der Chor.. :rolleyes:


    Vor vielen Jahren habe ich dieses Werk selbst einmal im Chor mitsingen dürfen. Trotz der vielen vielen Werke die ich seit dem kennengelernt und mitgesungen gesungen habe ist mir die Messe in f-Moll als eines der beeindruckendsten und nahegehendsten musikalischen Erlebnisse meines Lebens geblieben.


    Liebe Grüße, der Thomas. :hello:

  • Zitat

    Original von Chorknabe



    Wo bleibt denn Dein Bericht? *drängel* :untertauch::P


    Uuups, da habe ich doch glatt etwas vergessen... :D:untertauch: Das wird doch wohl noch kein Alzheimer sein. Wenn ich ehrlich bin: Sich für eine der beiden Aufnahmen ist ausgesprochen schwierig. Beide Chöre singen auf sehr hohem Niveau, wobei ich sagen muss: Im Augenblick würde ich Polyphony den Vorzug geben, aber das ist wirklich eine Geschmacksfrage.


    Um auf Deine andere Frage zurückzukommen: Eine weitere Aufnahme der f-moll-Messe? Ich besitze selbst nur die mit Sir Colin Davis und Co- und irgendwie hatte ich bisher auch nicht das Bedürfnis mir eine andere kaufen zu müssen. In der jüngeren Zeit scheinen auch keine Neuaufnahmen der Messe in den Handel gekommen zu sein.


    Aber:


    Für den 19.September ist eine Neuerscheinung angekündigt und zwar mit der folgenden Besetzung:


    Ingela Bohlin, Ingeborg Danz, Hans-Jörg Mammel, Afred Reiter, RIAS Kammerchor, Orchestre des Champs-Elysees, Philippe Herreweghe


    Ich sehe schon, die werde ich mir wohl oder übel kaufen müssen :D




    Herzliche Grüße,:hello::hello:


    Christian

  • So, jetzt ist auch das Cover der neuen Einspielung verfügbar:


    Philipp Herreweghe:


    Anton Bruckner:


    Messe Nr. 3 in f-moll:



    Ingela Bohlin, Ingeborg Danz, Hans-Jörg Mammel, Afred Reiter, RIAS Kammerchor, Orchestre des Champs-Elysees



    Da bin ich wirklich einmal sehr sehr gespannt! Herreweghe hat mich bisher nur sehr selten enttäuscht



    Herzliche Grüße,:hello: :hello:


    Christian