Sänger fürs Gemüt- Peter Anders

  • Mein lieber Bernward Gerlach!
    Mir ging es so ähnlich. Schon mit etwa 12 Jahren kam ich durch meinen Vater zum Opern hören. Darunter viele Aufnahmen von Peter Anders. Ich schleppte schon damals viele Schellackplatten mit in unser Wochenendhaus. Dort stand ein Grammophon und dort hörte ich meine Platten. Sehr in Erinnerung ist mir ein Querschnitt aus "Tiefland" geblieben, mit Carla Spletter, Peter Anders und H.H. Nissen. Heute besitze ich natürlich auch eine große Peter-Anders-Sammlung.
    Gruß Wolfgang


  • Lieber Bernward


    Ich habe vor ca 2 Jahren im Radio einen verschollen geglaubten Mitschnitt von
    Peter Anders zusammen mit einer mir unbekannten Saengerin namens >>Museal<< gehoert. Operetten-Arien.
    Es war aus dem Titania Palast mit Ansage (Stimme wie bei der "Wochenschau" im Kino)
    Der Dirigent war (glaub ich ) sogar Ferenc Fricsay. Zum Schluss gab es den Walzer "Wein Weib Gesang" mit Orchester und Maennerchor (Toll )


    Wenn Du diese Aufnahme NICHT kennen und besitzen solltest, lass es mich bitte wissen.....DAS kann man aendern. (wj598 bei aol)


    Gruss aus Illinois......."Titan"

  • Hallo Titan,


    bei der Sopranistin, die Du mit P.A. gehört hast, handelt es sich sicherlich um Martha Musial, 1905-1995.
    Nach ihren "Wanderjahren" über Schwerin, Stralsund, Gotha, Posen, Hannover und Wiesbaden, kam sie 1947 nach Berlin an die Städt. Oper. Dort sang sie bis 1960 die großen Verdi-Partien und nahm auch Platten u.a. Duette mit P. Anders auf, auf Melodram gibt es einen "Tannhäuser" mit ihr.
    (aus Kutsch/Riemens Sängerlexikon)

  • Liebe Freunde und Verehrer von Peter Anders,


    eine Rarität ist die Wiedergabe des 2. Fidelio-Aktes einer Aufführung von 1951 aus Neapel. Peter Anders singt seinen Part des Florestan auf deutsch, seine Ensemblekollegen auf italienisch. Trotz der mäßigen Tonqualität ist der unverwechselbare Schmelz in seiner Stimme erkennbar. So wird Florestan heute leider nicht mehr gesungen.



    :jubel: O namen-namenlose Freude :jubel:


  • Leider blieb auf dem Label Gottlob Frick unerwähnt, der damals als "Rocco vom Dienst" eingesetzt wurde.


    :hello:

  • Sagitt meint:


    Ich hatte vor längerer Zeit einmal auf diese Aufnahme hingewiesen, und wurde von Theophilus (?) darauf hzingewiesen, dass dies durchaus öfters vorkomme, dass Opernaufführungen von den Sängern in verschiedenen Sprachen gesungen würden.


    Peter Anders war der von Friscay bevorzugte Tenor. Er hatte sicher seine DG-Aufnahme mit ihm gemacht, hätte Anders noch gelebt.

  • Er konnte Mozart und Wagner singen (ausdrucksstark in perfektem deutsch)


    Habe mir soeben Bildnisarie und zwei Wagner-Arien (Steuermann und Erik) mit Peter Anders angehört (Orchester der Dt. Oper Berlin, Schmidt-Isserstedt und A. Grüber). Aufnahmen Ende 30
    Anfang 40. Hervorragend. Es stimmt, das "r" komt mir bekannt vor, fast so wie beim Tölzer Knabenchor.



    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Was heißt denn eigentlich " Sänger für's Gemüt" im Zusammenhang mit Peter Anders? Ein Sänger, der zweimal eine erschütternde "Winterreise" aufgenommen hat.Der einer der bedeutensten Mozarttenöre seiner Epoche war Der einen bis heute nicht übertroffenen Florestan gesungen hat. Der einen strahlenden Lohengrin, Stolzing und Bacchus sang. Der in Hamburg mit großem Erfolg den Othello interpretiert hat.
    Andrea Chenier, Max, Hoffmann und Don Jose waren nur einige einige seiner Glanzrollen.


    Ein Sänger für'Gemüt war meiner Meinung nach Willy Schneider.


    :hello:Herbert.

  • Lieber Herbert,


    ich möchte Sagitts Überschrift überhaupt nicht negativ gedeutet wissen. Gerade weil Peter Anders die Winterreise oder den Florestan so ergreifend gesungen hat, hat er die Gemüter bewegt und bewegt sie auch heute noch.


    Ich finde es ausgesprochen positiv, daß hier der deutsche Begriff "Gemüt" anstelle des Allerwelts-anglizistischen "Emotion" gewählt wurde. Das Wichtigste dabei ist doch, daß wir wissen, wie es gemeint ist.


    :hello:

  • Lieber sagitt,
    wie mir scheint, bist Du immer ausgezeichnet informiert.
    Deshalb mal eine Frage, die mir schon lange auf den Nägeln brennt.


    Was ist denn mit Peter Anders jr ?


    Ich habe mal vor Jahren in Hamburg eine CD erworben und war von dem Gehörten doch etwas geschockt und fragte mich - wie kann so etwas passieren?

  • Viele Menschen haben eben Überväter, Künstler, Mediziner usw.


    Das war bei Peter Anders nicht anders. Der junior war eben nicht der Vater und die Tochter Ursula postiert mit Gulda nackt hinter dem Klavier vor Publikum. So etwas hat es gegeben.


    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Hallo Herbert,
    ich glaube, es war ein Missverständnis.


    Ich bin mit Dir der Meinung, dass Willy Schneider ein Sänger für's Gemüt war (Lieblingssänger meiner Mutter, ... man müsste nochmal zwanzig sein, Mutterl unter'm Dach ... usw) der dennoch auch hervorragende Operetteneinspielungen gemacht hat.


    Bei den von mir genannten Operetteneinspielungen wirken u. a. Anders, Konya oder Fehringer mit. Diese sind aber nicht gemeint gewesen. Ich hoffe, ich hab das jetzt richtig gestellt.


    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Hallo, Bernward!


    Ich habe mir heute noch einmal den "Hoffmanns Erzählungen" mit Peter Anders angehört. Besser kann man den Hoffmann kaum singen. Seine Stimmungsschwankungen zwischen Liebe, Hoffnung und Enttäuschung, man kann mit ihm fühlen. Auch seine Partner, Streich, Berger, Prohaska sind einfach Klasse.


    Gruß Wolfgang

  • Heute vor 105 Jahren wurde Peter Anders geboren.



    Peter Anders (* 1. Juli 1908 in Essen; † 10. September 1954 in Hamburg) war ein deutscher Tenor.


    LG

  • Da die einzelnen Sängertreads durch die derzeit so beliebten Sammelthreads etwas in Hintertreffen zu geraten drohen, wil ich mich ein wenig um sie kümmern, vorzugsweise, indem ich Klangbeispiele von youtube hier einstelle. Sie bringen einem teileweise den jeweiligen Sänger näher als alle Hinweise auf CD-Veröffentlichungen, die dann ohnedies nur von einem überschaubaren Kreis gekauft werden.
    Hier hören wir Peter Anders mit dem Lied "Im Frühling" von Franz Schubert D 882
    Bemerkenswert ist unter anderem nicht nur die ausserordentlich jugendlich und unangestrengt wirkende Stimme, sondern auch die für die damalige Zeit vorzügliche Klangtechnik. Am Klavier: Michael Raucheisen, einer der besten Liedbegleiter seiner Zeit.


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Über die Wiederentdeckung von Peter Anders habe ich mich sehr gefreut. Er gehörte und gehört noch immer zu meinen Lieblingssängern und er ist einer, gegen den es die gesamte Garde deutscher Tenöre heute schwer hätte. Besonders fasziniert mich seine Affinität zu Strauss. Obwohl ich nicht liedaffin bin, so hat er mein Gehör für Strauss-Lieder geöffnet, sowohl mit als auch ohne Orchester. Seine markante Stimme, seine klare, jedes Wort verständlich machende Aussprache und nicht zuletzt seine Vielseitigkeit sind unverwechselbar.


    Nachstehend eines meiner Lieblingslieder von ihm. Auch wenn es "nur" Operette ist, so muß man den Caramello erst einmal live singen, ohne Tonregler und ohne Studiotechnik




    Herzlichst La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Man hört, dass Peter Anders nicht die beste Technik hat, gelegentlich zu etwas viel Portamento neigt.


    Jammerschade, dass es so gut wie keine Gesamtaufnahmen mit diesem Sänger gibt.


    Auf diese zwei deutlich voneinander getrennte Bemerkungen aus dem einleitenden Beitrag von sagitt möchte ich noch kurz eingehen. Sehr wohl, Anders hatte nicht die beste Technik. Das sehe ich genauso. Für mich verkörpert er den Triumpf des Ausdrucks über die technische Vollkommenheit. Das macht ihn - wie ich finde - bis heute so anziehend. Insofern ist er für mich ein Ideal.


    Was nun den vor mehr als zehn Jahren beklagten Mangel an Gesamtaufnahmen von Opern anbelangt, stellte sich die Lage indessen so daramtisch nicht mehr dar. Es kommt da einiges zusammen: "Königskinder", "Lohengrin", "Martha", "Fidelio", "Daphne", "Zauberflöte", "Hoffmann" sowie etliche Operetten. Für einen Sänger seiner Generation ist das ganz schön viel. Dazu kommen unendliche viele einzelnen Aunahmen und große Auszüge aus Werken wie "Ariadne auf Naxos" und "Meistersinger". Der größte zeil davon hat womöglich das Licht der Öffentlichkeit noch gar nicht entdeckt und lagert in privaten Sammlungen.


    Mir geht es wie La Roche: Schön, dass der Peter Anders wieder hervorgeholt wurde.

  • Hallo1


    In Tamino lebt er gerade auf.


    Wenn ich denke, dass ich mir einst vorgenommen hatte, keine Aufnahmen zu kaufen, die älter sind als ich - und jetzt das!


    Ich habe bei rebuy für 8,85 € inkl. Porto eben folgende Scheiben geordert:



    Gruß WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Es kommt mir vor, dass Peter Anders langsam, aber sicher in Vergessenheit gerät. Das sollte nicht sein.


    Lieber Erich, diese Sorge würde ich mir nicht machen wollen. Wer die Mühe nicht scheut und das Netz nach seinen Aufnahmen durchsucht, findet allein bei Amazon weit mehr als fünfzig verschiedene Titel und Zusammenstellungen. WoKa hat gleich vier davon gekauft. Das ist ein gutes Zeichen. :) Einmal bei Youtube angekommen, gibt es gute Überlebenschancen. Letztlich leben Sänger in ihren Aufnahmen fort. Autogrammkarten sind noch immer hoch begehrt. Fast so wie bei Wunderlich. Jetzt wird auch hier - wie bereits gesagt - wieder über diesen Tenor gesprochen. Es gibt viele private Kreise, in denen das ebenfalls geschieht. Jene, die ihn noch selbst gehört haben, sterben naturgemäß weg. Mit ihnen natürlich auch Enthusiasten der ersten Stunde und zweiten Stunde. Hier in Berlin, wo ich wohne, ist noch nicht vor so langer Zeit eine schöne Gedenktafel an dem Haus angebracht worden, in dem er lebte. In der Deutschen Oper gab es zum 100. Geburtstag eine bewegende Matinee, an die ich gern zurückdenke. Mindestens eine Straße ist nach dem Sänger benannt. Seine Kinder tragen auf sehr unterschiedliche Weise das Erbe weiter. Der Autor Ferdinand Kösters hat eine Biographie über Peter Anders geschrieben, die auch noch zu haben ist:



    Woran also macht sich fest, ob ein Künstler in Vergessenheit gerät oder nicht? Wie lässt sich gegensteuern? Was meint ihr dazu?

  • Nach wie vor meine Lieblingsaufnahme der "Fledermaus":



    Peter Anders: Gabriel von Eisenstein
    Anny Schlemm: Rosalinde
    Hans Wocke: Frank
    Anneliese Müller: Prinz Orlofsky
    Helmut Krebs: Alfred
    Herbert Brauer: Dr. Falke
    Edwin Heyer: Dr. Blind
    Rita Streich: Adele
    Sylvia Menz: Ida
    Fritz Hoppe: Frosch


    RIAS-Kammerchor,
    RIAS-Sinfonie-Orchester,
    Ferenc Fricsay, Ltg.


    (Audite/DLR, 11-12/1949; Berlin,Titania Palast & Jesus-Christus-Kirche)

  • Im Beitrag Nr. 54 hat WoKa bereits das seltene Dokument gezeigt, Schuberts WINTERREISE mit Peter Anders und Michael Raucheisen am Klavier, das seinerzeit in der DGG-Centenary-Kollektion erschienen ist:


    Es ist wohl die letzte Aufnahme der DGG vor dem Ende des 2. Weltkriegs, sie entstand in den Monaten Januar und März 1945 im Haus des Rundfunks in Berlin, während fast pausenloser Bombenangriffe der Alliierten. Deshalb fragt, nicht zu Unrecht, der Autor des Booklettextes, Michael Struck-Schloen, "Singt und spielt es sich in existentiellen, gar lebensbedrohlichen Krisenzeiten anders als in Phasen der Sicherheit und Sattheit?"
    Als die letzten Aufnahmesitzungen im März 1945 stattfanden, stand die Rote Armee nur noch knapp 60 km von der Reichshauptstadt entfernt, an der Oder. Während weite Teile Berlins zu dieser Zeit bereits in Schutt und Asche lagen, war das Haus des Rundfunks in der Masurenallee fast noch unbeschädigt durch die schreckliche Zeit gekommen. Aber die Bombardements gingen weiter, und die Russen rückten von Tag zu Tag bedrohlich näher. So war die Wahl der WINTERREISE mit den Texten von Wilhelm Müller wohl eine Art Menetekel, passend zu den chaotischen Zuständen in und um Berlin. So spricht Michael Struck-Schloen auch von dem "expressiv aufgeladenen Grundton, der im letzten resignativen Liedpaar >Die Nebensonnen< und >Der Leiermann< in schiere Lebensmüdigkeit mündet".
    Mir liegen rund ein Dutzend Aufnahmen von Schuberts Liederzyklus WINTERREISE vor, darunter befinden sich große Namen, wie Dietrich Fischer-Dieskau, Gerard Souzay, Anton Dermota, Peter Pears, Hans Hotter und Gerhard Hüsch, die alle ihre großen Vorzüge haben, aber keine Aufnahme hat mich so sehr ergriffen wie die von Peter Anders aus dem bedrohten Berlin der letzten Kriegswochen. Der Sänger hat den Zyklus drei Jahre später, 1948, noch einmal mit Günter Weissenborn, aufgenommen, aber er erreicht da nicht mehr den einzigartigen, manchmal einem Fieberwahn ähnlichen Ton seiner frühen Aufnahme, die inzwischen auch in dieser Form erhältlich ist:

    Das Foto mit den zerstörten Reichstag im Hintergrund gibt einen blassen Eindruck davon, wie es damals in Berlin und in den Herzen seiner Bewohner ausgesehen haben mag.
    Wer die Stimme von Peter Anders liebt, der wird an dieser alten Aufnahme, die technisch den Umständen entsprechend gut gelungen ist, nicht vorbeikommen.


    Zwei weitere CDs aus dem reichhaltigen Repertoire des unvergessenen Künstlers möchte ich hier noch empfehlen:
    und
    Die EMI-CD enthält u.a. die einzige Studio-Aufnahme der Florestan-Arie vom 27.3.1952 (Dir.: Artur Rother) sowie die berühmten Duette aus Madame Butterfly, Othello und Die verkaufte Braut mit Sena Jurinac (Dir.: Otto Ackermann).
    Die DGG-CD enthält u.a. vier Orchesterlieder von Richard Strauss, begleitet von den Münchner Philharmonikern unter Fritz Lehmann.
    Beide Ausgaben sind mit guten, mehrsprachigen Booklets ausgestattet.

  • Im Beitrag Nr. 54 hat WoKa bereits das seltene Dokument gezeigt, Schuberts WINTERREISE mit Peter Anders und Michael Raucheisen am Klavier, das seinerzeit in der DGG-Centenary-Kollektion erschienen ist:


    Es ist wohl die letzte Aufnahme der DGG vor dem Ende des 2. Weltkriegs, sie entstand in den Monaten Januar und März 1945 im Haus des Rundfunks in Berlin, während fast pausenloser Bombenangriffe der Alliierten. Deshalb fragt, nicht zu Unrecht, der Autor des Booklettextes, Michael Struck-Schloen, "Singt und spielt es sich in existentiellen, gar lebensbedrohlichen Krisenzeiten anders als in Phasen der Sicherheit und Sattheit?"
    Als die letzten Aufnahmesitzungen im März 1945 stattfanden, stand die Rote Armee nur noch knapp 60 km von der Reichshauptstadt entfernt, an der Oder. Während weite Teile Berlins zu dieser Zeit bereits in Schutt und Asche lagen, war das Haus des Rundfunks in der Masurenallee fast noch unbeschädigt durch die schreckliche Zeit gekommen. Aber die Bombardements gingen weiter, und die Russen rückten von Tag zu Tag bedrohlich näher. So war die Wahl der WINTERREISE mit den Texten von Wilhelm Müller wohl eine Art Menetekel, passend zu den chaotischen Zuständen in und um Berlin. So spricht Michael Struck-Schloen auch von dem "expressiv aufgeladenen Grundton, der im letzten resignativen Liedpaar >Die Nebensonnen< und >Der Leiermann< in schiere Lebensmüdigkeit mündet".


    Zunächst besten Dank, dass Du dieses Thema wieder aufgegriffen hast. Peter Anders ist mir auch sehr wichtig, und die erwähnte "Winterreise" aus dem Bunker des Hauses des Rundfunks an der Berliner Masurenalle, das den Krieg überstanden hat, weil es die Alliierten brauchten. Was die Labelzurodnung anbelangt, bin ich mir nicht so sicher wie Du. Ich ging immer davon aus, dass die Grammophon diese "Winterreiise" erst nachträglich aus den Beständen des Reichsrundfunks Berlin übernahm. Sie war so selten nicht und weit verbreitet. Sogar in der Sowjetunion war sie in Umlauf und auch in der DDR bei Eterna. Der Pianist Michael Raucheisen hatte sie im Rahmen seiner großen Liederdersammlung für den Rundfunk eingespielt. Davon sind weit nach Kriegende auch Plattenboxen gepresst worden, geordnet nach Komponisten. Schubert ist mit - wenn ich richtig gezählt habe - 200 Liedern die größte Abteilung. Die Übernahme auf CD ist leider in einigen Fällen akustisch nicht geglückt.


    Ich teile Deinen Höreindruck der "Winterreise". Wie soll man sich vorstellen, dass oben Bomben fielen und Menschen starben, unten aber Lieder produziert wurden? Ich sehe darin eine besonders krasse Form von Realitätsverweigerung und Durchhaltewillen. Bekanntlich war Raucheisen ein strammer Nazi und von Hitler auf die so genannte Gottbegnadenliste gesetzt worden. Daran muss ich auch denken, wenn ich diese Lieder höre.

  • Was die Labelzurodnung anbelangt, bin ich mir nicht so sicher wie Du. Ich ging immer davon aus, dass die Grammophon diese "Winterreiise" erst nachträglich aus den Beständen des Reichsrundfunks Berlin übernahm.


    Lieber "Rheingold1876",


    hier bin ich noch einmal!


    Es stimmt, es handelt sich nicht um eine Original-Aufnahme der DGG, sondern um eine Produktion der Reichsrundfunk-Gesellschaft (RRG), wie aus der Textbeilage der Centenary-Ausgabe der DGG klar hervorgeht. Ich bin da einem Irrtum aufgesessen, wahrscheinlich deswegen, weil ich die Aufnahme erstmals in den 1960er Jahren als ein 2 LP-Album des DGG-Unterlabels HELIODOR erworben hatte, das, wie zu dieser Zeit üblich, keinerlei Angabe über Ort und Zeitpunkt der Aufnahme machte. Ich bin aber davon ausgegangen, daß die DGG hier eine frühere Original-Ausgabe des Gelbetiketts in ihrer Billig-Reihe HELIODOR neu veröffentlicht hätte. Vielen Dank für Deinen Hinweis.


    Ich teile Deinen Höreindruck der "Winterreise". Wie soll man sich vorstellen, dass oben Bomben fielen und Menschen starben, unten aber Lieder produziert wurden? Ich sehe darin eine besonders krasse Form von Realitätsverweigerung und Durchhaltewillen. Bekanntlich war Raucheisen ein strammer Nazi und von Hitler auf die so genannte Gottbegnadenliste gesetzt worden.


    Das ist in der Tat eine grausige Vorstellung, aber es war wohl Teil des Durchhaltewillens und einer Trotzhaltung, die uns Heutigen kaum verständlich zu machen ist. Ob Michael Raucheisen zu dieser Zeit noch an den Endsieg geglaubt hat, nach allem, was um ihn herum geschah, darf man wohl mit Fug und Recht bezweifeln. Ob er ein "strammer Nazi" oder doch nur ein braver Mitläufer war, der um seiner beruflichen Karriere willen Konzessionen an das Regime gemacht hat, wie Unzählige andere auch, weiß ich nicht. Ich möchte darüber nicht urteilen. Wie auch immer, ändert das nichts daran, daß Raucheisen ein guter Musiker und ein einfühlsamer Begleiter gewesen ist. Peter Anders hätte wohl kaum einen Besseren finden können.
    Schließlich wollen wir dankbar sein, daß, trotz aller widrigen Begleitumstände, dieses unwiederbringliche Dokument entstanden und uns erhalten geblieben ist.


    LG, Nemorino


  • Auch für mich ist Peter Anders einer der wichtigsten deutschen Tenöre der Nachkriegszeit, der in den 1950er Jahren eine Popularität genoß, die man sich heute kaum noch vorzustellen vermag. Sie wurde damals noch gesteigert durch seinen tragischen Tod am 10. September 1954, als er, erst 46 Jahre alt, seinen schweren Verletzungen erlag, die er sich bei einem Autounfall zugezogen hatte.
    Ich möchte hier noch eine CD empfehlen, die ihn in den Glanzrollen des deutschen Repertoires zeigt. Die Aufnahmen entstanden in den Jahren zwischen 1944 und 1952. Es handelt sich fast ausschließlich um Rundfunkproduktionen, mit Ausnahme der beiden Ausschnitte aus Wagners "Die Meistersinger", und zwar "Fanget an" und "Am stillen Herd" aus dem 1. Akt der Oper. Sie wurden beim Festival of Britain 1951 in London mitgeschnitten. Begleitet wird er vom Orchester der Covent Garden Opera unter der Leitung von Sir Thomas Beecham:

    Klanglich sind sie, gemessen an den damaligen technischen Möglichkeiten, erstaunlich gut gelungen.


    LG, Nemorino