Können Komponisten der "zweiten Garnitur" erstklassige Werke komponieren ?

  • Auf die Idee zu diesem Thread brachte mich seinerzeit Edwin während seiner Auseinandersetzung mit einem User, der den englischen Komponisten Edward Elgar glühend verteidigte. Edwin wiederum legte damals nachvollziehbar dar, weshalb er Elgar keinesfalls den Rang eines erstklassigen Komponisten zuerkennen könne und genau dieser Elgar ist es wiederum, von dem ich aus dem Stand heraus 3 Werke zu benennen vermag, die zu den bedeutendsten ihrer Gattung gezählt werden dürfen; es sind diese:


    Das Violinkonzert
    Das Oratorium "The Dream of Gerontius" und
    Das Violoncellokonzert.


    Ohne mich jetzt auf Details einzulassen, darf diesen Kompositionen Grösse attestiert werden, denn sie erfüllen sowohl inhaltlich wie auch formal genau das, was bedeutende Musik ausmacht; Originalität und satztchnische Meisterschaft, vom hohen Wiedererkennungswert einmal abgesehn.


    Deshalb meine Frage: kann dergleichen ein Komponist der "zweiten Garnitur"
    überhaupt leisten ? Gibt es noch andere Beispiele, z.b. "Ein-Werk-komponisten" Über eure Beispiele und Gegenbeispiele freue ich mich jetzt schon !

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Hallo,


    Eine schwer zu beantwortende Frage!
    Ich finde es allein schon sehr schwierig Komponisten in "Garnituren" einzuteilen. Es gibt einfach auch verschiedene Geschmäcker, und was gut gemacht, oder genial ist, ist doch ein recht subjektiver Eindruck.
    Es gibt leute, die verehren Johann Strauss, andere, die verehren Bach, andere Schöberg und wieder andere Glass...Zwischen dien Komponisten bestehen immense unterscheide, aber auch Qualitativ? Wie wüede eine Rangliste aussehen, eigenen Geschmack nicht eingerechet? Ich sehe einfach keine vergleichbaren Bezugsbpunkte zwischen z.B. einer Strauss Operette und einer Bach-Kantate. Beide Komponisten haben doch mit ihren Werken eigene Intentionen und Ansprüche...
    Ich denke, es gibt zwar Tendenzen (Ich möchte nicht Beethoven mit Henri Herz vergleichen. da ist klar, wer das rennen macht) aber keine "Stufen" des könnens oder so.


    Als beispiele kenne ich zum beispiel Leon Boelleman. Äusserst populär ist seine "Suite gothique, Op.25" für Orgel. Das Werk gehört quiasi zum Standartrepertoire jedes Organisten. Manache bezeichnen das Werk asl flach, ich halte es für sehr interessant, jeder Satz hat einen ganz eigenen, für sich sprechenden, Charakter. WEiss jemand ein anderes Werk von Boellemann.


    Interessant finde ich auch Samuel Barber. Sein "Adagio for Strings" gehört ja so ziemlich zu den "Schlagern der Klassischen Musik" und ist auf jedem zweiten Sampler drauf. Dass Barber noch andere Werke kompnier hat, dass scheint nur wenige zu interessieren. Ich habe gestern sein Klavierkonzert im Konzert gesehen/gehört...FANTASTISCH. Kritisiert wird an Barber, dass er sich dem Geschmack des Publikums zu sehr beugte und sich zu sehr rüchwerts wandte. Meines erachtens ist das "sich rückwärts wenden" ein viel zu negativ bewerteter Aspekt. Saint-Saens war ein Alleskönner, der sich in allem Epochen wohlfühlte, sich jedoch der "Alten Schule" verpflichtet fühlte. Auch heute noch wird er bisweilen sehr schief angeschaut und leise belächelt. Rachmannof wurde verschrien, und wir es bis heute noch, wegen seiner romantischen Tonsprache. Nichts desto trotz, gehören beide Komponisten für mich zu den ganz Grossen. Beide haben, trotz ihrer Rückgewandheit einen eigenen, unverkennbaren Ton gefunden. Das ist doch Originell!


    Viele Komponisten der Virtuosenliteratur sind ja auch nur noch für eins, zwei Werke bekannt. (Hiier ist die bewertung der Qualität meisstens etwas einfacher) Beispiele Bazzini - "La ronde des lutins" oder auch Monti - "Czardas" (Obwohl ich nicht weiss, ob Monti ein wirklicher, hauptberuflicher Komponist oder eher ein "Zigeunergeiger" war, der dieses Stück dann mal irgendwann notiert hat...


    Ich weiss, meine Antworten treffen nicht voll ins schwarze, sie sind aber ein versuch, Beispiele zu nennen und die Komplexität der Frage zu erläutern.


    Veiel Grüsse,


    Raphael

  • Deine Frage würde ich mit Ja beantworten.
    Wahrscheinlich wird er deswegen als Komponist "zweiter Garnitur" angesehen, weil er nicht den musikhistorischen Wert eines Haydns oder Beethovens besitzt.
    Vielleicht sind die drei Werke die du aufgezählt hast auch schon so ziemlich alles bei diesem Komponisten, vielleicht hat er sonst kaum noch wirklich nennenswerte Kompositionen hervorgebracht.


    Bei wirklich großen Komponisten kommt halt einfach vieles zusammen, vorallem Qualität UND Quantität.


    Ein Komponist wie Chopin hat zum Beispiel die Klaviermusik wesentlich revolutioniert.
    Da braucht es sonst nichts, da reicht das allein schon aus um ihn zu einem Komponisten ersten Ranges zu machen, auch wenn er auf anderen Gebieten nichts oder nur wenig geleistet hat.
    Trotzdem kenne ich einige die ihn als zweitrangig einstufen würden, nun ja.


    Aber letztenendes kommt es doch nur auf das Werk an welches man gerade hört, auf die Musik die einen in gerade dem Moment des Hörens verzaubert, bewegt, berührt, ergreift.
    DAS ist wirklich erstrangig.
    Diskussionen über den absoluten Wert eines Komponisten sind dagegen schon eher zweitrangig.

  • Ein Komponist, der auch nur ein einziges erstklassiges Werk schreibt, ist ein erstklassiger Komponist. Die Zahl der Versuche, die er zum Erreichen seines Ziels braucht, ist zweitrangig, schließlich geht es hier um Kunst und nicht um Sport.


    (Ich habe große Probleme mit Ranglisten, schließlich ist Musik wie alle Kunst in allererster Linie Kommunikation und Kommunikation ist etwas, was man erst einmal verstehen und nicht bewerten sollte)


    Übrigens würde ich in meiner Behauptung noch einen Schritt weiter gehen: es gibt sogar erstklassige Komponisten, die kein einziges "erstklassiges" Werk geschrieben haben. (Erstklassig im Sinne eines durchgängig durch die Zeiten und Kulturen anerkannten Werks). Es sind jene genialen Köpfe, ohne deren Anregungen die "Großen" nicht das geworden wären, was sie sind. Ohne die Begegnung mit Myslivecek wäre Mozart zwar immer noch gut, aber ein bisschen fade und Händel hat viele erstklassige Einfälle von Telemann, Keiser, Muffat und Mattheson bloß erstklassig verarbeitet.

  • Zitat

    Deshalb meine Frage: kann dergleichen ein Komponist der "zweiten Garnitur"
    überhaupt leisten ?


    Hallo,


    wenn mich nicht alle meine sieben Sinne verlassen haben, so würde ich meinen, dass die Fragestellung haarscharf an diesem Thread vorbeirauscht:


    Warum wurden Komponisten "vergessen" ?


    Viele von den bekannten Komponisten sind ja mittlerweile eh zu einer Art "Einwerkkomponisten" degradiert worden, nicht? Fragt man den Otto-Normal-Gebildeten, so käme durchaus folgendes Ergebnis heraus:


    Händel - Messias
    Bach - Weihnachtsoratorium oder BB Concerts
    Mozart - Zauberflöte
    Beethoven - 5. Sinfonie [nicht, dass man sie kennen würde...]
    Schubert - Unvollendete [dto.]
    Haydn - ????


    Wer kennt denn, von uns Insidern [ :stumm: ] abgesehen, andere Oratorien von Händel oder Bachs Kantaten oder Klavierwerke? Schuberts 9. äh... 8. oder Beethovens 7.? Und ich bin sicher, fragt man "so jemanden" nach Haydn - niemand würde auch nur ein Werk sicher benennen können [notfalls würde vielleicht die nicht von Haydn stammende Kindersinfonie genannt?].


    Demgegenüber stehen etliche Komponisten als Zeitgenossen, die nach meiner Meinung den genannten absolut ebenbürtig sind - sie teilweise sogar für meinen Geschmack durchaus übertreffen, darunter sicherlich Martín y Soler im Bereich Oper, Joseph Martin Kraus in Oper und Sinfonie, Hasse Oper/geistl. Werke, Clementi bei den Klavierwerken, in der Kammermusik Anton Hoffmeister usw...


    :hello:


    Ulli

  • ZUnächst mal möchte ich die Frage eindeutig mit JA beantworten.


    Dann müsste man analysieren wer wann und warum an den Rädchen der Geschichte gedreht hat, wodurch gewisse Komponisten zur "zweiten Garnitur" degradiert wurden.


    Oh doch - es gibt sie diese zweite Garnitur - aber nicht alle Komonisten die man ihr zuordnet sind in der Tat "zweitklassig"


    Es ist auch oft eine Frage des "Zeitgeistes". Viele einst hochberühmte Komponisten ihrer Zeit, zählen heute (mit viel Glück) als "zweitklassig" - Andrerseits werden heut viele Komponisten der Vergangenheit ais "genial" erkannt, von deren Genialität ihre Zeitgenossen nichts wissen wollten.


    Vivaldi beispielsweise war zu Lebzeiten hochberühmt. Nach seinem Tod jedoch geriet er in Vergessenheit und wurde als "Vielschreiber" - noch dazu als "gefälliger" (welche Verschärfung !!!) abgetan.
    Erst in den letzten 30 - 40 Jahren gewinnt der Komponist wieder an Profil - und er hat tiefschürfenderes geschrieben als sein "Standardwerk"



    Solers Opern beispielsweise können mit den Daponte Opren von Mozart durchaus mithalten. Dennoch steht er - was den Bekanntheitsgrad angeht - in der zweiten Reihe.


    mfg
    aus Wien


    Alfred

  • Ich muss ehrlich gestehen, wenn von Komponisten der "zweiten Garnitur" die Rede ist und dann gleich Elgar als Paradebeispiel angeführt wird, ärgert mich das sehr. Das soll sich aber gegen niemanden hier persönlich richten, und BBB hat ja auch seine kritische Haltung dem gegenüber deutlich gemacht. Ich finde es nur absoluten Blödsinn, überhaupt solche Kategorien zur Anwendung zu bringen. Die Diskussion, ob Elgar nun ein Komponist zweiten Ranges oder vielleicht noch niedriger anzusiedeln sei, hat den Thread über ihn damals kaputtgemacht und nur für böses Blut gesorgt, ohne irgendwen weiterzubringen. Ich mag z. B. Mendelssohn nicht so besonders, deshalb würde ich aber nicht provokant von ihm als einem Komponisten zweiter Klasse schreiben, obwohl ich ihn persönlich so einschätze.


    Es ist eine Eigenschaft der Kulturgeschichtsschreibung, dass Kanones erstellt werden, deren Grundlage aber immer höchst fragwürdig ist und oft auf ideologischen oder sozialgeschichtlichen Hintergründen beruht, die nichts mit Kunst und Ästhetik zu tun haben. Ich frage mich, warum hier immer Komponisten oder auch Strömungen und Epochen gegeneinander ausgespielt werden müssen. Das schafft nur Ärger und bringt keinem was. Grundlage des Sprechens über Komponisten und Werke kann m. E. nur das eigene Urteil sein, dieses Schubladendenken wird einfach niemandem gerecht.

    „People may say I can't sing, but no one can ever say I didn't sing."
    Florence Foster-Jenkins (1868-1944)

  • Interessante Fragestellung -


    die Ziffer hinter den Stücken geben meine "Qualitätsnote" wieder, bewertet werden nur Komposition und Interpretation, nicht die Qualität der Aufnahmetechnik, 1 ist schlecht, 10 ist exzellent) - Reihenfolge unsystematisch, je nach dem, was mir gerade so in die Finger fällt


    also - im wesentlichen Ein- (oder Zwei-) Stückkomponisten scheinen mir zu sein:
    - Johann Christoph Pezel : Sarabande (9)
    - Edward Elgar - Var 9, Nimrod - aus Enigma Variationen (8 ) und wohl vor allem Pomp and Circumstance, miit dem die Proms zu enden pflegen (6)
    - Herbert Howells - Requiem - Salvator mundi (8 )
    - gemäß der der Fragestellung sich anschließenden Diskussion wäre auch Wagner zu nennen, aus meiner Sicht ist er ein 2-Stücke Komponist: Tannhäuser-Vorspiel und Lohengrin Vorspiel (1. Akt natürlich) (9 und 7)
    - Augustin Barrios Mangoré: Präludium c-moll (7) und Una Limosna (7)
    - Jules Masssenet: Meditation (6)
    - Paganini: Caprice 24 (4)
    - Pepusch - Sonate d-moll für Flöte und Cembalo (6)
    - Pablo de Sarasate - Zigeunerweisen (7)
    - Jean Baptiste Loeillet: De Gant - Allegro (8 )
    - Pachelbel, Canon in D, der auch auf jeder zweiten "Barock-Hits"-Zusammenstellung präsent ist (6)
    - Antonio Bertali - Sonata a duo Chori für 12 Celli, vom Charakter her ähnlich wie Canon von Pachelbel (5)
    - Ravel: Bolero (6), die Tzigane (6) ist schon weitgehend unbekannt
    - Dieupart - Suite g-moll für Flöte und Cembalo (6)
    - Silvius Leopold Weiss - Sonate Nr 50 g As Dur (7)
    - Edvard Grieg: Peer Gynt Suite, vor allem Solveighs Lied (8 )
    - Couperin - Les baricades misterieuses (9), (auch wieder nur imho, von einer Mehrheit wird er vermutlich nicht als Wenig-Stück-Komponist angesehen)
    Tarrega - Recuerdos de la Alhambra (10)


    könnte fortfahren, soll aber erstmal reichen

  • Zitat

    Original von Draugur
    Grundlage des Sprechens über Komponisten und Werke kann m. E. nur das eigene Urteil sein...


    Genauso bitte ich meinen Beitrag zu verstehen, bin kein Musikwissenschaftler und stelle keine allgemeingültigen Verdikte auf, sondern gebe nur meine Meinung als Diskussionsbeitrag kund.

  • Wenn ein Komponist ein erstklassiges Werk komponiert, kann er nicht zur zweiten Garnitur gehören. Das ist ein Widerspruch insich.Oder anders herum, ein"Zweitklassiger" komponiert ein erstlklassiges, dann war er nie "zweite Garnitur"
    :no: :no: :no:
    Padre

  • Zitat

    Original von Padre
    Wenn ein Komponist ein erstklassiges Werk komponiert, kann er nicht zur zweiten Garnitur gehören. Das ist ein Widerspruch insich.Oder anders herum, ein"Zweitklassiger" komponiert ein erstlklassiges, dann war er nie "zweite Garnitur"
    :no: :no: :no:
    Padre


    Tut mir leid, aber einen Komponisten der vielleicht einmal in seinem langen Leben einen echten Geistesblitz hatte aber sich sonst hautpsächlich der sogenannten Salonmusik widmete, diesen mit einem Komponisten wie Mozart, der nur für die Musik lebte und noch dazu jung starb, gleichzustellen, wäre gegenüber Mozart äußerst unfair.


    Ein sehr gutes Beispiel ist der polnische Komponist Moszkowski der vorallem Salonmusik schrieb aber dennoch hin und wieder Werke komponierte die doch von Bedeutung sind und durchaus Tiefe zeigen.
    Trtozdem würde niemand ernsthaft einen Moszkowski neben einen Beethoven, Dvorak oder Schumann stellen wollen, oder doch? O_o


    Man muss das INSGESAMT sehen, Qualität und Quantität.
    Das Alter der Komponisten könnte man auch berücksichtigen, da würde dann aber ein Schubert alle abhängen *hust* :D:baeh01:

  • Zitat

    Original von Hayate
    Tut mir leid, aber einen Komponisten der vielleicht einmal in seinem langen Leben einen echten Geistesblitz hatte aber sich sonst hautpsächlich der sogenannten Salonmusik widmete, diesen mit einem Komponisten wie Mozart, der nur für die Musik lebte und noch dazu jung starb, gleichzustellen, wäre gegenüber Mozart äußerst unfair.


    Ein sehr gutes Beispiel ist der polnische Komponist Moszkowski der vorallem Salonmusik schrieb aber dennoch hin und wieder Werke komponierte die doch von Bedeutung sind und durchaus Tiefe zeigen.
    Trtozdem würde niemand ernsthaft einen Moszkowski neben einen Beethoven, Dvorak oder Schumann stellen wollen, oder doch? O_o


    Man muss das INSGESAMT sehen, Qualität und Quantität.
    Das Alter der Komponisten könnte man auch berücksichtigen, da würde dann aber ein Schubert alle abhängen *hust* :D:baeh01:


    Na ja, auch Mozart hat ja viel "Salonmusik" komponiert :pfeif:
    Und auch Schostakowitschs Film- und sonstige leichte Musik aus der Periode, in der er musikalisch "untertauchen" musste, sind ja auch nicht wirklich mit seinen Meisterwerken vergleichbar...


    Es geht auch ums Sterbealter?
    Voilà - Juan Crisóstomo Jacobo Antonio de Arriaga y Balzola, (* 27. Januar 1806 in Rigoitia (Bilbao); † 17. Januar 1826 in Paris), er wurde also grade mal 19...
    Und dass er was taugt, kann glaub ich Ulli bestätigen :beatnik:


    :hello:
    Stefan

  • Zitat

    Original von Barezzi


    Na ja, auch Mozart hat ja viel "Salonmusik" komponiert :pfeif:
    Und auch Schostakowitschs Film- und sonstige leichte Musik aus der Periode, in der er musikalisch "untertauchen" musste, sind ja auch nicht wirklich mit seinen Meisterwerken vergleichbar...


    Mozart, Salonmusik? Ja, natürlich auch, aber dieser stehen soviele große, unsterbliche Meisterwerke gegenüber die sich hier jetzt aufzuzählen garnicht lohnen würde.
    Es gibt hier im Fourm genug Threads zu Mozarts "großen" Werken.


    Zitat

    Original von Barezzi
    Es geht auch ums Sterbealter?
    Voilà - Juan Crisóstomo Jacobo Antonio de Arriaga y Balzola, (* 27. Januar 1806 in Rigoitia (Bilbao); † 17. Januar 1826 in Paris), er wurde also grade mal 19...
    Und dass er was taugt, kann glaub ich Ulli bestätigen :beatnik:


    Hm, interessant.
    Da er nach 1800 lebte und wirkte dürfte man von ihm schon romantische bzw. frühromantische Werke erwarten können.
    Hat er denn mehrere Werke auf dem Niveau einer Wanderer-Fantasie, einer Klaviersonte D.960, einem Streichquartett "Rosamunde" oder eines Beethoven Klavierkonzerts komponiert?


    Mich würde er wirklich interessieren, dieses Alter ist für einen Komponisten ja schon wahrlich rekordverdächtig.

  • Zitat

    Barezzi schreibt: Voilà - Juan Crisóstomo Jacobo Antonio de Arriaga y Balzola, (* 27. Januar 1806 in Rigoitia (Bilbao); † 17. Januar 1826 in Paris), er wurde also grade mal 19...Und dass er was taugt, kann glaub ich Ulli bestätigen


    Wenn auch ich darf: Ich lege noch einen drauf; Arriaga ist m.E. eindeutig ein Komponist der ersten Garnitur, was auch immer das heißen mag; die Kraft und Formschönheit in seinen frühen Werken beweisen dies. Er ist nur zu früh gestorben, um dies auch in großbesetzten Werken ausreichend anzuwenden (nur das zählt bei den meisten Musikhörern; u.a. deshalb ist er in unseren Graden noch verhältnismäßig unbekannt).


    Uwe

  • Zitat

    Hat er denn mehrere Werke auf dem Niveau einer Wanderer-Fantasie, einer Klaviersonte D.960, einem Streichquartett "Rosamunde" oder eines Beethoven Klavierkonzerts komponiert


    Ist das nicht ein wenig viel verlangt?
    Ich habe eine Sinfonie, eine Overture sowie eines seiner Streichquartette gespielt, und dies waren alles erstklassige Werke, die einem Schubert im Alter von 18-19 Jahren nicht nachstanden.


    Im übrigen mag ich diese ganzen Einstufungen nicht.
    Wie Herbert Henn ganz richtig feststellt, müßte erst einmal geklärt werden, was ein Komponist der zweiten Garnitur ist.
    Das geht dann wahrscheinlich wieder so ab wie im alten Elgar-Fred :no:


    :hello:
    Michael

  • Zitat

    Zitat:
    Original von Alfred_Schmidt
    ...
    Solers Opern beispielsweise können mit den Daponte Opern von Mozart durchaus mithalten. ...


    Zitat

    Original von Theophilus:
    Nie und nimmer!



    oh doch, das können sie ! :D
    (ganz besonders "La Capricciosa Corretta" das Libretto stammt ja von Da Ponte)



    Und ich kann was Arriaga betrifft nur zustimmen - das er so früh starb, ist wohl einer der größten Verluste der Musik - was für ein genialer Kerl... unglaublich ;(;(;(

  • Nun, wenn es denn wirklich überhaupt keine Abstufung zwischen Komponisten gibt, dann will ich, sollte ich mal wenigstens ein gutes Werk in meinem Leben komponieren, bitte stets in gleichem Atemzug neben Bach, Mozart, Haydn, Beethoven, Dvorak, Tchaikowsky, Grieg, Mahler usw. genannt werden.
    Immerhin wäre ich dann auch einer von den vielen zig-tausend "großen" Komponist die bisher gelebt haben.
    Außerdem hat unser Freund rappy auch schon eine schöne und gute Symphonie komponiert, warum wird er hier im Forum nicht genauso oft besprochen wie ein Beethoven? Verstehe ich nicht. Wird er hier etwa tatsächlich als minderer Komponist behandelt? :boese2:


    Auch sollten wir qualitativ nicht mehr zwischen einem Jack London und einem Dan Brown unterscheiden, beides sind Schriftsteller auf einem gleich hohen Niveau!

  • Hallo Hayate,
    ich gehe mal davon aus, daß Deine Antwort recht spitzfindig ist.
    OK, dann fange ich mal an:
    Du hast da ein paar Komponisten genannt.
    Diese gehören für Dich dann wohl zur 1.Garnitur

    Zitat

    Bach, Mozart, Haydn, Beethoven, Dvorak, Tchaikowsky, Grieg, Mahler


    Grieg ist natürlich in jedem Falle allerhöchstens 2.Garnitur, wenn nicht sogar nur Oberliga.
    Tschaikowsky ist ein Grenzfall, aber eher doch 2.Garnitur.
    Bei Dvorak wird es auch kritisch.
    Sichere Kandidaten sind natürlich Bach, Mozart, Haydn, Beethoven.
    Da wird auch niemand ernsthaft diskutieren wollen.


    Na gut, das war jetzt spitzfindig von mir, aber so ähnlich dürfte sich die Diskussion dann abspielen-oder nicht?
    Also läßt man das vielleicht besser einfach, oder nicht?


  • Was hast du denn gegen spitzfindige Diskussionen? :>
    Ich muss aber sowieso Schluss machen für heute, du hast gewonnen. :D

  • Zitat

    Original von der Lullist




    oh doch, das können sie ! :D
    (ganz besonders "La Capricciosa Corretta" das Libretto stammt ja von Da Ponte)


    Ich erlaube mir die Frechheit zu behaupten: Wer dies nicht erkennt, versteht Mozarts Da-Ponte-Opern...
    eben anders...


    Und nicht umsonst hat sich Mozart bei Martín y Solers [das ist der richtige Nachname] Cosa rara erfolgreich bedient - fast das gesamte Finale I ist... gekl... zitiert.


    Zitat

    Und ich kann was Arriaga betrifft nur zustimmen - das er so früh starb, ist wohl einer der größten Verluste der Musik - was für ein genialer Kerl... unglaublich ;(;(;(


    Auch da kann ich voll zustimmen - nur leider: Ich habe noch keine Einspielung seiner Quartette zu Gehör bekommen, die annähernd so genial sind, wie die Musik sebst [allerdings sind einige Aufnahmen recht gut].


    :hello:


    Ulli

  • Zitat

    Original von Hayate
    Außerdem hat unser Freund rappy auch schon eine schöne und gute Symphonie komponiert, warum wird er hier im Forum nicht genauso oft besprochen wie ein Beethoven? Verstehe ich nicht. Wird er hier etwa tatsächlich als minderer Komponist behandelt?


    ...und ich erst... :boese2:


    Immerhin habe ich den Mozart mehrfach in Konzerten geschlagen. Das Publikum kann es bezeugen...


    :hello:


    Ulli

  • Hallo Hayate,

    Zitat

    Was hast du denn gegen spitzfindige Diskussionen?


    Der alte Elgar-fred hat mich viel Nerven gekostet, und viel Tipperei und Zeit.
    Und was hat es gebracht-nichts!
    Dies führt zu nichts und im neuen Elgar-fred kann man dann alles nochmal neu schreiben-mache ich aber nicht.
    Ich habe einfach Sorge, daß sich nachher alle die Köpfe einschlagen bei dem Versuch, Komponisten in 1.-2.- sonstige Garnitur einzuteilen.


    Natürlich mache ich auch Unterscheidungen, aber die sind meistens eher liebevoll gemeint.


    Ein Beispiel ist der von mir und einigen Forianern geschätzte E.J.Moeran.
    Ich würde bei ihm sagen, daß er ein Komponist aus der 2.Reihe ist, der erstklassige Musik komponierte- seine Sinfonie zum Beispiel.
    Aber mein Begriff "aus der 2.Reihe" bezieht sich dann auf englische Komponisten.
    Wenn ich jetzt einmal davon ausgehe, daß englische Komponisten bis auf ganz, ganz wenige Ausnahmen sowieso gegen Bach, Beethoven und co. nur die Chance auf eine 2. oder 3.Garnitur haben, dann wäre der gute Moeran endgültig im Orcus verschwunden.


    Ich finde, daß das zu weit gehen könnte.


    Just my 2 Cent..


    Michael

  • Zitat

    Immerhin habe ich den Mozart mehrfach in Konzerten geschlagen


    Ich dachte, der ist tot ?(
    Und wohin hast Du ihn geschlagen?
    Voll in die Fr.. :stumm: ?
    Saalschlacht beim Mozartwirt, das wäre doch mal eine Schlagzeile


    Zitat

    Das Publikum kann es bezeugen...


    Don King, Henry Maske, die Klitschko-Brüder?

  • Zitat

    Original von Michael Schlechtriem
    Der alte Elgar-fred hat mich viel Nerven gekostet, und viel Tipperei und Zeit.
    Und was hat es gebracht-nichts!


    Das finde ich überhaupt nicht! Es geht ja auch nicht darum, prinzipiell Überzeugungsarbeit zu leisten, sondern sich - mehr oder weniger - zu outen. Und viele unkommentierte Ansichten haben durchaus ihre Anhänger! Auch, wenn sie nicht öffentlich kundgetan werden.


    :hello:


    Ulli

  • Ich habe das anders gemeint.
    Mir war sehr klar, daß die andere Seite nicht zu überzeugen ist, das wollte ich auch nicht, denn die andere Seite ist sehr kompetent und ich akzeptiere ihre Einstellung.
    Allerdings finde ich es bezeichnend, daß dies alles so abgeschreckt hat, daß nun in einem neuen Fred ausdrücklich nur noch positive Eindrücke erwünscht sind-und eigentlich kann man dann alles nochmal schreiben.
    Ich hätte es besser gefunden, im alten Elgar-Dingens weiterzumachen, anstatt nun alles doppelt zu moppeln.
    Ich wiederhole mich ja gerne und möchte nochmal darauf hinweisen, daß ich große Sorge habe, daß wir uns nachher hier die Köpfe einschlagen.


    :hello:
    Michael


  • Natürlich war auch dies nicht sonderlich ernst gemeint - dennoch vermag es vielleicht zum Nachdenken anregen, siehe hier:


    1. Am besten angekommen
    2. Das Werk des Abends


    ...ist mir ja grundsätzlich peinlich... :O


    :D


    Ulli

  • Lieber Ulli,
    das weis ich doch alles, ich habe Dich schon ausspioniert, was das web so hergibt :D :baeh01: Ich bin sehr neugierig :untertauch:
    Alles sehr positiv-keine Sorge!


    :D
    Michael


    P.S.

    Zitat

    ist mir ja grundsätzlich peinlich


    Natürlich, wenn ich über mich angeb.. :stumm: äh schreibe, ist mir das auch immer total peinlich, aber es muß irgendwie sein :D
    Laß doch mal ein Quartett rüberwachsen.
    Oder eine Cellosonate.

  • Zitat

    Original von der Lullist


    Oh doch, das können sie ! :D
    (Ganz besonders "La Capricciosa Corretta", das Libretto stammt ja von Da Ponte)


    Was hilft es? Das macht Soler noch immer nicht zu einem Mozart.


    :hello: