Händel, Georg Friedrich: Der Messias (Messiah)

  • Liebe Forianer,


    Händel kommt im Forum Vokalmusik bisher bis auf eine Nachfrage zu Arien nicht vor. Deshalb möchte ich diesen Thread zu seinem Messias oder vielleicht besser Messiah eröffnen. Ein Stück, das wohl nicht Kirchenmusik im strengen Sinne ist, der Librettist hat es konzipiert als "Grand Musical Intertainment" und das ist es vielleicht auch in gutem Sinne.


    ich habe mich in dieser dunklen Zeit immer wieder an der Aufnahme von William Christie erfreut, mit dem kürzlich erworbenen Mc Creesh habe ich mich nicht anfreunden können. Da mir dieses wunderbare Stück Chormusik nach einem Life-Ereignis in London vor einigen Jahren noch mehr ans Herz gewachsen ist, würde ich doch gern Eure Favourites hören. Alternativen und neu zu Entdeckendes gibt es ja wohl in großer Zahl. Also: Was sind Eure liebsten Aufnahmen, was würdet Ihr zum Wieder- und Wiederhören empfehlen?


    Vielleicht auch: was verbindet Ihr mit dieser Musik?


    Mit herzlichen Grüssen


    Matthias


  • Seufz: ich dachte schon, da startet vielleicht mal jemand einen thread
    über Händels Oratorien OHNE den Messias, aber da scheint sich das Interesse im Forum insgesamt nur auf die sogenannen "highlites" zu beschränken :O


    Wer wie ich aus englischsprachigen Landen stammt und ausserdem noch heftigst in Chor bzw. Geistliche Musik involviert ist, gehört ganz sicher zu denen, die dieses Werk nicht allzuoft und dann auch nur wirklich wohldosiert "geniessen" können:


    Der Aufnahmen davon sind gewiss Legion und ich beschränke mich hier auf 2, die aus ganz unterschiedlichen Gründen für mich Referenzcharakter haben:


    Da wäre an vorderer Front zu nennen:


    Christopher Hogwwod, der hier die "Dubliner" Fassung von 1752 zu Gehör bringt: Die wunderbaren Solisten, Nelson, Kirkby und vor allem ein jugendlich strahlender Paul Eliott mit seinem unvergesslichen "Comfort ye...", eine großartige Chor -und Orchersterleistung machen diese Aufnahme für mich zur ersten Referenz:



    Liebling Nr. 2 ist Trevor Pinnock mit einer wundervoll transparenten, nicht zu üppig besetzten Aufnahme: hier ist noch einmal die viel zu früh verstorbene, wunderbare Arlen Auger zu erleben:



    Was einzelne Arien des Werkes betrifft, sei unbedingt an Kathleen Ferriers großes Recital von 1952 erinnert, die hier alle überhaupt mögliche Gealtungskraft einem schon versagendem Körper abtrotzt.
    Meine Eltern hatten die Gelegenheit, das damals Live zu hören und konnten es ihr Leben lang nicht vergessen:




    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • @BBB


    Da Händel bisher überhaupt nicht vorkam, war ein vorsichtiger Versuch wohl angezeigt. Threads mit 0 Antworten gibt es schon Etliche. Vielleicht gibt es auch noch ganz andere "Referenzen" und Präferenzen. Bin im übrigen gespannt auf weitere threads zu Händel aus Berlin.


    Aber in jedem Fall schon jetzt herzlichen Dank für die vielen Anregungen.


    Gruß


    Matthias

  • Unter den "Referenzaufnahmen" darf diese nicht fehlen, auch wenn sie eher eine Referenz für das Oratorienverständnis weit vor dem Beginn der HIP-Bewegung darstellt. Für fanatische Anhänger eher "lyrischer" Stimmen, kleiner Orchesterbesetzungen und vibratolosen Spieles dürfte diese Einspielung so etwas wie der in Rillen gepreßte leibhaftige Antichrist sein.



    Beechams Dirigat des "Messias" in der Fassung von Sir Eugene Goosens klingt wie einer der Soundtracks zu den epischen Bibel-Schinken in Cinemascope, die Hollywood in den 50er Jahren produzierte. Die Tempi sind für heutige Ohren zumeist sehr langsam, das Orchester hat wagnersche Dimensionen und die Sänger pflegen opulentesten Opernstil. In manchen Momenten, wenn etwa Triangel und Becken ihren frenetischen Eínsatz bekommen, ist man schon peinlich berührt, und dennoch... Die Aufnahme hat "Grandeur", sie überwältigt. Wie sagt man im Englischen so schön: "A guilty pleasure".


    Grüße


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Sagitt meint:


    Was den Tenorpart angeht, möchte ich speziell auf Joseph Cornwall verweisen. Er singt - früher Mitglied eines der hochwertigen englischen Vokalensembles- bei Parrott die Tenorpartie- großartig lyrisch.


    Ohnehin ist Parrott, leider ein wenig in den Hintergrund getreten, bei der alten Musik immer eine erste Adresse. Entsprechend positiv werden bei amazon seine Aufnahmen, auch die des Messiah, gewürdigt. Mit Krikby und Evera hat Parrott weitere hochwertige Solisten und sein Taverner choir singt ebenfalls vorzüglich.

  • hallo



    Huuch, gibts den Paul McCreesh-Messiah jetzt nur noch in der SACD-Ausgabe?
    Ich bin seit einigen Jahren mit meiner Messias-Diskographie vollständig zufrieden. Nach der herrlichen McCreesh-Aufnahme gelüstet mir nicht sonderlich nach erneuten Käufen.
    Aber den Beecham find ich auch Klasse und den Mozart-Messias muss man eigentlich auch kennen.

  • Ich habe bisher vier Aufnahmen vom "Messias" - mein absolutes Lieblings-Oratorium. Das weltberühmte "Halleluja!" brachte mich auf diese Kostbarkeit von Georg Friedrich Händel bzw. George Frideric Handel.


    Bisher scheinen mir die dt. Aufnahmen vollkommen vernachlässigt zu sein - und das zu unrecht. Viele behaupten ja, die dt. Version könne niemals mit der engl. mithalten. Ich würde das nicht so pauschalisieren. Bestes Beispiel ist diese Aufnahme (leider nicht mehr erhältlich):



    Die Helmut Koch-Aufnahme von 1973. Meiner Meinung nach die beste dt.-sprachige Aufnahme.



    Um bei den dt. Aufnahmen zu bleiben gleich zur Mozart-Bearbeitung von 1789 von Sir Charles Mackerras (Aufnahme: 1974). Da ich nur diese Mozart-Version kenne, habe ich keine Vergleichsmöglichkeit, aber ich glaube sagen zu können, daß sie "gemächlicher", ruhiger herüberkommt als die barocke Händel-Urversion.



    Bei den engl. Aufnahmen verweise ich auf die bereits genannte geniale Beecham-Aufnahme von 1959 - in Fachkreisen höchst umstritten, dennoch ein Meisterwerk.



    Um auf Mackerras zurückzukommen: seine engl. Aufnahme von 1966 finde ich besonders gelungen, insbesondere das "Halleluja!". Ein Wermutstropfen bleibt allerdings: auch diese Aufnahme ist nur mehr gebraucht erhältlich.

  • Sagitt meint:


    Zu den Tenören beim Messias möchte ich auf zwei hinweisen:


    Erstens Joseph Cornwell. Dieser Sänger,gb. 1959, ist auf den Bereich der " alten Musik" spezialisiert, hat zuerst in verschiedenen Gruppierungen gesungen, unglaublich gut bei Deller ( dem Sohn) und singt die Tenor-Partie bei Parrott. Eine Glanzleistung, wie er seine Stimme lyrisch einsetzen kann.


    Zweitens- mal wieder- Hans Peter Blochwitz in der leider gestrichenen Mozart-Version des Messias unter der Leitung von Corboz. Ebenso großartig, wie er mit schlanker Stimme nicht nur die Tenorarien bewältigt, sondern auch die Koloraturen der Sopranarie Rejoice ( Nr. 16 des Stücks), die von Mozart für Tenor umgeschrieben wurde

  • BigBerlinBear





    Ist das nicht das Bild zum Veranstaltungplakat ihrer Lied-von-der-Erde-Aufführung? Ich meine es schonmal gesehen zu haben, und zwar genau in eben diesem Zusammenhang...

    "Noten haben einen zumindest ebenso bestimmten Sinn wie Wörter, wiewohl sie durch diese nicht zu übersetzen sind." (Felix Mendelssohn-Bartholdy)

  • hallo Hui,


    das ist die Titelseite des Decca-Doppelalbums zum 50. Todestag der Sängerin aus dem jahr 2003. Es ist aber durchaus möglich, daß das Foto auch "anderweitig" verwertet wurde !

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Na ich bin immer noch mit Haut und Haaren meinem "Messias" verfallen! Allerdings der nachorchestrierten Version...


    Ich bin stolzer Besitzer einer absolut hervorragenden Aufnahme von 1959 unter Thomas Beecham *sabber* der ein Dirigat hinlegt, wie ich es beim "Messias" bis jetzt kein zweites Mal erlebt habe! Traumhaft, fantastisch! Beecham eben...


    Sängerisch ist diese Aufnahme recht gut besetzt: Jennifer Vyvyan als Sopran und Monica Sinclair im Alt sint zwar keine Starbesetzung, aber trotz mancher Schwächen sehr gut. Überraschend gut besetzt ist der Bass mit Girorgio Tozzi, an dem wirklich kaum etwas auszusetzen ist. Selten habe ich ie Basspartieen so intensiv gehört.
    Das absolute Erlebnis hingegen ist der junge Jon Vickers im Tenor! Das diese mächtige Heldentenorstimme so biegsam und koloraturhaft daherkommen kann verschlägt einem den Atem. Vickers singt mit einer Virtuosität, die ihm wohl niemand, der das nicht gehört hat, jemals zutrauen würde. Die breiten Stellen meistert er in gewohnter Qualität, die innigen Pianopassagen wie "Thy rebuke..." offenbaren sein bezauberndes Mezza Voce in geradezu anrührender Weise.


    Ok, Schluss mit der Schwärmerei *g* Aber ich habe das nie schöner gehört... jedem Liebhaber wie Neueinsteiger nur zu empfehlen! Auch wenn sich an Vickers wohl immer die Geister scheiden...

  • Händels Messias wurde auf englisch geschrieben und ich war schon als Kind erstaunt, daß der Klavierauszug auch auf Englisch war. Die berühmten Aufnahmen sind wohl auch in dieser Sprache gesungen.


    Händels wunderschöne Opern, mit denen er ja nicht so viel Anklang fand, hölrt man sehr wenig. Die anderen Oratorien wohl auch reichlich wenig. Der Grund ist mir persönlich nicht bekannt.


    Wem ist dieser Wettstreit bekannt, bei dem Telemann den 1. Preis bekam, Bach den 2. und Händel den 3.?
    LG
    Mike

  • Klassikpianofan:


    Zitat

    Wem ist dieser Wettstreit bekannt, bei dem Telemann den 1. Preis bekam, Bach den 2. und Händel den 3.?


    Einen derartigen Wettstreit zwischen den 3 genannten Komponisten hat es nie gegeben und woran hätte man seine Kräfte auch messen sollen ?


    Bach komponierte keine Opern, Händel lebte seit 1712 nur noch in England und auch die Betätigungsfelder der drei waren ZU verschiedene, als das es da hätte zu produktiven Übereinstimmungen kommen können.


    Telemann kannte die beiden andern persönlich, Händel hatte offenbar kein Verlangen, sich mit Bach zu treffen, obwohl er dazu mehrfach Gelegenheit gehabt hätte.


    Es gab (angeblich) einen Wettstreit auf Cemabalo und Orgel zwischen
    Händel und Domenico Scarlatti, wobei Händel die Sparte Orgel, Scarlatti die Sparte Cemabalo gewonnen haben soll... (so geschehen anno 1708 )


    Der in vielen Bach-Biografien erwähnte Wettstreit auf Orgel und Cembalo zwischen Bach und dem bedeutenden franzöischem Komponisten Louis Marchand ist wohl doch nur eine Legende; französische Musikwissenschaftler wollen ermittelt haben, daß Marchand niemals in Deutschland war...

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Zitat

    Original von BigBerlinBear
    Der in vielen Bach-Biografien erwähnte Wettstreit auf Orgel und Cembalo zwischen Bach und dem bedeutenden franzöischem Komponisten Louis Marchand ist wohl doch nur eine Legende; französische Musikwissenschaftler wollen ermittelt haben, daß Marchand niemals in Deutschland war...


    Wenn ich mich recht erinnere hatte Bach vorgeschlagen, daß jede sogleich das nachspielen soll bei diesem Wettstreit was der andere vorspielt.
    Daraufhin soll Marchand erst gar nicht angereist sein!


    Richard Noname, der auch mal was gelesen hat! :D :stumm:

  • ähnlich habe ich mal irgendwann gelesen, dass händel bach nicht besuchen wollte weil er geglaubt haben soll, bach sei das größere genie der beiden.


    bin mir allerdings sehr sehr unsicher darüber. kann das vielleicht jemand bestätigen oder widerlegen?

  • Bach schickte von Leipzig aus seinen Sohn Friedemann nach Halle, wo Händel zu Besuch bei seiner Mutter weilte.
    Die Einladung Bachs, die er überbrachte, lehnte Händel mit dem Hinweis auf Zeitmangel ab, ich vermute eher, aus Desinteresse, denn er kannte Bach, wenn überhaupt, nur vom Namen her...
    Umgekehrt dagegen schrieb Bach Kantaten Händels eigenhändig ab um sie entweder in Hauskonzerten oder im Kaffeehaus aufführen zu lassen.
    Händel, der sich ansonsten überall und reichlich aus dem Ideen-Potential
    anderer, selbst unbedeutender Komponisten bedient, zitiert NIEMALS Bach in einem seiner Werke. Ich denke auch nicht, daß sie sich viel zu sagen gehabt hätten, die Lebensläufe und auch die pesrönlichen Interessen konnten unterschiedlicher nicht sein.

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Hallo Richard:


    Zitat

    Wenn ich mich recht erinnere hatte Bach vorgeschlagen, daß jede sogleich das nachspielen soll bei diesem Wettstreit was der andere vorspielt. Daraufhin soll Marchand erst gar nicht angereist sein!


    Also DARAUF hätte Marchand sich getrost einlassen können, denn die Schwierigkeit seiner Werke für Tasteninstrumente steht den Bachschen um nichts nach...


    Die "Idee" zu diesem "Wettspiel" hatte der verdienstvolle, 1. Bach-Biograf Nikolaus Forkel, der jedoch die Manie hatte, alles andere mit seinem "Abgott" zu vergleichen und herabzusetzen; ein unschöner Zug dieses sonst verdienstvollen Mannes !


    "Forkel berichtet in seiner Bach-Biographie von einem geplanten Wettstreit der beiden Virtuosen Bach und Marchand, zu dem der Franzose, über dessen Kompositionen Forkel sich mehr als abfällig äußert, nicht angetreten sein soll. Diese Anekdote ist zwar in keiner anderen Quelle verzeichnet, doch Ghielmi nutzt die Gelegenheit, um Forkels niederschmetterndes Urteil über Marchand („Seine Gedanken waren leer und unkräftig [...]“) ad absurdum zu führen. Gerade die Chaconne aus dem Ersten Buch mit Cembalostücken gehört zu den schönsten und tiefsinnigsten Werken für dieses Instrument. (und nicht nur die !!)"



    (aus einer Rezension der CD "Forkels Bach" von Lorenzo Ghielmi, verfasst
    von maciej berlin in "kulturküche" !

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Mir ist erst jetzt aufgefallen, daß der Messias in der deutschen Fassung ja in verschiedenen Übersetzungen bzw. Nachdichtungen aufgenommen wurde.Offensichtlich hat Mozart für seine Bearbeitung die Gervinius - Fassung nicht verwenden können oder wollen. Gottfried van Swieten hat eine Neuübertragung für ihn vorgenommen.


    Kennt jemand Hintergründe zu dieser Wahl der Textfassungen bzw. gibt es eventuell sogar noch andere Fassungen?


    Ich muß sagen, daß mir van Swietens Fassung deutlich näher steht - besonders im Eingangsrezitativ " Tröstet, tröstet..." und im Chor " Für uns zum Heil ein Kind geboren" spüre ich dies deutlich.


    Gruß
    Stefan

  • Oolong:


    Zitat

    Offensichtlich hat Mozart für seine Bearbeitung die Gervinius - Fassung nicht verwenden können oder wollen. Gottfried van Swieten hat eine Neuübertragung für ihn vorgenommen.


    Hallo Oolong, die Neuübertragung van Swietens hat dieser speziell für Mozart, (beide gehörten derselben Freimaurer-Loge an) angefertigt.


    Nun muss dazu gesagt werden, daß es sich beim Original von Ch. Jennens nicht um große Dichtung handelt, ebensowenig kann man erwarten, daß ein Nachdichter da "mehr" herausholen kann. Händels Musik folgt allerdings allen "Regungen" der Sprache auf ganz bewundernswerte Weise, so daß man nicht glauben mag, daß englisch NICHT des Komponisten Muttersprache wari.
    Grundsätzlich lehne ich es ab, das Werk in einer Übersetzung zu Gehör zu bringen; wenn man sich an Händels Orginal-Musik hält, sollte das englisch sein.


    Die Mozart-Fassung macht da insofern eine Ausnahme, da sie von vornherein von Textdichter und Musikbearbeiter als deutsches Werk konzipiert wurde.

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Salut,


    ich möchte nur der Vollständigkeit halber anmerken, dass Mozart für van Swieten gearbeitet hat und nicht umgekehrt. Und dieser - van Swieten - hat die Übersetzung für sich vorgenommen. Ich erlaube mir den link zu Bach - Mozart - Händel, wo ich im dritten Absatz von unten weniges dazu ausgeführt habe.


    Liebe Grüße
    Ulli

  • Ulli:


    Zitat

    der Vollständigkeit halber anmerken, dass Mozart für van Swieten gearbeitet hat und nicht umgekehrt.


    Der Vollständigkeit halber sei gesagt, daß erst Händels/Jennens Werk,
    DANN van Swietens Text und ganz zum Schluss erst Moazrt als Bearbeiter ins Spiel kam. Van Swieten hat den Text schon mit dem Wunsch nach Mozart als Bearbeiter abgefasst. Daß er der Geldgeber war, spielt für den Ablauf keine Rolle; last ot least: van Swieten übersetzte den Text für Mozart, "arbeitete" dann quasi auch für ihn.
    SO und nicht anders hab ich das gemeint :baeh01:

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Ähhh... um Misverständnisse zu vermeiden: van Swieten hat Mozart beauftragt, den Messias wie auch andere Werke Händels für unsere Zeiten brauchbarer einzurichten. Mozart hat nicht van Swieten darum gebeten, sondern umgekehrt. Den Text hat er für die Erstausgabe, welche mit zeitlicher Verzögerung erst 1802 erfolgte, übersetzt - sein Wunsch war es, dass Mozart die Musik "brauchbarer" setzt. Er hat vielleicht in seiner gesitigen Vorstellung "für" Mozart geschrieben - eigentlich aber eher für Händel, den van Swieten sehr verehrt hat und dessen Werk er editieren wollte.


    Zitat

    Der Vollständigkeit halber sei gesagt, daß erst Händels/Jennens Werk, DANN van Swietens Text und ganz zum Schluss erst Moazrt als Bearbeiter ins Spiel kam. Van Swieten hat den Text schon mit dem Wunsch nach Mozart als Bearbeiter abgefasst


    Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass zunächst einmal ein gewisser Herr Jesus geboren wurde. Die Geschichte wurde anfänglich mündlich überliefert, möglicher Weise bereits in den aufgefundenen Schriftrollen von Qumran erstmals teilweise schriftlich fixiert [bin mir nicht sicher], dann aber von den Evangelisten Markus, Lukas, Johannes und Matthäus in von mir nicht näher untersuchter zeitlicher Abfolge notiert und wurden später fester Bestandteil des Neues Testamentes des Jahrtausenbuches "Die Bibel".


    Was DAVOR war, steht in den Sternen.


    ;)


    Liebe Grüße
    Ulli

  • Zitat

    Original von BigBerlinBear
    Grundsätzlich lehne ich es ab, das Werk in einer Übersetzung zu Gehör zu bringen; wenn man sich an Händels Orginal-Musik hält, sollte das englisch sein.


    Danke an BigBerlinBear und Ulli für die prompte Antwort!


    Würde ich allerdings jenes o.g. strikte Verdikt teilen, wären mir als Hörer ja Helmut Kochs tolle Händel-Aufnahmen entgangen. Und dies wäre schlichtweg unerträglich für mich... :]


    Ich gebe aber zu, daß zuweilen ein " Comfort ye..." ebenso mein Herz erreicht - nicht zuletzt wegen einem Herrn Jesaja, der eindeutig als Aller-Allererster für Händel gearbeitet hat... :D


    Gruß
    Stefan

  • Oolong:


    Zitat

    Würde ich allerdings jenes o.g. strikte Verdikt teilen, wären mir als Hörer ja Helmut Kochs tolle Händel-Aufnahmen


    Helmut Kochs Händel-Einspielungen waren wohl vor allem deshalb in deutsch, weil man der "werktätigen Bevölkerung" der DDR die englische Sprache nicht zumuten konnte oder wollte . Mit den Opern, die in Halle aufgeführt wurden, verfuhr man ähnlich: die gabs auch nie in italienisch sondern nur auf deutsch. Vor 1989 dürfte auch kaum einmal eine der Mozartschen Da-Ponte-Opern in der Originlasprache zu hören gewesen sein.


    Annähernd zeitgleiche Messias-Einspielungen etwa von Beecham,
    Mackerras, Marriner sind den Kochschen in vielerlei Hinsicht überlegen, womit ich nicht beabsichtige, die individuelle Leistung des Interpreten zu schmähen sondern lediglich darauf verweise, daß das Händel-Bild der DDR
    auch 1960 noch so war, wie es von den "Vätern" der Händel-Bewegung
    (O.Hagen) in den fühen Jahren der Weimarer Republik geprägt wurde.

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Zitat

    LOL Och Ulli !!!!!!


    Salut,


    ich will nichts aufwärmen - mein Geist hat mich nicht getäuscht: In Mozarts Verzeichnüß aller meiner Werke steht wörtlich [1789]:


    NB: im Monath März für Baron Suiten Händels Messias bearbeitet.


    Warum ich aber eigentlich schreibe - Köchel:


    Mozarts Bearbeitung [des Messias] wurde am 6. März und am 7. April 1789 beim Grafen Joh. Esterhazy aufgeführt, laut Bernhardt auch 1789 und 1790 in der Swieten-Gesellschaft. Bei den ersten Aufführungen wirkten Mad. Lange, Melle. Altomonte, die Herren Gall und Adamberger sowie 12 Choristen mit; Mozart dirigierte. - Die Erstausgabe von B & H von 1803 wurde nach der Kopie gedruckt, die Griesinger im März 1802 bei van Swieten genomen hatte. Dabei wurde der Text stark verändert und von Friedr. Rochlitz [oder van Swieten?] dem Hillerschen angeglichen. [...] Die Ausgabe Peters hat ebenfalls vom Original abweichenden Text und ist nicht frei von willkürlichen Abänderungen.[...]


    Weiter unten:


    Nach den Untersuchungen A. Holschneiders wurde der Messias-Text von C.D. Ebeling unter Benutzung des Klopstockschen "Messias" ins Deutsche übertragen und bereits in den [17]80er Jahren für Aufführungen in Hamburg benutzt [ecce!]. Van Swieten hat durch Vermittlung des Fürsten Kaunitz den Deutschen Text zum Messias sich aus Hamburg besorgen lassen.


    sweety greetings
    Ulli



    Die Erstausgabe

  • Zitat

    Original von BigBerlinBear
    Annähernd zeitgleiche Messias-Einspielungen etwa von Beecham,
    Mackerras, Marriner sind den Kochschen in vielerlei Hinsicht überlegen, womit ich nicht beabsichtige, die individuelle Leistung des Interpreten zu schmähen sondern lediglich darauf verweise, daß das Händel-Bild der DDR
    auch 1960 noch so war, wie es von den "Vätern" der Händel-Bewegung
    (O.Hagen) in den fühen Jahren der Weimarer Republik geprägt wurde.


    Die bekannte Koch-Aufnahme ist aber von 1973... Überlegen?? Ich habe zwei Mackerras- (1966, 1987) und die bekannte Beecham-Aufnahme (1959). Wo sollen die konkret überlegen sein?


    Gruß
    Felipe