Händel, Georg Friedrich: Der Messias (Messiah)

  • Was haltet Ihr von der deutschen Aufnahme von Richter (1965)? Wohl neben der Koch-Aufnahme die herausragendste deutsche Aufnahme des "Messias".


    Gruß
    Felipe

  • Salut,


    von Karl Richter gibt es m. W. minimum zwei Einspielungen: Eine mit dem Münchener Bach-Chor und –orchester, welche ich habe [in Deutscher Sprache]:



    GUNDULA JANOWITZ · MARGA HOEFFGEN · ERNST HAEFLIGER · FRANZ CRASS


    sowie eine weitere mit dem London Philharmonic und Donath, Reynolds, Burrows, Melntyre [ich nehme an, in Englischer Sprache].


    Die erstgenannte Aufnahme ist die kraftvollste, welche ich persönlich kenne, ob es die von 1965 ist, weiß ich diesen Moment nicht auswendig.


    Bei der Gelegenheit sei auf die Voranzeige der Londoner Erstaufführung des Messias hingewiesen:


    Liebe Grüße
    Ulli

  • Hört, Hört!
    Every Ticket will admit either one Gentleman, or Two Ladies.


    Liegt das jetzt daran, weil die Herren so beleibt sind? Oder ist das einen frühe Form von Frauenförderung (so meint jedenfalls meine Frau, und zwar im positiven Sinne)?


    :D
    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -


  • Hallo,


    ja, die Aufnahme meine ich, die finde ich wirklich genial. Nirgends klingt das "Halleluja" so "himmlisch"...


    Gruß
    Felipe

  • Felipe:


    Zitat

    Die bekannte Koch-Aufnahme ist aber von 1973... Überlegen?? Ich habe zwei Mackerras- (1966, 1987) und die bekannte Beecham-Aufnahme (1959). Wo sollen die konkret überlegen sein?


    Zum einen sind sie überlegen, in dem sie sich deutlich an Händels originale Textur halten, eine wichtige Sache für JEDE textbezogene Musik. Weiter gehts mit dem Solisten-Ensemble: Ausser der fulminanten und viel zu weing bekannten Altistin Heidi Rieß können mich die Herren Schreier und Adam mit ihren vor allem an der Interpretation von Werken des 19. Jahrhunderts geschulten Stimmen wenig überzeugen.
    Da du die
    Beecham-Aufnahme von 1959 kennst, brauche ich von deren Qualitäten nicht zu sprechen.


    Die Mackerras-Einspielung von 1966 kann mit einem Solistenteam (Harwood, Tear, Baker, Esswood, Herincx) aufwarten, das für die damalige Zeit Maßstäbe setzte und erst durch Christopher Hogwoods
    Einspielung der "Dubliner" Messias-Fassung aus 1979 ernsthaft Konkurrenz bekam. Weiterhin verfügen BEIDE (Beecham, Mackerras)
    über die besseren Orchester. Nicht unerwähnt sollte in diesem Zusammenhang auch die 1976 entstandene Aufnahme Marriners sein,
    ebenfalls eine Interpretation von hohen Graden und aufführungsgeschichtlicher Bedeutung. Fazit: Das Bessere ist immer ein Feind des Guten. Nix gegen Helmut Koch, wie ich schon an anderer Stelle schrieb aber wenn ich, wie beim "Messias", die Qual der Wahl habe,fällt mir hier die Entscheidung gegen Koch leicht.

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Liebe Leser!


    In den letzten Tagen ließ ich mich in musikalischer Hinsicht besonders von Händels "Messias" berauschen. Ein wunderschönes Werk bei dem die Klassikfans auch durchaus die Liebe zum Barock entdecken können. Auch ich war kein besonderer Barockliebhaber, jedoch nach dieser Aufnahme von Händel entwickle ich doch eine Leidenschaft für diese grossartige Epoche in der Musikgeschichte!
    Ich habe aber auch eine Aufnahme, die man nicht so einfach im Musikladen kaufen kann, denn diese CD ist von einem regionalen Dirigenten und Chor und so gibt es nicht sehr vile Exemplare!
    Es würde mich trozdem interessieren, was ihr vom "Messias" denkt, sicher das berühmtestes Werk G. F. Händels! Ich weiss nicht, ob ihr besonders vom Barockzeitalter angetan seid und genau deshalb würde ich mich über Antworten freuen!
    So grüße ich meine Leser,


    euer, nun vom Barock-derart Begeisteter,
    Cecilius


    P.s.: Welche Händelstücke begeistern denn euch sonst noch?

  • Hallo, cecillius.


    Neben dem phänomenalen "Messias" begeistern mich persönlich vor allen Dingen noch "Israel in Ägypten" und "Semele", zwei relativ unbekannte Händel-Oratorien, v.a. ersteres.


    Gruß
    Felipe

  • Zitat

    Original von Felipe II.


    Neben dem phänomenalen "Messias" begeistern mich persönlich vor allen Dingen noch "Israel in Ägypten" und "Semele", zwei relativ unbekannte Händel-Oratorien, v.a. ersteres.


    Meiner Erfahrung nach ist Israel in Egypt wesentlich bekannter als Semele; letzteres ist ja auch eine halbe Oper ("musical drama"). Mich begeistert fast alles von Händel, was ich kenne (es gibt allerdings schon einen separaten thread zu den Oratorien), besonders auch die frühen in Italien komponierten Stücke, wie:



    Vergleichsweise unbekannte, aber großartige Orchesterstücke (incl. arrangements einiger highlights aus Oratorien) sidn die doppelchörigen Konzerte:



    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo Händelfreunde,


    obwohl ich schon eine ganze Reihe von Messiah-Aufnahmen habe, interessieren mich momentan noch zwei gerade auf den Markt gekommene Platten:


    Die erste ist nicht neu. Es handelt sich um William Christies allseits hochgelobte Aufnahme, die ja auch Matthias im Eingangsposting sehr lobt. Bisher war sie mir aber noch zu teuer. Nun erscheint sie in einer Neuausgabe, die es bei 2001 für gerade mal 16,99 gibt.Die werde ich mir sicher zulegen


    Mich interessiert sehr, ob mir jemand etwas über Harnoncourts neue Aufnahme sagen kann? Denn gerade bei den großen Vokalwerken gefällt mir sein Musizierstil der letzten Jahre - insbesondere das Mozart- Requiem und Verdis Messa da Requiem. Denn ihrer Folge würde ich einen durchaus klangseligen, tänzerischen Messiah erwarten. Oder lieg ich völlig falsch? Hab bisher bewußt auf die Hörprobenschnitzel verzichtet!



    Gruß
    Stefan

  • In Studentenzeiten durfte ich als Chortenor einige unvergessene Momente mit dem Messias erleben. Einmal sangen wir ihn in England, was mir angesichts der unglaublichen Qualität vieler englischer Chöre allerdings die Kehle ein wenig zugeschnürt hat.
    Wir sangen die "Foundling-Hospital-Version", die es in der schon erwähnten Referenz-Einspielung von Hogwood gibt. Durch diese Aufnahme, die damals gerade auf den Markt kam, lernte ich Paul Elliott (was ist eigentlich aus ihm geworden? In den 80er Jahren konnte man ihn doch auf nahezu jeder zweiten Barock-CD hören!) und Emma Kirkby (for he is like a refiner`s fire!)kennen und lieben.


    Meine zweite Referenz-Einspielung ist die von Gardiner. Diese Aufnahme war eine meiner ersten CDs. Ich liebe sie noch immer.


    Mit der deutschen Fassung kann ich nicht so viel anfangen.
    Ich hatte einmal eine fürchterliche Aufnahme (ich weiß beim besten Willen nicht mehr, wer die Interpreten waren), bei der ich die Ouvertüre kaum wiedererkennen konnte - so langsam und breeig wurde sie gespielt. Die Platte ist im Müll gelandet.


    Das einzige Stück aus dem Messias, das ich nicht so gerne höre, ist die Pifa. Da zappe ich manchmal drüber hinweg.

  • Sagitt meint:
    Was kann man für 3.99 E erwarten ? Jedenfalls bekommt man viel geboten, vom Kings collge choir unter Stephen Cleobury( zB a couple of countertenors, die eine eigene Färbung hineinbringen) Das Brandburg consort unter Goodman spielt hervorragend. Ebenso sind die Solisten allesamt weit über dem Durchschnitt. Anzufangen ist mit Lynne Dawson, einer englischen Sopranistin, die eine berückend schöne Stimme hatte und als Händelsängerin immer erste Klasse war- man höre die chandos athems mit the sixteen. Als zweiten nenne ich Alistair Miles. Das ist einer der schwarzen Bässe, die hier im Forum schon einmal angemahnt wurde, bei großer Beweglichkeit der Stimme, die er weissgott braucht für die Koloraturen. Aber auch die Altistin Summers,wunderbare Tiefe, und der Tenor Ainsley,viel beschäftigtzB von Gardiner, sind gut anhörbar.
    Ein wirklich hervorragende Aufnahme, aus dem Jahre 1994. Nunmehr für eben 3.99


    P.S. es ist eine DVD- wenn also der Beitrag woanders erscheinen muss, soll er dorthin wandern

  • Hi Tom,


    ich kenne diese Aufnahme, es ist die Mozart-Bearbeitung KV 572, ich hatte sie nur auf Tape. Es ist mir nie gelungen, sie auf CD yu bekommen. Sie war bei Erato France vorhanden.
    Jard van Nes, ein herrlicher Blochwitz, ein sehr guter Chor, meine Erinnerung.
    Schoene Gruesse von den fernen kanaren ( deswegen auch die seltsame Schreibweise)


    Saguitt

  • Darf man hier auch posten, wenn man nicht unbedingt eine Aufnahme macht, sondern ihn aus eigener Erfahrung kennt?
    Denn ich komme gerade von einem Probentag des Münsterchores Rottweil zurück, der den Messias in nächste Woche im Heilig-Kreuz-Münster Rottweil aufführen wird - ich bin für die Korrepetition zuständig.
    Es ist natürlich klar, dass man keine wirklichen Meisterleistungen verlangen kann, aber das, was der Chor bietet, finde ich schon sehr beachtlich (von einigen Sachen interpretatorischer Natur abgesehen - da bin ich mit dem Dirigenten nicht ganz zufrieden).
    Weiß jemand, ob Mozart die Arien überarbeitet hat?
    Wir machen die "originale" Fassung - allerdings sehr gekürzt - und haben dann heute im Rahmen einer Werkvorstellung einige Arien gehört; allerdings fehlte auf dieser Aufnahme die dritte Arie.
    Vielleicht ist da ja näher informiert.
    Viele Grüße

  • Zitat

    Original von sebastian
    Darf man hier auch posten, wenn man nicht unbedingt eine Aufnahme macht, sondern ihn aus eigener Erfahrung kennt?
    Denn ich komme gerade von einem Probentag des Münsterchores Rottweil zurück, der den Messias in nächste Woche im Heilig-Kreuz-Münster Rottweil aufführen wird - ich bin für die Korrepetition zuständig.
    Es ist natürlich klar, dass man keine wirklichen Meisterleistungen verlangen kann, aber das, was der Chor bietet, finde ich schon sehr beachtlich (von einigen Sachen interpretatorischer Natur abgesehen - da bin ich mit dem Dirigenten nicht ganz zufrieden).
    Weiß jemand, ob Mozart die Arien überarbeitet hat?


    Ja. Instrumentation überarbeitet (d.h. meist Holzbläser ergänzt), einige Arien auch transponiert und am auffallendsten bei "The trumpet shall sound" ein Horn statt der Trompete (weil es niemanden mehr gab, der das spielen konnte) Wenn es wichtig ist, kann ich gucken, ob mehr Details im Booklet meiner CDs stehen.


    Zitat


    Wir machen die "originale" Fassung - allerdings sehr gekürzt - und haben dann heute im Rahmen einer Werkvorstellung einige Arien gehört; allerdings fehlte auf dieser Aufnahme die dritte Arie.


    Welche Arie auf welche Aufnahme genau?



    Es gibt keine Fassung letzter Hand, sondern schon von Händel mehrer Versionen ("But who may abide" habe ich z.B. auch schon vom Bass gehört, ich bevorzuge die Altvariante)


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Zitat

    Weiß jemand, ob Mozart die Arien überarbeitet hat?


    @ Sebastian und eine Erweiterung zu Johannes R.s Antwort:


    Mozart hat nicht nur in die Instrumentation eingegriffen, sondern auch einiges sehr deutlich verändert. So hat er zum Beispiel die effektvolle, polternde Baß-Arie "Why do the nations / Warum entbrennen die Heiden" enorm verlängert, in dem er sie zu einer Da capo-Arie umgestaltet hat.



    Zum Mozart-Messias siehe auch den Thread KV 572 - Ein Trauerspiel?

  • Sagitt meint:


    Meine Suche bei amazon war nicht erfolgreich, auch nicht bei amazon france. Wo bitte soll es diese Aufnahme geben ? Mit Jard van Nes und Blochwitz, das sind die einzigen, die ich erinnere.


    Für eine Antwort bin sehr dankbar

  • Nachtrag und Warnung:


    Die gleiche Aufnahme, die es beim Discounter so billig gibt, wird von Arthaus teuer vermarktet,über 14.99. Überflüssige Ausgabe !
    Gerade von den Solostimmen ist diese Aufnahme mit Cleobury sehr empfehlenswert. Dawson ist eine ideale Händelsängerin, ebenso Alistair Miles.Das Orchester gehört zu den besseren, will man den schlanken Händel-Klang in der Manier der historischen Bewegung.Vielleicht nicht ganz das Niveau vopn Pinnock oder Gardiner oder Christie,aber doch passabel.
    Es ist gut,wenn man von diesem großartigen Werk verschiedene Aufnahmen hat. Der Monteverdi-choir ist wohl auch hier der beste. Bei den Sängern möchte ich nochmals auf Joseph Cornwell verweisen.Ebenso wie die Dawson als Mitglied eines Choremsembles begonnen, hatte er keine so große Karriere. Aber wie er die Tenor-Partie bei Parrott gestaltet, das ist schon umwerfend !


    Sagitt

  • Salut,


    ich höre ihn nun zum x-ten Male: Den Corboz-Mozart-Händel-Messias:


    Corboz: Die Tempi sind voller Frische, niemals langweilig - der Chor kann zwischen Piani und Forti trefflich unterscheiden ist jedoch manchmal etwas unverständlich, das Orchester ist mindestens gut. Bemerkenswert anders das Halleluja, so voller Demut und so steigerungsfähig. Fast unglaublich neben Blochwitz ist die Altistin [bin fassungslos ergriffen] und sehr rührend und kräftig, süß, väterlich und fürsorglich der Bass.


    Mozart: Die Instrumentation Mozart ist auch zum Großteil genial, ganz selten aber nur akzeptabel. Besonders die Bläserparts [Holz] sind umwerfend - toller später Mozart, den ich nicht kannte. Phänomenal instrumentiert [Holz]: "Das Volks, das im Dunkeln wandelt". Direkte Verbindung: die zwei nachkompinierten Arien zur c-moll-Messe = Davidde Penitente. Unnötig fand ich die verklassifizierung des "Warum denn rasen und toben...", hier war Händel perfekt. Ebenso die Pifa [Hirtenmusik]. Verteidigung: Jedoch hat Mozart "für unseren Gebrauch [...] eingerichtet" [van Swieten]. Das "Heil! Heil" aus dem "Ehre sei Gott!" [Händel] ist bei Mozart irgendwie hängengeblieben und kehrt in der Zauberflöte wieder "Kommt! Kommt!" [Finale II, T. 397 ff.]


    Gesamturteil:


    5 x :jubel:

  • Hallo, Ulli!



    Da halte ich doch dies für wahrscheilicher...
    Obwohl es sich ja nicht ausschließt....weiß man's... ?(


    Viele Grüße,
    Pius.