Bester Pianist?

  • Hallo,


    Welcher pianist ist für euch der beste?
    heute und ingesamt gesehen, also auch schon gestorbene?



    Was unterscheidet eigentlich einen "durchschnitts" pianisten von einem "top" pianisten?


    MfG
    Mozi

  • Hallo Mozi,


    Zur zweiten Frage:


    Ein guter Pianist muss, wie jeder gute Instrumentalist auch, viele Eigenschaften haben. z.B.: perfekte Technische beherrschung aller Probleme am Klavier, ein Gefühl für Ausdruck und Gehalt einer Komposition (das muss er dann auch auf sein Spiel übertragen können) ausserdem, was gerade bei Pianisten oft problematisch ist: auf andere hören können!
    Es gibt technisch und ausdrucksmässig viele sehr gute Pianisten, aber sobald sie mit einem Orchester spielen, oder Kammermusik machen ergibt es die Katastrophe...natürlich spielen auch immer der Dirigent oder die Kammermusik-Kollegen eine Rolle, auch die müssen hinhören...


    Ein Mittelmäßiger Pianist hat mindestens bei einesm der drei Punkte Probleme...


    Viele Grüße,


    Raphael

  • Die Franzosen haben eine Redensart "Les extrèmes se touchent".
    Bei Pianisten passiert das nur ganz selten. Es gibt technischen Virtuosen, sehr guten und noch besseren.
    Auch gibt es Pianisten die (vielleicht) technisch nicht so bewandt sind, aber dafür mehr mit Gefühl spielen. Bei vielen der letzte Gruppe wird es schnell zu übertrieben.
    Und dann gibt es ganz wenige Pianisten die beide Gattungen in sich vereinen. Als leuchtendes Beispiel nenne ich Clara Haskil.


    Warum mache ich hier diesen Unterschied?
    Weil es Komponisten gibt, deren Werke ein Übermaß an Technik fordern. Anderseits muß man bei Mozart eine unglaubliche Menge an Einfühlungsgabe besitzen.


    Gibt es also eine eindeutige Antwort auf Deine Frage "Was unterscheidet eigentlich einen "durchschnitts" Pianisten von einem "top" Pianisten"? Ich denke nicht.


    LG, Paul

  • hallo,


    ich habe schon einige hochkarätige pianisten gehört, die technisch sehr gut waren und sehr einfühlssam spielten, aber trotzdem nich die bekanntesten pianisten waren (sind), und ich habe auch schon pianisten gehört welche nicht sehr gefühlvoll spielten aber sehr bekannt waren (sind),
    gut, bekannt heißt nich immer gut, ich glaube in den seltensten fällen ist der bekannteste auch (einer) der beste(n).


    Woran liegt das, dass einige gute pianisten nicht bekannt werden?



    alle großen pianisten hatten eine ganz besondere tonerzeugung,
    hebt das vllt einen pianisten von den anderen ab, das sein spiel ganz besonders ist, ganz anders als das der anderen?


    MfG Mozart

  • Zitat

    Woran liegt das, dass einige gute pianisten nicht bekannt werden?


    Dies ist eine Frage, die man nicht mit zwei, drei Sätzen beantworten kann, da sie
    zu vielschichtig ist. Aber warum haben wir denn sonst den Hirnschmalz der
    Taminos und Paminas. ;)


    Zuerst einmal sind alle Pianisten mehr als nur von Klein auf im Pawlovschen Sinne abgerichtete Drücker von 88 Tasten. :P
    Hinzu kommt die Persönlichkeit, das Aussehen, Repertoire; diese Merkmale sollten
    bestenfalls deckungsgleich mit den Bedürfnissen der potentiellen Nachfrager sein.
    Externe Einflüsse (richtiger Zeitpunkt), Konkurrenzsituation und namhafte Unterstützer
    sind auch nicht unwichtig.


    Am Beispiel Koroliov und Stadtfeld kann man das bildhaft machen. Stadtfeld hat
    ein wohlgeformtes Gesicht, ein gewieftes Management (Sony), erzählt viel
    von sich selber ("Technomusik mag ich auch"), spielt gelinde gesagt recht
    zügig und spielt meist Bach und Mozart. Aber er hat auch den Leipziger
    Bachpreis 2002 gewonnen (Dies muss auch an seinem Können liegen).


    Koroliov hat sieht meinem Mathelehrer ähnlich, spielt Schach in seiner Freizeit
    statt Techno zu hören, ist bei kleineren Labels (Hänssler und Teldec) unter Vertrag,
    hat eine interessante Einstellung zur Interpretation ("Ich denke, dass wenn man anfängt zu
    interpretieren, alles vorbei ist..."), hat ein großes Repertoire und hat IMO die
    zur Zeit mit Abstand beste Einspielung der Kunst der Fuge geschaffen.


    Stadtfeld:



    Koroliov :



    Koroliov ist weniger berühmt als Stadtfeld (Das Mittagsmagazin würde wohl kaum über ihn berichten).


    Was ich damit eigentlich sagen will: die Besten sind nicht immer die Berühmtesten.
    Aber für wen ist das ein Problem? Koroliov ist ein Schattenplatz als Intellektueller
    bestimmt nicht unrecht. Und wir haben seine Aufnahmen :jubel:

  • Ich möchte das noch weiter fortsetzten:


    Auf lange Sicht wird Koroliov IMO bekannter sein als Stadtfeld.


    Weitere Kriterien:


    Ob ein Pianist bekannt wird oder nicht kann weitere Ursachen haben:


    Pianisten sind oft eigenwillige Menschen - Manche WOLLEN garnicht allzu bekannt werden.
    Was heisst schon bekannt ? Es gibt Pianisten, da schlägt jedes Hörerherz höhe - im Umkreis von 100 km wenn der Künstler Auftritt. Leider ist er nicht reisefreudig und hat Fluigangst, die Familie ist ihm wichtiger als eine "Weltkarriere", wo er jede Nacht in einer Anderen Stadt verbringen müsste....


    Dann gibt es Pianisten die blühen vor Publikum richtig auf.
    Ein Aufnahmestudio ist für sie die Hölle
    Gieseking (oder war es Schnabel ?) bezeichnete die Abbey Road Studios (EMI) als "Folterkammer"



    Andere Pianisten verabscheuen das hustende, scharrende, dümmlich dreinblickende Publikum, das ohnedies nichts von ihrere Kunst mitbekommt - sie erzielen Höchstleistungen im Studio.



    Waren früher Pianisten mit Charisma und "Eigenheiten" gefragt (die heute als "Unarten" bezeichnet werden - so ist der heutige Modetrend zum jungen sportiven Tastenlöwen, der schon einige Wettbewerbe gewonnen hat.


    Wie man sieht sind die Anforderungen sehr verschieden - was aber stets gebraucht wird sind eine dicke Haut und ein gutes Nervenkostüm -


    und gerade daran haperts oft bei den Besten......



    mfg
    aus Wien


    Alfred

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt


    Waren früher Pianisten mit Charisma und "Eigenheiten" gefragt (die heute als "Unarten" bezeichnet werden - so ist der heutige Modetrend zum jungen sportiven Tastenlöwen, der schon einige Wettbewerbe gewonnen hat.


    Alfred


    dito


    Im Grunde hast du völlig Recht und ich muss selber gestehen, dass ich Pianisten wie Gulda, Horowitz, Gavrilov, und wie sie alles hießen, klasse fand.


    Demnach müsste ich auf den bunten Vogel Lang Lang stehen und nicht auf Lugansky... :rolleyes:


    Jedoch müssen wir alle hier im Forum langsam einsehen, dass - sogar Thomas Gottschalk hat es gesagt - Lang Lang der "Weltbeste Pianist der Welt" ist und alle andere einpacken können. :baeh01:


    Interessant wirds, wenn Lang Lang out ist und Bumm Bumm kommt.

    Die Dame des Hauses erhebt sich vom Klaviersessel: "Das war Siegfrieds Tod." Ein Zuhörer zu seinem Nachbarn: "Kann ich verstehen."

  • Hallo,


    Nochmal zu Stadtfeld:
    Ich habe ihn mal zusammen mit der Camerata Salzburg in Wuppertal erlebt.
    Auf dem Programm Stand unter anderem Mendelssohns 1 Klavierkonzert welches Stadtfeld gründlich in den Sand setzte. Es sollte bei Bach bleiben, was dann durch spielen eines Bach-Klavierkonzertes (welches weiss ich grade nicht mehr) selbst untermauerte.


    Es gibt wirklich, wie schon mehrfach gesagt, offenbar zwei Schichten von Musikern generell. Zum einen, die wahren Meister, die aber oft nur einem kleinen Expertenpublikum bekannt sind und zum anderen die Publicity-Ebene
    mit Stadtfeld, Lang-Lang, Netrebko und co. die aufgrund von einem Jugend-Hype medial aufgepusch und so jedem Dorftrottel bekannt gemacht werden.
    Was davon zu halten ist und ob das Talent immer vorhanden ist, sind andere Fragen, die in andren Threads schon gründlich diskutiert werden!


    Viele Grüße,


    Rpahael

  • der von dir genannte pianist, der im experten kreis spielt,
    kommt dieser pianist finanziell gesehen "über die runden"?


    was verdient so ein top pianist, der nur im expertenkreis bekannt ist?


    (blöde frage, aber interessiert mich)


    :hello: :hello:
    Mozi

  • Habe mir gerade den Ausschnitt auf Youtube angesehen: Da wird versucht ihn zum Revoluzzer zu stilisieren und das ist er offensichtlich nicht. Zudem möchte ich festhalten, dass ich einer Interview mit dem mir völlig unbekannten Koroliov lieber sehen würde, als soviel warme Luft.

    Früher rasierte man sich wenn man Beethoven hören wollte. Heute hört man Beethoven wenn man sich rasiert. (Peter Bamm)