Die Macht der Musik

  • es gibt musik, die 'übermenschliches' zu leisten imstande ist. sie kann in sekundenschnelle !!!! ergreifen, die stimmung zum himmel erheben, zu-boden-drücken, mit 'haut-und-haaren'-in-besitz-nehmen, zu tode betrüben, in weihevolle stimmung versetzen und..und ..und ... so zumindest mich ...


    kaum gehört oder aufgelegt, kann sie meine stimmung schlagartig verändern, mich in die 'heiligen hallen' rufen, meinen gemütsszustand sofort und nachhaltig verändern - egal ob vom 'lustigen' ins 'traurige' vom 'profanen' zum 'geweihten' ... (umgekehrt ist es hingegen viel schwieriger...)


    und doch sicherlich nicht nur mich? welche werke sind es bei euch, die diese - und darum geht es hier: sofortige, unmittelbare!!!, sekundenschnelle 'macht' haben - oder gibt es das nicht bei euch?


    bei mir sind es z.b. die matthäuspassion, das mozartsche requiem, teile der c-moll-messe, (fast) alle symphonische musik von bruckner ... selbst beethoven braucht schon ein wenig länger ..der gibt mir dann jedoch willen und kraft ...



    :hello:

  • Hallo,


    Ich war sofort beim ersten hören von der Johannespassion gefesselt...dieser monströse, erfuchtgebietende Eingangschor - grandios!


    Auch die Mozarts Krönungsmesse (Ich bin kein großer Mozartfan!) hinterlässt sofotz bleibende Spuren...! Besonders das Agnus Dei!


    Viele Grüße,
    Raphael

  • "ergreifen, stimmung zum himmel erheben"


    - da gibt's vieles! Paar Beispiele: Mozart Jupitersinfonie, Haydn London-Sinfonie, Brahms 2. Sinfonie, Dvorak 8. Sinfonie, Mendelssohn Schluss der 3. Sinfonie, Beethoven Finale 5. Sinfonie, Übergang in der 6. vom Sturm zum Finalsatz (das kurze Motiv vor dem Einsatz des Themas des letzten Satzes!!! Traumhaft, oder?), Prokofjew 1. und 5. Sinfonie (erstere: 1. Satz Schlussgruppe, 2. Satz Einsatz des Themas und in ca. der Mitte wenn die Oboe ein Solo in Quarten spielt, 4. Satz Seitenthema; letztere: der langsame Blech-Part im 2. Satz, der ganze 4. Satz, vor allem aber der Beginn des schnellen Teiles, wenn die Fagotte einsetzen mit dem pulsierenden Rhythmus, und das Ende mit den starken Posaunenmotiven)


    Ok... das waren jetzt alles Sinfonien... aber es gibt auch andere Werke... z. B. der strahlende Glanz von Händels Feuerwerksmusik, oder das Rondo aus Beethovens 5. Klavierkonzert (2. Satz natürlich auch), der 3. Satz aus Mozarts letztem C-Dur Konzert (25), der Beginn des 3. Satzes aus dem Schumann-Klavierkonzert, der erste Satz des Brahms Klavierkonzertes Nr. 2
    ... alles in einem viel zu viel! Ich will mal hier aufhören, sonst nehme ich schon alles vorweg ;-)

    "Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, daß sie ein Argument darstellt und untermauert, das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil und Geschmack und Idiom -, über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten des Chronisten hinausgeht.Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, der seine eigene Zeit bereichert, indem er keiner angehört." - Glenn Gould

  • Für mich ist orchestrale Wucht nicht mehr ausschlaggebend für ein solches Erlebnis - inzwischen ist es fast ins Gegenteil verkehrt.


    Zwei Beispiele:


    Caplet: Miroir de Jesus - drei Sopranstimmen stimmen zu Beginn des
    Werkes den Titel unisono an. Das Werk ist drei geteilt in Miroir de gloire, miroir de peine und miroir de joie .


    Jedes der drei Teile wird mit einem Orchester"solo" eingeleitet. Zu Beginn des zweiten Teils wir am Ende der orchestralen einleitung genau jenes Anfangsmotiv in tiefen Streichern leise wiederholt. Diese Stelle ergreift mich in Sekundenschnelle.


    Vaughan-Williams: Three English Folk Song Dances Kein bedeutendes Werk von RVW, aber im zweiten Tanz - eher eine melancholische Weise - gibt es eine Stelle, schwer zu beschreiben, bei der fühle ich mich ein Stück emporgehoben. Die ist so rührend schön und ergreifend nicht zuletzt wegen der RVW-typischen Genialität Streicherklänge zu erzeugen.


    :hello:


    Wulf.

  • Neulich saß ich auf dem Bahnhof in einem gottverlassenen Nest und wartete auf den Zug, der durch Schienenersatzverkehr und was weiß ich alles sehr lange auf sich warten ließ.
    Doch es war gut, denn ich saß inmitten des verfallen Bahnhof-Endzeit-Ambientes auf einer Bank und lauschte einer CD, die mich jeglicher Realität beraubte und in mir eine tiefe Ruhe, Gelassenheit und inneren Frieden auslöste; dazu kam noch ein musikalischer Genuß der sich nicht enden wollende, über den Rücken huschende Gänsehautschauer erzeugte und in mir eine tiefe Zufriedenheit mit mir und der Welt auslöste.


    Dabei handelte es sich um diese CD:


    Eric Whitacre - Cloudburst and other choral works, gesungen, von Polyphony unter Stephen Layton.


    Hier habe ich übrigens bereits ausführlich über diese CD geschrieben.



    Aber diese eine Stunde, die ich also wie von der Zivilisation ausgespukt mitten im Niemandsland auf meine Bahn wartete, die hätte ich um nichts in der Welt tauschen mögen, denn so nah war mir Musik selten..



    Liebe Grüße, der Thomas.


    P.S.: 100 Posts.. 8o
    Bekomm ich jetzt einen Kuchen? Oder Blümchen? :baeh01:

  • Hi , Thomas!


    Zitat


    Original von Chorknabe


    P.S.: 100 Posts.. geschickt
    Bekomm ich jetzt einen Kuchen? Oder Blümchen?


    Nein, das ist ja das traurige.


    Mir ham se selbst zum 200er nichts geschenkt



    LG florian

  • Zitat

    Original von Chorknabe
    P.S.: 100 Posts.. 8o
    Bekomm ich jetzt einen Kuchen? Oder Blümchen? :baeh01:


    Wie war nochmal das Thema?
    Da es weder Kuchen- noch Blümchensmilies hier gibt ;( ,
    pfeif ich dir ein Jubiläumsständchen: :pfeif:

  • Das gäbe bei mir eine sehr lange Liste.
    Aber die Bach-Passionen, die Mozart-Messen, Beethovens Fidelio und Wagners Parsifal gehen mir schon sehr unter die Haut.
    Doch wenn mein verehrter Fritz Wunderlich den Lenski singt, spüre ich eine besonders starke Ergriffenheit.

  • Zitat

    Original von raphaell
    Hallo,


    Ich war sofort beim ersten hören von der Johannespassion gefesselt...dieser monströse, erfuchtgebietende Eingangschor - grandios!


    Darf ich dich fragen, auf welche Aufnahme du dich beziehst? Ich habe die bei Brilliant erschienene (HIP-)Aufnahme, deren Eingangschor leider das Gegenteil von monströs oder erfurtgebietend ist...


    ...hat natürlich nichts mit HIP zu tun :pfeif: :angel:

    „People may say I can't sing, but no one can ever say I didn't sing."
    Florence Foster-Jenkins (1868-1944)

  • Hallo Draugur,


    Ich habe auch die Brilliant-Aufnahme...ich find die schon toll!
    Ich habe mich gewundert, als ich kürzlich Frans von Brüggen mit der Capella Amsterdam in der Tonhalle Düsseldorf gehört habe...derart langsam, leise und zurückgenommen...DAS nannte ich wenig erfurtsgebietend ( :D )....!


    Viele Grüße,
    Raphael


    PS: Wenn es noch monströser geht - Welche Aufnahme ist da empfehlenswet?!

  • Das einzige Stück, bei dem ich wirklich Herzrasen bekommen ist das Requiem von Mozart. Da steckt's so intensiv drin... bah. Was Besseres ist mir noch nicht untergekommen. Vielleicht anders, aber nicht so intensiv.

  • Hallo,


    Ok, du sagst Herzrasen...Herzrasen hatte ich bisher nur beim Sacre du Printemps im Konzert...und zwar die ganzen letzten 5min... :pfeif:
    Das ist auch eine Macht der Musik...archaisch und brutal...herrlich! :D


    Viele Grüße,


    Raphael

  • Zitat

    Original von raphaell
    Das ist auch eine Macht der Musik...archaisch und brutal...herrlich! :D


    Archaisch und brutal..klingt als könntest Du Werke von Jon Leifs mögen! Dannach kommt wohl nur noch Klingonische Oper.. :D :D :D



    Liebe Grüße, der Thomas. :hello:

  • Hallo,


    Du hast ja schon mehrfach diese Werke von Leifs angesprochen - ich habe mir mal bei jpc einige klangbeispiele angehört und...schwupps einige CDs davona uf meine Wunschliste gesetzt...! :D


    Aprospros Klingonische Oper: (bist du ein Star Trek-Fan?) Gibt es das?
    Ich kenne nur das hier:


    'ej HumtaH 'ej DechtaH 'Iw
    'ej Doq SoDtaH ghoSpa' Sqral bIQtIq
    'e' pa' jaj law' mo' jaj puS
    jaj qeylIS molar mIgh HoHchu'qu'


    :D


    Viele Grüße,


    Rpahael

  • Zitat

    Original von raphaell
    Du hast ja schon mehrfach diese Werke von Leifs angesprochen - ich habe mir mal bei jpc einige klangbeispiele angehört und...schwupps einige CDs davona uf meine Wunschliste gesetzt...! :D



    Hehe..hab ichs also endlich geschafft :D :D :D


    Zitat


    Aprospros Klingonische Oper: (bist du ein Star Trek-Fan?) Gibt es das?


    StarTrek Fan eher weniger..ich habs nur immer gerne geschaut :)


    Und klingonische Oper: Ich hab tatsächlich schon mal recherchiert, aber leider noch nichts gefunden :( Ich denke aber mir würden solche Stücke unbedingt gefallen :D


    Zitat


    'ej HumtaH 'ej DechtaH 'Iw
    'ej Doq SoDtaH ghoSpa' Sqral bIQtIq
    'e' pa' jaj law' mo' jaj puS
    jaj qeylIS molar mIgh HoHchu'qu'


    Sowas hätt' ich früher (oje ist das schon lange her) mal im Deutschunterricht vor der Klasse aufsagen sollen :hahahaha:



    Liebe Grüße, der Thomas. :hello:

  • Gibts diese Klingonischen Opern nun tasächlich, oder eben nicht? Ich als Trekki sollte es zwar wissen... aber meine Ignoranz der Umwelt gegenüber hat Überhand gewonnen...
    Falls es die gibt, muss ich sie haben!!! :jubel:

  • In der Realität wird es die klingonischen Opern wohl nicht geben - zwar produzierte man doch einiges an Star Trek - Randprodukten und Klingonisch ist auch eine liebevoll konzipierte Sprache, aber das wäre dann wohl auch ein wenig zu viel des Guten :rolleyes:
    (Hab übrigens ein Klingonischwörterbuch mit Kurzgrammatik und so Pipapo :pfeif: )


    :hello:
    Stefan

  • Zitat

    Original von Barezzi
    In der Realität wird es die klingonischen Opern wohl nicht geben - zwar produzierte man doch einiges an Star Trek - Randprodukten und Klingonisch ist auch eine liebevoll konzipierte Sprache, aber das wäre dann wohl auch ein wenig zu viel des Guten


    Aber ich stelle mir so etwas auch aus musikalischer Sicht durchaus lohnenswert vor :)
    Opern mit einer derartigen musikalischen Schroffheit, Härte und Brutalität (so würden wir sicher empfinden) wie man es von einer klingonischen Oper erwarten könnte, gibt es meines Wissens nach noch nicht..
    Das eheste was in die Richtung geht, scheint mir wie erwähnt Werke von Jon Leifs zu sein.. :)



    Liebe Grüße, der Thomas. :hello:

  • Hallo Thomas,


    für Chorknaben wär das dann aber sicherlich nichts und das CK könnte die Uraufführung vornehmen :D


    Da stell ich mir vor, dass die sich inszenierungsgerecht live auf der Bühne prügeln und dann großen Sängerausfall haben ;)


    Am Festbankett dürfen sie beim Don Chang dann Qagh verzehren :yes:


    :hello:
    Stefan


    PS: Wär wohl auch nichts für melodiöse Hörer :pfeif:


    PPS: Sind die Klingonen eigentlich so kunstsinnig, dass man ihnen Opern unterjubeln könnte? ?(

  • Als ich das Thema las, hätte ich dir gerne widersprochen lieber Klingsor. Aber du hast -meines Erachtens-, sehr zutreffend erläutert, was du unter:Macht der Musik, verstehst. Da kann ich dir nur zustimmen, denn mir geht es ähnlich. Die Liste der Machtbesitznahmen meiner Person ist lang und konzentriert sich in erster Linie auf Mozart.
    Die Empfindungen, können nur individueller Natur sein. Jeder empfindet die Machtbesitznahme der Musik anders. :lips:
    Padre

  • "Die Macht der Musik" ist für mich eine "Lebenserhaltene" und lässt sich für mich nicht auf einzelne Werke in der Klassik und anderer Genres runterbrechen.


    Als ich vor über 7 Jahren urplötzlich meine über alles geliebte Frau, Freundin, Kumpelin, Weggefährtin verloren hatte, war ich dem Tod näher,
    als ich es mir in guten Tagen jeh hätte vorstellen können.


    Obwohl Freunde, Verwandte etc. für mich da waren, war ich nicht da.
    Ich existierte nicht mehr.
    Meine allseits geliebte Musik konnte mich über Wochen nicht trösten. Ich konnte sie einfach nicht ertragen. Es brauchte vielleicht seine Zeit.


    Besonders die klassische Musik hatte einen erheblichen Anteil daran, nach einiger Zeit neuen Lebensmut zu schöpfen.