Maria Chiara - von der Schallplattenindustrie weitgehend ignoriert

  • weitere Angaben zur Arie


    Komponist: Giuseppe Verdi


    Titel:"Mercè, dilette amiche" (Bolero) aus der Oper "I Vespri Siciliani"



    Interpreten: Maria Chiara, Sopran
    Royal Opera House of Covent Garden
    Nello Santi, Dirigent
    zuletzt gespielt:13.04.2007 19:23:03Zu folgenden Zeiten ist dieses Stück wieder auf Radio Swiss Classic zu hören:22.04.2007 ca 15:30
    12.05.2007 ca 13:40


    Michael :angel:


    PS: die CD ist leider vergriffen,mehr darüber im Link dieses Senders:
    http://www.radioswissclassic.ch/


  • Kaugummi-Klassik oder Klassik-Non-Stop in leicht verdaulichen Häppchen. Hoffentlich nicht die Zukunft des Klassik-Radios.

  • Lieber Theophilus, darüber besteht ja kein Zweifel: es ist viel Mist dabei in diesem Sender, also Ohrwürmer, aber ab und zu eben auch hervorragendes. Es ging mir ja auch nicht um den Sender, sondern um Maria Chiara, da ich sie, wie gesagt an der Wiener Staatsoper gehört habe, wo sie irre gefeiert wurde, und die WSO ist ja nicht irgendein Haus, wage ich mal zu behaupten, jedenfalls, war dieses Haus im Jahr, in dem ich dort fast täglich war, nicht weniger gut als heute, und es hat mir viel gegeben. Ich bitte dich daher um Verständnis, wenn ich als Quellenangabe einen Sender zitiert habe, zumal die CD ja nicht im Handel ist. Ich bekam den Cover auch nicht in den Beitrag rein, sonst wäre der Sender gar nicht erwähnt worden. Theophilus ich spreche hier rein aus eigener Erfahrung und nicht aus der anderer, bitte daher um Nachsicht, da ich in etwa zum Stammpublikum der WSO gehörte, eben in meiner Wiener Zeit.
    Michael.

  • Hallo Michael


    Die Geschichte mit dem Sender war in keiner Weise gegen dich gerichtet. Ich habe einfach dort hineingeschaut und musste mit Schrecken feststellen, dass das so etwas wie eine 24h-Ö3-Klassik-Hitparade ist. Da konnte ich mir eine Bemerkung nicht verkneifen. Und ich würde auch nicht sagen, dass es da etwas Schlechtes gäbe, aber wie hier Klassik in mundgerechte (ohrgerechte?) Happen zerteilt serviert wird, ist für mich sehr gewöhnungsbedürftig... (um dies einmal euphemistisch zu formulieren ;) )


    Um auf Maria Chiara zurückzukommen. Sie war in den Siebzigern und Achtzigern eine sehr bekannte Sängerin, die aus irgendeinem Grund von den Plattenfirmen vernachlässigt wurde. Ich kann mich noch an das Cover einer Madame Butterfly (Eurodisc?) erinnern, von dem sie herunterprangte. Und von ihrer Glanzpartie - der Aida - gibt/gab es ein Video mit Pavarotti.

  • Chiara,


    für mich die beste Aida überhaupt (DVD Arena di Verona mit Martinucci und Scandola). Ich empfehle diese Aufnahme, nicht die mit Pavarotti. Erstens sang Chiara in Verona besser, zweitens sind Radames und Amonasro besser besetzt. Giuseppe Scandola ist ein Bariton, den ich gerne öfter mal gehört hätte.

  • Zitat

    Original von Mengelberg
    Chiara,
    für mich die beste Aida überhaupt


    besser als Stella (live, mit di Stefano und Guelfi)? :faint:

  • Hi Ripley,


    ja schon. Ich bin besonders davon beeindruckt, daß Chiara bei all dem stimmlichen Einsatz überhaupt nicht verkrampft, was man auf dem Video sehr schön sehen kann. Man fragt sich fast: Wo kommt diese Bombenstimme eigentlich her? Es gibt da ein Video mit Leyla Gencer, die fast die ganze Zeit herumstolziert wie ein Pfau mit Drohgebärde. Man wartet eigentlich nur darauf, daß sie das Nudelholz zur Hand nimmt und auf ihre Kollegen losgeht. Bei Chiara ist das anders: Anstrengung ist ihr überhaupt nicht anzusehen. Das hat mich sehr beeindruckt.


    :hello:
    M.

  • Es freut mich schon sehr, dass sie doch einigen bekannt ist, und ich somit nicht völlig unnütz diesen Thread eröffnet habe. Ich werde weiterhin Informationen über sie einholen, zumal es ja in Italien noch andere Quellen gibt, und im besonderen werde ich einen guten Bekannten fragen, der sich praktisch nur für klassische Musik interessiert und über alle etwas weiß, worauf ich mich dann wieder melden werde: inzwischen vielen Dank für die freundlichen Beiträge.
    LG Michael:angel:

  • Maria Chiara hat in den 80gern viel in Bonn gesungen, als das dortige Opernhaus unter dem Intendanten Riber die "Scala am Rhein" war (heute ist es unter einem Intendanten, der ein ausgesprochener Opernhasser ist, auf einem nicht mehr zu unterbietendem Tiefstand). Auffällig war ihre wohl gerundete intonationssichere Stimme, ihre aristokratische Erscheinung (sie sah eher aus wie eine Schwedin als eine Italienerin) und last but noch least die engagierten Brava-Rufe ihres Ehemanns, der sich (warum nicht?) in jeder Vorstellung lautstark bemerkbar machte.

  • @brighella, kann ich mir vorstellen, daß die Oper in Bonn, sicher irre gut war. Vielleicht noch was zu ihrem Gatten: Sie ist mit dem Bassisten Antonio Cassinelli, ihrem ehemaligen Lehrer, verheiratet, der anscheinend viel von ihr hielt. LG Micha:]

  • Zitat

    Original von brighella
    Maria Chiara hat in den 80gern viel in Bonn gesungen, als das dortige Opernhaus unter dem Intendanten Riber die "Scala am Rhein" war (heute ist es unter einem Intendanten, der ein ausgesprochener Opernhasser ist, auf einem nicht mehr zu unterbietendem Tiefstand). Auffällig war ihre wohl gerundete intonationssichere Stimme, ihre aristokratische Erscheinung (sie sah eher aus wie eine Schwedin als eine Italienerin) und last but noch least die engagierten Brava-Rufe ihres Ehemanns, der sich (warum nicht?) in jeder Vorstellung lautstark bemerkbar machte.


    Ein "Opernhasser" als Intendant eines Opernhauses? Ist da etwa eine neue Definition für paradox ?

  • Vielleicht noch was persönliches zu Maria Chiara: ich habe sie in der WSO gehört, als ich 18 war, und zwar 1964/65, weiß aber nicht mehr in welcher Rolle, da ich ja täglich in dem Haus war und irre viel in mich hineingesogen habe, wie etwa den ganzen Wagner, obwohl ich zuvor von Oper keine besonders gute Meinung hatte, aber dort wurde ich süchtig danach. Die Aida hat sie sicher nicht gesunden, denn die sang damals ein Star vom Bolscoi Theater Moskau, die das Publikum in etwa vom Hocker riss, deren Name mir leider entfallen ist. Maria Chiara ist mir deshalb in Erinnerung geblieben, weil sie eine so kristallklare und treffsichere Stimme hatte, und ich erinnere mich noch an etwas völlig irrelevantes: sie hatte eine blonde Perücke auf, wo man ihren etwas dunkelblonderen Haaransatz sehen konnte, der nicht überklebt worden war. Die letzte Nachricht, die ich über sie fand, ist, dass sie 2006 Vorsitzende eines Gesangswettbewerbes in Padua war. LG Micha

  • Maria C H I R A
    sang in Wien:


    Aida 10 Mal 30.04.1984 29.03.1987
    Attila Odabella 9 Mal 03.06.1981 31.01.1987
    Balla in maschera Amelia 3 Mal 28.5.1987 03.06.1987
    Madama Butterfly 1 Mal 21..11.1970
    Otello Desdemona 3 Mal 17.04.1988 24.04.1988
    Traviata Violetta 3 Mal 27.12.1967 29.06.1973


    Gruss aus Muc :pfeif:


  • @mucaxel ich denke ich hab sie im Maskenball gesehen, Ballo in maschera:]

  • Ich habe eben ein bisschen in meinen Videokassetten zur ORF-Serie "Lieben Sie Klassik?" quergehört (Das waren noch Zeiten, als der ORF jeden Sonntag diese einstündige Sendung mit Ausschnitten aus Produktionen der WSO und anderen Opernhäusern brachte.... Damals war der Kulturauftrag des öffentlichen Fernsehens keine hohle Phrase wie heute X( Sorry, das war jetzt OT! ) Da stieß ich auf die Schlussszene aus dem Ballo, eben mit Maria Chiara und Luis Lima - einfach schön! :]
    lg Severina :hello:

  • Hallo Taminos,


    ich bin von Maria Chiara stark beindruckt. Was haben sich die großen Opernhäuser, aber auch die Schallplattenkonzerne da entgehen lassen. Wirklich schade.
    Es gibt von Decca eine Doppel-CD, in der sie eine schöne Bandbreite ihres unterschätzen Könnens vorführt, vor dem sich andere viel bescheidener ausnehmen, wenn man vergleicht


    .


    Maria Chiara - The Decca Recitals
    Arien von Verdi, Puccini, Bellini u. a.
    Chiara, Wiener Volksopernorchester, Covent Garden Orchestra,
    Santi, Adler u.
    z.B. bei jpc 16,99 €


    Leider kriege ich das mit den Bildern noch nicht hin. Muß ich nochmal nachlesen, bitte um Nachsicht.


    LG Ulmo

  • Nachstehend für alle, die es interessiert, die Vita von Maria Chiara aus Kutsch/Riemens:


    Chiara, Maria, Sopran, * 24.12.1939 bei Udine; Musikstudium 1960-65 an der Accademia Benedetto Marcello in Venedig. Sie war Schülerin des Bassisten und Pädagogen Antonio Cassinelli (1912-93), den sie später heiratete. Weitere Studien bei Maria Carbone in Turin. 1965 erfolgte ihr Bühnendebüt als Desdemona in Verdis »Othello« bei einer Festaufführung im Dogen-Palast in Venedig. Die junge Künstlerin gastierte dann in Amsterdam, Brüssel, Paris und am Teatro San Carlo von Neapel. Bei den Festspielen in der Arena von Verona sang sie 1969 die Liu in Puccinis »Turandot« (als Partnerin von Placido Domingo), 1970 die Micaela in »Carmen«. 1980-86 bewunderte man dort ihre Aida, 1985 ihre Odabella in Verdis »Attila«, 1986 ihre Amelia in »Un ballo in maschera«, 1989 ihre Leonore in »La forza del destino«. 1970 hörte man sie an den Staatsopern von München und Wien (wo sie bis 1987 oftmals auftrat) wieder als Partnerin des großen Tenors Placido Domingo. 1971 wirkte sie beim Maggio musicale von Florenz mit und war an der Städtischen Oper Berlin zu Gast. Weitere Gastspiele an der Staatsoper Hamburg (1971), an der Covent Garden Oper London (1973 als Liu in »Turandot«, 1978 als Desdemona in Verdis »Othello«) und am Opernhaus von Köln (1984 als Amelia in Verdis »Maskenball«). 1972 gastierte sie an der Mailänder Scala als Micaela in »Carmen«, 1974 am Teatro San Carlos von Neapel als Tosca. Weitere Gastspiele an der Oper von Rom, in Nizza, Athen und Amsterdam, bei den Wiesbadener Festspielen, in Genf, Zürich und Budapest. In der Spielzeit 1978-79 Debüt an der New Yorker Metropolitan Oper als Violetta in »La Traviata«. 1986 gastierte sie in Melbourne wieder als Amelia in Verdis »Ballo in maschera«, an der Oper von Chicago als Manon Lescaut von Puccini, am Teatro Colón Buenos Aires als Amelia und als Suor Angelica von Puccini. 1987 sang sie die Aida in den Aufführungen dieser Verdi-Oper vor den Tempeln im ägyptischen Luxor. Diese Partie, die sie auch 1985 an der Mailänder Scala vortrug, galt als eine ihrer Glanzrollen, ebenso die Titelrollen in den Donizetti-Opern »Maria Stuarda« und »Anna Bolena«, die Elisabetta im »Don Carlos« und die Amelia in »Un Ballo in maschera«. 1989 hörte man sie bei den Festspielen von Verona und von Spoleto als Leonore im »Troubadour«, am Teatro Regio Turin und bei den Festspielen in den römischen Thermen des Caracalla 1990 als Aida, in der Arena von Verona 1995 die Liu.


    [Lexikon: Chiara, Maria. Großes Sängerlexikon, S. 4208
    (vgl. Sängerlex. Bd. 6, S. 628 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


    Auf Schallplatte und DVD schein sie mehr eher unter-repräsentiert zu sein. Meine persönliche Lieblingsplatte mit ihr ist "Susannens Geheimnis" von Ermanno Wolf-Ferrari (mit Bernd Weikl). Beim Thema "Mercadante" haben wie vor kurzen och über sie gesprochen , in der Oper "Il Reggente". Auch war sie - wie er selbst einmal gesagt haben soll - Gianni Raimondis liebste "Violetta" in der Traviata (nachzhören in Aufnahmen aus Venedig und Zürich).

  • Obwohl die Chiara als AIDA allgemein zu Recht sehr beliebt ist, ziehe ich für meinen Geschmack eine dunkel timbrierte stimmlich weit ausladende Primadonna wie Jessye Norman in dieser Partie vor.



    Von Maria Chiara besitze ich in der CD von


    'NOZZE ISTRIANE', Komponist: Antonio Smareglia, Librettist Luigi Illica,


    (Live-Einspielung aus dem Teatro Verdi in Triest vom 13.2.1959.) eine Rarität, die bei Amazon zur Zeit vergrifffen ist.


    :angel:
    Engelbert

  • Zitat

    Original von Engelbert
    Obwohl die Chiara als AIDA allgemein zu Recht sehr beliebt ist, ziehe ich für meinen Geschmack eine dunkel timbrierte stimmlich weit ausladende Primadonna wie Jessye Norman in dieser Partie vor.
    ...


    Über diese Formulierung könnte man debattieren, da Jessye Norman quasi hors catégorie firmiert und als gesanglicher Solitär gar nicht für eine Stimmtype bei Aida stehen kann. Sie hat die Aida auch nur ganz kurz in ihrer Jugend im Repertoire gehabt.

  • Hallo Theophilus


    Nachstehend eine Einspielung der 'Aida' mit Jessye Norman:



    In ihren Recitals werden sich bestimmt noch weitere Beispiele finden lassen, dass Jessye beliebte, hin und wieder die Aida zu singen.


    Seltsamerweise scheint die Primadonna aber selbst keinen großen Wert darauf zu legen, in dieser Partie zu glänzen. Von sich selbst hat sie einmal in einem Interview erzählt, dass sie am liebsten Königinnen singt (und keine demütigen Sklavinnen).


    Das wäre dann aber ein psychologisches Moment und kein stimmliches, welche die Möglichkeit aus stilistischen Erwägungen einschränken würde. Hören möchte ich von der Norman einmal die zweite Verszeile nach "Ritorna vincitor:...l'empia parola", ob sie über den Text hinweghuscht oder aus dem Keller kommend, ein Glanzlicht aufsetzt.


    Leontyne Price hörte ich zuerst in der Partie. Sie ist meine Vorlage und an ihr messe ich alles Nachfolgende. Die Bumbry hat zuerst die Amneris gesungen und danach ist sie zur Aida gewechselt. In einer Jux-Aufnahme singt sie Aida und Amneris im Duett mit sich selbst.


    Die Nielsen ist mir als Aida zu kühl, Ricciarelli und Freni in dieser Rolle unattraktiv und die Chiara klingt mir zu hell.Vielleicht ergibt sich im Forum ein allgemeiner Disput, wie Aidas Stimme zu klingen hat und welche Abweichungen und Nuancen zulässig sind.


    Herzlichen Gruß
    :angel:
    Engelbert

  • Zitat

    Original von Engelbert
    ..
    Nachstehend eine Einspielung der 'Aida' mit Jessye Norman:
    ...


    Eben. Diese Aufnahme entstammt auch der Frühzeit ihrer Karriere und ich weiß von keiner Aida nach 1973. Aber die eigentlich keinem Fach zuzuordnende Norman ist eine atypische Aida. Wenn man die Aida à la Norman schätzt, muss man eben bei Norman bleiben. Da kenne ich keine Alternative.


    Deine Liste zeigt das Problem, dass es in jüngerer Zeit kaum eine wirklich bedeutende Vertreterin dieser Rolle gibt. Es gilt also auch hier der Blick in die Vergangenheit. Spontan fallen mir da Monserrat Caballé, Renata Tebaldi und Zinka Milanov ein. Maria Callas gibt es auch ohne Sängerwettstreit. Ein Hineinhören wert sind wahrscheinlich auch Leyla Gencer, Leonie Rysanek und vor allem Anita Cerquetti.


    :hello:

  • Ich habe Maria Chiara einige Male in der Arena di Verona erlebt, auch als Aida, sie hat mich immer begeistert und ich bin nach wie vor erstaunt, dass sie so wenig aufgenommen hat.
    Damals lernten wir einige Mitarbeiter der Arena kennen, die uns fragten, ob wir in Deutschland keine gute "Aida" kennen würden, denn sie wüssten nicht, wer die Partie bei ihnen singen könne, wenn Maria Chiara mal ausfallen würde !