Primadonna assoluta - "Die Callas"

  • Liebe Opernfreunde,



    Kaum eine Sängering ihrer Generation war zu Lebzeiten berühmter als die Callas, ja selbst der Tod ihrem Ruhm nichts anhaben können, ihre Aufnahmen werden von vielen auch heute noch als legendär betrachtet.


    Ich selbst war, obwohl ich ihre Leistung, durchaus anerkenne, nie ein 100%iger Fan von ihr, da mein Geschmack mehr auf Schönklang ausgerichtet war und ist, und den vermochte sie ja nun wahrlich nicht zu bieten. :stumm:



    Dennoch sang sie neben den ihr auf den Leib geschriebenen Rollen des Verismo, auch Rossini, Donizetti und Bellini, reinen Belcanto also - und das noch dazu mit hervorragendem Erfolg - etwas daß ich mir bis heute noch nicht erklären kann, denn Konkurrenz gab es genug.


    Da sie sich schon um 1960 von der Bühne zurückzog, sind etliche ihrer Parderollen nur in Mono-Aufnahmen überliefert, was aber die wahren Callas-Anhänger bis heute nicht abschreckt sie zu kaufen.
    Immer wieder wurden "Nachfolgerinnen" gesucht - gefunden wurde bis heute jedoch keine.


    Leonard Bernstein nannte sie einst "Die größte Künstlerin der Welt".


    Und wie sehr Ihr das ?



    Beste Grüße aus Wien


    Alfred

  • Sagitt meint:


    Den Titel " größten Künstler der Welt" sollte man sich getrost sparen. Ich denke, in keiner Sparte gibt es eine Berechtigung, dies einem Künstler zu verleihen. Es gibt immer eine Mehrzahl großartiger Künstler, sh. unsere Diskussion um Carlos Kleiber.
    1.Callas muss eine unglaubliche Bühnenpräsenz gehabt haben.
    2. Callas wird wie kaum eine Künstlerin immer noch vermarktet, teilweise auch im Hochpreisbereich
    3. Callas wird auch mit Aufnahmen vermarktet- und es funktioniert- bei denen sie absolut nicht mehr auf der Höhe ihrer Kunst war. Ihre beste Zeit war in den fünfziger Jahren, schon in den sechzigern sind erhebliche Abstriche zu machen
    4. Callas hatte eine sehr spezifische Stimme und eine Ausstrahlung, die sie eigentlich nur für ein bestimmtes Spektrum als geeignet erscheinen ließ. Sie war "die Medea" ( das beweist auch der Pasolini-Film. Das war ihre eigentliche Rolle- eine heroisch-tragische. Sie war eine großartige Lucia die Lammermoor, eine Norma. Schon bei der Traviata schätze ich andere Sängerinnen mehr. Callas war zu gesund. Sie war nicht wirklich zart, sondern eher herrisch. Deswegen passt ihr eigentlich die Turandot-da bekommt man Angst- aber nicht die Mimi oder die Violetta.Die Zerbrechlichkeit der Figuren strahlt sie nicht aus, die Tragik schon. Erst recht ist sie eine Fehlbesetzung für die Rosina. Obwohl sie Anlass vieler Skandale war, denke ich, als Carmen war sie auch nicht optimal besetzt.
    Verruchtheit war nicht eigentlich ihr Metier. Wenn man glauben darf, dass Callas an gebrochenem Herzen gestorben ist, dann zeigt sich darin die Verletzlichkeit- deswegen eine Lucia, die an einer Zwangsheirat zerbricht und im Wahnsinn landet.
    5. Aus der Überfülle der Aufnahmen muss man genau schauen, wofür man sein Geld ausgibt. Teilweise sind Aufnahmen-auch im Hochpreisbereich- auf den Markt gekommen, die schlicht unverschämt sind, etwa die live - Traviata 1955 aus der Scala. Man hört da dauernd jemanden laut reden, bis man merkt, das ist ja der Souffleur. Konnte die Stefano überhaupt einen einzigen Satz seiner Partie ? Jedenfalls glaubte der Souffleur das nicht. Bei sovielen Nebengeräuschen wird einem der Kunstgenuss ziemlich verleidet. Vor Jahren gab es in der Weihnachtszeit bei einem Kaffeeladen eine DoppelCD mit Callasarien, die gereinigt worden waren- ich habe nie besseres gehört,zumal alle Aufnahmen aus den frühen fünfziger Jahren stammten.

  • Sagitt meint:


    In bezug auf Frau Callas habe ich ja ordentlich Gegenwind. Meine Position zu ihrer " Rosina" muss ich differenzieren. Es gibt verschiedene Versionen der Arie "una voce poce fa". Meine Erinnerung bezog auf eine Version von 1959 mit Rescigno. Es gibt aber auch Veröffentlichungen von 1954 und 1955 ( Serafin Lon, Rom, Scala). Calls singt die Rosina in den früheren Versionen deutlich zart- mädchenhafter. Mein Urteil, sie sei als Rosina nicht geeignet, nehme ich daher in dieser Pauschalität zurück.

  • Gottseidank!


    Natürlich muss man bei Maria Callas die Serafin-Aufnahme heranziehen, so dass mich deine für mich unverständliche Einschätzung der 'faustdicken' Stimme bewusst auf jegliche Entgegnung verzichten ließ, da diese nur unnötig Öl ins Feuer gegossen hätte. Außerdem wärst du unweigerlich als jemand eingestuft worden, dessen Antipathie gegenüber Maria Callas' Stimme sein Urteilsvermögen über alle Maßen beeinträchtigt hat. Seien wir froh, dass dies auf einem Missverständnis beruhte (und ja, es gibt wirklich recht schlechte Aufnahmen von ihr - stimmlich, denn auszudrücken hatte sie auch noch in ihren schlechtesten Zeiten ungemein viel).


    Generell sollte man bei Maria Callas für allgemeine Beurteilungen keine Aufnahmen nach 1956 heranziehen (es gibt ein paar positive Ausnahmen für 1957 und 1958, aber dann ist endgültig Schluss). Ihre späten Aufnahmen dürfen nur unter Einbezug der früheren gesehen werden, absolut genommen würden sie das Bild unfair verzerren.


    Ciao

  • Zitat

    Original von Theophilus
    Generell sollte man bei Maria Callas für allgemeine Beurteilungen keine Aufnahmen nach 1956 heranziehen (es gibt ein paar positive Ausnahmen für 1957 und 1958, aber dann ist endgültig Schluss). Ihre späten Aufnahmen dürfen nur unter Einbezug der früheren gesehen werden, absolut genommen würden sie das Bild unfair verzerren.


    Ciao


    Das mag wohl angehen.
    Ich hatte den Fehler gemacht und mir ihre "Carmen"-Aufnahme zugelegt (stammt aus 1964).
    Nicolai Gedda singt wunderbar, auch gefällt mir Andrea Guiot als Micaela ausgesprochen gut, aber das sehr "säuerliche" Timbre der Callas verleidet mir die ganze Aufnahme und bis dato -bis auf ein paar kleine Ausnahmen- die weitere Beschäftigung mit der "Primadonna assoluta".

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
    Gustav Mahler

  • Sagitt meint:


    ich hoffte, unmißverständlich klar gemacht zu haben, dass ich die Callas natürlich für eine ganz große Künstlerin gehalten habe. Dies scheint aber nicht angekommen zu sein, deswegen wiederhole ich dies jetzt.


    Aber es gibt Künstler- und dazu gehörte sie auch- die nicht immer großartig sind und dennoch Aufnahmen machen.


    Bei aller Unterschiedlichkeit der Wahrnehmung von Stimmen können wir uns darauf einigen, dass bei der Callas sehr genau auf das Aufnahmedatum geachtet werden muss. Ich hatte mir bei Aufnahme aus dem Jahre 1959 da nicht so viele Gedanken gemacht, muss aber feststellen, dass innerhalb von fünf Jahren erhebliche Veränderung zu verzeichnen sind.


    Unabhängig davon bin ich weiter der Ansicht, dass sie nicht jedes Repertoire mit der gleichen Glaubwürdigkeit vertreten konnte. Um einmal aus den kritischeren Bereichen herauszurudern. Es gibt eine Aufnahme von tutte le torture- die Entführung auf italienisch. Ich finde, es ist eine Tortur.


    In jedem Fall ist die Callas es wert, dass man sich über sie- wahrscheinlich auf kontrovers- austauscht.

  • Hallo,


    also das Timbre ihrer Stimme war immer etwas "säuerlich". Nicht umsonst sprach ihr Entdecker und Förderer Tullio Serafin von einer "großen, häßlichen Stimme". So weit, sie "häßlich" zu nennen, würde ich nicht gehen. Sie konnte auch ziemlich seraphisch klingen, etwa als Lucia. Allerdings hatte sie auch dieses merkwürdig klingende Brustregister, dessen Klang ein Kritiker mit dem Sound verglich, den man hören kann, wenn man in eine Flasche spricht.


    Bei den späten Aufnahmen Ende der 50er Jahre kann man dann schon die stimmlichen Mängel hören, etwa das mangelhafte Einschwingen der Spitzentöne, die zu dem Zeitpunkt von ihr nur noch unter hohem Kraftaufwand gebildet werden konnten. Es wird ja immer vermutet, daß ihre Crash-Diät Anfang/Mitte der 50er mitschuldig am stimmlichen Niedergang war. Das mag sicher auch dazu beigetragen haben, aber wenn man sich die Mitschnitte aus ihrer Glanzzeit anhört, dann weiß man auch, daß sie immer mit vollem Risiko gesungen hat. Etwa in der "Aida" aus Mexiko von 1950, in der sie ihren Tenor-"Partner" Kurt Baum öffentlich dadurch demütigt, daß sie im "Nil-Akt" sein hohes C mit einem Es geradezu verbrennt. Maria Callas hat immer von der Substanz ihrer Stimme gelebt und deswegen hat ihre Karriere auch nur ca. 20 Jahre gedauert.


    Keine meiner Lieblingssängerinnen, aber doch immer faszinierend und eine Spur rätselhaft...


    Grüße


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Hallo


    Ich hab ihre Stimme nie gemocht, aber das tangiert natürlich nicht die Tatsache, daß sie andere zu Begeisterung und hymnischen Kritiken hinreissen konnte. Somit akzeptiere ich dass auch. Ihre Ausnahmestellung erkenne ich ungeprüft an, ohne daß ich persönlich jedoch davon partizipieren könnte und wollte.


    Ich habe die Künstlerin selbst nie live erlebt, das mag sicher auch ein Faktor sein, jedoch als Haptursache sehe ich, daß meine geschmackliche Orientierung eher in Richtung "schön" ging, und da waren andere Sängerinnen geeigneter.


    Wir sollten hier gar nicht erst versuchen Konsens herzustellen, der wird IMO nie zu erreichen sein, und ist auch gar nicht das Ziel.


    Es ist schon interessant genug, wenn jeder hier seine Meinung un angemessener Form äussert, eventuell durch musikalische Beispieke untermauert.



    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred

  • Hallo Alfred!


    Zitat

    Wir sollten hier gar nicht erst versuchen Konsens herzustellen, der wird IMO nie zu erreichen sein, und ist auch gar nicht das Ziel.


    Man merkt deutlich, dass du noch nie zwei Gesangsmelomanen miteinander diskutieren gehört hast ;). Wenn die über 10 SängerInnen diskutieren, werden sie sich in acht Fällen nicht einigen können. Wir sollten also im Forum wirklich nicht versuchen, in diesem Punkt zuviel auf Konsens zu machen. :D


    Das macht wahrscheinlich auch einen Teil der Faszination aus, die Stimmen entwickeln. Die technische Fertigkeit einer Stimme ist objektiv recht gut beurteilbar, auch einige Parameter der Stimme selbst sind gut einzuschätzen (Tonumfang, Ausgeglichenheit der Register usw.), aber die Schönheit einer Stimme im weitesten Sinn ist bereits schwer objektivierbar und wird subjektiv sehr unterschiedlich beurteilt. Dazu kommt, das Gesang an sich nicht einheitlich beurteilt wird. Da gibt es zumindest zwei große Gruppen: Anhänger des Schöngesangs und Anhänger des Ausdrucksgesangs (z.B. Tebaldi-Fraktion und Callas-Fraktion). Anhänger dieser beiden Gruppen gehen bei der Beurteilung von verschiedenen Standpunkten aus und werden fast nie über einen Sänger vollständige Übereinstimmung finden. Das ist so, damit muss man Leben und damit auch umgehen können.
    Ich kenne mehrere Gesangsliebhaber, die Maria Callas eine hässliche Stimme bescheinigen (und gleich noch eine Liste von anderen Unzulänglichkeiten anführen können). Mit denen diskutiert man eben über Gedda, Björling oder Tebaldi. Ich habe lediglich die Erfahrung gemacht, dass Gesangspädagogen und Berufssänger mehrheitlich pro Callas, und reine Gesangsliebhaber mehrheitlich anti Callas sind, was mich letztlich auch gar nicht überrascht.


    Ciao

  • Zitat

    Original von Theophilus
    Da gibt es zumindest zwei große Gruppen: Anhänger des Schöngesangs und Anhänger des Ausdrucksgesangs (z.B. Tebaldi-Fraktion und Callas-Fraktion).


    <...> Ich habe lediglich die Erfahrung gemacht, dass Gesangspädagogen und Berufssänger mehrheitlich pro Callas, und reine Gesangsliebhaber mehrheitlich anti Callas sind, was mich letztlich auch gar nicht überrascht.


    Hallo Theophilus,


    zwei Fragen von mir, vielleicht nur korrekturbedürftig?


    Warum bringst du Tebaldi als ein Beispiel für den "Schöngesang"? Ihre Ausdrucksstärke ist doch enorm. Andere Beispiele würde ich dafür suchen.


    Bist du sicher, daß Gesangspädagogen sich pro Callas äußern, und zwas in ihrer Eigenschaft als Gesangspädagogen? Das würde mich sehr wundern. Berufssänger ja, aber Gesangspädagogen? hmm...


    Gruß

  • Hallo peet,


    das Beispiel brachte ich, weil es sich in den 50ern tatsächlich abgespielt hat und für einige von uns sicherlich ein Begriff ist. Die öffentliche Popularität, die SpitzensängerInnen damals (vor allem) in Italien hatten, können wir uns heute eigentlich gar nicht mehr vorstellen. Das war ärger als es heute bei Spitzensportlern der Fall ist, und kann eigentlich nur mit Popstars verglichen werden.


    Dazu ein Beispiel: Maria flog 1958 von Mailand nach Chicago, und musste dabei eine sechstündige Zwischenlandung in Paris machen, meines Wissens ihr erstes 'Auftreten' dort. Sie wurde in Orly von einer riesigen Journalistenmenge empfangen, fuhr mit großem Geleit in ihr Hotel, zog sich rasch um und fuhr weiter ins Maxim's zum Essen. Dort war groß aufgedeckt, der Küchenchef hatte ein eigenes Gericht kreiert La selle d'agneau à la Callas , auf ihrem Tisch war ein Radio hingestellt worden, und das französische Radio spielte extra für sie ihre Troubadour-Aufnahme!
    Im Figaro steht am nächsten Tag: Paris ließ Maria ein Willkommen zuteil werden wie sonst nur gekrönten Häuptern und verehrungswürdigen Propheten.


    Und Maria Callas war der eine Star, der andere war Renata Tebaldi. Und weil es so spannend ist, wurde die Rivalität zwischen ihnen von den Medien gnadenlos hochgepeitscht. Und wie heute die Fussballvereine ihre Fanklubs haben, so gab es die Callas-Fans und die Tebaldi-Fans, und die waren sich gar nicht grün. In Wirklichkeit war es mit der Rivalität zwischen den beiden gar nicht so weit her, sie gingen sich sogar regelrecht aus dem Weg, auch vom Repertoire her waren sie recht unterschiedlich und sie sangen mit unterschiedlicher Technik. Aber es gab genügend Partien, die beide sangen, so dass man trefflich darüber streiten konnte, wer nun jeweils die bessere sei.


    Dieser Streit um die Vorherrschaft ist insoferne interessant, als es kaum gegensätzlichere Sängertypen geben kann, und eine Entscheidung daher gar nicht im direkten Vergleich, sondern nur über eine Grundsatzdebatte gefällt werden kann. Aber über derartige Feinheiten sah man großzügig hinweg. Maria Callas war die leidenschaftliche Sängerdarstellerin, die immer auf äußerste Intensität und größtmöglichen Ausdruck aus war. Sie war dabei durchaus bereit, wenn nötig die Schönheit dem Ausdruck zu opfern (und war in der zweiten Hälfte ihrer Karriere gelegentlich auch dazu gezwungen). Renata Tebaldi hatte die wesentlich schönere Stimme, die sie auch virtuos einsetzen konnte, war aber immer vollständig unter Kontrolle. Und sie sang wirklich unglaublich schön. Einige Partien - Tosca, Mimi, Butterfly - sind nach dem Krieg nicht schöner gesungen worden als von ihr, im Ausdruck ist sie aber überall übertroffen worden (natürlich von Callas bei der Tosca und bei den beiden anderen Rollen z.B. von De Los Angeles oder Scotto). Deine These von ihrer enormen Ausdrucksstärke würde ich nicht unterschreiben, nicht das sie ausdrucksarm wäre, aber von einer Maria Callas ist sie Welten entfernt (und wird von einigen anderen deutlich übertroffen). Ein letztes Beispiel dazu: wenn ich eine Arie von ihr nach zwei oder drei Jahren wieder höre, ist es eine kleine Entdeckung, denn ich habe sie irgendwie vergessen. Wenn Maria Callas SPRICHT: E avanti a lui tremava tutta Roma!, dann vergisst du das dein ganzes Leben nicht....


    Zu deiner zweiten Frage kann ich nur sagen: ich führe zwar keine Statistiken, aber nach dem, was ich bislang aufgeschnappt habe, scheint es so zu sein. Außerdem verstehe ich deine Trennung nicht ganz. Pädagogen sind alle ehemalige SängerInnen, werden also nicht sonderlich unterschiedlich bewerten. Reine Liebhaber delektieren sich sehr oft mehr an ästhetischen Gesichtspunkten, die Professionisten betrachten das Ganze etwas nüchterner: wie ist die Stimme und was macht der Sänger daraus. Bei der Callas hören sie ein problematisches und technisch schwer beherrschbares Instrument, dem sie eigentlich Unglaubliches abringt. Und über den Ausdruck gibt es ohnehin keine Debatte. Natürlich wird kein Pädagoge seinen Schülern empfehlen, sein Instrument á la Callas zu verbrennen, aber sie respektieren mehrheitlich die außergewöhnliche Leistung.


    Ciao

  • Hallo Norbert,


    wenn du schon etwas Erfahrung mit Gesang hast, ist die Carmen wirklich eine ziemlich unglückliche Bekanntschaft mit Maria Callas. Nicht das ihr Rollenporträt Wünsche offen ließe, aber stimmlich ist es wirklich nicht mehr besonders gut (kannst du meinen Euphemismus herauslesen?).


    Das Problem ist aber recht einfach zu beheben, es gibt dafür die Standardmedizin. Zäume das Pferd von der anderen Seite auf, gehe zurück ins Jahr 1954, und höre die Tosca unter Victor de Sabata mit Giuseppe di Stefano und Tito Gobbi. Das sollte reichen um sie in deiner persönlichen Bestenliste präzise einreihen zu können.


    Ciao

  • Zitat

    Original von Theophilus
    <...> Deine These von ihrer enormen Ausdrucksstärke würde ich nicht unterschreiben, nicht das sie ausdrucksarm wäre, aber von einer Maria Callas ist sie Welten entfernt (und wird von einigen anderen deutlich übertroffen). Ein letztes Beispiel dazu: wenn ich eine Arie von ihr nach zwei oder drei Jahren wieder höre, ist es eine kleine Entdeckung, denn ich habe sie irgendwie vergessen. Wenn Maria Callas SPRICHT: E avanti a lui tremava tutta Roma!, dann vergisst du das dein ganzes Leben nicht....


    Zu deiner zweiten Frage kann ich nur sagen: ich führe zwar keine Statistiken, aber nach dem, was ich bislang aufgeschnappt habe, scheint es so zu sein. Außerdem verstehe ich deine Trennung nicht ganz. Pädagogen sind alle ehemalige SängerInnen, werden also nicht sonderlich unterschiedlich bewerten. Reine Liebhaber delektieren sich sehr oft mehr an ästhetischen Gesichtspunkten, die Professionisten betrachten das Ganze etwas nüchterner: wie ist die Stimme und was macht der Sänger daraus. Bei der Callas hören sie ein problematisches und technisch schwer beherrschbares Instrument, dem sie eigentlich Unglaubliches abringt. Und über den Ausdruck gibt es ohnehin keine Debatte. Natürlich wird kein Pädagoge seinen Schülern empfehlen, sein Instrument á la Callas zu verbrennen, aber sie respektieren mehrheitlich die außergewöhnliche Leistung.


    Es freut mich, Theophilus, daß du auf meine Fragen eingehst (man muß sich regelrecht für gute Manieren bedanken, sonst merkt man den Unterschied zu schlechten nicht :-)


    Zu Tebaldi versus Callas kann ich dir gerne spiegeln, daß ich anhand einigen Beispielen durchaus über die Ausdrucksstärke der beiden Sängerinnen reden kann, ohne sie mir wieder anhören zu müssen. Das beste Beispiel, das ich immer verwende, ist die Pace-Arie. Der Ausdruck ist bei den beiden da, wird aber unterschiedlich erreicht - mich persönlich überzeugtTebaldi viel mehr. Sollen wir über Details hier reden?
    Und ich bin dir gerne bereit zuzustimmen, wenn es andersrum um Tosca geht, da ist Callas überzeugender. Eben zwei verschiedene Typen des italienischen Gesanges, nur würde ich sie ebenbürtig sehen, nicht unterordnet. Was ist in diesem Sinne der Ausdruck? Ist es denn nur die schauspielerische Übertreibung oder geht es mit minimalen Effekten? Ist es mehr immer stärker? Oder geht es auch anders? usw.


    Zu Gesangspädagogen. Ohne jetzt daraus eine längere Diskussion machen zu wollen, merke ich doch, daß es um ein Mißverständnis geht. Ich würde nie einem Gesangsstudierenden Callas als das Vorbild empfehlen.In meinen Augen wäre das ein didaktischer Fehler - sowohl vom Umgang mit eigener Stimme her als auch mit dem Repertoire. Der gewaltige Druck, mit dem sie ihre Stimme erpresst, ist kein gutes Vorbild für Schüler. Man kann gewiss viel von ihr lernen, aber nicht als das Vorbild. Dagegen sind solche Sängerinnen wie Tebaldi und Scotto gerade prädestiniert als das Vorbild zu dienen. Bei denen kann man lernen, da sie dem Typus, der Tradition entsprechen. Callas ist eine berauschende Ausnahme. Noch einmal also - in der Eigenschaft eines Gesangspädagogen wäre es unverantwortlich sie so zu loben, wie ein Zuhörer es tun würde.


    Viele Grüße


  • Danke für den Tip. Bei der Aufnahme gibt's ein kleines Problemchen: Das Aufnahmedatum. Ich bin kein sonderlicher Freund von Mono-Aufnahmen, aber andererseits neugierig geworden, ob die Callas mit Leontyne Price mithalten kann (oder andersrum?).
    Ich melde mich dann zu gegebener Zeit wieder...

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
    Gustav Mahler

  • Hallo Norbert


    Zitat

    Bei der Aufnahme gibt's ein kleines Problemchen: Das Aufnahmedatum. Ich bin kein sonderlicher Freund von Mono-Aufnahmen, ...


    Nimm die Naxos-Ausgabe, das kostet dich den Gegenwert von drei Schachteln Zigarretten. Ist dir die Sache zu einkanalig, kannst du die CDs als gar nicht einmal so teure Untersetzer weiterverwenden und weiter der reinen Stereo-Lehre frönen.
    Solltest du aber wider Erwarten zwischendurch völlig darauf vergessen, dass du nur mono hörst, dann kannst du dir immer noch überlegen, wie du es deinen Stereo-Schätzchen beibringst, dass sie eine so ordinäre und veraltete Einschicht-Ausgabe in ihren Reihen aufnehmen....


    Viel Spass!

  • Ehrlich, ich habe keine Ahnung, was eine Schachtel Zigaretten kostet, aber ich lehne Mono nicht mehr kategorisch ab, nachdem ich Karajans "Schöpfung" von den Salzburger Festspielen (u.a. mit Wunderlich und Prey) als durchaus "hörbar" einstufte.


    Ich werde also demnächst meinen Horizont erweitern...

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
    Gustav Mahler

  • Hi,


    nur zu mit der horizontalen Erweiterung.


    Ich muss dich dabei aber gleich auf eine Gefahr hinweisen. Neben Maria Callas hörst du auf dieser Aufnahme einen weiteren Ausnahmesänger, nämlich Tito Gobbi, den ein Stereophiler wie du vielleicht noch gar nicht kennt. Er wäre eine weitere Gefahr dafür, dass die Monokultur bei dir zuvor gar nicht beabsichtigte Dimensionen erhält.... :D


    Ciao

  • Deine Meinung enttäuscht mich zutiefst ;) , denn Tito Gobbi hat selbst zu Stereozeiten noch sehr gutes (Nabucco) bis maßstabsetzendes (Jago) von sich gegeben, so daß ich mir erlaube, Deine Meinung über ihn zu teilen.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
    Gustav Mahler

  • Autsch! Dann nehme ich alles zurück und behaupte das Gegenteil! :wacky:


    Natürlich, sein Jago unter Serafin ist wohl immer noch Maßstäbe setzend (und die Aufnahme als Ganzes hochkarätig).


    Ciao

  • Hallo zusammen,


    lange war es still in diesem Callas-Thread.
    Seid ihr alle übersättigt von den vielen 1,99 Euro-Gesamtaufnahmen, die derzeit verkauft werden?
    Oder ist "La Callas" nicht mehr state-of-the-art?


  • Fuer alle diejenigen, die die Lissaboner Traviata der Callas nur von der EMI-Kopie kennen, und mit dem Klangbild nicht zufrieden sind, sei diese Doppel-CD empfohlen.
    Wie ich schon in einem anderen Thread vermerkt habe, handelt es sich hier um eine Ueberspielung von einer Klangquelle, die das Opernhaus selbst erstellt hat und als Band an die Kuenstler (Callas, Kraus, Sereni etc.) verteilt wurde. Offenbar wurden CD-Exemplare spaeter ohne kommerziellen Hintergedanken in begrenzter Stueckzahl in Lissabon verkauft.
    Auf einer solchen Quelle beruht wohl die nun von Pearl vertriebene Aufnahme, die so klingt, als waere ein Mikrophon ganz in Buehnennaehe aufgestellt gewesen, aber auf keinen Fall in Publikumsnaehe.
    Die Klangqualitaet ist weitaus besser als die der EMI-Ausgabe.
    Die Aufnahme war eine grosse Entdeckung fuer mich. Ich konnte sie kuerzlich noch zu vernuenftigem Preis (ca. 18 Euro + Versandkosten) erwerben; mittlerweise ist sie deutlich teurer geworden.
    Ich hoffe fuer alle, dass durch den Wegfall der Kopierschutzrechte fuer eine Auffuehrung dieses Datums (1957+50Jahre = 2007), Walhall, Naxos oder Cantus sich entschliessen, sie zu guenstigem Preis zugaenglich zu machen.
    ber Achtung, versichert Euch in diesem Falle, welche Klangquelle einer solchen Veroeffentlichung zugrunde liegt.


    Auf jeden Fall ist die Callas als Traviata grandios, trotz aufkommender Verschleisserscheinungen, zu hoeren im 1. Akt. Ihre Szenen im letzten Akt sind mitreissend und gerade wegen einer flackerigen Stimme (gewollt oder ungewollt) enorm glaubwuerdig. Und dazu diese Partner (Kraus, Sereni ).


    Stefan

  • ich glaube nicht, denn sie wird erst ab übermorgen lieferbar sein.


    Mich würde in diesem Zusammenhang interessieren, ob es sich lohnt, in die Box zu investieren, oder ob einige, wesentliche Ausschnitte reichen.
    Habe selbst Divina 1-3, Callas a Paris 1 + 2, Verdi Arias, Puccini Arias und Duette mit DiStefano.

  • Zitat

    Original von Achim
    Mich würde in diesem Zusammenhang interessieren, ob es sich lohnt, in die Box zu investieren, oder ob einige, wesentliche Ausschnitte reichen.
    Habe selbst Divina 1-3, Callas a Paris 1 + 2, Verdi Arias, Puccini Arias und Duette mit DiStefano.


    Das ist eine Frage, die sich faktisch nicht beantworten lässt, weil das natürlich davon abhängt, was Du erwartest.


    Der begeisterte Callas-Fan (also: ich, z. B. :D ) ist natürlich total scharf drauf, möglichst alles zu besitzen was von dieser Sängerin auf Tonträgern zu haben ist, egal, wie die Qualität (künstlerisch und tontechnisch) ausfällt.


    Wenn man sich einen Überblick über ihr Können machen will, reichen auch einzelne Aufnahmen.


    In der erwähnten Box finden sich wohl alle Studiogesamtaufnahmen von Opern der Callas wieder und die Recitals, die für EMI entstanden sind.


    Interessant ist natürlich der Preis: bei € 110,-- für 70 CDs ergibt das einen Preis von € 1,60 pro Scheibe. Selbst wenn man nicht an allem Interesse hätte, was die Box bietet, könnte der Preis den Erwerb der Box nahelegen.

  • Hallo Alviano,


    danke für Deine Einschätzung !


    Für mich war die Callas die erste Sängerin, die ich bewußt wahrgenommen habe.
    Seither habe ich viele andere Sängerinnen gehört, Callas blieb für mich aber immer die Faszinierendste.


    Somit spricht schon einiges für den Erwerb der Box. Ich glaube meine Zweifel beziehen sich eher darauf, daß man die Platten nie ganz durchhören wird.
    Aber kann das wirklich ein Grund sein, nicht zuzuschlagen ?
    Wohl kaum..... :]

  • Ich habe eben nachgesehen: Für mich wird sich die Box micht lohnen. Trotz des günstigen Preises. Von den 70 CDs dürfte ich ca. 65 schon im Regal stehen haben; d. h. in Wirklichkeit sind es weit über 100 CDs, die da im Regal rumstehen, aber da sind ja auch noch die ganzen Live-Mitschnitte dabei!


    Hier geht es ja ausschließlich um Studio-Einspielungen. Interessieren würde mich, inwieweit die frühen Cetra-Aufnahmen durch das neue Abbey-Road-Remastering verbessert (?) wurden.


    Gibt es nicht - ich weiß nicht mehr, wo ich das kürzlich gesehen habe - vielleicht irre ich mich auch - ein Kompendium von Callas-Aufnahmen auch als mp3-Dateien auf 1 oder 2 CD-Roms?

  • Hallo
    Ich kann mich noch gut daran erinnern, Pelz von Fehlenau ( ich hoffe ich habe den Namen richtig geschrieben). Sagte." Die Primadonna assolute, würde über einen makellosen, Acht-Oktaven-Sopran verfügen.
    Habe ich mich da verhört oder gibt es so etwas tatsächlich?
    Gruß
    Padre :yes: