Ernest Moeran: Sinfonien und Orchesterwerke

  • Ernest Moeran: Sinfonie g-moll


    Warum soll man nicht mal einen Thread eröffnen, wenn man das Werk und den Komponisten noch gar nicht kennt ?


    Michael Schlechtriem´s nennt diese Sinfonie im Thread Lieblingssinfonien (da muß was dran sein :D:hello: :]).


    Ich habe mich kurzfristig ( schon wegen des Megapreises von 4,29€) entschlossen diese CD mit Handley (wem sonst?) bei amazon zu bestellen und bin gespannt darauf:

    Ernest Moeran:
    Symphonie g-moll
    Rhapsodie für Klavier & Orchester;
    Overture for a Masque

    Fingerhut, Klavier; Ulster Orchestra, Vernon Handley
    CHANDOS, 1987/88 DDD


    Die gleiche Zusammenstellung von Chandos mit Handley ist auch mit diesem Cover für 19,99€ zu haben und bei einem anderen Anbieter für sage und schreibe 44,39€ --- :D :D :D (.....ohne mich !):


    :hello: An die Moeran-Kenner: Handelt es sich nicht bei beiden CHANDOS-CD-Cover nicht um die gleiche Aufnahme ???

  • Hallo Wolferl,


    soweit ich weiß, sind die Aufnahmen identisch. Schön, daß Du einen thread über die Symphonie eröfnnet hast!! Vielleicht findet sich Zeit, nocht etwas zum Werk zu schreiben, wenn Du die CD in Deinen Händen hältst??


    Ich persönlich favorisiere die Aufnahme unter Lloyd-Jones bei Naxos. Die ist IMO etwas zupackender, "duftet" auch etwas mehr nach Natur. Handley soll dafür dramatisch geschlossener wirken.


    Geschmackssache.



    Auf jeden Fall viel Freude beiom Hören.


    :hello:
    Wulf

  • Mahlzeit allerseits ! Wie Wulf besitze ich die Naxos-Einspilung unter David Lloyd-Jones



    und die habe ich mir eben anlässlich dieses Threads mal angehört. Ich habe wirklich versucht, aufmerksam zuzuhören, aber leider ist dieses Werk trotzdem an mir vorbeigerauscht ohne bleibende Eindrücke oder Schäden zu hinterlassen; immerhin tat es auch nicht weh.


    Beim ersten Satz dachte ich an Vaughan Williams, beim zweiten Satz hörte ich ganz gewaltig Sibelius (und ein bisschen Vaughan Williams). Im Scherzo war mir wieder etwas nach Sibelius, aber im Finale hörte ich wohl Moeran pur, keine Anleihe bei anderen Komponisten.


    Mein Fazit : ganz nett, kann man sich mal anhören, wird aber so bald nicht wieder sein.

    Der Mutter die mich nie geboren, habe ich heute Nacht geschworen,
    ich werde ihr eine Krankheit schenken, und sie danach im Fluss versenken.
    Rammstein

  • Hallo Wolfgang,
    freut mich, daß Du dich zum Kauf dieser Sinfonie entschlossen hast.
    Ich hoffe doch sehr, daß Dir das Werk gefällt.


    Bei den Interpretationen gehen die Meinungen ja etwas auseinander, und dies ist auch gut so, immerhin gibt es ja glücklicherweise einige Vergleichsaufnahmen dieser unbekannten Sinfonie.


    Im zweiten Weltkrieg hat das British Council unter Mitarbeit von Walter Legge Aufnahmen mit britischer Musik herausgebracht, als patriotischen Akt sozusagen.
    Das erste Werk, welches aufgenommen wurde, war diese Sinfonie.
    Sie erschien damals als sehr repräsentativ für eine britische Sinfonie.


    Die historische Aufnahme unter der Leitung des todkranken Leslie Heward in Anwesenheit des Komponisten ist für mich nach wie vor die überzeugendste.
    Aber halt historisch....



    Eine (wenigstens in England :D ) berühmte Aufnahme ist nun wieder erhälltlich, und zwar die bei Lyrita erschienene Aufnahme unter Boult.



    Dies ist vielleicht die ausgewogenste Aufnahme, vielleicht auch die beste, klangtechnisch auf gewohnt hohem Lyrita-Niveau.


    Lyrita hat auch endlich die sehr schöne Aufnahme des Violinkonzertes mit John Georgiadis unter Handley wiederveröffentlicht. :)


    Eine weitere alte EMI-Aufnahme unter Neville Dilkes ist auch immer mal hin und wieder zu bekommen,



    fällt für mich aber leider gegenüber den anderen vorgestellten Aufnahmen ab.


    Zitat

    ganz nett, kann man sich mal anhören, wird aber so bald nicht
    wieder sein


    Lieber rolo betman,
    schade, hoffentlich gefällt sie Wolfgang dann :(
    Du hast absolut recht, daß Moeran von Vaughan Williams und Sibelius beeinflußt war, aber für mich trägt trotzdem jeder Satz eindeutig die Handschrift Moerans: Seine irischen Einflüsse, seine sehr interessante Harmonik zum Beispiel.


    Gruß,
    Michael

  • Zitat

    Ich habe wirklich versucht, aufmerksam zuzuhören, aber leider ist dieses Werk trotzdem an mir vorbeigerauscht ohne bleibende Eindrücke oder Schäden zu hinterlassen; immerhin tat es auch nicht weh.


    Das ist wahrscheinlich das vernichtendste Urteil, welches man überhaupt abgeben kann.


    Generell muß gesagt werden, daß solche Urteile (auch von mir !!!) mit Vorsicht zu geniessen sind, da sie meist darauf zurückzuführen sind - wenn man die Eigenarten der Tonsprache eines Komponisten noch nicht kennt (bzw nach erstmaligem Hören auch nicht kennenlernen will)
    Der Aussagewert ist IMO ähnlich, als wollte man sagen, die tschechische Sprache sei ein unverständliches Kauderwelsch , der Sinn sein nicht zu verstehen, oder ein gewisser Dialekt sei "unerträglich. Dies liegt in beiden Fällen daran, dass man die Sprache nicht beherrscht, bzw, dass deren Wortmelodie zur eigenen nicht kompatibel ist. Gewöhnung ist hier alles.
    Ich erinnere mich gut, dass ich RAFFs Sinfonien einst für "belanglos" hielt. Nach einigen Hörsitzungen begann mich deren Klangsprache und die Instrumentation allmählich gefangen zu nehmen - und heute halte ich Raff für einen der meistunterschätzten Komponisten des 19. Jahrhunderts....


    Englische Komponisten sagen mir in den wenigsten Fällen etwas - aber ich glaube, dass es eher an mir und den kontinentalen Hörgewohnheiten liegt, als an den Komponisten.


    So empfehle ich - scheinbar belanglose Werke, die "vorrüberrauschen" - wenn möglich öfter zu hören - in vielen (aber durchaus nicht allen) Fällen wird man dafür reich belohnt: Neue Klangwelten öffnen sich einem.


    mfg
    aus Wien
    Alfred

  • Erstaunlich, solch ein Urteil in der Tat, lieber Alfred: Mir persönlich liefen schon Gänsehäute kreuz und quer bei dem ersten Tutti des Hauptthemas im ersten Satz, der so schön zwischen Dur und Moll wechselt -- eine herrliche, eigenartige Sinfonie, die auch Moerans Vorliebe zu Sibelius verrät.


    Vielleicht liegt es aber auch daran, daß manche dieser sperrigen britischen Werke wirklich oftmaliges Wieder-Hören und eine aktive Auseinandersetzung erfordern. bei mir dauerte es etwa vier Jahre, bis ich zu Beispiel die orchestralen Hauptwerke und Sinfonien gut genug kannte, die ich nun alle innigst liebe. (Bei Moerans Sinfonie ging es allerdings schneller!)


  • :jubel: :jubel: Das ist mit Abstand das weiseste und bescheidenste, was ich hier in letzute Zeit im Forum gelesen hab und ehrlich: kein Versuch Dich irgendwie milde zu stimmen, Alfred!!


    Ich gestehe, auch meine Startschwiergkeiten gehabt zu haben. Und tatsächlich könnte es mit den ganz anderen Hörgewohnheiten zusammenhängen. Auch speziell an eine Symphonie im klassischen Sinne wie wir sie wahrnehmen. Das erste Thema beim ersten Hören: irgendwie befremdlich: dann diese irisc anmutende g-moll / B-Dur Umspielungen, wie sie ben cohrs schon erwähnte...alles irgendwie anders. Doch nach mehrmaligem Hören erschloss sich mir dieses eigenartige Werk immer mehr. Ich konnte diese Sonderheiten (die typsichen Rhythmen, diese scheinbare Melodienarmut an manchen Stellen) akzeptieren, ja sogar lieben lernen.


    Sicher ist die Symphonie keine wirklich bedeutende im musikgeschichtlichen Sinne. Allerdings ist sie - vielleicht in dem Sinne den Baxschen Werken gleich - ein Sonderkapitel. Den Einfluss von Sibelius höre ich eigentlich deutlich als den von RVW. Und gerade der erste Satz und va. das straffe Ende sind doch grandios. Gut der flinke 3. ist vielleicht nicht ganz soll einfallsreich mit der aufsteigenden Linie und Streichersurren, aber der 2. himmlisch und der 4. voller Dramatik.


    Ich finde auch, das Werk hat es schon in sich.


    Die Boult-Aufnahme lohnt mit Sicherheit!!


    :hello:
    Wulf

  • Hallo!


    Also ich finde diese Symphonie bemerkenswert und sehr lohnenswert. Übrigens finde ich die Themen doch sehr eingängig! Zum Beispiel im 1. Satz. Das Hauptthema geht doch so leicht ins Ohr. :) Moeran hat meineserachtens einen sehr ausgeprägten Sinn für Steigerung und dramatische Entwicklung und Konzeption. Auch die Orchestrierung ist überaus originell und eben in vielen Details nicht direkt mit Sibelius oder Vaughan-Williams zu vergleichen. Eine meiner Lieblingsstellen: Wie er am Schluß des letzten Satzes mit mehreren Tuttischlägen suchend umhertappt, und wie dann der Schlußakkord auf die Tonika kippt.


    Viele Grüße,
    Daniel

  • Zitat

    Eine meiner Lieblingsstellen: Wie er am Schluß des letzten Satzes mit mehreren Tuttischlägen suchend umhertappt, und wie dann der Schlußakkord auf die Tonika kippt.


    Lieber Daniel,
    Gerade den Schluß haben meine Freunde und ich in allen verfügbaren Aufnahmen immer wieder verglichen.
    Vor allem hier lohnt es sich m.e. ungemein, einmal die historische Aufnahme unter Leslie Heward anzuhören.


    Wenn Du ein historisches Klangbild, bei dem allerdings wirklich alles gut durchhörbar ist, nicht ablehnst, so würde ich mich sehr freuen, Dich auf diese Aufnahme neugierig gemacht zu haben.
    Denn, und da sind meine Freunde und ich uns sehr einig, dies dürfte die überzeugendste Lösung dieses schwierigen Schlußes sein.


    :hello:
    Michael

  • Ich finde den Schluß auch ganz schön in der Aufnahme unter Neville Dilkes. Es fällt sicher Dirigenten schwer, eine Sinfonie einfach so "wirkungslos" zu beenden, den Hörer bewußt etwas ratlos zurückzulassen. Das ist übrigens auch bei Sibelius Vierter oft das Problem. (Leider auch in der von mir sonst hoch geschätzten Karajan-Aufnahme der Vierten).
    Moerans Sinfonie scheint mir übrigens ein schönes Seitenstück zu der G-Dur-Sinfonie von George Dyson: Hört mal beide Sinfonien im Zusammenhang ...

  • Lieber Daniel,
    es ist darüberhinaus auch interessant, was ben cohrs geschrieben hat:

    Zitat

    Es fällt sicher Dirigenten schwer, eine Sinfonie einfach so "wirkungslos" zu beenden, den Hörer bewußt etwas ratlos zurückzulassen


    Denn ziemlich genau das trifft es, was diese historische Aufnahme ausmacht( allerdings auch die Dilkes-Aufnahme, aber bei dieser gefällt mir das Timing nicht so gut) .


    Dieses Timing zum Erreichen des finalen Schlußakkordes bei Heward, angefangen beim Cellosolo, ist m.e. derartig perfekt, daß alles weitere danach wirklich schlüssig zusammenpaßt, ohne daß noch irgendetwas "gemacht" werden muß.
    Dies ist m.e. bei keiner der anderen Aufnahme der Fall.

    Bitte bedenke auch noch, daß es sich zwar um das Halle-Orchestra handelt, aber eben um die "Kriegsbesetzung".
    Das bedeutet, daß das Orchester damals nicht in bestmöglicher Besetzung spielen konnte.
    Nach dieser Aufnahme wurde dieses Orchester übrigens aufgelöst und komplett neu zusammengestellt für den folgenden neuen Chefdirigenten Barbirolli.


    Das war, so finde ich, schon ein wenig unfair, denn das Orchester war sehr weit davon entfernt, schlecht zu sein. :no:


    Was mich an dieser historischen Aufnahme auch noch fesselt ist die Tatsache, daß es vom ersten Takt an klar und hörbar ist, daß diese Musiker für ihren geliebten Dirigenten Heward ( bei solchen Behauptungen bin ich als Orchestermusiker immer vorsichtig, aber Heward war wohl tatsächlich äußerst beliebt und "der" aufstrebende Dirigentenstar in England ) ,der tragischerweise aus dem letzten Loch pfiff, da er todkrank mit TBC war, alles, aber auch wirklich alles gaben.
    Heward hat diese Sinfonie übrigens auch uraufgeführt und Moeran war bei der Aufnahme anwesend.
    Authentischer geht es eigentlich nicht.


    Ich wünsche Dir viel Spaß damit und bedanke mich für Dein Vertrauen.


    http://www.moeran.com/Writing/Heward.html

    http://www.divine-art.com/CD/27808info.htm


    :hello:
    Michael
    P.S.
    Lieber Ben,

    Zitat

    Moerans Sinfonie scheint mir übrigens ein schönes Seitenstück zu der G-Dur-Sinfonie von George Dyson: Hört mal beide Sinfonien im Zusammenhang ...


    Da fällt mir auch noch Cyril Roothams Sinfonie ein, aber für mich sind beide Sinfonien eher Seitenstücke zu Moeran und nicht andersherum :D


    Sehr lohnende Musik in jedem Falle!
    :hello:

  • Die Dyson-Symphonie finde ich bisher - mit Ausnahme des bezaubernden 2. Satzes - ein erher schwächeres Werk, da imponiert mir Moeran mehr. Aber vielleicht muß ich noch mal reinhören.


    :hello:
    Wulf

  • Hallo flotan,
    das Violinkonzert liebe ich sehr, auch wenn es einige Durchhänger hat.
    Dafür wird man aber mit traumhaft schönen Stellen belohnt.
    Allerdings muß ich zugeben, daß ich alles andere als ein Fan von Frau Mordkowitsch bin.
    John Georgiadis hat das viel besser eingespielt auf Lyrita.
    Ich würde nicht zum Kauf der Chandos raten.


    Das Cellokonzert wie auch die Cellosonate ( diese wurde von Wallfisch für ein anderes Label eingespielt) waren für mich, das muß ich als Moeran-Liebhaber leider einräumen, eine Enttäuschung.


    Dazu muß ich allerdings auch zugeben, daß ich alles andere als ein Fan von Raphael Wallfisch bin.
    Die Vergleichsaufnahme auf Lyrita wird von Peers Coetmore, Moerans Witwe, gespielt, der das Werk auch gewidmet ist.
    Frau Coetmores Vorzüge liegen leider irgendwo anders als beim Cellospiel.


    Insofern gibt es für mich leider bisher keine Aufnahme dieses Werkes, die ich mir gerne anhöre und vielleicht hängt meine Enttäuschung auch eher mit den Interpreten zusammen?!


    Es gibt von Moeran ein wunderschönes "Prelude" für Cello und Klavier, welches ich regelmäßig als Zugabe spiele-wenn es dazu kommt :untertauch:


    Insofern kann ich keine Empfehlung für den Kauf der Chandos abgeben, aber sehr wohl für die Aufnahme des Violinkonzertes auf Lyrita
    ( "http://www.lyrita.co.uk/" )und die interpretatorisch besten, allerdings historischen Aufnahmen mit Alfredo Campoli und, etwas abgeschlagen, Albert Sammons (in seinem letzten Konzert) bei Pristine Records.
    "http://www.pristineclassical.com/"


    :hello:
    Michael

  • Danke für die Ergänzung, lieber katlow :hello:


    Die Campoli-Aufnahme ist mit Sicherheit die beste Interpretation, dicht gefolgt von der Sammons-Aufnahme.
    Allerdings muß ich ein wenig vorwarnen, da die Campoli- Aufnahme nur auf einem steinzeitlichen Tonband existierte, die Aufnahme wurde von einem Amateur damals aus dem Rundfunk mitgeschnitten.


    Zusätzlich dazu hat dieses Tonband dann auch noch altersbedingt derartige Schäden gehabt, daß an einen Musikgenuss nicht mehr zu denken war.
    Insofern ist es einfach unglaublich, was Andrew Rose von Pristine da wieder herausgeholt hat :jubel:
    Campoli gehört zu meinen absoluten Lieblingsgeigern, der den Vergleich mit den absolut größten seines Faches nicht zu scheuen brauchte- im Gegenteil war er m.e. eine Klasse für sich.

    Zur Sammons-Aufnahme:
    Albert Sammons war ein ganz herausragender Geiger.
    Er hatte sich das Geigenspiel quasi selbst beigebracht und wurde von Thomas Beecham als Stehgeiger in einem Restaurant entdeckt und vom Fleck weg als Konzertmeister angeheuert.
    Seine Aufnahme des Elgar-Konzertes von 1929 gilt nicht nur für mich als die bis heute überzeugendste.


    Leider hatte er zum Schluß seiner Karriere Parkinson.
    Diese Aufnahme des Moeran-Konzertes war sein allerletzter öffentlicher Auftritt und zeigt ihn verständlicherweise nicht mehr im Vollbesitz seiner früheren Möglichkeiten.
    Trotzdem hat er das Konzert immer noch auf seine unnachamlich charaktervolle Weise gespielt.
    Insofern ist diese Aufnahme trotz allem ein großes Geschenk und ein Vermächtnis dieses großen Geiger.
    Diese Aufnahme ist übrigens auch bei Symposium-Records erschienen:


    Beide Aufnahmen, Campoli und Sammons, sind live-Aufnahmen, Radioübertragungen, welche für immer verloren gewesen wären, hätte es diese Mitschnitte nicht gegeben.
    :hello:
    Michael

  • Ich halte Moerans Violinkonzert vielleicht für sein gelungenstes Orchesterwerk.


    Es ist voll von sprühenden Ideen und Einfällen und wäre mit Sicherheit eine lohnenswerte Ergänzung im Konzertalltag.


    Zu den Einspielungen bleibt mir nichts anderes übrig als mich katlow und Michael anzuschließen.


    Die Chandos-Aufnahme ist einfach nur lahm. Zum Kennenlernen empfehle ich wie katlow die moeran.com-Seite, in der ein Mitschnitt unter Boult mit Sammons zur Verfügung steht.


    :hello:
    Wulf

  • Äußerst gelungen finde ich auch seine zwei Rhapsodien für Orchester:


    Die "dritte" Rhapsodie ist für Klavier und Orchester und befindet sich auf der von Teleton vorgestellten Chandos-CD mit der Sinfonie.
    Sie ist auch ein recht lohnendes Werk.


    Auf seine schönen Streichquartette, vor allem das 2.Quartett, wurde ja schon an anderer Stelle hingewiesen.


    :hello:
    Michael

  • Eine Rezension der Naxos-Aufnahme gefällig?
    Bitte schön:


    Außerhalb seiner britischen Heimat ist Ernest John Moeran (1894-1950) bis heute kaum bekannt geworden. Sein handwerklich ausgefeiltes Œuvre, das im Umgang mit dem Orchester die gleiche Sicherheit offenbart wie auf dem Gebiet der Kammermusik und des Liedes, kann noch immer als Geheimtip nicht nur für anglophile Musikfreunde gelten.


    Moeran war einer der letzten Komponisten, die von der englischen Folksong-Bewegung beeinflußt wurden und ihre Inspiration aus Natur und Landschaftseindrücken bezogen. Irland und Norfolk waren der Nährboden für seine Sinfonie, die zwischen 1934 und 1937 Gestalt annahm, obwohl bereits zehn Jahre zuvor ein entsprechender Kompositionsauftrag von Hamilton Harty für das Hallé Orchester an Moeran ergangen war. Das kraftvolle, noble Werk, das in der Themenverarbeitung wie in der suggestiven Instrumentation den Einfluß von Sibelius nicht verleugnet, stellt neben dem wundervoll lyrischen Violinkonzert Moerans Meisterwerk dar. Die 1945 von John Barbirolli uraufgeführte Sinfonietta gibt sich neo-klassizistischer und weist Parallelen zu William Walton auf.


    Unter David Lloyd-Jones, dem versierten Kenner des britischen Repertoires, spielt das Orchester von Bournemouth mit Souveränität und Überzeugungskraft. Auch klanglich ist die Aufnahme uneingeschränkt empfehlenswert.


    Peter T. Köster (13.12.2002)


    Bewertungsskala: 1-10


    Künstlerische Qualität:
    10
    Klangqualität:
    10
    Gesamteindruck:
    10

  • Ja, Wulf, diese Aufnahme ist gut.......


    Aber ich werde jetzt nicht die Kritiken der Boult-Aufnahme oder der Handley-Aufnahme oder gar der Heward-Aufnahme hier einstellen.


    Es gibt zu der Lloyd-Jones Aufnahme auch Kritiken, die anders aussehen, aber am besten macht sich jeder ein Bild und hört sich die Vergleichsaufnahmen selber an.


    Gruß,
    Michael

  • Gegen Boult oder Heward würde ich auch nie wettern, Michael :)


    Handley rechne ich seine Veridenste um die englsichen Komponisten hoch an, ich habe aber manchmal den Eindruck, daß er nicht immer der beste Interpret ist (von Bax abgesehen). Vielerorts badet er auch in Woihlklang und nimmt IMO häufig zu langsame Tempi. Manche Simpson-Symphonie, die wahrliche Energiepakete sind, könnten ruhig noch etwas forcierter, energischer daherkommen.


    Meine Meinung..... :untertauch:


    :hello:
    Wulf

  • Hallo Wulf,
    ist ja völlig in Ordnung, wenn Du im Gegensatz zu mir kein Handley-Fan bist.
    Aber hast Du die Moeran- Sinfonie mit ihm denn auch gehört?


    Dies ist ziemlich straff interpretiert, sehr dramatisch

    Zitat

    Vielerorts badet er auch in Woihlklang und nimmt IMO häufig zu langsame Tempi

    , insofern kann ich Deine Kritik nicht so recht nachvollziehen.
    Ehrlich gesagt ist mir eine zu sehr auf Wohlklang bedachte und zu langsame Haltung von ihm auch noch nie aufgefallen.


    :D Meine Meinung halt :untertauch:


    :hello:
    Michael

  • Das ist ja dat Schlimme, Michael!


    Ich habe sie ZUERST mit Handley gehört und war weniger angetan. Dann nochmal und dann nochmal. Und dann hörte ich sie mit Lloyd-Jones und zack: ich war begeistert.


    Dramatisch ist Handley schon, aber die Tempi..... :stumm::angel:



    Na ja, einigen wir uns darauf, daß es eine wundervolle Symphonie ist, oder??


    :hello:
    Wulf

  • Hallo Michael und wulf,


    nach ungewohnlich lager Zeit habe ich Moeran-Sinfonie mit Handley (wem sonst? :D) nun auch vom Lieferanten aus Neuseeland erhalten.


    :] Von der Sinfonie g-moll, die mich stimmungsmäßig sogleich an Moeran´s Vorbild Sibelius erinnert bin ich voll begeistert. Die Sinfonie stellt durch ihre volle Tonalität keine großen Anforderungen an den Hörer und erschließt sich dem aufmerksamen Zuhörer sogleich.
    Es werden wunderbare Stimmungsbilder gemalt, die sich durch die freie Form der Sätze 2.bis 4. rhapsodisch aneinanderreihen - nur der erste Satz ist in der Sonatensatzform.


    Die Klangqualität (für mich immer sehr wichtig) bei Chandos ist ausgezeichnet und Handley stellt mich auch bei den dramatischen Stellen sehr zufrieden. Ich hätte nirgendwo den Eindruck eines zu langsamen Tempos.
    :yes: Handley ist in TOP-Form, so wie wir ihn immer kennengelernt haben - zum Beispiel bei den Bax- und Vaughan-Williams-Sinfonien.
    Die zahlreichen und für den Neuhörer unerwarteten Paukenstellen in jedem Satz läßt Handley plastisch und ungehindert ihren Lauf - eine fantastische Aufnahme, eine fantastische Sinfonie.