Es kann nur Einen geben - Gala zum 40-jährigen Jubiläum von Placido Domingo an der STOP

  • Komme gerade aus der STOP und bin noch immer total hingerissen von der ungemein berührenden Veranstaltung zu Ehren von Placido Domingo.


    Ein rundum gelungener Abend, wobei er mir - trotz der bekannten Sprachprobleme - als Siegmund sogar noch besser gefallen hat als im Otello-Schlussakt.


    Eine unglaubliche Bühnenpräsenz - und er war trotz seiner 66 Jahre noch immer besser als der letzte Siegmund, den wir in Wien hatten.


    Es war auch schön, noch einmal das Bühnenbild der Dresen-Inszenierung zu sehen (so richtig mit einem Baum, wo ein Schwert drin steckt und einem Zelt/einer Jurte). Kurt Rydl erbrachte das, was man von ihm gewohnt ist, Deborah Voigt überzeugte als Sieglinde.


    Der Zusammenschnitt von 16 Rollen machte mir klar, was ich alles versäumt habe, da ich erst vor ein paar Jahren zur Oper gefunden habe (und ich tue hiermit öffentlich Abbitte - Place ist DER Tenorissimo der 3 Tenöre!).


    Im Otello-Schlussakt berührte Krassmira Stoyanova und das Bühnenbild der ALTEN Inszenierung. Da kam ein wenig Verbitterung auf, als ich an den Mielitz-... dachte.


    Die Ehrung auf offener Bühne war auch weniger peinlich als erwartet (Direktor Holender sollte aber langsam wissen, dass wir keinen Premierminister, sondern einen Bundeskanzler haben), und als Domingo sich sicht- und hörbar bewegt bedankte, blieb kein Auge trocken. Standing Ovations für einen epocheprägenden Künstler.

  • Ich war (NATÜRLICH :D ) auch drin und kann Dreamhunter nur zustimmen - es war ein ungemein emotionaler Abend, und dass ich bei Placis "Un bacio, ancora un bacio" noch einmal dahinschmelzen durfte, war besonders schön. Seine Stimme ist immer noch völlig intakt, was sein unverwechselbares Timbre betrifft, ein Ritter des hohen C war er ja nie so wirklich. Da könnte so mancher junge Kollege vor Neid erblassen.... (Und ob einer von der neuen Tenorgeneration ein 40jähriges Bühnenjubliläum wird feiern können, bezweifle ich auch sehr!)
    Holenders Lapsus mit dem Premierminister war in meinen Augen eine subtile Spitze gegen unseren Bundeskanzler - vielleicht wollte er ihm damit signalisieren "Ich kenn mich in der Politik genauso wenig aus wie du in der Oper!", denn dass er tatsächlich nicht weiß, wer bei uns an der Spitze der Regierung steht, ist ziemlich unwahrscheinlich.
    lg Severina :hello:

  • Ich kann's mir vorstellen, dass es ein bewegender Gala-Abend war in der Oper. Ich habe nur Radio gehört, da ich den 1. Akt Walküre mithören wollte und habe ein wenig gelitten; Domingos Gestammel dieser Partie war noch schlampiger als ich es von ihm schon gehört hatte, und ich dachte wieder einmal: ewig schade, dass Domingo in all den Jahren die sprachliche Artikulation (und auch die musikalische!) in den Wagner-Partien nicht perfektionieren konnte. Seine Stimme ist nach wie vor ein Traum, obwohl er natürlich nicht mehr so gut in Form ist. War er es, der sich, wenn er Pause hatte, ständig räusperte? Gegen Ende des Aktes hat er nicht mehr nur die richtigen Silben sondern auch so manche dazugehörige Note unterschlagen, was aber der Spannung keinen Abbruch tat.


    Wie gesagt, ich wollte Walküre hören. Wäre ich in der Oper dabei gewesen, hätte mich all das vielleicht nicht gestört, da ich weiß, wie spannend Domingo auf der Bühne ist. Deborah Voigt gefiel mir sehr gut (vom ihrem Timbre abgesehen, das ich nicht mehr so mag, aber das ist ja Geschmackssache - ich versuche mir vorzustellen, wie sie als Brünnhilde sein wird). Und schon alleine wegen Adam Fischer und dem Orchester hat es sich gelohnt, eine gute Stunde lang die Kopfhörer aufzusetzen und das Essen in der Küche anbrennen zu lassen.

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • Zitat

    Original von Melot1967
    War er es, der sich, wenn er Pause hatte, ständig räusperte?


    Ja, mir ist das zwei Mal aufgefallen - aber wie schon gesagt, durch das Live-Erlebnis war es mir - relativ - egal

  • Hallo Melot,
    das Räuspern habe ich oben auf meinem Galeriestehplatz nicht gehört, was sein schreckliches Deutsch betrifft, muss ich dir leider Recht geben, man verstand wirklich kaum ein Wort. Aber ich denke, wir alle wollten uns noch einmal an Placis Stimme berauschen, und da kam man auch gestern auf seine Kosten. Welch großartiger Singschauspieler er war und immer noch ist, konnte man bei dem 45minütigen Film nach der Pause wieder einmal sehen, wo Ausschnitte aus sämtlichen Domingo-Paraderollen gebracht wurden. Da wurden viele Erinnerungen an unvergessliche Abende an der WSO wach! :lips: Auf dem Stehplatz waren gestern ungewohnt viele Kinder (das jüngste 7 Jahre), alle unglaublich diszipliniert und fasziniert, und als ich in der Pause so ein bisschen fragte, stellte sich heraus, dass das lauter Enkelkinder von Domingo-Fans waren, denen ihre Omas die vielleicht letzte Gelegenheit geben wollten, einen Placido Domingo zu erleben. "Weißt du", meinte der Siebenjährige zu mir, "der Mann da unten hängt bei meiner Oma im Wohnzimmer!" Also, ich fand das irgendwie rührend.
    lg Severina :hello: