"DIE LUSTIGE WITWE" - Franz Lehárs größter Erfolg

  • Liebe Taminos,


    Wohl keine Operette kommt an die Beliebtheit der „Fledermaus“ heran, aber Lehárs „Lustige Witwe“ liegt, was die Aufführungs- und Einspielhäufigkeit betrifft, vermutlich bereits an zweiter Stelle, noch vor dem „Zigeunerbaron“. Das witzige Libretto von Victor Léon und Leo Stein war an dem Welterfolg sicher nicht ganz unschuldig, aussschlaggebend war auch das breite Echo in den USA. Nicht einmal der Umstand, daß die „Witwe“ Hitlers bevorzugtes Bühnenstück war, konnte der ungebrochenen Begeisterung Einhalt tun. Ironie der Geschichte: Die eigentlichen Namen der beiden Librettisten lauteten Hirschfeld und Rosenstein. Was hätten die arischen Fanatiker bloß ohne die jüdischen Kulturschaffenden getan (gilt auch für den Film)!
    Léhárs erster großer Erfolg wurde 1905 in Wien uraufgeführt, ausschlaggebend für das weltweite Echo war jedoch die begeisterte Aufnahme des Werks in der nachfolgenden Berliner Inszenierung. Seither ist die „lustige Witwe“ ein Dauerbrenner. Demgemäß gibt es auch viele Einspielungen zur Auswahl, wenngleich im Moment nicht alle zu haben sind und ihre Zahl durchaus überschaubar bleibt. Einige davon möchte ich herausgreifen und meine Einschätzung kundtun.


    Walter Legge hat für EMI das Werk zweimal produziert, beide Male mit Elisabeth Schwarzkopf in der Titelrolle. Die erste London-Aufnahme entstand 1953 mit Otto Ackermann. Naxos hat sie unlängst wieder herausgebracht ebenso wie Membran. Die Membran-Leute dachten ökonomisch und faßten die „Witwe“ mit dem „Land des Lächelns“(vom gleichen Interpretenteam realisiert) in einem Doppelalbum zusammen.


    Joschi hat sich über diese erste EMI-Version schon recht kritisch geäußert. Einer ihrer Nachteile sind die Kürzungen, der vor allem das Duett über den „Zauber der stillen Häuslichkeit“ zum Opfer gefallen ist. Zweifellos ein echter Verlust. Besonders bei dieser Operette schmerzlich mutet auch die geringe Bedeutung an, welche man den gleichfalls ziemlich reduzierten Dialogen zugemessen hat (wenigstens hat man dafür nur der Valencienne und dem Cascada Sprecher zugeteilt, der Valencienne leider keine gute) - denn bei dieser Gattung kommt es beileibe nicht nur auf die Noten an. Es sprüht und funkelt nicht genügend. Der unentbehrliche Bezug zwischen Dialog (sozusagen Gesang ohne Noten) und pointiertem Lied bleibt auf der Strecke. Der Dirigent freilich gehört zu den besten Interpreten dieser Musik und spielt auch hier alle seine Spitzenqualitäten aus. Er entlockt dem Philharmonia Orchestra die feinsten Nuancen und läßt es so wienerisch spielen, daß kein Wunsch offen bleibt. Bei aller Walzerseligkeit bleibt der Klang stets transparent und erinnert an Lehárs eigene Auffassung seiner Schöpfung. Als hervorragend muß auch die Hanna Glawari der Schwarzkopf gelten, deren Stimme hier noch jugendlich-frisch und ungekünstelt herüberkommt und mit dem Ackermannschen Stil vollendet harmoniert. Zwar ist die Schwarzkopf mehr Dame als temperamentvoll Liebende, aber das ist schon ein beckmesserischer Einwand. Ohne Frage ist sie einer idealen Verkörperung der Partie sehr nahe und jedenfalls viel näher als zehn Jahre später. Nicolai Gedda als Rossillon und Emmy Loose als Valencienne zählen zu den weiteren Vorzügen dieser Fassung. Die Loose vermittelt die Wandlung von der scheinbar kühlen „anständ’gen Frau“ zu leidenschaftlicher Gefühlswärme in glaubhafter Steigerung. Gedda ist ihr ein kongenialer Partner. Die Katastrophe ist aber der Danilo, der ja bekanntlich eine Tenorpartie ist. Legge scheint eine fatale Liebe zu Bariton-Danilos gehabt zu haben. Er setzt doch glatt Erich Kunz als „Tenor“ ein (so lautet tatsächlich die offizielle Angabe!), also einen Bariton von eher dunkler Färbung. Man spürt förmlich , wie unglücklich Kunz – einer der bedeutendsten und mit Recht beliebtesten Opernsänger Wiens im 20.Jahrhundert, der als Schauspieler und Sprecher nicht minder begabt war – sich in dieser Rolle fühlt. Verzweifelt versucht er, alle baritonale Tiefe möglichst zu eliminieren und landet manchmal fast im Sprechgesang. All seine Routine kann aus einem wundervollen Figaro oder Leporello keinen überzeugenden Danilo machen (Kunz’ beste Operettenrolle war nach meinem Empfinden der Gefängnisdirektor Frank in der „Fledermaus“; als solcher konnte er alle seine Stärken ausspielen), es fehlt einfach die Sinnlichkeit des jugendlichen Liebhabers. Mit einem Wort: eine kapitale Fehlbesetzung. Der Rest des Ensembles ist ordentlich bis farblos. Für Einsteiger scheint mir diese CD daher wenig geeignet, für Kenner und Sammler würde ich sie wegen Ackermann und Schwarzkopf zwar absolut anraten, aber der Gesamteindruck bleibt zwiespältig.


    Bei EMI muß man das auch gewußt und gespürt haben, denn schon 1963 brachte Legge seine nächste „Lustige Witwe“ heraus, natürlich wieder mit „seinem“ Philharmonia Orchestra. Liest man die Besetzung, so glaubt man, kein Wunsch bliebe offen, aber dieses Produkt unter die „Great Recordings of the Century“ zu reihen, ist glatte Übertreibung der Herstellerfirma. Mein Exemplar ist übrigens durch einen etwas dumpfen Klang beeinträchtigt, was aber ein Zu- und Einzelfall sein dürfte, denn sonstige Kritiker heben eher die gute Tonqualität hervor. Mit Lovro von Matacic hat man sich diesmal einen Dirigenten geholt, dessen Qualitäten an sich außer Zweifel stehen, auch wenn es ihm nie gelang, in die erste Reihe vorzudringen. Nur scheint er mit Operetten keine ausreichende Erfahrung zu haben., denn er dirigiert das Ganze, wie soll ich sagen, wie eine Oper. Mitunter scheint ihm das selbst nicht zu behagen, dann hetzt er das Orchester kurze Zeit, was nicht schön anzuhören ist. Zugegeben: Manchmal denkt man sich: „Ah, jetzt hat er’s endlich begriffen!“ leider aber stellt sich das jedes Mal als Täuschung heraus. Er begreift es nicht, wenigstens nicht auf die Dauer. Für mein Gefühl bemühen sich die Schwarzkopf und Eberhard Wächte verzweifelt, ein bißchen wienerischen Schwung hineinzubringen, aber Matacic spielt nicht mit, sondern bleibthartnäckig bei seinen disziplinierenden Vorgaben. Einen Gutteil der schwarzkopfschen Manierismen möchte ich diesem ebenso verdienstvollen wie vergeblichen Versuch zuschreiben. Wächter resigniert schneller. Davon abgesehen ist die Schwarzkopf bei allen ihren rühmenswerten Stimmeigenschaften und ihrer Musikalität der Partie eigentlich entwachsen. Die Stimme klingt zu reif. Man hört nur mehr die Salondame, vom ehemaligen Balkanmädel ist nicht eine Spur geblieben. Der Vortrag erfolgt viel komplizierter als in der früheren Fassung. Dennoch bleibt die Schwarzkopf wenigstens ein Pluspunkt. Auf Eberhard Wächter verfiel Legge vielleicht, weil der zwei Jahre zuvor einen immerhin beachtlichen Don Giovanni (unter Giulini) abgeliefert hatte („beachtlich“ ist sogar stark untertrieben, auch wenn ich die „hellen“ Don Giovannis nicht so mag). Aber Wächter war immer ein guter Eisenstein (der beste sogar), d.h. ein Lebemann, der die beste Zeit schon hinter sich hat, kein Danilo, der noch jugendlich seufzt und schmachtet und der dazu gemacht ist, heestersartig die Herzen zu brechen. Er kommt mir ein bißchen, naja vielleicht nicht langweilig vor, aber wie ein Schmalspur-Danilo. Wahrscheinlich - fast meine ich : sicher - hätte er sogar besser gekonnt, war aber nicht mit dem Herzen bei dieser verfahrenen Sache. Wer hätte geglaubt, daß eine so gute und bewährte Sängerin wie Hanny Steffek eine so steife und fade Valencienne abliefert? Und auch Gedda wird da nicht warm und ist eineinhalb Klassen schlechter als zehn Jahre davor. Auch Routiniers wie Kurt Equiluz (als Cascada) und Franz Böheim (als Njegus) vermögen da nichts zu retten. Für den Gesamteindruck der Produktion gilt: Man ist auf hohem Niveau nicht wirklich gut. Als Zweit-, eher sogar Dritteinspielung geht sie an (ich benutze sie im Sommerhaus), aber auch nicht mehr.


    Glücklicherweise ist man nicht auf die Legge-EMI-Angebote angewiesen. Davon in Kürze mehr.


    LG


    Waldi

  • Nach den zwiespältigen Eindrücken nun die vergnüglichen:


    Mehrfach aufgelegt und derzeit äußerst preiswert zu haben ist die Rundfunkproduktion des NWDR (NDR) von 1950 mit dem Hamburger Rundfunkorchester unter Wilhelm Stephan, einem leider weitgehend vergessenen Dirigenten, mit mehreren Publikumslieblingen von damals, deren Namen der heutigen Generation teilweise ebensowenig geläufig sind. Die Aufnahme ist reiner Genuß, obwohl sie auf den bekannten „Wiener Schmäh“ völlig verzichtet. Sie liefert den schlagenden Beweis, daß es mit nicht übertriebenem bundesdeutschen Humor fast genauso gut geht. Liebevoll ausgefeilt bis in die Details erweist sich die Einspielung als nahezu perfekt in der Abstimmung Musik und Wort, denn man wußte genau, wieviel Bedeutung einem zündenden Dialog gerade bei dieser Operette zukommt. An geschlossener Wirkung der Ackermann-Version weit überlegen verfügt die 1950er „Witwe“ über ein Ensemble, dessen Spielfreude und Spielwitz als vorbildhaft gelten kann, Zwar ist man nicht ganz so kultiviert wie in London, jedoch musikalisch und darstellerisch glaubwürdig-intensiv. Stephan dirigiert schwungvoll, fühlt sich gut in die Rhythmik ein und beherrscht das nötige Rubato-Wissen mit Selbstverständlichkeit. Nie habe ich ihn besser gehört. In der Titelrolle brilliert die leider so früh verstorbene Elfriede Trötschel (1913-1958 ), die frisch und sicher den richtigen Ton findet zwischen Pariser Salon und Erinnerung an Balkannatürlichkeit. Der soubrettenhafte Beiklang, den sie mitunter hineinmischt, paßt ausgezeichnet. Trötschel, die übrigens von Karl Böhm „gemacht“wurde und in Rekordzeit zur Kammersängerin aufstieg, verfügte über ein sehr breites Repertoire und war sich nicht zu schade, auch kleinere Partien zu singen. Sie gestaltet ihren Part mit – versteckter - Routine und Engagement und singt ihn nicht einfach herunter wie viele andere „Witwen“ neueren Datums. Vortrefflich zu ihr paßt Rudolf Schock als Danilo (den Erwin Linder als Sprecher blendend ergänzt, obwohl ein Schock keinen solchen nötig gehabt hätte), glänzend besetzt sind die Nebenrollen, sowohl stimmlich wie in der glaubhaften Verkörperung ihrer Charaktere. Der Bariton Joseph Olah dosiert als Baron Mirko Zeta die Buffokomik in richtigem Maß, die junge Anneliese Rothenberger beweist (ohne Co-Sprecherin!) als Valencienne, daß sie mit Recht große Karriere machte, der Stuttgarter Tenor Alfred Pfeifle (1916-1986) überzeugt als Roussillon. Sie sind als Paar noch überzeugender als Gedda und Loose. Köstlich der Njegus von Josef Offenbach (1904-1971). Jedem, der die „Witwe“ noch nicht besitzt und sie sich zulegen will, sei diese Aufnahme wärmstens empfohlen. Sie ist unter den derzeit erhältlichen Fassungen einwandfrei in die Spitzengruppe zu reihen und für Einsteiger ohne Vorkenntnis ideal.


    Die allerbeste Einspielung freilich ist momentan bedauerlicherweise nicht auf dem Markt, doch war sie als CD schon zu haben. Ich besitze sie als LP von Everest. Es ist sozusagen eine Co-Produktion Wien-Berlin aus dem Jahr 1966, die von Eurodisc herausgebracht wurde. Robert Stolz – wer sonst? – dirigiert die Berliner Symphoniker, mit denen er oft musizierte und die ihm perfekt folgen, der Chor der deutschen Oper Berlin (einstudiert von Walter Hagen-Groll) sorgt für besten Klang der Gesellschaft, und die mitwirkenden Protagonisten stellen alles andere in den Schatten. Margit Schramm ist „die“ Hanna Glawari, Rudolf Schock ist stimmlich nicht so frisch wie 1950, hat dafür aber an sängerischer und darstellerischer Intelligenz immens zugelegt und liefert den besten Danilo, den man sich vorstellen kann, nämlich mit allen Schattierungen und vielschichtig: Kein oberflächlicher Bonvivant, sondern ein leidender Liebender, der sich überzeugend als Lebemann und Faulpelz ausgibt, obwohl er es im Grund nicht ist. Eine Modellinterpretation wie die ganze Einspielung, die an Stringenz und Verständnis für das Genre die Fassung von 1950 noch übertrifft. Benno Kusche als Zeta überwältigt durch Laune und Spielverständnis, ist stimmlich bestens in Form und trifft den Ton zwischen altem Trottel und anmaßendem Diplomaten ideal. Ferry Gruber als Njegus: Unübertrefflich, sozusagen zwölf Sterne von zehn möglichen. Dorothea Chryst(* 1940, eine Josef-Metternich-Schülerin, hier noch am Anfang ihrer Laufbahn) als Valencienne und Jerry J.Jennings als Rossillon sind das beste Liebespaar, das man sich vorstellen kann. Die Chemie zwischen beiden stimmt hundertprozentig und nie wurden ihre Duette wärmer und glaubhafter gesungen. Man müßte jetzt alle Mitwirkenden lobend aufzählen, von Cascada (Claudio Nicolai) bis zu den Grisetten, aber ich würde mich nur wiederholen. Das ist und bleibt die absolute Referenzaufnahme, so gut andere auch sind (z.B. gibt es noch diverse andere EMI-Ausgaben).


    Wenn ich mich kurz noch an echte Aufführungen erinnere: Unerreicht die seinerzeitige Savary-Inszenierung an der Wiener Volksoper (ich erlebte sie mit Katalin Pitti und John Hurst). Die jüngste Inszenierung in Mörbisch verriet Routine und Erfahrung, gemessen an Mörbischer Maßstäben war sie guter Durchschnitt (und Harald Serafin legte seinen Zeta in vergnüglicher, aber ganz leicht überzogener Otto-Schenk-Manier an), aber wie auf der Seebühne nicht anders möglich, vergröbert und. was nicht unbedingt nötig war, auch etwas verflacht.


    LG


    Waldi

  • Hallo Waldi,


    du meinst sicher diese Einspielung.



    PS: Der Wink mit dem Zaunpfahl ist angekommen. Woher wußtest du nur, dass ich "Die lustige Witwe" noch nicht habe. Ist aber jetzt auf dem Merkzettel.


    LG


    Maggie
    :hello:

  • Liebe Maggie,


    Genau, aber bei Membran kriegst Du diese "Witwe" auch. Es scheint, daß mit den freigewordenen Aufnahmen doch Geschäft zu machen ist, denn immer öfter kann man unter zwei oder mehr Neuauflagen auswählen. Die Tonqualität müßte man allerdings immer genau vergleichen. Bei Naxos und Membran habe ich - prinzipiell - bis jetzt beste Erfahrungen gemacht, bei Line Music kann ich noch nichts Definitives sagen, weil ich noch zu wenig von diesem Label gehört habe (z.B. gestern wollte mein CD-Player nämlich die Moralt-"Entführung" partout nicht schlucken).


    LG


    Waldi

  • Lieber Waldi, ich habe die Lustige Witwe auch noch nciht. :O
    Noch eine Anmerkung dazu aus dem Ausland: diese Operette ist hier in Frankreich ausserordentlich beliebt und wie andere Operetten deutschen Ursprungs wird sie in FRANZÖSISCHER Übersetzung sehr oft gegeben. La veuve joyeuse. Allein seit ich hier lebe mindestesn dreimal in unserer Stadt.


    Da ich mich vorher nie mit Operette befasst habe und noch gar nciht solange da hinein schnuppere, ist es schon seltsam, dass ich das herzallerliebste Duett "Lippen schweigen" bisher nur in französisch gelernt und gesungen habe.
    Da heisst das:
    L'heure exquise qui nous grise lentement
    La caresse, la tendresse du moment
    Ineffable etreinte des nos desirs fous
    Tout dit gardez-moi
    puisique je suis à vous.


    Finde ich sogar noch schöner als den deutschen OriginalText :untertauch:


    Solche etwas kitschigen Texte kann ich ohnehin in Fremdsprachen leichter "ertragen"- obschon es auch einfach Spass macht, mal alle intellektuellen Skrupel abzulegen und Vilja-Lieder etc zu schmettern.
    Aber so ganz unbefangen kann ich das immer noch nicht. Leider.
    Fairy Queen :angel:

  • Hallo!


    Mir ging es leider sehr oft so, dass ich die Lustige Witwe, die eine meiner absoluten Lieblingsoperetten ist, nie so ganz hören konnte, wie ich es wollte.


    Ich besitze die Schock-Aufnahme nicht, und musste daher immer mit mittelmäßigen Danilos Vorlieb nehmen.


    Aber gottseidank hab ich das "Lippen schweigen"-Duett mal mit Richard Tauber gehört.


    Das war ein soo prägendes Erlebnis, einfach wunderschön. Sollte es eine Gesamtaufnahme der Witwe mit Tauber geben, würde ich fast jeden Preis dafür zahlen!
    :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:


    LG joschi

  • Zitat

    Original von Walter Krause
    Die allerbeste Einspielung freilich ist momentan bedauerlicherweise nicht auf dem Markt, doch war sie als CD schon zu haben. Ich besitze sie als LP von Everest. Es ist sozusagen eine Co-Produktion Wien-Berlin aus dem Jahr 1966, die von Eurodisc herausgebracht wurde. Robert Stolz – wer sonst? – dirigiert die Berliner Symphoniker...


    Ich habe diese Ausführung auch auf LP, aber dann von Eurodisc. Und kann Deine Worte nur bestätigen: noch nie habe ich eine so gute Witwe gehört.
    Daß sie schon als CD zu bekommen war, habe ich nie gewußt. Denn sonst hätte ich sie schon gekauft.
    Dann muß ich meine LPs mal digitalisieren. :seufz:


    LG, Paul

  • Liebe Operettenfreunde,
    nach Waldis glänzenden Plädoyers für "Die lustige Witwe" oder auch "La veuve joyeuse" (danke, Feenkönigin :lips: )
    ist die Frage, ob die Operette tot sei, eigentlich selbst gestorben.
    Auch ich bin ein großer Freund der Schramm/Schock-Einspielung. Sie ist DIE Witwe schlechthin. :angel:
    Waldis Fleißarbeit flößt mir Ehrfurcht ein :hello:

  • Ich erlaube mir noch die Ergänzung, dass in der französischen Fassung die Namen der Protagonisten, mit Ausnahme des Grafen Danilo (der in der französischen Fassung ein Prinz ist) verändert sind


    Hanna Glawari wird zu Missia Palmieri
    Valencienne zu Nadia
    Baron Mirko zu Baron Popoff
    und aus Camille de Rosillon wird Camille de Cotillon


    und in der Tat kann ein jeder "Heure Exquise" ansummen, während unser
    Lieblingshit "Dann geh ich zu Maxim" eher unbekannt ist.


    Es grüsst LaCastafiore

  • Hallo,
    ich habe die berühmte Schock/Schramm - Stolz - Aufnahme als Doppel-CD von BMG Classics Nr. GD69309 von 1992 (ist aber, glaube ich, z.Zt. gestrichen bzw. nur als Querschnitt im Katalog).


    Von der lustigen Witwe habe ich insgesamt 25 Aufnahmen, davon 2 auf englisch, aber keine in franzöisch. Das muß sich nach Fairy Queen's Beitrag ändern!


    Richtig gehört habe ich allerdings außer der obigen Schock-Aufnahme eigentlich auch nur die beiden EMI/Legge-Aufnahmen unter Ackermann und Matacic. Ich muß mir mal die Zeit nehmen und die anderen Einspielungen anhören, um bessere Vergleichsmöglichkeiten zu haben. Dabei ist auch eine sog. Ersteinspielung der "Urfassung", was immer das sein mag. Es dirigiert Froschauer, und der Danilo ist Michael Heltau. Kann sich jemand darunter was vorstellen?


    Werde demnächst kundtun, welche Alternativ-Einspielung empfehlenswert ist. Es soll auch eine Broadway-Version der "Merry Widow" geben, 1943 aufgenommen (die in N.Y.über 1000 mal en suite gespielt worden sein soll). Weiß jemand, ob es die auf CD zu kaufen gibt?


    Viele Grüße
    Harald Kral

  • Zitat

    Original von LaCastafiore


    und in der Tat kann ein jeder "Heure Exquise" ansummen, während unser
    Lieblingshit "Dann geh ich zu Maxim" eher unbekannt ist.


    Es grüsst LaCastafiore


    Liebe Casta,


    dann wirst du das "Da geh ich zu Maxim" in unserem Konzert in Paris hören und einiges andere auch....


    Liebe Grüsse



  • Vielen Dank, Casta, für diese interessanten Details. Unsere Nachbarn sind doch immer wieder für Überraschungen gut.
    Gibts auch eine empfehlenswerte CD-Einspielung auf Französisch? :hello:

  • Es gibt wohl einen "Klassiker" aus den 60er Jahren mit Micheline Dax und Michel Dens, bei EMI erschienen. Ich selbst habe in französischer Sprache nur einen Querschnitt.


    In der vorletzten Saison gab es eine zauberhafte Produktion an der Opera Comique unter Savary, in der Missia grosse Ähnlichkeit mit Jacky Kennedy hatte, sie landete im Hubschrauber am Trocadero - aber leider ist die Ära Savary dort beendet.


    Es grüsst LaCastafiore



    P.S. @Musika - ich kenn "dann geh ich zu Maxim" schon, nur können wir damit nur die Deutschen anlocken...

  • Zitat

    Original von LaCastafiore



    P.S. @Musika - ich kenn "dann geh ich zu Maxim" schon, nur können wir damit nur die Deutschen anlocken...


    Es kommt immer darauf an wer singt und wie es gebracht wird und der Tenor, der es singen wird, ist seeeeeeehr überzeugend.


    LG

  • do geh ich zu Moxim........


    stimmt, berühmt ist gerade dieses Lied mit Hesters geworden, ebenso wie Ein Glück, dass man sich so valieban kann.... :yes:


    Hesters, ein Allroundman, der noch Operette gesungen hat, naja, für Oper wäre seine Stimme natürlich nix.


    Liebe Grüsse

  • Zitat

    Original von musika
    Hesters, ein Allroundman, der noch Operette gesungen hat, naja, für Oper wäre seine Stimme natürlich nix.


    Und gerade Heesters ist weder Österreicher noch Deutscher, sondern Holländer. Noch immer hat er jene Nationalität, sagte er vor einigen Jahren.


    Bei uns wird er von vielen älteren Menschen dagegen verachtet, wegen seines Benehmen im WK II: "Er hatte es nicht gewußt".
    Persönlich mag ich seine Interpretationen gerne.


    LG, Paul

  • Hallo zusammen,


    hiermit stimme ich in Waldi´s Lobgesang bezüglich der o.g. lustigen Witwe ein.


    Leider hat Waldi für mich nicht viel übriggelassen, das ich noch zu dieser Einspielung schreiben könnte.


    Auffallend ist meiner Meinung nach, das die Sprecher ihre Texte nicht so gekünselt wie abgelesen aufsagen, als hätte sie ein Gedicht gelernt. Die sehr guten Sprechstimmen vermitteln den zum Teil beisenden Humor pur.


    Die Aufnahmequalität ist meines Erachtens nach in Ordnung bis gut.


    Ich wünsche jedem Operettenfreund(in), der/die sich für die Anschaffung dieser Einspielung entscheidet viele Stunden Freude, Spass und nicht zuletzt köstliches musikalisches Vergnügen.



    LG


    Maggie

  • Am nächsten Freitag überträgt "arte" eine Aufführung der "Lustigen Witwe" aus der Dresdner Semperoper:


    Freitag, 21. Dezember 2007 um 22.05 Uhr / arte D


    Die lustige Witwe
    Regie: Don Kent
    Choeographie: Nadège Maruta
    Dirigent: Manfred Honeck
    Komponist: Franz Léhar
    Ausstattung: Ezio Toffolutti
    Licht: Jan Seeger
    Inszenierung: Jérôme Savary


    Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelang Franz Lehár mit "Die Lustige Witwe" eine Renaissance der bereits totgesagten Operette. Die in Paris angesiedelte frivol-erotische Handlung und die effektvolle Musik trafen den Nerv der damaligen Zeit. Die erstklassige Besetzung in der Semperoper Dresden garantiert einen höchst unterhaltsamen Premierenabend, der von ARTE - leicht zeitversetzt - live übertragen wird.


    Zitat

    Mit dem Werk "Die Lustige Witwe" gelang Franz Lehár 1905 eine Renaissance der bereits totgesagten Operette. Was den effektvollen Einsatz des Orchesters anbelangt war Lehár kompositorisch am Puls der Zeit, ihren Nerv traf er zudem mit der in Paris angesiedelten frivol-erotischen Handlung.
    In der Inszenierung von Jérôme Savary wird aus der "Lustigen Witwe" eine bonbon-bunte wie subtile Hommage an das Goldene Zeitalter Hollywoods, an die Revue-Filme und deren Musik. Keine andere Operette hat so viele Gassenhauer produziert wie die "Lustige Witwe". Die erstklassige Besetzung in der Semperoper Dresden garantiert einen höchst unterhaltsamen Premierenabend, der von ARTE live übertragen wird.
    Paris, das ist der Ort, an dem vor 100 Jahren beim Cancan Weltgeist und erotische Fantasien einander mit Champagner zuprosteten. Alles schien möglich in der französischen Hauptstadt, auch die Rettung eines bankrotten Fantasiestaates durch die Verkuppelung einer schwerreichen Witwe auf einer Diplomaten-Party. Die Librettisten des Stückes, Viktor Léon und Leo Stein, wussten, warum sie Paris als Schauplatz wählten: Dort ließ sich das zwar schamlose, aber durchaus nicht abwegige Ansinnen des Gesandten des Klein-Staates Pontevedrino besonders sinnlich inszenieren. Zudem gibt es Täuschungen, Verwirrspiele und Missverständnisse zuhauf: der Stoff, aus dem die Seifenopern noch heute ihre Faszination ziehen.
    Am Anfang der Operette "Die lustige Witwe" regiert noch der Walzertakt der Hautevolee und die Erotik schmiegt sich beiläufig an den Dreivierteltakt im Dienste höherer Politik. Schließlich aber lässt der Cancan die Beine fliegen, und wäre es nicht die Inszenierung, so reichte schon die Musik, die Fantasien zu beflügeln. "Lehárs Musik ist heiß von dieser offenen, verbrühenden Sinnlichkeit; ist wie erfüllt von geschlechtlicher Wolllust", so zumindest hörte es ein Kritiker der damaligen Zeit.
    Am Ende tragen Amor und Eros gemeinsam den Sieg davon; auf der Strecke bleibt der Mammon. So schön könnte die Welt sein, das weiß auch Savary: Seine Inszenierung der "Lustigen Witwe" ist ein rauschendes Fest - das nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Fernsehen zu fesseln vermag.

  • Hier noch die Besetzung der Premieren-Übertragung aus der Semperoper am 21.12.2007:


    Baron Mirko Zeta - Gunther Emmerlich
    Valencienne - Lydia Teuscher
    Graf Danilo Danilowitsch - Peter Seiffert
    Hanna Glawari - Petra-Maria Schnitzer
    Camille de Rosillion - Oliver Ringelhahn
    Vicomte Cascada - Christoph Pohl
    Raoul de St. Brioche - Gerald Hupach
    Njegus - Ahmad Mesgarha


    Dresdner Staatsopernchor
    Sächsische Staatskapelle Dresden
    Dirigent: Manfred Honeck


    LG Harald

  • Da bin ich mal gespannt!


    Meine erste Witwe (nein, nicht der Champagner) war übrigens der Stummfilm von Erich von Stroheim (1925) mit Mae Murray und John Gilbert. (Sollte jemand der Meinung sein, ich hätte den Film zur Zeit der Erstaufführung gesehen, kann ich versichern, dass das übertrieben wäre). Eine dermaßen stimmige, charakterlich differenzierte und prachtvolle Inszenierung wird man aber nie auf einer Bühne sehen können.


    Das hat nicht mal Ernst Lubitsch geschafft, aber sein Film von 1934 mit Maurice Chevalier und Jeanette MacDonald zählt für mich bis heute zu den maßstäblichen Umsetzungen des Werkes, auch wenn sie natürlich nur die bekannten musikalischen Highlights bringt. Jedenfalls kann sich die dusslige Neuverfilmung von Curtis Bernhard mit Lana Turner und Fernando Lamas davor nur schamhaft verstecken - von dem albernen Film mit Peter Alexander ganz zu schweigen.


    Wegen meiner lange anhaltenden Operettenphobie habe ich das Stück übrigens nie auf der Bühne gesehen. Vielleicht finde ich deshalb die Aufnahme von John Eliot Gardiner mit Cheryl Studer besser als ihren Ruf. Natürlich ist sie, wie immer bei ihm, etwas zu seriös und gemessen geraten, aber er nimmt die Partitur ernst. Dass er sie etwas pauschal abspielt, ist für mich der größte, wenn auch kein unüberwindbarer Nachteil der Stephan-Aufnahme. Die Einspielung von Robert Stolz kenne ich noch nicht.


    Also gibt es jetzt zwei Stolz-Operetten, die ich noch nachholen muss. Danke Waldi


    :hello: Rideamus


    PS @ Harald: Eine französische Fassung solltest Du Deiner Sammlung unbedingt noch einverleiben, denn in der Sprache mit ihrer hervorragenden Übersetzung ist das Werk wirklich etwas ganz Anderes und ebenfalls sehr Besonderes. Meines Wissens kann man eine "Veuve joyeuse" übrigens bei OperaShare finden, denn ich glaube, dass meine mp3-Aufnahme von dort stammt.

  • Zitat

    Original von Walter Krause
    Mehrfach aufgelegt und derzeit äußerst preiswert zu haben ist die Rundfunkproduktion des NWDR (NDR) von 1950 mit dem Hamburger Rundfunkorchester unter Wilhelm Stephan, einem leider weitgehend vergessenen Dirigenten, mit mehreren Publikumslieblingen von damals, deren Namen der heutigen Generation teilweise ebensowenig geläufig sind. Die Aufnahme ist reiner Genuß, obwohl sie auf den bekannten „Wiener Schmäh“ völlig verzichtet. Sie liefert den schlagenden Beweis, daß es mit nicht übertriebenem bundesdeutschen Humor fast genauso gut geht. Liebevoll ausgefeilt bis in die Details erweist sich die Einspielung als nahezu perfekt in der Abstimmung Musik und Wort, denn man wußte genau, wieviel Bedeutung einem zündenden Dialog gerade bei dieser Operette zukommt. An geschlossener Wirkung der Ackermann-Version weit überlegen verfügt die 1950er „Witwe“ über ein Ensemble, dessen Spielfreude und Spielwitz als vorbildhaft gelten kann, Zwar ist man nicht ganz so kultiviert wie in London, jedoch musikalisch und darstellerisch glaubwürdig-intensiv. Stephan dirigiert schwungvoll, fühlt sich gut in die Rhythmik ein und beherrscht das nötige Rubato-Wissen mit Selbstverständlichkeit. Nie habe ich ihn besser gehört. In der Titelrolle brilliert die leider so früh verstorbene Elfriede Trötschel (1913-1958 ), die frisch und sicher den richtigen Ton findet zwischen Pariser Salon und Erinnerung an Balkannatürlichkeit. Der soubrettenhafte Beiklang, den sie mitunter hineinmischt, paßt ausgezeichnet. Trötschel, die übrigens von Karl Böhm „gemacht“wurde und in Rekordzeit zur Kammersängerin aufstieg, verfügte über ein sehr breites Repertoire und war sich nicht zu schade, auch kleinere Partien zu singen. Sie gestaltet ihren Part mit – versteckter - Routine und Engagement und singt ihn nicht einfach herunter wie viele andere „Witwen“ neueren Datums. Vortrefflich zu ihr paßt Rudolf Schock als Danilo (den Erwin Linder als Sprecher blendend ergänzt, obwohl ein Schock keinen solchen nötig gehabt hätte), glänzend besetzt sind die Nebenrollen, sowohl stimmlich wie in der glaubhaften Verkörperung ihrer Charaktere. Der Bariton Joseph Olah dosiert als Baron Mirko Zeta die Buffokomik in richtigem Maß, die junge Anneliese Rothenberger beweist (ohne Co-Sprecherin!) als Valencienne, daß sie mit Recht große Karriere machte, der Stuttgarter Tenor Alfred Pfeifle (1916-1986) überzeugt als Roussillon. Sie sind als Paar noch überzeugender als Gedda und Loose. Köstlich der Njegus von Josef Offenbach (1904-1971). Jedem, der die „Witwe“ noch nicht besitzt und sie sich zulegen will, sei diese Aufnahme wärmstens empfohlen. Sie ist unter den derzeit erhältlichen Fassungen einwandfrei in die Spitzengruppe zu reihen und für Einsteiger ohne Vorkenntnis ideal.
    ...


    Ich kann im Wesentlichen Walters Ausführungen nur zustimmen. Diese Witwe ist wirklich vorzüglich und ein ganz großes Vergnügen. Da sie jetzt preislich außerdem günstig bis billig zu bekommen ist, ist sie eine uneingeschränkte Empfehlung Wert. Und zwar aus meiner Sicht auch in der relativ teuersten Variante von Membran.



    Dennoch bin ich in einigen Punkten ein klitzekleinwenig anderer Meinung. Also wieder eine Gelegenheit, den Leuten auf die Nerven zu gehen! ;)



    Zuerst einmal die Frage, ob man eine derartige Operette ungestraft ohne "Wiener Schmäh" spielen könne. Antwort: im Prinzip ja. Tatsächlich ist die Aufnahme so gut, dass man beim Hören auf diese Thematik völlig vergessen kann, wenn man nicht entsprechende Gegenbeispiele im Ohr hat. Es geht also ganz gut, wenngleich ich prinzipielle Vorbehalte erhebe, denn sonst kommt der Nächste und will mir noch weismachen, man könne genauso gut Schubert unwienerisch spielen. :D


    Walter lobt auch das Dirigat von Wilhelm Stephan. Tatsächlich ist es erstaunlich gut. Stephan schafft es, sich quasi unsichtbar zu machen, was sehr viel ist, denn die meisten heutigen Dirigenten fallen bei Operette durch ohrenfällige Mängel auf. Aber es gibt in der Membran-Ausgabe ein Problem. Dieses befindet sich auf der 2. CD, die mit Ausschnitten einer Czardasfürstin-Aufnahme aufgefüllt ist. Diese sind auf der Hülle nur ganz klein erwähnt, so dass ich das Vorhandensein zwar registriert aber nicht weiter beachtet hatte. Doch plötzlich wurden beim ersten, eher nebensächlichen Anhören dieser Bonus-Tracks meine Ohren immer länger, denn meine Sinne wurden ganz unmerklich in einem Maße zum Klingen gebracht, wie es die Witwe trotz aller Qualitäten nicht geschafft hatte! Ein jetzt genauerer Blick auf die Info-Texte bewies, dass hier ein anderer am Werk war, und zwar war dies Franz Marszalek! Dieser beweist hier, wo der Bartl den Most holt! Da sind wir jetzt wirklich in der ersten Riege der Operetten-Dirigenten, für mich ist sein Dirigat unvergleichlich besser. Ironischerweise zeigt es sich hier, dass man nicht unbedingt von Hamburg bis nach Wien zu pilgern hat, um vorzügliche Operette hören zu können. Zu einer gewissen Zeit reichte ein wesentlich kürzerer Trip nach Köln!


    Gesang und gesprochener Text der Witwe sind erstklassig. Zum Einen ein weiterer Beweis, dass die Hauptrollen von Operetten durch erstklassige Opernsänger verkörpert werden MÜSSEN, und zum Anderen, dass ausreichend integrierter Text für eine wirklich gelungene Platten-Operette sehr wichtig ist. Aber, und jetzt kommt von mir ein großes ABER, die Kombination auf dieser Einspielung halte ich für wenig gelungen. Mit Ausnahme von Anneliese Rothenberger werden alle Sänger von Schauspielern "gesprochen", und die Sprechstimmen passen so was von gar nicht zu den Singstimmen, dass dies in den Textpassagen eine ständige Quelle der Verwirrung darstellt. Man muss den Text wirklich völlig verinnerlicht haben, oder im Textbuch mitlesen, um z.B. in der Pavillon-Szene nicht den Faden zu verlieren. Ein altes Problem, schwer zu lösen und hier geradezu exemplarisch vorgeführt!


    Trotz allem immer noch eine dicke Empfehlung als Gesamtaufnahme der lustigen Witwe!

  • Lieber Theophilus,
    es freut mich zu lesen, dass Dir Franz Marszalek als Operetten-Dirigent gefällt! Er hat hier in Köln beim WDR ziemlich alles an Operetten eingespielt, was er finden konnte. Für die Radiosendungen wurden sie mit Dialogen aufgenommen (teilweise allerdings auch von Schauspielern gesprochen), auf Platte sind sie als sogenannte "musikalische Gesamtaufnahmen" ohne Dialoge herausgekommen.


    Die "Lustige Witwe" hat er zweimal aufgenommen:


    Köln 1959 - Bartos, Konya, Fehringer – Marszalek (Kurzf.)
    Köln 1968 - Hallstein, Hoppe, Alexander, Kusche, Popp – Marszalek


    LG
    Harald

  • Lieber Paul,


    stimmlich reicht es bei Margit Schramm ja gerade mal zur Besetzung des weiblichen Buffo-Parts. Sie überhaupt mit einer Hauptrolle zu besetzen ist eine glatte Verlegenheitslösung.


    Ich habe mir die Vilja-Arie mit ihr auf einer Operetten-Sampler-CD nochmals angehört: Wie sie sich da durch die Arie knödelt ist eine arge Zumutung. Aber auch an der notwendigen stimmlichen Tiefe mangelt es erheblich!


    Nicht ohne Grund wird immer wieder behauptet, dass Lehárs Gestalten eigentlich nur mit ausgezeichneten Opernsängern zu bewältigen sind, um dem hohen musikalischen Standard des Komponisten überhaupt gerecht zu werden.


    Davon ist Margit Schramm aber meilenweit entfernt!



    Herzliche Grüße
    von LT :hello:

  • Lieber LT,


    Paul und ich beziehen uns auf die "Witwe" unter Robert Stolz. Stammt Deine Vilja-Arie aus dieser Aufnahme? Wenn nicht, könnte das vielleicht eine Erklärung sein, daß wir zu so unterschiedlichen Einschätzungen kommen.


    LG


    Waldi

  • Zitat

    Original von Theophilus


    Ein jetzt genauerer Blick auf die Info-Texte bewies, dass hier ein anderer am Werk war, und zwar war dies Franz Marszalek! Dieser beweist hier, wo der Bartl den Most holt! Da sind wir jetzt wirklich in der ersten Riege der Operetten-Dirigenten, für mich ist sein Dirigat unvergleichlich besser.
    ...
    Gesang und gesprochener Text der Witwe sind erstklassig. Zum Einen ein weiterer Beweis, dass die Hauptrollen von Operetten durch erstklassige Opernsänger verkörpert werden MÜSSEN, und zum Anderen, dass ausreichend integrierter Text für eine wirklich gelungene Platten-Operette sehr wichtig ist. Aber, und jetzt kommt von mir ein großes ABER, die Kombination auf dieser Einspielung halte ich für wenig gelungen. Mit Ausnahme von Anneliese Rothenberger werden alle Sänger von Schauspielern "gesprochen", und die Sprechstimmen passen so was von gar nicht zu den Singstimmen, dass dies in den Textpassagen eine ständige Quelle der Verwirrung darstellt. Man muss den Text wirklich völlig verinnerlicht haben, oder im Textbuch mitlesen, um z.B. in der Pavillon-Szene nicht den Faden zu verlieren. Ein altes Problem, schwer zu lösen und hier geradezu exemplarisch vorgeführt!


    Lieber Theophilus,


    Daß Franz Marszalek der noch bessere Operettendirigent war, darin werde ich Dir bestimmt nicht widersprechen. Da dürften Dir wohl alle voll zustimmen.
    Bei dem Kontrast Sing/Sprechstimme fühle ich ein wenig toleranter. Es gibt Fälle, wo es mich auch nervt, aber hier empfinde ich es nicht als sooo arg. Es mag aber wirklich so sein, daß ich diese Operette schon so verinnerlicht habe, daß mich nur krasseste Kontraste herausreißen können.
    Jedenfalls sind unsere Beurteilungsunterschiede so gering, daß "klitzeklein" schon ein zu bedeutendes Maß suggeriert. Sie bewegen sich hier in Mikrowerten. :hello:


    LG


    Waldi