Was höre und sehe ich zur Zeit an DVD

  • Gerade gesehen und gehört:



    Rameaus Comédie lyrique (auch als Ballet bouffon bezeichnet) um die hässliche Wassernymphe Platée, der Jupiter zum Schein den Hof macht, um seiner eifersüchtigen Gattin eine Lehre zu erteilen, vermochte mich nicht sonderlich zu begeistern, obwohl sich das Ensemble alle Mühe gibt und Marc Minkowski und seine Les Musiciens du Louvre ausgewiesene Spezialisten für französischen Barock sind. Wahrscheinlich liegt es an der belanglosen Handlung, die auch Regisseur Laurent Pelly nicht so in Szene setzen konnte, sie mich irgendwie gepackt hätte. Und auch musikalisch habe ich schon Schöneres von Rameau gehört.


    Die Live-Aufzeichnung von 2002, ursprünglich auf DVD erschienen, wurde für die Blu-ray nicht nur auf 1080i hochgerechnet, sondern auch optisch verbessert, wie man Kommentaren bei Amazon entnehmen kann. Das Bild lässt jedenfalls nichts zu wünschen übrig. Die Klangqualität (PCM Stereo, kein Surround) entspricht ordentlichen CD-Aufnahmen.

  • Für eine Aufnahme von 1958, trotz s/w, müßte der von der RAI professionell hergestellte Mitschnitt von besserer Qualität sein. Unerklärlich!


    Gar nicht unerklärlich. Die alten Video-Magnetaufzeichnungen befinden sich heute generell in einem sehr bedauerlichen Zustand - egal von welcher Sendeanstalt. Der Alterungsprozess ist hier viel stärker als bei Audioaufnahmen. Es gibt zwar inzwischen Software, die altes digitalisiertes Videomaterial in einem Maße auffrischen kann, dass es an Zauberei grenzt, aber das ist Rundfunkanstalten mit ihren kleinen Auflagen wohl zu kostspielig. Hollywood-Filmstudios machen so etwas bei Neuauflagen alter Klassiker. Auf DVD-Extras wird das gelegentlich dokumentiert und ich habe schon Filme aus Mitte der 60er-Jahre gesehen, wo das originale Filmmaterial dermaßen gelitten hatte, dass es eigentlich unveröffentlichbar war - und nach der digitalen Neuaufbereitung unfassbar gut aussah! In mancher Hinsicht sogar besser als das Original im Neuzustand. Denn die Software kann nicht nur Bildfehler korrigieren und Farbveränderungen sehr überzeugend rekonstruieren, es wird auch Frame für Frame so neu gerechnet, dass eine nahezu perfekte Bildstabilität erzielt wird, was bei Wiedergabe von Analogmaterial grundsätzlich nicht möglich ist.

  • Zitat

    Gar nicht unerklärlich. Die alten Video-Magnetaufzeichnungen befinden sich heute generell in einem sehr bedauerlichen Zustand - egal von welcher Sendeanstalt. Der Alterungsprozess ist hier viel stärker als bei Audioaufnahmen.


    Vielen Dank! Jetzt weiß ich wieder mehr. Aufgrund des tollen Cuvers hatte ich schon mehr erwartet. Na ja, dafür gibt es einmalige Stimmen zu hören und zu sehen.

  • Ich habe mir von meiner Frau zum Geburtstag zwei DVD schenken lassen. Dazu gehört folgender "Hoffmann". Endlich eine sehens- und hörenswerte Fassung, die ich zum zweiten mal im Player habe. Ich bin begeistert! Hier stimmt einfach alles!


  • Wenn es einen Preis für die beim Bayreuther Publikum unbeliebteste Produktion gäbe, dann hätte der "Biogas-Tannhäuser" von Sebastian Baumgarten wahrscheinlich beste Chancen:



    Ich hatte vor einigen Jahren Gelegenheit, einer Aufführung auf der Bühne beizuwohnen, als Teil des dort platzierten Publikums. Es war ein interessantes Erlebnis, und ich konnte dieser Aufführung einiges abgewinnen. Nach Anschauen auf Blu-ray bin ich etwas kritischer. Vielleicht funktioniert dieses Inszenierung auch nur dann, wenn man die gesamte Installation im Auge hat und nicht nur die Teile, auf die die Kamera gerade fokussiert. Interessieren würde mich, wie die Stimmenexperten die Leistung von Torsten Kerl in der Titelrolle bewerten. Sicher ist, dass er an dem Tag, an dem ich ihn live gehört habe, einen schlechteren Tag als bei dieser Aufnahme hatte. Ansonsten haben mir Camilla Nylund als Elisabeth und Markus Eiche als Wolfram gut gefallen.

  • Angeregt durch unsere Diskussionen im Opernkanon habe ich mich etwas näher mit Dukas' Version des Blaubart-Stoffes beschäftigt, die sich dadurch auszeichnet, die Frauenfiguren in den Vordergrund zu stellen:



    Es gibt auf Blu-ray oder DVD leider nur diese eine Aufnahme, eine Produktion aus Zürich, die später in Barcelona lief und dort aufgezeichnet wurde. Musikalisch habe ich nichts auszusetzen, aber die Inszenierung von Claus Guth hat mich nicht überzeugt. Er siedelt die Oper in einem modernen Vorstadt-Haus an, in dem Blaubart seine psychisch geschädigten Opfer im Keller eingesperrt hält. Die Anknüpfung an aktuelle Missbrauchsfälle ist offensichtlich. Das ist nicht abwegig, wird aber nicht allen Facetten des komplexen Maeterlinck-Stücks gerecht. Die optisch-atmosphärische Differenzierung der Räume und die Verschiedenheit der Frauen wird einem klinisch-weißen Einheitslook geopfert. Die Außenwelt bleibt bei Guth ganz ausgesperrt, der Chor der Bauern ist nur zu hören, nicht zu sehen. Inkonsistenzen der dargestellten Handlung tragen zusätzlich zum Verdruss bei (der überwältigte Blaubart wird nicht von den Bauern durch die Tür gebracht, sondern kommt aus dem Keller hochgefahren, nur wie ist er dahin gekommen etc.). Schade, da wurde eine Chance verschenkt, ein zu Unrecht unbekanntes Werk populärer zu machen.


  • Soeben verklangen die letzten Takte der "Götterdämmerung", wie immer ein tief bewegendes Ereignis. Der "Ring" aus Kopenhagen war eine bemerkenswerte Leistung für ein Opernhaus, das eher zu den mittelgroßen gehört. Viele der überwiegend exzellenten Sängerinnen und Sänger stammten aus dem Ensemble des Hauses. Zur Inszenierung könnte ich viel sagen, lobendes wie auch kritisches. In einem Forum, in dem Opernaufführungen lediglich anhand von Szenenfotos darauf abgeprüft werden, ob sie "dem Libretto" entsprechen, wäre das allerdings vergebliche Mühe. Also spare ich mir die Arbeit. :no:


    Hallo Bertarido ! Ich gehöre auf jeden Fall zu den absoluten Fans dieses Rings aus Kopenhagen. Vor Allem die Götterdämmerung ist extrem gut gemacht, die schwangere Brünnhilde, der brutale Hagen, das "Luxusweib" Gutrune. Vor Allem Irene Theorin spielt sehr gut, vom glücklichen Eheweib bis zur trauernden Gattin hat sie alle Facetten drauf. Natürlich, hier in diesem Forum sind wir wohl die beiden einzigen Fans dieses Rings, aber ich liebe ihn :love::love:

  • Gerade verklang der Schlussapplaus bei dieser Aufzeichnung aus dem Nationaltheater München:



    "Rodelinda" ist neben "Serse" meine Lieblingsoper von Händel - eine Arie schöner als die andere. Ich habe nie verstanden, warum der zur gleichen Zeit entstandene "Giulio Cesare" so viel populärer ist. Diese Aufführung punktet mit einer durch Dorothea Röschmann hervorragend besetzten Titelrolle, und Umberto Chiummo verkörpert den Bösewicht Garibaldo auch sehr überzeugend. Nicht ganz so begeistert bin ich hier vom Counter Michael Chance als mein Namenspatron Bertarido. Barock-Spezialist Ivor Bolton am Pult leitet das Bayerische Staatsorchester voller Esprit, und auch mit der Inszenierung von David Alden war ich weitgehend zufrieden. Der Regisseur versetzt die im langobardischen Norditalien spielende Handlung in das Italien der dreißiger Jahre, der Usurpator Grimoaldo erinnert an Mussolini. Alles in allem eine sehr gelungene Produktion. Meine Referenz-Aufnahme bleibt aber die Aufzeichnung aus Glyndebourne mit Andreas Scholl und Anna Caterina Antonacci, die ich dort auch live erlebt habe.


    Klang- und Bildqualität dieser DVD sind sehr gut, wie beim Label Farao nicht anders zu erwarten. Der Ton liegt in PCM-Stereo und 5.1 DTS vor.

  • Diese Aufzeichnung von de Fallas Kurzoper "La Vida Breve" aus Valencia hat mich so begeistert, dass ich sie in der letzten Tagen gleich zweimal gesehen und gehört habe:



    Die minimalistische Produktion mit der in blutrotes Licht getauchten Bühne hat mir sehr gefallen. Christina Gallardo-Domäs in der Rolle der Saludad ist zwar nicht über jede Kritik erhaben, aber leichte stimmliche Defizite (soweit ich das beurteilen kann) macht sie durch ihre schauspielerische Leistung wieder wett.


    Ich verstehe wirklich nicht, warum dieser Oper nicht öfter aufgeführt wird. Sie hat eigentlich alle Voraussetzungen, um ein Publikumsrenner zu sein.

  • Heute Abend lief bei mir diese ältere Aufzeichnung von Hindemiths "Cardillac" aus der Bayerischen Staatsoper:



    Gespielt wurde die Erstfassung des Stücks. Obwohl diese Aufführung sicher mustergültig war und Donald McIntyre die Titelrolle überzeugend gestaltete, kann ich mich nicht richtig für dieses Werk begeistern. Aber mit Hindemith habe ich ohnehin so meine Probleme.

  • Obwohl diese Aufführung sicher mustergültig war und Donald McIntyre die Titelrolle überzeugend gestaltete, kann ich mich nicht richtig für dieses Werk begeistern. Aber mit Hindemith habe ich ohnehin so meine Probleme.


    Lieber Bertarido, vileleicht versuchst Du es mal mit dem Kontrastprogramm - ohne Hindemith. :D


  • Lieber Bertarido, vileleicht versuchst Du es mal mit dem Kontrastprogramm - ohne Hindemith. :D


    Prima DEFA-Film von 1955. Kommt auch auf YT, allerdings nicht in bester Qualität. Auf dem Cover ist nicht vermerkt, daß Willy A. Kleinau den Cardillac spielt, einer der besten deutschen Schauspieler, nicht zu vergleichen mit den heutigen Nuschlern.
    In einer Nebenrolle spielt Matthieu Ahlersmeyer den König Ludwig den 14. Sehenswert!!


    Herzlichst La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Durch die - mangels Beteiligung gerade etwas mühselige - Arbeit am Opernkanon motiviert, habe ich mir heute diese DVD mit Pendereckis Oper "Die Teufel von Loudun" angeschaut:



    Die Diskographie dieser Oper ist nicht gerade üppig: eine Aufnahme auf CD und dieser Opernfilm, beide im Studio im Anschluss an die Hamburger Uraufführung entstanden. Bei der Besetzung lässt sich wenig kritisieren, die prominenteste Sängerin ist Tatiana Troyanos als Jeanne. Der Film trägt für meinen Geschmack manchmal etwas zu dick auf, aber das war wohl die Ästhetik der 60er Jahre. Erstaunlich für diese Zeit die doch recht eindeutige Darstellung orgiastischer Verzückungen der vermeintlich vom Teufel besessenen Nonnen. Der Ton ist leider nur in Mono, die Klangqualität würden die Freunde historischer Aufnahmen in diesem Forum wahrscheinlich als "gutes Mono" bezeichnen. Eine Neueinspielung wäre dieser Oper zu wünschen.

  • Eine Neueinspielung wäre dieser Oper zu wünschen.


    Lieber Bertarido, das ist schnell gesagt und gewünscht. Nur, wer soll die Jeanne singen und darstellen? Du siehst, ich habe seit gestern Abend darüber nachgedacht, und mir ist kein Name eingefallen. :(

  • Lieber Bertarido, das ist schnell gesagt und gewünscht. Nur, wer soll die Jeanne singen und darstellen? Du siehst, ich habe seit gestern Abend darüber nachgedacht, und mir ist kein Name eingefallen. :(


    Lieber Rheingold, da bin ich nicht kompetent. Caruso könnte hier sicher helfen, aber der interessiert sich nicht für Opern-DVDs und wird daher kaum in diesen Thread schauen.

  • Lieber Rheingold, da bin ich nicht kompetent. Caruso könnte hier sicher helfen, aber der interessiert sich nicht für Opern-DVDs und wird daher kaum in diesen Thread schauen.


    Meine Frage war mehr rhetorisch gemeint, lieber Bertarido. Sicher wüsste Caruso auf Anhieb zehn oder noch mehr mögliche Interepertinnen für die Jeanne. Ich wüßte keine, die es mit der Troyanos an Intensität, die an Selbstaufgabe grenzt, aufnehmen kann. Die ganze Wirkung des Werkes hängt davon ab. Wie ich finde, gibt es Stücke, die nicht mehr aufführbar sind. Ich jedenfalls würde immer an die Troyanos denken müssen. Gott sei Dank gibt es wenigstens diesen Film! Selbst habe ich die Oper auch nur einmal auf der Bühne gesehen, nämlich in den 1980er Jahren an der Berliner Staatsoper. Ziemlich lau war das und kein Vergleich mit dem, was ich später bei der Troyanos fand.

  • Ich bleibe beim Thema Besessenheit und religiöser Wahn:



    Prokofjews beeindruckende Oper in einer Aufzeichnung aus St. Petersburg, am Pult steht - wer sonst - Valery Gergiev. Das rein russische Ensemble um Galina Gorchakova als Renata hat mir sängerisch sehr gefallen. Die technische Qualität der Aufnahme von 1993 - meines Wissens die einzige auf DVD - entspricht dem damaligen Standard. Ton in PCM Stereo, Bild im 4:3 Format.


    Ich ärgere mich, dass ich in den letzten Jahren die Aufführungen dieser Oper in München und Zürich nicht besucht habe.

  • Prokofjews Opern habe ich lange vernachlässigt, sehr zu Unrecht. Auch seine Veroperung von Dostojewskis Roman "Der Spieler" ist sehr sehens- und hörenswert, besonders in einer so intelligenten Umsetzung wie dieser hier:



    Auch eine Aufführung, die ich gerne live gesehen hätte. Ach, könnte ich doch wieder in Berlin leben. :(

  • Angeregt durch Carusos Plädoyer für die Opern Hans Werner Henzes, habe ich mir heute diese DVD angeschaut:



    Henzes Vertonung eines Librettos von Ingeborg Bachmann nach dem Schauspiel von Heinrich von Kleist ist wirklich sehr sehens- und hörenswert, und diese Aufführung der Bayerischen Staatsoper (Dirigent: Wolfgang Sawallisch, Regisseur: Nikolaus Lehnhoff) ist eine in jeder Hinsicht gelungene Umsetzung.

  • Heute lief bei mir Brittens Veroperung von Shakespeares "A Midsummer Night's Dream" in einer älteren Aufzeichnung aus Glyndebourne:



    Neben Haitink am Pult finden sich auch in der Riege der Sängerinnen und Sänger bekannte Namen, allen voran der Countertenor James Bowman als Oberon. Allerdings muss ich der Bewertung eines Amazon-Rezensenten zustimmen, der befand, dass die Figuren der Feen-Welt die Schwachstellen dieser Produktion sind. An den sängerischen Leistungen habe ich nicht soviel auszusetzen wie er, aber nicht nur Oberon und Titania, auch die durch Knaben dargestellten Feen wirken hölzern und seltsam fleischlos auf der Bühne. Die Inszenierung von Sir Peter Hall ist traditionell, aber durchaus sehenswert. Alles in allem eine nur befriedigende Umsetzung dieser Oper.

  • Kürzlich neu erworben, sah ich mir gestern an:

    Richard Strauss
    Salome
    Drama in einem Aufzug
    Catherine Malfitano, Salome
    Simon Estes, Jochanaan
    Horst Hiestermann, Herodes
    Leonie Rysanek, Herodias
    Clemens Bieber, Narraboth u.a.
    Orchester der Deutschen Oper Berlin
    Dirigent: Giuseppe Sinopoli

    Eine hochkarätig besetzte Aufführung aus dem Jahre 1990, die keine Wünsche offen lässt. Dazu trägt nicht wenig die vortreffliche Regie von Petr Weigl bei. Das Bühnenbild gibt die Terrasse im Palast des Herodes wieder, alle Darstellenden singen nicht nur großartig , sondern spielen ihre Rollen auch sehr emotional. Herausragend die Titelrolle in ihrer leidenschaftlichen Triebhaftigkeit, die dann doch Liebesgefühle offenbart. Sehr ästhetisch auch der wunderbar vorgetragene Schleiertanz. Das ist ganz großes Theater! Und musikalisch ein wahrer Klangrausch. :jubel:
    :hello:

  • Eine hochkarätig besetzte Aufführung aus dem Jahre 1990, die keine Wünsche offen lässt.


    Außer man wünscht sich eine Salome, die nicht aussieht wie Ende 50, mehr singt als tremolierend herumkreischt und einen Schleiertanz, der mehr bietet als die üblichen Verrenkungen und auf-dem-Boden-Herumgerolle. :D


    Ansonsten finde ich die Produktion auch gelungen.




    LG,
    Hosenrolle1

  • Hätte es bloß schon zu Zeiten von Ljuba Welitsch solche Produktionen gegeben ... Sie war einfach Salome.


    Ich glaube, sie hat eines der schönsten Gräber, das ich je gesehen habe. Und die Behauptung "Salome des Jahrhunderts" ist keine Übertreibung, sondern Tatsache.