Lieblingspianisten (Voting) ZWISCHENSTAND 26.10. 2005

  • Hallo,


    Ein sommerliches Thema, und um allen jenen den Wind aus den Segeln zu nehmen die da sagen werden "Das hatten wir doch schon mal", denen muß ich entgegen, nein das hatten wir noch nicht, es gab mal einen Thread dieser Art Über Dirigenten, bzw über Geiger
    (kommt sicher wieder wenn die Anzahl neuer Poster gestiegen ist, weil dann ist ja interessant, wie der Geschmack der Gruppe *jetzt* ist)
    Es gab lediglich mal einen Thread: Lebende Pianisten, der dann ziemlich entgleiste, weil am Schluß mehr Tote als Lebende dort zu finden waren und auch völlig Unbekannte genannt wurden, ein Voting jedoch gab es noch nicht.


    Daher heute kurz und schmerzlos:


    Bitte nennt 6 Lieblingspianisten, Reihenfolge egal,
    es wäre schön, wenn 2 lebende dabei wären, ist aber nicht verbindlich.


    Erläuternder Text wäre schön ist aber nicht notwendig und sollte UNTERHALB der Lister mit euern Favoriten stehen.
    So etwas auszuwerten ist komplizierter als man glaubt


    Viel Spaß
    bei der oft nicht einfachen Auswahl
    Alfred

  • Lieber Alfred
    6 sind ein bisschen wenig, aber ja, irgendwo muss man aufhören, da hast du recht. Hier also meine:


    1. Krystian Zimerman
    2. Sviatoslav Richter
    3. Leif Ove Andsnes
    4. Alfred Brendel
    5. Piotr Anderszewski
    6. Martha Argerich


    Ich habe versucht, möglichst wenig Tote zu nennen, wie man sieht. Diese Aufzählung ist allerdings sehr mangelhaft, denn bei mir stehen oft mehrere Pianisten auf derselben Stufe. Nicht genannt aber von mir sehr gern gehört sind: Nikolai Demidenko (Medtner, Rachmaninov), Murray Perahia (Chopin, Brahms), Maurizio Pollini (alles), Arcadi Volodos (Schubert), Arthur Rubinstein (Brahms, Chopin), Evgeny Kissin (Brahms, Chopin, Schumann...). Und auch diese Liste ist noch nicht vollständig. Je nach Repertoire hat man seinen Lieblingspianisten, eigentlich müsste man also eine Umfrage machen im Sinne: Wer ist euer Lieblingspianist für bspw. Schuberts Sonate D960? Aber dann hört das alles nicht mehr auf. Ich sehe schon ein.
    Die obengenannten mit Erläuterungen:
    Bei Zimerman gefällt mir eigentlich alles, was er aufgenommen hat. Von den Brahms Konzerten über Chopin, Strauss, Schubert, Lutoslawski bis Rachmaninov. Dazu war er der Pianist beim besten Rezital, das ich bisher gehört habe.
    Richter ist für mich besonders mit Rachmaninov und Brahms, aber auch mit seinen etlichen anderen Einspielungen klar ganz vorne dabei. Die Kraft in diesem Menschen ist unglaublich, gleichzeitig ist er ungeheuer feinfühlig.
    Leif Ove Andsnes ist für mich einer der besten Pianisten der jungen Generation. Viele seiner Einspielungen setzten jetzt schon Massstäbe. Ausserdem habe ich Brahms\' d-moll Konzert live mit ihm miterlebt und muss sagen, alle Achtung, das war wirklich sehr gut.
    Piotr Anderszewski ist auch faszinierend. Alle Aufnahmen, die ich von ihm kenne, sind ausgezeichnet. Sein Rezital war ebenfalls enorm gut ausbalanciert.
    Brendel setzt für mich vor allem bei Schubert und Beethoven Massstäbe, Mozart... na ja, gefällt mir auch bei ihm nich viel besser.
    Argerich ist einfach ebenfalls toll, schon ihre Début CD auf DGG verblüfft bei jedem Hören.


    Auf dieser Stufe kann man gar keine Wertung mehr vornehmen, die sind alles so fantastisch!
    Viele Grüsse...Cliowa



    P.S.: Rachmaninov war sicher auch ein toller Pianist, doch ich wollte nicht allzu weit zurückgehen, denn Beethoven spielte sicher auch gut...

  • Tag,


    die Listung zur Frage, alphabetisch:

    Claudio Arrau - Musiker,
    Yuri Bronfman - Brahms als wohltönende Bildhauerei,
    Friedrich Gulda - Musiker, gelegentlich fröhlicher Musiker,
    Artur Schnabel - Musiker,
    Solomon (Kutner) - Musiker,
    André Watts - apollinischer Brahms.


    MfG
    Albus

  • Nicht ganz einfach, aus der Masse an hervorragenden Pianisten nur 6 zu benennen, daher nur die, mit denen ich mich am meisten beschäftige, ohne Wertung in der alphabetischen Reihenfolge:


    Claudio Arrau
    Idil Biret
    Alfred Brendel
    Noel Mewton-Wood
    Gregori Nardi
    Grigory Sokolov


    Arrau ist für mich der Grand Seigneur, der mich auch mit seinem \'Randrepertoire\' wie Bach und Mozart nicht enttäuscht hat und viele seiner Aufnahmen gehören zu meinen absoluten Favoriten.


    Biret kenne ich von allen genannten am längsten und ich bewundere sie auch wegen ihrem immensen Repertoire und die Fähigkeit, von jetzt auf gleich - selbst ohne Vorbereitung - daraus zu schöpfen. Ich erinnere mich gerne an ein lange zurück liegendes Konzert ohne festes Programm, in dem sie das Publikum gebeten hat, Stücke zu benennen, die sie dann in unnachahmlicher Weise zu Gehör brachte. Ihr Chopin-Zyklus bleibt für mich unübertroffen, ihr Einsatz für die großen, aber auch unbekannteren Transkriptionen der Klavierliteratur ist bemerkenswert.


    Brendel schätze ich enorm, insbesonders für seinen Einsatz bei Liszt und seine Schubert Deutungen, seine Einspielungen der Mozart Konzerte mit Marriner gehören - als Zyklus betrachtet - noch immer zu den unübertroffenen Sichtungen dieser Konzerte. Auch Brendel\'s literarische Ergüsse wiegen einiges in seiner \'Gesamtbewertung\'.


    Mewton-Wood ist vielleicht vielen kein Begriff [mehr], denn er weilt bereits seit über 50 Jahren nicht mehr unter den Lebenden. Die wenigen Aufnahmen jedoch, insbesonders Busoni, Bliss und Britten, gehören trotz ihrer schlechteren Qualität und den nicht immer tadellosen Orchestern/Dirigenten zu den aufregendsten Einspielungen, die ich bisher kenne.


    Nardi gehört zu den \'jungen\' Pianisten, die es verdienen, mehr Aufmerksamkeit geschenkt zu bekommen. In seinem Repertoire befinden sich viele Erstaufführungen (auch bekannter Meister) und höchst interessante, zeitgenössische Werke.
    Er hat es u.a. geschafft, mir Schönberg näher zu bringen durch seine Einspielung mit Früh- und Spätwerken in Gegenüberstellung von Alban Berg.


    Zu Sokolov braucht man, glaube ich, nicht viel sagen. Er hat inzwischen Kultstatus erreicht, auch wenn er - wie beim Dirigenten Celibidache - das Studio meidet. Mit Ausnahme seiner Diabelli Variationen bedeuten alle seine Livemitschnitte für mich reinsten Hochgenuß. Auch seine Programme gestalltet er nicht nur sehr abwechslungsreich sondern stellt auch unbekanntere Werke dem Standardrepertoire gegenüber.
    Seine Deutung der Goldbergvariationen konnte bei mir selbst Glenn Gould nicht übertreffen.


    Gruß,
    Jürgen

    Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann das Recht, den Menschen zu sagen, was sie nicht hören wollen. [frei nach George Orwell]

  • Sechs Pianisten? Und von denen sollen zwei noch leben? Uh... schwierig...


    Meine beiden Lieblingspianisten sind leider in den 50er Jahren heimgegangen, beide unter tragischen Umständen (der eine Leukämie, der andere an den Folgen eines Unfalls):


    Dinu Lipatti
    Walter Gieseking


    Beide hatten ihre Art, das Klavier wirklich zum Singen zu bringen, beide brachten - obwohl (oder gerade weil?) sie technisch hervorragend waren - den Klang in sphärische Dimensionen. Das Ganze gepaart mit musikalischem Geschmack. Nicht umsonst gelten ihre (technisch z.T. minderwertigen) Aufnahmen z.B. des Schumann op. 54, der Chopin-Walzer (DL) oder Mozart-Sonaten und Debussy-Klavierwerk (WG) als massstabsetzend. (Btw.: Gieseking soll ein fotografisches Gedächtnis gehabt haben. Man erzählt über ihn, er habe eines Morgens (in Hamburg weilend) die Anfrage bekommen, einen erkranten Pianisten in München zu vertreten, allerdings mit einem Konzertprogramm, dass Gieseking überhaupt nicht bekannt war. [Anm.: Ich weiss allerdings auch nicht mehr, was es gewesen sein soll.] Er hat zugesagt, die Partitur bei Steinway gekauft, sich in den Zug gesetzt, die Partitur auswendig gelernt, und nach der Ankunft in München habe er sich nur in seinen Frack werfen können, betrat die Bühne und spielte das Konzert, ohne auch nur einmal daran geübt zu haben.)


    Ansonsten höre ich noch


    Sviatoslav Richter


    und


    Emil Gilels


    sehr gerne...


    Jetzt fehlen noch zwei Lebende?


    Rudolf Buchbinder
    Jewgeni Kissin


    Gruss,


    Hendrik

  • Hallo,


    mich wundert, daß hier einer fehlt...


    Vor einiger Zeit mußte ich anläßlich eines Lehrgangs meine Abende in einer ziemlch trostlosen Gegend verbringen. Am ersten Abend habe ich den "Wühltisch" eines nahegelegenen Elektronikmarktes geplündert und meiner entsetzten Frau dann berichtet, ich hätte mir "einige" CD's so für ca. 160 € gekauft - das waren aber nur die alten Preisschilder, bezahlt habe ich - glaube ich -nicht mal 15 €.
    Darunter: Arturo Benedetti Michelangeli - The unpublished EMI live recording
    Ich hatte zwar nur einen PC mit mäßiger Soundkarte und nicht viel bessere Kopfhörer, aber diese CD habe ich mir bestimmt dutzendfach angehört und war begeistert.
    Deshalb dieser Pianist für mich auf den Ersten Platz!

    Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
    (Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

  • Also, es gibt viele Pianisten, die ich wegen bestimmter Einspielungen bewundere oder deren Können ich allgemein für außerordentlich halte. Lieblingspianisten sind wiederum für mich diejenigen, die mir einfach besonders nahe stehen in ihrem Interpretationsstil, und das in einem bereiten Repertoire.


    In alphabetic order:



    Emil Gilels
    Maurizio Pollini
    Sviatoslav Richter
    Krystian Zimerman


    Mehr mag ich nicht herausheben. ;)


    Gruß
    Anti

  • Hallo,


    so jetzt werde ich meine Favoriten posten:



    Claudio Arrau
    Alfred Brendel
    Wilhelm Kempff
    Wilhelm Backhaus
    Christian Zacharias
    Paul Badura-Skoda.



    Wie man sieht ist hier vorwiegend das Lager der "Wiener Klassik" vertreten.



    Da ja im Laufe der Zeit die meisten dieser Herren ihren eigenen Thread bekommen werden, spare ich mir die Kommentare für dort.


    Gruß aus Wien


    Alfred

  • Hallo auch,


    hier meine Lieblingstastendrücker:


    Clara Haskil
    Dinu Lipatti
    Wilhelm Kempff
    Glenn Gould
    Grigory Sokolov
    Martha Argerich


    Zu Dinu Lipatti (und Wilhelm Gieseking) hatte Hendrik bemerkt, "dass er den Klang in eine sphärische Dimension" zu bringen vermag: ganz genauso empfinde ich das auch, aber ebenso bei Clara Haskil.
    Trotz der mangelnden Tonqualität und den überschaubaren Aufnahmen, die uns zur Verfügung stehen - beide sind für mich unverzichtbar. (Ganz besonders die Scarlatti-Aufnahmen mit Haskil)


    Wilhelm Kempff ist für mich "der große Klassiker"- derjenige, der mich in die Welt der Beethoven-Sonaten eingeführt hat.


    Zu Gould: für mich allein durch seine Goldberg-Variationen unsterblich, aber auch seine anderen Bach-Aufnahmen liebe ich. Seinen Beethoven schätze ich, seine Mozart-Sonaten sollte man einmal gehört haben.


    Martha Argerich, eine der beiden noch lebenden Favoriten, besticht mich durch ihre Energie, nervöse Unruhe, Geschmack, ihre h-moll Sonate und durch die Rachmaninoff und Tschaikowsky-Einspielungen.


    Grigory Sokolov - für mich einer der unterschätztesten. Die Aufnahmen, die ich von ihm besitze (Chopin, Bach, Brahms, Tschaikowsky), gehören durchweg zu den Besten.


    (By the way: kennt von euch noch jemand Dimitri Sgouros? Und wenn: was macht der zur Zeit?)


    Gruß aus Hamburg
    Uwe

  • Hallo,
    hier meine TOP 6:


    Kempff
    Richter
    Horowitz
    Brendel
    Uchida
    Biret


    (Reserve wären: Gilels, ABM, Lupu, Buchbinder)


    Wahrscheinlich sind Uchida oder Biret "objektiv" gesehen keine "besseren" Pianistinnen als Gilels oder ABM - meine Reihenfolge rührt daher, dass ich von den Erstgenannten einfach mehr kenne (und besitze) und daher auch mehr Gutes...
    Gruß
    Achim

  • naja von alfred motiviert durch sein posting im thread "was erwartet ihr von einem klassikforum" möchte ich mich nun doch durchringen hier 6 favoriten unterzubringen, auch wenn es mir hier besonders schwer fällt, weil ich selbst seit vielen jahren klavier spiele, und die pianisten wohl noch mehr liebe als dirigenten und geiger.... eine reihenfolge unter den 6 möchte ich aber nicht mehr vornehmen.


    horowitz
    richter
    gilels
    ansdnes
    pletnev
    brendel


    ich muss sagen dass ich mich jetzt nicht unbedingt besser fühle...

  • Lieblingspianisten,


    da gibts eine ganze Menge. Ich will mal einige Namen nennen, die in den vorstehenden Listen noch nicht aufgetaucht sind:


    Ivo Pogorelich


    der durch scheinbar exzentrische, eigenwillige Interpretationen auffällt. Nur: wenn man in die Noten schaut, dann stellt man fest, daß er die Angaben der Komponisten ernst nimmt - im Gegensatz zu den "seriösen" Interpreten, die meinen, vorhandene Vortragsangaben zugunsten eines kaffeekränzchenfreundlichern Gesamteindrucks abmildern wenn nicht gar völlig ignorieren zu dürfen.


    Anton Batagov


    Ein genialer Pianist, Schüler von Tatjana Nikolajewa, der sich leider dazu entschieden hat, kein klassischer Pianist mehr zu sein. Bei den wenigen klassischen CDs, die es von ihm gibt (mit Werken von Ravel und Messiaen), weiß man nicht, was man mehr bewundern soll: die absolut unangestrengte Virtuosität einerseits, oder das tiefe Verständnis für musikalische Fein- und Feinstheiten.


    Maria Joao Pires


    für die schönste Interpretation aller Zeiten des Adagio aus Mozarts Klavierkonzert KV 488.


    Das Klavierduo Bracha Eden/Alexander Tamir


    Ein Klavierduo, das sowohl im Bereich der Musik des 20.Jahrhunderts (Poulenc, Lutoslawski), als auch im klassisch/romantischen Bereich (Schubert, Brahms, Debussy) in jeder Hinsicht maßstabsetzende Interpretationen auf Platte/CD eingespielt hat.
    Mehr Infos zu diesem Duo gibts auf
    www.klassi.net/targ/duo/about/



    Eine Pianistin, die mir ganz besonders am Herzen liegt, ist die leider viel zu früh gestorbene Pianistin des Stuttgarter Klaviertrios:


    Monika Leonhard


    Superschöne Einspielungen aller Klaviertrios von Beethoven und von Schubert mit dem "Stuttgart Piano Trio" gibt es auf Naxos CDs. Weiters sind mir noch Konzerte und Radioaufnahmen mit Trios von Debussy, Ravel, Brahms, Schumann und Haydn in lebhafter Erinnerung. Als sei es gestern gewesen.



    Heinz

  • Sviatoslav Richter
    Für mich der wohl größte Musiker des 20. Jahrhunderst überhaupt. Ich kenne sonst niemanden, der so inniglich beseelt spielen konnte, dessen Interpretationen sich wie jenseits bereits in ganz anderen Sphären bewegte. Wohl kaum jemand verfügte über ein größeres Spektrum an Klangfarben. Und niemand konnte so einzigartig jeden Ton derart leuchtend zum Erklingen bringen. Vor allem liebe ich seine Alterskonzertmitschnitte, bei denen seine Kraft zwar bereits nachgelassen hatte, jedoch sich Einsamkeit und Traurigkeit noch ausdrucksstärker eröffneten.


    Emil Gilels
    Der Kraftvollste aller Pianisten, der einem gleichsam wie beim Flugzeugstart geradezu vor Kraft in den Sessel drücken konnte. Ein wunderschöner Anschlag. Zweierlei zeichnete ihm so unglaublich aus: Seine gelegentlich völlig ruhenden Interpretationen einerseits und eine immense Räumlichkeit andererseits. Niemand konnte einen so großen Klangraum aufbauen wie er, oder?


    Walter Gieseking
    Gewissermaßen der Antipode zu Richter: völlig diesseitig. Wie das impressionistische Nachmerken, Aufnehmen und Spüren jedes Nuance, die im Musikwerk liegt. Ganz intensiv und bewusst in jedem einzelnen Moment. Also kein subjektiver Gefühlsausdruck sondern eher die Darstellung eines Gefühlseindrucks. Kein Horchen nach innen, was in einem vor sich geht, sondern ein Hinhören, was von draußen so kommt. So kommt mir sein Spiel vor. Geht es euch ebenso? (A propos: wer einmal herzhaft lachen möchte, greife sich die so lesenswerte Autobiographie von Ernst Krenek, sucht im Register jene Seite, wo in einem Absatz von Gieseking berichtet wird und lese nach!!! Das sollte man sich nicht entgehen lassen!)


    Nun zu den Lebenden...


    Valery Afanassiev
    Wohl der Exzentriker unter den Pianisten, jedoch alles andere als ein gnadenloser Subjektivist, der sich selbst spielt oder zwanghaft Neuartiges sucht. Stehender Klang statt fließende Linien, sonst scheinbar nebensächliche Läufe werden bei ihm zum Ereignis. Es gibt da nämlich gar keine Nebensächlichkeiten. Jeder Ton ist gleich viel wert. Es geht nicht um subjektiven, genialischen Ausdruck, sondern der Klang selbst bestimmt, welche Differenzierungen, welche Anschlagsvariablen und Dynamikveränderungen erforderlich sind. Afanassiev stellt sie nur nicht – wie sonst üblich – in den Dienst des subjektiven Ausdrucks, sondern des »objektiven« Klangs. Jedem Moment muss man seine ganze Aufmerksamkeit zukommen lassen. Wer diese durchgängige Hör-Konzentration nicht aufbringt oder gewöhnt ist, sich von Musik berauschen zu lassen, dem wird das Klangempfinden dieser Ausnahmeninterpretation vermutlich gänzlich entgegen. Das anti-dramatische, oberton-erklingende Spiel ist für mich immer wieder und wieder ein völlig aufregendes Neuentdecken der Kompositionen.


    ...und endlich auch zu einer Frau:


    Mitsuko Uchida
    Ich schätze sie deshalb so sehr, weil sie ein derartig natürliches Fließen der Musik zuwege bringt, das in seiner harmonischen Gleichmäßigkeit einen fast psychedelischen Effekt hervorzubringen vermag. Ihr Spiel ist dabei stets fein beseelt; und wer hat das, bitte, heute noch?



    Außer Konkurrenz:
    Bei allen anderen Pianisten wüsste ich nur einzelne Werke anzugeben, für die ich sie in den „Olymp“ heben wollte:


    Estéban Sanchez: Albéniz’ Ibéria bei Ensayo
    Jean-Rodolpe Kars: Debussys Préludes bei der DECCA
    Evgenyi Koroliov: Schuberts D960 bei Tacet
    Abdel Rahman El Bacha: Seine Ravel-CD bei Forlane
    Radoslav Kvapil: Janaceks Auf Verwachsenen Pfaden bei Calliope
    Alicia de Larrocha: Granados: Danzas Expanolas bei der DECCA
    Moura Lympany: Rachmaninovs Préludes bei Erato
    Ewa Kupiec: Chopins Nocturnes bei Koch
    Maria Yudina: Hindemith Klaviersonate bei Melodya


    ...aber natürlich auch:
    Schnabel: die langsamen Beethoven-Sätze (Eigentlich nicht zu übertreffen!)
    Gould: sein einzigartiger Brahms und vor allem einiges von Beethoven
    Backhaus: mancher Konzertmitschnitts-Beethoven



    PS. Dimitri Sgouros musste ich übrigens einmal in einem Konzert erleben. Das war sehr enttäuschend! Weder von Noel Mewton-Wood noch von Gregori Nardi habe ich jemals etwas gehört. Danke für die Tipps!

  • Hallöchen zusammen,


    hab´ auf meinem Weg zur Arbeit WDR 3 gehört - endlich ein Forum für Klassik-Freunde.


    Hier mein Ranking:


    1) Glenn Gould
    2) Gerhard Oppitz
    3) Krystian Zimmermann
    4) Leiv Ole Ansdnes
    5) Andreas Staier (Hammerklavier / Cembalo)
    6) Emil Gilels


    Gruss


    Stephan

  • 1. Solomon (Cutner), die perfekten Beethoven-Sonaten, und für mich ein Pianist, bei dem ich keine einzige unbefriedigende Aufnahme kenne.
    2. Michelangeli , nur Aufnahmen bis Ende der 60er Jahre
    3. Clifford Curzon, vor allem wenn es um Schumann und Schubert geht.
    4. Gulda, die frühe Phase bis Mitte der 60er Jahre
    5. Clara Haskil
    6. Benjamin Britten als klanglich phänomenaler Begleiter, z.B. Winterreise


    Und jetzt nenne ich einfach doch noch zwei Lebende: Sokolov und Buchbinder

  • Zwischenstand vom 13.10.2004


    Liebe Klavierfreunde !


    Der Zwischenstand des Votings ist fertig.
    Was sagt er aus ?
    IMO nicht viel, aber Spaß machts trotzdem.
    (Es haben sich ja nur ungefähr ein Drittel der
    Mitglieder beteiligt)
    Ausgesagt wird hier eher etwas über die persönlichen Präferenzen der Forianer, als über die "Qualität" der Pianisten.
    Wenn man bedenkt, wie viele Große Pianisten hier fehlen, dann muß man schon sagen, wer hier mit nur einer Stimme vertreten ist ist schon recht populät oder hat seinen einzigen Fan zufällig gerade hier im Forum sitzen :yes:
    Zudem muß noch gesagt werden: Erstklassige Pianisten, die jedoch nur relativ wenige Einspielungen vorlegen konnen, bzw keine Kompletzyklen von Mozart, Beethoven oder Schubert vorlegen konnten, sind klar im Nachteil. Das gilt auch für jene auf eher unbekannten Labeln oder solche, die sich eher undankbarem Repertoire verschrieben haben.
    Diese Pianisten etwas mehr ins (verdiente) Rampenlicht zu stellen wird
    eine der Aufgaben dieses Forums in nächster Zeit sein.


    Es können sich derzeit alle Neuzugänge des Forums und alle jene hier beteiligen, die das bisher noch nicht getan haben. Gelegentlich wir dann
    eine neue Statistik veröffentlicht.



    1. Platz - - - - Svatoslav RICHTER - - - - - - - - - - - 8 Nominierungen
    2. Platz - - - - Alfred BRENDEL - - - - - - - - - - - - - 7 Nominierungen
    3. Platz - - - - Vladimir HORWITZ - - - - - - - - - - - 6 Nominierungen



    4. Platz - - - - Martha ARGERICH - - - - - - - - - - - - - 5 Nominierungen
    ex equo - - - -Claudio ARRAU - - - - - - - - - - - - - - - ditto


    5. Platz - - - - Walter GIESEKING - - - - - - - - - - - - - 4 Nominierungen
    ex equo - - - - Friedrich GULDA - - - - - - - - - - - - - - -ditto


    3 mal wurden genannt:


    Leif Ove ANDSNES
    Glenn GOULD
    Wilhelm KEMPFF
    Arturo B. MICHELANGELI
    Mitsuko UCHIDA
    Krystian ZIMERMAN


    2 Nennungen erhielten:


    Idil BIRET
    Rudolf BUCHBINDER
    Clara Haskil
    Dino LIPATTI
    Ivo POGORELICH
    Maurizio POLLINI
    Grigorij SOKOLOW
    SOLOMON (Solomon CUTNER)


    Pianisten mit nur einer Nennung wurden hier nicht aufgelistet, verbleiben aber in der Datenbank für weitere Hochrechnungen



    Kommentare sind möglich und erwünscht.


    Grüße aus Wien


    Alfred

  • Helene Grimaud
    Arthur Rubinstein
    A. B. Michelangeli
    Louis Lortie
    Glenn Gould
    Walter Gieseking


    Helene Grimaud - was für Stilaugen, immerzu dieser starre Blick. ?( Sei's drum, ich fürchte mich nicht vor Frauen :rolleyes:
    Als Pianistin ist sie für mich die wertvollste Entdeckung der letzten Jahre. CD auflegen, alles stehen und liegen lassen und sich vom Spiel der Lady hinreißen lassen. So schön kann das Leben sein ...


    Arthur Rubinstein - wer ihn auf die Romantiker reduziert tut ihm Unrecht. Sein Beethoven war m.E. vom feinsten, obwohl er nach eigenem Bekunden mit Beethoven nicht viel anzufangen wusste. Rubinstein interessierte sich auch für moderne Kompositionen, die er jedoch eher zur eigenen künstlerischen Befriedigung spielte ... und nicht zur Aufstockung seiner Finanzen ;)


    A. B. Michelangeli - ging meist erst nach ausgiebigem Studium der Werke an die Öffentlichkeit. Die Ergebnisse sprechen für sich.


    Louis Lortie - zuweilen als schmalzig verpönt. Ich würde dennoch sagen: Einfühlungsvermögen, Eleganz ... par excellence.


    Glenn Gould - obwohl mich immer wieder Zweifel befallen, ob seiner höchst eigenwilligen Interpretationen mit Singsangbegleitung. Doch mein Respekt ist einfach zu groß, um ihn aus der Best-OF-Liste zu verbannen.

    Walter Gieseking - ein Naturtalent. Hielt im Gegensatz zu ABM nichts von Klausuren. Zitat:"... wer badet hat's nötig, wer übt auch ". Als risikofreudiger Dämon lief er gelegentlich Gefahr, seine Grenzen zu offenbaren. Später verfeinerte sich seine Technik, was ihm völlig zu Recht den Ruf eines unübertroffenen Meisters des feinen Anschlags und Halb-Pedal-Effekts einbrachte. Insbesondere seine Ravel-/Debussy-Interpretationen lassen keinerlei Wünsche offen.



    Zitat

    Heinz: ... wenn man in die Noten schaut, dann stellt man fest, dass er (Pogorelich) die Angaben der Komponisten ernst nimmt


    Welchen Ernst mag Pogorelich wohl bei Chopins 2. Sonate zu Grunde gelegt haben? Im Trauermarsch, prägendes Element der Sonate, unterschlägt er glatt eine Wiederholung. Der deutlich verkürzte Satz verliert die vom Autor vorgesehene (zeitliche) Gewichtung im Gesamtwerk. Des weiteren ignoriert Pogorelich ein eindeutig gekennzeichnetes Fortissimo.


    Nichtsdestotrotz, die Pogorelichs sind das Salz in der Suppe!


    g

  • Meine Lieblingspianisten:


    1. Richard Clayderman (ja, es gibt ihn noch, den Komponisten und unübertroffenen Interpreten der Ballade pour Adeline; vgl.: http://www.clayderman.co.uk/home_page.htm)


    2. Helmut Schmidt (geniale Aufnahme des Konzerts für 4 Klaviere zusammen mit Justus Frantz, Christoph Eschenbach und Gerhard Oppitz bei der DGG - gibt's die eigentlich noch?)


    3. Alfred Schnittke (zu hören in der Einspielung von Arvo Pärts "Tabula rasa" zusammen mit G. Kremer und T. Grindenko bei ECM; ein Klavierspiel, das kaum noch von dieser Welt ist)


    4. Sir Simon Rattle (hat sich in der Berliner Philharmonie als Pianist im Endzeit-Quartett Messiaens engagiert und bewährt - wir empfehlen die umgekehrte Karriere der Herren Ashkenazy und Barenboim)


    5. Dimitris Sgouros (jener unvergessliche Wunderjüngling, der schon in zartem Alter mit hartem Repertoire zu hören war; sogar Rachmaninoffs Elefantenkonzert hat er der andächtig lauschenden Welt offeriert und in manchem Mutterherz die Pianistenberufung ihres Sohnes erweckt)


    6. Lang Lang (Kommentar inzwischen überflüssig)

    Musik: Atem der Statuen. Vielleicht: Stille der Bilder. Du Sprache wo Sprachen enden. Du Zeit, die senkrecht steht auf der Richtung vergehender Herzen. (Rilke)

  • Zitat Rienzi:
    "Nur eine Frage:
    Meinst Du Claydermann und Schmidt (Alt-Bundeskanzler?) ernst."


    Natürlich war in meinem letzten Beitrag kein einziger ernst gemeint, was man mir bitte verzeihen möge.
    Um zu meinen wirklichen Lieblingspianisten überzugehen - hier sind die derzeitigen. Da es mir äußerst schwer fällt, meine Favoriten zu ordnen (insbesondere die ersten drei), wähle ich als Abfolge die Länge meiner Kommentare. Also:


    Sviatoslav Richter.
    Muß man dazu wirklich lange Kommentare abgeben? Ich denke: Nein.



    Emil Gilels.
    Wer an seinem Rang zweifelt, höre nur seine Einspielung der Sonate h-moll von Liszt. Oder die Hammerklaviersonate. Oder... oder... oder...



    Wilhelm Kempff.
    Auch wenn es handwerklich größere Meister gibt: Er hat vielleicht von allen am tiefsten das Wesen deutscher Komponisten (man verzeihe die rassistisch klingende, aber nicht so gemeinte Formulierung) von Beethoven über Schubert zu Schumann ergründet. Klanggewordene Geistigkeit.



    Murray Perahia.
    Sein unüberbotenes Wunder ist für mich noch immer die CD mit Händel und Scarlatti. Er hat uns auch eine echte Alternative zu den Gouldberg-Variationen geschenkt. Die Bachschen Klavierkonzerte überzeugen vollkommen. Sein Mozart und Beethoven sind zwar nicht auf dem höchsten Gipfel angesiedelt, dafür haben die Schubert-Sonaten und Schumann-Aufnahmen (Kreisleriana, Sonate fis-mol, nicht so sehr aber das Konzert und die C-Dur-Fantasie) für mich Referenzcharakter. Vor Perahias Chopin-Etüden - und übrigens auch den Balladen - kann man nur den Hut ziehen.



    Frederic Chiu.
    Er hat bei HMF den gesamten Prokofiev eingespielt - besser geht es einfach nicht. Verwunderlich, daß von ihm nie die Rede ist, wenn man sich über den gegenwärtigen Supervirtuosen streitet. Ich zweifle jedenfalls nicht an der Vergleichbarkeit Chius mit anderen Namen, die da andauernd fallen. Aber er kann viel mehr als nur die schwersten Stücke in atemberaubendem Tempo und mit erschreckender Kraft darzubieten. Er verfügt über Nuancen ohne Zahl. Man hat nirgendwo den Eindruck von Zirkusgeklimper. Alles klingt füllig, in Phrasierung und Dynamik einfach richtig, dabei niemals langweilig, immer - je nach Stück - auf- oder anregend. Summa summarum: Es lohnt sich wirklich, Chiu zu hören!



    Alexei Lubimov.
    Der rechte Mann für ungewöhnliches Repertoire. Seine Melancholie-CD "Der Bote" (bei ECM) sucht ihresgleichen: Aus der C.Ph.E.Bach-Fantasie in fis-moll macht er ein Seelendrama ungeheuren Ausmaßes; die darauffolgende Komposition "In a landscape" von John Cage (sic!) vermag unter solchen Händen mit ihrer Schönheit magisch zu verzaubern, usw. Sodann Lubimovs Silvestrov-Aufnahmen: Auch wer diesen Komponisten nicht mag, muß doch dem Klavierspiel Großartigkeit bescheinigen. Seine Einspielung bei Apex mit Klavierkonzerten von Galina Ustvolskaja, Sofia Gubaidulina, Henryk Gorecki und Georgs Pelecis führt uns ebenfalls einen Ausnahme-Interpreten vor, der allen alles zu werden vermag und doch seine unverwechselbare Musikerpersönlichkeit darin nicht aufgibt.

    Musik: Atem der Statuen. Vielleicht: Stille der Bilder. Du Sprache wo Sprachen enden. Du Zeit, die senkrecht steht auf der Richtung vergehender Herzen. (Rilke)

    Einmal editiert, zuletzt von jubal ()