Albert Roussel - Zu unrecht vergessen?

  • Hallo,


    Ich möchte absolut sagen: "Ja!"
    Meines erachtens ist er einer der originellesten und wandlungsfähigsten Komponisten seiner Epoche in Frankreich. Der 1869 in Tourcoing nahe Lille geborene und 1937 in Royan verstorbene Roussel studierte zunächst bei Gigout, dann bei d'Indy. Seine ersten Werke zeigen typisch lyrisch-französischen Stil wobei größere spätromantische Ausschweifungen und erste Anklänge an den Impressionismus durscheinen. Nach einer längeren Asien-Reise 1910 beginnt er seine Erfahrungen und Eindrücke in Impressionistischen Werken zu dokumentieren (z.B. Padmavati). Nachdem seine 2., sehr langatmige, verklärte Sinfonie beim Publikum floppt, wendet er sich dem aufkeimenden und beliebten Neoklassizismus zu.
    Roussel wird zu Lebzeiten als einer der führenden französischen Komponisten gefeiert und junge Komponisten wie Poulenc oder Prokovief schauen zu ihm auf.



    Roussels Oevre ist recht übersichtlich, aber er komponiert in verscheidensten Gattungen.
    Neben einigen Opern und Balletten finden sich 4 Symphonien ( darunter die sehr schöne erste Symphonie (Poeme de la foret)), 1 Klavierkonzert, 1 Celloconcertino und einiges an sehr guter Kammermusik (u.A. 2 Violinsonaten, ein Streichtrio und das recht bekannte Streichquartett). Des weiteren eine Reihe Klavierwerke und Lieder. Neben den "herkömmlichen" Gattungen finden sich bei Roussel auch obskure Kompositionen wie: "Fanfare pour un sacre païen für Blechbläser und Trommeln", "Ein Duo für Kontrabass und Fagott" oder ein "Stück für Piccoloflöte und Klavier". Es gibt nur wenige klassische Intrumente, die Roussel nicht irgendwie bedacht hat.
    Alles in allem ein, wie ich finde, sehr interessater, origineller Komponist bei dem es viel zu entdecken gibt und der mich immer wieder mit seinen veschiedenenartigen Ausdrucksformen überrascht!


    Hier noch zwei Empfehlungen für den kostenscheuen Roussel-Einsteiger:


    LG
    Raphael

  • Da kann ich michnatürlich eines Kommentares nicht enthalten, sozusagen in Sachen Lokalpatriotismus. Albert Roussels Geburtsort ist bei uns um die Ecke und Standort unserer Praxis.
    Seine Werke werden hier regelmässig aufgeführt, sein Andenken geehrt.
    Es gibt Gedenkkonzerte, Vorträge usw
    Ich selbst habe bisher nur die Kammermusik bewusst kennengelernt, die tatsächlich sehr originelle Besetzungen aufweist, aber das scheint mir ein typisches Merkmal der Franzosen zu sein. Wenn ich da an Francaix denek oder auch Debussy.
    In die Klangwelten musste ich mich und muss ich mich immer noch einhören. Das ist selten Musik, die sich sofort erschliesst, aber wer sich einlässt wird überrascht und belohnt.
    Ich selbst habe bisher nur zwei Kompositionen von ihm musikziert, zwei Lieder für Gesang und Flöte (ohne Klavier!!!) die in dieser Konstellation zweier hoher Stimmlinien ohne Bass oder Akkordbegletung schon etwas Besonders sind.
    Bei Interesse mache ich gerne detaillierte Angaben.


    Danke an Raphaell für das Thema!


    Fairy Queen :pfeif:

  • Hallo raphael,


    Roussel gehört zu den französischen Komponisten, die man ebensowenig vernachlässigen sollte wie Poulenc. Es gibt nicht nur Debussy und Ravel in Frankreich !


    Ich hatte Roussel im Konzert kennengelernt mit seinem Ballett Bachus et Ariane. Eine schwungvolle und spannend abwechslungsreich farbige Musik von der ich mir gleich darauf eine CD zulegte. Auch "Das Fest der Spinne" ist eine nette Ballettmusik.
    Ich finde ein sehr guter Einstieg für Roussel:


    Roussel: Bacchus et Ariane - Ballett op. 43
    Le Festin de l'Araignee (Das Fest der Spinne) op. 17

    Orchestre Nationl de France, Georges Pretre
    EMI, DDD
    Die CD ist bei amazon ohne Bild vorhanden.



    Ich wollte natürlich mehr kennenlernen.
    Die Aufnahme der Sinfonien Nr.3 und 4 mit Ansermet (Decca)war ein weiterer Roussel-Meilenstein) leider rauscht die Aufnahme auf LP und CD wegen des Aufnahmealters.

    Seine Sinfonie Nr.3 ist die meistgespielteste Roussel-Sinfonie und sein bekanntestes Werk.
    Die französische Aufnahme mit Bernstein / Orchestre Nationl de France (DG) könnte eigendlich kaum besser sein und war ein durchschlagender Erfolg um weiter zu Roussel zu finden.
    :jubel: Die Aufnahme ist total mitreißend.

    DG, lt.amazon 1994, DDD
    Auch die Frank-Sinfonie d-moll auf dieser CD gehört für mich zu den besten Aufnahmen des Werkes.


    Meine später gekaufte GA der Roussel: Sinfonien Nr.1-4 mit Marek Janowsky (RCA) ist OK und zufriedenstellend, aber bei der Sinfonie Nr.3 ist Janowsky wesentlich akademischer und "braver", als Berni.

    Roussel: Sinfonien Nr.1-4
    Orchester Philharmonique de Radio France, Marek Janowsky
    RCA, 1995, DDD


    :] Diese Doppel-CD steht schon seit Monaten im CD-Schrank etwas vor (das mache ich bei den CD´s die ich hören will) - dieser Thread gibt nun den Startschuß die CD´s ganz raus zu ziehen und endlich mal wieder zu hören - denn es lohnt sich.


    Roussel´s Klavierkonzert kenne ich noch gar nicht.
    :hello: Mich würde interessieren, welche Aufnahme da empfehlenswert wäre !?!

  • Hallo,


    Danke für eure Rückmeldungen!


    Fairy Queen: Es würde mich interessieren! Gibt es eine Opus-Nummer, wie heissen sie - ich glaube, ich kenne die Lieder...


    teleton: Das Klavierkonzert kenne ich auch noch nicht, steht aber in folgender Aufnahme auf dem Wunschzettel. Ob sie gut ist, kann ich nicht beurteilen, aber die Zusammenstellung ist recht reizvoll!



    LG
    Raphael

  • Hallo,
    ich hab diese Aufnahme:
    ROUSSEL CONCERTO POUR PIANO ET ORCHESTRE Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo Eugène INDJIC


    Leider kein Bild zu finden...gabs von 2 Firmen, Abeille und Cypres?
    Identische Interpreten...evtl. Bandübernahme?


    Mir hat die Aufnahme ausgereicht, gibt aber mittlerweile

    Roussel - Concertos pour orchestre / Tharaud · Queyras · Orch. de Paris · Stern


    Sollte ich wechseln ?(


    Gruß
    embe

  • Kurz gesagt: Ich halte Roussel für ein Genie!
    Meiner Meinung nach ist er der unfranzösischeste französische Komponist: In einer Zeit, da fast die gesamte französische Musik auf den Klang konzentriert ist, schreibt Roussel intensiv instrumentierte Kontrapunkte mit einer relativ sperrigen Harmonik, die Hindemith näher zu stehen scheint als Debussy - ein Blick in die Partituren zeigt allerdings, daß dieser Eindruck täuscht. Er entsteht dadurch, daß Roussel den Akkord als Farbwert meidet und seine Harmonik durch die Stimmführung legitimiert. Die einzelnen Melodien sind dabei, ebenfalls weit entfernt von der impressionistischen bzw. nach-impressionistischen Schule, weit gespannte, stark chromatische Linien mit verschleierten Tonartenbezügen.


    Ich hoffe, daß Fairy Queen ein wenig über die beiden Lieder schreibt, die ich nur von einer Aufnahme kenne, und die diese Eigenarten Roussels in nuce vorführen.


    Relativ "konventionell", also der Debussy-Nachfolge entsprechend, sind ein paar frühe Werke, etwa die "Evocations" und ein sehr delikates Ballett "Le festin de l'araignée", wobei letzteres schon zu Roussels späterem Stil hinführt.


    Es gibt von Roussel auch eine fabelhafte Oper, nämlich "Padmâvati", die eine typisch französische Mischform von Oper und Ballett darstellt, wie sie bei Rameau anzutreffen ist. In diesem Werk verwendet Roussel indische Modi, die zu einem eigentümlichen Klang führen, der exotisierend ist, ohne auf Kolorit zurückgreifen zu müssen. Die Musik ist permanent gespannt, die beharrlich vorangetriebene Steigerung des zweiten Aktes ist unvergleichlich und ein Höhepunkt der französischen Oper.


    Sehr spannend sind auch die Symphonien: Die erste und zweite sind besser als es die geringe Zahl der Einspielungen vermuten lässt; die dritte und vierte sind glänzend gearbeitete Werke, in denen Tiefe, Genauigkeit der Konstruktion und Effekt in eine ideale Balance gebracht sind. Die dritte Symphonie, für Boston komponiert, scheint mir auf Jahre hinaus geradezu das Modell für die Symphonien amerikanischer Komponisten gewesen zu sein.


    Übrigens sollte man sich auch einmal auf das späte Ballett "Aeneas" einlassen, das mit seiner herben, sogar knorrigen Harmonik und dem kantigen Zuschnitt seiner Thematik noch radikaler einen völlig eigenständigen Weg innerhalb der französischen Musik geht als Roussels "Bacchus et Ariane"-Ballett.


    :hello:

  • Wie bereits oben erwähnt, war Roussel Schüler von d'Indy an der Schola Cantorum. Später war er selbst dort Lehrer für Kontrapunkt und zu seinen Schülern gehörten Satie und Varèse.


    Roussel veröffentlichte von 1903 bis 1935 36 Melodien für Gesang und Klavier sowie die beiden von Fairy Queen erwähnten Melodien für Gesang und Flöte. Diese Melodien wurden von grossen Sängern ihrer Zeit uraufgeführt (Jane Bathori, Claire Croiza, Marcelle Bunlet, Pierre Bernac). Weiterhin ein Stück für Gesang und Orchester (La Menace, op. 9)


    Es handelt sich im einzelnen um


    Quatre Poèmes op. 3
    Melodien auf Gedichte von Henri de Régnier, entstanden 1903
    Le Départ
    Voeu
    Le Jardin mouillé
    Madrigal lyrique


    Quatre Poèmes op. 8
    Melodien auf Gedichte von Henri de Régnier, entstanden 1907
    Les Adieux
    Invocation
    Nuit d'automne
    Odelette


    La Ménace op. 9
    Melodie für mittlere Stimme und Orchester auf ein Gedicht von Henri de Régnier, entstanden 1908


    Flammes op. 10
    Melodie auf ein Gedicht von Georges Jean-Aubry, entstanden 1908


    Deux Poèmes chinois op. 12
    entstanden 1907 und 1908 auf Gedichte von Fu-Mi (französische Worte von Roché)
    A un jeune gentilhomme
    Amoureux séparés


    Deux Mélodies op. 19
    entstanden 1918
    Light
    A Farewell


    Deux Mélodies op. 20
    entstanden 1919 auf Gedichte von René Chalupt
    Le Bachelier de Salamanque
    Sarabande


    Deux Poèmes de Ronsard op. 26
    Mélodien für Flöte und Gesang, entstanden 1924
    Rossignol, mon mignon
    Ciel, aer et vens


    Odes anacréontiques op. 31 und 32
    2 mal 3 Melodien auf Gedichte, die Anacreon zugeordnet werden, übertragen von Leconte de Lisle, entstanden 1926
    Ode XVI (sur lui-meme)
    Ode XIX (qu'il faut boire)
    Ode XX (sur une jeune fille)
    Ode XXVI (sur lui-meme)
    Ode XXXIV (sur une jeune fille)
    Ode XLIV (sur un songe)


    Deux Poèmes chinois op. 35
    Melodien auf Gedichte von Li-Ho und Chang-Chi (frz. Worte von Roché) entstanden 1927
    Des fleurs font une broderie
    Réponse d'une épouse sage


    Jazz dans la nuit op. 38
    Melodie entstanden 1928 auf ein Gedicht von René Dommange


    A Flower given to my daughter op. 44
    Mélodie in englischer Sprache auf ein Gedicht von James Joyce, entstanden 1931


    Deux Idylles op. 44
    2 Melodien auf griechische Gedichte von Theocrite und Moskhos, ins französische übertragen von Leconte de Lisle, entstanden 1931 und 1932 uraufgeführt von Régine de Lormoy
    Le Kérioklepte
    Pan aimait Ekho


    Deux Poèmes chinois op. 47
    2 Melodien auf Gedichte von Li-I und Huang-Fu-Ian (französische Worte von Roché), entstanden 1932
    Favorite abandonnée
    Vois, de belles filles


    Deux Mélodies op. 50
    auf Gedichte von René Chalupt, entstanden 1934 und 1933
    A l'heure du retour
    Coeur en péril


    Deux Mélodies op. 55
    entstanden 1935 auf Gedichte von Georges Villes
    Vieilles cartes, vielles mains
    Si quelquefois tu pleures


    Quelle: Guide de la Mélodie et du Lied, Fayard, Artikel von Gilles Cantagrel


    Es grüsst LaCastafiore


    P.S. Diese Cd habe ich bei jpc entdeckt:

  • Hallo,
    ich mag das Klavierkonzert sehr.
    Meine Lieblingsaufnahme, da schön "rotzig" und direkt aufgenommen und gespielt, ist auch nach über 30 Jahren immer noch die Billigproduktion von VOX mit der hervorragenden Maria Littauer und den blendend aufgelegten Hamburger Symphonikern unter Alois Springer.


    Ich bevorzuge die alte LP, aber die Aufnahme ist schon vor längerer Zeit auch auf CD wiederveröffentlicht worden :


    Die anderen mir bekannten Aufnahmen des Konzertes sind mir gegenüber dieser Aufnahme zu schwerfällig, wobei ich die neue Tharaud-Aufnahme nicht kenne.


    LG,
    Michael
    @Raphael
    ich sehe ,daß Du diese CD auch eingestellt hast mit der Bemerkung, daß die Zusammenstellung reizvoll ist.
    Im Falle der Klavierkonzert von Lalo und Massenet z.B. würde ich aber die Hoffnungen nicht zu hoch schrauben....

  • Hallo Raphael,


    von vergessen kann wohl eher nicht die Rede sein. Auch ich schätze das, wass ich von Roussel kenne, außerordentlich - auch wenn mir seine Musiksprache trotz eines hohen Wiedererkennungswertes im Ausdruck manchmal recht unpersönlich und unverbindlich vorkommt.


    Zur Tonsprache Roussels hat Edwin ja eigentlich schon alles gesagt, man sollte nicht unerwähnt lassen, daß F. Schmitt seinerzeit wohl beliebter war - erst viel später hat man "entdeckt", daß Roussel das eigentlich Genie ist.


    :hello:
    Wulf

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    In einer Zeit, da fast die gesamte französische Musik auf den Klang konzentriert ist, schreibt Roussel intensiv instrumentierte Kontrapunkte mit einer relativ sperrigen Harmonik, die Hindemith näher zu stehen scheint als Debussy - [...]


    Kannst Du die Zeit etwas näher bestimmen?
    In Frankreich wirkten ja auch die "sechs" - wie hat sich Roussel mit denen verstanden?
    :hello:

  • Zitat

    Original von Wulf
    von vergessen kann wohl eher nicht die Rede sein.


    Nicht? Wenn ich mir so anschaue, wie "oft" er bei Tamino genannt wird und wie viele (verschiedene) Leute sich auf diesen Thread, verglichen mit anderen melden, glaube ich das schon! Ich denke, dass ca. 80-90% der Klassik-Ottonormalhörer Roussel in keiner Weise kennen! Meiner meinung nach, wird er lediglich von einem kleinen Publikum vor dem Total-den-Bach-runter-gehen gerettet! Wie oft findet man schon Roussell auf den hiesigen Spielplänen?
    Sicher gibt es härtere Fälle - doch "von BEKANNTHEIT kann wohl eher nicht die Rede sein..."


    LG
    Raphael

  • Hallo KSM,


    die Zeit, die ich meine, ist in etwa die Zwischenkriegszeit, wobei man nicht übersehen darf, daß Roussels Hauptwerk "Padmâvati" bereits 1914 fertig war, aber kriegsbedingt erst 1918 uraufgeführt wurde, also zu einer Zeit, als die "Six" noch mit Gehversuchen beschäftigt waren. (Satie muß man sowieso weglassen, das ist eine Sonderentwicklung.)


    Poulenc hat Roussel sehr bewundert. Wie Honegger zu ihm stand, weiß ich nicht, aber wenn man Honeggers Musik mit der Roussels vergleicht, dürfte Honegger nicht ganz abgeneigt gewesen sein. Tatsächlich scheint mir Honegger der Roussel nächste Komponist, vor allem in der relativ komplexen Melodiebildung.


    Was Roussel von den "Six" (mit Ausnahme Honeggers) unterscheidet, ist, daß Roussel die Leichtigkeit und Ironie fehlt. Roussel kann wunderbare lyrische Gebilde schreiben, speziell in seiner frühen Phase, er kann robuste Rhythmen auf den Punkt bringen und vergrübelte Adagi schreiben, aber - auch das sehr unfranzösisch - wenn er etwas Leichtes schreiben will, wird daraus entweder (selten) eine Banalität oder (häufiger) ein Krampf. Es gibt bei ihm keine wirkliche Eleganz (und schon gar nicht als Grundhaltung) und kaum Humor.


    Allerdings ist Roussels Ernst unverschwitzt "objektiv" - und damit doch eher in französischer als in deutscher Tradition, es sei denn, man nimmt als Vergleich Hindemiths Werk etwa ab dem "Mathis", das mir ebenfalls verwandt mit Roussels Schaffen scheint.


    :hello:


  • Spielpläne sind IMO definitiv kein Maßstab. Wenn es danach ginge, wären selbst Komponisten wie v. Weber etc. "vergessen".
    Vielleicht ähnlich wie mit Hölderin oder B. Johnson bzw. P. Shelley. Derjenige, der einfach gerne Bücher liest, hat gute Chancen an diesen Autoren vorbeizukommen, wer sich aber etwas intensiver mti deutscher oder englischer Literatur auseinandersetzt wird sie wohl kennen.


    Roussel ist IMO zumindest bekannter als Lekeu, Schmitt oder den ebenfalls genialen aber wirklich vergessenen Emmanuell und Tournemiere.


    :hello:
    Wulf

  • Lieber Edwin, wie sich das singt??? Nett, dass Du fragst =)
    Zunächst mal sehr viel schwieriger als mit Klavier oder Generalbassbegleitung. Man hat ja als Sänger keine Tasten oder Knöpfe und ohne Untergrund ist man ziemlich nackt und bloss. Man muss für solche Stûcke also musikalischer sein als für "normale" Literatur. Ein Vergleichmit romantischer oder gzr bzrocker Musik ist kaum môglch, weil die Melodielinie oft eben unerwartet abbricht und man wirklich genau innerlich vorhôren udn spüren muss. Man WEISS eben nciht, was als Nächstes kommt und muss das regelrecht auswendig lernen.
    Ciel ,Aer et Vens ist lecihter, weil melodischer geschreiben und es gibt auch rhytmisch weniger Arabesken und "Fallen" als bei der Nachtigall. Wenn zwei in der Tessitura so ähnliche Instrumente zusammenklingen wie Sopran und Querflöte ist das auch im Klang SEHR impressionistisch. Das hat ganz eigene Reize aber manche Leute , die per se keine hohe Tessitura mögen finden das auch schnell nervig. Wenn die Stimme weich klingt, geht das natürlich deutlich besser-schriller Sopranr plus Flöte ist dann tatsächlichwas für Hartgesottene. :D
    Es gibt noch ein anderes ganz wunderschönes Stûck für hohen Sopran und Flöte namens Canzone di nostalgia von Virgilio Mortari. aus dem Jahr 1948. Das gefällt mir persönlich noch besser.
    Allgemein habe ich aber lieber Flöte UND Klavier oder Generalbass als nur Flöte. Wie gesagt: auf Dauer ist der Klang einfach zu einförmig hoch.


    Fairy Queen :angel:

  • Heute vor Ort erworben und auch gleich gehört:



    Albert Roussel (1869 - 1937):


    Sinfonie Nr. 1 "Le poème de la foret"
    Résurrection - Sinfonisches Vorspiel
    Le marchand de sable qui passe - Schauspielmusik


    Royal Scottish National Orchestra,
    Stéphane Denève


    Rec.: Glasgow, 2008/09, Naxos


    Da ich die Erste Sinfonie von Roussel bislang nicht mochte, hatte ich hier auch keine großartigen Erwartungen. Die Einspielungen von Janowski und Dutoit hatten mich nicht überzeugt, erschienen mir belanglos und uninspiriert. Ich war mir nicht sicher, ob es am Werk oder an den Dirigaten liegt. Jetzt zeigt sich: es liegt am Dirigat. Denève versteht es, das Auf und Ab der Wellenbewegungen hervorragend umzusetzen, die Intimität zu wahren und dem Werk seinen etwas naiven Charme zu lassen. Das RSNO folgt ihm 100%ig und klingt wunderbar idiomatisch ohne aufdringlich zu sein.



    A g o n

  • Hallo Agon,


    deine Beigeisterung für diese neuen NAXOS-Aufnahmen mit dem Royal Scottish National Orchestra, Stéphane Denève kann ich voll nachvollziehen.


    Ich habe auch die Sinfonien - GA mit Janowsky (RCA), die total uninspiriert und langweilig ist.
    Außer der Sinfonie Nr.3 mit Bernstein/Orchester National de Paris (DG), fand ich die Werke auch nicht sonderlich ansprechend. Einzig die straffen Ansermet-Aufnahmen der Sinfonien Nr.3 und 4 (Decca) zeigen noch die Qualitäten auf - leider in einer nicht so berauschenden Klangtechnik von 1954/56.


    :) Nun jabe ich mich durch eine Empfehlung an anderer Stelle inspirieren lassen und mir zunächst zwei NAXOS-CD´s mit Stéphane Denève zugelegt:
    Die Sinfonie Nr.2 mit der Sinfonischen Dichtung Frühlingsfeste und die Sinfonie Nr.3 mit dem Ballett Bachus et Ariane :



    NAXOS , 2006/7, DDD ...................................NAXOS, 2006, DDD


    Ich kann nur sagen, dass diese CD´s wirklich in allen Punkten fabelhaft sind und qualitativ einer Hochpreis-CD gerecht würde. Das Royal Scottish National Orchestra unter Stephane Deneve in Bestform. Und weil der Dirigent wie Albert Roussel in Tourcoing geboren wurde, ist die Verbundenheit mit dem Komponisten tatsächlich voll spürbar.


    Ich hätte es nicht für möglich gehalten, das Stéphane Denève mit meiner Bernstein-Aufnahme (DG) bei der Sinfonie Nr.3 mithalten kann. Aber er kann und bietet eine genauso emotionale Deutung wie Bernstein, die beide einfach nur Hörspaß produzieren. Auf jedenfall eine wunderbare Ergänzung zu Bernstein und klanglich ist die Naxos-Aufnahme , wegen des aktuellen Aufnahmedatums, sogar natürlicher eingefangen.


    Die Aufnahme der Sinfonie Nr.3 mit Ansermet (Decca, 1956, ADD) ist leider sehr alt und damit klanglich historisch, aber schon eine der ersten Stereo-Aufnahmen. Die Interpretation ist auch grandios und sehr forsch und feurig = Ansermet´s Zeiten: 05:08 - 8:47 - 3.00 - 5:52. Vielleicht die Beste von mir vorliegende und gehörte Interpretation. Aber der Klang läßt dann doch lieber zu Bernstein und ganz aktuell Denève greifen.
    Ich schätze das Werk sehr hoch und höre es mit größter Zufriedenheit.


    *** Auch das wunderbare Ballett Bacchus et Ariane ist mit Stéphane Denève auf der Naxos-CD vorbildlich interpretiert. Da ist allerdigs Pretre (EMI) die Nase geringfügig vorne, weil Pretre das Werk etwas spannender mit mehr Durchschlagskraft interpretiert. Das NAXOS-Textheft und die genauere CD-Track-Einteiliung ist aber wiederum besser als bei EMI - der Klang ist bei Beiden ausgewogene Spitzenklasse.



    *** Auf der Decca-CD mit Ansermet ist auch die GA des Ballettes Das Fest der Spinne enthalten, die diese CD zur TOP-Empfehlung macht. Ebenfalls eine fabelhafte Interpretation und obwohl die Aufnahme von 1954 ist, sogar besser eingefangen als die Sinfonien Nr.3 und 4 auf der CD.
    Leider bietet Pretre (EMI) in seiner Aufnahme das Ballett nur in gekürzter Form, sodaß man auf Ansermet gar nicht verzichten kann.



    :hello: Auf die von Dir abgebildete NAXOS-CD mit der Sinfonie Nr.1 wollte ich eigendlich verzichten, weil ich dem Werk, genau wie Du bisher, keine so große Bedeutung beigemessen habe. Ich denke die werde ich mir nach deinem Beitrag für die 5,90€ auch noch gönnen müssen.


    Wo bleibt Deneves Sinfonie Nr.4 ?

  • Bei der Ansermet-CD mit 3+4 muß man wohl auf die Australian Eloquence für eine Wiederveröffentlichung hoffen. Ich konnte die CD vor einigen Monaten gebraucht erwischen. Es stimmt, daß der Klang etwas trocken ist, aber auch nicht schlecht.
    Von der 3. Sinfonie habe ich Bernsteins ältere Einspielung (CBS/Sony ebenfalls wohl vergriffen), die, wie zu erwarten, "saftiger" und dramatischer als Ansermet. Das Werk selbst ist sicher eine der überzeugendsten Sinfonien seiner Zeit.
    Die 4. habe ich erst ein paarmal gehört; gefällt mir zwar auch, aber sie ist doch ein eher klassizistisches, weniger mitreißendes Stück.


    Gegen die strengen Sinfonien hat das Ballett "Das Fest(mahl) der Spinne" eher impressionistischen Charakter.


    Ich werde die Naxos-CDs mal vormerken, da ich die ersten beiden Sinfonien überhaupt noch nie gehört habe.


    Obwohl ich sie auch erst wenige Male gehört habe, möchte ich den Interessierten die Brilliant-Sammlung der Kammermusik empfehlen. Bei allen Unterschieden sollte, wer die entsprechenden Werke von Debussy und Ravel schätzt, hier lohnende Werke in abwechslungsreichen Besetzungen finden.



    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo Wolfgang und alle Roussel-Interessierten,


    Zitat

    Original von teleton
    Wo bleibt Deneves Sinfonie Nr.4 ?


    Habe sie Freitag bei Saturn gesehen - sie ist Anfang des Monats erschienen:



    Selbst habe ich von den Sinfonien bisher nur die Dutoit-Einspielungen. Die erste und die dritte Sinfonie habe ich mir in den letzen Tagen angehört. Trotz der nur mäßig gelobten Dutoit-Aufnahmen, haben mir diese schon mal sehr gut gefallen und Lust auf mehr Roussel gemacht.
    Ein Vergleich mit den Deneve-CDs würde mich reizen, zumal diese auch vom Musikkritiker David Hurwitz sehr gelobt werden.


    Viele Grüße
    Frank

  • Ein Thread von Albert Roussel sollte seine einzige Oper Padmâvatî nicht außer Acht lassen. Die offizielle Deklaration ist zwar Opéra-ballett en deux actes, aber wenn Marilyne Horne und Nicolai Gedda singen, dominieren doch die Gesangsstimmen und nicht die Beine. Im Moment ist die EMI-Einspielung aus den frühen 1980er Jahren bei JPC gestrichen; ich denke aber, dass sie beilagenmäßig abgespeckt bald wieder auf dem Markt erscheinen wird. Hilfsweise dient nachstehend der ebenfalls beachtliche Mitschschnitt mit der Belgierin Rita Gorr.



    Im 19. Jahrhunderts segelten die Franzosen auf der Welle des Exotismus, den sie nach Indien verlegten. So wie Bizet, Delibes und Massenet schuf auch Albert Roussel ein Meisterwerk und setzte sich mit der Witwenverbrennung auseinander. Die Grundgedanke lag darin, dass die Witwe dem Mahadscha im Tod folgen sollte, damit dieser auf gewohnte Gelüste nicht verzichten muss, wenn er an der Kante des Weltalls trostlos herumeiert. Die Errichtung des Scheiterhaufens und die Verbrennung der Gemahlin wurde in eine Zeremonie gekleidet, damit auch die Bevölkerung auf ihre Kosten kam. Bei den Deutschen nahm Ludwig Spohr mit Jessonda sich des Themas an.


    Ausführliche Beschreibung der Oper Padmâvatî, Jessonda, Die Perlenfischer und Lakmé im Web.


    :angel:
    Engelbert

  • Hallo Frank und alle Roussel-Interessierten,


    das Erscheinen der Deneuve-Naxos-Aufnahme nun auch der Sinfonie Nr.4 mit der Sinfonietta habe ich auch bereits wahrgenommen. Danke für deine INFO.
    Inzischen habe ich mir aber bereits die fabelhafte Cluytens-EMI-Aufnahme wie nachfolgend beschrieben gegönnt, sodass ich erstmal besten Gewissens auf Naxos verzichten kann (außer wenn die mal irgendwo rumliegt).


    Denn eine Riesenüberraschung war mein Ergänzungskauf der Roussel-Werke, die ich wegen des mir noch unbekannten Klavierkonzertes, Sinfonietta und den enthaltenen zwei Sinf.Dichtungen und der mir noch in einer klanglich guten Aufnahme fehlende Sinfonie Nr.4 kaufte. Es gab bisher eine andere EMI-Kopplung.
    Dies ist die Neuausgabe 2010:


    Roussel: Sinfonien Nr.3 und 4, Klavierkonzert, Sinfonietta, Bacchus et Ariane -Ballett, Das Fest der Spinne-Sinfonische Fragmente, Pour un fete de printems op.22 und Resurection op.4.

    EMI, 1963-1984, ADD/DDD




    X( Die äußerts desotate und hoch langweilige GA der Sinfonien Nr.1 -4 unter Marek Janowski (RCA) hatte ich mittlerweile verschenkt. :yes: ;) Die Deneuve-Aufnahmen (NAXOS) der Sinfonien 2 + 3, Ansermet bei den Sinfonien nr. 3 + 4 und Bernstein (DG) bei der Sinfonie Nr.3 hatten mir gezeigt, wo es bei Roussel lang gehen muß.



    CD1
    enthält die Sinfonien Nr. 3 und 4 mit dem Dirigenten Andre Cluytens. Die Überraschung war perfekt zu hören mit welch hohem Verständnis Cluytens an die Werke herangeht. Er gestaltet die Sinfonien kraftvoll und läßt dem Zuhörer gar keine Zeit in Langeweile zu verfallen. Das moderne Expressionistische in diesen Partituren wird detailreich herausgearbeitet. Es werden Strukturen hörbar, die bisher keine Aufnahme geboten hat.
    Erstmals wird mir nun klar was der Dirigent Carl Schuricht mit seinem Ausspruch zu den Sinfoninien von Roussel gemeint haben kann: "Ich kenne nicht gleichwertiges seit Beethoven."


    Hier bei Cluytens (meine erste Erfahrung mit diesem Dirigenten) wird für mich erstmals hörbar gemacht, zu welchen begeisterungsstürmischen Zitaten Schuricht gekommen war.


    Die EMI-Klangqualität der Aufnahmen von 1965 ist EMI-typisch für diese Aufnahmezeit in den Höhen etwas scharf und blechern. :angel: Das stört mich aber angesichts der fesselnden Super-interpretation durch Cluytens diesesmal gar nicht.


    Das Klavierkonzert in G op.36 ist schon durch die Länge vorgegeben (4:40-7:34-4:46) ein nett anzuhörendes kurzweiliges Konzert mit flinkfüssigen Einsätzen. Hat mir sehr gut gefallen. Auch die Aufnahme von 1969 mit Danielle Laval, Klavier/ Orchestre de Paris/J.P.Jacuillat schien mit einwandfrei in der Ausführung und Klangqualität.



    CD2
    enthält die als Einzel-CD erhältliche EMI-Hochpreis-CD der Referenzaufnahmen mit Pretre des Ballettes Bacchus et Ariane und Das Fest der Spinne-Sinfonische Fragmente (Aufnahmen von 1984, DDD). Diese CD besitze ich bereits (kann nun abgesetzt werden). Diese beiden TOP-Aufnahmen werden noch durch die Sinfonischen Werke Pour un fete de printems op.22 und Resurection op.4 (hier mit dem Orchester de Paris/J.P.Jacquillat und Orchestre Capital de Toluse/M.Plasson) ergänzt, sodass auch CD2 mit 77:52 vollgepackt ist.
    *** Für 11Euro kann ich für diese EMI-Doppel-CD meine höchste Empfehlung aussprechen, für die man auch gerne mehr bezahlen dürfte.


    ;) Ich denke da werde ich mir angesichts der Cluytens-Spitzenleistung auch jetzt die neuste Deneuve-Aufnahme (Sinf.Nr.4) sparen können.

  • Es geht um Roussels fantastische Sinfonie Nr.3.


    Bernsteins ältere Aufnahme mit den New Yorker PH war bisher nur zu Phantasiepreisen zu bekommen. Jetzt wurde diese langjährige Wunsch-CD endlich mal für einen akzeptablen Preis (<10€) in den USA angeboten - 8o - bestellt um die Lücken bei Honneger füllen und interessantes Neuland bei Milhaud zu bekommen.


    Die Interpretation der Roussel Sinfonie Nr.3 ist in Bernsteins - Aufnahme mit dem Orchestre National de Paris (DG, 1982) ebenfalls sehr mitreissend. :thumbsup: Aber die New Yorker PH sind mit ihrer unbändigen Spielfreude und Präzision 09/1961 viel eher in der Lage gewesen Bernsteins Ambitionen umzusetzen. Das Ergebnis ist diese Hammer-Aufnahme in nie gehörter energischer Explosivität. :angel: Das sind für mich Sternstunden der Interpretationsgeschichte.


    Wie Bernstein gleich zu Beginn des 1.Satzes Allegro vivo 5:41 den Hörer in Spannung hällt - ein Feuer der Extraklasse entfacht; dabei keine Details verschluckt, das geht erst einmal über Bernsteins spätere (o.g) Aufnahme hinaus; aber auch über die hochgeschätze von Cluytens (EMI), der leider sehr historisch klingenden mit Ansermet (Decca) und auch bei mir als Schlusslicht, der relativ neuen Aufnahme unter Deneuve (Naxos) -- Gewiss sind alle erwähnten nicht schlecht, sonst wären die nicht mehr in meinem Bestand !


    Beim 2.Satz Adagio 10:41 schätze ich, dass dere Satz sehr viel Abwechlung zu bieten hat und gar nicht unbedingt an ein Adagiosatz erinnert (nur vom Tempo her) - Bernstein gestaltet den Satz mit seinen saftigen Orchesterfarben spannend ohne jede Langatmigkeit. Roussel lieferte hier kein seichtes Adagio. Es mag manche geben, die lieber Deneuve mit ruhigem Adagioton hören möchten, der mir hier im Vergleich recht konservativ wirkt.


    Der 3.Satz Vivace 2:59 ist in seiner ryhthmischen Vielfalt ein gefundenes Fressen für Bernstein. Meisterhafte Gesaltung - Gänsehaut pur !
    Ich hatte mich einige Beträge höher positiv für Deneuve geäussert. Nach meinen Vergleich aller 5 Aufnahmen muss ich berichtigen = Deneuve verpasst die interpretatorischen Möglichkeiten - bei ihm scheint mir der Satz jetzt eher verpatzt und langweilig, da er die Ecken und Kanten viel zu sehr aufweicht.


    Der 4. Satz Allegro con spirito 6:03 - Lebensfreude pur unter Bernstein. Wunderbar auszelebrieter Ruhepunkt mit dem besonnenen Violinsolo. Nie gehörte packende Entwicklung bis zum Ende der Sinfonie.
    Die CBS-Klangqualität ist trotz des Aufnahmedatums ganz exqusit und mit fabelhafter Detailhörbarkeit gelungen.



    SONY, 1961-62, ADD


    Auch die Kopplungen Milhaud und Honegger sind referenzwürdige Aufnahmen.
    Ganz klar jetzt schon = Best Buy 3.Q 2013 !

  • Albert Roussel wurde am 5. april 1869 geboren. Zu diesem Anlass habe ich eine Symphonien-Box mitgebracht:



    Heute ist die 146. Wiederkehr seines Geburtstages.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Über Martinu kam ich zu Roussel. Ich besitze derzeit die Sinfonien von ihm, auf einer Doppel-CD mit dem Orchestre National de France unter Charles Dutoit. Es muß so um 1999 gewesen sein, als ich sie kaufte und sie war damals mit Sicherheit nicht mein Geschmack, sonderen ein "Bildungsbürgerkauf" Nun tat sich aber herausgestellt, daß im Lauf der Jahre mir heute vieles gefällt, das ich einst verschmähte.
    Auf Albert Roussel wurd ich jetzt wieder aufmerksam, als ich las, daß Martinu eigens seinetwegen nach Paris übersiedelt ist um seine Studien bei ihm fortzusetzen.
    Ich war schon drauf und dran einen Neuen Thread mit den Sinfonien einzurichten, ergänzt um die Soonfonischen Werke, da file mir auf, daß es am Sektor Konzert, kaum etwas gibt, auch ein eigener Thread über Streichquartette ist mangels vorhandener "Masse" nicht möglich. Verbleiben wir also in diesem Sammelthread und versuchen wir ihn behutsam wiederzubeleben.
    mfg aus Wien
    Alfred

  • Ich habe soeben die erste Sinfonien von Roussel gehört und möcht einige subjektive Eindrücke schildern.
    Ich empfand die Musik so, als würde sich alles aus einem Nebel lösen, bzw Nebelschwaden die Musik durchziehen, alles fließt mehr oder weniger, es gibt keine rhytmisch betonten Stellen. Ich hre gelegentlich ein unterschwelliges Raunen und flirren, ein unterschwellig als Vogelgezwitscher indentifizierter Klangeffek wurde von mir in Bereich der Phantaie und Einbildung verschoben. Die von mir empfundenen "Nebelschwaden" klären sich indes zeitweise auf - und - oh Überraschnung, wir dehen prötzlich direkt ins grelle Sonnenlicht. Roussel bezieht also das Spannungspotential der Komposition , nicht aus harten rhytmischen Effekten, die er der Ruhe gegenüberstellt, sondern aus gleissenen Fanfaren, die die "Nebel" lichten, Im dritten Satz findet sich sogar eine auffallend einschmeichelnde Stellen der vierte ist zu meiner Überraschung tänzerisch durchdrungen. Die überraschung gibt sich, wenn man etwas über die Entstehung der Sinfonie weiß (Siehe weiter unten -ich habe das erst während des Hörens nachgelesen....
    Roussels dem Impressionismus und der Spätromantik gleichermaßen verbunden Sinfonie ist die einzige ihrer Art, denn die weiteren Sinfonien sind durch außereuropäische Musik beeinflußt

    Aber die vorgestellte Erste hat mit ein paar interessanten Details aufzuwarten. Eigentlich handelt es sich um 4 einzelne kurze Sinfonische Dichtungen, komponiert in den Jahren 1904 und 1906.


    "Winterwald"
    "Frühling"
    "Sommerabend"
    "Faune und Dryaden"


    Erst nachträglich wurden die vier Kompositionen zu einer Sinfonie zusammengefasst die den Beinamen "Das Waldlied"( Le Poéme de la forét) bekam..
    Daten zu einer Uraufführung konnte ich keine finden.....


    mfg aus Wien
    Alfred

  • Kurz gesagt: Ich halte Roussel für ein Genie!
    Meiner Meinung nach ist er der unfranzösischeste französische Komponist: In einer Zeit, da fast die gesamte französische Musik auf den Klang konzentriert ist, schreibt Roussel intensiv instrumentierte Kontrapunkte mit einer relativ sperrigen Harmonik, die Hindemith näher zu stehen scheint als Debussy - ein Blick in die Partituren zeigt allerdings, daß dieser Eindruck täuscht. Er entsteht dadurch, daß Roussel den Akkord als Farbwert meidet und seine Harmonik durch die Stimmführung legitimiert. Die einzelnen Melodien sind dabei, ebenfalls weit entfernt von der impressionistischen bzw. nach-impressionistischen Schule, weit gespannte, stark chromatische Linien mit verschleierten Tonartenbezügen.


    :!: Man sollte eigentlich nicht Müde werden immer wieder auf diesen hochinteressanten Komponisten Roussel hinzuweisen.


    Laut Beitrag 24 hatte ich nach Jahren das Klavierkonzert G-Dur op.36 in der EMI-Aufnahme von 1959 kennen gelernt. Ein kurzweiliges Stück in den üblich klassischen drei Sätzen, das direkt im 1. Satz Allegro molto mit expressivem Tonfall aufwartet; die Sätze 2. Adagio, mit Atmosphäre und 3. Allegro con spirito klingen gemässigter, aber nicht minder hörenswert.


    Gestern gesellte sich in der Brillant-20CD-Box der Romantischen KK eine weitere wirklich gute Aufnahme hinzu:
    Maria Littauer, Klavier / Hamburger Symphoniker / Alois Springer - Aufnahme 12/1976



    Brillant, 20CD, ADD


    In der Box sind alle möglichen ronantische KK-Stereo-Aufnahmen in Lizenz von anderen CD-Labeln in anständiger Klangquali zusammengeführt.
    Es ist zudem eine ganze Menge neu zu Entdeckendes darin enthalten ...

  • Wenig bekannt dürfte die folgende Einspielung aus der Anfangszeit der LP sein:
    ROUSSEL: Sinfonie Nr. 4 F-dur, op. 53 (+ Balakirev: Sinfonie Nr. 1 C-dur)
    Herbert von Karajan und das Philharmonia Orchestra London (Aufnahme: 11/1949, London).


    Die Aufnahme hat eine recht kuriose Vorgeschichte: Kurz nach Ende des Krieges gründete der EMI-Produzent Walter Legge das Philharmonia Orchestra, mit Musikern, die er während des Krieges kennengelernt hatte. Das Orchester sollte vor allem für Plattenaufnahmen zur Verfügung stehen und aus den besten Instrumentalisten Großbritanniens gebildet werden. Ursprünglich sollte es keinen Chefdirigenten geben, weil es Stil, aber nicht einen Stil haben sollte, wie Legge sich ausdrückte. Doch bald darauf übernahm Herbert von Karajan das Orchester und führte es über ein Jahrzehnt, bis seine Verpflichtungen als Leiter der Berliner Philharmoniker, die er 1955 nach Furtwänglers Tod übernommen hatte, zum Ende der Zusammenarbeit führten.
    Der Anfang des Orchesters stand nicht unter dem besten Stern, bereits 1948 kam es zu finanziellen Engpässen, und Legge stand vor der schwierigen Aufgabe, entweder mehr Engagements zu ergattern oder aber Geld für den Fortbestand des Orchesters herbeizuschaffen. Da kam ihm ein Angebot des musikbesessenen Maharadscha von Mysore in Indien gerade recht. Der steinreiche Maharadscha stellte ihm eine ansehnliche Summe zur Verfügung und für die kommenden Jahre weitere Zuschüsse, machte aber zur Bedingung, dass einige wenig bekannt, ihm aber ans Herz gewachsene Kompositionen eingespielt werden sollten. Die Kosten dafür wollte der Maharadscha ebenfalls übernehmen. Zunächst wurden die Klavierkonzerte von Medtner aufgenommen, und außerdem wollte der musikliebende indische Fürst Werke von Balakirev und Roussel in seine umfangreiche Plattensammlung einreihen.


    So kam es zu den auf der obigen CD gekoppelten Aufnahmen. Natürlich fanden diese Werke keinen reißenden Absatz, aber das Arrangement mit dem Maharadscha machte diese Produktionen möglich. 1949 war Stereo noch nicht marktreif, und so wurden die Werke in Mono aufgenommen. Karajan als Roussel- und Balakirev-Dirigent, das war damals mehr als ungewöhnlich und sollte es auch bleiben, denn der Dirigent hat sich später m.W. nicht mehr mit diesen Stücken beschäftigt. Klanglich sind sie, gemessen an den damaligen Möglichkeiten, gut gelungen, und wer Karajan einmal mit einem ungewöhnlichen Programm erleben will, dem kann man die CD durchaus empfehlen. Es gab die Aufnahmen bereits früher in einer 4 CD-Box, die aber zur Zeit vergriffen ist.


    LG Nemorino