mit 10 CD's zum Barock - Fan

  • Angeregt durch den Thread


    Barockmusik - nein danke (???)


    der nur zu deutlich zeigt, dass es hauptsächlich an Fehlurteilen, Vorurteilen und mangelnder Orientierung liegt, dass die wirkliche Barockmusik - also die Zeit 1600 - 1700 kaum beachtet und gekannt wird,
    kam mir die Idee, das alle "Barock Spezialisten" oder solche die sich dafür halten :D einfach mal 10 CD's posten die sie für representativ halten.
    Und bitte auch kurz vorstellen warum gerade diese CD nicht nur einfach Cover posten - sowas hilft niemanden.


    Das Ziel ist es mit 10 CD Titel (egal ob es jetzt eine Oper mit 3 CD's ist oder eine einzelne CD mit Instrumentalwerken handelt) ein Packet zusammen zustellen, damit jemand der keinen Plan hat, so einen guten Überblick über die Epoche bzw. die Barockmusik erhält, mal abseits von Bach, der natürlich auch genannt werden darf wenn's denn sein muss. :rolleyes:


    10 CD Titel sind ein Haufen Zeugs, aber immerhin geht es hier um gute 150 Jahre Musik :yes:



    ich bin gespannt


    :hello:

  • Eine sehr schöne Thread-Idee, die man auch für das andere Ende des Spektrums anregen kann.


    Ich kenne noch nicht genug um zehn Titel zu nennen. Einer aber, zu dem nicht zuletzt Du mich bekehrt hast, darf aus eigener Erfahrung mit dessen überwältigender und völlig unerwateter Wirkung auf keinen Fall in der Liste fehlen: Rameaus PLATÉE. Dabei würden mich auch die Ansichten der Kenner über die zu bevorzugende Aufnahme (möglichst mit Begründung) interessieren.


    :hello: Rideamus

  • Zitat

    Original von der Lullist
    Angeregt durch den Thread


    Barockmusik - nein danke (???)


    der nur zu deutlich zeigt, dass es hauptsächlich an Fehlurteilen, Vorurteilen und mangelnder Orientierung liegt, dass die wirkliche Barockmusik - also die Zeit 1600 - 1700 kaum beachtet und gekannt wird,


    Mit der Frage musst Du gerechnet haben:
    Beginnt nach 1700 die unwirkliche Barockmusik? :D
    Aber jetzt les ich erst mal den Nein-Danke-Faden.


    Zitat

    10 CD Titel sind ein Haufen Zeugs, aber immerhin geht es hier um gute 150 Jahre Musik :yes:


    Wat denn nu? 100 oder 150? :baeh01:


    [SIZE=7](und bitte mach das eine c wech, das Packet tut mir weh!)[/SIZE]

  • Zitat

    Original von der Lullist
    kam mir die Idee, das alle "Barock Spezialisten" oder solche die sich dafür halten :D einfach mal 10 CD's posten die sie für representativ halten.


    Also ich zähle zu denen, die sich nur dafür halten
    :D


    Ich lasse Bach, Händel und Vivaldi weg, die kennt eh jeder.


    Monteverdi: Orfeo
    Schütz: Musikalische Exequien
    Carissimi: Jephta & andere Oratorien
    Lully: eine Oper nach Wahl des Lullisten ...
    Buxtehude: Orgelmusik
    Corelli: Violinsonaten
    Purcell: Dido & Aeneas
    Telemann: Orchestersuiten
    Rameau: Cembalosuiten (mit "la poule", "les sauvages")
    D Scarlatti: Cembalosonaten


    macht:
    Gattungen:
    Oper (3), sonst. Vokalmusik (2), Cembalo (2), Orgel (1), Kammermusik (1), Orchestermusik (1)
    Schulen:
    Italien (4), Deutschland (3), Frankreich (2), England (1)


    auch zeitlich ganz gut verteilt.
    Dann zerreißt mal schön ...


    PS: Begründungen:
    Da die Oper womöglich "die" Gattung des Barock ist und auch am Beginn des Barock erfunden wurde, soll sie mehrfach vertreten sein: Orfeo als eine der ersten und besten Opern, Lully und Purcell vertreten ziemlich klar je als Hauptmeister den französischen Stil und die Oper auf der Insel. Schütz ist ähnlich unbestritten wie Monteverdi einer der bedeutendsten Komponisten der ersten Hälfte des 17. Jh. Jephta von Carissimi zeigt sehr deutlich den Schritt vom Früh- zum Hochbarock in seiner großen Klarheit der Musiksprache, der Schlusschor wurde noch von Händel abgeschrieben. Corelli faßt die bisherige Streichermusik zusammen und schafft beispielgebende Sammlungen, die bis zum Ende des Barock vorbildlich und schulbildend sind. Buxtehudes rhetorischer Stil ist besonders geeignet, das typisch Barocke in der Orgelmusik zu erfahren. Telemanns Orchestersuiten sind Glanzlichter des zwischen italienischer (Corelli) und französischer (Lully) Musik crossovernden deutschen Spätbarocks. Rameau und Scarlatti sind wichtige Gestalten auf dem Weg zur Vorklassik, wobei Rameaus Suiten sehr schön einerseits die klassische From der Suite, andererseits die typisch französische Folge von "Charakterstücken" präsentieren.


    uff.

  • Meine Zehn:


    Monteverdi:
    L’Orfeo
    Marienvesper
    Il ritorno d’Ulysse in Patria
    L’incoronazione di Poppea


    Purcell:
    Dido and Aeneas
    King Arthur
    The Fairy Queen
    Tedeum


    Corelli:
    12 Concerti grossi


    Telemann:
    Pimpinone


    10 CDs reichen hierfür zwar nicht, doch die Werke sind zu wertvoll, um zerpflückt zu werden.
    Eine Begründung für die Auswahl gerade dieser Werke fällt mir schwer. Sie sind mir entweder als besonders gute Aufführungen in Erinnerung oder ich verbinde sie mit mir nahestehenden Interpreten.
    :hello:

  • Wenn ich den Lullisten richtig verstanden habe, soll es hier weniger, jedenfalls nicht nur, um die beste Barockmusik gehen, sondern primär um solche Stücke, die z. B. Verdianer, Wagnerianer und andere, welche diese Musik (insonderheit die stets beliebten instrumentalen Ensembles von Albinoni, Bach, Corelli & Co bis Vivaldi), eher als angenehme Hintergrundmusik goutieren, ihen wirklichen Wert aber nicht wahrnehmen (wollen), zur Barockmusik zu "bekehren".


    Die ausgewählten Stücke sollten also m. E. besondere Qualitäten haben, welche die Liebhaber des klassisch-romantischen Repertoires da nicht erwartet hätten und überzeugen können.


    Daher mein Plädoyer für Rameaus PLATÉE, ein Werk, das nicht nur großartige Musik enthält, sondern als Komödie und Drama ungeheuer wirkungsvoll und effektsicher ist und sich hinter keinem seiner Nachfolger zu verstecken braucht.


    Ob das mit Monteverdi, den ich auch sehr schätze, ebenso gut funktioniert, wage ich nicht ohne Weiteres (wie etwa die DVD einer hochmotivierenden Aufführung) nicht zu behaupten. Generell würde ich bei solchen Empfehlungen das Angebot nan DVDs im Auge behalten, denn dieses hört mit und fördert gerade bei der leicht als "eintönig" empfundenen Barockmusik das Verständnis ungemein. Wer dann einmal angebissen hat, erweitert sein Soektrum ohnehin automatisch mit dem Gehör alleine.


    Also ein bisschen mehr Sinn für PR, liebe Barockfachleute. Vielleicht könnt Ihr Fachleute das in diesem Thread mit bedenken und - ggf. zusätzlich zu ihren Bestenlisten - noch eine sogenannte "Bekehrungsliste" mit Begründungen hinzu stellen. Ich werde jedenfalls vor allem solche mit größtem Interesse und Bekehrungswillen studieren.


    Danke


    :hello: Rideamus

  • Nun, lieber Lullist, 10 sind natürlich ein Haufen, insbesondere, wenn auch noch die Auswahl kommentiert werden soll...


    Versuchen wir’s dennoch mal! Bach, Händel, Telemann, Vivaldi bleiben bei mir draussen - da findet man sich ohnehin recht schnell zurecht (oder auch nicht :D )...


    1. Wie könnte es anders sein: Heinrich Ignaz Franz Biber: Rosenkranz-Sonaten


    Eine Sammlung von 15 Sonaten für Violine und Basso Continuo über die Geheimnisse des Rosenkranzes nebst einer abschließenden Passacaglia für Violine Solo. Ein Werk, aufgeladen mit der tiefen Religiösität des Barock, gespickt mit zahlenmystischen Verweisen – virtuos und zugleich kontemplativ und vor allem: wundervolle Musik. Ich empfehle natürlich die Interpretation von Alice Piérot:




    2. Alessandro Scarlatti: Griselda


    Was wäre die italienische Barockmusik ohne die neapolitanische Oper und was wäre die neapolitanische Oper ohne den großen Alessandro Scarlatti? Leider sind nicht gerade viele seiner Opern auf CD zu erhalten. Aber immerhin sein meisterhaftes Spätwerk »Griselda«: wundervoll charakteristische Musik, dramatisch, vorwärtstreibend, mitreißend – kongenial umgesetzt in René Jacobs' Interpretation:




    3. Alessandro Scarlatti: La Sanctissima Trinitia


    Nun – wo wir schon mal in Italien sind und bei Alessandro Scarlatti, darf natürlich das Oratorium nicht fehlen. Hier könnten jetzt so einige stehen, denn Scarlattis Oratorien sind hinreissend (und zudem erheblich besser auf Silberlingen dokumentiert als seine Opern). Ich schlage die allerheiligste Dreifaltigkeit vor: Nicht nur weil man hier Scarlatti at his best erleben kann, sondern auch weil das Libretto einfach genial barock ist – oder wo sonst findet ihr ein geistliches Drama, in dem »Glaube«, »Unglaube«, »Theologie« und »Die Göttliche Liebe« über Sinn und Unsinn der Trinität streiten und sich dabei ganz ordentlich anzicken?




    4. Georg Muffat: Apparatus Musico-Organisticus


    Jetzt bin ich in die Kirche gelaufen und schaue mich um: siehe da eine Orgel!! Das ist ja tatsächlich eine Domäne des Barock. Orgelkompositionen dürfen nicht fehlen – und es gibt ja nicht nur J.S. Bach. Ich empfehle daher Georg Muffats »Apparatus Musico-Organisticus«, eine Sammulng von zwölf großformatigen Toccaten nebst einigen weiteren Werken. IMO ein absoluter Höhepunkt der Süddeutschen Orgeltradition (im übrigen wird’s den Lullisten freuen, weil der gute Herr Muffat ja daselbst ein Lullist war). Zupackend interpretiert von Hans Christoph Becker-Foss:




    5. Jean-Baptist Lully: Thésée


    Das führt uns weiter nach Frankreich zum Lullisten Nr. 1, dem ÜberLussisten, dem »Erfinder« der lyrischen Tragödie. Hier empfehle ich den »Thésée«, weil diese Oper einfach alles hat, was französische Barockoper haben muß. Sie ist seeeehr repräsentativ – im höfischen und im übertragenen Sinne.




    6. Arcangelo Corelli: Concerti Grossi op. 6


    Nun, das Concerto grosse darf ja nun nicht fehlen. Eigentlich hätte ich Alessandro Scarlattis 6 Concerti grossi nennen wollen – IMO absolute Sternstunden barocker Instrumentalmusik – aber Alessandro kam ja nun schon zweimal vor und Corellis Concerti müssen sich durchaus nicht verstecken. Im Gegenteil: Sie sind so etwas wie der Initiationspunkt, die Begründung und zugleich die Erfüllung jenes Typus des hochbarocken Concerto grosso. Ich mag sehr gern die Einspielung mit The English Concert unter Trevor Pinnock:




    7. Claudio Monteverdi: Il ritorno d'Ulisse in patria


    Warum Monteverdi hier auftaucht braucht sicherlich keiner Begründung – eher vielleicht warum nicht »L’Orfeo« oder »L'incoronazione di Poppea« sondern der »Il ritorno d'Ulisse in patria«. Hm, ganz einfach: weil ich ihn am liebsten habe unter diesen drei Opern. Aber eigentlich gehören natürlich alle drei hierher. Die bei Brilliant recht günstig zu erstehende Einspielung unter Sergio Vartolo ist IMO auch in musikalischer Hinsicht brilliant.




    8. Reinhard Keiser: Croesus


    Nun wird’s aber opernlastig. Trotzdem: Nach der neapolitanischen, der Versailler und der Venezianischen Oper darf die Hamburger Oper doch auch nicht fehlen, oder? Keisers »Croesus« ist ein Meisterwerk! Herrlich instrumentiert; spritzige, dynamische Musik; ein witziges und gewitzt umgesetztes Libretto (keine komische Oper, aber eine mit komischer Nebenhandlung). Und wer hat’s wunderbar auf die Bühne und auf den Silberling gebracht? Wieder war‘s Herr Jacobs:




    9. Henry Purcell: Dido & Aeneas


    Ja, und in England gab‘s u.a. auch einen Komponisten – und was für einen!! Henry Purcell hat eine der schönsten und ergreifendsten Opern überhaupt geschrieben: »Dido & Aeneas«. Ein grandioses Libretto, wundervolle Arien (»Ah Belinda«, »When I’m laid in Earth«), pfeffrige Chöre. Und weil die Oper so schön kurz ist (nur knapp eine Stunde), ist sie vielleicht die geeignete Einstiegsdroge in die Welt der Barockmusik. Hier empfehle ich eine Nicht-HIPpe Aufnahme – weil Tatjana Troyanos IMO einfach Dido IST:




    10. - damit der Kreis sich schließt: H.I.F. Biber: Missa Salisburgensis


    Was soll ich sagen? Ein Monument! Wer nicht gläubig ist, der möchte es hier werden!! Welche Größe!! Welche Pracht!!! Eine Messe von gigantischem Ausmaß und gigantischem Aufwand! DAS IST BAROCK!!! Natürlich muß es hier die Aufnahmen mit Goebel/McCreesh sein:




    Da waren‘s zehne...


    Herzlichst,
    Medard

  • Ich bin weder ein Experte noch halte ich mich für einen solchen, daher ist die Liste gnadenlos von persönlichen Vorlieben geprägt, ich bin noch immer kein Freund franz. Barockmusik, würde also auch nie versuchen, jemand damit für die Epoche zu begeistern. Ebenso halte ich eine komplette lange Opera Seria für keinen erfolgversprechenden Einstieg.
    Daher enthält die Liste eigentlich deutlich zu viel Instrumentalmusik.


    Für ausgesprochene Opernfans böte sich ein Recital mit Händelschen Opernarien an. Dafür würde ich dann Biber, Couperin oder Scarlatti rauswerfen.


    Monteverdi: Marienvesper oder L'Orfeo je nach Vorlieben des Interessenten
    Hier besteht m.E. nicht die Gefahr, dass die Musik für belanglos gehalten wird. Vielleicht etwas befremdlich, aber gewiß auch beeindruckend.


    Purcell: Dido & Aeneas
    Wen dieses Werk nicht bewegt, dem ist nicht zu helfen... soll er halt bei Rossini oder Puccini bleiben... :rolleyes:


    Biber: Battaglia & Sonata rappresentativa (Tierstimmen)
    Für Richard-Strauss-Hörer :D


    Couperin: Cembalostücke
    Für Freunde prägnanter, kurzer Musikstücke


    Corelli: Violinsonaten, inkl. "La Follia-Variationen
    typische und einflußreiche Stücke, eingängig und virtuos


    Telemann: Tafelmusik (eine CD mit Auszügen daraus reicht auch)
    das ist eher Unterhaltungsmusik, aber farbig und zugänglich, weniger abgenudelt als die vier Jahreszeiten


    JS Bach: eine CD mit Orgelwerken
    Für die Gruselfilmfreunde ;)


    JS Bach: Matthäuspassion
    Händel: Messiah


    s. Anm. unter Purcell


    D. Scarlatti: eine CD mit Cembalosonaten


    Für die Chopin- und Liszt-Freunde


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)


  • Ich glaube nicht, dass es Sinn macht, die Kunst einer bestimmten Epoche anhand von Kriterien, die einer anderen Epoche entlehnt werden, auszusuchen um auf Adressaten einzugehen, die man ohnehin nie über einen Kamm scheren kann.
    :hello:

  • Servus,


    ich gehe wie KSM mal davon aus, dass Messias, h-Moll Messe, Quattro stagioni und dergleichen wohl die meisten kennen und lasse das aus diesem Grund weg. Außerdem mach ich´s mal ein wenig konkreter als meine Vorschreiber und benenne konkrete Aufnahmen, denn wer es mit schlechten Aufnahmen versucht, wird sicher nicht zum Barockfan, egal wie gut die Werke selbst sind.




    Claudio Monteverdi: L'Orfeo


    Abete, Kiehr, Banditelli, Torres, Fernandez,
    Coro Antonio il Verso, Elyma Ensemble,
    Gabriel Garrido



    Die Oper, die allgemein als Beginn des Genres gilt, darf nicht fehlen. Sie ist eines der großartigsten Stücke Musik überhaupt. Und Garridos Aufnahme ist meines Erachtens die beste. Mächtig und klangschön, mit einem Orfeo, der Steine zum Erweichen bringt.




    Georg Philipp Telemann: Orchesterwerke
    Völker-Ouvertüre in B; Ouvertüre "La Bizarre" in G; Suite TW 55:D18; Violinkonzert TWV 51:A2


    Midori Seiler, Violine,
    Akademie für Alte Musik Berlin


    Telemann at his best! Auf der CD ist fast alles drin, was ich an Telemann schätze: sein Humor, farbige Instrumentierung, tolle Klangeffekte, die schier grenzenlose Erfindungsgabe von ihm. All das wir von der AkaMuS schwungvoll und mitreißen dargeboten.




    Henry Purcell Cäcilienoden: Hail! Bright Cecilia! & Welcome to All the Pleasures


    Collegium Vocale,
    Philippe Herreweghe



    Purcell als DER englische Vertreter darf natürlich nicht fehlen. Ich habe seine beiden Cäcilienoden ausgewählt, weil zumindest die eine davon immer mal wieder zu hören ist und deswegen etwas bekannter sein dürfte.




    Jean Philippe Rameau: Les Indes Galantes


    McFadden, Piau, Poulenard, Rime, Ruggeri, Crook,
    Les Arts Florissants,
    William Christie


    Spätbarocke Oper aus Frankreich, die alles zu bieten hat, sogar einen Vulkanausbruch. Vorbildlich eingespielt von William Christie und seinen Mitstreitern.




    Jean-Baptiste Lully: L'Orchestre de Roi Soleil
    3 Opernsuiten aus Le Bourgeois Gentilhomme; Le Divertissement Royal; Alceste


    Le Concert des Nations,
    Jordi Savall



    Nochmal Frankreich, diesmal aber ein paar Jahre älter. Musik für den königsten König aller Könige :D wahrhaft königlich gespielt von Jordi Savall. Wer hier nicht leidenschaftlicher Lullist wird, der wird´s nimmermehr.



    Fortsetzung folgt...

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Zitat

    Original von Kurzstueckmeister


    Ich glaube nicht, dass es Sinn macht, die Kunst einer bestimmten Epoche anhand von Kriterien, die einer anderen Epoche entlehnt werden, auszusuchen um auf Adressaten einzugehen, die man ohnehin nie über einen Kamm scheren kann.
    :hello:


    Wenn Du mich so missverstanden hast, hättest Du Recht. Mir geht es aber um etwas anderes. Bekanntlich gibt es immer wieder die Erfahrung, dass man plötzlich etwas ganz Neues für sich entdeckt, das man bisher für langweilig oder unzugänglich gehalten hat. Ich selbst empfinde barocke Seria-Opern, egal von woher, meist als langweilig, weil eintönig. Deshalb höre ich auch nie richtig hin, wenn überhaupt.


    Ich weiß aber, dass mir dabei im Detail viel entgeht, um das es schade ist. Ich spreche hier bewusst von dem normalen Musikliebhaber ohne Studium und Aufführungspraxis, wie ich selbst einer bin. Deshalb fällt es mir leichter, wenn mir jemand erklärt, warum Berlioz so viel von Gluck hielt (nur ein Beispiel, denn da weiß ich's) als die nächste Hitliste des Best of Baroque mit überirdischer Kastratenakrobati bzw. deren heutiger Adaption vorgehalten zu bekommen.


    Die haben sicher auch ihren Reiz, helfen mir aber wenig und verlocken bestimmt nicht dazu, sich mal eingehender mit den bestimmt klugen Texten in den neuen Foren für alte Musik zu beschäftigen, weil ich fast nichts von dem kenne, wovon dort die Rede ist.


    Nachtrag: ich sehe gerade, dass Klawirr und Salisbugensis parallel zu diesem Eintrag meine Wünsche sehr reizvoll illustriert haben. Mehr davon, bitte.


    R

  • Zitat

    Original von Rideamus
    Ich selbst empfinde barocke Seria-Opern, egal von woher, meist als langweilig, weil eintönig. Deshalb höre ich auch nie richtig hin, wenn überhaupt.


    Einer meiner ersten Barock-Lieblinge war Dido und Aeneas und ist es bis heute. Viel abwechslungsreicher als Oper des 19. Jahrhunderts und auch kürzer ...
    :hello:

  • Zitat

    Original von Rideamus
    Nachtrag: ich sehe gerade, dass Klawirr und Salisbugensis parallel zu diesem Eintrag meine Wünsche sehr reizvoll illustriert haben. Mehr davon, bitte.


    JR und ich haben unsere Listen nachträglich kommentiert - wirf nochmal einen Blick drauf ...
    :hello:

  • Zitat

    Original von Kurzstueckmeister
    Einer meiner ersten Barock-Lieblinge war Dido und Aeneas und ist es bis heute. Viel abwechslungsreicher als Oper des 19. Jahrhunderts und auch kürzer ...
    :hello:


    Die mag ich auch, seit ich die Aufnahme unter Colin Davis mit Joseqphine Veasey erstanden hatte - sozuisagen als Komplimentärstück zu den "anderen" Trojanern. Heute bevorzuge ich Susan Graham und Ian Bostridge unter Emmanuelle Haim.


    Selbst da aber muss ich gestehen: zum Glück ist sie so kurz, denn gerade das Argument des "Abwechslungsreicheren" kann mein ungeschultes Ohr nur mit großer Konzentration nachvollziehen. Demgegenüber empfinde ich die fünf mal so langen Berlioz-Trojaner keineswegs als länger. Natürlich weiß ich, aus welchen historischen Gegebenheiten heraus das so ist und kaum anders sein kann, und ich plädiere auch keinesfalls für aufgemotzte Einspielungen, die das jeweilige Stück vergewaltigen um dem modernen Ohr besser zu gefallen. Wie vergänglich das ist, sieht man an dem frühen Harnoncourt.


    Aber es gibt Werke, die dem anders geschulten Ohr genug zu bieten haben, und der Appetit kommt bekanntlich beim Essen. Deshalb würde ich gerne vor allem von solchen erfahren.


    R.d

  • Zitat

    Original von Rideamus
    Aber es gibt Werke, die dem anders geschulten Ohr genug zu bieten haben, und der Appetit kommt bekanntlich beim Essen. Deshalb würde ich gerne vor allem von solchen erfahren.


    Und warum glaubst Du, dass das nicht die brühmtesten Werke der berühmtesten Komponisten sein sollen sondern irgendwelche Geheimtipps von Raritätenjägern?
    ?(

  • Mit solchen Listen habe ich immer meine Probleme. Soll ich nun mein nicht vorhandenes pädagogisches Geschick bemühen? Oder meine zehn Lieblinge präsentieren? Repräsentatives auswählen? Musikgeschichtliche Marksteine? Gattungsspezifisch? Eine CD pro Instrument?


    Wenn ich jemanden bekehren sollen müsste (ich bin missionarisch unbegabt :D), würde ich ihn wohl zuerst nach seinen Vorlieben und Abneigungen befragen. Denn was soll ich jemandem mit Vivaldi kommen, wenn er seit frühester Kindheit ein Geigentrauma hat? Oder einem Liebhaber der kleinen Form mit der Matthäuspassion Hämorrhoiden bescheren?


    Trotzdem werde ich mir natürlich verschärft Gedanken machen, denn Rideamus hat ja schon spezielle Wünsche geäußert und bietet sich damit als erstes Opfer an. :D

  • Zitat

    Original von Kurzstueckmeister


    Einer meiner ersten Barock-Lieblinge war Dido und Aeneas und ist es bis heute. Viel abwechslungsreicher als Oper des 19. Jahrhunderts und auch kürzer ...


    Dito. Da muß man jedoch einräumen, dass Dido&Aeneas :jubel: :jubel: :jubel: in zweifacher zentraler Hinsicht untypisch ist, nämlich a) kurz und b) kein Kastraten- und Primadonnenwettstreit.
    L'Orfeo ist natürlich auch wieder ganz anders, aber die Opere serie von ca. 1650-1750 sind normalerweise sehr lang und sehr auf virtuosen Gesang fixiert
    Ich weiß allerdings nicht genau, warum jemand, der an entsprechend sängerzentrierte (also fast alle italienischen) Opern des 19. Jhds. gewöhnt ist, damit unbedingt solche Probleme haben sollte...


    Wie auch immer, ich sehe zwar Rideamus' Punkt, aber solche Wünsche gehen etwas in die Richtung "Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht naß". Das ist zu einem so ähnlich wie wenn man jemandem, der sich Musik des 20. Jhds. die er schwierig findet, nähern möchte, Orffs Carmina Burana und Gershwins Rhapsody in Blue empfiehlt :D
    Zum andern ist für den mit Barock einigermaßen vertrauten, nicht immer ganz einfach nachzuvollziehen, was genau demjenigen, der kaum Barock kennt, gefallen sollte. Ich kann ja anhand von Vivaldi-Konzerten nachvollziehen, dass das jemand als "Gedudel" empfindet, aber bei L'Orfeo oder der Matthäuspassion? Solche Dinge sind sehr von der Person abhängig, da muß man Empfehlungen dann entsprechend modifizieren.


    Letztlich kann man aber natürlich nicht erwarten, dass Monteverdi ähnlich wie Wagner klingt, Couperin wie Brahms oder Purcell wie Beethoven. Die sind einfach stilistisch viel weiter voneinander entfernt als Gluck und sein "Enkel" Berlioz. (Ich habe mal in einem Geschäft ein Stück aus Glucks Iphigenie en Tauride gehört, wußte nicht was es war. Ich vermutete Cherubini oder etwas anderes "zwischen Gluck und Berlioz". Es war aber der alte Ritter Gluck ganz allein.)


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Zitat

    Original von Kurzstueckmeister


    Und warum glaubst Du, dass das nicht die brühmtesten Werke der berühmtesten Komponisten sein sollen sondern irgendwelche Geheimtipps von Raritätenjägern?
    ?(


    Ich glaube das nicht unbedingt, sondern gebe nur meine eigene Erfahrung wieder, denn natürlich habe ich bislang vorwiegend die berühmtesten Stücke der berühmtesten Komponisten gehört, was den geschilderten Effekt ergab. Die nicht selbstverständliche Aussage unterstellt, dass die berühmtesten auch die besten sind, frage ich mich natürlich, ob es am Charakter der Musik liegt. Seither wurde ich anhand von Einzelstücken eines Besseren belehrt. Zugegeben, der Weg mag für Puristen erschröcklich sein, aber er führt, zumindest manchmal, erwiesenermaßen zum Ziel.


    Ich jedenfalls finde er erschreckender, wenn BBB sich beklagen muss, dass er nicht gelesen wird, weil "seine" Musik nur eine Minderheit interessiert. Da die Spezialisten selbst am besten wissen, dass es nicht an der Musik liegen kann, muss es andere Gründe dafür geben.


    Natürlich habe ich auch kein Problem damit, wenn ein bestimmter Kreis lieber unter sich bleiben will und sich die Unterlegenheit derer bedauert, die nicht offenen Ohres sind. Dann dürfen sie sich aber nicht wundern, wenn ihr Repertoire auch in der Zahl und Vielfalt der Einspielungen begrenzt bleibt.


    @ Hildebrandt: da ich nicht missioniert, sondern lieber überzeugt werden will, stelle ich mich gerne als Versuchskaninchen zur Verfügung. Meine Vorlieben könnten ja langsam bekannt sein. In der Instrumentation liegen die Probleme sicher nicht. Den Film und Soundtrack zu Molière kenne ich in der Tat, ebenso FARINELLI und LE ROI DANSE. Deinen Beobachtungen dazu im Folgenden gebe ich deshalb zu 100% Recht. Aber es bleiben eben Schnipsel und deshalb sind Kompilationsbeispiele letztlich nur auf Dauer etwas unbefriedigende Appetithappen.


    @ GiselherHH: danke für den Tipp. Die DVD steht ganz weit oben auf meiner Wunschliste.

  • Hallo Rideamus,


    da Du Rameaus "Platée" ja schon erwähnt hast, folgende DVD-Empfehlung:



    Ich habe diese Inszenierung vor ein paar Jahren auf arte gesehen und konnte mich gar nicht vom Bildschirm lösen. Selten habe ich eine so quicklebendige, intelligente und unterhaltsame Inszenierung einer Barockoper gesehen, dazu noch hervorragend musiziert und gesungen. Kaufbefehl, auch wenn die DVD etwas teuer ist.


    :hello:


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Übrigens würde ich Rideamus den Soundtrack zu Mnouchkines "Molière" empfehlen.
    (Den müsste er aber eigentlich kennen. :D )



    Das soll kein Witz sein, mit solchen Verbindungen von gut Anzuschauendem und einer adäquaten Akustik kommt man manchmal weiter, als man denkt. Außerdem kann man an den bevorzugten Appetithäppchen erkennen, wie es am besten weitergehen könnte.

  • Zitat

    Original von Rideamus
    Ich glaube das nicht unbedingt, sondern gebe nur meine eigene Erfahrung wieder, denn natürlich habe ich bislang vorwiegend die berühmtesten Stücke der berühmtesten Komponisten gehört, was den geschilderten Effekt ergab. Die nicht selbstverständliche Aussage unterstellt, dass die berühmtesten auch die besten sind, frage ich mich natürlich, ob es am Charakter der Musik liegt. Seither wurde ich anhand von Einzelstücken eines Besseren belehrt. Zugegeben, der Weg mag für Puristen erschröcklich sein, aber er führt, zumindest manchmal, erwiesenermaßen zum Ziel.


    Das stimmt natürlich. Ich habe auch oft über weniger bedeutende und weniger bekannte Komponisten zu den größeren gefunden. Dabei hat mich erst eher der Zufall geleitet, dann habe ich aktiv begonnen, die musikgeschichtlich als besonders relevant Angesehenen mir konsequenter "anzutun", was in aller Regel zum Schluss führt, dass diese dann auch "rein emotional" auf die Dauer mehr "hergeben".


    Was soll man aber dann empfehlen? Was einen zuerst mehr angesprochen hat, bevor man gemerkt hat, was diese von anderen übernommen haben, und dass ihre persönlichen Versionen der Musiksprache wenn man besser eingehört ist an Reiz verlieren, da z.B. die Anlage im Großen (die zuerst weniger auffällt, wenn man noch von jedem Einzelelement überrascht ist) die Ausgeglichenheit der Großen vermissen lässt?


    Da ich eher von den Raritäten zu den Meilensteinen gewandert bin, beneide ich die, die nicht noch so große Lücken bei den großen Meistern haben wie ich, drum empfehle ich immer die großen Meister. (Dabei meine ich immer die "bedeutenden" oder "wichtigen" und weniger die "viel gespielten", wenn ich "berühmt" schreibe.)
    :hello:

  • Da beginne ich am besten mit Heinrich Schütz und seinen groß besetzten
    "Psalmen Davids", das gleich die auftrumpfende und repräsentierende Tendenz jener Epoche so schön zum tragen bringt:
    Meine Lieblingsaufnahme der Psalmen ist derzeit jene:



    Noch zu Lebzeiten von Heinrich Schütz konzipiert und italienische wie französische Stilelemente zur persönlichen Handschrift verschmelzend sind die Motetten des Marc-Antoine Charpentier, diese Scheibe unter Gester, die auch das berüchtige "Te Deum" enthält, bleibt dem großen Meister nichts schuldig:




    Gäbe es einen Preis für die vollkommene Tonschöpfung schlechthin, ginge dieser glatt an Arcangelo Corelli und seine "Concerti Grossi"
    Unübertroffen hier nach über 20 Jahren immer noch Trevor Pinnock und "The English Concert":



    Es hat sich wohl schon herumgesprochen, daß ich als "bekennender Kirchemusiker" kein Freund der Oper bin, aber bei Henry Purcell und seiner "Semi-Opera" "The Fairy Queen" mache ich gerne eine Ausnahme: Schöner und hinreissender get es nicht.


    Ein untrügliches Gespür für die wandelbaren Formen der Orchester-Suite hatte der Österreicher Johann Joseph Fux, auch wenn davon auf dem Plattenmarkt und in Konzerten kaum etwas erfahrbar wird: Reinhören und lauschen. Diese Musik kann süchtig machen !



    Eine Generation älter als Fux war Dieterich Buxtehude (1637-1707)
    dessen Stärke eher die verinnerlicht, kontemplative Seite des Barock, wie sie im
    Pietismus zum tragen kam, war. Diese Scheibe bietet davon klangschöne Beispiele:



    Vorbild für den jungen Purcell war der früh zu Tode gekommene Allessandro Stradella, der den Engländer besonders bei seiner Behandlung des Basses stark beeinflusst hat. Sein grossartiges Oratorium "San Giovanni Battista" sollte man kennen:



    Eine Besonderheit des Barock war der "Stylus Phantasitcus" der in den Orgelwerken Buxtehudes und seines Schülers Nikolaus Bruhns seine stärkste Ausprägung erfuhr. Ohne Kenntnis dieser Werke wäre das Bild des musikalischen Barock unvollständig:



    Die Rosenkranz-Sonaten von Biber zählen für mich zum unverzichtbaren, festen Bestand meiner barocken Diskothek:


    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Rébel: Les Elements
    (beginnt mit clusterähnlichen Akkorden zur Illustration des Chaos)
    Biber: Battaglia
    (unkoordiniertes Durcheinander als Kampfszene)
    Blow: Venus und Adonis
    (Blows Grobheiten in der Harmonik trugen ihm noch lange Schelte ein)
    Royer: Cembalowerke
    (er moduliert durch die Gegend, dass man nie weiß wo man ist)
    Uccellini: Violinsonaten
    (die Freude an der erweiterten Virtuosität und Verzierungstechnik führt zu diversen Überraschungen)
    Grandi: geistliche Musik
    (Gesualdos Kühnheiten der Akkordfortschreitung in einen Monteverdi-ähnlichen Barockstil integriert)
    Concerti von Zelenka, Heinichen und Durante aus der Zeit, in der man sich bemühte, es anders zu machen als die "Klassiker" Corelli & Co


    :rolleyes:


  • Schön, dass Du Dir die Arbeit gemacht hast und ich bloß noch unterschreiben muss. :D
    Man muss dem Probanden aber auch sagen, dass nach dem Omelette surprise auch irgendwann die Kartoffelsuppe auf den Tisch kommt.


    Aber ein Überraschungsei will ich doch noch beisteuern, weil es nämlich unverhofft schon mehrmals genau die Funktion erfüllt hat, nach der hier gefragt ist. Außerdem kam Gezupftes noch nicht vor:



    Kapsberger oder die Erfindung des Groove im frühen 17. Jahrhundert. :D
    Wessen Fußspitzen da nicht mitwippen, der ist taub.
    Und eine Klangorgie machen die sechs Wahnsinnigen mit den vielen Lauten, Theorben, Guitarren + Orgel, Cembalo, Violon und Percussion auch noch daraus.

  • So mein Packet ist nun vorstellungsreif.
    Und ich dachte mir schon dass sich alle Titel auch bei meinen Unverzichtbaren wiederfinden.
    Allerdings habe ich mir verkniffen gleich nur komplette Werke aufzufahren, da ich immer im Hinterkopf habe, das diese Liste für absolute Neulinge auf dem Gebiet gemacht werden soll.
    Allerdings setze ich hier mal voraus, das man Händels Orchesterwerke, den Messias, Bachs Werke und die Concerti von Vivaldi und Corelli kennt.


    Mir geht es dabei auch um spezielle Aufnahmen – denn es ist niemanden geholfen einfach Monteverdis Orfeo zu nennen, da es einfach zu viele Aufnahmen gibt.
    Ich habe mich außerdem dazu entschlossen, auf geistliche Musik weites gehend ganz zu verzichten – ich denke den meisten steht die Instrumentalmusik und die Oper einfach näher – deshalb nur eine CD, auch wenn’s schwer fällt mit Kirchenmusik....


    Hier als die 10 CD Titel:



    Festa Teatrale
    Theatermusiken aus Venedig und Florenz um 1600
    Balthasar Neumann Ensemble / Hengelbrock



    Es gibt wohl kaum eine andere Aufnahme mit der man, die Theater und Opernmusik des beginnend Barock besser kennen lernen könnte. Es gibt witzige Balletti, herzzerreißende Lamenti, Instrumentalstücke und das alles in wunderbar farbiger Interpretation.
    Komponisten wie Monteverdi, Rossi, Merula, Legrenzi, Vecchi u.a. zeigen sich hier von ihrer Besten Seite und machen garantiert Lust auf mehr.




    Music for San Marco in Venice
    Balthasar Neumann Ensemble / Hengelbrock



    Eine weitere CD mit italienischer Musik um 1600, diesmal aber geistliche. Welche Pracht am Markusdom herrschte kann man an dieser Einspielung leicht ermessen.
    Neben den Chorwerken mit Instrumentalbegleitung gibt es auch reine Instrumentalstücke.
    Die Komponisten die hier im Mittelpunkt stehen sind natürlich Claudio Monteverdi und Giovanni Gabrieli, die zentralen Figuren im Musikleben dieser Zeit.
    Die Stücke wurden mit Liebe ausgewählt und sind einfach repräsentativ für diese Art von Musik.



    Johann Heinrich Schmelzer: La Margarita – Sonaten und Balletti
    Armonico Tributo Austria / Duftschmid



    Eine der besten Aufnahmen mit Hochbarocker Orchestermusik die jemals gemacht wurden. Leider ist die Cd nur mit Mühe zu bekommen – aber es lohnt sich.
    Wer das Ensemble kennt, kann eventuell schon ahnen was ihn erwartet.
    Vorgestellt wird neben den festlichen teils großbesetzten Sonaten im italienischen / venezianischen Stil, Balletti für den kaiserlichen Hof.
    Das prächtigste ist natürlich das „Balletto a Cavallo“ in gekürzter Form, das Schmelzer für die Pomp Oper „Il Pomo d’Oro“ von Cesti schrieb, dem größten Theaterspektakel der Geschichte.
    Diese Cd ist ein absolutes Muss !!!!








    Jean Baptiste Lully: Un Voyage au Coeur des Operas de Lully
    Les Pages, les Chantres & les Symphonistes du Centre de Musique Baroque
    de Versailles, Musica Florea, Schneebeli


    Ich verkneife mir eine komplette Oper von Lully hier vorzustellen, da eben Werke von solchen Ausmaßen, für den Einstieg vielleicht zu heftig sind.
    Diese CD bietet dafür die großen Highlights seines Opernschaffens und ich denke man kann dadurch einen guten Einblick in seine Musik erhalten – danach kann man sich immer noch mit vollständigen Werken eindecken, wenn man Blut geleckt hat :D




    Locke : Psyche, an English Opera
    The New London Consort / Pickett


    Nein bei mir gibts kein Purcell, und schon gar nicht “Dido & Aeneas” dafür ein Werk, von einem englischen Komponisten den ich für besonders genial halte.
    Diese kurze Oper ist viel farbiger und abwechslungsreicher als das oft zitierte Werk.
    Aber auch viel älter (1677)
    Ich denke diese Oper ist ein hervorragendes Beispiel für die englische Musik der Restorationsepoche – einfach nur hinreißend.




    Les Grands Eaux Musicales
    Le Concert des Nations / Savall


    Diese CD besitze ich gar nicht 8o – dafür aber alle anderen aus denen diese CD zusammengebastelt wurde :D
    So finden sich hier prächtige Orchesterwerke von Lully, Dumanoir, Marais u.a. sowie Kammermusik von Couperin, Sainte Colombe und Marais – also eine wunderbare Einführung in die Musik am frz. Hof zur Zeit Louis XIII und Louis XIV.




    Concerti per l’Orchestra di Dresda
    Musica Antiqua Köln / Goebel



    Diese Cd habe ich ausgesucht, da hier einfach tolle italienische Konzerte für die Dresdner Hofkapelle versammelt wurden.
    Kompositionen von Heinichen, Veracini, Dieupart, Fasch und Pisendel werden hier in einer ziemlich feurigen Interpretation dargeboten.
    Einfach ein großartiges Beispiel für die Orchesterkultur im Spätbarock.



    Ouvertüren für die Hamburger Oper
    Akademie für Alte Musik Berlin


    Lange habe ich überlegt ob ich eine CD von Telemann oder einem anderen „Suitenschreiber“ hier vorstellen sollte – dann viel mir diese CD in die Hände – perfekt!
    Es handelt sich hierbei um Orchestersuiten von teils völlig unbekannten Meistern, die aber wirklich hervorragende Werke abgeliefert haben – die Interpretation der Akademie für alte Musik Berlin tut ihr übriges um die CD zu einem unvergesslichen Erlebnis werden zu lassen.
    Eine besser CD mit typisch barocken Orchestersuiten kann ich mir im Moment nicht denken.



    Händel: Rinaldo, Drama per Musica – London 1711
    Freiburger Barockorchester / Jacobs (3 CD's)


    Ja und doch ein komplettes Werk – denn ich bin der Meinung, dass man diese Einspielung, diese Oper getrost im Ganzen nennen kann.
    Es ist nicht nur die fantastischste Oper Händels, vielleicht auch seine schönste – aber Jacobs brennt hier einfach ein Feuerwerk ab, das man in dieser Form so schnell nicht wieder hören wird.
    Eine wirkliche Zauberoper, die als Einstieg in die Welt der Barockoper bestimmt keine schlechte Wahl ist und garantiert begeistert.




    Rameau: Une Symphonie imaginaire
    Les Musiciens du Louvre / Minkowski



    Minkowski hat ein Programm mit Instrumentalstücken aus Rameaus Opern zusammengestellt.
    Und hier wird auch gleich die größte Stärke Rameaus vorgeführt – die Orchesterbehandlung.
    Auch wenn es nur Auszüge sind, so zeigen sie doch schon die große Vielfalt und die Schönheit seiner Musik.
    Mit Sicherheit wird diese CD Lust auf Mehr machen.



    Wie eigentlich all diese CD’s – und sie werden demjenigen der sich drauf einlässt, vielleicht eine ganz neue Welt eröffnen – abseits von Bach, Albinoni und Vivaldi.

  • Und nun die andere Hälfte meiner 10:




    Sebastian Knüpfer Geistliche Werke


    Hamilton, Sampson, Bowman, Blaze, Ch. Daniels,
    King's Consort,
    Robert King



    Diese Aufnahme habe ich ausgewählt, weil klar werden soll, dass Big B nicht vom Himmel gefallen ist und es vor ihm schon Thomaskantoren gab, die hervorragende Musik hinterlassen haben. Leider ist dieser wertvolle Acker noch immer nicht in der Weise bestellt, wie es ihm gebührt.




    Alessandro Scarlatti Sedecia, Re di Gerusalemme


    Lesne, Jaroussky, Pochon, Padmore,
    Il Seminario Musicale,
    Gérard Lesne


    Dieses Werk ist der Beweis (zumindest für mich), dass italienische Oper/Oratorium nicht unbedingt eine langweilige und etliche Stunden dauernde Aneinanderreihung von Rezitativ & Arie sein muss, in der es lediglich um ein Wettsingen der Primadonnen geht.




    Stefano Landi: Arien & Villanellen "Homo fugit velunt umbra"


    Zomer, Dyck, Buet, Beasley
    L'Arpeggiata,
    Christina Pluhar


    Noch so eine Scheibe, bei der es schwer fällt still zu halten. Einzigartig die Stimme von Marco Beasley, höchst charakteristisch im Klang und zu unglaublichem Ausdruck fähig.





    Nicolaus Bruhns : Deutsche Kantaten


    Cantus Cölln
    Konrad Junghänel


    Kostbarkeiten aus Norddeutschland. Tendenziell ist diese Musik etwas melancholisch, es geht ziemlich oft um Vergänglichkeit und Tod. Mit welcher Innigkeit und Emotionalität das aber in Musik gebracht ist, das macht staunen.





    Johann David Heinichen: Dresden Concerti


    Musica Antiqua Köln,
    Reinhard Goebel


    Wirklich starke Orchestermusik für den Starken August. Pompös, prachtvoll, aber auch lebendig, unterhaltend und mitreißend.




    herzliche Grüße,
    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • so ich habe nochmal etwas gestochert - denn die Schmelzer CD ist einfach Gold wert. Und man kann sie zu einem normalen Preis bei Duftschmid selbst ordern:


    http://www.armonicotributo.com…=105&nr=&verlauf=overview


    sogar mit Hörproben !


    der erste Track ist ein Auszug aus dem prächtigen Balletto a Cavallo, die zwei anderen sind kurze Balletti.
    Schade, dass keine der Sonaten zu hören ist, aber ich denke das genügt auch so.


    Wer da nicht schwach wird, dem ist nicht zu helfen :D

  • Komisch, ich dachte im Lauf der Zeit würde ich an meiner Liste nochmal was abändern, aber die halte ich immer noch für gut
    (und damit ist mir das verdächtig :D )


    Zwar ist es schon ein wenig schmerzhaft, Musik für Solinstrumente und die geistliche Musik beiseite zu lassen, aber ich mache immer wieder die Erfahrung, dass diese beiden Gattungen der Barockmusik auf ungewohnte Ohren, erstmal abstoßend wirken.


    ... wäre vielleicht mal ein neues Thema wert, warum das wohl so ist.




    Aber in jedem Fall sind hier schon sehr tolle Empfehlungen zusammen gekommen, ich hoffe das wird noch etwas mehr :)