Ingrid Haebler - Mozart mit dem Silberstift

  • Wie die Zeit vergeht - wie die Mode sich ändert.


    Heute kaum mehr bekannt - Haeblers 80. Geburtstag 2006 blieb weitgehend unbeachtet (oder sollte ich was übersehen haben ?), war sie in den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts eine bekannte und geschätzte Mozartinterpretin. Man kann sagen sie war vor Brendel DER Mozart- Klavierstar des Labels Philips


    Sie interpretierte ihn leicht und perlend, wie mit dem Silberstift, das Cembalo am Klavier quasi nachempfindend.
    Ihr Partner bei Mozarts Violinsonaten war Henryk Szeryng, aber sie musikzierte auch mit Eduard Melkus


    Zum Kennenlernen für die Jungen gibts die unten abgebildete CD zum Schnäppchenpreis....



    mfg aus Wien


    Alfred

  • Lieber Alfred,


    Ingrid Haebler war für mich lange Zeit das Synonym für Mozart-Spiel. Merkwürdigerweise habe ich auch nicht registriert, ob sie für die Schallplatte anderes als Mozart eingespielt hat. Generationsbedingt wäre für mich der Gegenspieler zu Ingrid Haebler nicht Alfred Brendel (ohnehin nicht mein Liebling), sondern Geza Anda.


    Der Vergleich mit dem Silberstift hat ausgesprochen viel Charme: In Zeiten von HIP wird man solch feinen Mozart nicht so schnell hören. Auch Barenboim klingt neben Haebler und Anda plump in seiner GA der KK von Mozart.


    Aber die Frage drängt sich jetzt in diesem Zusammenhang schon auf: was hat Ingrid Haebler jenseits von Mozart für die Schallplatte aufgenommen? Sollte man ihr gar einen Mozart-unabhängigen Thread widmen?


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Zitat

    Original von Santoliquido
    Merkwürdigerweise habe ich auch nicht registriert, ob sie für die Schallplatte anderes als Mozart eingespielt hat.


    Lieber Thomas,


    Ingrid Haebler hat bei Philips drei LPs eingespielt mit Opus 7 und 13 (hoffentlich habe ich das gut behalten) von J.Chr. Bach. Sie spielt da Hammerklavier und wird begleitet von Eduard Melkus' Capella Academica.


    Und die integrale Aufnahme von Mozarts KK, die je auch durch ihr bei Philips auf LP eingespielt war: 1997 erschien bei Philips die CD-Box dieser sämtlichen Klavierkonzerte. Vielleicht ist diese Box (10 CDs) noch bei Marktplatz zu bekommen.



    Die CDs mit Violinsonaten, die sie zusammen mit Henryk Szeryng aufnahm, sind noch immer bei einem Werbepartner zu finden.



    Für mich bleibt sie eine große Mozartinterpretin. :jubel: :jubel: :jubel:


    LG, Paul


  • Hallo,


    das Repertoire von Ingrid Haebler war schon noch weiter als "nur" Mozart. Es gibt Aufnahmen mit Musik von Haydn, Schubert, Schumann und - wenn ich mich richtig erinnere - Beethoven.


    Übrigens nahm sie nicht nur für Philips auf (wie hier vorhin anklang), sondern vorher für VOX und später für DENON.


    Freundliche Grüße


    Heinz

  • Haebler war ein früher Versuch von sogenanntem HIP - nämlich mit modernem Instument den mutmaßlichen Klang der entstehungszeit nachzuempfinden, bezw ihm nahezukommen.


    Insofern ist ihr das bei Mozart auch gelungen, da sie den "herben männlichen, dunklen" Mozart vermied und das Klavier cembaloartig einsetzte - natürlich immer wissend, daß es kein Cembalo war.
    Ich erinnere mich aber, daß sie auch Aufnahmen auf dem Hammerklavier vorlegte - und soeben habe ich die Vinyls gefunden....


    In meinem Besitz befinden sich auf Vinyl die Klavierkonzerte


    KV 37 - KV 40 -KV 39 -KV 41


    Begleitet wurde sie von der Capella Academica Wien unter Eduard Melkus,


    Ferner sind in meinem Besitz eine LP mit sechs Sonaten für Clavier und Flöte op 19 Partner ist in diesem Fall der Flötist Kurt Redel


    Wiederum mit Eduard Melkus und seiner Capella academica Wien spielte sie für Philips vier Klavierkonzerte von Johann Christian Bach ein.


    Zum Hammerflügel findet sich auf der LP folgende Bemerkung


    Zitat

    Das Hammerklavier, das Ingrid Habler auf dieser Aufnahme spielt, ist die Rekonstruktion eines typischen Instruments aus dem 18. Jahrhundert., die von der Fa. Nepert in Bamberg 1956 anlässlich des 200 Geburtstags von Mozart realisiert wurde. Als Vorlage wurden verschieden zeitgenössische Hammerklaviere benutzt, so vor allem welche von Stein aus Augsburg, und Walther, Graf und Könnecke aus Wien........


    Es folgen dann noch die übrigen Floskeln, die besagen, daß es das Ziel war dem Originalklang der Zeit möglichst nahe zu kommen, und wie dieses Ziel erreicht werden sollte........


    Glücklicherweise enthielten die Langspielplatten auf der Rückseite des Covers Hinweise auf weiter erhältliche Aufnahmen, so zum Beispiel auf eine der Klavierkonzerte 2 und 4 von Ludwig van Beethoven, mir dem New Philharmonic Orchestra unter Alceo Galliera.


    Haydn Sonaten auf em Hammerklavier - davon gabs mindestens 2 Langspielplatten , SÄMTLICHE MOzart Klaviersonaten, und mit dem Grumiaux-Trio spielte sie Schuberts "Forellenquintett" D667 ein


    Damit kein falscher Eindruck enteht, sie spielte - hierin Badura Skoda nicht unähnlich sowohl auf modernem Flügel als auch auf Hammerklavier-Nachbauten....



    Hier eine Chopin Einspielung aus dem Jahr 1959 (Stereo!!)


    und hier noch einmal Mozart (auf modernem Flügel)



    Man könnte angesichts der wenigen erhältlichen Aufnahmen den Eindruck haben, ich würde hier eine Künstlerin der zweiten Garnitur der Vergangenheit "promoten" - Aber dem ist nicht so:
    Auf dem Gipfelpunkt ihrer Karriere genoss die Haebler brendelähnliche Verehrung, sie war lange Zeit Synonym für Mozart, errang zahlreiche international Preis und lehrte am Salzburger Konservatorium.



    mfg aus Wien


    Alfred

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    In meinem Besitz befinden sich auf Vinyl die Klavierkonzerte


    KV 37 - KV 40 -KV 39 -KV 41


    Begfleitet wurde sie von der Capella Academica Wien unter Eduard Melkus,


    Etwas grausameres ist mir bis dato noch nicht untergekommen :kotz:


    Man nehme einen Eierschneider und klimpere darauf herum - fertig ist der HIP-Salat. :no: Naja, im Oktober 1973 konnte man noch nicht wissen, was echtes HIP ist. :D Der gute Wille sei akzeptiert, aber empfehlen kann ich das auf keinen Fall.


    Da ist mir Murray Perahia auf einem modernen Flügel wesentlich lieber:



    Klingt sehr haeblersch. :yes:


    Ansonsten mag ich Ingrid Haebler als Pianistin auf einem normalen Klavier sehr gerne - der Klang ist stets etwas hölzern und leicht. Aber auch Haebler hatte - wie Haskil - leider die falschen Noteneditionen [also fehlerhafte], so dass sich ein erneutes Hören für mich erübrigt.


    Viele Grüße
    Ulli

  • Zitat

    Original von musicophil


    Lieber Thomas,


    Ingrid Haebler hat bei Philips drei LPs eingespielt mit Opus 7 und 13 (hoffentlich habe ich das gut behalten) von J.Chr. Bach. Sie spielt da Hammerklavier und wird begleitet von Eduard Melkus' Capella Academica.


    Lieber Paul,
    das hast Du gut behalten. Ich kann es nun noch ergänzen: Auch die sechs Konzerte op.1 von Johann Christian Bach hat Ingrid Haebler auf dem Hammerklavier mit der Capella Academica Wien unter Eduard Melkus eingespielt. Der letzte Satz von op.1,6 ist ein ganz und gar betörender Ohrwurm: Variationen über "God save the Queen".


    Philips hat diese Einspielungen von op.1, op.7 und op. 13 auf CD veröffentlicht, mithin aber aus dem Programm gestrichen. Für die Liebhaber der Musik des jüngsten Bach-Sohnes: die Konzerte op. 1 sind zu Vinylzeiten in einer Box zusammmen mit den Klaviersonaten op.5 Nr. 3, 4 und 6 erschienen.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Zum Kennenlernen für die Jungen gibts die unten abgebildete CD zum Schnäppchenpreis....



    Hallo Alfred,


    noch besser eignete sich die CD aus der Reihe "Great Pianists of the 20th century"- wenn sie noch erhältlich wäre! Wieder einmal beweist eine Doppel-CD dieser Folge, wie sorgfältig und glücklich das Programm für diese CDs ausgewählt wurde.



    J.S.BACH Französische Suite Nr. 6 BWV817
    HAYDN Andante con variazioni f-moll Hob. XVII:6
    HAYDN Klavierkonzert D-Dur XVIII:11 (S.Goldberg)
    MOZART Klavierkonzert Nr. 18 B-Dur KV 456 (C. Davis)


    MOZART Neun Variationen in D-Dur KV 4573
    MOZART Klaviersonate D-Dur KV 576
    SCHUBERT Klaviersonate a-moll D784
    SCHUMANN Kinderszenen op.15
    CHOPIN Walzer Es-Dur op.18


    Ich kannte bisher Ingrid Haebler nur dem Namen nach, ich schrieb ihr eher die Atribute "brav" und "altbacken" oder vielleicht sogar etwas "spießig" zu. Aber dieser Thread hat mich dann animiert, eine CD aus der Bibliothek auszuleihen, die ich schon öfter in der Hand hatte... und natürlich hatte ich (mal wieder) unrecht getan...
    Was mich gleich beim ersten Hören besonders beeindruckte war ihr BACH und ihr SCHUBERT! Aber auch ihr HAYDN oder SCHUMANN ist gelungen- ihr MOZART sowieso! Sicher wirkt ihr Spiel beherrscht und eher zurückhaltend, manchmal auch etwas belehrend ("heilige Pendanterie" P.Cossé) , aber in Zeiten, wo es so viele junge Selbstdarsteller gibt, lernt man solche Eigenschaften auch wieder schätzen!
    Die CD enthält auch noch eine Reihe an Hinweisen auf ihr Repertoire, neben dem allseits bekannten MOZART und dem bereits erwähnten J.C. BACH hat sie auch viel SCHUBERT (12 Sonaten, Impromptus, Moment musical, "Forellenquintett" , Sonatinen und die Sonate für Klavier- H.Szeryng) eingespielt, und etwas HAYDN und SCHUMANN (Klavierkonzert, Papillons und Kinderszenen), sowie z.B. auch FRANCKs Variations symphoniques - mit Inbal), und anderes mehr!
    Auch auf die Gefahr, dass die mir bekannte SCHUBERT-Sonate ihr am besten gelungen ist, von SCHUBERT möchte ich unbedingt mehr von dieser Pianistin hören!


    Gruß pt_concours

    Hören, hören und nochmals hören: sich vertraut machen, lieben, schätzen.
    Keine Gefahr der Langeweile, im Gegensatz zu dem, was viele glauben, sondern vielmehr Seelenfrieden.
    Das ist mein bescheidener Rat. (S. Richter, 1978)

  • Eine Korrektur:


    Ich habe im Eröffnungsbeitrag beanstandet, daß der 80. Geburtstag von Ingrid Haebler übersehen wurde.......


    Vor 2 oder 3 Tagen erhielt ich folgende e-mail:


    Zitat

    hallo - sie schreiben das man vom achzigsten geburtstag ingrid haebler nichts gehört hat ! klar können sie nichts hören ,weil sie noch gar nicht achzig ist ! die ganze welt (viele) schreibt das geburtsdatum falsch !! Ingrid Haebler ist am 20.juni1929 geboren


    In der Tat: Obwohl die meisten mir zugänglichen deutschsprachigen Lexika und Musiklexika als Geburtsjahr 1926 angeben
    (Brockhaus Enzyklopädie 19. Auflage , Harenberg Klaviermusik-Führer, Wikipedia deutsch) ist es das korrekte Datum der 20. Juni 1929


    Dies wurde mir in einem - übrigens sehr angenehmen- Telefongespräch, das ich mit ihrem Bruder, Baron Haebler führen durfte, ausdrücklich bestätigt.


    Es ist also noch Zeit genug den 80er von Ingrid Haebler so zu feiern, wie es ihrem Rang als Pianistin der Wiener Klassik zukommt.


    mfg
    aus Wien


    Alfred

  • Vor kurzem habe ich alle ihre Einspielungen von Mozarts Klavierkonzerten erworben (diesselbe wie musicophil) und mittlerweile alle mehrfach durchgehört. Erstaunlicherweise musste ich mir eingestehen dass ihre Einspielungen mich teilweise so sehr berühren dass sie sogar meinen "geliebten" Gulda in den Schatten stellt. Ingrid Haebler ist bei mir seither, neben Perahia erste Wahl wenn es um Mozarts Klavierkonzerte geht. :jubel:


    C.

  • Ich besitze die Klaviersonaten auf 7 Einzel CD Ausgaben von Denon.Davon gibt es auch eine komplette Denon Box.
    An die Gesamtaufnahme der Klavierkonzerte habe ich bisher noch nicht gedacht,jetzt interessiert sie mich sehr und ich werde mal Ausschau nach der Philips Box halten.

  • Seit den letzten Beiträgen ist geraume Zeit vergangen, teilweise auch, weil von Ingrid Haebler relativ schwer Aufnahmen zu bekommen waren.Die Situation hat sich eher verschärft als verbessert, die meisten weiter oben im Thread empfohlenen Aufnahmen sind inzwischen ebenfalls gestrichen. Wieder aufgelegt (auch wenn hier 2003 als Erscheinungsjahr angegeben ist) wurde offenbar die abgebildete CD mit Klaviersonaten von Mozart...

    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred


  • Bei Denon und Philips erschienen 2003 und 2005 Boxen mit den kompletten Piano-Sonaten Mozarts (5 CDs), den kompletten Klavierkonzerten Mozarts (10 CDs) und den kompletten Klavierwerken Mozarts (10 CDs) mit Ingrid Haebler.
    Inzwischen kam 2010 bei Newton eine Box (4 CDs) mit den Sonaten für Violine und Piano von Mozart heraus. Dabei handelt es sich um eine Wiederauflage der Aufnahmen mit Haebler und Szeryng aus den beiden Duo-Boxen von Philips, die 1998 erschienen waren.

  • Die Duo-Boxen sind allerdings noch im Original erhältlich - ich hatte das gestern recherchiert ind sie vor eingen Minuten in meinen Thread uber "Unverzichtbare Aufnahmen eingestellt"
    Ich zeige sie erneut - denn "Steter Tropfen höhlt den Stein" - Mann kann nicht ALLE Threads und Beiträge des Tamino Klassikforum lesen - es sind derzeit immerhin schon 13 836 Themen und 448 477 Beiträge .......
    Da verliert mancher leicht den Überblick....



    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Man kann nicht ALLE Threads und Beiträge des Tamino Klassikforum lesen - es sind derzeit immerhin schon 13 836 Themen und 448 477 Beiträge .......
    Da verliert mancher leicht den Überblick....


    Schwierige Sache, doch Lösung in Sicht: Schreiberlaubnis nur noch an Sonn- und Feiertagen.



    Sehe gerade dass es meine LP auch auf CD gibt. Muss man gehört haben!


  • Alles komplett (Mozart,Schubert) mit Ingrid Haebler bekommt man mit dieser 34-CD-Box von Decca (Universal), made in Korea. Diese Haebler-Box erschien am 27.02.2013, gelistet bei amazon.com.


    CD1 ~10 Mozart: Piano Concertos
    CD11 ~ 21 Mozart: Piano Sonatas, Variations and Duets
    CD22 ~26 Mozart: Great Violin Sonatas and Piano Quartets
    CD27 ~ 33 Schubert: Works for Solo Piano
    CD34 Mozart & Schubert: Quintets
    Franz Peter Schubert (1797 - 1828)
    Piano Quintet in A major, D.667 "The Trout"
    Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791)
    Quintet for Piano, Oboe, Clarinet, Horn, and Bassoon in E flat major, K.452


    Ingrid Haebler, piano
    Grumiaux Trio, Jacques Cazauran, double-bass
    Members of The Bamberg Wind Quintet

  • Das Problem ist eben, daß es verschiedene dieser CDs nur von Spekulanten gibt, die alte Aufnahmen als "Raritäten" anbietet. Die Aufnahme von Ingrid Haebler mit sämtlichen Mozart Klavierkonzerten habe ich im Netz um 689.-- (!!!) gefunden .
    Ein Federstrich eines leitenden Angestellten von Universal - und wir haben das ganze wieder in der "Collector-Serie" auf 10 oder 12 CDs um 39 oder 49 Euro im Katalog und der Spekulant kann seine Exemplare als Getränkeuntersetzer (beispielsweise bei einem Klassentreffen) verwenden oder einem Museum anbieten.


    mit freundlichen Grüßen aus Wien

  • ... und der Spekulant kann seine Exemplare als Getränkeuntersetzer (beispielsweise bei einem Klassentreffen) verwenden oder einem Museum anbieten.


    Das ist ein Irrtum. Solche Preise richten sich an Sammler und diese sind immer nur an den Originalausgaben interessiert. Wiederauflagen sind nur für Totalisten und "normales" Publikum...


    :hello:

  • Man sollte INGRID HAEBLER auf keinen Fall nur auf MOZART reduzieren, und auch da nicht etwas despektiierlich einen MOZART aus Frauenhand insinuieren. Sie war eine äußerst vielseitig gebildete Persönlichkeit mit breiter und gründlicher Ausbildung, und ihr Repertoire reichte von BACH bis STRAWINSKY. In ihrem Elternhaus ging die Crème de la Crème von Künstlerpersölichkeiten ein und aus, wie z. B. CLAUDIO ARRAU, ROBERT CASADESUS, BORIS HUBERMAN, und ROBERT CASADSUS war übrigens einer der ersten, der die außergewöhnliche Begabung schon des jungen Mädchens erkannte und ihr eine große Zukunft prophezeite. Schon 1949 wurde sie mit der LOTTE-LEHMANN-MEDAILLE DER INTERNATIONALEN STIFTUNG MOZARTEUM ausgezeichnet. In Genf belegte sie die Meisterklasse von NIKITA MAGALOFF und gewann den "Prix de virtuosité" mit Auszeichnung. In Paris setzte sie ihr Studium bei der renommierten MARGUERITE LONG fort, bei der auch schon WITOLD MALCUZYNSKI studierte. 1953 gewann sie den Ersten Preis im GENFER SCHUBERT-WETTBEWERB. 1954 gewann sie den MÜNCHNER RUNDFUNKWETTBEWERB.


    Gewiß gilt sie an erster Stelle als eine der bedeutendsten MOZART-Interpretinnen des 20. Jahrhunderts, und ihr Spielt gilt allgemein als warm und nuanciert. Ihre Phrasierung gilt als vorbildlich, und man rühmte den singenden Ton ihres Spiels. Selbst der so überaus kritische JOACHIM KAISER bescheinigte ihr "Allerfeinstes Gefühl für die Seele mozart'scher Musik"
    Auch den Frühwerken MOZARTs wiidnete sie sich mit Ernst und Hingabe. Die frühen Klavierkonzerte von MOZART, KV 37, 39, 40, 41, z. B. spielte sie auf dem Hammerklavier mit der CAPELLA ACADEMICA WIEN unter dem kongenialen EDUARD MELKUS liebevoll und exemplarisch ein.


    Ingrid HAEBLER war aber auch eine hochsensible Interpretin schubert'scher Werke. Die Klaviersonaten op. 53, op. 78 und op. 120 interpretierte sie wunderbar ruhig und lyrisch mit lebendiger und sehr variabler Phrasierung. Ähnliches gilt bsonders auch für ihre Einspielung der Impromptus op. 90 und op. 142. Besonders was das Impromptu op. 90 anbetrifft, habe ich bis heute keine Aufnahme gehört, die meinen eigenen Vorstellungen von diesem Werk besser entspräche. Für das op. 142 gibt es mit den Einspielungen durch ALFRED BRENDEL und JÖRG DEMUS noch 2 weitere Darstellungen, die für mich ähnlichen Referenzcharakter haben.


    INGRID HAEBLER verschaffte sich aber auch durch ihre Einspielung der HAYDN-Sonaten H. 20, 33, 35, 36, 37 und 39 großen Respekt, und ihre freizügige, fantasievolle und pianistisch feinste Vortragskunst mit der ihr eigenen unnachahmlichen Phrasierung von SCHUMANN's Kinderszenen wurde von namhaften Kritikern sogar über die Interpretatoin durch CLARA HASKIL gestellt.


    Viele Grüße
    wok

  • Ich hatte ja das Glück Ingrid Haebler vor einigen Jahrzehnten im Konzert zu erleben.
    Und ich kann bis heute nicht verstehen, warum ihre Aufnahmen weitgehend aus den Katalogen verschwunden sind.
    In letzter Zeit wurde ihr vorgeworfen, sie "verzuckere" Mozart - aber das ist eine dumme Schlagzeile, die jeglicher Grundlage entbehrt. Ihr Mozart-Spiel kann sich meiner Meinung nach durchaus mit jenem ihres "Nachfolgers" bei Philips, Alfred Brendel messen. Sie spielt nicht nur wie eine Aristokratin - sie ist in der Tat eine. (Freiin von Haebler)

    Für alle, die diese große Künstlerin nicht kennen, hier ein Video, wo sie die Klaviersonate KV 331 - 3. Satz "alla turca" spielt. Dieser Livemitschnitt aus Japan ist NICHT identisch mit der Aufnahme auf der CD, welche eine Studioaufnahme ist.



    Und als Draufgabe: Hier eine der seltenen Gelegenheiten eine Aufzeichnung eines Konzertes - wieder aus Japan - zu sehen, wo die Haebler das Klavierkonzert KV 595 spielt (1. Satz, bei youtube gibts den Rest)



    Viel Vergnügen
    wünscht Alfred

  • Lieber Alfred,


    die Videos haben in Deutschland mal wieder keine Lizenz (Dank der Gebühreneinzugsmafia, der GEZ)! Ich finde, im Falle Ingrid Haebler hilft nur, die Plattenfirma dazu zu motivieren, eine Box mit ihren sämtlichen Aufnahmen herauszubringen. Solche Boxen haben im Moment ja Hochkonjunktur und werden gut verkauft - insofern ist die Chance gar nicht so schlecht. Das würde helfen, daß man sich aus dem zeitlichen Abstand ein neues Bild machen kann und Vorurteile, die kursieren, relativiert werden.


    Schöne Grüße
    Holger

  • Ich finde, im Falle Ingrid Haebler hilft nur, die Plattenfirma dazu zu motivieren, eine Box mit ihren sämtlichen Aufnahmen herauszubringen. Solche Boxen haben im Moment ja Hochkonjunktur und werden gut verkauft - insofern ist die Chance gar nicht so schlecht. Das würde helfen, daß man sich aus dem zeitlichen Abstand ein neues Bild machen kann und Vorurteile, die kursieren, relativiert werden.

    Lieber Holger,
    diese komplette Box (mit Mozart und Schubert) gibt es doch schon.
    Siehe mein Beitrag Nr.17.
    Universal sollte sich bequemen, diese Box nicht nur in Korea sondern auch in Deutschland anzubieten.
    Weitere Boxen wären wünschenswert.Eine Komplettbox mit sämtlichen Aufnahmen wäre wohl zu teuer.

  • Einmal keine Begründung zu Ingrid Haeblers fabelhaft, sensiblem Klavierspiel, das ich selbst noch erleben durfte.
    Was mich fasziniert, ist die Formulierung zur Ankündigung dieses Therads "Mozart mit dem Silberstift". Exakt, treffend und sprachlich ausdrucksvoll ausgedrückt. Auch sprachlich einfach gekonnt. Genau auf den Punkt gebracht. Jeder Leser weiß, sofort, welche Qualitäten der Interpretin gemeint sind.
    Danke an den Starter dieses Threads für diese Meisterleistung mit Vorbildcharakter.
    Wir alle sollten uns an der Formulierung dieses Aufhängers ein Beispiel nehmen und viel Gehirnschmalz darauf wenden, schon bei der Ankündigung unserer Beiträge Interesse zu wecken und dem Leser zu signalisieren: Hallo aufgepasst -Jetzt kommt...!


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Die Box lässt sich auch über hmv Japan beziehen, hat allerdings einen bösen Schönheitsfehler: Ingrid Haeblers herrliche Einspielung von Klavierkonzerten Johann Christian Bachs ist nicht enthalten, unverständlich eigentlcih, da auch diese Aufnahmen für Philips entstanden sind.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Endlich tut sich was in Sachen Ingrid Haebler. Immerhin gibt es jetzt eine Veröffentlichung ihrer Schubert- Sonaten. Herber Zugriff und auftrumpfender Ton ist nicht die Sache Haeblers, sondern ein singender eleganter Klavierton.
    Ingrid Haebler war auf dem Höhepunkt ihres Ruhms das Flaggschiff von Philips. Warum man diese Aufnahmen nun unter DECCA segeln lässt, das wissen wohl nur die Universal Marketing-Granden. Immerhin hat man nach einer Nachdenkpause von etlichen Jahren es für richtig befunden die Haebler Aufnahmen wieder in den Katalog aufzunehmen und somit einer breiteren Öffentlichkeit zugängig zu machen. Allein das ist schon Grund zur Freude....

    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Ingrid Haebler war auf dem Höhepunkt ihres Ruhms das Flaggschiff von Philips. Warum man diese Aufnahmen nun unter DECCA segeln lässt, das wissen wohl nur die Universal Marketing-Granden.


    Weil Universal das Label Philips schon vor einiger Zeit zu Grabe getragen hat. Die alten Philips-Aufnahmen, deren Rechte bei Universal liegen, werden jetzt unter den Labels Decca und Eloquence veröffentlicht (andere Philips-Aufnahmen werden z.B. von Pentatone verlegt).


    :hello:

  • Auch ich habe zu Ingrid Haeblers heutigem Ehrentag den Schubert ausgesucht, weil er mir so außerordentlich gut gefällt :



    Ingrid Haebler feiert heute ihren 89. Geburtstag.


    Herzlichen Glückwunsch!


    Willi :jubel::jubel::jubel::jubel::jubel:

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Ingrid Haebler feiert heute ihren 89. Geburtstag.


    Schön, daß es INGRID HAEBLER noch gibt! Hoffentlich geht es ihr gut! Ganz herzliche Glückwünsche an sie aus Málaga!


    Mit den so bezaubernd von ihr gespielten Impromptus op. 90 und op. 142 von SCHUBERT werde ich heute an sie denken!


    com/watch?v=9lRnairktR8


    wok

  • Ingrid Haebler hat Geburtstag - das ist richtig - auch von mir - einem Fan von ihr - die besten Wünsche !


    ABER - Sie wird sich nicht freuen, daß Ihr sie - wie viele Musiklexika auch - um drei jahre älter macht, als sie wirklich ist.
    Damen sind in dieser Hinsicht nicht besonders tolerant ;)


    Das Geburtsjahr ist 1929 - Siehe mein Beitrag Nr 9 vom 22. Oktober 2008 in diesem Thread.


    Beste Grüße aus Wien
    Alfred