Auf den Leib geschrieben...

  • Auf meiner Reise in die für mich eher neue Welt der Oper begegne ich bei den dafür notwendigen Recherchen immer wieder Aussagen wie: „Diese Rolle wurde ihr quasi auf den Leib geschrieben“ oder „Einen besseren kann man sich für diese Rolle nicht vorstellen…“ Nun bin ich ja auch kein Kostverächter und ich dachte mir, es wäre schön, es gäbe eine Tabelle, der zu entnehmen ist, welcher Sänger, welche Sängerin in welcher Rolle unbedingt gehört werden muss. Die absoluten „must haves“ quasi. - Doch wer sollte solch eine Tabelle erstellen? Ich würde sagen, im deutschsprachigen Raum kommt hier nur eine Institution in Frage: Die Tamino-Gemeinde!


    Ich habe mir das ganze wie folgt vorgestellt. Jeder nennt beliebig viele (aber übertreibt es bitte nicht) Interpreten-Rollen-Paare. Die Paarungen sollten bitte noch um zwei zusätzliche Informationen erweitert werden.


    [list=1]
    [*]Es sollte nachvollzogen werden können auf welche Aufnahme ihr Euch beziet (z.B Dirigent, Produktionsdatum, JPC-Bestellnummer…). Habt Ihr keine spezielle Aufnahme im Hinterkopf, lass die Info weg.
    [*]Dann würde mich auch die Aufnahmequalität interessieren und möchte Euch bitten wenn möglich hierfür eine Schulnote nach folgender Richtlinie(*) zu vergeben.
    [/list=1]


    (*) Ich bitte von einer Diskussion über das höchst subjektive Kriterium Aufnahmequalität abzusehen. Es soll nur als grobe Richtlinie dienen. Bei DVDs bitte ich darum selbstständig zu adaptieren.



    Ein Beispiel


    Interpret: Maria Callas
    Oper/Rolle: Tosca/Tosca
    Aufnahme: Sabata, 53, JPC 8034775
    Aufnahmequalität: 5


    Interpret: Pavarotti
    Oper/Rolle: La Bohme/Rudolfo
    Aufnahme: Berlin, Karajan, DECCA 1972, JPC 5149881
    Aufnahmequalität: 3


    Die Reihenfolge spielt keine Rolle. Jede Nennung geht mit genau einem Punkt in die Wertung ein. Aus den Angaben über die Aufnahmequalität werde ich den jeweiligen Mittelwert bilden.


    Ich bin schon sehr gespannt und denke, das Ergebnis dürfte nicht nur für Einsteiger interessant sein.


    Liebe Grüße
    GalloNero

  • Also so in etwa:


    Interpret: Kathleen Battle
    Oper/Rolle: Don Giovanni/Zerlina
    Aufnahme: Karajan 1986
    Aufnahmequalität: 3 (3 wegen einiger Tonmeistermätzchen; wer das goutiert, möge auf 2 erhöhen)

    Man kann wirklich sagen, daß ich Mozart sehr, sehr viel verdanke; und wenn man sich ansieht, wie z. B. meine Streichquartette gebaut sind, dann kann man nicht leugnen, daß ich das direkt von Mozart gelernt habe. Und ich bin stolz darauf!
    Schönberg

  • Hallo Davis,


    genau so hab ich mir das vorgestellt, wobei natürlich beliebig viele Nennungen zugelassen sind.


    Vergessen zu schreiben habe ich auch, dass Begründungen natürlich nicht nur erlaubt, sondern auch ausdrücklich erwünscht´, allerdings nicht zwingend notwendig sind. Soll heissen, macht bzgl. Begründung was ihr wollt aber ich denke je mehr Ihr dazuschreibt, desto interessanter wird auch der Thread. Wenn es dann unübersichtlich zum Auswerten wird, ist das ja mein Problem...


    Liebe Grüße
    GalloNero

  • Oweia, lieber coq noir, da hast Du mich aber nun arg in die Bredouille gebracht!!! Willst du mich für die nächsten drei Jahre hier vollbeschäftigen???????
    Nun, jeden Tag eines werde ich mir vornehmen, viellicht nehmen die Anderen mir ja auch schon mancherlei unterwegs ab......
    Ich fange mal an mit einer meiner Lieblingssängerinnen in einer meiner Lieblingsopern und ich kenne wahrlich keine auf Gottes Erdboden, die das je besser konnte:


    Interpretin: Nathalie Dessay
    Oper/Rolle: Lakmé/Lakmé
    Aufnahme: Michel Plasson/Lyon


    Nathalie Dessay singt diese Rolle in unanachahmlicher Weise und lässt damit sogar DIE frz. Lakmé vor ihrer Zeit, Mado Robin, weit hinter sich. Sie hat nicht nur eine perfekte federleichte Koloraturtechnk um die berühmte Glüockchenarie bis zum e3 in aller erwarteten Virtuosität zu "nachtigallisieren", sie besitzt darüber hinaus einfach den in ihrem Stimmfach so seltenen warmen lyrischen Schmelz. Das erst macht für mich die Stimme schôn und überaus angenehm zu hören und wird in der Lakmé unbedingt nötig, denn ausser der Glöckchenarie ist das eben keine virtuose Koloraturpartie sondern braucht eine warme, madchenhafte und sanft klingende hohe Sopranstimme. Alle anderen Lakmés sind mir entweder zu hart , zu schrill, zu spitz, zu kalt.
    Ich liebe sie insbesondere auch ilm Blumenduett und in der herrlichen Arie "Les fleurs me paraissent plus belles" oder "Tu m'as donné le plus beau rêve"
    Besser kann man diese Partie nciht singen, davon bin ich fest überzeugt.
    Und die sehr grazile Erscheinung der Dessay setzt dem Ganzen auch in optischer Hinsciht noch die cerise sûr le gateau! :jubel: :jubel: :jubel:


    Fairy Queen

  • Liebe Fairy Queen,


    ich bin absolut deiner Meinung. Es gibt bis dato keine bessere Lakmé!
    Ich nominiere auch eine meiner Lieblingssängerinnen in einer meiner Lieblingsopern:


    Interpretin: Victoria de los Ángeles
    Oper/Rolle: La vida breve/Salud
    Aufnahme: Frühbeck de Burgos, EMI 1966, JPC 3986931


    Die Sängerin hat die Rolle drei Mal eingespielt: einmal 1948 für die BBC, ihre erste Operngesamtaufnahme, einmal 1952 mit Ernesto Halffter (EMI) und einmal 1966 in Stereo (auch EMI). Dabei hat sie ihre Interpretation immer weiter verfeinert, ja sogar die in Granada gepflogene Aussprache angenommen, um die Darstellung dieses Mädchens aus dem Armenviertel von Granada so echt wie möglich erscheinen zu lassen. Es ist ihr gelungen!


    Liebe Grüße,
    Martin

  • Hallo zusammen,


    hier einer meiner Favoriten:


    Interpret: Ramon Vinay
    Oper/Rolle: Otello (Verdi) / Otello
    Aufnahme: New York, Toscanini, RCA, 1947,
    Aufnahmequalität: 4 (Mono historisch, aber dafür vergleichsweise gut)


    Ramon Vinay ist in der Interpretationsgeschichte des "Otello" einer der Großen, einer derjenigen, die "erwachsen" klingen (was die Rolle des Otello unbedingt braucht) und bei denen sowohl Kraft wie Zärtlichkeit, aber auch das Krankhafte der Figur glaubwürdig auf der akustischen Bühne dargestellt werden - dass er nach allen Augenzeugenaussagen auch ein großartiger Schauspieler gewesen sein muss, lässt sich an Hand von Schallkonserven natürlich nicht nachvollziehen, "stimmlich" ist er jedenfalls einer.


    Drei seiner Aufnahmen sind auch heute noch Gipfelaufnahmen des Otello: eine unter Furtwängler, eine unter Fritz Busch und die oben angegebene unter Toscanini, m.E. noch ein wenig über den beiden anderen einzuordnen.


    Toscanini, zu diesem Zeitpunkt bereits achzig Jahre alt, sorgte für unglaubliche Präzision und "Hitzegrade" im Orchester, der Bariton der Aufnahme, Giuseppe Valdegno, ist einer der besten Jagos der Schallplattengechichte, böse auf perfideste Belcanto-Art, aber ohne jedes außermusikalische Mätzchen.

    Die Aufnahmequalität ist (gewollt) strohtrocken, prägnant, manchmal schneidend - alles in Allem: eine Aufnahme für die einsame Insel.


    Gruß
    Pylades

  • Für's Erste übernehme ikch mal drei meiner Meldungen aus anderen Threads, nämlich der besten Carmen, den besten Pavarottis und der besten Knusperhexe:


    Interpretin: Agnes Baltsa
    Oper u. Rolle: Carmen
    Aufnahme: Karajan, trotz Carreras.
    Aufnahmequalität (cum grano salis): 2 (ich bin nämlich kein Klangfetischist)



    zu Baltsas Leistung als Carmen wurde in dem Thread "Wer ist die beste Carmen" alles und mehr gesagt


    Interpretin: Christa Ludwig
    Oper: Hänsel und Gretel
    Rolle: Hexe
    Aufnahme: Kurt Eichhorn (trotz diesem)



    Auch dazu gibt's den passenden Thread: "Wer ist die beste Knusperhexe"


    Interpret: Luciano Pavarotti
    Oper: Guglielmo Tell
    Rolle: Arnoldo
    Aufnahme: Riccardo Chailly
    Aufnahmequalität: 2



    Der Arnoldo ist eine der mörderischten Rollen der Opernliteratur, und bei allem Respekt vor der Leistung von Nicolai Gedda ikn der französischen Aufnahme, an Pavarotti in der Form seines Lebens kommt er nicht heran


    Und noch eine Nominierung, die hier sicher nicht erwartet wird, aber eine Sängerin berücksichtigt, der die Rolle tatsächlich auf den Leib geschrieben wurde, und die seit 50 Jahren in dieser unerreicht ist:


    Interpretin: Barbara Cook
    Operette: Candide
    Rolle: Cunegonde
    Aufnahme: Original Broadway Cast
    Aufnahmequalität: 4



    Es gibt viele und viele hervorragende "Glitter and Be Gay", aber nur eine Barbara Cook, die weder JUne Anderson noch Nathalie Dessay erreichten, geschweige denn übertrafen. Ansonsten würde ich bei dem Stück natürlich die Aufnahme Bernsteins vorziehen.


    Die historische Salome von Ljuba Welitsch überlasse ich lieber anderen, die mit dem historischen Klang besser leben können.


    :hello: Rideamus

  • Interpret: Kathleen Ferrier
    Oper/Rolle: Orfeo ed Euridice/Orfeo
    Aufnahme: Amsterdam, Charles Bruick, Cantus Classics (Aufnahme 1951), JPC 3281509
    Aufnahmequalität: 5-6



    Ferrier brachte diese Rolle so großartig, daß weder vor noch nach ihr eine andere Altistin m.E. dieses Niveau annähernd erreicht hat.
    Trotz schlechte Monoqualität fesselt diese Aufnahme noch immer. :jubel: :jubel: :jubel:


    LG, Paul

  • Interpretin: Karita Mattila
    Oper/Rolle: Don Carlos / Elisabeth
    Aufnahme: Pappano. Live-Mitschnitt Théâtre du Châtelet 1996
    Aufnahmequalität: kann ich nicht einschätzen ;)



    Ich hab ja jetzt einige Elisabeths gehört, aber Karita Mattila ist die einzige davon, die mich von der ersten bis zur letzten Note zutiefst fesselt. Insbesondere ihre Szene mit Carlos im 2. Akt (es handelt sich um die 5-Akt-Fassung) gehört zum aufwühlensten, was ich jemals gehört habe.


    Gruß
    Rosenkavalier



  • Interpret: Lisa Della Casa
    Oper/Rolle: Arabella/Arabella
    Aufnahme: Keilberth 1963, jpc: 2475590
    Aufnahmequalität: 2 (allerdings kann ich das überhaupt nicht beurteilen, ich bin kein "Techniker" und empfinde die Qualität als gut, wenn mich die Musik überzeugt :untertauch: )



    Für mich eine der überzeugendsten Sängerinnen überhaupt - mit einer Eleganz, wie ich sie sonst kaum gehört habe. Dazu kommt etwas, das nur mein persönliches Empfinden sein kann: Lisa Della Casa klingt, bei aller Kunstfertigkeit, "ehrlich" sie singt keine Partie, sie ist die leibhaftige Arabella.

    "Der Aufführung fehlte es nicht an Sensibilität, Gefühl und Verstand, aber am Gleichmaß von Harmonie, Not und Glück" (J. Kaiser)


  • Und ich dachte immer, das wäre ihr auf den Leib geschneidert worden... ;)


    :hello:
    Stefan

  • Und weiter gehts:


    Interpretin: Renée Fleming
    Oper/Rolle: Händel: Alcina/Alcina (ebenbürtig Susan Graham und Nathalie Dessay!)
    Aufnahme: Christie


    Dieser meiner Ansciht nach beispielhafte Aufnahme der Alcina, kann man aus vielen Gründen empfehlen. Insbesondere besticht mich hier die Stimme von Renée Fleming, die einen derart samtenen Wohlklang verströmt, dass ich ihren Ruf, die schönste Sopranstimme der Welt zu haben, hier zumindest nachvollziehen kann. Die Arie "Ah mio cor" ist das beste Beispiel dafür. :jubel:
    Daneben dann zwei weitere Weltklassesängeirnnen wie Graham und Dessay und Christies Dirigat: da bleibt kein Wunsch offen.



    Fairy Queen

  • Hallo Opernfreunde,


    da gibt es ja noch einiges für mich zu entdecken =). Ich glaube ich kenne nicht mal die hälfte der Werke... :no:


    Zitat

    Original von rita
    Hallo.Rosenkavalier
    das ist fü mich auchdie Beste Aufnahme.
    Wunderbar!
    Rita


    Zitat

    Original von Philhellene
    Liebe Fairy Queen,


    ich bin absolut deiner Meinung. Es gibt bis dato keine bessere Lakmé!
    ...


    Hallo rita, hallo Philhellene,


    kann ich Eure Zustimmung jeweils als zusätzliche Nennung werten?


    Vielleicht nochmal grundsätzlich. Es ist durchaus so gedacht, dass jeder praktisch eine Liste von Interpreten-Rolle-Paaren nennt. Mehrfachnennungen sind nicht nur erlaubt sondern wesentlicher Bestandteil. Ist wie in den Lieblingsthreads. Nur, dass jede Liste beliebig Lang und über mehrere Beiträge verteilt sein kann. Beim Auswerten tätie ich mir allerdings leichter, wenn ihr, wenn Ihr zustimmt, neben der Zustimmung in Prosa die Nennung einfach kopiert und noch mal wiederholt bzw. mit in Eure Liste aufnehmt.


    Ich freue mich auf einen weiterhin interessanten Verlauf und eine schöne lange Tabelle.


    Liebe Grüße
    GalloNero

  • Lieber GalloNero,


    ja, das kannst du. Ich schreibe es noch einmal regelkonform hin:


    Interpretin: Nathalie Dessay
    Oper/Rolle: Lakmé/Lakmé
    Aufnahme: Michel Plasson/Lyon


    Und auch mit Paul stimme ich völlig überein:


    Interpret: Kathleen Ferrier
    Oper/Rolle: Orfeo ed Euridice/Orfeo
    Aufnahme: Amsterdam, Charles Bruick, Cantus Classics (Aufnahme 1951), JPC 3281509
    Aufnahmequalität: 5-6


    Was Ferrier da macht, ist wie immer großartig, und es ist ein Jammer, dass sie nicht mehr Aufnahmen machen konnte, und keine Verbesserungen der Tonqualität mehr erleben konnte. Was wären das erst für Einspielungen geworden?!


    Liebe Grüße,
    Martin

  • Ich lasse mir ungern in meiner Verehrung für Kathleen Ferrier etwas abzwacken, und ihr Orpheus ist in der Tat eine der gefühlvollsten Interpretationen, die ich kenne. Ich glaube auch nicht, dass jemals jemand die ALT-RHAPSODIE von Brahms berührender singen wird, aber die ist hier leider OT.


    Bei Glucks ORFEO gibt es jedoch eine Alternative, die einen ganz anderen Orpheus präsentiert, den aber mit kräftiger Unterstützung von Solti so stupend hinlegt, dass sie in vieler Hinsicht eine Klasse für sich ist.


    Interpretin: Marilyn Horne
    Oper/Rolle: Orfeo ed Euridice/Orfeo
    Aufnahme: Solti, London Covent Garden Orchester
    Aufnahmequalität: 3



    :hello: Rideamus

  • Hallo zusammen,


    hier ein weiterer Vorschlag:


    Interpretin: Maria Callas
    Oper/Rolle: Medea (Luigi Cherubini) / Medea
    Aufnahme: Mailand (Scala) , Tullio Serafin , EMI, 1957,
    Aufnahmequalität: 3-4 (frühe Stereo-Aufnahme, ordentlich remastered)


    Johannes Brahms meinte über die Ouvertüre zu Cherubinis Oper Medea: "Dies ist die dramatischste Musik, die wir haben." Das ist natürlich ein großes Wort und sicher aus dem Impuls heraus gesagt, obwohl Brahms eigentlich nicht der Mann war, der mit Worten zu Übertreibungen neigte. Wenn nun Maria Callas die Hauptpartie singt, kann man vielleicht sagen: diese Oper gehört mit zu den dramatischsten Musikwerken, die wir haben.


    Es beginnt mit den Hochzeitsvorbereitungen von Medeas Ex-Mann Iason mit der korinthischen Prinzessin Glauce. Wenn in die durchaus fröhliche Musik erstmals Medeas Stimme ertönt, die den Herrscher Korinths aufsucht, um ihren Mann zurückzugewinnen: "E forse qui, que il vil sicuro sta?" - etwa: "Ist dies der Ort, wo die Gemeinheit Unterschlupf findet?", dann zieht es eisig über die Szene. Den großen Monolog Medeas kurz vor dem katastrophalen Ende, in dem sie zwischen Mutterliebe und dem Hass auf ihren untreuen Mann, den sie auf die beiden gemeinsamen Kinder überträgt, im Zwiespalt hin und her gerissen ist (es siegt der Hass, sie wird ihre Kinder umbringen), treibt Maria Callas zu schauriger Größe.


    (Die einzige mir bekannte Aufnahme, die mit dieser mithalten kann, ist die Liveaufnahme, ebenfalls mit Maria Callas als Medea, die am 10.12.1953 unter der Stabführung von Leonard Bernstein in der Scala entstanden ist (herausgegeben von Fonit Cetra). Maria Callas war 1953 zwar besser bei Stimme als in der Studioaufnahme, aber die Technik der Liveaufnahme ist grottenschlecht. Und da die Intensität der Darstellung ist von anderen musikalischen Parametern abhängig ist als von schönen Tönen, gebe ich der Studioaufnahme den Vorzug.)


    Gruß
    Pylades

  • Eine meiner Aufnahmen für die einsame Insel:


    Zitat

    Original von Rideamus: Interpretin: Marilyn Horne
    Oper/Rolle: Orfeo ed Euridice/Orfeo
    Aufnahme: Solti, London Covent Garden Orchester
    Aufnahmequalität: 3


    Das ist auch mein Lieblings-Orfeo; das Lamento über den Tod Euridices im ersten Akt geht mir besonders unter die Haut - gerade wegen der Verzierungen, die Horne hier einsetzt. Bei ihr höre ich eher den mythischen Sänger. Kathleen Ferrier hat einen direkteren, dramatischeren Zugriff auf die Rolle; sie kommt als Gegenpol in meiner Rangliste aber gleich nach Horne.



    Eine andere wäre:


    Interpret: Jussi Björling
    Oper: Un Ballo in Maschera
    Rolle: Riccardo
    Live-Mitschnitt vom 14. Dezember 1940 aus der MET
    Dirigent: Ettore Panizza
    Aufnahmequalität (leider) 5-6


    Wie sein Vorbild, der historische Gustav III von Schweden, ist Riccardo eine sehr widersprüchliche Persönlichkeit, und Björling singt meiner Meinung nach alle Facetten dieser Rolle: den Übermut, als man beschließt, zu der Wahrsagerin zu gehen; ein ironisch-melancholisches "Di´tu se fedele"; den Spott über die Prophezeihung, der plötzlich in Unsicherheit umschlägt; im Liebesduett die Leidenschaft, aber auch das "soave brivido" - und eine Sterbeszene voller Pathos, aber nie larmoyant.


    Und Ettore Panizza bringt sowohl das Schwungvolle, Leichte, Tänzerische der Musik als auch die düstere Schwere wunderbar zum Ausdruck.

    :hello: Petra

  • Zitat

    Original von petra
    Kathleen Ferrier hat einen direkteren, dramatischeren Zugriff auf die Rolle


    Vielleicht weil sie von ihr bevorstehendes Ableben wußte. Denn das hat jedenfalls in ihrer letzte Partie deutlich die Darstellung noch rührender gemacht (laut Kollegen).


    LG, Paul

  • Lieber Gallo Nero, dein System finde ich serh aufwändig. Wenn ich hier alle mene Zustimmungen zu anderen Posts mit aufzähle, bin ich dauerbeschäftgt. Daher bleibe ich bei eigenen Tipps und schliesse meine stumme Bewunderung für die der Anderen ein. Pardon! :angel:


    Aus aktuellem Anlass:


    Interpret: Luciano Pavarotti
    Oper/Rolle Puccini La Bohème/Rodolfo
    Aufnahme: Karajan(mit Freni als Mimi)


    Ich kenne bislang keinen besseren Rodolfo und bewundere Pavarotti vor allem für deise Partie, obscho nic hihn als Bühnenmenschen nciht besonders schätze. aber hier macht seine Stimme genau das, was ein Tenor seiner Statur wil und soll: Herzen zum Schmelzen bringen. Bei "O soave fanciulla" überläuft es mich wirklic h und das passiert mir bei Tenören HÖCHST selten.
    Die Freni als Mimi ist die adäquateste Partnerin, die P. und das Publikum sich wünschen kann.


    F.Q.

  • Dann starte ich auch einen (unzulänglichen ?) Versuch:


    Interpret: Giuseppe Taddei
    Oper: Don Giovanni
    Rolle: Leporello
    Aufnahme: Giulini (mit Wächter, Alva, Sutherland, Schwarzkopf, Sciutti, Cappuccilli- Opernherz, was willst du mehr !!!)
    Aufnahmequalität: 2-3


    Michael 2


  • Diesen Leporello mag ich auch sehr gerne - nur leider musste ich mich heute mal wieder von der relativ bescheidenen Klangqualität überzeugen (frühes Stereo, das bei mir irgendwie nicht richtig durchkommt) - vielleicht wird man auch nur langsam zu anspruchsvoll aufgrund der neueren (HIP-)Aufnahmen, die man in letzter Zeit gehört hat...


    :hello:
    Stefan

  • Barezzi:
    "nur leider musste ich mich heute mal wieder von der relativ bescheidenen Klangqualität überzeugen (frühes Stereo, das bei mir irgendwie nicht richtig durchkommt) - vielleicht wird man auch nur langsam zu anspruchsvoll aufgrund der neueren (HIP-)Aufnahmen, die man in letzter Zeit gehört hat..."
    ------------
    Mit dem steigenden Qualitätsanspruch (aus technischer Sicht) magst du durchaus im Recht sein. Ich bevorzuge dennoch Aufnahmen, die vielleicht technisch nicht ganz optimals sind, aber dafür auch nicht ganz so steril wie der OP-Trakt eines Krankenhauses klingen. Da haben die Aufnahmen aus der Frühzeit der Stereophonie - und noch mehr natürlich die wirklich alten Aufnahmen - den subjektiven Vorteil, dass sie "echter" klingen und im Regelfall auch in längeren Bögen aufgenommen und nicht Ton für Ton (oder Takt für Takt) zusammengeschnippselt worden sind. Und bei nachträglichen Bearbeitungen der alten Bänder hat noch keine Aufnahme in meinen Ohren wirklich gewonnen.


    Michael 2

  • Ein absolutes Must, das ich eigentlich gleichals Erstes hätte nennen müssen(mir ist die Klangqualität übrigens auch nciht so wichtig, wenn die Sache an sich gut ist)



    Interpretin: Maria Callas
    Oper/Rolle: V. Bellini" Norma"/ Norma
    Aufnahme: Tullio Serafin Mailand (mit Christa Ludwig als Adalgisa!)


    Die Norma ist der Callas sowas von auf dne Leib geschreiben, dass es keine Worte gibt, das auszudrücken. Wie ein massgefertigter Handschuh aus feinstem Leder aus Florenz. Basta.
    Nach ihr kann ich keine andere Norma mehr richtig geniessen. Schade, aber wahr. Wer an Callas denkt, denkt ja fast gleich automatisiert "Casta Diva".
    In der Aufnahme zusammen mit Christa Ludwig hat sie zudem eine Adalgisa an der Seite, deren Timbre sich mit der "nicht so ganz pflegeleichten" Stimme der Callas gut mischt.
    :jubel: :jubel: :jubel:
    Der Rest braucht da nicht mehr zu interessieren.... finde ich.......


    Fairy Queen

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    Lieber Gallo Nero, dein System finde ich serh aufwändig. Wenn ich hier alle mene Zustimmungen zu anderen Posts mit aufzähle, bin ich dauerbeschäftgt.


    Liebe Königin der Feen,


    Du kannst es also tatsächlich mit Deinem Gewissen vereinbaren, dass herausragende Besetzungen nicht den Rang in unserer kleinen Aufstellung einnehmen, der Ihnen zusteht? ;)


    Vielleicht kannst Du ja, wenn der Thread etwas langsamer wird zusammenfassend einen Bestätigungsbeitrag erstellen...


    Liebe Grüße
    GalloNero

  • @ musicophil


    Lieber Paul,


    Ich habe eben erst im Ferrier-thread gelesen, dass der Orpheus ihre letzte Rolle auf der Bühne war, und dass sie unmittelbar darauf ins Krankenhaus musste. So sehr viel habe ich bisher nicht über sie gelesen und besitze außer der Orfeo-Einspielung nur zwei Lieder, die sie mit Baillie gesungen hat und die herrliche Alt-Rhapsodie.


    Ich habe aber einmal ein Bild von ihr gesehen, dass sie als Oprheus zeigt, mit kurz geschnittenen Haaren, schmalem Gesicht und weit geöffneten Augen. Ich habe mir schon damals überlegt, dass sie sich sehr stark mit dieser Rolle identifiziert haben muss. Dass sie wusste, wie krank sie war, hat sicherlich zu dieser dramatischen, intensiven Darstellung mit beigetragen.


    Lg Petra

  • Cher coq noir, auch wenn ich nciht glaube, dass meine Meinung so wichtig ist , dass ich etwas nciht verantworten können müsste ;) ich fasse schonmal zusammen, dass mir bislang alle Vorschläge ausser Marilyn Horne hervorragend gefallen. Allerdings kenne ich die Horne nciht als Orpheus, sondern mag sie nur allgemein nciht gerne hören. Rideamus möge mir also verzeihen
    Insbesondere die Ferrier kommt bei mir gleich nach Callas. Und ihr Orpheus ist wahrlich uneinholbar :jubel: :jubel: :jubel:
    Ich bin sowieso, was Stimmenschönheit angeht, immer einer Meinung mit Paul, also seine Beiträge unterschreibe ich a priori gleichmit. Das kannst du dann per se immer doppelt zählen :yes:



    Und weil's so schön ist, geht's gleichweiter:


    Interpretin Ileana Cotrubas


    Oper/Rolle: Bizet: Les pecheurs des perles/Leila


    Aufnahme: ich glaube Georges Prêtre, habe sie leider gerade verliehen


    Cotrubas hat eine wunderschön timbrierte lyrische Sopranstimme, die gerade in nicht zu schweren Partien ihre ganze Schönheit für mich entfaltet. Leila ist meines Erachtens die ideale Rolle für sie, da kann sie ihr grosses Talent Emotionen zu erzeugen sehr gut anbringen.
    Ausserdem will ich ohnehin Werbung für diese oper machen, die voller aussergewöhnlicher Duette steckt und leider viel weniger bekannt ist als Bizets Carmen. Ihr aber meiner Meinung nach nich nachsteht!



    Und nochmal Cotrubas:


    Interpretin Ileana Cotrubas
    Oper/Rolle: Verdi La Traviata/Violetta
    Aufnahme Carlos Kleiber


    Für mich auch wegen Kleiber bisher die weltbeste Traviataeinspielung. Cotrubas Stimme gibt der Rolle einen ganz eigenen Charakter, sie leidet eher sanft und ist wirklch die fragile Schwindsüchtige, weniger das Temperamentsbündel. Zum Hinschmelzen! :jubel:


    Fairy Queen

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    Und nochmal Cotrubas:


    Interpretin Ileana Cotrubas
    Oper/Rolle: Verdi La Traviata/Violetta
    Aufnahme Carlos Kleiber


    Für mich auch wegen Kleiber bisher die weltbeste Traviataeinspielung. Cotrubas Stimme gibt der Rolle einen ganz eigenen Charakter, sie leidet eher sanft und ist wirklch die fragile Schwindsüchtige, weniger das Temperamentsbündel. Zum Hinschmelzen! :jubel:


    Wow, völlig vergessen. Da hast du 100% Recht. Ich fand aber Domingo auch nicht schlecht. :P
    Für mich DIE Referenz. :jubel: :jubel: :jubel:


    LG, Paul

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    Allerdings kenne ich die Horne nciht als Orpheus, sondern mag sie nur allgemein nciht gerne hören. Rideamus möge mir also verzeihen


    Rideamus verzeiht Dir natürlich, aber wirklich nur mühsam, dass Du die Horne nicht in dieser Rolle kennst bzw. kennen lernen willst. Glaube mir und allen anderen hier: das ist ein ganz anderes Kaliber, auch wegen Solti. Das sage ich wissentlich im Bewusstsein Deines nachfolgenden und hoch verdienten Lobes für Kathleen Ferrier. Einen besseren Beweis dafür, dass man mit ganz verschiedenen Spitzenleistungen einem Werk gerecht werden und Maßstäbe setzen kann.



    Insbesondere die Ferrier kommt bei mir gleich nach Callas. Und ihr Orpheus ist wahrlich uneinholbar :jubel::jubel::jubel:
    Ich bin sowieso, was Stimmenschönheit angeht, immer einer Meinung mit Paul, also seine Beiträge unterschreibe ich a priori gleichmit. Das kannst du dann per se immer doppelt zählen :yes:


    Zitat


    Cotrubas hat eine wunderschön timbrierte lyrische Sopranstimme, die gerade in nicht zu schweren Partien ihre ganze Schönheit für mich entfaltet.


    Deswegen werde ich wohl auch hier nie meine Traum - Hänsel&Gretel posten. Das waren nämlich in Frankfurt Ileana Cotrubas und Agnes Baltsa, jeweils in einem relativ frühen Stadium ihrer Karriere, also bevor sie Weltruhm erlangten. Und das noch dirigert von Dohnanyi. Besser geht's nicht. Leider haben sie das Stück nie (zusammen) aufgenommen.


    :hello: Rideamus