Die Geschichte der Schallaufzeichnung

  • Liebe Taminoianer,


    Dieser Thread soll in loser Folge eine Geschichte der Schallaufzeichnung werden vonEdisons erstem Phonographen bis............................


    Entgegen sonstigen Gepflogenheiten werden die Beiträge von mit immer wieder upgedatet, das soll heissen jeder einzelen Beitrag wird verändert, wenn zusätzliches Wissen hinzukommt, oder sich etwas als interessant herausstellt , wa ich vorersr für unbedeutend hielt.


    Ich plane einige Links zu Tonaufnahmen zu setzen, damit Ihr Euch eine Vorstellung über die Tonqualität uralter Aufnahmen machen könnt, sie klingen oft vitaler als sogenannte "restaurierte Fassungen". Der wirklichen Klang hört man allerdings nur über die Originalapparatur.


    Die ersten Kapitel werden relativ kurz sein, interessant wird es ab da, wo auch schon brauchbare Tonaufnahmen gemacht wurden, die teilweise heute noch zu haben sind.


    Ich weiß, es wird nur wenige interessieren, die aber in der Regel umso mehr. Es können auch von Euch Beiträge gebracht werden oder ergänzende Fragen gestellt werden. So ich die Antwort eruieren kann werde ich das tun.


    Korrekturen, Ergänzungen und Behandkung von Detailfragen sind ausdrücklich erwünscht.



    Beste Grüße aus Wien


    Alfred

  • Ja die Seite ist wunderbar, aber ich fürchte, sie wird vielen zu technisch und zu ausführlich sein. Allerdings frage ich mich ob es dann noch Sinn macht hier den Beitrag zu schreiben, der eigentlich Schellackfreunde auf UNSERE Seite locken sollten, nicht von uns weg.



    Für Technikfreaks eine Offenbarung, ich bitte insbesondere die beiden Phonographen -Aufnahmen aus dem Jahre 1902 und aus dem Jahre 1929 anzuhören, vorzugsweise mit angehobenen Höhen und Bässen.



    Das Rauschen schwillt dann zwar enorm an, gleichzeitig verschwindet aber teilweise das Quäkige solcher Aufnahmen, man hat eine ungefähre Vorstellung wie ein Edison Phonograph ungefähr geklungen haben mag.



    Ich selbst hab es schon gehört, und hätte (auf einer Ausstellung eines Clubs, anlässlich 100 Jahre Schallaufzeichnung , also etwa 1977) beinahe eine Walze besprochen, war dann aber zu schüchtern. :D


    Übrigens der Rest der Zuschauer auch, sodaß der "Moderator" des Klubs die Walze selbst besprach, und dann nach Umbau der Apparatur auch vorführte.



    Damals habe ich das erste mal gesehen, daß für Aufnahme und Wiedergabe verschiedene Arten von Trichtern und Schalldosen verwendet wurden, bei dem vorgeführten Phonographen aus dem Jahre 1906 war der Schneidstichel (die "Nadel") ein Diamant)



    Hier ist übrigens die erste erhaltene Tonaufnahme der Welt, zumindest der Beginn zu hören:


    THomas Alva Edison sprach den Text eines Kinderliedes zu Versuchszwecken auf den Zylinder.



    Mir war bekannt, daß er diese Aufnahme gemacht hatte, das sie noch erhalten blieb, wusste ich jedoch nicht



    Mary had a little lamb,


    Its fleece was white as snow



    And everywhere that Mary went,


    The lamb was sure to go



    http://www.tonaufzeichnung.de/…omas_alva_edison_lamb.mp3



    Das untenstehende Bild zeigt den jungen Edison mit einem der ersten funktionsfähigen Zinnfolienphonographen noch ohne Motor, lediglich mit Handkurbelbetrieb. Eine einigermassen gleichmäßige Geschwindigkeit war lediglich durch das große Schwungrad links im Bild gewährleistet.





    Und weil wir nun sowieso beim Verlinken sind:



    Eine bekannte, allerdings englischsprachige Seite ist



    httpp;//www.tinfoil.com



    Dort findet man auch sehr viele Informationen, beispielsweise diesn wunderschönen Edison Phongraphen aus dem Jahre 1906





    Dieser war mit einem Federwerk ausgestattet, nachdem Edison vorher schon mit Elektromotoren experimentiert hatte.


    Sehr gut zu sehen,auch die Verwendung von Ohrhörern, bzw Schläuchen zum Ohr :]



    Die Stromquelle ist das flaschenähnliche Gefäß links im Bild, die Chemie war angeblich jedoch derart giftig, sodaß man es nicht für vertretbar hielt, diese Technik im Normalhaushalt einzusetzen, Federwerke erschienen praktischer.... (und wahrscheinlich auch billiger)



    Wie funktioniert so ein Phonograph eigentlich ?


    Denkbar Einfach:


    Man singt (möglichst laut) in einen Trichter, an dessen Ende sich eine Schalldose mit einer Membran befindet die mit eimem Schneidstichel (Nadel) verbunden ist. Durch die Schallwellen gerät die Membran in schwingungen, und damit natürlich acu der Stichel. Dieser ist so eingespannt, daß er mit einer Walze (ursprünglich Stanniol, später Wachs) in Berührung kommt. Wenn nun die Walze gedreht wird, ritzt der Stichel die Membranschwingungn exakt in die Wachsschicht. Die Walze ist auf einem Gewinde angebracht, welches dafür sorgt, daß der Zylinder (oder die Schalldose, je nach Konstruktion) weitertransportiert wird, sodaß die Rille als Spirale weitergeführ wird.


    Die uinten angefügte Skizze zeigt den prinzipiellen Aufbau eines Phonographen (Der Trichter ist abgenommen)


    Bei der Wiedergabe folgt eine Nadel den Rillen, die der Stichel gegraben hat ünd überträgt die dadurch entstehenden Schwingungen auf die Membran. Die Schwingungen sind dann als Töne hörbar und werden über einen Trichter verstärkt.







    Waren die ersten Phonographen noch mit Zinnfollien realisiert, stieg man bald auf verschiedene Wachssorten um.


    Lag anfangs die Speilzeit noch bei 2 Minuten kamen bald enger geschnittene Walzen auf den Markt, dei 4 Minuten Spielzeit erlaubten. Es gab aber auch Sonderformate, ähnlich der heutigen SACD, die wesentlich besser klingen sollten und exorbitant teuer waren. Sie setzten sich nicht durch.....



    Edison hatte eine ganze Palette von Phonographen im Programm. Er selbst, amusisch, dachte an Musik zuletzt, ursprünglich war das Gerät als Diktaphon konzipiert und als Appatat zu Aufzeichnung der Stimmen großer Männer



    Aber als Edison das Potential auf musikalischem Gebiet erkannte, gründete er soger ein eigenes Orchester (Edison Orchestra) von dem zahlreiche Aufnahme erhalten geblieben sind.



    Unter den vielen Gerätetypen die es bereits um die Jahrhundertwende gab, war die Standardserie von der es einige Serien gab die wohl verbreitetste



    Deren Geräte waren mit einem Federwerksmotor ausgestattet und besass einen Konsolendeckel, der das Gerät leicht tragbar machte.





    Ähnlich der heutigen Zeit entstanden zahlreiche Konkurrenzprodukte, denen Edison immer wieder neue Einfälle entgegensetzte, wie beispielsweise Walzen aus blauem Zelluloid, die unzerbrechlich waren und etwa 2500 bis 3000 mal verschleißfrei abspielbar sein sollten. Sie waren ab 1912 auf dem Markt und liefen uinter der Markenbezeichnung "Blue Amberol".



    Fortsetzung folgt



    Freundliche Grüße


    Alfred

  • In der Anfangszeit des Phongoraphen wurde viel probiert und experimentiert. Man verwarf die mit Zinnfolien überzogenen Zylinder und ersetzte sie aus welche durch Wachs, später mengte man dem Wachs andere Chemikalien bei um das Material härter und widerstandsfähiger zu machen. Man kann davon ausgehen, daß erst jene schwarzen Wachszylinder, welche seit 1902 in Gebrauch waren, erträgliche Ergebnisse lieferten.


    Dennoch sprach etliches gegen die Walzen, sie waren sehr zerbrechlich, (die unzerbrechlichen Zelluloidwalzen waren eher ein Luxus, da sehr teuer und bei Edison erst ab 1912 verfügbar)relativ sperrig und ließen sich nicht befriedigend beschriften. Von den Problemen, die beim Vervielfältigen auftauchten, möchte ich gar nicht reden.



    Die Walzen wurden in Kartonboxen aufbewahrt. Sie selbst waren zumindest in der Anfangszeit überhaupt nicht beschriftet. Daher wurde vor Beginn des entsprechenden Musikstücks Eine Ansage gemacht, wo zunächst das Label, dann das Stück genannt wurde.


    Anfang des 20, Jahrhunderts gab es erneut einen Systemwechsel:
    Der Umstieg von den 2 Minuten Walzen zu den 4 Minuten Walzen.
    Edison bewarb dieses Projekt intensiv und rief alle Besitzer der neuen Phonographentype auf, auch Freunde und Nachbarn zum Umstieg zu überreden . Im Erfolgsfall winkte ihnen eine Prämie in Form von Zylindern.


    Kommen wir nun zu jenem Bereich der für dieses Forum interessant
    ist: Zur klassischen Musik.


    Da tat sich zunächst einmal fast gar nichts. Die Phonographen waren verhältnismäßig leise, die Aufnahmeapparaturen konnten in der Anfangszeit keine Violinen aufnehmen, was sich erst mit der Erfindung der Strohgeige änderte, die ihrerseits aber einen äusserst blechernen Klang hatte. Große Sänger weigerten sich in der Regel für den Phonographen Aufnahmen zu machen, und wenn sie es taten, dann unter falschem Namen. Zusehr hatte der Phonograph, ebenso wie der Kinematograph, den Ruf von Jahrmarktsattraktionen und Unseriosität.


    Erst ab ca 1900 wandelte sich dies Bild allmählich.


    Es gab 1906 sogar eine Werbe-Walze auf der der Edison-Phonograph 2 Minuten lang sich selbst anpries.


    http://www.authentichistory.co…he_Edison_Phonograph.html


    Hier wird bereits drauf aufmerksam gemacht, daß ein Phinograph auch die Oper und das Konzert ins Haus bringen kann.


    Vergesst nicht den Absatz gegen Schluß zu hören, wo der Phonograph auf seine High-Tech Eigenschaften hinweist und auf seine kristallklare Wiedergabe.


    Fortsetzung folgt.

  • Etliche Firmen bauten nun Sprechmaschinen, teilweise führte Edison patentrechtliche Prozesse. Um diesem Problem zu entgehen konstruierte der Erfinder Emile Berliner einen Apparat, der die Rillen auf einer Platte, anstelle einer Walze speicherte. Was zunächst wie eine Notlösung aussah und etliche Probleme verursachte, (beispielsweise der Vorschub des Schneidstichels, er war komplizierter zu bewerkstelligen) sollte sich in Zukunft als Geniestreich herausstellen, hatte doch die Schallplatte mit etlichen Vorteile gegenüber dem Phonographen aufzuwarten:


    Es war leichter Kopien anzufertigen, die Platten waren nicht so sperrig, und ausserdem war da noch Platz für ein Etikett mit Titel und Plattenfirma (später wurden auch die Interpreten genannt)


    Im Phonomuseum St.Georgen im Schwarzwald steht folgende Kopie des Ur-Grammophons:




    Die ersten Schallplatten hatten einen Durchmesser von ewa 12 cm, etwa so groß wie heute eine CD.


    Die ersten Grammophone wurden Berliner-Phonographen genannt, sie kamen ab 1888 auf den Markt,ständig wurde experimentiert und weiteremtwickelt. Die Platten wurden größer und sie Geschwindigkeit wurde langsam aber sicher von ca 150 UpM auf die zuletzt üblichen 78 UpMs gesenkt. Hier ist jedoch Vorsicht geboten: Kaum eine Schellackplatte der ersten Generation hiielt diese Geschwindigkeit wirklich ein, sie variierte zwischen 72 und 80 UpP, je nach Aufnahme, das macht einen korrekten Transfer auf CD so schwierig.Der Antrieb dieser ersten "Platten- Spieler" erfolgt ab ca1890 über einen Federwerksmotor, welcher auch die nächsten 45 Jahre die erste Wahl für den Antrieb von Grammophonen bleiben sollte, obwohl es bereits seit 1895 Geräte mit Elektromotor gab. (Grammophon war ursprünglich ein Markenname).
    Die ersten Grammophonplatten waren nur einseitig bespielt, (beidseitige gab es erst ab 19XX) und bestanden im wesentlichen aus einer Mischung aus Schellack (eiinem Harz das eine Lausart abgibt) Ruß, Kohle, Baumwollfaser und diversen mineralischen Füllstoffen, es wurde hier viel experimentiert. Schellackplatten waren leiser sehr leicht zerbrchlich, un somit gegen Edisons Blue Amberol Walzen ein Rückschritt.
    Ein riesiger Vorteil lag aber in der einfachen Anferigung von Kopien.
    Die Rillen wurden prinzipiell so erzeugt: Auf eine Zinkplatte wurde eine Wachsschicht aufgetragen, der Schneidsichel scheidet das Tonmuster nun nicht wie beim Edison Ponographen in die Tiefe, nein die Amplituden werden in Seitenschrift eingraviert. Ist die Aufnahme im Kasten, dann wird die obere Seite der Zinkplatte einer Säure ausgesetzt. Wo das Wachs weggekratzt wurde, frisst sich die Säure in das Zink ein und erzeugt so eine dauerhafte Rille. Von hier weg war es leicht Kopien anzufertigen...



    Das hier abgebildete Gerät der Deutschen Grammphon Gesellschaft stammt aus dem Jahre 1907.


    Wer sich für die Vielfallt der damaligen Apparatetypen interessiert, wird auf dieser Seite fündig:



    http://www.maur.de/index2.html



    Nun sollte man meinen, der Bann wäre gebrochen.
    Aber das war nicht so. Schon Edison hatte Mühe den Erzbischof von New York zu überzeugen, daß es sich bei der Tonaufnahme um eine physikalisch erklärbare Sache handle, und daß nicht (wie er vermutete) der Teufel aus dem Apparat spräche.
    Edison trat den Wahrheitsbeweis an, indem er den Bischof ersuchte die 16 Prophen so schnell in den Trichter zu spreche, daß sie sich der Teufel keinesweg merken könne, zudem würde der Teufel nie die Namen der Propheten aufsagen, das wäre wieder seine Natur.
    Soviel Logik konnte natürlich auch der geistliche Mann nicht widerstehen und er sprach brav das gewünschte in die Maschine. Als er die Wiedergabe hörte, war er bereits ganz sicher, das wäre nicht der Teufel der da spräche, sondern es selbst, allerdings mit verfremdeter Stimme.....
    Der Dirigent und Pianist von Bülow wurde ohnmächtig als man ihm sein Klavierspiel via Schallplatte vorführte.


    Zahrleiche Staatsoberhäupter stotterten nun in die Maschine, Johannes Brahms macht (widerwilig) eine Tonaufnahme.


    Aber wirkliche Künstler - wollten nicht für die Schallplatte musizieren, und wenn, so taten sie es unter falschem Namen, zu sehr war die Schallplatte mit dem Makel der Jahrmarksattraktion behaftet. Zudem war die Tonqualität sehr bescheiden.




    Fortsetzung Folgt

  • So bedurfte es gewaltiger Anstrengungen das neue Medium zu etablieren. Man hatte an vielen Fronten zu kämpfen, die Wiedergabegeräte waren exorbitant teuer, die Schallplatten waren exorbitant teuer, Künstler waren mehrheitlich skeptisch und irgendwer mußte den Leuten einreden, daß das Ganze naturgetreu klang, wahrlich keine leicht Aufgabe.


    Doch zuerst mussten mal die technischen Voraussetzungen geschaffen werden überhaupt Aufnahmen machen zu können



    Damit die jüngeren überhaupt einen Eindruck bekommen worum es da geht, ein paar Bilder, und ein paar technische Anmerkungen.
    Schallplatten und Edison-Walzen wurden mittels Trichter besprochen bzw besungen.
    Bis 1925.Dann wurden Schallplatten mittels Mikrophon aufgenommen, Edison Zylinder waren "passe".(etwa ab 1929)


    Der Vorteil: Erweiterung des Frequenzumfangs nach oben um ca eine Oktave. Etwas "natürlicherer" Klang durch Wegfall des "Trichterklanges". Ab diesem Zeitpunkt hatten die Schellacks den Vermerk "Elektrische Aufnahme"



    Hier nimmt ein Orchester gerade unter Sir Edward Elgars persönlicher Leitung auf.



    Hier wird auch gerade eine Aufnahme in den Trichter gemacht. Sehr schön zu sehen, daß die Geigen hier noch durch "Strohgeigen" ersetzt wurden mussten.



    Aufnahme in einem Studio von RCA - vor 1925.
    Links im Bild der Aufnahmetrichter.




    Das gleiche Studio, nach 1925. Der Trichter wurde durch ein "modernes" Mikrophon ersetzt. Heute würde man von "updaten" des Studios sprechen.




    Ein Aufnahmestudio um 1900




    Oberhalb zwei weitere Studios der Pionierzeit mit den obligaten Trichtern.
    Hochmoderne Technik war der Garant für kristllklaren Klang -
    So versprache es jedenfalls die Werbung.



    Schallplattenladen in London um 1900
    Platten konnen Selbstverständlich auch vorgeführt werden



    Links im Bild der Produzent Fred Gaisberg (Ihm verdanken wir, daß Caruso aufnahmen machen konnte) mit dem Direktor der EMI 1939
    Gaisberg war damals bereits 50 ! Jahre in der Branche.



    Fortsetzung folgt.


    *der Artikel wurde in ähnlicher Form bereits an anderer Stelle veröffentlicht ist aber Copyright by Alfred Schmidt 2004 Wien

  • Um das Jahr 1900 begann man endlich Aufnahmen im Großen Stil zu machen. Der Produzent Fred Gaisberg, später eine Legende bereiste ganz Europa um nach geeigneten Künstlern für die Schallplatte Ausschau zu halten.
    Es gelang ihm Caruso zu Aufnahmen zu bewegen (Die näheren Umstände finden Interessierte im Caruso-Thread), ebenso wie Adelina Patti und später Luiisa Tettrazini.
    Die Patti war quasi die Callas des 19. Jahrhunderts, sie wird in Orkar Wildes "Bildnis des Dorian Grey" ebenso erwähnt wie ihn Offenbachs Pariser Leben, zumindest in einer mir bekannten deutschen Version des Werkes.
    Die Patti war bereits über Ihren Zenit, als sie die Aufnahmen machte, trotzdem stellte sie fast unerfüllbare Bedingungen:
    Die Aufnahmen mußt bei Ihr zuhause (sie bewohnte ein Schloß) gemacht werden, das Studio könne dort aufgebaut werden, und so geschah es schließlich auch.
    Man sang damals in einen Trichter der die Schallwellen zur Membran mit dem Schneidstichel leitete. Man durfte nicht zu laut und nicht zu leise singen und den Abstand zum Trichter je nach Lautstärke variieren.


    Die Aufnahme von Orhester war erst in den ersten Jahren nach 1900 möglich, allerdings nur durch Verwendung von sogenannten "Strohgeigen" (nach ihrem Erfinder) welche statt ihres Korpus einen Metalltrichter hatten, der für die erforderliche Lautstärke gebraucht wurde..


    All dies Unzulänglichkeiten und Problem hielten aber die Plattenfirmen nicht davon ab, ihr Produkt in den höchsten Tönen zu loben und ihre Künstler mit allen Mitteln der Zeit zu vermarkten.


    Das Opernhaus im eigenen Heim, dank SACD ?
    Wer braucht das, das ist ja nichts Neues -
    die Masche ist uralt - schon zu Edisons Zeiten wurde sie angewandt:



    Vermarktet wurden aber auch die Wiedergabegeräte, die im manchen Werbeblättern sogar als "Musikinstruimente" bezeichnet wurden.



    Fortsetzung folgt

  • Der Anfang des Jahrhunderts brachte einige Neuerungen der Schellackplatte, so wurden die bisher einseitig bespielten Schellacks bald beidseitig bespielt (Odeon, 1903) und die Plattenumdrehungszahl wurde genormt. Seit 1901 gab es die Papieretiketten auf Schallplatten,
    Wo Firma, Musikstück und (manchmal) Interpret vermerkt waren.
    Technische Verbesserungen ermöglichten die Aufnahme von Streichern, zuerst über den Umweg der (grauenvoll klingenden !!) Strohgeigen, dann aber auch mit "normalen" Instrumenten.


    Endlich begannen berühmt Interpreten für die Platte Aufzunehmen, wie z.B der Geiger Joseph Joachim (1903) und Pablo Saraste (1904)
    Im Sängerbereich waren Adelina Patti, Nellie Melba und Enrico Caruso die Vorreiter,desgleichen Leo Slezak.
    In wenigen Jahre waren es hunderte.
    1913 spielt Artur Nikisch mit den Berliner Philharmonikern die ungekürzte Version von Beethovens Sinfonie Nr 5 für die Deutsche Grammophon Gesellschaft ein.


    Mitte der 20er Jahre gab es einen Innovationsschub:


    DIE ELEKTISCHE AUFNAHME


    "Elektrische Aufnahme" so stand es überall auf den "neuen" Schellackplatten etwa ab 1925, etw vergleichbar mit dem
    Kleber "Stereo" in den sechzigern und "Digital" in den achzigern.


    Was bedeutete das ?
    Die Künstler musten nun nicht mehr in einen Trichter brüllen, nein, ein "modernes" Mikrophon war nun der Schallempfänger. Die empfangenen Impulse wurden über einen Röhrenverstärker an eine elektrische Schneiddose weitergeleitetet, die wesentlich höhere Pegel erreichen konnte.




    Die Vorteile der "elektrischen Aufnahmen" waren:


    Höhere Lautstärke
    Geringeres Rauschen
    Kein aufnahmeseitiger "Trichterklang"
    Erweiterter Frequenzgang, , weniger quäkig (ca 150-4000 Hz)
    insgesamt "natürlicher"


    Diese Vorteile wurden beworben und auch in Markennamen wurde der Hinweis auf elektrische Aufnahmen angebracht, so z.B. "ELECTROLA"



    Heute bezeichnet man jene Aufnahmen, die mit dem Trichter gemacht wurden, als "akustische" Aufnahmen, alles spätere (etwa ab 1925) als "elektrische" Aufnahmen.





    Fortsetzung folgt.

  • Nun muß man sich vergegenwärtigen was denn eigentlich an der Aufnahme "elektrisch" war:


    Wie schon gesagt, der Ton wurde von einem Mikrophon aufgenommen, via Röhrenverstärker (Tansistoren waren noch nicht erfunden) verstärkt und solchermaßen der Schneidapparatur zugeführt.


    Die Vorteile wurden schon im letzten Abschnitt beschrieben, erwähnen sollte man vielleicht noch, daß andere Gesangstechniken erforderlich waren.
    Beim Trichter mußte man je nachdem in den Trichter gradezu hineinbrüllen, bzw unter gewissen Voraussetzungen einen Schritt zurücktreten. Das war nun nicht mehr erforderlich, jedoch waren die Mikrophone jener Zeit sehr erschütterungsempfindlich - diesem Umstand mußte Rechnung getragen werden.


    1935 wurde das "Magnetophon" (Heute sagt man Tonbandgerät dazu)
    erfunden. Anfangs wurde der Ton auf mit Eisenpartikeln versehenen Papierstreifen konserviert, die jedoch schnell duch Kunststoffolien ersetzt wurden. Magnetophone der ersten Generation hatten gegenüber bisherigen Schellackplatten jedoch keine wesentlichen Vorteile, wenn man von der längeren Spieldauer mal absieht - die aber dann bei der Übertragung auf Schallplatte ohnedies wieder zunichte gemacht wurde.



    Ein Vorteil sollte vielleicht doch erwähnt werden: Bei der alten Art der Aufnahme konnte durch einen abgerissenen Schneidspan die Aufnahme unbrauchbar sein. Es musste dann erneut gespielt werden. Bei der Übertragung vom Magnetophon wurde halt lediglich das Band ein weiteres Mal auf Schellack überspielt..


    Die BandGeschwindigkeit dieser Maschinen war übrigens sehr hoch:
    76 cm/per Sekunde lief das Band an den Tonköpfen vorbei, daher waren die Ausmaße damaliger Maschinen enorm. In späteren Jahren wurde die Bandgeschwindigkeit jeweils halbiert was zur Studionorm (38cm p sek) zur Heimstudionorm (19cm p sek) und zur "Normalbandgeschwindigkeit für den Heimgebrauch (9.5 cm p sek) führte. Eine Sparvariante von 4.75 cm p.sec war dann in späteren Jahren der Grundsten für die Normalgeschwindigkeit von Audio-Cassettenrecordern.



    Wenige Jahre später wurde die Hochfrequenz-Vormagnetisierung für Tonbandgeräte entdeckt


    Es war dies der Durchbruch, der Aufnahmen von wesentlich besserer Qualtät als bisher, ermöglichte.


    Ein weiterer Trend machte sich bemerkbar: Das Koffergrammophon.
    An Stelle der riesigen Trichtergrammophone, setzte man in den dreißiger Jahren im privaten Bereich nach und nach Koffergrammophone, auch Reisegrammophone genannt, ein



    Der Tricher wurde radikal verkleinert und im Innerem des Gehäuses untergebracht, wobei der Aufgeklappfte Grammophondeckel als Verlängerter Trichter, bzw Schallreflektor wirksam was, ähnlich wie der Deckel eines Konzertflügels.


    Fortsetzung folgt.

  • Kürzlich übergab mir ein Bekannter einen Dachbodenfund zur Versteigerung bei ebay: Es handelte sich um „TEFI“-Schallbänder mit diversen Titeln. Mir war diese Technik bis dato vollkommen unbekannt, weshalb ich etwas recherchierte:


    1938 gründete Dr. Karl Daniel das TEFI-Werk; seine Erfindung - das Tefifon – schien in den Jahren ab 1950 die Schallplatte abzulösen. Der Vorteil der Tefi-Bänder: Gegenüber den damaligen ca. 5 Minuten Spieldauer der Schellackplatten konnten diese fast 4 Stunden Spieldauer erreichen.


    Die dazugehörigen Abspielgeräte gab es in unterschiedlichsten Ausführungen, z.B. als ganzen Musikschrank oder einfache Schallbandabspieler.


    Wie man heute weiß, überlebte diese Technik nicht. Mit der von TEFI verwendeten Technik der Mikroschrift wurde jedoch der Grundstein für den großen Erfolg der LP gelegt.


    So sieht ein Tefi-Band aus (es ist sehr viel größer als eine heute bekannte Musikkassette):



    Gruß, Cosima

  • Aber eine Weitere Technische Neuerung stand ins Haus, die "Elektische Schalldose" auch dynamischer Tonabnehmer genannt.


    Die ersten Modelle shen aus wie eine gewöhnliche herkömmliche Schalldose, jedoch wurde die Nadelschwingung in elektische Schwingungen verwandelt. Der so erzeugte Wechselstrom musste mittels Verstärkers (Bzw Rundfunkenpfänger mit eingebautem Verstärker) so verstärkt werden, daß ein dynamischer Lautsptecher damit angesteuert werden konnte.....


    Nach und nach änderte sich die Form dieser Tonabnehmersysteme, sie wurden kleiner, und sahen in den 30er Jahren in etwa so aus:




    Man sieht im Vordergrund die Tonabnehmerpatrone für Schellackplatten, eingebaut in einen Tonarm. Die Arme und Patronen
    waren noch relativ schwer, aber wesentlich leichter als ihre Vorgänger.


    Diese Technik eignete sich nur für stationäre Anlagen, als Reisegrammophone wurden noch viele Jahre Exemplare mit mechanischen Schalldosen verwendet.


    Der erzielte Klang war rauschärmer und klirrte weniger, die Wiedergabe war weicher. Der Gesamteindruck war jedoch "geschönter", weniger authentisch...



    LG


    aus Wien


    Alfred

  • Hallo Alfred,


    dieser Thread wurde noch vor meiner Aufnahme in die Taminogemeinde eröffnet, aber erst jetzt stoße ich zufällig darauf. Ich bin überwältigt davon, einfach klasse! Vielen Dank dafür! :jubel: :jubel:


    Ich freue mich auf gelegentliche Fortsetzungen.



    herzliche Grüße aus Tübingen,
    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Während des zweiten Weltkrieges wurden viele Schallplattenfabriken zerstört - andere wurden als "Feindgut" konfisziert, bzw annektiert, was bis heute Auswirkungen hat, vor allem Logos wechselten ihre Besitzer - oder zumindest Logos.
    Im wesentlichen wurden weiter Mono-Schellackplatten produziert - von ein paar Laborversuchen mit Stereo in den frühen 40er Jahren mal abgesehen.


    Das "Salongrammophon" mit Trichter war mehr oder weniger aus den Wohnuingen verschwunden, an Stelle dessen kamen "elektrische Plattenspieler" mit eingebauten Verstärkern und Lautsprechern. Nur die praktischen "Reisegrammophone" mit Federwerk, welche seit den dreißiger Jahren am Markt waren wurden vereinzelt noch verwendet.


    Wenngleich die Schellackpalatte mit 78 Umdrehungen per Minute noch am Markt und in den Haushalten war, wurde bereit an neuen Formaten gebastelt:


    Ein neuer Werkstoff wurde gesucht und gefunden: PVC - Polyvinylchlorid - heute von Schallplattensammlern oft flapsig als "Vinyl" bezeichnet.
    PVC war in der Herstellung einfacher und billiger als das Naturproduck Schellack (plus Zusätze) und zudem fast unzerbrechlich - nur mit Absicht war das möglich.Zudem wurde eine neue Rillenbreite definiert (Die neuen Platten waren wesentlich enger geschnitten) welche unter dem Namen "Miikrorille" in die Schallplattengeschichte einging. Zudem war das neue Material glatter und daher gleitfähiger, was das "Plattenrauschen" (Nicht aber das Bandrauschen der Aufnahme) radikal verminderte. Die Grundlagen für eine naturnahe Wiedergabe waren zumindest gesetzt.


    Columbia entwickelte 1948 jenes Format, welches meine Generaton als 30 cm Langspielplatte mit 33 1/3 Umdrehungen pro Minutekennt, RCA Victor folgte ein Jahr später mit einer ca 17 cm großen PVC und 45 UpM. Letztere kennen wir unter dem Synonym EP- oder "Single" Wer erinnert sich nicht an das gropße Mittelloch, dfas später mit einem "Stern" an das kleinere der Langspielplatte angepasst wurde um die beiden Formate zueinander kompatibel zu machen.


    Die neuen Platten waren zunächst jeweils nur von einem für sie konstrueirten Plattenspieler abspielbar, so daß es DREI verschieden Formate am Markt gab.


    a) die herkömmliche Schlllackplatte: (Schellack, 25 cm, 30 cm, Standardloch Normalrille 78 Upm)
    b) Die Columbia Platte: (PVC 30 cm Standardlock Mikrorille, 33 1/3 Upm)


    c Die RCA-Victor Platte: (PVC 17 cm, großes Spezialloch, Mikrorille 45 UpM)


    Zunachst fand der obligate Krieg der verschiedenen Formate statt - wie man sieht, das hat es immer schon gegeben.


    Erst Mitte der Fünfziger Jahre kamen die ersten multiformatfähigen Plattenspieler (mit Piezokristllall -Tonabnehmer) auf den Markt.


    sie hatten in der Regel 3 Geschwindigkeiten UND 2 (meist durch Kipphebel austauschbare) Saphirnadeln. Die Microrille benötigte nämlich eine Nadel mit viel geringerer Breite, die Spitzenverrundung war anders definiert



    Die neuen Formate verdrängten nach und nach die Schellackplatten, der Übergang war fliessend. Da lagen nun die zerbrechlichen Schellackplatten neben den neuen unzerbrecklichen Vinylplatten, von denen anfangs niemand glauben konnte, daß sie wirklich unzerbrechlich seien.....


    Schellackplatten gab es bis etwa 1958, da allerdings nur mehr vereinzelt, der Übergang dürfte im wesentlichen um 1955 vollzogen worden sein, etwa um diese Zeit gab es teiolweise schon batteriebetriebene Plattenspieler für Vinyl, was durch die Erfindung des Transistors in den späten 40er Jahren ermöglicht wurde.


    Ab 1954 gab es die ersten ernstzunehmenden Stereo-Schallplatten, bzw die Aufnahmen dazu. Näheres in den folgenden Beiträgen aus meiner Feder.

  • Zur Frühgeschichte der Schallaufzeichnung gehören sicherlich auch die Musikautomaten mit ihren unterschiedlichen Datenträgern (Stiftwalze, Lochkarten usw)


    Zwar wird hier nicht unmittelbar der Klang, sondern nur die Information darüber, wie der Klang zu reproduzieren ist gespeichert (Vorgängerversion von MIDI ;) ) allerdings waren diese Automaten lange Zeit die einzige Möglichkeit, Musik zu konservieren.


    Ausführliche Informationen live und in Farbe gibt es zu diesem Thema im Deutschen Musikautomaten-Museum zu Bruchsal.


    In einem Seitenflügel des Schlosses ist das Museum untergebracht. Auf drei Etagen befinden sich hunderte von Exponaten aus dem 17. -20. Jahrhundert. Etliche darunter sind noch voll funktionsfähig.


    Unter den besonders wertvollen Automaten befindet sich eine Musiktruhe, die von Napoleon in Auftrag gegeben wurde und für die Haydn mehrere Melodien komponierte.


    Dieser automatische Flügel und seine "Munition" stammen aus dem Besitz Konrad Adenauers:


    Dieses Orchestrion “Phonoliszt-Violina” gehört wohl eher zu den Kuriositäten der Sammlung:

    Vor allem, weil hier nicht der Bogen auf die Saiten gedrückt wird, sondern die Geigen samt Saiten gegen den Bogen gepresst werden, wobei von jeder Geige nur eine Saite bespielt wird...das ist ein gezappel... :rolleyes:


    Sehen und hören kann man einige der Exponate hier.


    Auch die "Verpackung" der Exponate ist stilecht und sehenswert =) :



    Es empfiehlt sich jedoch, an einer Führung teilzunehmen, da darin viele Automaten vorgeführt werden und man auch nur so Zutritt zur "Schatzkammer" bekommt.


    Liebe Grüße :hello:
    Violoncellchen

  • Salut,


    mir hat der Besuch im bislang unbekannten Musikautomatenmuseum ebenfalls überraschend gut gefallen. Nicht nur, dass hier jene Geräte bestaunt werden können, für die vermutlich Mozart sein KV 594 und 608 "für eine Walze in eine kleine Orgel" komponierte. Der Erfindungsreichtum der Musikautomatenhersteller war von beeindruckend bis urkomisch. So manches Gerät verursachte innerliches schallendes [aber nicht wertendes] Gelächter: da gab es doch tatsächlich quasi DIN A 1 CDs... also Scheiben mit ~ 1 m Durchmesser, die im Prinzip wie eine Orgelwalze funktionieren. Und passend dazu auch den "CD-Ständer", eine Schublade, die mehrerer dieser Scheiben beinhaltete. Die Beschäftigungstherapien der adeligen Ehefrauen... :rolleyes: "Wie bringe ich einem Kanarienvogel eine Melodie bei?" - In dem man stundenlang an einem kleinen Hebel rührt und das an den Hebel angeschlossene Kästchen stundenlang die selben Flötentöne von sich gibt. Nach Aussage der Museumsführerin sterben allerdings Kanarienvögel in aller Regel, bevor sie die Liedform A-B-A richtig drauf haben. Auch da wurde bereits Abhilfe geschaffen: Ein Kunstvogel in einem Käfig :D Der braucht nun nicht mehr sterben, aber auch die Melodie nicht erlernen: Er kann sie bereits, wie nett.


    Von den kleinen Handkurbel-Kamm-Kästchen, wie man sie heute in jedem Nippesladen erhält [die Dinger, die vorzugsweise "Eine kleine Nachtmusik", "La-le-lu" oder "Freude, schöner Götterfuken" klimpern - ja! ich sammle das!] bis zu ihresgleichen im Dinosaurierformat war alles Dazwischenliegende enthalten. Das aufzuzählen, würde Bände verschlingen. Manche Musikautomaten waren an eine echte strombetriebene Orgel gekoppelt, die betuchte Menschen ihrerzeit im Wohnzimmer stehen hatten. So der Platz nicht reichte, wurde der Automat in den Keller verlegt und die Orgelpfeifen wurden mittels Rohren [im Wohnzimmer endend] verlängert.


    Einfälle, wie die Kuh Ausfälle! :hahahaha:


    Viele dieser Monster, namentlich Orchestrion [wie das schon klingt :kotz: ], klangen einfach grauenhaft, besonders die für Jahrmärkte gestalteten Exemplare! Ich hoffe, ich werde davon heute Nacht nicht träumen... :wacky:


    In der Jahrmarktabteilung lagen kleine nette Faksimiledrucke von "Das schöne Landmädchen von Mexiko oder: Die Rache der betrogenen Braut" aus - meine Gute-Nacht-Geschichte für heute.


    Die ersten Quasi-Lochkarten-Computer waren zu bewundern: Sie stammten [wenn ich mich richtig erinnere] noch aus dem 19. Jahrhundert: Musikautomaten, die mit Lochkarten betrieben wurden: Unvorstellbar, wie ein etwa 1 m hoher Lochkartenpapierstapel wie von geisterhand befördert von der einen Seite des "Instrumentes" auf die andere wanderte... dazu mußten zwei bis drei Meter überbrückt werden.


    Das "Haydn-Käschtl" wurde bedauerlicher Weise nicht vorgeführt - ist wohl zu wertvoll: Allein der Gedanke daran, dass das Ding stets die Uraufführung dieses ansonsten unspielbaren Werkes wiedergeben kann... Dafür aber gab es ein echtes kleines Kino aus den Anfängen der [Stumm-] Filme: Die Vorstellung bot "Laurel & Hardy" - mit einem originalen und tönenden Musikautomaten.... die Effektgeräusche wurden manuell von der Museumsführerin "eingespielt": sie bediente zusätzlich an das mechanisch angetriebene Klavier angebrachte Hebel und Tasten... zumeist im richtigen Moment. Gab es denn damals eigentlich bereits die Fahrradklingel?


    Was ich nicht ganz kapiert habe - und da wären wir dann vielleicht doch beim Thema "Geschichte der Schallaufzeichnung" - warum haben z.B. Saint-Saëns, Humperdinck, Elly Ney usw. die Banderolen der Rollen unterschrieben? Angeblich soll das so gewesen sein, wie die genannten Personen es gespielt haben!?


    Von Bruchsaler Schloß war allerdings außer den beiden rekonstruierten Prunksälen nichts zu sehen: Viel interessanter war der repräsentative dazwischenliegende Kuppelsaal mit einem - wohl für eine andere Veranstaltung aufgebauten - Minibuffet: Der Speckkuchen jedenfalls war köstlich! :yes:


    Also ich bin schon begeistert!


    :hello:


    Ulli

  • Zitat

    Original von Ulli


    Was ich nicht ganz kapiert habe - und da wären wir dann vielleicht doch beim Thema "Geschichte der Schallaufzeichnung" - warum haben z.B. Saint-Saens, Humperdinck, Elly Ney usw. die Banderolen der Rollen unterschrieben? Angeblich soll das so gewesen sein, wie die genannten Personen es gespielt haben!?


    Dazu habe ich einen interessanten Wiki-Artikel über das Welte-Mignon gefunden.


    Zu Herstellung der Rollen:

    Zitat


    “Handeingespielte Rollen” werden auf einer Aufzeichnungseinrichtung erstellt, die das Papier markiert, während der Pianist spielt. Das markierte Papier wird anschließend an den Marken gelocht. Man kann zusätzliche Noten einfügen oder Fehler des Spiels korrigieren. Diese Methode war in Gebrauch, seit 1904 die Firma Welte mit dem Reproduktionsklavier Welte-Mignon herauskam, das das Spiel so berühmter Pianisten wie Camille Saint-Saëns, Richard Strauss und George Gershwin aufzeichnete.
    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Klavierrolle


    LG :hello:
    Violoncellchen

  • Salü,


    nach dem oben beschriebenen Erstkontakt mit dem Deutschen Musikautomatenmuseum in Bruchsal stand heute der 2. Besuch an - diesmal mit Junior und dessen Frau Mama. Die Führung war diesmal um Wesentliches besser, als vor einigen Wochen. Eine mehr als kompetente Dame begleitete uns die anderthalb Stunden durch die neun Säle. Diesmal wurden einige andere Automaten vorgeführt, dafür wiederum waren andere gerade zur Inspektion oder ausgeliehen, wie beispielsweise der Adenauerflügel oder der Zauberflötist. Als wir die Dame nach einem Dinner im Schloßcafé erneut antrafen, machte sie noch eine kleine Privatführung, bei der geklärt werden konnte, dass die spiralförmigen Walzen bereits seit spätestens 1750 bekannt waren - ein gewisser Uhrenbauer Röntgen verwendete sie bereits Mitte des 18. Jahrhunderts in seinen Uhren. Damit war also die Wiedergabe von Musik für knappe 8 Minuten auch bereits 1791 unumstritten möglich - das Problem ist also gelöst. Braucht nur noch einer die Mozartwalzen nachbauen. :D


    Weiterhin habe ich nochmals wegen der Welte-Aufnahmen nachgehakt und bekam die Info, dass einige dieser Papierrollen abgespielt und aufgezeichnet wurden - und tatsächlich, da sind sie:



    Welte-Mignon - Piano Rolls Vol. 1 1905-1927



    Welte-Mignon - Piano Rolls Vol. 2 1905-1915



    Welte-Mignon - Piano Rolls Vol. 3 1905-1926


    Die werden jedenfalls beim nächsten jpc-Einkauf gleich mitbestellt [neben der Boccherinibox]. Das ist einfach zu interessant, Saint-Saens oder Grieg "live" spielen zu hören. :yes: Humperdinck sollte eigentlich auch dabei sein... jedenfalls lag vorort so eine Rolle in der Gegend rum - auch von Eugene d'Albert... *lechtz*


    Es gibt übrigens auch eine CD mit Einspielungen der verschiedenen Musikautomaten. Die ist aber für mich zunächst noch uninteressant, da die Haydntruhe aus der Schatzkammer erst vor vier Jahren in die Sammlung aufgenommen wurde und daher leider auf dieser CD nicht enthalten ist. Eine Neuauflage soll aber irgendwann folgen - leider alles eine Frage des Geldes...


    Dem Little Amadeus hat's übrigens sehr gut gefallen - trotz der kleinen Erkältung hat er tapfer, aufmerksam und begeistert gefolgt und bereits ein Lieblingsinstrument- bzw. einen Lieblingsautomaten... :rolleyes: Das gibt ne Klopperei... :D


    Viele Grüße
    Ulli

  • Ich kann zwar technisch in keinster Weise etwas zu den Erörterungen beitragen, möchte aber eine höchst interessante CD vorstellen:


    "Brahms spielt Klavier". Aufgenommen im Hause Fellinger 1899.
    Re-recording des gesamten Zylinders.
    Mit einer gesprochenen Einführung und einem Kommentar von Imogen Fellinger. In Zusammenarbeit mit der Staatsbibliothek zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz.


    Darauf spielt Brahms einige kleine Eigenkompositionen und Strauß-Walzer. Das Rauschen ist allerdings dermaßen stark, dass es mir noch nie gelungen ist, einigermaßen annehmbare Musik zu hören. Irgendwo soll man auf der CD sogar Brahms etwas "brummen" hören. Auf alle Fälle empfehlenswert!


    Zum Phonogrammarchiv...

    "Das Höchste in der Kunst - vor Gott besagt's nicht viel.
    Hat doch die Welt zuletzt nur ein moralisch Ziel."
    (Hans Pfitzner)

    2 Mal editiert, zuletzt von Gerald ()

  • Zitat

    Original von Gerald
    Das Rauschen ist allerdings dermaßen stark, dass es mir noch nie gelungen ist, einigermaßen annehmbare Musik zu hören.


    Hast Du je versucht das Rauschen zu vermindern? Dafür gibt es Programme.


    LG, Paul

  • Ich hab zwar bereits in diese Richtung gedacht, es aber noch nie probiert.
    Mit welchen Programmen ginge das denn?

    "Das Höchste in der Kunst - vor Gott besagt's nicht viel.
    Hat doch die Welt zuletzt nur ein moralisch Ziel."
    (Hans Pfitzner)

  • Die alte Brahmsaufnahme ist nicht zu retten !!


    Alles was möglich war wurde schon unternommen- da ist nichts mehr.


    Und es ist auch sicherlich nicht hörenswert.
    Brahms - so wird überliefert - soll die Aufnahme gar nicht gewollt haben, er war mürrisch und verschlossen an diesem Tag - und sein Spiel soll deshalb eher schlecht gewesen sein.


    Dafür spricht auch, daß diese Aufnahme letzlich gelöscht wurde - woraus die miese Tonqualität resultiert:.


    Ja ihr habt richtig gelesen : Gelöscht


    Damals hat man um zu löschen (Phonographen wurden anfangs in erster Linie als Diktaphone verwendet) einfach die oberste Wachsschicht, in die die Rille eingegraben war, mit einer Art Messer entfernt, währrend sich der Zylinder drehte. In unserem Falle dürfte die Löschung nicht kompllett geglückt sein, Reste von Schallinformationen waren noch vorhanden - Aber Wunder wirken kann die Technik letztlich auch nicht...


    mfg
    aus Wien
    Alfred

  • Hallo,


    ich habe so Ende der 80er drei Welte-Mignon CDs gekauft, die wohl allesamt nicht mehr erhältlich sind:


    Intercord Int 860.855: "Welte-Mignon digital" Es spielen Evard Grieg, Gustav Mahler, Alexander Skrjabin, Camille Saint-Saens, Richard Strauss, Max Reger, Maurice Ravel, Claude Debussy. Alles digital aufgenommen.


    Teldec 8.43932 ZS: "Welte Mignon 1905 - Berühmte Komponisten spielen eigene Werke" Es spielen: Richard Strauss, Camille Saint-Saens, Eugen d'Albert, Engelbert Humperdinck, Wilhelm Kienzl, Ruggiero Leoncavallo, Edvard Grieg, Gustav Mahler. Analog aufgenommen 1971.


    Zyx Classic 3001/2/3: Famous Composers Performing Their Own Work", 3 CDs. Es spielen: Camille Saint-Saens, Evard Grieg, Ruggiero Leoncavallo, Gustav Mahler, Ingnace-Jan Paderewski, Claude Debussy, Richard Strauss, Max Reger, Paul Hindemith, Arthur Nikisch, Egon Petri, Bernhard Stevenhagen, Arthur Degreed, Josef Lhevinne, Arthur Schnabel, Ferruccio Busoni, Ernst von Dohnannyi, Wanda Landowska, Wilhelm Backhaus, Edwin Fischer, Walter Gieseking. Digital aufgenommen.
    Also nicht nur Komponisten.


    Interessanterweise weiß man, wie die Rollen wiederzugeben sind. Das Aufnahmeverfahren ist aber bis heute ein Geheimnis geblieben!


    LG,
    calaf

  • Zitat

    Original von calaf
    "Welte-Mignon digital"


    digital im Sinne von Loch/kein Loch anstelle des heute gebräuchlichen high/low...? :hahahaha:


    Zitat


    Interessanterweise weiß man, wie die Rollen wiederzugeben sind. Das Aufnahmeverfahren ist aber bis heute ein Geheimnis geblieben!


    äh...nö.


    Ich weiß es :D


    :hello:
    Violoncellchen


  • Digital heißt, dass die Wiedergabe der Rollen digital aufgezeichnet wurde. :rolleyes:


    So Du weißt es? Meines Wissens nach ist es unbekannt, wie die dynamischen Spielinformationen aufgezeichnet wurden. In dem Wiki-Artikel kann ich dazu nichts finden, außer dass Welte-Mignon das eben konnte. :rolleyes:


    Schau mal hier.

  • Eigentlich wollte ich dich nur auf den Artikel hinweisen, da er dir unbekannt zu sein schien, und mich darüber amüsieren, dass der Begriff "digital" hier tatsächlich zutreffend ist, auch ohne den Aspekt der digitalen Aufzeichnung.


    Schönen Gruß
    Violoncellchen

  • Frage: Weiß jemand wofür die Plattenspieler die Geschwindigkeit 16 U/min hatten? Was für Tonträger wurden damit abgespielt?


    Danke,
    calaf