Schostakowitsch (Shostakovitch): Klaviermusik

  • Hallo zusammen,


    einen entsprechenden Thread habe ich hier noch nicht gefunden und da Schostakowitsch nicht sonderlich viel für Klavier solo geschrieben hat (Preludes Op.34, Präludien und Fugen op. 87, 2 Klaviersonaten), eröffen ich diesen Thread in dem über sein gesamtes Klavierschaffen diskutiert werden kann. Konkreter Auslöser für mich waren folgende Beiträge aus dem Thread Was hört Ihr gerade jetzt? (Klassik 2007):




    Selbst kenne auch ich nur die Jarrett-Aufnahme des op. 87 und kann damit ebenfalls nicht warm werden. Es fällt mir sogar schwer, genau zu sagen weshalb. Der Klang ist es bei mir vermutlich weniger - vielleicht spielt er aber auch eine Rolle.


    Eigentlich sollten alle Voraussetzungen dafür gegeben sein, dass mir das Werk gefällt:
    - Ich liebe Klaviermusik
    - Ich liebe Bachs Musik (insbesondere die beiden WTK)
    - Ich liebe es, wenn es in Moderner Musik Bezüge zu Bach gibt (z.B. bei Reger oder bei Villa-Lobos)
    - Ich liebe die Kammermusik Schostakowitschs
    - Ich liebe so manches Stück Klaviermusik des 20. Jahrhunderts


    Aber diese Aufnahme lässt mich kalt. Liegt es am Werk oder liegt es an der Interpretation? Ich bin mir nicht ganz sicher...
    Auch das Werk erscheint mir recht "spröde". Meistens wird es mir nach einer halben Stunde zu langweilig und ich höre nicht weiter.


    Denkt ihr Scherbakov spielt es so anders, dass sich mir das Werk bei ihm eher erschließen würde? Oder denkt ihr, dass es am Werk liegt? Mag von euch vielleicht sogar jemand gerade die oben genannte Jarrett-Aufnahme (seinerzeit bekam er recht gute Kritiken dafür)?


    Viele Grüße
    Frank

  • Ich kenne Jarretts Aufnahme nicht. Ich kenne keine Jazz-Aufnahmen von ihm, aber was ich an klassischen oder barocken Werken gehört habe, ist immer eher "brav". Es könnte also durchaus an der Interpretation liegen.


    Scherbakov ist gewiß einen Versuch wert (es gibt eine weitere Naxos-CD mit anderen Klavierwerken von DSch, op.34 etc.), noch preiswerter ist Rubackyte auf Brilliant. (ich habe beide, kann aber ohne die nochmal ausführlich zu hören, kein Urteil abgeben, und noch weniger, welche Stücke ich besonders beeindruckend finde)


    Ein interessantes Projekt hat Mustonen vorgenommen; er kombinierte nämlich Schostakowitschs Präludien und Fugen mit Bachs WTK I. Hiervon habe ich allerdings nur die erste Folge. Man muß freilich seine Eigenwilligkeiten akzeptieren.


    Die Stücke selbst finde ich durchaus faszinierend, sie sind aber, verglichen mit anderen Werken Schostakowitschs sehr "konservativ". Die Bach-Hommage ist allenthalben deutlich, auch wenn der skurril-groteske Schostakowitsch-Tonfall nicht fehlt, so scheint er mir doch viel seltener zu sein als in anderen Stücken.


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo,


    mir geht es wohl ähnlich wie Frank und Kontrapunkt. Da ich keine alternative Einspielung kenne, ist ein Vergleich nicht möglich.


    So sehr ich Keith Jarrett als Jazzmusiker auch schätze - diese Aufnahme finde ich nicht sehr lebendig. Die Musik plätschert ziemlich vor sich hin; ich empfinde kaum Spannungsbögen und Kontraste. Ich kann mir vorstellen, dass es weit lebendigere und wachere Interpretationen gibt, die den Stücken etwas mehr Puls zugestehen, was sie bestimmt besser zur Geltung bringen würde.


    Vielleicht hat ja hier jemand diese Erfahrung gemacht.


    Aber ich denke, dass die Präludien und Fugen nicht gerade zu meinen persönlichen Schostakowitsch-Höhepunkten gehören.


    Gruß,


    Uwe

  • Ich habe diese Werke mit der Scherbakow-Aufnahme kennengelernt...



    ...und war vom ersten Moment an begeistert. Irgendwie mag ich diese Werke. Schostakowitsch hat sicher gewichtigere Stücke geschaffen, dennoch hat der Zyklus einen ganz eigenen Charme, mit der Rückgriffen auf alte Formen in der Verbindung mit den modernen Klängen des Komponisten.
    Ich empfinde Scherbakow als sehr klangschön und nuanciert, vor allem aber auch rhythmisch sehr gut.


    Vergleiche fehlen mir allerdings weitestgehend. Ich habe im Laden (wo leider die Zeit fehlt, sich auf neue Interpretationen einzulassen) in die Aufnahme von Ashkenazy reingehört, war damals ganz angetan, fand aber Scherbakwo im direkten Vergleich immer noch hervorragend.


    Für den Preis wie gesagt durchaus kennenlernenswert betreffs Werk und Interpret.


    Gruß
    Sascha

  • Vielen Dank für eure Antworten!


    Dass Jarrett zu "brav" spielt, trifft es wahrscheinlich. Inwieweit Scherbakov da besser ist, oder dieser brave Eindruck einfach zum Werk gehört, werde ich bei Gelegenheit selbst testen. Sprich: Die Scherbakov-Aufnahme landet auf meinem Einkaufszettel.
    Vielversprechend ist auf jeden Fall, dass Sascha davon spricht, dass die Aufnahme "rhythmisch sehr gut" ist.


    Mustonen schätze ich bisher nicht so sehr. Kenne ihn aber nur aus mehreren Konzerten. Vielleicht geht es eher von CD, wenn man nicht seiner ausladenden Gestik beim Klavier Spielen zusehen muss! :stumm:


    Bernd Glemser erzählte mir übrigens mal nach einem Konzert er würde auch gerne eine CD raus bringen kombiniert mit Schostakowitschs und Bachs Präludien und Fugen. Leider fände sich dafür kein Produzent. Schade!


    Viele Grüße
    Frank

  • Dann und wann höre ich die Präludien und Fugen ganz gern. Allerdings höre ich sie nur selten hintereinander weg. Sie sind mir dafür zu wenig zusammengehörig. Das Wohltemperierte Klavier Bachs ist deutlich einheitlicher.


    Die oben abgebildete Aufnahme von Schwerbakow besitze ich ebenfalls. Auch ich halte sie für gut und empfehle sie gern.


    Allerdings ist das Bessere des Guten Feind. Und das Bessere ist eindeutig Richter in dieser Aufnahme:



    Es handelt sich um keine Gesamtaufnahme. S. Richter hat keine gemacht. Er hat jedoch diverse Stücke aus op. 87 eingespielt. Immerhin befinden sich von ihnen rund 40 Minuten auf dieser Doppel-CD (die leider nur noch für viel Geld gebraucht erhältlich ist).


    Wie unterscheiden sich nun Scherbakow und Richter?


    Der größte Unterschied dürfte in dem Ausmaß der Gestaltung liegen. Scherbakow, so ist mein Eindruck, ohne im Besitz der Noten zu sein, gestaltet so gut wie nicht. Er spielt die Noten - welche er vollkommen beherrscht -, aber nicht mehr. Scherbakow ist stärker an der Motorik als an den Klangfarben interessiert. Rhythmisch, das Urteil erlaube ich mir, halte ich ihn sogar für stärker als Richter.


    Bei Richter tritt die Motorik in den Hintergrund, teils wirkt besonders das grundierende Spiel der linken Hand im Vergleich zu Scherbakow etwas unstet. Nur geht es Richter offenbar gar nicht um einen möglichst exakten Vortrag der Noten, also z.B. um ein über längere Zeit möglichst gleichförmiges Spiel der linken Hand. Ganz im Gegenteil ist Richter daran interessiert, nicht nur die Noten zu spielen, sondern diese, teils unter Verwendung großer Eigenmächtigkeiten, möglichst interessant zu gestalten. Er holt aus den Noten ein Mehr hinaus, das Scherbakow herauszuholen nicht gegeben ist. Ein Crescendo ist bei Scherbakow ein bloßes Ansteigen der Lautstärke, bei Richter hingegen ein fast schon magisches machtvolles Anschwellen. Der Klangkosmos, in dem Richter sich bewegt, ist ungeheuer. Einzelne hohe Töne der rechten Hand, die bei Scherbakow keine besondere Beachtung finden, versteht Richter derart in den Mittelpunkt zu rücken, dass sie auf eine Weise funkelnd leuchten, die ich nur mit beseelt zu beschreiben weiß. Richter ist im Vergleich zu Scherbakow, insbesondere aufgrund der Anschlagsvielfalt der rechten Hand, ein Zauberer, ein Magier der Klänge.


    Würde ein Komponist sein Werk von Scherbakow und Richter gespielt hören, würde er bei Scherbakow zufrieden äußern: "Ja, das ist wirklich gut gespielt." Bei Richter hingegen würde er staunen, weil er nicht geahnt hat, was alles in seiner Komposition steckt, und er würde sich ungläubig - und insgeheim bewundernd - selbst fragen: "Das habe ich komponiert?"


    Der Klang der Richter-Aufnahme ist übrigens trotz ständigen Hintergrund-Rauschens befriedigend bis gut.


    Gelesen habe ich schon oft, dass bei op. 87 die Aufnahme von Tatiana Nikolaeva die Referenz sei (sie hat das Werk zwei Mal eingespielt). Gehört habe ich Nikolaeva aber noch nie. Auch ihre Aufnahmen sind nur schwer erhältlich.


    Viele Grüße
    Thomas

  • Hallo,


    ich besitze die Scherbakov-Aufnahme und finde sie pianistisch überragend. Vielleicht könnte man stellenweise emotionaler an die Sache rangehen, aber an Transparenz und Klarheit finde ich Scherbakov hervorragend.


    Besondere Tipps:


    die Doppel - bzw. Tripelfugen in e-moll und d-moll, Schostakowitsch wie man ihn sich vorstellt..


    Gruß, Flo

  • Hallo zusammen,


    habe nun endlich die Scherbakov-Aufnahme der Präludien und Fugen op. 87 erworben und auch direkt in drei Hörsitzungen angehört. Ohne äußere Zwänge, hätte ich sie womöglich sogar in einem Rutsch durchgehört! Was für ein spannendes Werk! Dies auch mit einer erstaunlichen Stimmungsvielfalt!
    Versuche mal aus dem Kopf (und mit Hilfe von freedb.org) ein paar Eindrücke zu schildern:
    "Track 14. Fugue no 19 in E flat major" welch ein ruhiges, wunderschönes Stück - nie hätte ich es blind gehört mit Schostakowitsch in Verbindung gebracht. Dann direkt darauf "15. Prelude no 20 in c minor" wieder Schostakowitsch in Reinform, wie ich ihn auch blind direkt zugeordnet hätte.
    Auch pianistisch und klangtechnisch finde ich die Aufnahme genial. Beeindruckend z.B. "8. Fugue no 16 in b flat minor" oder "10. Fugue no 17 in A flat major".


    Bei Gelegenheit werde ich mit Keith Jarrett vergleich hören und dann erneut berichten.


    Viele Grüße
    Frank

  • Oh je, sehe gerade, dass die oben von mir genannten Preludes und Fugen zwar die richtigen Track-Nummern haben, aber von CD 2, statt von CD 1 sind. Die Bezeichnungen stimmen also alle nicht!


    Ansonsten habe ich nun Teile der Scherbakov-Aufnahme von op. 87 mit der Jarrett-Aufnahme verglichen. Jarrett klingt für mich einfach weicher, schwammiger, braver, langweiliger, unverbindlicher, usw...
    Teilweise mag dies durch die Klangtechnik gefördert werden, in der Hauptsache ist es aber seine Interpretation. Manches einzelne Stück für sich genommen klingt bei Jarrett gar nicht so übel. Aber wenn ich mehrere Stücke der Jarrett-Aufnahme hintereinander höre, dann wird es einfach fade. Bei den Stücken, wo dies nötig ist, finde ich auch den nötigen Schostakowitsch-Tonfall überhaupt nicht richtig getroffen.


    Im Booklet steht, dass Jarrett bei seinem Bach-Spiel bewusst wenig interpretiert und die Musik für sich sprechen lassen will. Scheinbar versucht er dies auch bei Schostakowitsch, was nach meinem Empfinden schief geht. Dies soll jetzt nicht im Umkehrschluss heißen, dass Schostakowitschs Musik so schwach wäre, dass der Interpret es richten muss. Nein, die Musik finde ich großartig! Sie muss nur auch ansprechen rübergebracht werden! Scherbakov schafft dies!


    Viele Grüße
    Frank

  • ich habe die Interpretationen sowohl von Jarrett als auch von Ashkenazy - leider nicht von Richter!! Ashkenazy ist schon deutlich besser als der (in der Klassik doch überbewertete) Jarrett; Richter wird wahrscheinlich noch mehr den Nerv treffen.
    Scherbakow kenne ich gar nicht, leider.


    Ciao,
    tuonela

  • Ach, fast sieben Jahre lang ist hier nichts mehr geschrieben worden.


    Ich lerne Schostakowitschs Präludien und Fugen op. 87 erst jetzt kennen. Vor längerer Zeit wurde ich durch lobende Rezensionen auf diese relativ neue (kurz nach dem letzten Eintrag in diesem Thread erschienene) Einspielung von Jenny Lin aufmerksam:


    Dimitri Schostakowitsch:
    Präludien & Fugen op.87 Nr.1-24

    Jenny Lin
    Hänssler, DDD, 2008


    Eine transparente und feine Einspielung, die unaufdringlich berührt. Das gefällt mir sehr gut.


    In einer Besprechung der CD wird es so formuliert:

    Zitat

    "Gewissermaßen unter der imaginären Schirmherrschaft Johann Sebastian Bachs erklingen zärtliche, bis an die Grenze der Wahrnehmung verhaltene Klänge, amüsieren im nächsten Moment clowneske, übermütige Tanzsalven, frappieren verrückt beschleunigte Fugen-Strudel – kurzum: die Interpretin ist gefordert, sich den meditativen Passagen hinzugeben, sie dem Schlaginstrument Klavier unter Vermeidung jeglicher Grobheit zu entwinden. Flugs darauf jedoch muss sie rüpelhaft zupacken können, muss sie krasse Hörbilder vor dem inneren Auge ihres Publikums ausgestalten. "


    Ich kann nicht vergleichen, da dies meine erste Begegnung mit op. 87 ist und ich keine weitere Aufnahme besitze. Mich würden in Zukunft die hier erwähnten Aufnahmen von Tatjana Nikolajewa und von Konstantin Scherbakov. Ich glaube, Keith Jarrett interessiert mich nicht so. Tatjana Nikolajewa ist ja mit der Entstehung von op. 87 eng verbunden. Sie hat drei Einspielungen vorgelegt. Ich muss da mal schauen, wie es weitergeht.


    Ich freue mich, ein sehr berührendes Werk des von mir so verehrten Schostakowitsch kennen zu lernen.


    Mit freundlichen Grüßen von der Nordseeküste, Andrew

    „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

  • Nachdem ich genau die beiden Einspielungen von Jenny Lin und Konstantin Scherbakov besitze, habe ich jetzt mal kurz in Präludium und Fuge Nummer 1 reingehört. Die Lin-Aufnahme erscheint mir klanglich deutlich überlegen. Sie ist lauter aufgenommen, sodass man sich das sehr leicht täuschen kann, aber auch wenn man bei Scherbakov die Lautstärke anhebt, wirkt alles etwas weniger klar, das Klavier eine Spur weniger natürlich.

    Wo Lin die erste Fuge in 2:51 spielt, benötigt Scherbakov dafür 4:01, bei Fuge Nummer 8 steht es 5:32 gegen 7:10, auch bei Fuge Nummer 13 ist Scherbakov eine Minute langsamer. Das ist aber nicht immer so, es gibt auch Stücke, bei denen Lin etwas langsamer ist, aber da sind die Unterschiede nicht so groß.

    Zur Interpretation kann ich mich nicht qualifiziert äußern, und nur mal ein Präludium und eine Fuge von jeweils 24 anzuhören berechtigt allenfalls zur Schilderung eines ersten Höreindrucks. Beim Präludium fand ich Lin gleichzeitig klarer, deutlicher und gleichzeitig nicht weniger lyrisch oder verträumt als Scherbakov. Die Fuge erschien mir zunächst bei Scherbakov fast ansprechender, aber beim nochmaligen Hören fand ich es dann doch etwas langsam, während Lin dabei gewann. Die Struktur kommt klarer heraus, das Stück wirkt für mich schlüssiger und trotz des schnelleren Tempos habe ich immer das Gefühl, sie lässt sich Zeit genug und spielt alles aus.

  • Hallo zusammen,
    als DSCH-Freund und LP-Sammler lernte ich op.87 mit ihm selbst am Klavier kennen.
    Leider hat er nur eine Auswahl aufgenommen!
    Die Musik zog mich sofort in ihren Bann und ich begann, alternative Gesamtaufnahmen zu suchen.
    Habe sie alle angehört, von Jarrett über die Nikolajewa, Richter und Scherbakow...keine sagte mir recht zu.


    Erstaunlicherweise fehlte ihnen allen nichts, sie hatten etwas "zuviel", nämlich eine gewisse Verliebtheit in den Klavierklang, der dem Spiel Schostakowitschs
    so völlig abgeht. Bei allen bekam die Musik eine Art Sinnlichkeit, vor der er selbst sich geradezu zu scheuen scheint.
    Über manch "Gefühliges" huscht er geradezu hinweg, Skurriles klingt gebrochen, nicht in den Vordergrund gehoben.
    Dafür ergreift mich die Musik bei seinem Spiel tiefer emotional als so "klangverliebt".
    Selbt Witz ist bei ihm ja nicht ohne doppelten Boden, die als sonst "zu lang" empfundenen Stücke haben Innenspannung.
    Und ich gab beinahe auf, eine Alternative zu finden.


    Bis ich ihre Aufnahme hörte:
    https://www.jpc.de/jpcng/class…euvre-Pour-P/hnum/5304696


    Rein pianistisch ist sie über jeden Zweifel erhaben, aufnahmetechnisch die Aufnahmen denen DSCHs natürlich überlegen.
    Was ihr Spiel dann aber so zwingend macht, ist ihre Herangehensweise, den Klavierklang eben nicht um seiner selbst "blühen" zu lassen.
    Da war dann alles, was ich suchte: der etwas verhaltene Sarkasmus statt des platten Witzes. Die tiefe Emotion statt des schönklingenden Gefühls.


    Irgendwie sind für mich alle anderen Aufnahmen "Missverständnisse" auf mehr oder weniger hohem Niveau.
    Man verzeihe mir die verabsolutierende Aussage.


    Herzliche Grüße,
    Mike

  • erstaunlicherweise fehlte ihnen allen nichts, sie hatten etwas "zuviel", nämlich eine gewisse Verliebtheit in den Klavierklang, der dem Spiel Schostakowitschs
    so völlig abgeht. Bei allen bekam die Musik eine Art Sinnlichkeit, vor der er selbst sich geradezu zu scheuen scheint.
    ...
    Was ihr Spiel dann aber so zwingend macht, ist ihre Herangehensweise, den Klavierklang eben nicht um seiner selbst "blühen" zu lassen.
    Da war dann alles, was ich suchte: der etwas verhaltene Sarkasmus statt des platten Witzes. Die tiefe Emotion statt des schönklingenden Gefühls.



    Hallo Melante,


    ich glaube, das ist die Richtung, die ich suche. Du hast das treffend in Worte gefasst.
    In der Nüchternheit und in der Distanz liegen - so paradox das auch klingen mag, es ist paradox - für mich mehr Gefühl und Nähe als in allem Anderen.


    Für den Anfang reich mir meine vorliegende Aufnahme, aber dann möchte ich gern eine andere Interpretation kennen lernen. Danke für den Hinweis auf die Einspielung von Caroline Weichert (in dieser Box sind ja wohl alle Solo-Klavieraufnahmen enthalten ...) , ich habe mir deine Empfehlung notiert.


    Freundliche Grüße von der Nordseeküste, Andrew

    „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

  • Hallo Andrew,
    lässt Du uns und mich Deinen Eindruck lesen, solltest Du die CDs mit Caroline Weichert kaufen?
    Zumal Du Dich mit dem Paradoxon beschäftigst, das nun wiederum Du so trefflich in Worte fasst.
    Ich wäre Dir für die Schilderung Deiner Hörerfahrung sehr dankbar.


    Herzliche Grüße vom Rhein,
    Mike

  • Nachdem ich vorigen Donnerstag im Wiener Konzerthaus dieses Werk mit Igor Levit erlebt hatte - Besprechung in der Tageszeitung "Der Standard" siehe unten -, habe ich mir wieder die Scherbakov-Aufnahme hervorgeholt und genieße die Präzision des Spiels und die aufnahmetechnische Meisterleistung. Ich verstehe ja die Kommentare, die sowohl bei Levit als auch bei Scherbakov den Ton als warm und weich bezeichnen, gar nicht negativ; nur verstehe ich nicht, was die Alternative wäre. Bzw. ist der "weiche Ton" bei manchen Präludien und Fugen einfach vonnöten und bei anderen die harte Pranke. Kann jemand dazu was sagen?


    https://goo.gl/HXN8Tb

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.