Was mich an Antonio Vivaldi fasziniert ............

  • Ja hier gibt es schon die erste Frage: Gibt es überhaupt jemanden, den Vivaldi "fasziniert" ? (Ich für mein Teil würde die Frage eindeutig mit JA benatworten)


    Vor gut 40 Jahren nur durch einge wenige Konzerte bekannt, man wusste aber daß es ca 400-600 gab, von etlichen als Vielschreiber abqualifiziert, ols Opernkomponist (noch bis vor einigen Jahren) nocht im öffentlichen Bewusstsein der Klassifreunde etabliert, von Strawinskys Verdikt (nämlich, er habe nur EIN Konzert geschrieben - das aber 400 mal) diskreditiert, hat es sich im Lauife der letzen zwanzig Jahre zum Fixstern am spätbarocken Himmel gemausert - als unverzichtbarer Bestandeteil der "klassischen Musik"


    Dennoch wird er gerne immer wieder als Meister "gefälliger Werke" gesehen, der hinter den "Großen" seiner Zeit (z.B Bach) zurückstehen müsst....


    Demgegenüber steht ein gradezu sagenhafter Ausstoß an Neuveröffentlichungen innerhalb der letztn 20 Jahre - der fast unvermindert anhält.


    Also muß es doch Leute geben, die von Vivaldi fasziniert sind ?


    Vivaldi ist einer der jenigen, deren Werke durch HIP- Aufnahmen erst an Lebenskraft und Faszination gewonnen haben - wobei ich immer noch in Zweifel stelle, daß die heutige Aufführungspraxis Vivaldis Intentionen gerecht wird - aber in diesem Falle wäre es immerhin möglich.



    mfg aus Wien


    Alfred

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Ja hier gibt es schon die erste Frage: Gibt es überhaupt jemanden, den Vivaldi "fasziniert" ? (Ich für mein Teil würde die Frage eindeutig mit JA benatworten)



    Ich finde, im Grunde hat Strawinsky schon Recht gehabt... :untertauch:


    Seine Instrumentalwerke sind mir - Ausnahmen gibt es natürlich - zu sehr Einheitsbrei. Zu meinen Ausnahmen zählen beispielsweise die größer besetzten Concerti, die er für die Dresdner Kapelle geschrieben hat, und auch die berühmte Vier Jahreszeiten schätze ich durchaus.


    Von den Opern kenne ich nicht allzu viele (Orlando furioso, Griselda und teilweise Tito Manlio), obwohl da ja inzwischen auch einiges auf dem Markt verfügbar ist. Das scheint mir aber lohnender zu sein.


    Ähnliches kann ich auch zu den Kirchenmusiken von ihm sagen, da gibt es einige echte Perlen, z.B. Nisi Dominus, RV 608 oder Nulla in mundo pax sincera, RV 630.



    herzliche Grüße,
    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Zitat

    Original von salisburgensis
    Seine Instrumentalwerke sind mir - Ausnahmen gibt es natürlich - zu sehr Einheitsbrei.


    Welcher Komponist hat denn Werke geschaffen, die zum Verwechseln ähnlich sind mit den Concerti von Vivaldi?


    Ich halte Vivaldi für außerordentlich originell und für das Gegenteil von "Concerto-Einheitsbrei".
    :hello:


    PS: Außerdem war Dein Posting Off-Toppic. Ruf mal einen Moderator, damit er es löscht ...
    :untertauch:

  • Wieso off-topic? Ich hab Alfreds erste Frage beantwortet... halt etwas ausführlicher. Deins ist off-topicer :baeh01:


    Ich stimme dir zu, dass Vivaldi sehr Originelles hinterlassen hat. Deshalb präzisiere ich: verwechseln mit Concerti von anderen nicht so sehr, aber die 5xx (oder wieviele es nun sind) von Vivaldi untereinander. Oder kannst du die weit über 200 Violinkonzerte oder die fast 40 Fagottkonzerte auseinander halten?



    :hello:
    Thomas

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    und auch mein blaues Ohr!
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    - H. Heine -

  • Zitat

    Original von salisburgensis
    Oder kannst du die weit über 200 Violinkonzerte oder die fast 40 Fagottkonzerte auseinander halten?


    Nur würde ich das nicht mit Einheitsbrei bezeichnen - das würde ich bei Komponisten tun, deren Werke eben keine "besonderen Kennzeichen" haben und nach der Produktion von 100 anderen Komponisten italienischer Concerti klingen.


    Aber das ist natürlich meine persönliche Wortwahl. So mag man Vivaldi als originellen Komponisten seines persönlichen Einheitsbreis bezeichnen, Telemann als den originellen Komponisten wiederum seines Einheitsbreis (wieviel Millionen Kantaten hat der geschrieben?) und Bach hinwiederum als Originalgenie des Bach-Einheitsbreis.


    :rolleyes:

  • Zitat

    Original von salisburgensis
    Ich stimme dir zu, dass Vivaldi sehr Originelles hinterlassen hat. Deshalb präzisiere ich: verwechseln mit Concerti von anderen nicht so sehr, aber die 5xx (oder wieviele es nun sind) von Vivaldi untereinander. Oder kannst du die weit über 200 Violinkonzerte oder die fast 40 Fagottkonzerte auseinander halten?


    Lieber Thomas,


    ich gebe zu, dass ich die einzelnen Konzerte (inzwischen) nicht (mehr) unterscheiden kann, außer sie sind mir vertrauter. Aber das geht einem (und nicht nur mir) wohl bei anderen Komponisten, die zu einer Gattung vieles beigetragen haben, nicht anders. Es ist aber so, dass man in jedem Werk doch auch wieder eine Eigentümlichkeit entdeckt, hört man es für sich und neben einigen anderen an. Dazu gibt es ja noch die unterschiedlichsten Besetzungen. Es wäre doch eine Frage, ab welcher Zahl einem "normalen" Hörer die Unterscheidungsfähigkeit zwischen der Soler-Sonate Nr X und Nr. Y - oder dasselbe nun bei Klavierstücken von Scarlatti (auch nicht wenige) oder Couperin geschieht - noch einmal, wenn man nicht gerade ein Spezialist ist oder es ein Stück ist, das man ausnehmend gut kennt.


    Insoweit ist das Strawinsky-Zitat ungerecht. Ich wüsste nicht, welche Box der Vivaldi-Edition (damals noch auf LP bei Philips) ich entbehren möchte - es sei denn, ich hätte sie durch eine bessere Einspielung auf CD inzwischen ersetzt. In Gegenteil überrascht mich immer wieder die Vielfalt der Einfälle bei Vivaldi. Das einzige Problem ist sicherlich, dass man sich auf seinen Stil, auf seine Epoche einlassen muss. Denn für einen Nicht-Barockliebhaber klingt am Ende alles aus dem Barock irgendwie ähnlich ...


    LG Peter

  • Vivaldi halte ich ohne Weiteres für einen der größten Komponisten Italiens.
    Sicher muss man nicht alle seine Konzerte kennen, obwohl es darunter wirklich sehr viele Perlen gibt.


    Viele davon haben ja auch "Zusatznamen" wie "La Notte" "La tempesta di Mare" "Il Favorito" usw.


    Allerdings bin ich im Gegensatz zu Alfred davon überzeugt, dass die etwas derbere Spielweise der HIP Ensembles gerechtferigt und historisch richtig ist.
    Denn irgendwoher müssen ja die Karikaturen und Spötteleien der Zeitgenossen ja ihren Ursprung haben.
    Man lese nur einmal die Kommentare von Hubert le Blanc aus seiner "Verteidigungs-Schrift für die Baßgambe" ....


    Diese Spielweise verträgt auch eigentlich nur die ital. Musik, poliert sie ja regelrecht auf - bei der französischen oder englischen Musik dieser Zeit ist das völlig fehl am Platze.
    Aber es gibt auch absolute Übertreibungen die aber wahrscheinlich auch historisch gar nicht so falsch sind (Spinosi) trotzdem muss man das nicht gut finden (ich tue es nicht).


    Aber wirklich angetan bin ich von Vivaldis geistlichen Werken. Mit der Gesamteinspielung von Robert King bin ich so zufrieden und habe wirklich nur Schätze bekommen, kein Vergleich zu anderen Sparten seines Schaffens.
    Vivaldi hat da eine ganz andere Qualität an den Tag gelegt - dieser Bereich seines Schaffens steht völlig zu Unrecht im Schatten.


    Die Oper ist natürlich auch interessant, aber gerade da würde ich eher Stravinskys (eigentlich ziemlich dummes) Urteil wieder zulassen.
    Denn viele Arien tauchen immer wieder auf und Im Grunde genügt es eine einzige Oper von Vivaldi zu kennen - man wird nichts neues finden in den restlichen 89 :stumm:
    Dennoch hat er einige wunderschöne Arien komponiert die ich nicht missen möchte.



    Ich bin froh dass es Vivaldi gegeben hat, seine Musik ist eine wunderbare Bereicherung.
    Man stelle sich vor die italienische Musik würde nur durch solche Komponisten wie Geminiani und Locatelli repräsentiert werden ...


    :rolleyes: :wacky: :baeh01::untertauch:

  • Zitat

    Original von Kurzstueckmeister
    Aber das ist natürlich meine persönliche Wortwahl. So mag man Vivaldi als originellen Komponisten seines persönlichen Einheitsbreis bezeichnen, Telemann als den originellen Komponisten wiederum seines Einheitsbreis (wieviel Millionen Kantaten hat der geschrieben?) und Bach hinwiederum als Originalgenie des Bach-Einheitsbreis.


    Ja. Deswegen hab ich auch kein Bedürfnis, alle Kantaten oder Instrumentalwerke Telemanns hören oder gar auf CD besitzen zu müssen. Bei Bach sind's Gott sei Dank nur 200 Kantaten...


    Nur, bei Vivaldis Concerti empfinde ich die Variationsbreite seiner an sich originellen Art zu komponieren als geringer als beispielsweise bei Telemanns Instrumentalschaffen. Seltsamerweise habe ich diesen Eindruck bei den Vokalwerken von Vivaldi weniger.

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Zitat

    Original von pbrixius
    Das einzige Problem ist sicherlich, dass man sich auf seinen Stil, auf seine Epoche einlassen muss. Denn für einen Nicht-Barockliebhaber klingt am Ende alles aus dem Barock irgendwie ähnlich ...


    ...selbst für einen Barockliebhaber wie mich. :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha:


    Aber ich gebe gerne und offen zu, dass mir ganz generell der italienische Hochbarock vor allem bei den Instrumentalwerken nicht so liegt.


    :hello:
    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Nun, ein wenig würde ich dem Thomas schon zustimmen! Vivaldis Konzertschaffen, die hübschen kleinen, dreisätzigen Ritornellconcerti mit wechselden Soloinstrumenten haben in Anlage und Ausarbeitung doch schon etwas sehr schematisches - darin den Cembalo-Sonaten D. Scarlattis, die Peter als Parallelbeispiel anführt, tatsächlich durchaus vergleichbar. Von beiden Werkgruppen muß ich persönlich dann auch wirklich nicht alles im Schrank haben. Aber faszinierend ist doch, daß bei all dieser Schematik verschiedene Werke Vivaldis herausstechen, die nicht nur einfach gut gearbeitet und beim aktuellen Hören stets mitreissend sind, sondern die im Gedächtnis bleiben und zu denen man (oder zumindest ich) immer wieder gerne zurückkehrt. So etwa das wunderschöne Konzert in C-Dur für Sopranino, Streicher und b.c., die vom Lullisten schon genannten Concerti »La tempesta die Mare« und insbesondere »La Notte« (eines der für mich faszinierendsten Solo Concerti des italienischen Barock); wann man sich nicht daran sattgehört bzw. nicht die Ohren damit zugestopft bekommen hätte, würden die Vier Jahreszeiten sicherlich auch zu nennen sein. Dazu hat Vivaldi auf dem Feld der Kammermusik auch einige sehr anrührende Werke geschrieben (zumindest solange er auf den Einsatz einer Drehleier verzichtet hat... :wacky: ). Wirklich herausragend finde ich sein Oratorium Juditha triumphans.


    Mit Vivaldis Opern bin ich allerdings überhaupt nicht warm geworden: das wirkt alles doch recht formelhaft auf mich, kalt, vordergründig, ja häufig (Entschuldigung!) platt...


    Ganz herzlich,
    Medard

  • Hallo,


    Na dann oute ich mich doch mal als Vivaldi-Möger... :D
    Sicherlich will ich auch nicht sämtliche Konzerte und Opern von ihm auf Platte besitzen und sicherlich sind seine Werke in der Tat recht ähnlich, doch schätze ich an seinen Werken die enorme Frische, das Feuer, die klare Melodieführung und seine Originalität allgemein (das soll wie gesagt nicht bedeuten, dass er sich nie wiederholt hätte... :pfeif: )


    LG
    Raphael

  • Mich fasziniert vor allem Vivaldis Harmonik. Viele Kadenzierungen mit scheinbarer Vorliebe für große Septimen (?) haben einen unheimlichen Ohrwurm- bzw. Wieder-hören-will-Charakter. Zudem klingt die Musik für mich so richtig "alt", im positiven Sinne. Damit meine ich eine Art mystischer Klang des unerreichbar weit entfernten (zeitlich) - schwer in Worten zu beschrieben, aber vllt. teilt einer meinen Höreindruck und kann ihn in bessere Worte fassen ;-)

    "Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, daß sie ein Argument darstellt und untermauert, das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil und Geschmack und Idiom -, über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten des Chronisten hinausgeht.Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, der seine eigene Zeit bereichert, indem er keiner angehört." - Glenn Gould

  • Zitat

    Original von rappy
    Mich fasziniert vor allem Vivaldis Harmonik. Viele Kadenzierungen mit scheinbarer Vorliebe für große Septimen (?) haben einen unheimlichen Ohrwurm- bzw. Wieder-hören-will-Charakter. Zudem klingt die Musik für mich so richtig "alt", im positiven Sinne. Damit meine ich eine Art mystischer Klang des unerreichbar weit entfernten (zeitlich) - schwer in Worten zu beschrieben, aber vllt. teilt einer meinen Höreindruck und kann ihn in bessere Worte fassen ;-)


    Wow, das ist meinem Höreindruck total entgegengesetzt.
    Italienische Concerti des Spätbarock empfinde ich eher als "spät" denn als "alt" und Vivaldi verbinde ich schon gar nicht mit großen Dissonanzexzessen, da gibt es schon diverse andere Barockkomponisten die mit mehr Begeisterung auf den Sekunden und Septimen herumhängen ...
    :faint:

  • Ich meinte damit z. B. so etwas:


    http://www.cdeclan.de/vivaldi.mp3


    Vllt. ist "alt" nicht das richtige Wort. Es klingt eben alles so entfernt, mystisch, entlegen... bei Bach höre ich z. B. nur die Musik, die Logik, die Schönheit, bei Vivaldi höre ich die Zeit mit, man kann sich richtig die Ferne einer italienischen barocken Provinz vorstellen. Es ist beispielsweise immer so ein Moll, was keine Trauer oder Schmerz darstellt, sondern meinem Empfinden nach die Ferne, Mystik, das Unbekannte - ich suche noch nach einem besseren Wort.

    "Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, daß sie ein Argument darstellt und untermauert, das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil und Geschmack und Idiom -, über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten des Chronisten hinausgeht.Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, der seine eigene Zeit bereichert, indem er keiner angehört." - Glenn Gould

  • Guten Abend


    Zitat

    Original von raphaell
    Hallo,


    Na dann oute ich mich doch mal als Vivaldi-Möger... :D
    Sicherlich will ich auch nicht sämtliche Konzerte und Opern von ihm auf Platte besitzen und sicherlich sind seine Werke in der Tat recht ähnlich,


    Dann wiill ich mich auch als "Vivaldi-Möger" outen :hahahaha: :pfeif: :hello:


    Hab grad mal nachgezählt, besitze elf CDs mit seinen verschiedenen Instrumentalkonzerten und fünf Einspielungen der "Vier Jahreszeiten".
    Dazu noch etliche geistliche Werke.


    Zitat

    doch schätze ich an seinen Werken die enorme Frische, das Feuer, die klare Melodieführung und seine Originalität allgemein (das soll wie gesagt nicht bedeuten, dass er sich nie wiederholt hätte... :pfeif: )


    LG
    Raphael


    So sehe ich das auch :]


    Gruß aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Meine Faszination macht Vivaldis Vielseitigkeit aus. Er war ja nicht nur Komponist und Priester, sondern gründete und leitete auch ein Waisenhaus für Mädchen, gab dort Unterricht für Geige, Cello und Viola da Gamba, baute ein Orchester auf, dirigierte und spielte selbst als Geigenvirtuose. Sein Leben war Musik.
    :hello:

  • ...ist, dass er bis Anfang des letzten Jahrhunderts komplett vergessen war und seine Popularität heute umso größer ist.
    Er hat vielleicht die größte Renaissance erfahren, die überhaupt ein Komponist je erfahren hat.



    Gruß, Peter.

  • Ich schätze an Vivaldi die eingängige Melodik, die einem suggeriert man würde das Werk schon kennen - aber in der Tat ist das nicht der Fall - es gibt nicht mehr Doubletten als bei anderen Komponisten seiner Zeit (etwa bei Bach).


    Die Vivaldi-Renaissance reicht- soweit ich weiß- vierzig Jahre zurück, damals begann man die damals bekannte Werke zu sichten und zu ordnen.
    Mit seinen Opern hatte man damals aber nichts am Hut - ja ich wusste nicht mal, daß er welche geschrieben hatte.


    Die Werksverzeichnisse (leider gibt es deren mehrere- zueinander nicht kompatible) sind bis heute nicht abgeschlossen - immer wieder tauchen neue Werke in den Archiven auf.


    Die vor wenigen Jahren eingespielten Violinkonzerte mit Giuliano Carmignola als Solist sind relativ spät entdeckte Werke - zählen aber (entgegen meinen Erwartungen) zum Schönsten, was ich je von Vivaldi gehört habe.


    In der Vivaldi Interpretation hat sich viel getan.


    Ich glaube man kann mit Fug und recht dagen, daß die "alte Art" Vivaldi zu interpretieren "out" ist, und daß neue Interpretationsansätze die Szene beherrschen:


    Zum einen jenen, den "Il Giardino Armonico" vorgegeben haben, recht forsch und übermütig, aber dennoch (im Gegensatz zu manch deutscher Einspielung !!) niemals spröde und unmusikalisch.


    Zum anderen jenen von Carmignola und dem "Venice Baroque Orchestra" unter Andrea Marcon. Hier wird inniger und introvertierter gespielt, aber nicht unbeteiligt - im Gegenteil


    Dies und andere Formationen haben Vivaldi wachgeküsst - und dafür bin ich ihnen dankbar.


    Vivaldi s Werke scheinen - Als Ausnahme mögen "Die vier Jahreszeiten" gelten - sehr interpretationsabhängig zu sein.


    Was an Vivaldi als "immer dasselbe" kritisiert wird, ist seine unverwechselbare Tonsprache.


    mfg
    aus Wien
    Alfred

  • Seine leichte, und doch ausdrucksstarke und sehr oft melodische Musik trugen dazu bei, dass ich zur Klassik kam. Vivaldis 4 Jahreszeiten waren nämlich, neben Mozarts kleiner Nachtmusik & Sinfonie 40, die erste Klassik die ich hörte und gerne hörte.


    Was mich an seiner Musik fasziniert ist, dass sie scheinbar weniger Noten hat; aber diese am Ende auch gar nicht braucht. Die Leute hören seine Musik einfach gerne.
    Also ich mag seine Musik.


    :hello:

  • Zitat

    Original von Siegfried
    Meine Faszination macht Vivaldis Vielseitigkeit aus. Er war ja nicht nur Komponist und Priester, sondern gründete und leitete auch ein Waisenhaus für Mädchen, gab dort Unterricht für Geige, Cello und Viola da Gamba, baute ein Orchester auf, dirigierte und spielte selbst als Geigenvirtuose. Sein Leben war Musik.
    :hello:


    Na ja - ganz so toll ist es nicht gewesen. Er war bloß Lehrer an der Pietà, das Orchester gabs auch schon... :rolleyes:


    Ich finde, es gibt nicht viel Musik, die so fetzt wie Vivaldi :D, natürlich bei guten Interpretationen.


    lg

  • Einer meiner Lieblingskomponisten.


    Faszinierend finde ich vor allem


    - die 4 Jahreszeiten (hab ich bestimmt 4 mal, kann gar nicht sagen, welche Einspielung mir am besten gefällt)
    - L´Estro armonico (Marriner)
    - La Stravaganza (I Solisti di Milano)
    - Gloria (Ensemble Vocal Raphael Passaquet)


    und noch so etliche andere Konzerte, die sich allenfalls im groben Aufbau, nicht aber in den Feinstrukturen ähneln. Allerdings: den langsamen Mittelsatz schenke ich mir häufig. :untertauch:

  • Hallo zusammen,


    was mich an Vivaldi fasziniert ist die Tatsache, daß ich sofort gute Laune bekomme, wenn ich seine Musik höre.
    Ich würde mal sagen, sie zeigt italienische Leichtigkeit und Lebensart und das gefällt mir immer wieder aufs Neue.


    Natürlich klingt, oberflächlich betrachtet, alles irgendwie gleich (zumindest die Konzerte), aber ich muß ja nicht den ganzen Tag Vivaldi hören. Dafür aber sehr gerne Sonntag vormittags bei einem verspäteten Frühstück mit Familie und/oder Freunden in einer lauschigen Umgebung :].


    Natürlich spielt die musikalische Umsetzung eine wesentliche Rolle. Favorit für mich zum Beispiel bei den Jahreszeiten ist zur Zeit die Aufnahme von Janine Janson, die in kleiner Besetzung sehr schön die Details des Werkes herausarbeitet.


    Grüsse
    Achim :hello:

  • Was mich an Antonio Vivaldi fasziniert ............


    ... ist eindeutig die vielfältige Einfalt seiner Musik! Es verhält sich mit seinen unzähligen Konzerten in etwa wie mit den Violinkonzerten von Viotti oder dem Gesamtwerk von Philip Glass: Kennste eins, kennste alle!


    Allerdings brachte er es mit dieser Masche zum Dieter Bohlen seiner Zeit. Er war vielleicht der erste Pop-Komponist der Geschichte und ein überaus produktiver und erfolgreicher noch dazu. Das erweckt in mir nun nicht gerade "Faszination", aber doch zumindest so etwas wie respektvolle Anerkennung.


    Seine Konzerte liefern aus meiner subjektiven Sicht den seichtest möglichen Schwiegermuttersound für den Sonntagnachmittag mit Sippenkreis und Sahnetorte - keine Ecken, keine Kanten, "schön" anzuhören und ohne Mühe aufzunehmen und wieder zu vergessen.
    Gebrauchsmusik halt ...



    In diesem Sinne!


    Laurenz :hello:

    `
    (...) Eine meiner frühesten Erinnerungen im Zusammenhang mit der Musik betrifft einen Abend, an dem das Rothschild-Quartett bei uns ein hochmodernes Werk von Egon Wellesz spielen sollte. Die Stühle waren den Musikern zu niedrig, so nahmen sie unsere Bände mit Schubertscher Kammermusik, um damit ihre Sitze zu erhöhen. Ich dachte, wieviel schöner es wäre, wenn sie auf Wellesz sitzend Schubert spielen würden (...)


    — aus „5000 Abende in der Oper“ von Sir Rudolf Bing —
    .

  • Was mich an Antonio Vivaldi fasziniert ............


    Zu den ersten Werken, die wir während meiner Kindheit zuhause spielten, gehörten Sonaten von Vivaldi, die mir damals aufgrund ihrer ungebremsten Musizierfreude gut gefielen, aber halt nicht besser als ähnliche Musik Telemanns oder Händels.


    Zum ersten Mal RICHTIG auf den Komponisten aufmerksam wurde ich während
    einer Aufführung des "Gloria RV 589" und ich ging wie berauscht aus dem Konzert. Mein Eindruck, daß die eigentliche Domäne dieses für einige Ohrwürmer bekannten und sicher auch überstrapazierten Komponisten die geistliche Musik (noch mehr als die Oper) ist, bestätigte sich durch Erarbeiten weiterer Vokalwerke. Vivaldi from the best findet sich in dieser Box, die sowohl in editorischer Hinsicht und auch vom Repertoirewert Referenzcharakter verdient:


    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Meine Lieben,


    Die "Quattri Stagioni" faszinieren mich immer, aber die lasse ich beiseite.
    Was ich weniger kannte, sind die Concerti. Und was mich an denen fasziniert: Wie man aus scheinbar so wenigen Noten derart viel unterschiedliche Wirkung herausholen kann. Wenn man allerdings nicht genau hinhört, könnte man glauben, sie klingen alle sehr ähnlich, tun sie aber nicht.
    Meine Kenntnis an Einspielungen ist allerdings gering. Die Musici-Einspielungen waren mir immer lieb und wert, deshalb war ich vor einiger Zeit mehr als angetan, als mir diese CD günstig in die Hände fiel:



    Sie befriedigt meine Ansprüche bestens, obwohl ich den verschiedenen Beiträgen entnehme, daß die Musici für manche nicht mehr das Wahre sind. Gilt nicht für mich. Vivaldi hört sich bei ihnen immer besonders spannend an.


    Aus meinen älteren Beständen habe ich dann eine Aufnahme "Konzerte für den Kursächsischen Hof" von 1993 ausgegraben, die ich schon vergessen hatte, die unprätentiös-angenehm klingt (Ludwig Güttler mit den Virtuosi Saxoniae):



    Nicht so packend vielleicht, aber grundsolid - in positivem Sinn - gespielt.


    LG


    Waldi