Zukunft der klassischen Musik?

  • Hallo alle zusammen.


    Wie vielleicht einige in meiner Vorstellung gelesen habe, möchte ich mich in nächster Zeit sehr mit der künstlerischen Förderung von Kindern und Jugendlichen beschäftigen.


    Dazu wäre es sehr hilfreich, ein paar Erfahrungen oder Meinungen der Anwesenden zu hören. Interessant sind für mich folgende Fragen:


    1.) Es ist kein Geheimnis, dass die klassische Musik allmählich verdrängt wird - das Publikum stirbt aus. Woran liegt das und was könnte man eurer Meinung nach dagegen tun?


    2.) Wie seid ihr zur Musik gekommen und warum seid ihr noch dabei?


    3.) Was sind eure Erfahrungen mit musikalischer Jugend- oder Schularbeit (z.B. in eurem Wohnort).


    4.) Was würdet ihr euch unter dem Oberbegriff "Kulturstadt" vorstellen und wie könnte so etwas aussehen? Was darf nicht fehlen?


    5.) Weiss jemand vieleicht ein paar Adressen, an denen man Unterstützung bekommen könnte (ideel/materiell, eventuell Kulturinstitutionen oder Firmen, die an einem Sitz in so einer Stadt in Berlin interessiert sein könnten).


    Natürlich würde ich mich auch freuen, wenn jemand auf die Idee kommen würde, uns bei diesem enormen Projekt zu unterstützen (z.B. Pflege der kommenden Homepage oder ähnliches. Dazu muss man ja nicht nebeneinander wohnen).


    Und jetzt: Vorhang auf zur Diskussion. Es dürfen ruhig auch mal etwas verrückte Vorschläge sein. Natürlich ist nicht alles machbar, aber ich glaube, dass die Auseinandersetzung zumindest mit dem ersten Punkt uns im Endeffekt alle angeht und wir allmählich gegensteuern müssen. Das ist wie mit dem Klimawandel: Die Politik sollte den Ausstoss kulturfeindlicher Aktionen drastisch reduzieren...



    Thomas

  • Guten Tag


    möchte auf das Schülerprjekt zweier Gymnasien der Region hinweisen:


    OPER MACHT SCHULE
    Seit mehreren Jahren ist das Schülerprojekt fester Bestandteil der Schwetzinger Festspiele. Ziel ist es, junge Musikhörer nachhaltig mit klassischer Musik und ihren Interpreten, mit Instrumentarien und Produktionsabläufen in Kontakt zu bringen, um ihnen so die Tür zur Welt der Klassik zu öffnen. 2007 steht die Oper „Il Giustino“ von Giovanni Legrenzi im Mittelpunkt des Projekts. Musiker des Balthasar-Neumann-Ensembles führen Schulklassen ihre historischen Instrumente vor und spielen Schlüsselszenen der Oper. Dirigent Thomas Hengelbrock, Klaus-Peter Kehr, der künstlerische Leiter des Opernbereichs und die Operndramaturgin Stephanie Twiehaus moderieren und führen in die Operngeschichte und die Gestaltungsmittel des Komponisten ein. Neben der musikalischen Umsetzung erleben die Schüler beim Besuch der Orchesterhauptprobe die Fertigstellung einer Inszenierung und die Raffinessen einer Bühnenverwandlung. Besonders musikinteressierte SchülerInnen können in einzelnen Workshops dann selbst probieren: Klaus-Peter Kehr besucht von Sängern begleitet Schulklassen. Sie inszenieren gemeinsam einzelne Szenen der Oper.


    Ich war bei der Orchesterhauptprobe von Legrenzis "Il Giustino" dabei und habe erlebt, wie die teils erst zehn Jahre alten jugendlichen Opernprojektteilnehmer begeistert waren.


    Gruß aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Zitat

    Original von tomcom
    5.) Weiss jemand vieleicht ein paar Adressen, an denen man Unterstützung bekommen könnte


    salute, salute.
    ich weiß nicht, welche form der unterstützung du dir genau vorstellst, was du überhaupt vorhast, aber grundsätzlich kann ich dir den rat geben, dich an diesen sympathischen herrn zu wenden:

    andre schmitz, leiter der senatskanzlei für kulturelle angelegenheiten.


    anträge für projektförderungen im bereich der e-musik kannst du dir hier als pdf-datei ausdrucken. ausserdem findest du verlinkungen zu projekten, die eine förderung erhalten haben, zb die "initiative für neue musik e.v.".
    http://www.berlin.de/sen/kultur/programme/musik/e-musik.html


    privates engagement und mäzenatentum wird freilich immer wichtiger, dazu empfehle ich dir:
    http://www.kulturfoerderung.or…ersuche/catalog/58/Musik/
    (dort zb engagiert sich auch die doitsche bänk)


    zu deinen anderen frage schreibe ich irgendwann nochmal mehr, wenn ich auch mehr zeit habe. aber da juckts mir natürlich auch in den fingern.


    viel glück & und einen geruhsamen abend allen taminos und paminas :hello:

    Wenn ich mir vorstelle, was es für Deutschland bedeuten würde, wenn die heilige Kuh zu uns käme, welches Glück und welcher Segen ginge von allgegenwärtigen heiligen Kühen aus!

  • Zitat

    1.) Es ist kein Geheimnis, dass die klassische Musik allmählich verdrängt wird - das Publikum stirbt aus. Woran liegt das und was könnte man eurer Meinung nach dagegen tun?


    Prinzipiell glaube ich das nicht.
    Die Quote der Klassikhörer war immer sehr geinig - zuerst der Adel, dann das gehobene Bürgertum.


    Diese beiden Gruppen sind natürlich der Klassik treu geblieben.
    Was in der Tat gescheitert ist, ist, daß man versucht hat "Klassische Musik" als "Musik für jedermann" zu etablieren - ob das ein Nachteil ist mag jeder für sich beurteilen.


    Klassische Musik war übrigen nur in Einzelfällen "Musik für die Jugend" - die meisten lernten diese Musik erst ab 30 lieben.


    Die SCHEINBARE mangelnde Bedeutung liegt IMO darin, daß Gesellschaftsschichten heute im Focus der Wirtschaft stehen, von denen man dereinst keine Notiz genommen hat. Und dies sind in der Tat kein Klassikpublikum - zumindest nicht vorrangig.


    KLASSIK und SCHULE


    Klassik ist ein Luxusprodukt .
    Bei Luxisprodukten muß man klämpfen um sie sich lkeisten zu können.
    Wenn man solch ein Luxusprodukt kostenlos anbietet - und das noch mit sanftem Druck - dann wird die Nachfrage entsprechend niedrig sein.


    Musikunterricht solte ebenso wie Sport FREIWILLIG sein.
    Ich wurde in der Schule zum Sport gezwungen - und ich hasse ihn noch heute - bei "klassischer Musik" wird es anderen ebenso ergehen.


    Aber wie gesagt, ich glaube der Klassikanteil wird in etwa bei 2-3 Prozent auf Jahre hinaus stabil bleiben...


    mfg aus Wien


    Alfred

  • leichter Widerspruch!


    Es ist bei unserem Konzertpublikum zu beobachten, dass der Altersdurchschnitt drastisch steigt - es fehlt der Nachwuchs an Zuhörern. Liegt das jetzt daran, dass zuviel oder zuwenig Musikunterricht stattfindet?
    Was steht in manchen Leitfäden für werdende Mütter? Man soll das Kind (schon im Bauch) mit Musik "berieseln", das wäre für die spätere Entwicklung von Vorteil. Sehr viel früher geht nicht...
    Was ist mit der Tatsache, dass Kinder, die ein Instrument gelernt haben, eine schnellere Entwicklung nehmen? Hängt das nur mit der mechanischen Seite des Bedienens eines Instruments zusammen?
    Klassische Musik ist - naja "Luxusprodukt" finde ich ein wenig übertrieben.
    Dann dürfte der Andrang an den Musikschulen eigentlich nicht vorhanden sein. Nur mal als Beispiel: In Berlin-Pankow hat die Musikschule insgesamt 3000 Schüler. Auf der Warteliste stehen 3500!!! Ist das noch Luxus? Viele Schüler kommen aus armen Verhältnissen. Und die Musiker sind auch nicht alle Kinder von gehobenen Schichten. Worauf bezieht sich "Luxus"?
    In einem deutschen Bundesland (fällt mir gerade nicht ein, welches) wurde von der Regierung beschlossen, dass jeder Schüler ein Instrument lernen MUSS. Abgesehen von dem Wort "MUSS", wie kommt diese Regierung dazu???
    Das Bemühen, die Klassik weiten Teilen der Bevölkerung nahezubringen ist nett, aber schlecht gemacht. Leider scheint es wohl so, das klassische Musik auch sehr viel mit der Erziehung der Eltern zu tun hat. Damit sind wir wieder am Anfang. Als kleines Kind kann ich NORMALERWEISE nicht alleine üben, da müssen die Eltern schon ein wenig dazutun. Dass dies öfter mit falschen Mitteln passiert und zur Folge hat, dass das Instrument unwillig (mit nachfolgender Aversion) malträtiert wird und anschliessend eine Allergie gegen diese Musik entsteht, hängt doch vielleicht auch mit der Gesamtbildung zusammen. Laut PISA-Studie nimmt Deutschland ja dort wohl einen auffallenden Platz ein...
    Deshalb geht es sozusagen um eine "neue Generation" von Musikliebhabern. Um "normale" Bürger, die zuHause ein Instrument spielen, vielleicht auch mit anderen zusammen. Hausmusik. Von da ist der Weg etwas kürzer.
    Ich bin in einer musikalischen Familie aufgewachsen. Die Kirchenmusik war ein sehr wichtiger Faktor in meiner musikalischen Erziehung. Natürlich hat jetzt nicht die Kirche schuld daran, dass durch weniger Kirchenmitglieder weniger Menschen mit Kultur in Kontakt kommen.
    Als ich in der Schule das erste Mal moderne Musik gehört habe, war ich entsetzt. Wie kann man sowas scheussliches hören. Es ging um "Die Nase" von Schostakowitsch. Das ist für ein kleines Kind, dass in seinem Leben bisher "nur" Bach und ähnliches gehört und gespielt hat eine Katastrophe. Mich hat diese frühe Begegnung sehr lange daran gehindert, etwas anderes ausser klassischer Kirchenmusik zu akzeptieren.
    Auch jetzt noch empfinde ich, dass dieser Versuch aus dem Lehrplan viele Schüler abgeschreckt hat. Natürlich abgesehen von den vielen Arbeiterliedern! :rolleyes:
    Wie sieht der Lehrplan heutzutage aus (falls mal Musikunterricht stattfindet)? Das weiss ich leider nicht. Ich weiss nur, dass bei unseren Angeboten (Besuche von Schulklassen in der Probe z.B.) unsere Angebote immer überbucht sind. Heisst das jetzt, dass die Nachfrage besteht oder künstlich erzeugt wird?
    Leider gibt es immer mehr Fragen statt Antworten. Genau deshalb will ich diesen "Testballon" starten und mich etwas (sehr viel mehr) mit diesem Thema beschäftigen. Ich weiss, dass für vieles eine Nachfrage besteht. Wollen wir mal sehen, ob ich aus meinen Jugenderfahrungen gelernt habe.


    Thomas

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt


    Prinzipiell glaube ich das nicht.
    Die Quote der Klassikhörer war immer sehr geinig - zuerst der Adel, dann das gehobene Bürgertum.


    jaaa… genau in die richtung habe ich auch gedacht.
    heute kommen ja noch die sog. "bildungsbürger" hinzu. der begriff wird wie viele andere natürlich auch verschieden interpretiert, manche würden sagen, dass "bildungsbürger" genau das ist, was alfred als "gehobenes bürgertum" bezeichnet, andere -auch ich- würden das nuancieren und meinen damit eher diejenigen "bürger", die zwar nicht mehr uuuunbedingt ökonomisch superstark sind, so wie die "bürger" etwa, die bourgeoise im marx'schen sinne, die sich aber den kulturellen, den intellektuellen und den künstlerischen zugang, die … überlegenheit bewahrt haben, aber nicht mehr unbedingt die ökonomische elite darstellen.
    ein ideales beispiel dafür wäre ein musiker, der in einem kleinen orchester geige spielt und nebenbei bissi unterricht gibt: den kindern anderer bildungsbürger…


    …und gelegentlich wird behauptet, dass … der ökonomische abstieg, oder die ökonomische mittelmäßigkeit beinahe "kompensiert" wird mit dem rückgriff auf kultur. das ist natürlich eine gewagte these, aber man hört, bzw liest immer öfter davon, dass es einen großen hunger auf kultur, auf kunst und eben auf klassische musik gibt. reich wird damit natürlich kaum jemand, aber … jedenfalls … glaube ich auch nicht, dass die klassik bald verschwunden seien wird oder so. ausserdem wird die populär-kultur doch oft als dermassen DUMM wahrgenommen, dass fast jeder, der das so sieht, sich nach anderen wegen umsieht, auch im bereich der musik und dann bei der klassik landet. und diese sogenannte klassik ist ja so facettenreich und bietet ein so reiches spektrum an, dass es für jeden etwas gibt, woran er gefallen finden könnte. könnte…


    dazu kommt ja auch, dass trotz allen geredes über ökonomische mittelmäßigkeit und bildungsbürgertum, diejenigen, die die ökonomische elite darstellen, (fast) immer auch klassik-liebhaber sind und aus verschiedenen gründen (natürlich auch aus prestige-gründen) kulturelle projekte fördern. die deutsche bank zb, oder private mäzene.


    allerdings glaube ich auch, dass der krampfhafte versuch, die "klassik" irgendwie mit der populärkultur, die ja vorallem eine jugend- oder auf das jugendliche fixierte kultur ist, in einklang zu bringen, lächerlich und traurig sind, das auch naturgemäß seien müssen, weil die ideale dieser populärkultur nicht in einklang zu bringen sind mit denen der klassik, die sich eben NICHT auf möglichst jung, möglichst nackt, möglichst sexy, möglichst viel t i e r beschränken lassen können.
    ausserdem wage ich zu behaupten, dass diejenigen unter-30-jährigen, die ein interesse an klassik haben, ohnehin nicht diejenigen jugendlichen sind, die ein interesse an diesen populär-idealen haben und auch nicht diejenigen sind, die diesen idealen entsprechen! der unsportliche-single-einzelgänger wird, denke ich, eher ein faible für klassik entwickeln als der six-pack-handballer, der nach paar eimern sangria über den mallorca-abend taumelt und guckt, ob er irgendwas blondiertes findet, das ihm seine geschlechtsorgane zur verfügung stellt. (polemik:aus ; )


    was ich allerdings etwas anders sehe ist das mit dem musik-unterricht. ich finde, dass musik, sport und kunst PFLICHT seien sollte und sich schulische bildung nicht auf technisch-ökonomische aus-bildung (so wichtig sie natürlich auch ist) reduzieren sollte. ich will natürlich auch nicht, dass alle schüler vergrault werden mit dem zwang zu ellenlangen analysen über die zweite wiener schule oder so, ich stelle mir das eher im sinne eines "bekanntwerdens mit" vor. ich würde da die didaktische strenge zurückfahren und einfach versuchen, die leute mit etwas in berührung kommen zu lassen und … zu versuchen, die vielen negativen clichees über klassik etwas abzubauen: was eigentlich ganz leicht seien sollte, wenn man sich mal diesen verrückten haufen aus komponisten, interpreten und klassik-fans so anschaut :D

    Wenn ich mir vorstelle, was es für Deutschland bedeuten würde, wenn die heilige Kuh zu uns käme, welches Glück und welcher Segen ginge von allgegenwärtigen heiligen Kühen aus!

  • Lieber Marc,


    das ist ein gaaanz vorzüglicher Beitrag, den Du da geschrieben hast.
    Er Decks sich in vielen Punkten mit meinen Ansichten - aber ich habe einiges nicht so klar herausgearbeitet (welche Schande)


    Selbstverständlich müssen kulturelle nicht unbedingt etwas mit ökonomischen Werten zu tun haben - dieses Forum ist ein treffliches Beispiel dafür.


    Und Luxus ist auch dehnbar. Nach meiner Definition ist alles Luxus was Bildung ist, und sich nicht unmittelbar kommerziell verwerten lässt. Wenn es dann - wider Erwarten - trotzdem zum ökonomischen Erfolg führt - umso besser.


    Ich sehe den Stellenwert der klassischen Musik als einen zyklisch variierenden - ähnlich anderen gesellschaftlichen Prozessen. So sind die Begriffe "Autortät" - "Elite", "Pflichterfüllung" ebenso zitlichen Schwankungen unterworfen, wie "Vaterland", "Idealist", "Familie", etc etc.


    Ich sehe derzeit ein Umdenken - auch in Bezug von Konsumverhalten - dessen letzte Konsequenzen noch gar nicht absehbar sind.


    Diesen Schwankungen sind auch Bewertungen von Kunst, Kultur, Musik, Literatur und Religion unterworfen.


    und ich sage das völlig wertfrei.


    Das Interesse an Tamino jedenfalls ist gestiegen - und die Tonträgerindustrie hat ebenso ihr Rückzugsgefeckt aufgegeben und nimmt eine aktivere Position ein. Daß ich mich nicht mit allem identifizieren kann, was da geschieht (Der Kommerz lugt oft allzu offensichtlich hinter der Maske der Musikkultur hervor- und das noch dazu des öfteren mehr als (IMO) dilettantisch) das ist dabei nur Nebensache.


    Aber: Man glaubt wieder an das Klassiksegment und produziert......



    mfg aus Wien
    ALfred

  • Zitat

    Original von tomcom


    Es ist bei unserem Konzertpublikum zu beobachten, dass der Altersdurchschnitt drastisch steigt - es fehlt der Nachwuchs an Zuhörern. Liegt das jetzt daran, dass zuviel oder zuwenig Musikunterricht stattfindet?


    Thomas


    War neulich mal wieder in einem Konzert und wurde eher enttäuscht - zu weit weg, die Instrumente (Flügel und Vibraphon) wurden von riesigen Lautsprechern in den Saal geschallt, zwei Leinwände sorgten dafür, daß die Protagonisten weiter hinten noch zu sehen waren; trotzdem kostete jede Karte so annähernd 40 Euros, Frau und ich also 80 Euros bezahlt für eine "Fernsehübertragung" mit Life-Anteilen.


    Da kann ich auch gleich zuhause bleiben, meine Anlage anstellen (sicherlich kein schlechterer Klang als in einer ehemaligen Fabrikhalle) und bei Kerzenschein eine CD genießen.


    Ich glaube also nicht so recht, daß es am Musikunterricht liegt, wenn die Konzertbesucher im Durchschnitt älter werden. Die Jüngeren, die ja ohnehin an elektronische Welten gewöhnt sind, nutzen die ihnen adäquaten Aufführungsformen - und einige der besseren "Hifi" (sic !!) -Anlagen sind ja nun tatsächlich nicht mehr so weit vom Originalklang entfernt - später Sieg für Glenn Gould, der Live-Konzerte für entbehrlich hielt.

  • So, jetzt werden Nägel mit Köpfen gemacht.
    Die Website zu dem Projekt ist online.
    Erreichbar unter http://www.kulturstadt-buch.de.
    Dort steht auch die Projektbeschreibung zum Download sowie einige Bilder, um sich mal ein Bild zu machen ;)


    Leider müssen wir uns etwas beeilen, da das Bieterverfahren spätestens Anfang 2008 beginnt, und man dafür zugelassen werden muss.


    Schreibt mal eure Meinung dazu.


    Thomas

  • Zitat

    Original von m-mueller
    War neulich mal wieder in einem Konzert und wurde eher enttäuscht - zu weit weg, die Instrumente (Flügel und Vibraphon) wurden von riesigen Lautsprechern in den Saal geschallt, zwei Leinwände sorgten dafür, daß die Protagonisten weiter hinten noch zu sehen waren; trotzdem kostete jede Karte so annähernd 40 Euros, Frau und ich also 80 Euros bezahlt für eine "Fernsehübertragung" mit Life-Anteilen.


    Genau diese Richtung wird die klassische Musik in meinen Augen nicht positiv befördern. Aufführungen klassischer Musik, die nicht aus der Nähe erfahrbar sind, nehmen der Musik die Seele. Gleiches gilt im übrigen für die Jazzmusik.
    Allerdings die Kehrseite: je weniger Zuschauer kommen können, desto teuerer werden die Karten. In Folge werden sich noch weniger potentiell Interessierte ein Konzert gönnen (können).

  • Zitat

    1.) Es ist kein Geheimnis, dass die klassische Musik allmählich verdrängt wird - das Publikum stirbt aus. Woran liegt das und was könnte man eurer Meinung nach dagegen tun?


    Ausser dem bereits Gesagten dazu vielleicht mal folgende Gedanken von Jemandem, der in beiden Bereichen (Klassik und Pop, obwohl mir beide Begriffe nur bedingt zusagen) verwurzelt ist:


    Es gibt zwei Blickwinkel:
    a) Ich empfinde es NICHT so, dass die klassische Musik verdraengt wird, ganz im Gegenteil. Klassik hat in den letzten Jahren einen erstaunlichen Boom erfahren, AAAABER: Sie wird zunehmend "verpoppt". Kommerzialisiert. Das hat Vor- und Nachteile, dazu will ich mich jetzt gar nicht naeher auslassen, sonst wird das endlos. Der Vorteil ist aber sicherlich, dass durch "Haeppchen-Klassik" und Stilikonen (oder die besonders auf das Aussehen abgestellten Marketingstrategien, s. Anna Netrebko) man so auch Menschen dafuer interessieren kann, die anfangen, sich intensiver auseinanderzusetzen. Allerdings sind die in der Minderheit. Es gibt auch die, die's einfach nur "chic" finden, denen der intellektuelle Zugang aber voellig fehlt. Sei's drum. Wenn ich von 100 nur 5 erreiche, ist das doch was ...


    b) Punkt a) entgegengesetzt findet man in der "ernsthaften" Klassik leider immer noch den Trend, sich selbst zu wichtig zu nehmen und ueber alles ausserhalb des eigenen kleinen Elfenbeinturms die Nase zu ruempfen. Das gibt es im Pop auch, aber weit weniger heftig, und das KANN ich aus eigener Erfahrung fest untermauern.
    Ist legitim, aber nicht immer hilfreich. Wenn man Menschen fuer klassische Musik interessieren will, muss man mit ihnen kommunizieren. Kommunkation heisst in erster Linie Dialog, nicht zwangslaeufig Monolog. Man muss sie begeistern. Auch mal ungewoehnliche Wege gehen, aus dem Schneckenhaus des elitaeren Denkens raus. Es sei denn, man WILL das gar nicht und klassische Musik auch weiter nur der vermeintlichen Elite zugaenglich machen. Ich glaube, das ist sogar relativ haeufig der Fall, und das finde ich sehr bedauerlich.


    Ich sehe hier in Grossbritannien z.B., dass musikalische Erziehung in der Schule einen weitaus groesseren Stellenwert hat als in Deutschland. Hier lernt jedes Kind auf der Highschool ein Instrument. Die Art der musikalischen Erziehung ist sicherlich nicht immer optimal (nahezu ausschiesslich Gruppenunterricht in wirklich grossen Gruppen von ueber 20, das gilt auch fuer Instrumente wie das Klavier, wo dann die E-Pianos alle auf Mute ueber Kopfhoerer laufen und der Lehrer sich um alle Schueler gleichzeitig kuememrn muss :kotz: ), aber das tut erstmal nichts zur Sache. Die wirklich Interessierten nehmen dann oftmals privaten Einzelunterricht, und nur darum geht es: Das Interesse zu wecken. Und zwar schon in der Schule. Klassische Musik ist nicht nur einen kleinen, vermeintlichen Elite zugaenglich. Man kann nahezu jeden dafuer interessieren, wenn man sich Muehe gibt. Die Muehe muss man sich aber machen, von nix kommt nix ...


    Generell kann man sagen, dass der Umgang mit Musik hier wesentlich unverkrampfter ist und es auch wesentlich mehr hochmotivierte Laienmusiker gibt. Die Profmusik hingegen ist hier teilweise auf einem recht bedauerlichen Niveau, das hat aber m.E. mit dem Bildungssystem hier zu tun, wo wirklich ALLES unglaublich viel Geld kostet.


    Soviel mal fuer den Anfang, das Thema an sich ist ja ein Fass ohne Boden ...

  • Zitat

    Original von tomcom
    Schreibt mal eure Meinung dazu.


    wenn ich das richtig sehe, muss man sich erst eine pdf-datei herunterladen, um überhaupt erst herauszubekommen, um was es sich da handelt?


    das würd ich ändern.

    Wenn ich mir vorstelle, was es für Deutschland bedeuten würde, wenn die heilige Kuh zu uns käme, welches Glück und welcher Segen ginge von allgegenwärtigen heiligen Kühen aus!

  • Zitat

    Es ist bei unserem Konzertpublikum zu beobachten, dass der Altersdurchschnitt drastisch steigt - es fehlt der Nachwuchs an Zuhörern. Liegt das jetzt daran, dass zuviel oder zuwenig Musikunterricht stattfindet?


    Es liegt daran, dass du den Musikunterricht komplett in die Tonne treten kannst.


    Ich habe die letzten Jahre Musikunterricht in meiner Schule so erlebt, dass wir die Geschichte der Musik durchgesprochen haben. ABER: Klassik wurde dabei sogar noch dreisterweise übersprungen. Das ging erst bei BLues los....bis zu den Beatles.


    Und da wundern die sich, dass kaum einer in meinem Alter Klassik hört. Frechheit ist das. ;(

  • Zitat

    Original von Sakow


    Ich habe die letzten Jahre Musikunterricht in meiner Schule so erlebt, dass wir die Geschichte der Musik durchgesprochen haben. ABER: Klassik wurde dabei sogar noch dreisterweise übersprungen. Das ging erst bei BLues los....bis zu den Beatles.


    Und da wundern die sich, dass kaum einer in meinem Alter Klassik hört. Frechheit ist das. ;(


    war bei mir ähnlich.
    es gab einige lehrer, die haben nochmal die "moldau" durchgenommen, aber das wars dann auch schon. ansonsten habe ich die lehrer eher so wahrgenommen, als dass sie sich bei den schülern anbiedern wollten und auf cool, hip, jung usw. tun wollten. (woran man imo das eigentlich schlimmste alter erkennt)
    jedenfalls handelte der musik-unterricht (den ich später auch gegen schauspiel und kunst tauschte) meist von "poppigen" musicals und liedchen trällern.
    "klassik" im allerweitesten sinne war nur die west side story und der "amadeus"-film.


    nunjo...

    Wenn ich mir vorstelle, was es für Deutschland bedeuten würde, wenn die heilige Kuh zu uns käme, welches Glück und welcher Segen ginge von allgegenwärtigen heiligen Kühen aus!

  • Zum Thema Altersdurchschnitt des Publikums: Vor einigen Monaten gab es im RBB ein Interview mit der Intendantin der Berliner Philharmonie. Die sagte, es läge daran, dass so gut wie alle Plätze von Abonnenten besetzt würden, und die seien im Schnitt über 60. Die nachfolgenden Generationen würden dadurch faktisch ausgeschlossen. Sie sieht darin eine ernsthafte Bedrohung, weil man nicht davon ausgehen könne, dass die heute jungen plötzlich anfangen, Konzerte zu besuchen, wenn das derzeitige Publikum irgendwann wegstirbt.

  • Das passt jetzt nur bedingt in diesen Thread, aber ich stell's trotzdem mal rein.


    Weil ich gerade über Schumanns Klaviersonaten gepostet habe, ist mir wieder folgende Geschichte aus meiner Gymnasialzeit eingefallen: Es muss so in der 10. Klasse gewesen sein (also ca. 1982), als wir und viele weitere (auch jüngere) Klassen in die Aula beordert wurden. Ein junger, vielleicht 18jähriger amerikanischer Pianist - in irgendeiner Form mit irgendeinem Mitschüler bekannt/befreundet - hatte sich auf das Bitten unseres musikbegeisterten Rektors bereiterklärt, Schumanns fis-moll-Sonate zu spielen. Das tat er dann auch, und zwar ziemlich gut, wie ich damals fand (ich muss die Sonate schon kurz vorher kennengelernt haben).


    Eigentlich war ich begeistert (trotz des leicht derangierten Flügels). Schlimm war aber die zunehmende Unruhe unter den Schülern, die sich zu gezielten Störaktionen verdichtete. Man spürte deutlich nicht nur Desinteresse, sondern regelrechte Verachtung für das, was sich vorne auf der Bühne abspielte (hinterher artikulierten sich Spott und Hohn auch ganz explizit). Merkwürdig, dass die Lehrer nicht eingegriffen haben, der Pianist hielt jedenfalls todesmutig durch, zeigte aber beim Schlussapplaus deutlich seinen Ärger.


    Ich stand (mit der Ausnahme einer Mitschülerin) mit meiner Freude am Konzert und überhaupt meiner Begeisterung an klassischer Musik in meiner Klasse fast völlig allein da. Und sowas wie Klassikforen im Internet gab es bekanntlich Anfang der 80er Jahre auch nicht...


    Grundsätzlich sollte man wohl vor allem die Lehre ziehen, dass man Interesse an Musik, Kunst etc. niemals unter Zwang und nur selten ohne Vorbereitung wecken kann. Insgesamt scheint es mir aber auch so zu sein, dass die Situation in den 80ern nicht besser war als heute, eher im Gegenteil. Vielleicht täusche ich mich aber auch gänzlich.



    Viele Grüße


    Bernd

  • Lieber Bernd,


    leider täuschst Du Dich da ganz und gar nicht. Gute Musikpädagogen waren wohl schon zu allen Zeiten Glücksfälle und wurden selten genug von ihren Kollegen ernst genommen. Wie sollten es dann die Schüler tun?


    Schon damals wurde gerne vergessen darauf hinzuweisen, dass die beliebte Musik von heute die am gründlichsten (und meist auch von ihren Fans) vergessene von morgen ist, während die aus Ignoranz verachtete sich erstaunlich gut behauptet, bedenkt man die seit Menschengedenken anklingenden Klagen über das Verkommen der musikalischen Bildung, die wohl erst heute im Zeitalter der Reizüberflutung wirklich ernst zu nehmen sind. Und dennoch machen auch heute Viele gerne Musik und gar nicht so Wenige sich damit auch recht beliebt.


    Interessant, wenn auch nicht ganz überzeugend, fand ich den von Beckmesser zitierten Hinweis der Berliner Intendantin. Ich habe jedenfalls selten von jemandem gehört, der sich für Musik interessiert und NIE Karten bekam. Warum gibt es dann so viele halb volle bis leere Konzertsäle?


    Ich fürchte, es sind weniger die Abonnenten als die zahlreichen Freikarten an Amtsträger etc., die ein Problem darstellen., aber das darf eine Intendantin natürlich nicht ansprechen.


    :hello: Rideamus

  • Das Beispiel von Bernd ist bezeichnend, gilt aber auch für die anderen Künste. Denn mir fällt gerade wieder ein, daß ich als Schüler der 9.ten Klasse (ca. 1974) Borchardts Stück "draussen vor der Tür" als Aufführung in der Schulaula erleben durfte. Das Verhalten der Mitschüler war anfangs derart chaotisch, daß ein Schauspieler nach ca. 5 Minuten uns vor die Wahl stellte, Ruhe oder Abbruch. Von den Lehrern kam da nichts. Nun ja, man gab Ruhe und das Stück wurde ungestört aufgeführt.
    Allerdings gab es auch nichts an Vor- oder Nachbereitung im Unterricht etc, was ich für ein pädagogisches Unding halte.


    Ich wage mir kaum vorzustellen, was heute passieren würde. Vermutlich würden kaum Schüler erscheinen und der Themenstoff, wenn überhaupt, nur Fragezeichen hinterlassen.


    Ich persönlich glaube, daß es immer weniger jüngere Klassikinteressierte geben wird, allein schon, weil die schulische Förderung schon lange Defizite ausweist.
    Da müßten schon die Amtsträger langfristig Ihre Freikarten zur Verfügung stellen, damit der Appetit beim Essen kommt.


    Grüsse
    Achim :hello:

  • Hallo,


    Ich möchte kurz bemereken, dass ich vor kurzem ja noch Schöööler war und das sich bei "Klassenveranstaltungen" immer gruppendynamische Prozesse zeigen, welche Individuell oft nicht zu bemerken sind.


    Besucht eine ganze Klasse von Schülern ein Theaterstück oder eine Oper oder ein Konzert oder liest die "Pflicht-Lektüre", dann ist ganz schnell das allgemeine Geläster groß. Selbst wenn vielleicht vereinzelt Schüler dabei sind, welche das Buch, die Oper, etc. "gar nicht so schlimm" oder gar gut fanden, dann werden diese doch sehr schnell von dem Mob (vielleicht aber auch nur von einer kleinen Gruppe) "besonders Cooler" umgestimmt. Man will ja nicht als "Looser" dastehen und lästert zuzm Eigenschutz erstmal kräftig mit...
    Das ist sehr feige, spielgelt aber einen grundsätzlichen soziolischen Effekt der heutigen Gesellschaft wieder.


    Viel "effizienter" ist es, kleinere Gruppen zu Bliden und dann dan Kontakt zu Kultur eher ungezwungen zu suchen. Ich habe aus der einfachen Tatsache heraus, dass die Spritkosten von Paderborn ins Ruhrgebiet mir schlichtweg irgendwann zu teuer waren, dringend Leute gesucht, die die Fahrten mitmachen. Ich habe natürlich vorher immer schon überlegt, wer denn überhaupt über ein gewisses "Potential" in der Richtung zeigen könnte (einige Mitschüler waren für mich von vorn herein hoffnungslose (oder zumindest sehr harte) Fälle). Und in der Tat: Mit ein wenig Überredungsarbeit und guten Argumenten bekam ich immer kleinere Gruppen von 3-10 Leuten zusammen, die dann mit mir ins Theater/Konzert etc fuhren. Irgendwann kamen einige (die vorher noch nie Interesse an klassischer Musik/Schauspiel hatten) ganz persönlich auf mich zu und erkundigten sich nach den nächsten Termienen.


    Ich will damit sagen, dass Initiative (auch wenn es manchmal extrem schwer ist und überwindung fordert) auch dringendst von klassikbegeisterten Gleichaltrigen gesucht werden sollte - denn so trägt das ganze (meiner meinung nach) am ehesten Früchte.


    LG,
    Raphael


    PS: Ich weiss, dass das alles nicht real praktizierbar ist und die Kultur-Pädagogik generell vor vielen Problemen steht, doch sollen diese Punkte eine kleine Ergänzung sein und Stoff zum weiterdenken bieten.

  • Zitat

    Original von Achim
    Das Beispiel von Bernd ist bezeichnend, gilt aber auch für die anderen Künste. Denn mir fällt gerade wieder ein, daß ich als Schüler der 9.ten Klasse (ca. 1974) Borchardts Stück "draussen vor der Tür" als Aufführung in der Schulaula erleben durfte. Das Verhalten der Mitschüler war anfangs derart chaotisch, daß ein Schauspieler nach ca. 5 Minuten uns vor die Wahl stellte, Ruhe oder Abbruch. Von den Lehrern kam da nichts. Nun ja, man gab Ruhe und das Stück wurde ungestört aufgeführt.
    Allerdings gab es auch nichts an Vor- oder Nachbereitung im Unterricht etc, was ich für ein pädagogisches Unding halte.


    Da gibt's bestimmt viele ähnliche Erfahrungen - wobei ich einen gewissen anarchischen Faktor in einer pubertierenden Schülerschaft für durchaus normal und vielleicht sogar wünschenswert halte, auch wenn's oft sehr barbarisch daherkommt.


    Die Erweiterung "für die anderen Künste" kann ich aber nicht vorbehaltlos unterschreiben. Ich habe, als ich noch am Museum gearbeitet habe (1999/2000), regelmäßig Führungen mit Schulklassen durch Sammlungen/Ausstellungen mit klassisch-moderner und zeitgenössischer Kunst gemacht. Folgende Beobachtung wurde mir von vielen Kollegen bestätigt: Bis etwa zur 6. Klasse läuft es gut, dann bis etwa zur 10./11. Klasse oft miserabel, während in der Oberstufe sehr häufig wieder viel Interesse und Engagement vorherrscht. Sprich: bei den 13-16jährigen ist die grundsätzliche Abwehrhaltung erwartungsgemäß besonders stark (unvergessen ein 16jähriger, der offensichtlich sehr interessiert war und eine Frage wagte, von seiner obercoolen Freundin aber sofort zurückgepfiffen wurde). Sonst aber habe ich viel Erfreuliches erlebt - was wiederum mit der allgemein stärkeren Akzeptanz bildender Kunst zusammenhängen könnte, die wir in einem anderen Thread diskutiert haben.



    Viele Grüße


    Bernd

  • Ausgelöst durch Herrn von Karajan habe ich einen wie ich meine lesenswerten Artikel auf ZEIT-Online gefunden, der den Status Quo nicht schlecht beschreibt. Über die Wertung, die in ihm vorgenommen wird, könnte man sich freilich streiten.
    Ich wollte ihn zuerst in dem Presse-Fred posten, erinnerte mich dann aber an dieses Thema hier.



    http://www.zeit.de/online/2007/11/klassikmarkt?page=all

    Wenn ich mir vorstelle, was es für Deutschland bedeuten würde, wenn die heilige Kuh zu uns käme, welches Glück und welcher Segen ginge von allgegenwärtigen heiligen Kühen aus!

  • Noch ein schöner Artikel.
    Glücklicherweise müssen wir nicht mehr wie Thomas Bernhard stundenlang durch die Gegend fahren, um die Neue Zürcher Zeitung lesen zu können, die imo zu den besten deutschsprachigen Blättern gehört:


    Alle reden von der Krise im Klassik-CD-Markt. Die grossen Konzerne specken ab und entlassen Leute. Die gründen eigene Labels und haben einigen Erfolg damit.


    Einst ging es dem Schallplatten- bzw. CD-Markt unglaublich gut. Die Musikfreunde bauten ihre Sammlung auf, und nicht nur Finanzgenies wie Karajan verdienten ein Vermögen. Alle machten mit, das gängige Repertoire wurde nicht drei- oder viermal, sondern zwanzigmal eingespielt. Doch einmal war der Markt gesättigt, der Absatz begann einzubrechen, und die grossen Firmen machten sich auf die Suche nach neuen Verdienstmöglichkeiten: «Crossover» hiess in den neunziger Jahren das Zauberwort.


    Nach ein paar Jahren platzte diese Luftblase, 40% des Umsatzes verdampften, und die Klassik fiel wieder zurück auf einen Marktanteil von heute 8%. Das ist ein Wert im Normbereich, der immer schon zwischen 6% und 10% schwankte. Von den sogenannten «Majors» sind heute noch vier übrig geblieben: das Fusionsprodukt Sony/BMG, Universal (wozu die Deutsche Grammophon gehört), EMI und Warner. Sie beschäftigen weltweit 6000 Mitarbeiter und teilen sich 60% des Marktes.


    Der Rest gehört den unzähligen kleinen Labels, die im Schatten der Majors und immer hart am Rand der roten Zahlen ihre Überlebensstrategien entwickelt haben: «Wir sind alle totale Verrückte und Enthusiasten», sagt der Produzent Werner Dabringhaus von MDG (Musikproduktion Dabringhaus und Grimm).


    (...)


    http://www.nzz.ch/nachrichten/…nische_lebt_1.664536.html

    Wenn ich mir vorstelle, was es für Deutschland bedeuten würde, wenn die heilige Kuh zu uns käme, welches Glück und welcher Segen ginge von allgegenwärtigen heiligen Kühen aus!

  • Zitat

    Original von Marc


    Alle reden von der Krise im Klassik-CD-Markt. Die grossen Konzerne specken ab und entlassen Leute.


    Dazu passt, dass der grüne Tamino-Partner anscheinend plant, sämtliche Filialen zu schließen. JPC verabschiedet sich demzufolge also auch aus den norddeutschen Innenstädten, gut sortierte Klassik-Abteilungen gibt es dann keine mehr.


    Nun gehe ich einmal davon aus, dass diese Krise eher sinkenden Absatzzahlen im Pop-Bereich geschuldet sind. Der Klassik-Anteil dürfte bei JPC in den Läden zwar höher liegen als bei der Konkurrenz, die 10-Prozent-Marke am Gesamtumsatz aber wohl nicht überschreiten. Kennern gilt dieser Schritt durchaus als Warnung, was die Zukunft des Tonträgers an sich angeht.


    LG
    B.