Die legendären Inszenierungen von Walter Felsenstein endlich auf DVD

  • Hallo Forianer,


    ein lang gehegter Wunsch wird endlich Wirklichkeit: in einigen Wochen kann man die sensationellen Arbeiten Felsensteins digital remastered in der ARTHAUS-Reihe ab Januar 2008 käuflich erwerben!


    "Natürlich sind die vier Studiofilme von Felsenstein selbst zu sehen, die vom Fernsehfunk in den DEFA-Studios produziert worden sind: "Das schlaue Füchslein", "Othello", "Hoffmanns Erzählungen" und "Ritter Blaubart". Dann sind da zwei Mitschnitte der Inszenierungen "Don Giovanni"(1966) und "Die Hochzeit des Figaro"(1976). Auch auf DVD ist der von Felsenstein 1956 produzierte Opernfilm "Fidelio" zu sehen, aufgenommen im damals noch sowjetisch besetzten Wien, Drehbuch: Hanns Eisler und Walter Felsenstein. Insgesamt 7 Filme Walter Felsensteins auf 12 DVDs und mit Zusatzmaterial ergänzt, mit Ausschnitten aus Interviews, Bildern der Inszenierungen, mit Bühnenbildern und Kostümen. Auch der Ausschnitt aus einem Wochenschaufilm im zerstörten Berlin und dem Wiederaufbau des Theaters mit der Eröffnungsvorstellung der "Fledermaus" 1947 ist in die Edition aufgenommen." (zitiert auszugsweise aus: "Berliner Zeitung" 22./23. Dezember 2007)



    Herzliche Grüße
    von LT :hello:

  • Danke für den frühen Hinweis. Das wird ein dicker Posten auf meinem Wunschzettel für nächstes Jahr.


    Auf den FIDELIO - Film könnte ich zwar verzichten, aber HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN und RITTER BLAUBART sind allein schon einen höheren Preis wert. Auch auf das SCHLAUE FÜCHSLEIN, das ich nie sehen konnte, bin ich sehr gespannt.


    Sogar Gegner von deutschen Fassungen fremdsprachiger Opern sollten hier zugreifen, denn hier gibt es vorbildliches Regietheater für BEIDE Fraktionen, trotz (überwiegend?) Schwarzweißaufzeichnungen.


    :hello: Rideamus

  • Hallo Rideamus,


    ich denke "vorbildliches Musiktheater" trifft es überhaupt nicht, seine Arbeiten waren und sind einzigartig!


    Bei "Ritter Blaubart" weiß ich, wird es nie eine bessere Inszenierung geben! Wer diese jemals gesehen, ist für weitere Einstudierungen völlig verdorben! Hier stimmt einfach alles!


    Sein "Othello" bietet die beste Stumszene, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu erleben war und davor wird es auch keine bessere Version gegeben haben!


    Wer diese Arbeiten sieht, versteht erst richtig Felsensteins Theorie vom Musiktheater. Das heutige Regietheater ist dagegen oftmals nur noch ein müder, einfallsloser, skandalträchtiger und effekthaschender Abgesang!



    Herzliche Grüße
    von LT :hello:

  • ...mit expliziter Betonung auf "historisch"!


    Nach Durchsicht des Samplers erlaube ich mir folgende Einschätzung:


    Szenisch sind die arbeiten phasenweise absolut beeindruckend (wenn auch angesichts der der u.a. mimischen Expressivität für Jüngere mitunter ein weing befremdlich).


    Musikalisch sieht das leider oft anders aus. Gesungen wird
    1. deutsch (mit eher schwacher Übersetzung)
    2. in einem Deklamationsstil, der -tschuldigung- phasenweise fast unerträglich hölzern klingt
    3. von SängerInnen, die auch damals wohl nicht zu den Besten ihres Fachs gezählt haben.


    Insgesamt aus historischer Sicht trotzdem sehr interessant (für alte Fans sowieso).


    Ach ja:
    Bevor Du, lieber Liebestraum, jetzt beginnst, auf das böse Regietheater hinzuschlagen: Felsenstein selbst hat wiederholt erklärt, sene Inszenierungen seien Produkte der Jetzt-Zeit und hätten keine dauerhafte Gültigkeit.
    Einige seiner Fans haben da aber wohl schon nicht mehr zugehört.

  • ... und endlich zu einem realistischeren Preis - jpc listet die Box mit 12 DVDs aktuell für 89,99 €



    Walter Felsenstein-Edition


    Beethoven: Fidelio (Opernfilm mit Pöll, Rehfuß, Laszlo,
    Wien SO, Lehmann / 1956);
    +Janacek: Das schlaue Füchslein (Opernfilm mit Asmus,
    Schob-Lipka, Enders, Orchester der Komischen Oper Berlin,
    Neumann / 1965)
    +Mozart: Don Giovanni (Melis, Barlow, Moulson, Orchester
    der Komischen Oper Berlin, Kosler / 1966); Die Hochzeit des
    Figaro (Kreyssig, Falewicz, Reinhardt-Kiss, Orchester der
    Komischen Oper Berlin, Oberfrank / 1976)
    +Verdi: Othello (Opernfilm mit Nocker, Noack, Bauer,
    Schmoock, Orchester der Komischen Oper Berlin, Masur / 1969)
    +Offenbach: Hoffmanns Erzählungen (Opernfilm mit Nocker,
    Muszely, Asmus, Orchester der Komischen Oper Berlin,
    Voigtmann / 1970); Ritter Blaubart (Opernfilm mit Nocker,
    Schlemm, Enders, Orchester der Komischen Oper Berlin,
    Voigtmann / 1973)
    +Bonus: Originalhandschriften Walter Felsensteins;
    Original-Bühnenbildentwürfe, Figurinen, Skizzen & Entwürfe;


    Sound: stereo
    Bild: 4:3 (NTSC)
    Label: Arthaus , FSK6





    LG, Elisabeth

  • Hallo an alle,


    ein guter Geist hat mir die vorherige Edition zu Weihnachten geschenkt - ich sollte ihm jetzt vielleicht nicht von der neuen Box erzählen. Ich vermute ja, dass das recht aufwändige Booklet und die Faksimiles in der neuen Edition nicht mit enthalten sind, aber das Wesentliche, nämlich die Filme selber ja wohl schon.


    Ich habe bisher aber nur Fidelio und Hoffmann's Erzählungen sehen können. Fidelio ist aus den 50er Jahren, schlechte Tonqualität, stark gekürzt (auf ca. 85 Minuten) und lässt bei mir einen eher Zwiespältigen Eindruck. Teilweise spielen die Sängerr selber, teilweise werden SChauspieler eingesetzt, aber nie passen die Mundbewegungen wirklich zum Singen, das finde ich recht irritierend. Es gibt einige recht starke Szenen, aber insgesamt wirkt es doch eher altmodisch auf mich und begeistert mich nicht so stark.


    Den Hoffmann hingegen fand ich schon recht beeindruckend. Martellos Kritikpunkte sind sicher richtig, wobei ich es auch sehr auffallend finde, wie gut text-verständlich die Sänger damals gesungen haben. Ich kenne Hoffmanss Erzählungen zwar, aber nur auf Französisch, dennoch habe ich nicht mal einen Gedanken daran verschwendet, Untertitel anzustellen.


    Die Inszenierung ist in jeder Beziehung Libretto-getreu, aber absolut kein Steh-Theater. Es wird bis hin zu den einzelnen Choristen beeindruckend gespielt. Genial der Aufzug des Chores in dem Olympia-Akt, den Operetten-Offenbach habe ich da noch nie so durchgespürt.


    Noch mehr beeindruckend fand ich dann aber die ca. 30 Minuten langen Ausschnitt der dem Opernfilm zugrundeliegenden Bühnenaufführung. Hier sind, bis auf wenige Ausnahmen, dieselben Sänger eingesetzt worden, wie im Film, aber alle scheinen noch jünger zu sein. Jedenfalls klingen die Stimmen unverbauchter, besser. Viel besser ist das Dirigat Vaclav Neumanns (ich kann gerade nicht nachschauen, wer den Opernfilm dirigiert. Ich kannte den Dirigenten nicht). Anhand der Ausschnitte und des Films kann ich mir nun schon in etwa ein Bild machen, wie eine echte Theateraufführung gewirkt haben mag - und die hätte ich gerne mal life erlebt.


    Die Inszenierungen sind sicher auch Dokumente Ihrer Zeit, so habe ich Oper wirklich lange nicht mehr gesehen. Ich gehöre eigentlich eher zu den Anhängern des (guten) Regietheaters, aber vielleicht können diese Inszenierungen auch wieder den Blick für andere Theaterlösungen öffnen. Ich bin gespannt, wie die anderen Opern sind.


    Viele Grüße,


    Melanie

  • Der Dirigent des Hoffmann-Films von Walter Felsenstein war Karl-Fritz Voigtmann.


    Hier die gesamte Besetzung:


    Hoffmann: Hanns Nocker
    Olympia: Renate Krahmer (nur Gesang, gespielt hat Melitta Muszely)
    Antonia/Giulietta/Stella: Melitta Muszely
    Lindorf/Coppélius/Dr. Miracle/Dapertutto: Rudolf Asmus
    Andrèas/Cochenille/Franz/Pitichinaccio: Werner Enders
    Nicklausse: Sylvia Kuziemski (Das Couplet wurde von Barbara Sternberger gesungen)
    Spalanzani: Vladimir Bauer
    Crespel: Horst-Dieter Kaschel
    Schlemihl: Alfred Wroblewski
    Luther: Heinz Kögel
    (Stimme von) Antonias Mutter: Hanne-Lore Kuhse
    Nathanaël: Uwe Kreyssig
    Hermann: Heinz Sommerfeld
    Ein Kellner: Fritz Hübner


    Im Don Giovanni – Ausschnitt:
    Don Giovanni = Siegfried Vogel, Baß
    Donna Anna = Melitta Muszely, Sopran
    Leporello = Vladimir Bauer, Bariton


    CHOR UND ORCHESTER DER KOMISCHEN OPER BERLIN


    :hello: Jacques Rideamus


  • Lieber Jacques,


    möglicherweise liegt hier ein Missverständnis vor. Ich bezog mich oben auf den Ausschnitt einer Bühnenaufführung von Hoffmanns Erzählungen. Dieser Ausschnitt ist einer der Specials, die der Box beiliegen.


    Der Don Giovanni auf der Box ist ohnehin eine Bühnenaufführung, kein Opernfilm - bin schon gespannt.


    Der Dirigent von Hofmanns Erzählungen im Opernfilm ist übrigens Karl-Fritz Voigtmann. Ich fühle mich bei den diversen Fassungen von Hoffmanns Erzählungen nicht sattelfest genug, etwas zu der gewählten Fassung zu sagen. Sie kommt nahe an die Fassung, mit der ich das Stück kennengelernt habe (mit Diamantenarie natürlich).


    Mit Fidelio geht Felsenstein ja relativ frei um.


    Viele Grüße,


    Melanie

  • Der "Hoffmann" ist auch eine sehr freie Fassung, bei der Felsenstein musikalisch ausgesprochen großzügig mit dem Material umgeht. Und daß er für die Dialoge ausgerechnet Blankverse gewählt hat, hat mit Offenbach nun rein gar nichts zu tun.

  • Hallo Armin,


    ich habe schon den Verdacht, dass Felsenstein zwar sehr Libretto-genau inszeniert, dafür aber teilweise starke Eingriffe in das Werk an sich nicht scheut. Also quasi eine Gegenposition zum heutigen Opernbetrieb, wo die Inszenierungen freier sind, aber die Werke als solche eher nicht angetastet werden. Hier müsste ich aber noch mehr sehen, bevor ich diese These bestätigen kann.


    Viele Grüße,


    Melanie

  • Felsenstein hatte bei Eingriffen in die Werksubstanz in der Tat recht wenig Skrupel ; wenn man sich ausführlicher damit befaßt, stößt man auf diverse Fälle. Und seine so vielgelobten Übersetzungen waren mitunter eher Nachdichtungen, die sich mehr an seiner eigenen Intention orientierten.

  • Liebe Mela,


    ich habe nur eine Tonaufzeichnung des HOFFMANN, die ich noch einmal anhören und vergleichen müsste um im wirklich Folgenden zuverlässig zu sein, kenne aber auch den Fernsehfilm, den ich vor langer Zeit gesehen habe. Ich erinnere mich noch recht gut daran, weil ich damals enorm beeindruckt war.


    Felsenstein hat das Libretto in der Tat sehr stark bearbeitet. Armin weist mit Recht darauf hin, dass er bei seinen "Übersetzungen" vor allem den gesprochenen Text gerne an seinem Inszenierungskonzept orientierte und damit in der Tradition seines Mentors Bertolt Brecht dem späteren "Regietheater" eine große Bresche schlug. So ist dieser Hoffmann eine Mischfassung aus der traditionellen Choudens-Fassung und dem erhaltenen Libretto Offenbachs, dessen vermeintlich nicht mehr komponierte Passagen Felsenstein einrichtete. Das Resultat war eine gewaltige Aufwertung der Muse gegenüber der Choudens-Fassung, die schon stark an die spätere Oeser-Fassung gemahnt. Der allerdings bediente sich dann stark bei Offenbachs damals nicht mehr gespielter Oper DIE RHEINNIXEN um den praktisch neuen fünften Akt und das viel ausführlichere Nachspiel auch erklingen zu lassen. Felsenstein präsentiert das überwiegend als Melodram, d. h. die Muse deklamiert zu Orchestermelodien aus der Oper.


    Für jemanden, der bis dahin nur die Choudens-Fassung kannte und in der brillant besetzten Cluytens-Einspielung und dem Ballett-Film von Powell/Pressburger so sehr liebte, dass er bis heute die sogenannte Spiegelarie (Scintille diamant), die eigentlich eine Diamantenarie ist, und vor allem das wundervolle und leider unauthentische Septett vermisst, brachte das nachgerade revolutionäre Erkenntnisse. Auf einmal war der HOFFMANN nicht mehr nur ein herrlich komponiertes Kompilat fantastischer Geschichten, sondern eine Auseinandersetzung mit dem Wesen der Kunst schlechthin. Dieser Durchbruch wurde später von der Oeser-Fassung und noch glanzvoller in der Kaye-Fassung bestätigt, die die zusätzlichen Notenfunde von Antonio de Almeida berücksichtigen konnte. (s. Hoffmanns Erzählungen - Ein Unglücksstück ? )


    Diese Fassungen bestätigen Felsenstein einerseits, belegen aber auch seine Willkür, die immerhin die eines Künstler sui generis war. Das sollte man nicht vergessen und ihm - gerade im Umfeld seiner Zeit, in der er nachhaltige Pionierleistungen vollbrachte - hoch anrechnen, auch wenn seine Inszenierungen und Bearbeitungen heute zu Recht als überholt gelten. Dass er nie die großen Gesangsstars beschäftigen konnte und seine Aufnahmen auf der Ebene ihre größten Schwächen haben, kann man schlecht ihm anlasten. In seiner Textexegese bleibt er jedenfalls trotz - und zum Teil wegen - seiner willkürlichen Entscheidungen weit mehr als ein musealer Markstein der Entwicklung des Operntheaters.


    :hello: Jacques Rideamus


  • Lieber Jacques,


    danke für diese Informationen zu den verschiedenen Fassungen der Hoffmann'schen Erzählungen. Das Du Dich da bestens auskennst, war ja zu erwarten :hello:


    Ich sollte mich damit mal detaillierter auseinandersetzen.


    Aber ich wollte keineswegs sagen, dass Felsensteins Bearbeitungen museal sind. Ich wollte nur auf die Diskrepanz hinweisen, dass es für einige Taminianer schon zu weit geht, wenn der Ort bzw. die Zeit der Handlung einer oper in einer Inszenierung verändert werden, andererseits aber als traditionell hochgelobte Regisseure dann doch starke Eingriffe in die Stücke selber vornehmen.


    Aber jetzt bin ich schon viel weiter an den unseligen Regietheater-Diskussionen, als ich jemals sein wollte. Ich möchte kein Vorgehen pauschal befürworten oder kritisieren, sondern dafür plädieren sich die konkreten Ergebnisse anzuschauen und zu bewerten. Und im vorliegenden Fall finde ich diese, wie bereits geschrieben, doch sehr überzeugend.


    Die Sänger mögen übrigens sängerisch nicht die damalige Elite dargestellt haben, sehr gut gespielt haben sie schon. Was mich wiederum an eine andere Diskussion in diesem Forum erinnert, in dem heutige Sängerdarsteller gegen frühere unbewegliche "Nur-Sänger" aufgerechnet werden, die dann rein musikalisch überzeugender waren. Vielleicht gab es ja auch schon früher Aufführungen mit durchaus verschiedenen Schwerpunkten und den darauf angepassten Sängertypen.


    Viele Grüße,


    Melanie


  • Liebe Mela,


    ich wollte Dich keineswegs korrigieren, im Gegenteil: ich stimme sehr weitgehend mit Dir überein, auch darin, hier keine neue Regietheaterdiskussion zu entfachen.


    Dass Felsenstein als bekennender Brecht-Schüler erklärtermaßen Sänger vorzog, die - ruhig zu Lasten der Stimmpracht - vor allem hervorragende Schauspieler waren, erinnere ich schon aus Besprechungen und Diskussionen seiner Zeit, als man das Argument mangelnder musikalischer Spitzenleistungen gegen ihn zur Zeit des Kalten Krieges als Repräsentanten der Kultur des "Feindes" ins Spiel brachte.


    Tatsächlich fällt das intensive Spiel und die ersichtlich detailbesessene Darstellerregie auch heute noch angenehm auf - gerade im Vergleich zu anderen Filmaufzeichnungen seiner Zeit, in der die Mehrzahl der Sänger kaum mehr als drei oder vier Standardgesten und -ausdrücke zu kennen schien.


    Felsensteins Arbeit kann man auch ohne Kenntnis all dessen heute noch schätzen. EIne angemessene Würdigung muss aber die Kenntnis seines Umfelds einbeziehen - ebenso wie man der Callas nur gerecht werden kann, wenn man weiß, wie extrem ihre Darstellungskunst gegen die damalige Aufführungspraxis abstach. Während diese aber noch heute deutlich erkennbar ist, sind uns viele der Fortschritte Felsensteins heute so sehr zur Norm geworden, dass man sich ihrer kaum mehr bewusst wird, wenn man sie sieht.


    :hello: Jacques Rideamus

  • Ich besitze seit einigen Tagen die Felsenstein-Inszenierung von "Hoffmanns Erzählungen"


    Sie ist sehr "deutsch"- was an sich kein Fehler ist, waren doch die literarischen Vorlagen auch deutsch Novellen.
    Jedoch ist die Inszenierung äusserst antiquiert. Felsenstein hat bewusst oder unbewusst den Zeitgeist der fünzfiger Jahre eingefangen, oder besser gesagt, erhat ihn sich eingefangen. Manche Stellen sind blenden geschauspielert, Akt 2 und drei fallen gegenüber den Spalanzani-Szenen ziemlich ab, der musikalische Gesamteindruck ist - euphemistisch beurteilt - unterdurchschnittlich. Eine ausführliche Rezension folgt demnächst im DVD-Opernbereich.


    mfg aus Wien


    Alfred

  • Lieber Alfred,


    musikalisch gesehen kann der Gesamteindruck nur durchschnittlich sein. Das ist keine Frage! Felsenstein standen ja keine Super-Sänger zur Verfügung, ebenso war das Orchester der Komischen Oper nie ein Spitzenorchester.


    Wenn es um Felsenstein geht, dann geht es bei ihm nicht um ein gutes Schauspielern, das war mehr das Gebiet von G. Rennert, Ponnelle u.a.


    Die Einzigartigkeit der Felsensteinschen Kunst war die Durchgestaltung jeder Bühnenperson bis ins kleinste Detail. Auch jeder Chorist hatte eine bestimmte Rolle zu spielen. Rumstehen oder beliebiges Herumlaufen des Chores gab es bei Felsenstein nicht! So etwas gab es nie vorher und auch nicht mehr danach. Dieser Fakt lässt sich natürlich mit der Kamera nicht immer so einfangen, wie das auf einer Bühne wirkt. Dafür probte er bis zu einer Premiere bis zu einem halben Jahr.


    Seine Gestaltung der Sturm-Szene zu Beginn des "Othello" ist bis heute unerreicht!


    Und nicht zu vergessen: Felsensteins "Schlaues Füchslein" sorgte für die internationale Janacek-Renaissance.


    Wenn seine Inszenierungen etwas antiquiert anmuten, dann liegt das daran, dass die meisten Arbeiten aus den 60er Jahren stammten.



    Herzliche Grüße
    von LT :hello: