Die Protagonisten der Alten Musik (III) - Das Ensemble Weser-Renaissance Bremen

  • Servus,


    das Ensemble Weser-Renaissance Bremen widmet sich der Musik des 16. und 17. Jahrhunderts, also einer Zeit, in der mit dem Übergang zwischen Renaissance und Barock eine der aufregendsten Veränderungen in der Musik stattfand. Gelegentlich reicht die Spanne aber auch über den gesetzten Zeitrahmen hinaus, z.B. wenn in der kürzlich begonnenen Konzertreihe zum Thema "Kapitäne und Kantoren" unter anderem Musik von Keiser und Telemann erklingen wird.


    Mit Manfred Cordes, dem Gründer und Leiter des Ensembles, steht eine der wichtigsten Persönlichkeiten der Bremer Musikszene am Pult. Er ist nicht nur Professor für diverse musiktheoretische Fächer sowie Ensemble an der Hochschule für Künste Bremen, sondern seit diesem Jahr auch der Rektor dieser Institution. Doch er ist jedoch nicht nur theoretisch bewandert, sondern kennt als Posaunist, Sänger und Continuospieler auch die praktische Seite sehr gut. Und schließlich gilt er als ausgesprochener Kenner der Musik des 16. und 17. Jahrhunderts. Beste Voraussetzungen also für die Wiederbelebung längst vergessener Werke.



    Manfred Cordes


    Bereits im Jahr der Gründung des Ensembles Weser-Renaissance Bremen, nämlich 1993, wurde für cpo die erste Plattenaufnahme gemacht, eine CD mit dem Titel "The Spirit of the Renaissance, von Josquin des Prez zu Hans Leo Hassler". Diesem Label ist man bis heute treu geblieben, und seither erschienen dort rund zwei Dutzend CDs. Ein großer Schwerpunkt ist dabei das Oeuvre von Heinrich Schütz, ein zweiter die Musik aus den großen Hansestädten.


    Die Vokal- und Instrumentalbesetzung variiert von Mal zu Mal, je nach den Anforderungen der Werke. Bei älterer Musik wird man eher Blasinstrumente, Zinken, Posaunen, Dulziane etc. antreffen, bei barocker Musik mehr Streicher und abwechslungsreich besetztes Continuo.


    Ohne jetzt schon auf einzelne Aufnahmen speziell eingehen zu wollen, so kann ich generell alle Aufnahmen des Ensembles wärmstens empfehlen. Die musikalische Qualität ist durchweg Spitzenklasse. Und vor allem Entdecker, die vor unbekannten Komponistennamen nicht zurückschrecken, kommen voll auf ihre Kosten. Sehr hilfreich sind auch die informativen und gut geschriebenen Texte in den CD-Beiheften, die Cordes üblicherweise selbst verfasst.


    Wer also auf musikalische Entdeckungsreise an die Grenze zwischen Renaissance und Barock gehen möchte, für den ist das Ensemble Weser-Renaissance eine der allerersten Adressen.



    herzliche Grüße,
    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Guten Abend


    eine der vielen musikalischen Endeckungen dieses ausgezeichneten Ensemble ist diese CD




    einer Aufnahme mit dem Titel "Friedens-Seufftzer und Jubel-Geschrey" mit Musik zum Westpfälischen Frieden 1648.
    Der Titel wirft ein anschauliches Bild auf die Gefühlszustände der Menschen in der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts. Darauf sind Werke von J. Schop, M. Jacobi, H. Schütz, S-E. von Braunschweig-Wolfenbüttel, J. Stobaeus, A. Hammerschmidt, H. Albert, Th. Selle und anonymer Meister zu hören.
    Erwähnenswert das informative Booklet.


    Gruß :hello:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Die Aufnahmen von "Weser-Renaissance" erstehe ich immer wieder gerne - neben den "Kleinen geistlichen Konzerten" von Heinrich Schütz sind es besonders die Einspielungen mit Musik von Michael Praetorius, die mir gerade deshalb gut gefallen, weil sie mir diesen Komponisten etwas näher gebracht haben. Schon länger auf dem Markt ist die "Vesper für den St. Michaels Tag" und relativ neu ist die CD mit Advents- und Weihnachtsmusik von Praetorius, die ich, nicht nur, aber auch, weils jahreszeitlich passt, gerne zum Kennenlernen empfehlen möchte.

  • Hallo!


    Ich habe einige CDs des Ensembles und bin von denen sehr angetan. Interpretatorisch erste Klasse und meist sehr seltene und unbekannte Werke.


    Besonders gelungen finde ich die CD:

    Festmusik der Hansestädte
    mit Werken von
    Julius Johannes Weiland (ca. 1605-1663)
    Julius Ernst Rautenstein (1590/95-1654)
    Heinrich Albert (1604-1651)
    Andreas Hakenberger (1574-1627)
    Philipp Dulichius (1562-1631)
    Christoph Bernhard (1628-1692)
    Dietrich Becker (1623-1679)
    Matthias Weckmann (1621-1674)
    Jacob Obrecht (1458-1505) zu dem gibts sogar einen Thread hier im Forum.
    Orlando di Lasso (1532-1594) zu dem auch
    Andries Pevernage (1543-1591)
    Clemens non Papa (1510-1556)


    Von den hier genannten kannte ich vor dem Kauf dieser CD nur di Lasso und Obrecht [und non Papa dem Namen nach]. Ich bin schlichtweg begeistert gewesen, wie viele unbekannte Meister sich hier finden lassen. Ein Stück schöner wie das andere. Absolute Empfehlung für alle Renaissance-Interessierten, die keine gesamte Messe durchhalten. :D


    Für die Messen-Fraktion kann ich diese Aufnahme empfehlen:

    Thomas Stoltzer 1480-1526
    Missa per duplex annum
    Psalmmotetten ua


    Es gibt natürlich noch viele weitere sehr interessante Aufnahmen, aber diese beiden kenne ich sehr gut, da ich sie selbst habe.
    Mich würde vor allem die Meinung zur Aufnahme von Scheins "Israels Brünnlein" interessieren.


    Hauptsächlich hat das Ensemble deutsche Renaissance/Frühbarockwerke aufgenommen (Schütz, Buxtehude, Hammerschmidt, Hassler, Schein, Praetorius [einige]) aber auch flämische (di Lasso) und italienische Meister (Gabrieli) findet man in der Diskographie.


    Eine absolute Bereicherung für den Renaissance-Sektor! Ich werde mir sicherlich noch einige Scheiben mehr zulegen!


    LG joschi

  • Guten Ta


    Zitat

    Original von Alviano
    relativ neu ist die CD mit Advents- und Weihnachtsmusik von Praetorius, die ich, nicht nur, aber auch, weils jahreszeitlich passt, gerne zum Kennenlernen empfehlen möchte.


    Wenn du diese CD meinst ?




    Michael Praetorius


    "Chormusik zu Advent und Weihnachten"


    Hier tritt Manfred Cordes diesmal als Leiter des Ensemble Bremer Barock Consort der "Bremer Hochschule für Künste" in Erscheinung.
    Dieses Ensemble besteht aus Studierenden der Bremer Musikhochschule, an der M. Cordes lehrt.



    Gruß :hello:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Manchmal sollte man sein CD-Regal auch physisch aufsuchen, bevor man munter drauflos schreibt...


    Die von mir angesprochene "Vesper" hat zwar tatsächlich Manfred Cordes mit "Weser-Renaissance" eingespielt - stammt aber von Hieronymus Praetorius. Direkt daneben steht im Regal die Aufnahme, die ich eigentlich meinte, mit Musik von Michael Praetorius - nur ist die vom Huelgas-Ensemble produziert worden... :wacky:


    Und Bernhard hat natürlich recht, die weihnachtliche Musik von M. Praetorius hat Manfred Cordes mit den Studierenden in Bremen aufgenommen, aber ich finde, sie passt ganz gut hierher und ich hoffe, dass der eine oder die andere sie sich zulegt. Zum einen sind die Melodien alle bekannt, zum anderen sind die jungen Leute wirklich hörenswert - ein nachwuchs, der zu schönen Hoffnungen berechtigt.

  • Guten Abend


    Zitat

    Original von Alviano
    Manchmal sollte man sein CD-Regal auch physisch aufsuchen, bevor man Und Bernhard hat natürlich recht, die weihnachtliche Musik von M. Praetorius hat Manfred Cordes mit den Studierenden in Bremen aufgenommen, aber ich finde, sie passt ganz gut hierher und ich hoffe, dass der eine oder die andere sie sich zulegt. Zum einen sind die Melodien alle bekannt, zum anderen sind die jungen Leute wirklich hörenswert - ein nachwuchs, der zu schönen Hoffnungen berechtigt.


    Und schön dass die jungen Musiker Beachtung beim Bremer Senat finden und dem Bürgermeister ein " Ständchen " bringen durften :pfeif: =) :hello:



    Gruß aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Sagitt meint:


    Seit mindestens zwei Jahrzehnten verbindet der Forscher Cordes Theorie und Praxis durch Konzerte,Konzertreihen und Aufnahmen davon.


    Immer scheint der forschende Ansatz durch, etwa, wenn ein Konzert rekonstruiert wird, wie es im 17.Jahrhundert in Hamburg stattgefunden hat oder hätte stattfinden können.


    Manfred Cordes stehen grossartige Musiker zur Verfügung. Der Interpretation fehlt das letzte Quentchen Schwung und Begesiterung. Vielleicht ist das der Preis, der hier zu zahlen ist ?

  • Guten Tag



    Zitat

    Original von sagitt
    Sagitt meint:



    Der Interpretation fehlt das letzte Quentchen Schwung und Begesiterung. Vielleicht ist das der Preis, der hier zu zahlen ist ?


    Ich hab da gerne mit "norddeutscher Strenge" umschrieben :D



    Gruß :hello:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard



  • Lieber sagitt,


    Deinen letzten Satz verstehe ich nicht ganz: Das Durchscheinen des forschenden Ansatzes verhindert das letzte Quentchen Schwung und Begeisterung? So in etwa?


    Dann wären andere Ensembles mit mehr Schwung etc. weniger von des Gedankens Blässe angekränkelt?


    Oder ist das vielleicht doch eine vom Forschergeist zu trennende Temperamentsfrage?


    Im Ergebnis höre ich das aber genauso. :D



    PS: Wo ist eigentlich Folge I der Protagonisten-Reihe?

  • Einige der von mir durchaus geschätzten Einspielungen des Ensebles wurden hier bereits lobend erwähnt, ein Grundproblem der Formation, und das betrifft leider NICHT nur die von Gerhard Pätzig rezensierte neue Prätorius-CD, kommt in der in "Klassik heute" am 18.12. 07 publizierten in erhellender Deutlichkeit auf den Punkt, daß ich mir an dieser Stelle gestatte, sie vollständig
    (Hervorhebungen von mir !) zu zitieren:


    Zitat

    Wenn es so etwas wie eine „musicological correctness“ als Gegenstück zur politischen Doktrin geben sollte, dann ist sie hier zum künstlerischen Demonstrationsobjekt erhoben worden. Vollstrecker sind 16 Studierende im Spezialfach „Alte Musik“ der Kunsthochschule Bremen. Diese sechzehn jungen und begabten Leute, ausgewählt und ausgebildet von ihren Professoren im Verbund mit Musikern von internationalem Rang als Gastdozenten, stellen als Bremer Barock Consort mit der vorliegenden Advents- und Weihnachtsmusik das Ergebnis einer fundierten musikhistorischen Projektarbeit vor. Die Gesamtleitung hat der Theorie- und Kontrapunktprofessor Manfred Cordes als Spezialist für die Musik des 16. und frühen 17. Jahrhunderts übernommen. Es ist die erste unter professionellen Bedingungen produzierte CD dieser Gruppe. Sie besteht aus vier Sopranistinnen, dazu je eine Alt, Tenor- und Baßstimme der Gesangsklasse Harry van der Kamp, vier Blockflötenspielerinnen der Klasse Han Tol und ein Gambenquartett der Klasse Hille Perl. Erweitert wurde das Team durch eine professionelle Harfenistin und eine Organistin am Orgelpositiv. Es handelt sich bei diesem Projekt um einen Querschnitt durch die geistlichen Werkbeiträge des frühbarocken Meisters und Wolfenbütteler Hofkapellmeisters Michael Praetorius (1571-1621). Konzeptionell ist alles gut durchdacht. Daß als akademische „Projektarbeit“ mit Spitzenbetreuung eine optimale Wirkung zu erreichen versucht wurde, hat jedoch seine Tücken. Was die Elitestudenten an theoretischem Vorwissen über durchaus strittige Thesen und Erfahrungen zur historischen Aufführungspraxis mit den modernen Medienansprüchen, Klangvorstellungen, Spielperfektion und Hörgewohnheiten auf einen Nenner bringen müssen und wollen, stößt an so manche Grenzen philologischer Möglichkeiten und wissenschaftlicher Erkenntnisse. Gerade Michael Praetorius ist in dieser Hinsicht ein ideales Streitobjekt, hat er doch als Barocktheoretiker in seinem dreibändigen Syntagma Musicum manche vieldeutigen Aussagen blumenreich be- und umschrieben.


    Kurzum, ausgerechnet der zu vermittelnde Weihnachtsjubel, Lobpreis, die biblische Frohbotschaft Vom Himmel hoch oder die Adventsstimmungen als Ausdrucksträger barocker Affekte in den konzertierenden, figurenreichen, choralartigen oder polyphonen Passagen fallen den asketischen, akademisch einseitig befolgten Interpretationsmodellen mit „musicological correctness“ zum Opfer. Das heißt: Starres Non-Vibrato-Singen, mißverstandene Authentizität durch Verzicht auf instrumentale Agogik, Dynamik und lebendig-kreative Spannungsbögen bei kontrapunktischen Melodieführungen stehen im Widerspruch zu jeder kreativen Umsetzung mit dem Ziel eines unmittelbar anrührenden, vitalen Musikgeschehens. In dulci jubilo findet einfach nicht statt oder äußert sich in einer matt wirkenden Spieluhren-Mechanik. Hier gibt es viel zu tun. Künstlerischer Enthusiasmus und barocker Schwung warten vorerst noch auf ihre (auch akademisch vorbelasteten) Herausforderer.


    Eigentlich wurde, folgt man dem informativen Begleitheft, "alles richtig gemacht", und trotzdem klingt das ganze so, als wolle man eine edle Ferrari-oder Lamborghini-Karrose mit einem Trabbi-Motor zum laufen bringen...


    Mich jedenfalls fröstelte nach dem Anhören dieser von mir eigentlich mit Spannung erwarteten Konserve ganz unweihnachtlich. Unter meine in 2007 erworbenen Trash-CDs möchte ich sie dennoch nicht einordnen aber die Lust auf einen 3. Hörversuch ist mir zumindest derzeitig vergangen und entsprechend skeptisch schaue ich jetzt der angekündigten CD mit Werken des von mir hoch geschätzen Melchior Franck entgegen und bete inbrünstig, daß diese besser werden möge als jener klangewordene akademische Leerlauf, der die Prätorius-Scheibe zur perfekt inszenierten Ohrenqual werden lässt !

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Es ist mein Wunsch den Bereich alte Musik hier im Forum wieder ein wegig mehr in den Mittelpunkt zu stellen, oder bescheidener ausgedrückt, alte Threads fortzusetzen und wiederzubeleben. Am 1. Jänner 2008, also vor annähernd 9 Jahren ist dieser Thread - nach einer kritischen Bewertung des Ensembles - quasi eingeschlafen.
    Inzwischen wurden zahlreiche Aufnahmen gemacht, bessere und weniger gute. Aber auch letztere können im Nischenbereich auf Werke aufmerksam mache, die bislang ihr Dasein in den Archiven diverser Institutionen, Schlösser und Klöster fristen mussten.

    Ich habe für den Wiedereinstieg dieses Threads eine Aufnahme von Heinrich Schütz (1585-1672) mit weltlichen Werken gewählt, eher eine Rarität im Schaffen von Schütz. Ungeachtet dessen ist ein moralisierender, teilweise geistlicher Unterton kaum zu überhören, wenngleich ich die Musik bislang nur von Soundsamples kenne. Was ich hörte, war indes so überzeugend, daß die abgebildete CD auf meiner Bestellliste landete. Sie wird spätestens im Jänner, voraussichtlich aber vielleicht sogar noch im Dezember - eingeschoben - bestellt.

    mfg aus Wien
    Alfred

  • Thomas, Salisburgensis, schrieb in seinem Eröffnungsbeitrag:


    Zitat

    [...] kann ich generell alle Aufnahmen des Ensembles wärmstens empfehlen. Die musikalische Qualität ist durchweg Spitzenklasse. Und vor allem Entdecker, die vor unbekannten Komponistennamen nicht zurückschrecken, kommen voll auf ihre Kosten. [...] Wer also auf musikalische Entdeckungsreise an die Grenze zwischen Renaissance und Barock gehen möchte, für den ist das Ensemble Weser-Renaissance eine der allerersten Adressen.


    Und genau das möchte ich bestätigen; ich habe etliche Aufnahmen dieser Formation und bin von keiner enttäuscht. Die mäkelige Kritik kann ich mir nicht zu eigen machen - es könnte daran liegen, dass ich die bekrittelten Einspielungen nicht habe. Aber was ich habe, ist, wie schon von Salisburgensis geschrieben, wirklich großartig.


    :hello:

  • Zur "Weserrenaissance" ist mein Verhältnis zwiespältig. Für Werke, die eine kleine Besetzung brauchen, ist diese Formation sehr gut. Z.B. die CD mit den weltlichen Werken von Schütz, lieber Alfred, besitze ich schon über 10 Jahre; sie lohnt sich. Wunderschön die Arie, die in Salomos Bette spielt. Dazu muss man wissen, dass die Bibel berichtet, dass der gute König Salomo am Ende seines Lebens selbst im Bett nicht mehr warm wurde, sodass man auf menschliche (weibliche) Wärme zurückgreifen musste. Abstriche muss ich machen bei den Tenören, die nicht alle das gleiche Niveau haben. Was hier gesagt wurde über das Moralisieren in diesen Stücken, stimmt; es sind darin die moralischen Prinzipien der lutherischen Orthodoxie verewigt.
    Unbedingt raten möchte ich euch zu Aufnahmen, die sich auf den Komponisten "Thomas Selle" beziehen. Ich kannte diesen Komponisten schon früher, aber erst mit der Weserrenaissance wurden die Aufnahmen gut und hörenswert. Hier kann man gut mit der Selleschen "Historia der Auferstehung" anfangen, ein ergreifendes Werk. Der Text bezieht sich nicht auf einen einzelnen Evangelisten, sondern es wird eine sog. Evangelienharmonie verwendet.



    Probleme habe ich mit der Weserrenaissance, wenn sie größer besetzte Werke singt. Ich denke hier an die "Geistliche Chormusik von 1648" (Schütz) und an die Marienvesper von Monteverdi. Hier fehlt entschieden der Gabrieli-Faktor. Ich glaube, so etwas hat Sagitt in seiner Stellungnahme gemeint; ich darf noch daran erinnern, dass sagitt der Schützexperte hier im Forum ist.

    Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

  • Ich besitze doch einige Aufnahmen dieses Ensembles, manches davon ist leider bereits gestrichen. Ich muisste leider die Philosophie aufgeben, ALLES besitzen - und vor allem hören zu können. Aber ein vorsichtiger Ausbau der Sammlung ist durchaus angestrebt. Dieses Ensemble hat ja eine Menge an aufnahmen eingespielt. Es hönnte einem - je nach persönlicher Einschätzung - schwarz vor Augen werden - oder aber das Herz im Leibe lachen, wenn man allein die GEPLANTEN Neuaufnahmen sieht - das ist mehr als so manches Ensemble im Verlauf ihres gesamten Bestehens eingespielt hat.


    Ich weise heute auf eine CD mit weltlicher Musik hin, welche Musik der beiden englischen Komponisten William Brade (1560-1630) und Thomas Simpson (1582-1628) etnhält , von denen ersterer in Deutschland, letzterer in Dänemark tätig war.


    Ich habe bereit im unten verlinkten Thread in 2 Beiträgen die CD vorgestellt


    Musik zum Schmause


    Mitglieder, welche hier noch nicht erwähnte CDs besitzen und gehört haben sind eingeladen sie hier vorzustellen - allerdings bitte stets nur eine Aufnahme pro Beitrag


    Hier eine Verlinkung zur Website des Ensembles selbst...
    http://www.weser-renaissance-bremen.de/



    mfg aus Wien
    Alfred

  • Und genau das möchte ich bestätigen; ich habe etliche Aufnahmen dieser Formation und bin von keiner enttäuscht. Die mäkelige Kritik kann ich mir nicht zu eigen machen - es könnte daran liegen, dass ich die bekrittelten Einspielungen nicht habe. Aber was ich habe, ist, wie schon von Salisburgensis geschrieben, wirklich großartig.


    Auch für mich zählt die Weser-Renaissance zu den führenden Ensembles für frühe Musik. Besonders hinweisen möchte ich auf zwei CDs mit Aufnahmen der Musik von Josquin Desprez. Entstanden sind die Aufnahmen zwischen November 2009 und Januar 2010. Da die Weser-Renaissance in wechselnden Besetzungen über die Jahre und Projekte aufnimmt, führe ich die Mitwirkenden für diese Psalmvertonungen, Marienmotetten und die Messe "Ave maris stella" auf:


    Franz Vitzthum, Alex Potter - Diskant
    Terry Wey - Tenor altus
    Bernd O. Fröhlich, Jan van Elsacker, Hermann Oswald, Tom Philips, Harry von Berne - Tenor
    Kees Jan de Koning, Ulfried Staber, Jelle Draaier - Bass


    Ein besonderes Highlight in meinen Ohren ist das Ave Maria a 4, von den Herren Vitzthum, Fröhlich, van Elsacker und Staber solistisch dargeboten. Schierer und reinster Wohlklang, der ätherisch durch den Raum schwebt, aller Erdenschwere entbehrend.


    Der große Vorteil der Weser-Renaissance in meinen Augen ist, dass sich das Ensemble vollständig zurücknimmt und das aufzuführende Werk in den Mittelpunkt stellt. Auch von den Kings Singers gibt es eine Aufnahme des Ave Maria - jedoch dominiert bei ihnen der Eindruck, dass primär die Kings Singers singen (auf Grund eines stark ausgeprägten Personalstils), das Werke selbst verschwindet dahinter fast...


    ... in diesem Sinne beste Grüße von orsini


    „Das Denken ist zwar allen Menschen erlaubt, aber vielen bleibt es erspart.“
    Curt Goetz