Was hört Ihr gerade jetzt? (Klassik 2008)

  • Ludwig van Beethoven: Gedenke mein WoO 130


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    Hier singt Peter Schreier, begleitet von Walter Olbertz.


    Ein wahrlich ungeheures Lied, Beethovens letztes Sololied aus dem Jahre 1820. Seine außerordentliche Kürze (vier Viertakt-Gruppen und eine zweitaktige Coda) umfasst in konzentrierter Form ein durchkomponiertes Werk (der Text stammt übrigens wohl von Beethoven selbst), das sich ohne Rücksichten auf die zeitübliche musikalische Diktion verwirklicht. Das Lied erscheint eigentümlich harmonisch ungerichtet, die Festlegung der angeblichen Grundtonart Es-dur wird bis zum Schluss verschoben. Von jedem Punkt könnte es ohne Modulation in einen anderen tonalen Bereich gehen. Dazu kommt eine kontrapunktische Verdichtung, die einen souveränen Umgang mit dem zugrundeliegenden Motiv ermöglicht. Bestimmend ist ein phrygischer Tetrachord ( Über das Phrygische schreibt Christoph Bernhard: Es "ist wehmütig und zu traurigen Sachen geeignet" Tractatus compositionis augmentatus, 1648 ).


    Das Vorwiegen älterer Muster entgrenzt die musikalische Gegenwartssprache und intensiviert ihre emotionale Komponenten. Alle Gemütsbewegung, das meint die Durchdringung des Liedes mit dem phrygischen Motiv, ist durch eine Empfindung bedingt. Die Trauer ist subtil und differenziert, eine "Seelensprache", die "nur vom Inneren und Subjektiven getragen und nur fpr das subjektive Innere dasein will" (Hegel, Vorlesungen über die Ästhetik).



    Gedenke mein, ich denke dein!
    Ach, der Trennung Schmerzen
    versüßt mir die Hoffnung.
    Ach! Ach!


    Liebe Grüße Peter


  • Heute den Tag mit Caruso begonnen:



    Im Zusammenhang mit einem heißen Bad durchaus als Antidepressivum geeignet, was ich anlässlich des grausamen Berliner Wetters durchaus nötig habe.


    Im Zentrum der CD stehen populäre Lieder, obwohl natürlich das berühmte Otello-Duett mit Ruffo alle anderen Aufnahmen an Intensität überstrahlt. Aber die Liedaufnahmen sind wirklich wunderbar, sogar einige englischsprachige Einspielungen sind darunter, für die man allerdings eine gewisse Toleranz gegenüber Carusos Aussprache aufbringen muß.
    Kurios eine Aufnahme des "Cunius animam" aus Rossinis Stabat Mater. Caruso singt den hohen Ton (ein D oder Des ?) mit einem durch Mark und Bein gehenden Falsetto - die Höhe war ja nie seine Domäne.


    Gruß
    Sascha

  • Guten Morgen


    höre jetzt




    Johann Sebastian Bach


    Weimarer Orgeltabulatur
    Reincken: Choralfantasie "An den Wasserflüssen Babylon",
    Buxtehude: Nun freut euch, liebe Christen g'mein BuxWV 210,
    Pachelbel: An den Wasserflüssen Babylon, Kyrie, Gott Vater in Ewigkeit, Fuge in h (bearbeitet von JS Bach),
    Bach: Choralbearbeitungen BWV 731 & 764 "Wie schön leuchtete der Morgenstern".


    Mit Jean-Claude Zehnder an der Schnitger-Orgel zu St. Jacobi Hamburg :jubel: :jubel:


    Gruß :hello:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Guten Tag


    aufgelegt, angehört:



    Ensemble "NeoBarock"


    Bach: Sonate für 2 Violinen & Bc G-Dur
    Ouvertüre a-moll für 2 Violine, Viola & Bc;
    Bach / Anonymus :Konzert für Violine, Cello & Bc BWV 525a
    Kirnberger: Trio d-moll für 2 Violinen & Bc
    Goldberg: Sonate C-Dur für 2 Violinen & Bc


    Gleich am Anfang überrascht die Triosonate nach BWV 1039, die man eigentlich mit zwei Flöten (oder der Gambenversion), aber nicht mit zwei Violinen kennt.
    Weiterhin erstaunen ein Concerto für Violine, Cello u. BC nach der Orgelsonate BWV 525.
    Streichersonaten von Kirnberger und Goldberg dürften auch nicht so bekannt sein.
    Den Abschluß bildet die a-moll-Fassung der Bachschen Suite No. 2 nur für zwei Violinen, Viola u. BC.


    Das Ensembe NeoBarock muss man sich merken, die Streicher haben allesamt bei dermusica antiqua köln schon mitgespielt und gehen brillant und virtuos zu Werk :jubel: :jubel:
    Man möchte mehr von ihnen hören :yes:


    Gruß :hello:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Anette Dasch singt Deutsche Barocklieder
    Johann Krieger: Abend-Andacht



    Eine schlichte Gesangslinie, die einen choralartigen Charakter hat. Gegen alle Bedrohung und Vergänglichkeit wird hier die Zuversicht in den Frieden Gottes ausgesprochen.



    Hilf Gott, der Tag ist wieder hin
    Daß ich dem Tode näher bin.
    Nun eil ich zu dem Bette
    Da leg ich alle Kleider ab
    Als wenn ich schon en sanftes Grab
    In meinem Lager hätte.


    Das ist die beste Wissenschaft
    Wenn ich, O Herr,
    An deine Krafft und an den Tod gedencke.
    so bin ich aller Furcht befreyt
    Und hab in Tod und Lebens-Zeit
    Den Frieden zum Geschenke.


    Mein liebster Gott, ich lege mich;
    Allein der Feind entsetzet sich
    Vor dir und deinem Nahmen.
    Drum nenn ich dich mein Heil und Licht
    Und sag in solcher Zuversicht
    Ein ungetrognes Amen.



    Liebe Grüße Peter

  • Carmina Burana - Vol. 4
    Nulli beneficium
    Celum, non animum
    Vacillantis trutine


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    Einer Mahnung zur rechten Amts- und Lebensführung folgt ein Lied, das zur Beständigkeit ermahnt. Wenn Horaz (Ep. 1,11,27) sagt, man müsse die Gesinnung ändern, nicht den Ort, wird hier ausgesagt: Wer beständig ist, wechselt den Ort, doch nicht die Gesinnung. Das dritte Lied schildert den Konflikt eines Studenten zwischen dem Studium und der Liebe: Die Vernunft verlangt von mir, dass ich studiere, aber Amor weiß sehr gut, was besser ist. Diesen munteren Gesang kann man auch von Corvus Corax hören ...




    Vacillantis trutine
    Petrus Blesensis o Pietro di Blois (ca. 1135 - ca. 1204)



    Vacillantis trutine
    libramine
    mens suspensa fluctuat
    et estuat
    in tumultus anxios,
    dum se vertit
    et bipertit
    motus in contrarios.

    Refl.: O langueo!
    causam languoris video
    nec caveo,
    vivens et prudens pereo.

    Me vacare studio
    vult Ratio,
    sed dum Amor alteram
    vult operam,
    in diversa rapior,
    Ratione
    cum Dione
    dimicante crucior.

    Refl.: O langueo!
    causam languoris video
    nec caveo,
    vivens et prudens pereo.

    Sicut in arbore
    frons tremula,
    navicula
    levis in equore,
    dum caret ancore
    subsidio,
    contrario
    flatu concussa fluitat:
    sic agitat
    sic turbine sollicitat
    me dubio
    hinc Amor, inde Ratio.

    Refl.: O langueo!
    causam languoris video
    nec caveo,
    vivens et prudens pereo.

    Sub libra pondero,
    quid melius,
    et dubius
    mecum delibero,
    nunc menti refero
    delicias
    Venerias:
    que mea michi Florula
    det oscula,
    qui risus, que labellula,
    que facies,
    frons, naris aut cesaries.

    Refl.: O langueo!
    causam languoris video
    nec caveo,
    vivens et prudens pereo.

    His invitat
    et irritat
    Amor me blanditiis.
    sed aliis
    Ratio sollicitat
    et excitat
    me studiis.

    Refl.: O langueo!
    causam languoris video
    nec caveo,
    vivens et prudens pereo.

    Nam solari
    me scolari
    cogitat exilio.
    Sed Ratio
    procul abi! vinceris
    sub Veneris
    imperio.

    Refl.: O langueo!
    causam languoris video
    nec caveo,
    vivens et prudens pereo.


    Liebe Grüße Peter


  • Bruch - Kol Nidrei, Violinkonzert und Doppelkonzert für zwei Klaviere.


    Bruchs Doppelkonzert ist ein fremdes Konzert. Ich denke, daß ich es höchstens fünf Mal gehört habe. Und jedes Mal fühle ich mich dabei unheimlich. Vor allem aber beim ersten Satz.


    LG, Paul

  • Franz Lehár
    Zigeunerliebe


    Rudolf Schock, Erwin Linder, Otto Albrecht, Gisela Peltzer
    Rundfunkchor & RO Hamburg, Wilhelm Stephan



    Nur ein Jahr nach dem Grafen von Luxemburg herausgebracht, war diese Operette offenbar kein nachhaltiger Erfolg. Zwei oder drei Melodien daraus sind bekannt, aber das Werk selbst bekommt man kaum einmal zu Gesicht (diese Rundfunkaufnahme soll die einzige Aufnahme der Operette überhaupt sein!). Der Grund dürfte zum Einen im ernsten Stoff und zum anderen in der Dramaturgie liegen, denn eine Traumsequenz bildet den Kern des Werks. Der spätere Lehár kündigt sich hier bereits an und es ist schade, dass dieses sehr schöne Werk ein Mauerblümchendasein fristet.

  • Ziemlich neu, ziemlich schüchtern:



    Joseph Haydn [1732-1809]
    Cembaloconcert in F Hob. XVIII:3
    Cembaloconcert in G Hob. XVII:4
    Divertimento in F Hob. II:20


    Ewald Demeyere, Harpsichord
    La Petite Bande
    Sigiswald Kuijken


    :)

  • Walter Braunfels (1882-1954):
    Die Vögel -
    Lyrisch-phantastisches Spiel in 1 Prolog und 2 Akten, opus 30 1913-19
    Hellen Kwon, Endrik Wottrich, Michael Kraus, Marita Posselt, Wolfgang Holzmair, Iris Vermillion, Brigitte Wohlfarth, Matthias Goerne, Johann-Werner Prein, Martin Petzold, Dirk Schmidt u. a.;
    Rundfunkchor Berlin, Deutsches Symphonie-Orchester, Lothar Zagrosek
    Decca, 1994, 2 CD



    :hello:
    Johannes

  • Philippe Jaroussky - Vivaldi-Kantaten


    Kantaten RV 670 "Alla caccia della'lme e de' cori";
    RV 671 "Care selve, amici prati";RV 674 "Perfidissimo cor!";
    RV 676 "Pianti, sospiri e dimandar mercede";RV 677 "Qual
    per ignoto calle"
    Philippe Jaroussky, Ensemble Artaserse
    Label: Virgin , DDD, 2003




    Virtuos!



    :jubel: :jubel: :jubel:


    Elisabeth


  • Gerade gehört: Große Fuge in B-Dur, op. 133


    Mein Erstkontakt mit dem Werk. Ich kann nur sagen :faint: 8o :jubel:
    Unglaubliche Musik.

    Früher rasierte man sich wenn man Beethoven hören wollte. Heute hört man Beethoven wenn man sich rasiert. (Peter Bamm)

  • Hier jetzt im Vergleich gehört:


    Bartok Streichquartett No 5


    1. Arcanto Quartett




    und


    2.


    mit dem Zehetmair Quartett auf ECM






    Beide so spannungsgeladen, dass man sie wirklich am Stück nacheinander hören kann. Arcanto liegt mir etwas näher.


    Was Deutlichkeit und Prägnanz betrifft ist das gegenüber früheren Aufnahmen (Juilliard String Quartett 2. Aufnahme 1963) wirklich eine andere Welt. ich habe die Quartette mit Juilliard kennen gelernt; für den Zugang vielleicht gut.


    Mit besten Grüßen


    Matthias

  • Guten Abend!


    Ich höre gerade diese CD, nach der ich in den letzten Tage immer wieder mal greife:



    Mein Erstkontakt mit Gabrieli verlief somit vielversprechend.
    Die Scheibe gibts derzeit bei Zweitausendeins für sechsneunundneunzig.


    Jetzt gerade: Das wunderschöne "Suscipe" :angel::angel:


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Zitat

    Original von ThomasNorderstedt


    Diese Aufnahmen von Sanderling (nicht nur die Sinfonie Nr. 1, sondern alle 4) höre ich besonders wegen des warmen Klanges immer wieder sehr, sehr gerne.


    Das mit dem Klang kann ich nur unterschreiben! Eine wahre Sternstunde der Toningenieure!
    Von allen 4 Symphonien hab ich aber die Nr. 1 immer noch am liebsten. Auch op. 81 höre ich in dieser Einspielung immer wieder sehr gerne.

    Früher rasierte man sich wenn man Beethoven hören wollte. Heute hört man Beethoven wenn man sich rasiert. (Peter Bamm)

  • Guten Abend


    höre und sehe jetzt aus dem "Teatro Real" in Madrid auf ARTE:


    Gioacchino Rossini


    "Der Barbier von Sevillia"


    Bei dieser Aufführung erklingt im Continuo für die Rezitative ein fortepiano !
    Den Dirigenten Gianluigi Celmetti habe ich noch aus dem Rossinizyklus von den Schwetzinger Festspielen in bester Erinnerung.


    Gruß aus der Kurpfalz


    Bernhard