Labelvorstellung: harmonia mundi france - Da kommt Freude auf




  • Liebe Taminoianer,


    Miit der Überschrift ist auch schon (fast) alles gesagt, was ich beim Durchstöbern des Katalog der harmonia mundi france empfinde: Freude.


    Auch die Eigentümer können Freude haben, schreiben sie seit Jahren, auch in der "Klassikkrise" (bescheidene) schwarze Zahlen - trotz höchster Qualität der Produktionen - oder gerade deswegen.


    Qualität in jeder Hinsicht:



    • Ein sehr individuelles Repertoire
    • Hervorragende Künstler, oft schon jahrelang mit dem Label verbunden
    • Exzellente Tonqualität, etliche Tontechniker der ehemaligen Teldec arbeiten nun mit harmonia mundi france zusammen.
    • Dem Thema entsprechende Cover
    • Eine sympathische Werbeschiene, die 9.99 Euro Werbeplatte mit Katalog sei hier nur als Beispiel genannt.


    Beginnen wir gleich bei der Werbeplatte:
    Eine CD mit beigelegtem Katalog zum Sonderpreis, das haben andere Firmen natürlich auch, aber entweder es handelt sich dort um einen Sampler, oder um angestaubte Aufnahmen, die durch neuere bereits ersetzt werden.
    Nicht so bei harmonia mundi france. Einer mun schon mehrjährigen Tradition folgend wird jeweils eine reguläre CD aus dem Katalog "geopfert". Sie wird verbilligt angeboten und mit einem Katalog, bei dessen Lektüre mir schon das Wasser im Mund zusammenläuft zusammengepackt.


    Diesmal fiel sie mir in die Hände, als ich eine Einspielung zum Thread "Händel Violinsonaten" suchte (näheres in Kürze dort)




    Es wird aber nicht nur "Nischenrepertoire" (welch grausiges Wort) eingespielt, neín auch "gängiges" und die entstandenen Aufnahmen können nicht nur mithalten, nein sie sind bereits Referenz.


    Beispiele gefällig ? -- gern:


    Die Einspielungen der beiden Mozartopern "Cosi fan tutte" und "Le nozze di Figaro" unter Rene Jacobs sind wohl Glücksfälle in der Schallplattengeschichte, seit Karl Böhm gab es keine Aufnahmen die mich so begeistert haben, trotz völlig anderer Interpretationsideologie als Böhm - oder grade deshalb.




    . . .


    Oh ich könnte noch stundenlang hier schwärmen, von den "Ausgrabungen seltener Werke, von der Budget Doppelserie 1+1 (der solle in eigenen Thread gewidmet werden oder von den neuesten Haydn -Veröffentlichungen.......


    Aber das sollt Ihr tun..


    Beste Grüße aus Wien


    Alfred

  • Fangen wir zunächst mit einer Warnung an:


    Nicht zu empfehlen ist die erste CD aus einem geplanten Zyklus der Klaviermusik von Haydn:



    Hier wird nur routiniert gespielt. Kein Vergleich zur Inspiration, mit der Gould, Staier, Richter, Piazzini, selbst Jando an dieses Repertoire herangehen.


    Vorzüglich hingegen:


  • Und Harmonia mundi hat es verstanden, vom Künstler-Aufverkauf der ehemaligen und vermeintlichen "Majors" zu profitieren und etwa mit Kent Nagano einen der interessantesten Dirigenten unserer Tage an Bord geholt - auf die Aufnahmen der Schönbergschen "Jakobsleiter" und der "Mass" von Bernstein sei hingewiesen (Mahlers VIII. Sinfonie soll im Herbst erscheinen):



    Und justament in diesen Tagen ist die Website der Firma neu gestaltet worden....


    Beste Grüsse,


    C.

    Die wirkliche Basis eines schöpferischen Werks ist Experimentieren - kühnes Experimentieren! (Edgar Varèse)

  • Harmonia mundi france - für mich eines der wichtigsten Labels überhaupt, wenn nicht inzwischen das wichtigste:


    Besonders bedeutende Aufnahmen aus meiner Sicht:



    Von Konrad Junghänel und Cantus Cölln


    - Monteverdi, Selva morale e spirituale


    - Heinrich Schütz, Psalmen Davids


    - Altbachisches Archiv.


    Von Rene Jacobs


    - Monteverdi, Madrigali guerrieri ed amorosi (8.Madrigalbuch)


    - Gluck, Orfeo ed Euridice


    - Bach Motetten mit RIAS Kammerchor im übrigen auch die Aufnahme mit Herreweghe


    Andreas Scholl, Deutsche Barockkantaten.


    Auch Shostakovich mit Trio Wanderer - wie schon genannt - eine sehr gute Aufnahme.


    Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.


    Ohne Harmonia mundi france wären wir arm dran.


    Mit freundlichen Grüssen


    Matthias

  • ja, harmonia mundi hat einen wichtigen und entscheidenden Beitrag geleistet bei der Wiederentdeckung alter Musik. Ich kann nur hoffen, dass die so weitermachen und weitere Perlen herausbringen werden. Z.B. finde ich es wünschenswert, an die Veröffentlichungen in den 80er und 90er mit französischem Barock anzuschließen und Opern abseits von Rameau und Lully auf Tonträger zu bannen.


    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Weitere wichtige Einspielungen dieses Labels:


    Joseph Haydn: Die Jahreszeiten


    Güra - Henschel - Petersen
    Concerto Köln
    René Jacobs


    . .


    und


    Reinhard Keiser: Croesus


    Röschmann - Trekel - Güra - Häger
    Academie für Alte Musik Berlin
    René Jacobs


    Beste Grüße aus Wien


    Alfred

  • Nicht zu vergessen: Brandenburgische Konzerte Nr. 1-6 (Akademie für Alte Musik Berlin)



    Packend, frisch, dynamisch… einfach gut.


    Dann folgte ich noch dem oben angegeben Link auf die Homepage. Dort fand ich den Hinweis auf „Grammy für René Jacobs“ und weiterhin die gute Nachricht, dass Jacobs mit dem Freiburger Barockorchester zwei Haydn-Symphonien eingespielt hat, die den Kritiken zufolge phantastisch sein sollen. (Die beiden kenne ich noch nicht. Also: eben kurz nachgedacht, etwas recherchiert und gebraucht für einen Schnäppchenpreis ergattert. Ich bin eben doch eine spontane Frau 8))



    Symphonien Nr. 91 & 92
    +Scena di Berenice H24a:10
    Bernarda Fink, Freiburger Barockorchester, Rene Jacobs


    Gruß, Cosima

  • Liebe Taminoianer


    Ja, es gibt wahrlich einige wunderbare Aufnahmen dieses französischen Labels.


    Hier einige Beispiele von CD's die uns besonders ansprechen, ungeachtet ob sie schon genannt wurden oder nicht. Werbung für tolle Einspielungen dürfen ruhig mehrfach erfolgen;



    Jacobs schon fast ein Garant für Monteverdi



    Auch diese Aufnahme von Monteverdi mit einer bezaubernden Kier.



    Nochmals eine Aufnahme Monteverdis mit Scholl als Countertenor und wiederum der Frau Kier, hinreissend.


    Beste Grüsse aus Basel


    romeo&julia

  • @Alfred,


    "harmonia mundi france - Da kommt Freude auf" hast Du den Thread seinerzeit genannt!
    Da ich weiß das insb. Du diese "Pappschrubber" nicht gerade magst sei Dir etwas ganz "Unschönes" gesagt!


    In meiner neu erworbenen HMF Aufnahme ist das Booklet mit der Rückseite EINGEKLEBT! (Bisher war es ja inner eingelegt!!!)


    Da bekomme ich echt die Krise wenn ich so was sehe :angry: :angry: :angry:

  • Hallo, Richard!


    Zitat


    "harmonia mundi france - Da kommt Freude auf" hast Du den Thread seinerzeit genannt!
    Da ich weiß das insb. Du diese "Pappschrubber" nicht gerade magst sei Dir etwas ganz "Unschönes" gesagt!


    In meiner neu erworbenen HMF Aufnahme ist das Booklet mit der Rückseite EINGEKLEBT! (Bisher war es ja inner eingelegt!!!)


    Da bekomme ich echt die Krise wenn ich so was sehe :angry: :angry: :angry:


    Hallo, Richard!
    Von diesen weinig ästhetischen weißen Pappschachteln habe ich auch drei, nämlich

    und noch Beethoven: Septett und Gassenhauer-Trio.
    Die Aufnahmen sind alle ganz gut, reißen mich aber nicht vom Stuhl.
    Was Dir passiert ist, ist mir zum Glück erspart geblieben.
    Was ist eigentlich der Sinn des Schriftzugs "musique d´abord"? Musik zuerst?
    Übrigens gibts diese Hüllenkonstruktion inzwischen sogar bei DGG und Decca!


    Viele Grüße,
    Pius.


  • Bei mir ging es aber um diese Aufnahme



    Aus der HMF Serie! Also Vollpreis :angry:

  • Hallo,


    nur eine kleine Gegenrede: Ich finde die weißen Pappcover der musique d'abord-Reihe ausgezeichnet. Anders als übliche Jewel-Cases brechen sie beim Hinfallen und Drauftreten nicht auseinander und anders als bei den "Kartontaschen" hochpreisiger Buchbinder-Hüllen (z.B. Winter&Winter) muss man die CD beim Reinschieben nicht über eine Papier- bzw. Papp-Fläche schieben.


    M.E. ist das die sinnvollste (vielleicht nicht: ästhetischste) Möglichkeit, eine CD zu verpacken.


    Nur am Rande möchte ich darauf hinweisen, dass in der musique d'abord-Reihe jede Menge Herreweghe-Aufnahmen wiederveröffentlicht wurden, aber auch moderne Musik (Boulez, Berio,...).


    Und zumindest in Frankreich kosten die CDs in den großen Läden (FNAC u.ä.) gerade mal um die 6 Euro (deutsche Preise kenne ich nicht, dürfte aber auch günstig sein).


    Freundliche Grüße


    Heinz Gelking

  • Unbedingt empfehlenswert für Freunde der Kammermusik und Camille Saint-Saëns ist die Einspielung der beiden Klaviertrios opp. 18 und 92 des Trio Wanderer.



    Wunderbar feines Zusammenspiel, herrlich frische Kompositionen. Ganz toll! :yes:



    Gruß, Peter.

  • Hallo!



    Kulturschock!!


    Bin ich doch sonst zu alt-griechischem affin, so ist diese Musik doch weit von meinem musikästhetischen Ideal (das ich nicht näher definieren möchte) entfernt.
    Dennoch habe ich große Ehrfurcht von diesen letzten verbliebenen Zeugen der Anfänge der abendländischen Musik! (angeblich gibt es nicht mehr überlieferte antike "Noten" als die auf dieser CD, und die sind auch teils unvollständig).


    Diese Aufnahme, für die eigens nach antiken Vorbildern Lyra, Kithara, Aulos und Hydraulorgel rekonstruiert worden sind, birgt keine "schöne" oder "großartige" Musik (jedenfalls für mich nicht), ist aber eine kulturelle Großtat! :jubel:



    --------------------------------------------------------------------------------


    Ach ja:


    Zitat von heinz.gelking

    nur eine kleine Gegenrede: Ich finde die weißen Pappcover der musique d'abord-Reihe ausgezeichnet. Anders als übliche Jewel-Cases brechen sie beim Hinfallen und Drauftreten nicht auseinander


    Normalerweise trampele ich nicht auf meinen CDs rum (nicht mal, wenn sie mir nicht gefallen).
    Mein Haustier, Ordnung Nagetiere, fand an einem Harmonia-Mundi-Cover Geschmack. Bei den Standard-Plastikhüllen wäre das nicht passiert... ;)


    Viele Grüße,
    Pius.


  • Steht im Beiheft irgendwas zur Quellenlage/Rekonstruktionspraxis? Ich meine mich an eine Besprechung einer ähnlichen CD erinnern zu können, die solchen Projekten insgesamt sehr kritisch gegenüberstand, weil aufgrund der verlorenen Information oder Unklarheit der antiken Notation der "Rekonstruktionanteil" außerordentlich hoch ist. Bewußt gehört habe ich es jedoch nie, mir ist aber unklar, wieviel man überhaupt darauf geben kann oder soll... ?( ?(


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo, Johannes!


    Zitat von Johannes Roehl

    Steht im Beiheft irgendwas zur Quellenlage/Rekonstruktionspraxis? Ich meine mich an eine Besprechung einer ähnlichen CD erinnern zu können, die solchen Projekten insgesamt sehr kritisch gegenüberstand, weil aufgrund der verlorenen Information oder Unklarheit der antiken Notation der "Rekonstruktionanteil" außerordentlich hoch ist. Bewußt gehört habe ich es jedoch nie, mir ist aber unklar, wieviel man überhaupt darauf geben kann oder soll... ?( ?(


    Dazu der "Projektleiter" Gregorio Paniagua:


    Die griechische Musik verwendet zwei Notationssysteme: Die Instrumentalnotation, die wahrscheinlich aus einem archaischen Alphabet hervorgegangen ist und die 15 unterschiedliche Zeichen umfaßt, und die Vokalnotation, die sich aus 24 Buchstaben des ionischen Alphabets zusammensetzt. Die eine oder die andere Notation wurde mit gleicher Gültigkeit angewandt...
    Was den Rhythmus anbetrifft, so ist es selten, daß er verzeichnet ist. In diesem Fall müssen wir ihn nach dem Textrhythmus rekonstruieren...
    Wir behaupten nicht, mit dieser Schallplatte eine einfache Kompilation der Überreste der hellenistischen Musik zu präsentieren, noch weniger, eine nüchterne archäologische Untersuchung vorzunehmen. Viel mehr ist sie der persönliche Ausdruck eines Schmerzgefühls vor der Gewißheit eines unwiederbringlichen Verlustes...
    Ich habe die griechischen Instrumente nach Maßgabe der Möglichkeiten rekonstruiert...
    Um den ganzen Wert dieser Musik wiederzugeben, wäre es unangemessen gewesen, sie wie ein archäologisches Material zu behandeln, das man mehr oder weniger getreu nachkonstruieren kann. Es galt viel mehr, ihr durch unser persönliches Empfinden neues Leben einzuhauchen.


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Nicht nur kulturelle Großtat, meint der Griechenfreund, der diese CD auch besitzt. Manche Lieder (etwa die "Plainte de Tecmessa") sind zumindest meinem Ohr sehr gefällig. Sicher gibt es auch manches (vielleicht ärger Zerstörtes), das unseren heutigen Hörgewohnheiten so entgegengesetzt ist, dass wir es nicht mehr als ästhetisch empfinden können (oder es ist falsch rekonstruiert :D).

  • Im Blog von jpc gibt es einen Link auf ein Interview mit dem Gründer von HMF zum 50-jährigen Bestehen der Firma


    [URL=http://weblog.jpc.de/classic/harmonia-mundi-wird-50-es-gibt-keine-krise-der-klassik-cd,291/]hier[/URL]


    Dieses Interview stimmt mich doch sehr optimistisch, auch, was die Zukunft der Klassik-CD angeht.


    Mit Gruß von Carola

  • Vorallem aber schein HMF im Jubiläumsjahr viele (oder alle?) bereits gestrichenen Aufnahmen wieder zu veröffetnlichen- das ist zumindest mein Eindruck beim Blättern im aktuellen Katalog 2008. So wird 2008 wohl auch für mich ein Harmonia mundi Jahr!


    :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:


    Gruß pt_concours

    Hören, hören und nochmals hören: sich vertraut machen, lieben, schätzen.
    Keine Gefahr der Langeweile, im Gegensatz zu dem, was viele glauben, sondern vielmehr Seelenfrieden.
    Das ist mein bescheidener Rat. (S. Richter, 1978)

  • Acht Jahre Pause.- Acht Jahre Desinteresse an diesem Label? Acht Jahre Labelgeschichte. Und der Beginn wurde überhaupt nicht geschildert, nämlich daß dieses Label 1958 von Bernard Coutaz (1922–2010) gegründet wurde. Es nannte sich "Harmonia Mundi" und war auf Musik des 16. und 17, später auch des 18. Jahrhunderts spezialisiert. Die Erweiterung auf andere Epochen folgte erst später, ebenso wie die Nennung des Herkunftslandes "France". Etwa zur gleichen Zeit war in Deutschland ein Label gleichen Namens gegründet worden - und obwohl von Gründerseite kein Zusammenhang bestand, arbeiteten die beiden Label die ersten 10 Jahre ihres Bestehens miteinander, da gab es Austausch von Interpreten und sogar teilweise gemeinsamen Vertrieb. Wenn ich mich richtig erinnere, gab es sogar einen gemeinsamen Katalog, wo die beiden Firmen für den Konsumenten als eine einzige erschienen. Irgendwann gab es dann - aus mir nicht bekannten Gründen - eine Trennung der beiden Firmen, vermutlich weil die deutsche Harmonia mundi den Besitzer gewechselt hatte. Darüber mehr im Thread der dhm (der erst erstellt werden muß).
    Die französische, von der hier die Rede ist, erweiterte ihr Repertoire nach und nach - bis hin zur Moderne. 2010 starb der Firmengründer Bernard Coutaz, seither wird die Firma von seiner Witwe weitergeführt.
    Ich habe hier eine Aufstellung einiger Aufnahmen gemacht, wie sie um 1975 gang und gäbe waren (es geht hier nur um die Vermittling eines Eindrucks, viele Aufnahmen entstanden erst später...)



    Das Label betreibt ein Sublabel mit namen "harmonia mundi usa".


    Über neuere Entwicklungen mag jemand anders schreiben.....


    mfg aus Wien
    Alfred