Tradition - "Anatevka" oder der "Fiedler auf dem Dach"

  • Heute möchte ich Euch das Musical „Fiddler On The Roof“ – oder „Anatevka“ – wie das Stück bei uns im deutschsprachigen Raum heißt – vorstellen.


    Musik: Jerry Bock; Songtexte: Sheldon Harnick
    Buch: Joseph Stein, nach den “Tewje”-Geschichten von Scholem Alejchem;


    Uraufführung: 22. 09. 1964 New York
    Deutschsprachige Erstaufführung: 01.02.1968 Hamburg, Operettenhaus
    (deutsche Fassung von Rolf Merz), Wien 1969.


    Ort und Zeit: Anatevka ist ein kleines ostjüdisches Dorf in der russischen Ukraine, kurz vor dem Ausbruch der revolutionären Unruhen von 1905.


    Ein völlig untypisches Musical: weder Glamour noch glitzernde Revue, keine Show-Treppe.
    Stattdessen leiser Humor und lebensechte Figuren, die das Publikum seit mehr als 40 Jahren begeistern, und ich bekenne, einer der Begeisterten zu sein.


    Natürlich hat auch Hollywood sich des Stoffes bemächtigt. 1971 verfilmte United Artist das Stück unter der Regie von Norman Jewison (Choreographie: Jerome Robbins):



    Mit Chaim Topol, Norma Crane, Rosalind Harris, Michele Marsh u.v.a.
    Orchester und Chor: John Williams
    “Fiedler”: Isaac Stern




    “Wenn ich einmal reich wär’….”
    Ein großer Erfolg in Deutschland war die Plattenproduktion der deutschsprachigen Aufführung aus Hamburg, in der Shmuel Rodensky der Milchmann Tewje singt..



    Da das Musical weltweit ein Riesenerfolg war und bis heute immer wieder auf den Spielplänen auftaucht, würde mich interessieren, welche Erfahrungen Ihr mit dem „Fiedler auf dem Dach“ habt.


    LG
    Harald

  • Vielleicht können ein paar der (gleich mir nicht mehr ganz jungen) Taminos oder Paminas aus Wien und Umgebung meine Erinerung auffrischen. Es ist sicher beinahe 40 Jahre her (ich bin jedenfalls noch im Gymnasium gewesen), als es im Theater an der Wien eine Produktion von "Anatevka" gab, in der Yossi Yadin (ich hofe erschreibt sich wirklich so) den Tewje gab. Ich kann mich an die Iszenierung nicht mehr erinnern und die anderen Mitwirkenden (Lydia Dullitzkaja war Tewjes Frau) habe ich auch vergessen. Es war aber ein großer Erfolg - die Produktion lief über mehrere Wochen und wurde auch noch ein zweites Mal aufgenommen - und es gab auch einen Querschnitt davon auf Platte.


    Zur Zeit wird "Anatevka" an der Wiener Volksoper gespielt, die Wiederaufnahme der drei oder vier Jahre alten Produktion war letzten Sonntag (Regie: Matthias Davids, Bühnenbild: Matthias Fischer-Dieskau).
    Ich bin über diese Produktion nicht wirklich glücklich; einerseits vermittelt das Bühnenbild nicht wirklich das Shtetl, wie es um 1900 in Galizien oder der Ukraine noch existiert hat sondern eher ein ländliches Straßendorf in den 50er Jahren des 20.Jahrhunderts und andererseits gelingt es auch den Darstellern nur bedingt, die spezifische Stimmung etwa einer jüdischen Hochzeit oder beim Schabbat-Gebet zu spielen (ich rede gar nicht davon zu leben). Dazu kommt, das vor allem auch Adi Hirschal (ein in Wien durchaus schätzter Schauspieler) für den Tewje viel zuwenig Persönlichkeit aufbringt und manche andere DarstellerInnen nur bedingt musicalgeeignet sind. Ich spreche nicht davon, dass einzelne Textstellen (es wird natürlich auf deutsch gesungen und gesprochen) für sensible Menschen problematisch sind (zB. was soll der Text "arm wie eine Synagogenmaus").


    Wenn ich richtig informiert bin, gibt es eine auf der originalen Brodwayproduktion basierende Aufnahme mit Zero Mostel in der Role des Tewje (ich habe Ausschnitte davon gehört). Die suche ich - und finde sie nicht. Hilfe dazu nehme ich gerne an.


    viele Grüße aus Wien
    Michael 2

  • Hallo zusammen,



    Anatevka mit seinem wunderbar hintergründigen Humor gehört zu meinen liebsten Musicals, seit ich es etwa Anfang/Mitte der achziger Jahre im Landestheater Coburg auf der Bühne sah.


    Ich besitze diese gut gemachte Aufnahme:


    Jerry Bock (geb. 1928 )
    Anatevka (Fiddler on the Roof)


    Merill, Picon, Bowman, Cole,


    London Festival Orchetra and Chorus
    Stanley Black
    Label: Decca





    Zitat

    Original von brunello
    Vielleicht können ein paar der (gleich mir nicht mehr ganz jungen) Taminos oder Paminas aus Wien und Umgebung meine Erinerung auffrischen. Es ist sicher beinahe 40 Jahre her (ich bin jedenfalls noch im Gymnasium gewesen), als es im Theater an der Wien eine Produktion von "Anatevka" gab (....) und es gab auch einen Querschnitt davon auf Platte.


    Diesen Querschnitt gibt es noch:


    Jerry Bock (geb. 1928 )
    Anatevka ("Fiddler on the Roof"-Ausz.)


    Yadin, Dulizkaya, Orchester des Theaters an der
    Wien, Fehring
    Label: Pre , ADD, 69




    Zitat

    Original von brunello
    Wenn ich richtig informiert bin, gibt es eine auf der originalen Brodwayproduktion basierende Aufnahme mit Zero Mostel in der Rolle des Tewje (ich habe Ausschnitte davon gehört). Die suche ich - und finde sie nicht. Hilfe dazu nehme ich gerne an.



    .. und auch hier hilft unser Werbepartner amazon weiter:






    LG, Elisabeth

  • Lieber Michael,


    Du erinnerst Dich ganz richtig.
    1969 fand im Theater an der Wien die Premiere der österreichischen Fassung von "Anatevka" statt, ein großer Erfolg, der auch auf Schallplatte festgehalten wurde. Es sangen Yossi Yadin den Milchmann Tewje, Lya Dulizkaya seine Frau, sowie Eva Pilz, Sylvia Anders, Ursela Monn, Grita Kral, Peter Fröhlich uva.
    Orchester und Chor wurden von Johannes Fehring geleitet (Preiser).


    Als der Hollywood-Film synchronisiert wurde, verpflichtete man die Wiener Darsteller als Stimmen für die deutsche Fassung (die ebenfalls als Platte herauskam)


    LG

  • Lieber Peter,


    Du hast vollkommen Recht. Es gibt eine jiddische Einspielung des FIDDLER ON THE ROOF" mit Shmuel Rodensky. Hier ein Link zu der Aufnahme: http://www.yiddishstore.com/megofitman.html


    Das Musical selbst ist aber natürlich eine amerikanische Produktion des Erfolgsduos Sheldon Jerry Bock (Musik) und Sheldon Harnick (Lyrics) nach den - im Original jiddischen - Geschichtensammlungen um TEVJE UND SEINE TÖCHTER (so auch der Titel der israelisch-deutschen Verfilmung von 1968 von Menahem Golan.


    Ich gestehe, ich bin kein so großer Fan dieses pseudofolkloristischen Musicals, das mir einfach zu viele gängige Klischees und Vorurteile bedient. Das gilt ganz besonders für den Film von Norman Jewison, deren bombastische Musikfassung die Schwächen der Partitur eher entlarvt als Schwächen verdeckt. Da gefiel mir Barbra Streisands YENTL doch um einiges besser, und Bock/Harnick haben wesentlich bessere Musicals geschrieben, die teilweise auch recht erfolgreich waren, etwa:


    FIORELLO! (1959) um den legendären italienischstämmigen New Yorker Bürgermeister LaGuardia, das im Ausland naturgemäß wenig Beachtung fand.


    SHE LOVES ME (1963) ein bezauberndes Musical nach Miklos Laszlos ungarischem Stück, auf dem auch Lubitschs meisterhafte Filmkomödie THE SHOP AROUND THE CORNER mit James Stewart basiert, der wiederum die Vorlage für den Film EMAIL FÜR DICH mit Tom Hanks und Meg Ryan lieferte. Dieses Musical wurde sogar 1993 erfolgreich wieder am Broadway aufgeführt.


    THE APPLE TREE (1967) war leider auch ein Flop, obwohl diese Zeitreise durch das Adam und Eva - Motiv ebenfalls sehr hübsche Musik enthält.


    THE FIDDLER ON THE ROOF rangiert bei mir also trotz seines internationalen Großerfolges nur an vierter Stelle der Musicals dieses Teams. Wie so oft, ist meine liebste Einspielung die zu Recht schon von Elisabeth aufgeführte der originalen Broadway-Fassung mit Zero Mostel, die noch am wenigsten mit den folkloristischen Verkitschungen späterer Aufnahmen behaftet ist. Derzeit gibt es sie übrigens bei jpc für schlappe € 7,99.


    Bock/Harnick sollten übrigens 1970 auf einen weiteren bekannten Stoff aus der Geschichte des jüdisch Volkes zurück greifen. THE ROTHSCHILDS konnte aber den Erfolg des Superhits nicht wiederholen, weil dem Musical u. a. die zündenden Melodien abgingen.


    :hello: Rideamus

  • ich kenne die essener inszenierung(vor ca. 5j.)die wiener inszenierung (vop) und dann habe ich vor 2 jahren eine inszenierung einer kanadisch-jiddischen gruppe im wiener akzent theater gesehen.
    die der vop ist mir am liebsten.und ich mag das bühnenbild.(nur die "traumszene" gefällt mir da weniger)
    ev. schaue ich mir im märz den "fiddler" in london an.(aber die auswahl in london ist gross u. ob die zeit reicht,weiss ich noch nicht)
    lg yago

  • In der Deutschen Oper am Rhein hat das Musical "Anatevka" viele Jahre sehr erfolgreich auf dem Spielplan gestanden.
    Dies war nicht nur seiner perfekten Inszenierung zu verdanken, sondern in der Hauptsache der Darstellerin der Golde, Tewjes Frau, zu verdanken: MARTHA MÖDL.


    Die hat über all die Jahre mit wechselnden Partnern (ich erinnere mich an Franz Wyzner, Michael Glücksmann u.a.) bis ins hohe Alter über die Bühne gewirbelt (auch noch mit über 85 Jahren!). Allein dies ist ein Grund für mich, diese Inszenierung bestens in Erinnerung zu behalten!


    LG



  • Lieber Rideamus,
    ich habe zu "Anatevka" oder "Fiddler on the Roof" einen wahrscheinlich emotional und familiär bedingt anderen Zugang. Du hast natürlich Recht, dass es ein amerikanisches Musical ist und nicht wahnsinnig autentisch, aber ...
    - die Musik zitiert sehr viele Originalthemen aus der ostjüdischen Kultur, die in der Klezmer-Musik überlebt haben
    - in der Hochzeit und vor allem beim Gebet am Schabbes finden sich jede Menge jüdische Riten und Melodien
    Gute Inszenierungen könnten mit diesem Musical hervorragende Bildungsarbeit leisten und beitragen, das Verständnis für die jüdische Kultur zu heben. Ich bin mir schon im Klaren, dass es eine heikle Gratwanderung zwischen Realismus, Kitsch und Klischee wäre, würde eine bis ins Detail stimmige Produktion auf eine Bühne gestellt werden (die im Idealfall von Künstlern getragen wird, die zur jüdischen Kultur auch eine innere Beziehung aufweisen), aber es wäre den Versuch wert, in Deutschland oder Österreich schon aus historischen Gründen das Leben in einem gleichsam "echten" Anatevka zu zeigen.


    Michael 2


    PS: Wenn ich an die Erzählungen meiner Mutter über ihre Erlebnisse in Wien 1938 und 1939 denke (dann gelang ihr die Emigration), kämpfe ich in der letzten Szene, wenn die Bewohner aus Anatevka vertrieben werden, in jeder Aufführung mit den Tränen. So schlecht kann eine Inszenierung gar nicht sein.

  • Zitat

    Original von brunello
    Du hast natürlich Recht, dass es ein amerikanisches Musical ist und nicht wahnsinnig autentisch, aber ...
    - die Musik zitiert sehr viele Originalthemen aus der ostjüdischen Kultur, die in der Klezmer-Musik überlebt haben
    - in der Hochzeit und vor allem beim Gebet am Schabbes finden sich jede Menge jüdische Riten und Melodien


    Lieber Michael,


    da fühle ich mich etwas missverstanden. Wie schon in meiner Bewunderung für das Duo Bock/Harnick ganz allgemein zum Ausruck kommen sollte, gehören sie für mich zu den besten Musicalautoren mindestens der 50er und 60er Jahre. Auch die Musik zum FIDDLER ist hervorragend gemacht und recherchiert. Ich habe zwar nicht den direkten familiären Zugang zu dieser Welt, kenne sie aber gut genug um das, so meine ich jedenfalls, mindestens grob beurteilen zu können. Auch der furchtbare historische Hintergrund der Pogrome in den Schtedtln schon lange vor dem Nazihorror ist mir bewusst.


    Gerade der aber ist es, der mich an dem Musical - übrigens eher textlich als musikalisch - stört. Das geht für mich schon auf Scholem Aleichem zurück. Wo allerdings dort noch ein gehöriges Maß an Selbstironie zu finden war, wurde das in der amerikanischen - und nachfolgend noch stärker in der deutschen - Bearbeitung zur reinen Verniedlichung, wenn nicht gar Verklärung, die wohl unvermeidlich war, wenn man um Himmels willen niemandem auf die Füße treten wollte, der nicht zeitlich und geografisch ganz weit weg war. Nicht von ungefähr konnte Menachem Golan seine prosaische Verfilmung der Geschichten Aleichems ausgerechnet in Deutschland mitfinanziert bekommen. Ich habe einfach ein Problem mit diesem demonstrativen Philosemitismus - gerade bei uns -, der für mich zu deutlich nach der Kehrseite des Gegenteils riecht.


    Mit all dem wollte ich aber keineswegs ausdrücken, dass FIDDLER ON THE ROOF ein schlechtes Musical sei. Nur gibt es eben bessere - auch von seinen Autoren und auch zu dem Themkreis, etwa YENTL. Dieses Filmmusical ist sicher auch kein überragendes Meisterwerk, aber für mich von einem authentischeren Bedürfnis nach wirklicher Erkenntnis statt jovialer Schmunzelitis geprägt. Das gilt auch für die Musik Michel Legrands, die nicht wenger gut recherchiert ist und vor allem für die Songtexte von Alan und Marilyn Bergman, die dafür eigens den Talmud studiert haben. Ich verkenne allerdings auch nicht, dass dieses Werk erst zwanzig Jahre später und in einer reiferen Zeit entstand.


    :hello: Rideamus

  • Zitat

    Original von brunello
    ...in der letzten Szene, wenn die Bewohner aus Anatevka vertrieben werden, in jeder Aufführung mit den Tränen. So schlecht kann eine Inszenierung gar nicht sein.


    Wirklich?
    Ich habe vor ein paar Jahren eine Inszenierung gesehen (Eduard-von-Winterstein-Theater, Annaberg-Buchholz), in welcher die Darsteller in der Schlußszene die Kostüme wechselten und sich dann unversehens im hektischen Verkehr einer (deutschen?) Großstadt der Gegenwart befanden.


    Mit welchem Zaunpfahl wollte der Regisseur wohl hier winken?


    Viele Grüße
    Frank

  • Zitat

    Original von Harald Kral
    In der Deutschen Oper am Rhein hat das Musical "Anatevka" viele Jahre sehr erfolgreich auf dem Spielplan gestanden.
    Dies war nicht nur seiner perfekten Inszenierung zu verdanken, sondern in der Hauptsache der Darstellerin der Golde, Tewjes Frau, zu verdanken: MARTHA MÖDL.


    Die hat über all die Jahre mit wechselnden Partnern (ich erinnere mich an Franz Wyzner, Michael Glücksmann u.a.) bis ins hohe Alter über die Bühne gewirbelt (auch noch mit über 85 Jahren!). Allein dies ist ein Grund für mich, diese Inszenierung bestens in Erinnerung zu behalten!


    LG


    mit opernsängern im musical habe ich so meine probleme,das passt f. mich gar nicht,denn in der regel klingen sie immer noch wie ein opernsänger u. das ist im musical nicht gefragt.
    (bei aller liebe zu martha mödl)


    lg yago

  • Lieber Yago,
    Deine Bedenken bezüglich Opernsänger im Musical kann ich nicht teilen. Von meiner Warte aus – als Besucher der Deutschen Oper am Rhein – habe ich da nur beste Erfahrungen gemacht.
    Das Beispiel Martha Mödl als „Golde“ in „Anatevka“ zeigte: hier spielt sie eine warmherzige Frau und Mutter, die um das Wohl ihrer 5 Töchter besorgt ist – eine hervorragende und professionelle Komödiantin, Sing-Schauspielerin - und keine Brünhilde, Leonore oder ähnliche Operndiva!


    In der DOR wird die Musical-Tradition seit Jahrzehnten gepflegt, ich habe hier schon zahlreiche hervorragende Inszenierungen gesehen wie „West Side Story“, „My Fair Lady“ oder – zur Zeit im Programm – „Kiss me Kate“. Unser Ensemble (das größte in Europa) ist durchaus in der Lage, Musicals auf die Bühne zu stellen, unsere Künstler sind so vielseitig ausgebildet, die können nicht nur singen, sondern auch schauspielern, tanzen, fechten oder was sonst noch dazugehört. Und wenn mal „echte“ Schauspieler gebraucht werden – das Düsseldorfer Schauspielhaus (ein führendes deutsches Sprechtheater) ist schräg gegenüber nur durch den Hofgarten-Park getrennt und hilft uns bei Bedarf gerne aus, wie schon seit Jahrzehnten beim „Bassa Selim“ oder „Samiel“ kommt dann auch mal ein „Professor Higgins“ herüber; ebenso hilft das „Kom(m)ödchen“ aus, wenn mal ein Komiker oder so gebraucht wird.


    Die Zeiten eines Hans Hopf, der sich nur an die Rampe stellte und seine Arien ins Publikum brüllte, sind hier in Düsseldorf gottseidank schon seit vielen Jahren vorbei!


    Viele Grüße aus dem Rheinland



    P.S. Wir leisten uns ja asserdem noch eine hauseigene Ballett-Kompagnie. Das ist bei vielen Musicals auch ganz hilfreich (bei West Side Story wurde die Choreographie durch unseren Ballettchef Youri Vamos vorgenommen!)

  • die schauspielerischen möglichkeiten meine ich dabei noch nicht mal.
    es geht "nur" ums singen.
    und da singen die meisten opernsänger,als wären sie in einer oper und nicht im musical.
    selbst bei "west side story" u. "my fair lady" gelingt das nur selten.


    (nur nebenbei bemerkt,gebe ich dem aalto gg.-über der DOR den vorzug.aber auch da möchte ich keine opernsänger im musical)
    mfg yago

  • Die Wiener Volksoper (VOP) ist - ich kann es wohl als bekannt voraussetzen - ein Mehrsparten(musik)theater, das (als Bundestheater) die Pflege von Oper, Operette, (klasisches) Musical und Ballett als gesetzlichen Auftrag hat. Da praktisch nie "echte" Musicalsänger engagiert werden, müssen sich die OpernsängerInnen oder "ausgeborgte" Schauspieler auch in diesem Genre bewähren. Das gelingt manchen besser und anderen weniger gut. Der legendäre Adolf Dallapozza war ein hervorragender Tony in der "West Side Story" (aber ist dieses Werk wirklich ein Musical ?), Peter Minich war ausgezeichnet in "Kiss me Kate", Michael Kraus macht in "Sound of Music" durchaus gute Figur (ganz im Gegensatz zur Popsängerin Sandra Pires an Seite) und auch Schauspieler wie (nur ein Beispiel) Michael Heltau haben im Musical in in der VOP berechtigte Erfolge erspielt und ersungen.
    Sie alle haben den Vorteil, dass sie erstens singen können und zweitens dafür auch kein Mikro benötigen (würden). Und sie sind (waren) solche Künstler, dass die Stilfrage nie gestellt worden ist, weil es so passend war/ist.
    So wie manche OpernsängerInnen in der Operette kläglich versagen, so sind auch nicht alle wirklich begnadete Musicalsänger. Das ist aber nach meiner ganz bescheidenen Meinung nicht auf Oper versus Musical zu reduzieren, sondern ist wahrscheinlich primär eine Frage der Musikalität und der Fähigkeit, sich auf andere Gesangsstile einzustellen. Es können ja auch viele SängerInnen (auch prominente und an so genanten ersten Häusern) nicht wirklich vom Stil her französisch singen.


    Michael 2

  • über michael heltaus berechtigte erfolge kann man sich streiten.mir hat er nicht gefallen.
    bei "sound of music" gebe ich ihnen recht.
    manche opernsänger schaffen den spagat,das gros allerdings nicht.


    das mit dem passend sein,bezweifle ich ganz stark.
    es passt nämlich überhaupt nicht,wenn z.b. der tony,wie ein opernsänger singt und der rest mit musicalsängern besetzt ist.


    vor 3 jahren(?) in der "westsidestory" waren maria und tony mit opernsängern besetzt,das ging so gerade.


    lg yago

  • Bei einem Konzert erzählte Ivan Rebroff, wie er am Beginn seiner Karriere als Schlagersänger von einem französischen Impresario gefragt wurde, ob er den Milchmann Tewje nicht in Paris singen wollte. Rebroff entgegnete, ausser "Merci" und "Oui" kein Wort französisch zu können. Der Impresario meinte, dann müsse er es eben lernen, die Premiere sei erst in 6 Monaten...


    Er hat es getan (incl. jiddischem Akzent) ... mehr als 1.400 Vorstellungen vor vollem Haus!


    Es gibt auch eine Plattenaufnahme davon: Un Violin sur le toit



    Die passende CD habe ich leider noch nicht gefunden.

  • Zitat

    Original von brunello
    Sie alle haben den Vorteil, dass sie erstens singen können und zweitens dafür auch kein Mikro benötigen (würden). Und sie sind (waren) solche Künstler, dass die Stilfrage nie gestellt worden ist, weil es so passend war/ist.


    DAS wiederum ist eine Frage der Besetzung des Orchesters und ob elektronisch verstaerkt wird oder nicht - auch ein gut ausgebildeter Opernsaenger kommt nicht gegen elektronisch verstaerkte Instrumente an, genauso wie ein gut ausgebildeter Musicalsaenger sehr wohl wenig Probleme hat, gegen ein unverstaerktes Orchester anzukommen.
    Die neuerliche Tendenz zur Besetzung mit Popsaengern ist allerdings leider Fakt und gefaellt mir auch nicht besonders ...


    Zitat

    Original von brunello
    So wie manche OpernsängerInnen in der Operette kläglich versagen, so sind auch nicht alle wirklich begnadete Musicalsänger. Das ist aber nach meiner ganz bescheidenen Meinung nicht auf Oper versus Musical zu reduzieren, sondern ist wahrscheinlich primär eine Frage der Musikalität und der Fähigkeit, sich auf andere Gesangsstile einzustellen.


    Wie wahr! Deswegen muss es einem ja auch nicht gefallen, wenn Musicals mit "Opernmischung" gesungen werden - genausowenig gefaellt es mir allerdings, wenn Popsternchen meinen, Opernarien verunglimpfen zu muessen.


    Generell muss man aber auch sagen, dass gewisse Musicals gegenueber "klassischem Ueberfall" geduldiger sind als andere, dazu wuerde ich Anatevka allerdings nur bedingt zaehlen, da die Musik (zumindest vordergruendig, da bin ich ganz Rideamus' Meinung) traditioneller angehaucht ist und das m.E. weniger vertraegt als z.B. recht operettenartige Musicals wie z.B. "My fair lady".


    Schuster bleib bei Deinen Leisten ...

  • Liebner Michael 2!


    Das ist es was ich auch bei Josef Schmidt schrieb,


    gerade in Anatevka kommt das Stettl (daraus kam in Wien - die Gstättn),
    hervorgebracht werden,


    in den galizischen Provinzen der K.&. K. Monarchie, war es eben diese Welt der kleinen jüdischen Handwerker und Bauern, die nie eine Raststätte auf immer hatten, alles war ihnen nur geborgt, selbst das Leben.
    Anatevka, der Ort des jüdischen Volkes das seinen Glauben lebt und in ewiger Diaspora lebt, mit den Nötigsten unterwegs sein, aber seine Feste, wie Neujahr - Tischnei, Paschafest und Versöhnungstag - Purim, feiert, wo die Menschen zusammenkommen in schlechten und in guten Tagen - das ist Anatevka,


    und eben die Melancholie eines Volkes das glaubt, in Musik und Tanz.


    Das ist bei Tevje gelungen, der selbst den Tod der Tochter als G'tt gegebenes hinnimmt.

  • Am Dienstag nach Pfingsten kommt es wieder im Fernsehen:



    Das Erste | Dienstag, 13.05.2008 | 00:20 Uhr


    Anatevka
    StereoBreitbild
    (Fiddler on the Roof)
    Spielfilm USA 1971


    Personen:
    Tevye Chaim Topol
    Golde Norma Crane
    Motel Leonard Frey
    Yente Molly Picon
    Lazar Wolf Paul Mann
    Tzeitel Rosalind Harris
    Hodel Michele Marsh
    Chava Neva Small
    Perchik Michael Glaser
    Fyedka Raymond Lovelock
    Shprintze Elaine Edwards


    und andere


    Musik: Jerry Bock und John Williams
    Kamera: Oswald Morris
    Buch: Joseph Stein
    Regie: Norman Jewison
    Laufzeit: 172 Min.


    Zitat

    In dem idyllischen ukrainischen Städtchen Anatevka lebt der gutmütige Milchmann Tevye mit seiner Frau und fünf Töchtern. Als die älteste Tochter endlich einen Ehemann findet, ist Tevye überglücklich - auch wenn nicht er selbst den Bräutigam ausgesucht hat, wie es die Tradition verlangt. Doch die feierliche Stimmung wird bald getrübt. Aus Russland werden die ersten Pogrome gemeldet. Und auch das Dorf Anatevka bleibt von dieser düsteren Entwicklung nicht lange verschont ...
    Das Musical "Anatevka" von Meisterregisseur Norman Jewison wurde 1971 für acht Oscars nominiert und mit drei Oscars ausgezeichnet.
    *
    Das malerische Städtchen Anatevka liegt tief in der ukrainischen Provinz. Hier verläuft das Leben noch in den wohlgeordneten Bahnen alter Traditionen. Es gibt in Anatevka einen Metzger, einen Schneider, eine Synagoge, eine Schule, eine Taverne - und einen Milchmann namens Tevye (Chaim Topol). Er lebt mit seiner Frau Golde (Norma Crane) und fünf Töchtern ein bescheidenes, aber glückliches Leben. Sein größter Wunsch ist es, dass die beiden ältesten Töchter Tzeitel (Rosalind Harris) und Hodel (Michele Marsh) endlich einen Ehemann finden. Tevye ist ein sehr traditionsbewusster Jude, wenngleich ihm sein Herz oft etwas anderes sagt als der Verstand: So gibt er entgegen der Tradition seine Zustimmung, als Tzeitel den armen Schneider Motel (Leonard Frey) heiraten will, obwohl sie bereits dem wohlhabenden Metzger Lazar Wolf (Paul Mann) versprochen ist. Mit Hilfe einer kleinen Notlüge gelingt es dem gewitzten Milchmann sogar, seine störrische Frau von der Entscheidung zu überzeugen. Die Eheschließung wird mit einem großen Fest begangen, und mit Tevyes Einverständnis dürfen zum ersten Mal sogar Frauen und Männer gemeinsam tanzen. Doch russische Störenfriede bereiten dem ausgelassenen Fest ein böses Ende. Schon vorher hatte sich die Nachricht von Pogromen in anderen Teilen des Landes verbreitet. Perchik (Michael Glaser), ein progressiver Student aus Kiew, schließt sich einer revolutionären Gruppe an. Vorher bittet er Hodel um ihre Hand. Abermals gibt Tevye als liebender Vater entgegen der Tradition sein Einverständnis. Erst als seine dritte Tochter Chava (Neva Small) den jungen Russen Fyedka (Raymond Lovelock) heiraten will, stößt seine Toleranz an ihre Grenzen: Als Chava ihr Elternhaus verlässt, befiehlt er seiner Familie, sie für immer zu vergessen. Wenig später wird in Anatevka ein Erlass des Zaren verkündet: Alle Juden müssen den Ort binnen drei Tagen verlassen, ohne Ausnahme. So beginnt ein Exodus, der die Juden Anatevkas, einst eine glückliche Gemeinschaft, in aller Herren Länder verstreut.
    "Anatevka" ist die preisgekrönte Verfilmung des erfolgreichen Bühnenmusicals "Fiddler on the Roof" von Joseph Stein. In einer meisterhaften Mischung aus Humor, Dramatik und Melancholie erzählt Regisseur Norman Jewison ("Hurricane") eine Geschichte über Liebe, Familie, Toleranz und den ewigen Widerstreit zwischen Tradition und Moderne. In der Hauptrolle glänzt der israelische Bühnenstar Topol. Nominiert für acht Oscars (u. a. für den besten Film, die beste Regie und den besten Hauptdarsteller) gewann "Anatevka" die Preise für die beste Kamera, den besten Ton und die beste Musik.


    LG

  • Lieber Harald, guten Morgen!


    Dieser Film ist unbedingt Sehens- und Aufnahmewert, allein schon wegen des Tevje von Chaim Topol.


    Da sieht man das Leben der einfachen russisch / gallizischen Juden sehr deutlich.


    Das Leben das schön und traurig sein kann und, dass man als Jude immer in der Diaspora lebte.


    Recht liebe Grüße aus dem fast sommerlichen Wien.

  • Wer von den in Ostösterreich wohnenden Mitgliedern heute noch nichts vor hat und/oder schnell entschlossen ist, sollte bei Interesse an Musik des Judentums einen Sonntagsausflug ins mittlere Burgenland unternehmen. Zum Abschluss des Festivals "Weinklang" (über die von mir besuchten Konzerte gibt es am Abend einen kurzen Bericht) gibt es im Schloss Lackenbach ein Klezmer Konzert.
    Beginn 12.00 Uhr, Karten gibt es noch.


    Michael 2

  • Nur wenige Tage nach dem Tod des Dramatikers Joseph Stein, der das Buch zu diesem Musical geschrieben hatte, ist jetzt auch der Komponist des Werkes, der 10-fache "Tony"-Preisträger Jerry Bock gestorben.



    Jerry Bock (* 23. November 1928 in New Haven, Connecticut; † 2. November 2010) war ein US-amerikanischer Komponist.


    +++++++++++++++



    Joseph Stein (* 30. Mai 1912 in New York City; † 24. Oktober 2010 ebenda) war ein US-amerikanischer Dramatiker. Er wurde als Autor der Bücher zu Musicals wie Anatevka und Sorbas bekannt.



    R.I.P.

  • Die Seefestspiele in Mörbisch - am Neusiedler See im Burgenland - wagen sich unter der Ägide von Dagmar Schellenberger im kommenden Jahr wieder an eine Musical-Inszenierung:



    LG