Lang Lang - Strohfeuer oder Dauerbrenner

  • Hallo


    Im Augenblick ist er ja der Liebling der DGG, der Jungpianist Lang-Lang (Glücklicherweise muß ich den Namen hier nicht korrekt aussprechen :D



    All die Großen der Vergangenheit scheinen vergessen, für das Gelblabel ist er ein Hoffnungsträger. Persönlich habe ich so viele Superstars der Klassikwelt kommen und gehen sehen (ironischweise könnte man sagen, es sind mehr gegangen als gekommen :yes: ), sodaß ich bei so supersteilen Karrieren doch immer ein wenig skeptisch bin.
    Natürlich kann er Klavierspielen, der junge Mann, und natürlich hat er Wettbewerbe gewonnen. Das können viele auch in Deutschland von sich behaupten. Und während Pianisten wie Christian Zacharias und Elisabeth Leonskaya auf Kleinlabel umsteigen mussten (das muß kein Nachteil sein !!!)
    promotet die Deutsche Grammophon diesen Newcomer unerschrocken und unermüdlich.
    Auch wenn es unerbietig klingt: Wie er auf dem Cover posiert, als hätte er das Klavierspiel erfunden, reizt (mich) schon ein wenig zum Lachen. :D


    Hier stellt sich dem lästernden, hinterfragenden Skeptiker natürlich die Frage: Gerechtfertigterweise ? (Was ja immerhin möglich ist). Oder wird man ihn bald wieder in der Versenkung verschwinden sehen, wie so viele vor ihm ? Was zeichnet Eurer Meinung nach sein Spiel aus ? Hat er Alternativen zu bieten die aufhorchen lassen (im positiven Sinn meine ich)?


    Das sind die Fragen die sich mir stellen.


    Gruß aus Wien


    Alfred


    APUT

  • Alfred schrieb:


    [zitat]
    All die Großen der Vergangenheit scheinen vergessen, für das Gelblabel ist er ein Hoffnungsträger.[/zitat]


    Ja, so ist das nunmal: die Vergangenheit ist vergangen. Welcher Verlag rühmt sich denn dass er die Werke Cäsers hat? Genauso stehen heute Böhm und Karajan da.


    Alfred schrieb:


    [zitat]
    Auch wenn es unerbietig klingt: Wie er auf dem Cover posiert, als hätte er das Klavierspiel erfunden, reizt (mich) schon ein wenig zum Lachen.[/zitat]


    Dass das Marketing nicht eben ideal ist, sollte doch aber nur ein winziger Kritikpunkt sein. Die LP-Cover mit Michelangeli, Richter, Karajan oder Böhm waren auch häufig genug äusserst dämlich.


    Alfred schrieb:


    [zitat]
    Was zeichnet Eurer Meinung nach sein Spiel aus? Hat er Alternativen zu bieten die aufhorchen lassen [/zitat]


    Ich glaube schon. Er ist erfrischend frei von Respekt für die "großen Werke". Natürlich hat jeder halbwegs anständige Pianist das Tschaikowskykonzert gespielt - aber das hindert ihn nicht daran es so zu machen wie er es für richtig hält. Es klingt frisch und neuentdeckt, so wie Musik m.E. immer klingen sollte.
    Ausserdem hat er offensichtlich Spass am Spielen und an der Musik. Im achso ernsten und steifen "Klassikzirkus" ist mir das eine äusserst willkommene Abwechslung.


    Jan

  • Warten wir doch einmal die erste Einspielung des Wohltemperierten Klaviers und den ersten Zyklus mit den 32 Beethoven-Sonaten ab, um nicht voreilig über den jungen Herrn den Stab zu brechen. Was er bisher eingespielt war, hatte doch nur Vorspeise-Funktion. ---
    Aber nein, ich gebe ja zu, daß die Tage solcher ernsten Musiker vorüber sind. Lang, lang ist's her...

    Musik: Atem der Statuen. Vielleicht: Stille der Bilder. Du Sprache wo Sprachen enden. Du Zeit, die senkrecht steht auf der Richtung vergehender Herzen. (Rilke)

  • Hallo Alfred,


    wenn man sich länger für eine bestimmte Sparte interessiert, kommt ein gewisser Überblick zustande. In über vierzig Jahren Beschäftigung mit klassischer Musik habe ich viele Pianisten/ Pianistinnen kennengelernt, die irgendwann wieder aus dem Blickfeld verschwanden.


    Das lag z.T. an Krankheiten, wie bei Byron Janis oder Leon Fleisher.


    Bei anderen weiß ich es nicht, wie z.B. Nelson Freire oder Cecile Licad.


    In einer dritten Gruppe wäre die Überschätzten zu nennen. Aktuell gehört dazu etwa Dimitri Sgouros. Der bekannteste ist sicher La van Cliburn, 1958 1ter Preisträger des Tchaikowskij-Wettbewerb. Damals ein Politikum und eine Sensation. Von seiner Aufnahme des b-moll-Konzerts dieses Komponisten wurden über eine Million Scheiben verkauft.


    Schon zehn Jahre später war sein Ruhm als Pianist verblasst. Es gibt einen Wettbewerb seines Namens in den USA und er spielte einmal bei irgendeinem Präsidenten eine Version von stars and stripes, aber Aufnahmen gibt es keine Neuern, aus den siebziger,achtziger oder späteren Jahren.


    Was blieb von diesen Pianisten ? Eigentlich nichts. Keiner seiner Aufnahmen hat Referenzstatus. Er donnerte gerne. Das kam seiner Interpretation von op. 15 von Brahms zugute, aber Beethoven op. 73 war eigentlich zu laut. Sic transiit gloria mundi....


    Ob Lang-Lang so etwas bevorsteht, kann man jetzt noch gar nicht beurteilen. Dieser junge Mann spielt sehr virtuos. Das wurde und wird immer gerne genommen( und man sieht an der Karriere von Horowitz, dass dies ein langes Leben lang " gut" gehen kann,wobei ich Horowitz nicht auf Virtuosität reduzieren will).


    Derzeit finde ich seinen virtuosen Zugriff reizvoll- mit Rattle in der Waldbühne das b-moll Konzert z.B.-( wenn man so etwas nicht bei 3SAT oder arte sieht, sollte man in classica hineinschauen)


    Schöne Grüße


    Sagitt

  • Hallo Sagitt,


    zu Cliburn:


    Ich glaube, die Einschätzung einer Musikerkariere bzw. - Leistung sollte man nicht an der Zahl seiner Aufnahmen und deren Regelmäßikeit ausmachen. Für mich war und ist Cliburn nie "mein" Pianist, er spielte und spielt immer noch sehr gut und ist erfolgreich - im sehr engen Repertoir, in einem ganz bestimmten Stil. Er ist erkennbar und wird beim Publikum beliebt nicht nur als ein Politikum, sondern viel mehr als ein glaubwürdiges Relikt der romantischen Musikauffassung. Sein bescheiderener und verdienter Ruhm vergeht nicht und er wird in der Musikgeschichte ehrlich eingehen.


    Gruß

  • Man höre nur Van Cliburn's Einspielung des 2. Klavierkonzertes von Rachmaninov unter Reiner.
    Da es eins meiner Lieblingskonzerte ist und ich es in vielen Aufnahmen kenne kann ich nur sagen, dass dies ein Beleg seines Könnens ist.
    Sicherlich eine der Besten Aufnahmen des Konzertes.


    Gruss
    Richard

  • Nachtrag:
    Hallo Sagitt,


    womit Du sicherlich recht hast ist wohl, dass er wohl nur eine kurze Blütezeit hatte.
    Ist mir lieber als ein Ashkenazy, der aufgrund der Vermarktung, auf jedenmenge Einspielungen zurückblicken kann, aber dies ungeachtet der Tatsache, das sein Klang schon lange vorher ziemlich blaß war.


    Gruss
    Richard

  • Den Knaben nahm ich zunächst kaum zur Kenntnis. Man muß nicht jedem Werbegetrommel sofort hinterherrennen. (Obwohl mich z.B. Stadtfeld sofort begeistert hatte).


    Dieser ziemlich einseitig von der Grammophon betriebene Kult erzeugt Misstrauen. Wie man am Thread sieht, nicht nur bei mir. Der Junge kann einem fast leid tun. Kaum trocken hinter den Ohren, wird er von seinem Label in den 7. Klavierhimmel hochpromotet, geradezu zur Legende gemacht. Es wird so getan, als throne im Hause Grammophon seine Büste bereits auf Augenhöhe mit Horowitz, Michelangeli & Co.


    Um "lang"fristig nichts zu verpassen, habe ich mir inzwischen einige seiner Aufnahmen zu Gemüte geführt und wurde tatsächlich angenehm überrascht. In meinen Ohren spielt hier ein hochbegabter, auf Perfektion bedachter Pianist. Schumann ohne Fehl und Tadel (Abegg-Variationen), Schuberts Waderer-Fantasie voller Intensität, schöner Liszt und auch an seinem betont klassischen Haydn gibt es nichts auszusetzen. Und doch geht dem Chinesen die besondere Note der großen Legenden etwas ab. Noch? Echte Legenden entstehen aufgrund besonderer, kontinuierlicher Leistungen. Mal abwarten, was von einem auf den Boden der Tatsachen gelandeten Lang Lang übrigt bleibt. Vielleicht "nur" ein sehr guter Pianist ohne das gewisse Etwas, ohne Ecken und Kanten. Einer unter Vielen.


    g

  • Ich hoffe es für ihn, dass er ein Dauerbrenner wird, da er z.Z. wirklich überzeugend spielt.
    Was seine Aufnahme mit Rachmaninoff unter Gergiev angeht, kann ich nur wiederholen, dass mich das begeistert hat. Nicht gleich nach dem ersten Hören, aber mit der Zeit immer mehr.


    Ich weiß nicht, wieviel Lang Lang dafür kann oder wieviel Einfluss er auf die Werbemaßnahmen der DGG hat, aber nur, weil ein großer Wirbel um ihn gemacht wird, seine Aufnahmen zu verstoßen, halte ich für falsch und unfair ihm gegenüber.


    Naja, man wird sehen, was die Zeit bringt. Wenn dann der nächste Shootingstar den aktuellen vom Thron verdrängt.



    Gruß, Peter.


  • Zum Einen auf die angesprochene Rachmaninoff-Aufnahme und zum Anderen das Mendelssohn-Konzert Nr. 1 unter Barenboim, das ich letztens im Radio gehört hatte.



    Gruß, Peter.

  • Hallo


    Also einen Teile jener Faszination die er auszustrahlen scheint. kann ich mir nun schon erklären - Ich hab ihn nämlich spielen gesehen.


    Nicht gehört - gesehen


    Ein Schallplattengeschäft in der Wiener Innenstadt hatte ein Video im Schaufenster laufen. Der Ton was gnädigerweise abgeschaltet. :D


    Was sah man da ? Einen etwas stärkeren Bang--Bang als man ihn von den Werbebroschüren kennt, in einem bühnenwirksamen zyklamfarbenen Hemd am Flügel sitzend. Sitzend ist eigentlich nicht das richtige Wort, denn der Pianist sprang andauern auf, spielte halb stehend setzte sich wieder nieder hüpfte im Takt mit. Ich hatte den Eindruck eines Popkonzertes, zugleich sah man aber einen sicher perfekten Techniker, dessen Finger absolut sicher mit irrwitziger
    Geschwindigkeit den Flügel traktierten. Meine Assoziation war: Ein Klavierroboter. Sagte nicht Mozart mal was von einem Mechanicus ? - Da war aber Clementi gemeint .....


    Die Zukunft wird weisen wie er sich entwickelt...


    Beste Grüße aus Wien


    Alfred

  • Sagitt meint:


    Ja, Alfred, und dann ist da die andere Seite. Als Zugabe spielt er die Träumere von Schumann, ganz schlicht und voller Empfindung. Auch das ist Lang-Lang. Beim Publikum wird natürlich das unbestreitbar Cirzensische eher wahrgenommen.


    So, wie ich ihn bisher wahrgenommen habe, ist er bestimmt nicht nur Techniker, sondern Interpret, teilweise mit bemerkenswertem Anschlag.

  • Ich muss gestehen, dass ich die Lang Lang Aufnahmen erst seit der jüngsten, also jener mit Rachmaninovs c-Moll Konzert sowie seiner Paganini-Rhapsodie, verfolgt habe. Eine der hiesigen renommierten Zeitungen - namentlich die Frankfurter Rundschau (kurz: FR) - schrieb vor kurzem begeistert über den Jungpianisten und stellte dabei die Frage nach seiner progressiven, für einige gar allzu frechen Art, mit dem Klavier umzugehen zur Diskussion. Da diese jedoch zufriedenstellend beantwortet wurde, entschloss ich mich, dem aufstrebenden Talent eine Chance zu geben und wanderte schnurstracks in den Plattenladen, um seine aktuelle Aufnahme zu erstehen.


    Was sich dann allerdings vor mir entfaltete, als ich die CD - zu Hause angekommen - in den Player schob, war weitaus weniger überzeugend.
    Ich begann selbstverständlich mit der alles übertreffenden Paganini-Rhapsodie (op. 43), da mir diese den Weg zu Rachmaninov geebnet hat. Problem ist, dass Lang Lang zwar einige Teile des Werks wirklich gelungen darbietet, die wichtigsten Variationen (9, 18, 24) allerdings entschieden zu frei interpretiert. Der gewaltige Aspekt der bekannten V24 blieb für meinen Geschmack vollends aus, obschon die darauffolgende 25 wieder ansprechend gespielt wird.
    Es reicht aber nunmal aus, an der Substanz herumzuexperimentieren, um einen Hörer und Rachmaninov-Bewunderer wie mich zu vergräulen.


    Viel besser gefiel mir dann schon das zweite Klavierkonzert. Der bombastische Anfang hatte nichts von seiner Macht einzubüßen und konnte mich zumindest zufriedenstellen. Es schließt sich trotz alledem die Frage an, ob sich Aufnahmen, die zwar neue als solche sind und doch lediglich wiederholen, überhaupt lohnen. Warum sollte ich, wenn mich doch mein heiß geliebte des 'Polish National Radio Symphony Orchestra' seit Monaten glücklich macht, eine andere Interpretation erwerben?
    Ich bin nicht verschlossen, falls dieser Eindruck aufgekommen sein sollte, gegenüber dem Neuen. Nur ist ernsthaft zu überlegen, ob das Geld nicht lieber in echte Bereicherungen des CD-Fundus investiert werden sollte, bevor - bereits im Besitz befindliche - Werke erstanden werden.



    In diesem Sommer, so schreibt es jedenfalls Lang Langs Internetauftritt, wird der Mann die Rheingau Festivals besuchen, welche ganz in meiner Nähe stattfinden. Bin ich zum Zeitpunkt im Lande, werde ich der Veranstaltung, insbesondere Lang Lang, einen Besuch abstatten und mich von seinem Rezital überraschen lassen. Ob anschließend weitere CD-Käufe folgen, wird sich zeigen.

    "Noten haben einen zumindest ebenso bestimmten Sinn wie Wörter, wiewohl sie durch diese nicht zu übersetzen sind." (Felix Mendelssohn-Bartholdy)

    Einmal editiert, zuletzt von Hui ()

  • Hallo Hui,


    Zitat

    Warum sollte ich, wenn mich doch mein heiß geliebte des 'Polish National Radio Symphony Orchestra' seit Monaten glücklich macht, eine andere Interpretation erwerben?


    Das ist mir ja auch noch nicht untergekommen, dass jemand großer Fan des Polnischen Nationalradio-Sinfonieorchesters ist. Respekt!


    Zitat

    Viel besser gefiel mir dann schon das zweite Klavierkonzert. Der bombastische Anfang hatte nichts von seiner Macht einzubüßen und konnte mich zumindest zufriedenstellen.


    Gerade dieses "Bombastische", das IMO diese tiefrussische Musik viel besser darstellt, das hat mir bei dieser Aufnahme sehr gut gefallen.
    Das mag ich nicht bei allen Werken so, aber hier bei Rach 2 passt es, denke ich, gut hin.



    Gruß, Peter.

  • Lang Lang - ein seltsames Phänomen.


    Er ruft Widerspruch hervor, obwohl er eigentlich alles hat, was ein großer Pianist braucht: Virtuosität, einen differenzierten Anschlag, rhythmische Flexibilität, er ist auch bei langsamen Stücken nie langweilig.


    Trotzdem ist auch mir sein Klavierspiel "verdächtig", ich kanns mir selber nicht recht erklären warum. Nur an seinem showmäßigen Auftreten kanns eigentlich nicht liegen, darüber kann man ja hinweghören.


    Ich stell mal eine Hypothese auf:


    Lang Lang hat einen komplett undialektischen Zugang zu den Stücken, die er spielt. Zweifel, Protest, das zuvor Gesagte infrage stellen, Wut, Verzweiflung, Resignation - solche Sachen sind ja durchaus Inhalt von Musik. Lang Lang versteht die Musik aber scheinbar so, daß sie immer nur Schönheit, Kraft und Harmonie ausdrückt. Musik als Alternative zum realen Leben. Statt Musik als Ausdruck des Lebenskampfes.


    Das könnte es eventuell sein.


    Gruß
    Heinz

  • Danke Heinz


    für deinen Beitrag. Du sprichst mir vollkommen aus dem Herzen. Ich habe letzten Sommer im Fernsehen einen Live-Mischnitt gesehen, Lang-Lang und das BBC-Symphony Orchstra unter Sir Norman Forster spielten in derAlten Oper Frankfurt eines der Chopinkonzerte (ich glaube Nr.2). Abgesehen von der Orchesterleistung (die war nur durchschnittlich und es gab einige Ausrutscher und tonale Unstimmigkeiten bei den Blechbläsern), L-L spielte hochvirtuos und sehr schön. Aber schon Mitte des ersten Satzes quälte mich seine Interpretation, weil ich andere Aufnahmen kannte und ich vergebens den jugendlichen, von Sehnsüchten getriebenen, eben romantischen Chopin suchte. Statt dessen bot sich mir ein Musikverständnis an, das auf der Schönheit der Harmonien nach den asiatischen Geisteshaltungen aufbaute. Alles wurde seiner oberflächlichen Schönheit nach interpretiert, die schnellen und lauten Stellen virtuos und kraftvoll, die langsamen und ruhigen die melodischen Reize auskostend, aber ein tieferes Verständnis wollte sich mir nicht erschließen. Den Moderator hätte ich danach abschießen :stumm: können, der dieses Konzert als einen historischen Augenblick pries und dies so begründete, dass noch nie ein Chopin so locker leicht und doch hochvirtuos gespielt worden wäre, frei von jeglicher melanchonischen Schwere.
    Als Zugabe gab es mal wieder Schumanns Träumerei, sehr ausladend interpretiert und auf melodische Schönheit achtend, jeder Ton wurde ausgekostet, so dass aus der Träumerei die Traumwelt wurde, also auch nicht mein Fall, da dies für mich über den Grundcharakter, kurze Skizze eines Augenblickes aus einem Kinderleben zum intimen Betrachten für Erwachsene, hinausschoss.


    MfG
    nubar

  • An dieser Stelle soll einmal erwähnt sein, dass Lang Lang nach eigener Aussage besonders großen Wert auf die Interpretation der Träumerei legt. 'In diesem kleinen Stück steckt so viel, man muss genau wissen, wann ein Durchlauf kommt und wann nicht', so oder so ähnlich hat er es gesagt. Er spiele sie immer wieder zwischendurch und arbeite hart an ihrer Perfektion.



    Ich habe seine Interpretation der Träumerei nun noch nicht gehört, halte es aber für hochinteressant, dass gerade diese Euch so wenig angesprochen hat.

    "Noten haben einen zumindest ebenso bestimmten Sinn wie Wörter, wiewohl sie durch diese nicht zu übersetzen sind." (Felix Mendelssohn-Bartholdy)

  • Salut,


    ich habe Lang-Lang neulich gesehen und gehört [im TV] und fände es schade, wenn es sich lediglih um ein Strohfeuer handelte. Sicherlich ist es live noch aufregender, ihn zu erleben!


    Cordialement,
    Ulli

  • Hat jemand schon Lang Langs neue Einspielung gehört? Bisher habe ich mich noch nicht dazu entscheiden können eine CD von ihm zu kaufen.




    Herzliche Grüße,:hello::hello:


    Christian

  • Hatte das Glück ihn zweimal LIVE zu hören und fand ihn toll.
    Am 5.3. gibt er einen Klavierabend in der Münchner Philharmonie
    im Gasteig, wo ich eine Karte hab....
    Darauf bin ich sehr gespannt und freu mich drauf.
    :hello::hello:

  • ich finde, er hat sicherlich enorme entwicklungs-möglichkeiten und dies ist jetzt gar nicht so negativ gemeint, wie es sich zunächst vielleicht anhört.
    seine aufnahmen bislang fand ich recht gelungen, sie wären aber NIE die referenz.

  • Das Mendelssohn-Konzert spricht mich voll an, ich finde es wunderschön.


    Aber als er neulich an Mozarts Geburtstag das c-Moll Konzert gespielt hat... das fand ich wirklich sehr fehlinterpretiert. Der Anschlag hat gar nicht gepasst.
    P.S.: Das Orchester war auch nix - direkt die ersten Töne waren zwischen Streichern/Bläsern nicht unison.

    "Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, daß sie ein Argument darstellt und untermauert, das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil und Geschmack und Idiom -, über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten des Chronisten hinausgeht.Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, der seine eigene Zeit bereichert, indem er keiner angehört." - Glenn Gould

  • Hallo Rappy,


    sooo schlecht fand ich das Konzert nicht,vor allem,was den Solisten betrifft.Für sein Alter hat er schon eine erstaunliche Reife.Gut,die Pferde galoppieren ihm manchmal etwas davon,doch gefällt mir sein Spiel insgesamt.
    Und die Bläser,insbesondere die Hörner,pfeifen den Streichern oft beim gemeinsamen Einsatz hinterher.Die Luft hat auch einen verdammt langen Weg vom Mundstück bis zum Trichter.Und eine Satellitenübertragung aus der verbotenen Stadt kann diese Zeitdifferenz noch vergrößern,hat mir ein Experte gesagt.

  • Mir ist nicht ganz klar, warum Töne der Bläser via Satellitenübertragung länger brauchen sollten, als die der Streicher... :D ?(


    War das ernst gemeint?? :D


    Liebe Grüsse, Moritz

  • Hallo,


    die Diskussion um Lang Lang erinnert mich an die um Anna Netrebko. In beiden Fällen trifft die (im Falle Lang Langs vom Plattenlabel entwickelte) Hype auf Skepsis, und man ist geneigt, die Fähigkeiten dieses Pianisten eher gering einzuschätzen. "Na, so gut ist der nun auch wieder nicht!"


    Ich hatte Gelegenheit, Lang Lang vor zwei Jahren beim Mikkeli Musik-Festival zu erleben, wo in Konzerten und Aufnahmesitzungen die DG-Rachmaninow-Einspielung unter Valery Gergiev entstand. Erleben heißt, ich hörte die beiden Konzerte, war bei den Aufnahmen dabei, auch bei einer Pressekonferenz, in der Lang Lang einen wesentlich seriöseren Eindruck machte als das, was Anna Netrebko in den Mund gelegt wird.


    Daß Lang Langs Interpretation der beiden Rachmaninow-Stücke mich nicht vom Stuhl gerissen hat, hatte vor allem zwei Ursachen : Zum einen sind wir hier seit nunmehr über 10 Jahren an den georgischen, in den USA lehrenden Pianisten Alexander Toradze gewöhnt, der einen vergleichsweise muskuläreren Anschlag hat, während der Lang Langs mir etwas filigraner erschien. Zugegebenermaßen ist seine Virtuosität stupend, hinterließ jedoch (zumindest bei mir) keinen Eindruck, wohingegen Toradzes Interpretationen gerade der Prokofiew-Konzerte im wahrsten Wortsinn aufregend waren.
    Der zweite Grund war die Balance zwischen dem Solisten und dem Orchester. Um den brillanten Klang seines Orchesters auf der CD zur Geltung zu bringen, dämpfte Gergiev es weniger, als er es normalerweise in dem Mikkeli-Konzertsaal (692 Zuschauer) täte, und so ging Lang Langs Spiel doch mehr in den Klangmassen unter, als es bei Toradze jemals der Fall gewesen war (und Prokofiews Konzerte sind ja nun wahrlich nicht dünn instrumentiert). Ich konnte das Urteil eines Zuhörers gut nachvollziehen, der den Eindruck hatte, am Flügel säße wie in einem Stummfilm ein Darsteller, der einen Pianisten mimt.


    Wie gesagt, dies sind meine Live-Eindrücke, und jeder, der sich mit Aufnahmen beschäftigt, weiß, daß diese oftmals ganz erheblich vom Endprodukt CD abweichen können. Fazit : Für ein Strohfeuer halte ich Lang Lang für zu gut, doch gibt es so viele eine Karriere bestimmende Faktoren, daß man nie sagen kann, ob er nicht doch nach einiger Zeit vergessen sein wird. Wie heißt es doch so schön in Strauss' Oper Ariadne auf Naxos : "Kommt ein neuer Gott gegangen..."


    Sune

  • Liebe Taminos,


    vor einigen Tagen habe ich mir Lang Langs neues Album "Memory" gekauft. Der chinesische Pianist spielt auf dem Album Stücke mit denen er Erinnerungen an seine Kindheit verbindet:


    Mozart, Sonate KV 330


    Chopin, Sonate No. 3


    Schumann, "Kinderszenen"


    und als Dreingabe:


    Liszt, Ungarische Rhapsody No. 2 (im Arrangement von Vladimir Horowitz)


    Das Programm ist ambitioniert. Der erste Eindruck ein wenig zwiespältig: Der Mozart weich und unkonturiert, Chopin für mein Empfinden zu langsam und behäbig. Am besten gefällt mir der Schumann. Werde jetzt mit einigen anderen Aufnahmen vergleichen und dann mehr schreiben.


    Herzliche Grüße,:hello::hello:


    Christian

  • Lieber Christan,
    auch ich hatte das Vergnügen, Lang Langs neues Album neulich bei einem Freund "querzuhören" . Eindruck nach 10 Minuten: Ich werde es mir nicht kaufen. Denn zu den unzähligen Kinderszenen, Mozart- und Chopin-Sonaten, die mein Regal verstopfen, brauche ich Lang Langs Lesart nich auch noch. Mein Eindruck: Aller super stilvoll, keinesfalls exentrisch. Mozart viel, viel besser, als kürzlich von seinem direkten Konkurenten Yundi Li. Die Kinderszenen schön, aber nicht aufregend. Chopin hat man schon draufgängerischer gehabt. Es klingt alles "richtig" und musikalisch einwandfrei - aber unter die Haut geht's nicht. Ohne Frage: Lang ist toll, aber der gegenwärtige Boom um ihn (manchmal denkt man ja, nur Netrebko und er würden überhaupt noch Musik machen... ) scheint mir reichlich überzogen. Es ist oft genug so, dass die Journaille an denen, die sie ausgiebig in den Himmel schreibt, über Nacht das Interesse verliert - dann ist der Absturz quasi vorprogrammiert...


    Liebe Grüße
    Daniel