Ivan Rebroff (1931-2008)

  • Im Alter von 78 Jahren ist Ivan Rebroff gestern in Frankfurt nach kurzer schweren Krankheit gestorben. Noch kurz vor Weihnachten hat er sein letztes Konzert in Wien gegeben.


    Rebroff wurde am 31. Juli 1931 als Hans Rolf Rippert in Berlin als Sohn eines hessichen Ingenieurs und einer Russin geboren, wuchs in Belzig und Halle auf. Rebroff studierte Gesang an der Staatlichen Hochschule für Musik in Hamburg.


    Bekannt wurde er durch die Rolle des Milchmanns Tevje im Musical Anatevka in Paris (über 1400 Vorstellungen). Dann wirkte er bei diversen Theatergastspielen und Spielfilmen mit, unter anderem in Der Barbier von Sevilla, Boris Godunow, Der Zigeunerbaron und Wiener Blut sowie Der Rosenkavalier.


    Durch Einsatzes der Falsettstimme für die hohen Töne konnte er einen Stimmumfang von insgesamt viereinhalb Oktaven vorweisen.


    Rebroff hat unzählige Plattenaufnahmen gemacht, so dass uns seine Stimme auch über den Tod hinaus erhalten bleibt.

  • Zitat von Il Grande Inquisitor

    Nein, den Orlofsky kann wirklich niemand vergessen, der ihn je hören mußte. Carlos Kleiber hat mir gegenüber selbst zugegeben, daß Rebroff ein übler Mißgriff war.


    LG,


    Christian


    Stimmt genau, jedoch ich wollte es nicht so schreiben.... :untertauch:

  • Zitat

    Original von Harald Kral
    ...
    Bekannt wurde er durch die Rolle des Milchmanns Tevje im Musical Anatevka in Paris (über 1400 Vorstellungen).
    ...


    Das würde ich als glatte Untertreibung bezeichnen! Tatsächlich war er in den 70ern eine Berühmtheit, und viele Fernsehauftritte steigerten seine Popularität weiter, so dass er damals wohl der bekannteste und beliebteste Deutsche Sänger war (neben Hermann Prey, mit dem er vom Repertoire her nicht kollidierte).


    Erwähnenswert ist auch, dass er ein talentierter Komödiant war. Ich erinnere mich dunkel an einen köstlichen Kalchas in der Schönen Helena.

  • Meine erste Schallplatte war eine deutschsprachige "Carmen" unter Horst Stein, da sang Rebroff den Zuniga. Das war 1961. Später kamen jede Menge kleinere Rollen in Opernaufnahmen des Hessischen Rundfunks (und auch Operetten).


    Persönlich kennengelernt habe ich Ivan in einem russischen Folklore-Lokal im Frankfurter Kneipenviertel Sachsenhausen, namens "Balalaika". Dort wurde er wohl auch von den ebenfalls in Frankfurt ansässigen Produzenten der Plattenfirma CBS Germany als Sänger russischer Lieder entdeckt.
    In dem Lokal gab es eine fünfköpfige "Hauskapelle", ein Balalaika-Ensemble namens "Tschaika", mit dem er oft auftrat und das ihn auch auf seinen ersten Schallplatten-Einspielungen begleitete.
    Wir haben damals manch wildes Fest zusammen gefeiert, und Ivan machte seiner Rolle als "Russischer Bär" alle Ehre.


    Später habe ich ihn nur noch im Fernsehen gesehen. Als er als Schlagersänger viel Geld verdiente, hat er auf eigene Kosten Lieder und Opernarien aufgenommen, die teilweise heute noch als CDs im Handel sind (die Plattenfirma heißt "Elisar".)


    In den letzten Jahren lebte er meist auf der griechischen Sporaden-Insel Skopelos.


    ******************************************************
    LG

  • Lieber Harald,


    ich glaube mich erinnern zu können, dass ich ihn noch unter dem Namen Rippert in der Oper Frankfurt 1954 oder 1955 in La Bohème gehört habe.
    Anny Schlemm sang die Mimi, Heinrich Benzing den Rodolfo.
    Ich weiß nicht mehr ob er Marcello oder Colline sang. Jedenfalls erinnerte er mich äußerlich stark an Gerd Fröbe als Otto Normalverbraucher. Genau so spindeldürr und rothaarig. Wahr nahm ich ihn dann erst wieder als Ivan Rebroff nach seinem Erfolg in Paris als Tevje.


    LG :hello:


    Emotione

  • Zitat von Emotione

    Anny Schlemm sang die Mimi,


    (Da krachte aber nicht das Bett zusammen, oder? Mein Mann erzählte davon.)


    Ivan Rebroff (incl. Balalaikaensemble) gehörte als großes Ereignis aus einer anderen und sehr schillernden Welt in meine Jugendzeit. Er besuchte damals mehrmals das Unfallkrankenhaus in Murnau und sang für Patienten, Angestellte und alle Liebhaber von Operette, Musical und Folklore. Habe ihn noch in ganzer Fülle und Schönheit (tolles Kostüm) vor dem inneren Auge. Verfolgte lange Zeit seine Aktivitäten überall und Anatevka wurde natürlich zu meinem Lieblingsmusical. Inzwischen hat sich mein Musikgeschmack ein wenig geändert, aber ihm werde ich trotzdem immer ein ehrendes Andenken bewahren.


    LG Ingrid

  • Dass Ivan Rebroff so viel im Bereich der Oper und Operette gesungen hat, wusste ich bisher gar nicht. Mir ist er eher in seiner Paraderolle als Tevje und später als Sänger russischer Volksweisen in Erinnerung.


    Persönlich habe ich ihn einmal vor ca. neun Jahren in der Petruskirche in Kiel erlebt - ich hatte meiner Mutter, die ihn gern hört, die Karten zum Geburtstag geschenkt. Es war schon beeindruckend, wie er am Ende seiner langen Karriere, und obwohl seine Stimme durch eine Erkältung leicht angegriffen war, sein Publikum begeistern konnte.


    :hello: Petra

  • Fernab von russischer Schlagefolklore präsentierte sich Ivan Rebroff 1988 auf dieser CD:



    1. Oh sancta Justitia
    2. Als Büblein klein
    3. Fünftausend Taler
    4. La calunnia
    5. Auch ich war ein Jüngling
    6. Salam Aleikum
    7. O Isis und Osiris
    8. In diesen heiligen Hallen
    9. Oh! Ich erstick! Der Atem geht mir aus
    10. Leb wohl, mein Sohn, ich sterbe
    11. Ella giammai m'amó
    12. Infelice... e tuo credevi
    13. Vous qui faites l'endormie


    Hörproben gibts bei jpc und amazon.


    LG


    Harald

  • Also diese Gesamntaufnahme der Fledermaus ist ansonsten sehr gut. Carlos Kleiber dirigiert einen wunderschönen Johann Strauss.
    Julia Varday ist eine blendende Rosalinde und Lucia Popp sang hier die Adele, aber Ivan Rebroff war ein Missgriff, er war hier nicht der ewig blasierte Prinz sondern der ist der deplacierteste Orlovky.

  • tolle Erkenntnis, hätten wir alle nicht gewußt!
    Steht zwar schon 3 Beiträge weiter oben und mindestens 15 mal in diversen Fledermaus-Threads!
    Fällt Dir nichts besseres ein?


    Dies ist eun Nachruf-Thread zum Tod eines verdienten Sängers!

  • Also ich find, er war ein URGESTEIN;
    halt nicht für alle, da er ja ein Pendler zwischen U und E-Musik war.
    Eine tolle Persönlichkeit war er allemal, da werden sicher auch die Kritiker zustimmen können.


    :pfeif::pfeif::pfeif:

  • Lieber Mucaxel,


    da dies ein Nachruf-Thread ist, will ich mich zurückhalten, aber was ich von Kollegen gehört habe, spricht nicht im mindesten für eine Persönlichkeit, sondern da kommt einem das kalte ...


    Aber der Charakter soll ja nicht bewertet werden, sondern die immerhin skurril zu nennende Karriere des gebürtigen Spandauers - irgendwo zwischen Basso cantante, Donkosak und Liberace.


    Traditioooooon!



    LG,


    Christian

  • Zitat von Theophilus

    Das Cover-Bild würde ich am ehesten mit dem Osmin in Zusammenhang bringen. Der aber fehlt auf der Liste...


    (Wird dann wohl der Boris sein...)


    Das ist er als Attila ... übrigens hervorragend gesungen ...

  • Zitat von Basso

    Das ist er als Attila ... übrigens hervorragend gesungen ...


    Optisch würde der Attila ja passen, aber in Haralds Liste kommt keine Attila-Arie vor!

  • Zitat von Theophilus

    Optisch würde der Attila ja passen, aber in Haralds Liste kommt keine Attila-Arie vor!


    Natuerlich könnte das Rebroff als Attila sein. Ich wuerde aber eher auf Khan Konchak aus "Fuerst Igor" tippen (ist auch nicht auf der CD!).


    Freunde von mir haben noch Ripperts = Rebroffs Hamburger Diplomkonzert an der Musikhochschule in Erinnerung und sprechen heute noch von einem imponierenden Material. Ob es fuer die Opernbuehne trotz seiner Anfänge in Frankfurt nicht gereicht hat, vermag ich nicht zu beurteilen. Man sollte Respekt davor haben, dass er sich fuer eine andere Musiksparte entschieden hat und in dieser sehr erfolgreich war. Sonst wäre Rebroff sicherlich nicht fuer den Orlofsky engagiert worden (wie immer sind 2 fuer ein Fehlengagement verantwortlich: derjenige, der es ausspricht, und derjenige, der es annimmt!)


    Mikko

  • Heute zufällig hineingezappt:


    Katharina und Potemkin
    Ein musikalischer Bilderbogen aus dem alten Russland
    von Janne Furch-Allers und Heinz Gietz von 1980


    Katharina - Anneliese Rothenberger
    Potemkin - Steven Kimbrough
    Pugatscheff - Ivan Rebroff
    Graf Cobenzl - Klaus Wildbolz
    Warwara - Lorna Dallas
    Pjotr - Hannes Houska
    Petroff - Frieder Stricker
    Orlow - Karl-Heinz Heß
    Bruce - Ingeborg Kallweit


    Regie: Ekkehard Böhmer
    Choreographie: Emil Brandl


    Zitat

    Graf Cobenzl, ehemals österreichischer Gesandter am Zarenhof, kehrt von Wien zurück nach St. Petersburg, um hier seine Erinnerungen an die Zeit seiner Gesandtschaft am Hofe von Katharina der Großen niederzuschreiben. Er sieht noch einmal die Liebesgeschichte seines Freundes Grigory Potemkin und der Zarin Katharina, der ehemaligen deutschen Prinzessin Sophie von Anhalt-Zerbst, vor seinen Augen. Grischa, wie Potemkin auch genannt wurde, begegnete der Zarin in einer feuchtfröhlichen Winternacht, in der er mit seinen Freunden einigen Unfug mit dem im Bau befindlichen Denkmal Peters des Großen trieb. Grischa wurde die große Liebe Katharinas. Die Rolle des Pugatscheff übernahm in diesem musikalischen Bilderbogen Ivan Rebroff, der am 27. Februar 2008 im Alter von 76 Jahren starb.


    Sendetermine im Mai 2008:


    Do, 08.05.2008 16:55 Uhr
    So, 11.05.2008 11:55 Uhr
    Fr, 16.05.2008 11:55 Uhr
    Di, 20.05.2008 16:55 Uhr
    So, 25.05.2008 16:55 Uhr
    Mi, 28.05.2008 11:55 Uhr
    Fr, 30.05.2008 16:55 Uhr


    LG

  • Lieber Harald!


    Da musst Du entschuldigen,


    er hat mir in Opernaufnahmen gefallen, Sarastro oder Boris oder König Philipp, aber leider nicht in den "Pseudo-Russen" - Gesängen.


    Bin leider ehrlich, also nicht böse sein, und sonst nichts Ungutes mehr über Ivan Rebroff.


    Liebe Grüße Peter aus Wien

  • der viel geschmähte Sänger hätte heute seinen 80. Geburtstag feiern können.




    Ivan Rebroff (* 31. Juli 1931 in Berlin-Spandau
    als Hans Rolf Rippert; † 27. Februar 2008 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Sänger, der dank des Einsatzes der Falsettstimme einen Stimmumfang von mehr als vier Oktaven besaß.


    LG


    :hello:


  • Ja, der vielgeschmähte Iwan Rebroff weckt in mir viele Erinnerungen. Zu meiner "Sturm- und Drangzeit" hatte ich viele Freunde unter slawischen Sportlern. Wenn wir privat zusammen saßen, liefen oft Platten mit Rebroff. Dann haben wir diese Lieder mitgesungen. Auch später mußte ich beim Zusammensein singen und brachte auf dem Tisch stehend "Stenka Rasin", "Kalinka", "Abendglocken" und "Der trunkene Pope" zum Besten. Ich besitze noch viele Platten von Iwan Rebroff und lege immer noch ab und zu eine auf. Dieser vielgeschmähte Sänger wird mir, dadurch er mir viel Freude bereitet hat, immer in Erinnerung bleiben.

  • Lieber Wolfgang,


    ich kannte ihn persönlich, als er noch am Anfang seiner Karriere stand. Das war in Frankfurt 1968/69, er war fest im Ensemble der Frankfurter Oper, sang aber nebenbei schon seine russischen Volkslieder, und zwar in einer kleinen Kneipe in F-Sachsenhausen, die zufällig mein Stammlokal war. Dort haben wir mit Freunden so manches Glas zusammen getrunken und bis in die Morgenstunden diskutiert, wie das zu der Zeit üblich war.



    Viele Jahre später traf ich ihn nach einem Kirchenkonzert wieder. Damals konnte ich mir nicht verkneifen, ihn auf das schreckliche Falsettieren als Orlovsky in der Kleiber-Fledermaus anzusprechen. Da wurde er richtig böse. Er sagte, er hätte auch lieber mit voller Stimme gesungen, aber Produzent und Regie hätten ihm das so vorgeschrieben, seine Entscheidung war das nicht! Aber alle würden ihm das zum Vorwurf machen.


    LG

  • Hallo liebe Forianer,


    ich kenne Ivan Rebroff eigentlich nur aus Folklore und einigen Operettenfilmen, wobei ich leider weder Anatevka noch die Fledermaus mit ihm gesehen habe. Opernaufnahmen mit ihm kenne ich nicht. Bewundert habe ich immer seinen Stimmunmfang. In den Filmen hat er mir nicht so gut gefallen. In den Zsupan im Zigeunerbaron passte er ja noch recht gut. Schon als Kalchas in "Die schöne Helena" fand ich manches Gehabe ein wenig übertrieben. Im "Bettelstudent" fand ich einiges recht albern. Aber das lag wohl nicht allein an ihm, sondern an dem, was die Regie aus ihm gemacht hat.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Viele Jahre später traf ich ihn nach einem Kirchenkonzert wieder. Damals konnte ich mir nicht verkneifen, ihn auf das schreckliche Falsettieren als Orlovsky in der Kleiber-Fledermaus anzusprechen. Da wurde er richtig böse. Er sagte, er hätte auch lieber mit voller Stimme gesungen, aber Produzent und Regie hätten ihm das so vorgeschrieben, seine Entscheidung war das nicht! Aber alle würden ihm das zum Vorwurf machen.


    Bis auf das schreckliche Falsettieren eine mustergültige Fledermaus. Ergänzung: Kleiber selbst soll sich über die Darstellung köstlich amüsiert haben, obwohl er eine Fassbeander hatte, die hier nicht zum Einsatz kam (DGG). Die kam dann aber bei Kleibers DVD zum Einsatz. In der Carmen-GA unter Horst Stein singt neben Schock und Prey auch Rebroff eine kleine Rolle.


    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)