HENZE, Hans Werner: KÖNIG HIRSCH

  • Hans Werner Henze (*1926)


    KÖNIG HIRSCH


    Oper in drei Akten



    Libretto: Heinz von Cramer, nach dem Drama “Il re cervo” von Graf Carlo Gozzi
    Entstehung: 1953 - 1956
    Fragmentarische Uraufführung: 23.09.1956, Berlin
    Dirigent: Hermann Scherchen
    Komplette Uraufführung und ARD-Sendung: 05.05.1985, Stuttgart
    Dirigent: Dennis Russel Davies
    Verlag: Edition Schott, Mainz
    Dauer: ca. 240 Minuten




    Es treten auf, singen und tanzen:


    Das Mädchen - Sopran
    Scollatella I, eine teilbare Frauensperson - Koloratursopran
    Scollatella II - Soubrette
    Scollatella III - Mezzosopran
    Scollatella IV - Alt
    Die beiden Statuen - Sopran (Knaben oder Frauen)
    Eine Dame in Schwarz - Alt
    Der König - Tenor
    Checco, ein verträumter Bursche - Tenor-Buffo
    Coltellino, ein schüchterner Mörder - Tenor-Buffo
    Der Statthalter - Bassbariton


    Stimmen des Waldes - Sopran, Mezzosopran, Alt, Tenor und Bass
    Die Erfinder - Clowns mit Gesang ad lib.
    Die Frauenpersonen - Chor
    Stimmen der Menschen, Hofstaat - Chor


    Der Hirsch - stumme Rolle


    Der Papagei - Tänzer
    Die Windgeister - Tänzer


    Volk, Schergen, Jäger, Soldaten, Tiere, Erscheinungen




    Orchester:


    3 Flöten (3. auch Piccoloflöte), 2 Oboe, 1 Englischhorn, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, 1Kontrafagott


    4 Hörner, 3 Trompete (auch Piccolotrompete in C [ad lib.]), 2 Posaunen, 1 Tuba


    Pauken, Schlagzeug: Triangel, Röhrenglocken, hängendes Becken, Beckenpaar, Tam-tam, 3 tom-toms, Tamburin, kleine Trommel, große Trommel (mit und ohne Becken), Clav., Marimba, Legno, Gegenschlagstöcke, Rumbaglocken, Glockenspiel, Xylophon


    1 Harfen, 1 Klavier, 1 Celesta, 1 Orgel ad lib., 1 Cembalo, 1 Akkordeon, 1 Gitarre, 1 Mandoline


    Streicher


    Bühnenmusik:


    1 Flöte, 1 Klarinette


    4 Horn, 3 Trompeten


    Schlagzeug: Triangel, kleine Glocke, Röhrenglocken, hängendes Becken, Beckenpaar, Tamburin, 2 kleine Trommeln, Militärtrommel, große Trommel, Glockenspiel, Vibraphon


    1 Mandoline, 1 Celesta, 1 Orgel


    1 Violine




    Handlung:


    Die Szenen spielen in einer südlichen Landschaft. Ein Venedig zwischen Wald und Meer.



    Erster Akt


    Im inneren eines Schlosses


    Der Statthalter, der den König als Kind im Wald aussetzen ließ und nun, da er herangewachsen ist, dessen Rückkehr nicht verhindern kann, versucht noch am Tag der Krönung des Königs die Staatsgewalt an sich zu reißen.


    „Die Narren läuten das Kind auf den Thron. Und das alte Tier aus der tiefe schläft.“


    Zu diesem Zwecke befiehlt er, dass sich alle Mädchen des Landes zur Brautschau beim König einfinden. Nur ein Mädchen weigert sich und wird vor den Statthalter gebracht. Er schildert den König als brutalen Mann und gibt dem Mädchen ein Messer, mit dem es sich des Königs erwehren soll.


    „Was, willst du dich nicht wehren? Nimm dies Messer. Töte ihn!“


    Bei der Brautschau lehnt der König, unterstützt von den beiden Statuen, alle Bewerberinnen ab. Nur zu dem Mädchen mit dem Messer erfasst ihn eine heftige Liebe.


    „Genug, edle Dame, geht jetzt. Ich versichere Euch, dass keine der Schönen mir soviel Vergnügen gemacht hat wie ihr!“


    Der Statthalter zeigt jedoch das Messer vor und verlangt, dass das Mädchen aus Gründen der Staatsräson hingerichtet werden müsse. Lieber aber dankt der König ab, um, gefolgt von dem Papagei und dem Träumer Checco wieder in den Wald zu gehen.


    „Zu spät! Der König ist zurückgekehrt in den Wald! Er ist heim in den Wald. Nun ist niemand da. Der König ist in den Wald gegangen.“


    Auf Befehl des Statthalters folgt ihm auch Coltellino, der den König töten soll.



    Zweiter Akt


    Der Wald


    Da nun der Tod des Königs seine Herrschaft garantieren kann, geht auch der Statthalter in den Wald und führt einen Mordanschlag auf den König aus. Der Anschlag misslingt, und der König kann sich mit Hilfe eines Zauberwortes in einen Hirsch verwandeln.


    „Was verwandelt, kann helfen.
    Nur was tötet, bedroht.
    Was nicht tötet, verwandelt,
    Es hilft, was bedroht.“


    Aber auch der Statthalter erfährt das Zauberwort, verwandelt sich in den König und lässt Jagd auf alle Hirsche im Wald machen.


    „Worauf wartet ihr, Jäger? Vorwärts, vorwärts, jagt mir die Hirsche!
    Gebt nicht Schonung! Bringt mir den Hirsch!
    In den Wald, in den Wald!“



    Dritter Akt


    Plätze und Strassen


    Den Hirsch hat die Sehnsucht nach dem Mädchen in die Stadt geführt.


    "Werd' ich das Bild sehn, das ich suche?"


    Als er dem Statthalter vor die Augen kommt und dieser ihn gerade töten will, erschießt Coltellino den Statthalter, in dem Glauben, es handelt sich um den tatsächlichen König.


    "Rette dich, Hirsch, wenn du kannst!
    Von Blitzen sind die Himmelsweiten leer.
    Einer von uns stirbt jetzt.
    Du? Oder ich?
    Du stehst? Dann stirb!"


    Der Hirsch verwandelt sich wieder in den König, der zusammen mit dem Mädchen den Thron besteigt.


    "Im Feuer hell.
    Im Regen klar.
    In Ewigkeit so wunderbar.
    So währt die Erde eine Zeit,
    Dann fällt sie in die Ewigkeit.
    Fällt mit uns in die Ewigkeit!
    So währt die Erde eine Zeit,
    dann fällt sie in die Ewigkeit!"



    Davidoff

  • 10. März 1963:
    Die Uraufführung der Oper
    Il Re cervo
    oder Die Irrfahrten der Wahrheit
    von Hans Werner Henze erfolgt in Kassel, Staatstheater
    (reduzierte Fassung; Regie: Hans Hartleb; Bühnenbild und Kostüme: Ekkehard Grübler; Dirigent: Hans Werner Henze)
    Text von Heinz von Cramer nach Il re cervo von Carlo Gozzi (1762).



    LG


    :hello: