Back to the roots - zurück zu den Wurzeln - Die Basis

  • Hallo Forum,


    in meinem Leben ist gerade kein Platz für die intensive Beschäftigung mit der Musik. Ich erarbeite mir keine Werke, ich taste mich nicht an mir unbekannte Komponisten heran und leider bin ich auch sehr wenig im Forum. Das wird nicht so bleiben, ist aber momentan so.


    Das heißt aber nicht, dass ich keine klassische Musik mehr höre. Ich greife auf Bewährtes zurück. Lege einfach ein wonach mir ist. Und ich mache die Erfahrung, dass dies immer häufiger das gute alte Wolferl ist. Der Wolfgang Amadé dreht überdurchschnittlich oft im Player. Hat was von Basis, von nach Hause kommen. Er nervt eigentlich nie. Ein intuitiver, höchst subjektiver Topfavorit.


    Habt ihr schon ähnliche Erfahrungen gemacht?
    Wie sieht Eure Basis aus?


    Liebe Grüße
    GalloNero

  • Zitat

    Original von van Rossum
    Wenn nichts mehr geht, geht immer noch Steve Reich!


    Das geht mir ähnlich. Nach längerer Zeit einmal wieder Minimalismuss in Extremform zu hören erzeugt in mir ein intensives Zu-Hause-Gefühl. Die Liebe zu dieser Musik entzieht sich einem intellektuell geprägten Interesse, sondern funktioniert auf einer ganz elementaren Ebene, die sofort, immer und unmittelbar funktioniert. Ein spannender Effekt beim Musik-Hören..


    Liebe Grüße, der Thomas. :hello:

  • Bei mir ist es in der Regel auch Mozart.
    Aber auch Klaviersonaten von Schubert oder Beethoven.


    Wenn nichts mehr geht - vielleicht wundern sich einige - dann höre ich Musik von der ich kaum was verstehe - Jazz, natürlich klassischer.


    Alte Aufnahmen, vorzugsweise Dixieland, aber eigentlich alles bis zu den vierziger Jahren.


    mfg aus Wien


    Alfred

  • Meine Basis ist Bach.
    Wenn die Welt zusammenzufallen droht, im Guten wie im Schlechten, dann gibt es nur noch Bach für mich. Die Suiten für Cello Solo, die Passionen, die Kantaten, Motetten und Klavierwerke. Und auch die Choralbearbeitungen von Busoni.
    Und Argentinischer Tango, aber der Echte, nciht so eine nette Light Version.


    Bei weniger bedrohlichen Zuständen und normalen Rûckzugstendenzen reichen Mozart und Bellini und Schubert.



    Fairy Queen

  • Ich lerne zwar Mozart zunehmend schätzen (nach dem c-moll-Konzert KV 491, auch die 'Haydn'-Quartette in A- und C-dur & Don Juan), aber mit dem überwiegend lieblichen Charakter seiner Musik kann ich mich nicht so recht anfreunden.
    Zur hier angedeuteten 'Basis' gehören bei mir das eine oder andere Stücklein aus dem woltemperirten clavier oder die 6. Klavier-Partita (e-moll glaub' ich).


    Oder Helge Schneider.


    Viele Grüße


    :hello:


    [edit] Huch, da ist ja sogleich noch jemand mit Bach-Basis-Präferenz. [/edit]

  • Ich sei, gewährt mir die Bitte ...


    Wenn alles aus den Fugen gerät, kann die strenge, klare Musik Bachs mir Ruhe und Gelassenheit zurückbringen: Konzerte, Kantaten oder die "Kunst der Fuge". Mozarts Musik, so gern ich sie sonst höre, kann ich in solchen Fällen nicht so gut ertragen, eher Schubert-Lieder, die trotz ihres traurigen und weltverlorenen Tones für mich dann oft eher lindernd wirken - ebenso wie die leise Melancholie in einigen Liedern der Schumannschen "Dichterliebe".


    Oder ich gehe völlig "back to the roots" und greife zu dem Pathos des "Trovatore", der für mich - mit Björling als Manrico - der Einstieg in die italienische Oper war.


    Ehe ich mich der Klassik zugewandt habe, waren es französische Chansons, die sich häufig bei mir drehten und die daher auch zu meinem musikalischen Zuhause gehören. Wahrscheinlich stehen mir daher die französische Oper und ihr Gesangsstil heute näher als die italienische
    (Ausnahme Bellini, Donizetti und der frühere Verdi).


    :hello: Petra

  • Back to the roots...ist zwar nicht oft nötig, aber wenn, dann mit Bach oder Schubert. Ähnlich wie Kontrapunkt gibt mir dann Mozarts Süßlichkeit auch weniger. Sehr gut geeignet: Schuberts letzte Sonaten D 958-960 oder die Impromptus. Ebenfalls hilfreich und erbauend finde ich dann auch Bachs WTK, außerdem vlt. noch Schumanns Musik für Oboe und Klavier. Der Klang der Oboe passt wunderbar in schwierige Stunden - klagend und sehr naturverbunden...


    Liebe Grüße,
    Gerald

    "Das Höchste in der Kunst - vor Gott besagt's nicht viel.
    Hat doch die Welt zuletzt nur ein moralisch Ziel."
    (Hans Pfitzner)

  • Hallo.


    Und noch jemand mit Bach-Basis...
    Tatsächlich sind die Cello-Suiten für mich Musik, die mich bereits sehr lange begleitet und zu der ich immer wieder zurück komme. Zudem Goldberg-Variationen, Kunst der Fuge.


    Weiterhin gibt es eine Doppel-CD mit Streichquartetten von Schönberg, Berg, Webern, die ebenfalls immer wieder in meinem CD-Player landet. Ähnlich wie mit Bach vor allem dann, wenn ich ziellos vor den CD-Regalen stehe.


    Zuletzt hinzugekommen zu den All-Time-Favourites sind Brahms 4., Mahler 7. und 9., Wagner "Parsifal".


    Alle diese Werke geben mir beim Hören verlässlich das Gefühl, in der Musik zu sein.


    :hello:


    Gruß, Ekkehard.

  • Zitat

    Original von GalloNero
    Hat was von Basis, von nach Hause kommen. Er nervt eigentlich nie.


    Dass so viele auf ihrer Basis Bach stehen, empfinde ich als genauso erfreulich wie natürlich - dorthin führen wohl viele Wege zurück. Auch bei mir sind es gerade die Cellosuiten, die mich seit Beginn meines Klassikwegs begleitet haben und bestimmt nicht mehr loslassen werden, aber auch die Gambensonaten, Geigen- und Cembalokonzert (die Brandenburgischen indes können schon gelegentlich nerven).


    Aber neben dieser einen Basis hat es immer auch noch andere Basen gegeben, zu denen ich nach Hause kommen konnte, und diese wechselten immer wieder - vielleicht war es die meiste Zeit Brahms, die Sinfonien, die Konzerte, vor allem seine Kammermusik. Bestimmt gab es dazwischen auch Zeiten, in denen ich es schwierig fand, überhaupt irgendwo die Basis zu finden. Aber eines weiß ich: So:

    Zitat

    petra schrieb: Mozarts Musik ... kann ich in solchen Fällen nicht so gut ertragen, ...

    ging es mir lange Zeit, über Jahrzehnte, mit seiner "Süßlichkeit" und "Lieblichkeit", auf die schon Gerald und Kontrapunkt hingewiesen haben, wollte ich all die Zeit nicht umgehen, seine Musik nervte mich zu vielen Zeiten einfach nur - und inzwischen, seit wenigen Jahren, völlig unversehens und ohne, dass ich in irgendeiner Weise darauf hingearbeitet hätte - ein Phänomen vielleicht von der Art, wie Walter es für sich in einem anderen Thread beschrieben hat -, ist es Mozart, der mir zu einer verlässlichen Basis geworden ist, an der ich mich aufgehoben fühle und Ruhe und Frieden finde.


    Und es sind, nachdem ich mit Soloklaviermusik nie viel am Hut hatte, in der Crisis just seine Klaviersonaten - nicht mal HIP, muss ich gestehen -, ich hole dann die Aufnahme von Mitsuko Uchida heraus, lege eine dieser CDs ein und kann wieder Luft holen.


    Liebe Grüße, Ulrich

  • Lieber Gallo,


    es freut mich, wieder mal ein Lebenszeichen von dir zu vernehmen. Ich kann mitfühlen, wie sich ein stressgeplagter Zeitgenosse abends zuhause fühlt, ging es mir schließlich viele Jahre ähnlich wie dir.


    Als musikalische Medizin standen mir dann zur Entspannung stets die Werke zweier Großer zur Verfügung: Je nach Stimmungslage legte ich Bach oder Mozart auf.
    Beispielhaft möchte ich Bachs Italienisches Konzert oder Mozarts Klarinettenkonzert erwähnen, aber auch viele andere geniale Werke haben therapeutische Wirkung.


    Hoffentlich ist deine Abstinenz nur temporär. Für diese Zeitspanne wünsche ich dir eine stets gut ausgewogene Basis.


    :hello:

  • Hallo zusammen,


    in diesen wieder einmal sehr stressigen Monaten (Beruf, glücklicherweise nicht privat) nervt mich teilweise jede Art von Musik.


    In solchen Fällen hilft und beruhigt mich, wie offenbar viele hier, Bach.
    Meist mit Gulda oder Gould - italienisches Konzert, Goldberg oder Partiten.
    Diese Tiefe und Kraft, dazu die Reduktion auf ein oder wenige Instrumente, das läßt einen die Welt wieder etwas gelassener betrachten.

  • Hallo zusammen,


    auch bei mir ist Bach die Basis. Gerät alles aus den Fugen, höre ich am liebsten Bach-Fugen! ;)
    Also WTK 1 und 2, aber auch die Partitas oder die Goldberg-Variationen (alle am liebsten gespielt von Andras Schiff).


    Viele Grüße
    Frank

  • Die Grundlage der Basis meiner Fundamente bilden die Musik für Klavier solo von Debussy, Pärt und Beethoven einerseits, die geistlichen Vokalwerke, vorzugsweise Requien, Bachkantaten und Pärt, andererseits.
    Ihr Trost verläßt mich nie.

  • Interessante Frage,


    bei mir sind es wohl hauptsächlich zwei Sachen: Schubert (vor allem die Sinfonien und etliche Lieder) und die Genesis-Alben von 1970-1973.

    „People may say I can't sing, but no one can ever say I didn't sing."
    Florence Foster-Jenkins (1868-1944)

  • Zitat

    Original von Draugur
    Interessante Frage,


    bei mir sind es wohl hauptsächlich zwei Sachen: Schubert (vor allem die Sinfonien und etliche Lieder) und die Genesis-Alben von 1970-1973.


    Ja, kann ich auch nachvollziehen - besonders "Selling England by the Pound" ist ein wahres Meisterwerk!

  • Back to the roots -


    das kommt bei mir auf die Stimmung an.


    Bin ich stinkesauer muss der Walkürenritt und der Trauermarsch aus der Götterdämmerung herhalten.


    Bin ich melancholisch und will heulen, hilft mir Maria Callas mit "La mamma è morta" und Puccini "O mio babbino caro"


    Suche und brauche ich Ruhe und Entspannung, da ist die 6. von LvBeethoven, Steve Reich und Eric Satie angesagt.


    Für alle anderen Stimmungsschwankungen oder glückliche Gefühle gibt es meist das Allerheilmittel aus Salzburg... :yes:

  • Zitat

    Original von MosesKR1
    Suche und brauche ich Ruhe und Entspannung, da ist die 6. von LvBeethoven, Steve Reich und Eric Satie angesagt.


    Echt? Der Satie der Parade oder doch eher der Satie der Trois Gymnopedies?? :D


    Zitat


    Dunkle Gedanken und Aggressionen krieg ich mit der Gruppe Apocalyptica in den Griff


    Nimm doch das Original - am besten Master of puppets


    :untertauch:
    Wulf

  • Zitat

    Habt ihr schon ähnliche Erfahrungen gemacht? Wie sieht Eure Basis aus?


    Ja habe diese Erfahrung auch schon gemacht. Bei mir sind es in dem Fall Klaviermusik oder auch Operettenmixe. In jedem Fall etwas das ich sehr gut kenne und das in mir Behaglichkeit und nach Hause kommen vermittelt.


    LG


    Maggie

  • Hallo Freunde,
    es geht wieder aufwärts und ich hoffe das liegt nicht nur am Urlaub. Und wie ich wieder mehr Zeit finde, finde ich natürlich auch X weitere Basen :D.


    Aber auch in der Zeit, in der nur wenig ging, ging neben Mozart mein Bach natürlich auch. Bach geht eigentlich immer. wie war das einst? Kann man Bach eigentlich nicht mögen?.


    Bach und die Schubert Lieder.


    Heute (also ich meine jetzt konkret den 4.8.08 ) empfinde ich auch Mahler als Basis. Aber das liegt warscheinlich daren, dass zwischenzeitlich wieder einiges geht :yes:.


    Das ich mal Mozart als die Basis oder auch nur als eine der Basen nennen würde, hätte ich mir früher auch nicht träumen lassen. Lieblich, süßlich, verspielt... Ja, das war auch mein Eindruck. Und im Grunde genommen ist er das ja auch. Wenn man Pathos oder Intellekt sucht, dann nervt es. Wenn man sich aber zurücklehnt und lage genug, oft genug und intensiv genug hinhört, dann kann man, wenn noch etwas Glück hinzukommt, erfahren, was viele beim hören von Mozart erfahren. Glückseligkeit!



    Liebe Grüße
    Euer GalloNero

  • Meine Basis: Bach, Haydn, Mendelssohn und Strauss.
    Ich beschränke mich mal auf die 4, ist allerdings etwas willkürlich.. Mozart, Tschaikowsky und Brahms könnte man z. B. auch dazurechnen... Vielleicht müsste man sich eher auf einzelne Werke festlegen?

    "Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, daß sie ein Argument darstellt und untermauert, das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil und Geschmack und Idiom -, über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten des Chronisten hinausgeht.Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, der seine eigene Zeit bereichert, indem er keiner angehört." - Glenn Gould

  • Nehme ich mal das Stichwort auf: "Wenn die Welt zusammenfällt..." dann gebe ich mir es gleich richtig: mit A.Pettersons Symphonien!


    Wenn der Stress oder die innere Unruhe überhand nimmt, oder, siehe Vorhergehendes, meine eigene Depri-Stimmung mich schon selbst anzuöden beginnt (- und meine arme Freundin erst!), dann sind John Coltranes "A Love Supreme", "Om", "First Meditations", "Meditations" und überhaupt sein Spätwerk mein Therapeuticum. Ich kenne keine andere Musik, in der heftigste Expression und meditative innere Ruhe so in Eins fallen. Da beginnt so ein rationalistischer Materialist, wie ich, zu ahnen, was es mit der "Unio mystica" oder dem Zusammenfallen des "inneren" und des "äußeren Weges", von dem die sufistischen Denker sprachen, auf sich haben könnte. (Hat für mich gar nichts mit Religion zu tun.)


    Wenn es dann wieder besser zu gehen beginnt: Charles Mingus: z.B. "Haitian Fight Song" oder Beethoven: Eroica oder Klaviersonaten.


    Irgenwo dazwischen schiebe ich vielleicht noch die Relektüre von einigen Stellen aus Spinozas "Ethik" und Joseph Conrads "Taifun": Der völlig überforderte junge Käptn, der eigentlich keine Ahnung und Erfahrung hat, wiederholt immer bloß: "Gegen Andampfen!" und bringt so in aussichtsloser Lage sein marodes Schiff mit todkranker Mannschaft durch den schweren Taifun.


    :hello: Matthias

  • .......wenn vieles in mir graut :wacky: :wacky: helfen in 2 von 3 Fällen eine meiner beiden CD.s mit Renaissance-,Barockmusik aus Spanien
    (Vokalmusik von Luis de Victoria / Orgelmusik u.a. von de Cabezon und Cabanilles),
    und in 2ter Linie die Streicherfantasien eines herrn purcell :jubel:


    tröstlicheres kenne ich dann nicht.........................



    bin ich "nur" in einer sehr ratlosen und/oder aufgewühlten Phase,
    hilft nahezu alles (mir bisher bekannte) von Telemann
    (kann nicht anders als seine Klangwelt mit "leicht und frei fliessende positive Energie" zu feiern !)
    und/oder "leichtere Orgelmusik", d.h. neben BWV 525-30 v.a. Choralvorspiele, Variationen u.ä. - derzeit bevorzugt von Buxtehude...


    wenn ich in solchen Phasen für Klassik nicht recht zu haben bin, geht`s zum Jazz...
    allen voran erwähnt sei hier die stille Wachsamkeit eines Jimmy Giuffre (sein Tod vor 5 Monaten scheint mir so gar keine Wellen geschlagen zu haben :() und die Warmherzigkeit eines Dusko Goykovich...........
    - gelegentlich darfs da auch mal harter Tobak :P sein, etwa "Witches and Devils" (Albert Ayler, 1964)
    oder "Live in Tokyo" (A.Mangelsdorff - Heinz Sauer, 1971)


    :hello:
    micha