Anne Sophie MUTTER - Hochgejubelt und abgewertet

  • Liebe Forianer,


    Durch Karajan wurde sie einst protegiert, das war manchen schon suspekt, hat sie ihren Status nunmehr doch über 27 Jahre gehalten, seit ihrem Debüt 1977 mit den Berliner Philharmonikern. Eigentlich ist sie, das wissen nicht alle, ausgebildete Pianistin, sie wechselte jedoch zur Violine.
    Sie trat in den letzten Jahren in fast allen Musikmetropolen der Welt auf und spielte diverse CDs für verschiedenen Label ein.
    Ihr Instrument ist von Nicola Gagliano (Neapolitanischer Geigenbauer ca 1695-1758 ), so konnte ich nachlesen, aber sie besitzt inzwischen auch zumindest 2 Stradivaris mit unterschiedlichen Klangeigenschaften ("Lord DUNN Raven" und "Emiliani")mit denen sie auch ihre Aufnahmen macht. ASM setzt sich neben klassischem und romantischen Repertoire auch für zeitgenössische Musik ein.Sie errang zahlreiche Schallplattenpreise, sowie Auszeichnungen von Deutschland und Österreich.


    So und nun an die Gruppe: Welche Aufnahmen von Ihr habt ihr, bzw habt ihr überhaupt welche, und welchen Stellenwert nehmen die in eurer Sammlung ein ? Was sollte man unbedingt haben ??
    Kennt jemand den Vergleich der alten Aufnahmen mit Karajan vs jenen Neueinspielungen der Jetztzeit?


    Gruß aus Wien


    Alfred

  • Hallo Alfred !


    Von ASM habe ich folgende Aufnahmen :


    Beethoven - Violinkonzert - Masur, DGG


    und


    Brahms - Violinkonzert - Masur, DGG


    Hier würde ich folgendes zu sagen :


    Das Beethoven Konzert gefällt mir recht gut und
    möchte es auch in meiner Sammlung nicht missen wollen.
    Beethoven wollte hier ein Konzert mit Orchester komponieren, das nicht nur Gedankentiefe, sondern auch Anmut ausstrahlen sollte.
    Für mich ist das hier ASM gelungen aber auch vom
    NPO und Masur.
    TIP : KAUFEN !!!


    Auf das Brahms Konzert kann ich allerdings verzichten.
    Hier fehlt mir bei ihrer Interpretation des Werkes, daß das " rauhe, rapsodische " des Werkes nicht richtig heraus kommt.
    Gerade der letzte Satz, der ja durch seine ungarischen Elemente, ein klares Merkmal für die Musik von Brahms ist, dieser plätschert mir zu süßlich runter.
    Von daher meine Meinung : Daumen runter !


    Gruss
    Holger

  • Moin!


    "Beethoven - Violinkonzert - Masur, DGG", die habe ich mal bei einem Freund gehört (der sie geschenkt bekommen hatte) und ich muß gestehen, am Anfang gar nicht erkannt zu haben, daß es sich um Beethovens Violinkonzert handelt. So präzise und ausdruckslos die Violine, so unkontuiert und schwammig das Orchester (überspritzt formuliert), das war für mich nicht nur kurios, sondern vor allem nicht zusammenpassend, so, als hätte man das getrennt eingespielt und später zusammengeschnitten.


    Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt die Mutter immer gemieden, daher würde mich mal interessieren, ob sie immer so spielt bzw. gespielt hat. Wie sind ihre früheren Aufnahmen?


    Liebe Grüße,
    Axel

  • Also ich habe nur eine Aufnahme von Mozart Violinkonzerten (ich glaub nr 2 und 4) unter Muti mit ihr. (EMI)
    Diese Aufnahme ist IMO insgesamt eher bescheiden und hat mich abgehalten weiter Aufnahmen mit Mutter zu kaufen, jedoch muß betont werden, daß hier den Tontechnikern der EMI kein Meisterstück gelungen ist, verwaschen und synthetisch, wäre IMO eine gute Beschreibung. So gut die EMI Tontechnik unter Christopher Parker und seinen Kollegen einst war, so dilettantisch war sie (IMO !!) in den ersten Tagen der Digitaltechnik. Aus diesem Grund kann und möchte ich die Solistin nicht beurteilen, die ihren Weltruhm und ihre Schallplattenpreise ja sicher nicht aus Jux und Tollerei erhalten hat.


    Gruß aus Wien
    Alfred

  • Hallo Alfred,


    nein, sicherlich hat sie ihren Weltruhm nicht mit Diletantismus erworben. Die Dame hat wirklich einiges auf dem Kasten und das hört man auch -- nur leider berührt es mich nicht im geringsten, da nehme ich persönlich ein paar falsche Noten einfach lieber in Kauf. Und wenn sie dann mit Masur und einem IMHO mäßigen Orchester kombiniert wird, frage ich mich schon, ob hier nicht mehr Marketing als Musik hinter der Aufnahme steht.


    Übrigens soll sie in einem Interview mal ihre "kristallklare" Spielweise damit gerechtfertigt haben, daß die Leute das so wollen und von ihr erwarten. Weiß hier jemand näheres, kann es bestätigen oder dementieren?


    Liebe Grüße,
    Axel


    P.S.: Schade, daß es hier keine Funktion gibt, um Threads zu markieren und sich ggf. eine E-Mail bei neuen Beiträgen schicken zu lassen.

  • Hallo


    ich denke es liegt an drei Dingen, warum Frau Mutter etwas kritisch beäugt wird :


    1.) ihre Protektion von H.v.Karajan (man wird es nicht bestreiten können, aber die HvK-Verächter sind sehr oft auch absolute Mutter-Ablehner.


    2.) ihre Solo-Konzertreisen / CD-Produktionen mit zweitklassigen Pianisten insb. Herrn L. Orkis.
    Hier kann man natürlich spekulieren :
    Will sie der alleinige, unangefochtene Star sein, oder traut sie sich einen Weltklasse-Pianisten an ihrer Seite nicht zu ?


    3.) ihre neue Verbindung mit A.Previn, die auch gleich von der Industrie in Form von CDs ausgeschlachtet wird.


    Wenn ich mir diese Punkte in Ruhe betrachtet, so beschleicht auch mich ein kritisches Gefühl ihr gegenüber.


    Vorbehaltlos empfehlen kann ich von ihr nur die Carmen-Fantasie Aufnahme mit Levine und den Wienern / DGG.


    Für alles andere gibt es IMO bessere Alternativen, wobei ich von ihren EMI-Einspielungen nicht alles kenne.


    Grüße TW

  • Das Thema finde ich etwas feindlich formuliert. Ich war, bin und werde ein großer Verehrer von ASM bleiben. Sie hat das Violinspiel revolutioniert. Sie ist eine großartige, leidenschaftliche Interpretin. Ich besitze nahezu alle ihre Aufnahmen und sie dienen mir häufig als Referenz. Natürlich in erster Linie die großen Konzerte Bruch - Beethoven (beide) und Brahms (auch Doppelkonzert) - Sibelius - Stravinsky aber auch die Sonaten von Beethoven, die Streichtrios, die Brahms Violinsonaten (mit A. Weissenberg) sind vom Feinsten. Ich weiß, das sie nicht alle mögen, selbst Tibor Varga stand ihr skeptisch gegenüber - doch sie ist mein Geschmack. Sie ist auch locker drauf. Sie saß neulich in einem Konzert im Münchner Herkulessaal zwei Reihen hinter mir mit ihren beiden Kindern... Völlig normal und attraktiv zugleich!

  • Hallo Fuchsbuhl :D


    Also eines möchte ich vorweg sagen: Der Titel war (wie viele meine Titel zu Beginn dieses Forums) lediglich "reisserisch" und ein wenig flapsig (gerad Duuuu bemängelst Dies ?? :D :D), sicher aber nicht feindlich oder auch nur ablehnend. Tasache ist, daß ich von Anne Sophe Mutte lediglich eine einzige Aufnahme habe, wie weiter oben schon beschrieben und das die halt nicht das Gelbe vom Ei war, voran die Aufnahmetechnik sicher auch ihren Anteil hatte.


    Wen Du schreibst, sie wäre so locker und so natürlich etc etc.
    Dagegen ist ja nichts einzwenden, aber ich habe manchmal den Eindruck das würde heute zu sehr in den Vordergrund gespielt und nicht die musikalischen Fähigkeiten. Frühere Generatione von Künstlern haben hysterisch herumgebrüllt oder mit Bluimenvasen geworfen, sie haben das Publikum beschimpft oder überzogene Gagenforderungen gestellt: Gespielt oder gesungen haben sie jeodch wie die Götter :D :D


    Allerdings von Champagner versteht sie was, die Frau Mutter. Vor vielen Jahren, zu Beginn Ihrer Karriere gab sie ein Interview. Der Interviewer fragte am Schluß, ob er sich mit etwas erkenntlich zeigen könne.
    "Ja" war die Antwort "Ich trinke gerne Champagner"
    Unvorsichtigerweise fragte der Interviewer: "Welche Marke ?"
    Die Antwort kanm sofort: "Grand Dom Perignon"


    Ich war erbost. Dieses junge Mädchen (das war sie damals) trinkt eine Marke die ich nicht kenne?
    So beschaffte ich eine Flasche und genoss sie.
    So habe ich keinen Grund Frau Mutter feindlich gegenüberzustehen, verdanke ich ihr doch indirekt einen Hochgenuß, wenngleich keinen musikalischen. :D


    Um zum eigentlichern Thema zurückzukehren, zur Gründungszeit dieses Forums war es ein vorwiegend klaviermusikorientiertes.
    So war das Interese an Geigenthemen eher gering, vielleicht hat sich das inzwischen geändert.


    Weil was mir persönlich immer noch fehlt, ist eine neutrale Einschätzung, wie sich Frau Mutter im Vergleich mit den absoluten Größen ausnimmt.


    Auch ich bin leider eher ein "Klaviermensch"



    Beste GRüße aus Wien


    Alfred

  • Zitat

    Original von fuchsbuhl
    Das Thema finde ich etwas feindlich formuliert. Ich war, bin und werde ein großer Verehrer von ASM bleiben.


    Könntest Du das ein wenig ausführen? Ich mag auch diverse ihrer Aufnahmen und sehe in ihr zum Teil Opfer der typisch deutschen Grundhaltung, den Propheten im eigenen Land erst mal zu niederzumachen. Allerdings, so viel Phrophet ist sie für mich auch nicht. Denn Revolutionäres kann ich in ihrem Spiel nicht hören.

  • Hallo Taminoaner,


    Anfang der 90er Jahre ist mir die DG-Box A.S.Mutter/BerlinerPH/Karajan mit den großen Violinkonzerten von Beethoven, Brahms, Mendelssohn, Mozart (2Violink.) als Gebrauchtkauf günstig in die Hände gelangt.
    Dies als Ergänzung zu meinen bestehenden Aufnahmen(von denen ich jetzt nur die nenne, die ich für eine der Besten halte):
    Beethoven mit Zino Francescatti/New YorkerPH/Walter auf CBS(CD);
    Brahms mit Gidon Kremer/WienerPH/Bernstein auf DG;
    Mendelssohn mit Stern/NewYorkerPH/Ormandy;
    Mozart mit Franz Peter Zimmermann und David Oistrach.


    Die Mutter-CD´s haben mich nie so vollends überzeugt, da die interpretatorische Qualität meiner bestehenden CD´s nur ansatzweise erreicht wurde - hinzu kam noch die nur ausreichende Klangqualität der DG-CD´s. Ich habe diese Aufnahmen oft gehört, aber anschließend immer wieder eine andere Aufnahme des jeweiligen Konzertes hervorgeholt.
    Da ich vor Kurzem mal ein Geschenk benötigte, wurden diese wieder "abgesetzt"; so mache ich es immer mit CD´s die ich ohnehin nicht mehr höre (totes Kapital).
    ;) Diese Einschätzung wird man schnell verstehen, wenn man die o.g. Namen der Solisten meiner Violinkonzert-Aufnahmen ließt.


    Anne Sophie Mutter halte ich aber trotzdem für eine beachtenswerte Künstlerin (ich bitte mich da nicht falsch zu verstehen).
    :) Vor kurzem habe ich ihre neue CD mit den Korngold und Tschaikowky- Violinkonzerten bekommen; Andre Previn (ihr Ehemann) ist der Dirigent. Ich war über diese Aufnahmen sehr positiv überrascht:
    Das Korngold-Violinkonzert, stellenweise der Filmmusik sehr nahe, wird virtuos mit Heifetz-Effekten hingelegt und ich meine das sie es mit ihrer heutigen Reife bravurös hinbekommen hat.
    Das Tschaikowsky-Violinkonzert (den "Fetzen" habe ich schon Jahre nicht mehr gehört) hat mir auch sehr gut gefallen - da waren atemberaubende Geschwindigkeitspassagen, die man so selten gehört hat.
    Diese CD werde ich behalten, auch wenn mein Favoit bei Tschaikowky Oistrach und bei Korngold Heifetz heißt.


    Gruß aus Bonn
    Wolfgang

  • Hallo!
    Hier wurde ja vor kurzem über die Aufnahme von Mozarts Violinkonzert A-dur KV 219 mit Mutter/Karajan hergezogen.
    Ich fühle mich zwar nicht berufen, Frau Mutter zu verteidigen (ist nicht eine meiner Lieblingsgeiger(innen)), aber diese Aufnahme fand ich nicht schlecht. Ich hatte sie im Vergleich mit einigen anderen gehört, und so viel Qualitätsunterschied konnte ich nicht ausmachen. Dasselbe gilt für ihre Einspielung von Beethovens Violinkonzert.
    Vielleicht oute ich mich damit als "der versteht davon eh nichts", was ja auch sein mag, aber ich wollte es mal gesagt haben.
    Viele Grüße,
    Pius.

  • Ich bin kein wirklicher Fan von A.S. Mutter, halte sie aber jedenfalls für eine ausgezeichnete Geigerin. Ihre Interpretationen sind für meinen Geschmack nur häufig etwas zu "schön" und in ihrer Stilistik zu "romantisch".


    Toll finde ich aber, dass sie ihre Popularität nutzt und (ihr gewidmete) zeitgenössische Stücke (Rihm, Penderecki, Previn) aufführt und auch aufnimmt. Diese CD's sind im übrigen wirklich empfehlenswert. Ich halte auch erst die Aufnahmen der post-Karajan Zeit für wirklich interessant, weil sich erst hier die eigenständige Künstlerpersönlichkeit zeigt.


    Was negativ sein soll an der Verbindung Mutter-Previn würde ich ganz gerne wissen (und wieso soll's die DG nicht ausnutzen?). Mir fallen in dem Zusammenhang Sutherland/Bonynge und Gruberova/Haider ein - und diese Paarungen sind künstlerisch sicher fragwürdiger.

  • Gerade ist der erste Teil von ASM´s Mozartprojekt erschienen- die Violinkonzerte und die Sinfonia Concertante KV 364. Eine gute Gelegenheit sich wieder näher mit dieser Künstlerin zu beschäftigen, die ihre Karriere praktisch mit Mozart begann- vor fast 30 Jahren in Salzburg unter Karajan. Um so spannender dürfte es sein, ihre erneute Auseinandersetzung mit Mozart nach so einer langen Zeitspanne zu beobachten.


    Ich bin mit den frühen Aufnahmen von ASM praktisch groß geworden, da mein Vater ein großer Verehrer „der Mutter“ war und ist. Über die Jahre habe ich ihre Karriere dann mehr oder weniger aufmerksam verfolgt. Lässt man das Echo auf ihre Aufnahmen in den deutschen Feuilletons Revue passieren, so ist eine Tendenz bemerkenswert: Ihre Interpretationen zeitgenössischer Werke (bei denen sie ja oft als Auftraggeberin fungiert) werden durchweg hochgelobt, ihre Einspielungen des kanonischen Repertoires meistens eher zwiespältig aufgenommen. Ihre Verdienste um die musikalische Moderne werden also kaum ernsthaft in Zweifel gezogen und in diesem Engagement ist einer der Gründe für ihren langanhaltenden Erfolg zu sehen- die Förderung durch Karajan dürfte ihrer Karriere sicher auf die Sprünge geholfen haben; aber wie viele Wunderkinder vermögen sich über einen so langen Zeitraum an der Spitze zu halten?


    Verfolgt man die Entwicklung ihres Spiels von den frühen Aufnahmen bis heute, so sind deutliche Veränderungen erkennbar. Waren die ersten Platten noch von der reinen Freude an dem ASM eigenen strahlenden Geigenton geprägt, so ist mit den Jahren eine deutliche Differenzierung der Tongebung erkennbar. Ferner auch ausgesprochen eigenwillige Tempi- und ein Hang zu ähnlichen Manierismen. Ihre ohnehin sehr gute Technik scheint sich mit den Jahren noch weiterentwickelt zu haben.


    Ich kenne nicht alle ihre Aufnahmen (ihren zweiten Vivaldi habe ich mir des Covers wegen erst gar nicht gekauft) aber besonders überzeugt haben mich ihre Aufnahme der Violinkonzerte von Tschaikowsky und Korngold, ebenso wie Penderecki und Rihm. Die ersten Höreindrücke des „neuen“ Mozart sind positiv, aber dazu mehr in einigen Tagen.


    Herzliche Grüße, Christian

  • Für mich ist Frau Mutter heute noch immer die größte Geigerin.Doch die Konkurrenz ist schon in Sichtweite.Hilary Hahn und die junge Julia Fischer rütteln schon mächtig an ihrem Thron,und die Leistungsdichte wird immer größer.

  • 8o


    Der Thread ist ja total eingeschlafen, und das, obwohl es soviel Neues von Anne-Sophie Mutter gibt?


    Hier stimmt was nicht... es will aber 'raus:


    Ich mochte ihre "frühen" Einspielungen auch sehr. Und das eigentlich unabhängig von Herbert von Karajan. Letztgenannten mag ich nicht sehr, aber ich besitze immerhin zwei Mozart-Requien vom ihm, an denen ich nichts auszusetzen vermag.


    Zitat


    Am Anfang war sie wohl wirklich gut. Technisch brilliant, jugendliche Frische und Kraft. Aber je älter sie wurde,desto schlechter wurde sie (imo).


    Technisch brillant ist sie auch heute noch - soetwas verlernt man kaum. Dennoch muss man nicht alles einfach hinrotzen, nur weil man "Mutter" heißt. Ich weiß, dass sie es besser kann.


    Zitat


    Gerade ist der erste Teil von ASM´s Mozartprojekt erschienen- die Violinkonzerte und die Sinfonia Concertante KV 364. Eine gute Gelegenheit sich wieder näher mit dieser Künstlerin zu beschäftigen, die ihre Karriere praktisch mit Mozart begann-


    ...und kürzlich im Fernsehen öffentlich zugab, dass sie nichteinmal alles von Mozart kennt. Was ihr [solistisches] Fach betrifft, ist das ja nicht all zu viel... erstaunlich.


    Zitat

    2.) ihre Solo-Konzertreisen / CD-Produktionen mit zweitklassigen Pianisten insb. Herrn L. Orkis.
    Hier kann man natürlich spekulieren :
    Will sie der alleinige, unangefochtene Star sein, oder traut sie sich einen Weltklasse-Pianisten an ihrer Seite nicht zu ?


    ...oder es mag niemand.


    Zitat

    Weil was mir persönlich immer noch fehlt, ist eine neutrale Einschätzung, wie sich Frau Mutter im Vergleich mit den absoluten Größen ausnimmt.


    Verglichen mit Johanna Martzy oder Jean Neveu, die live ohne Schnitte fehlerlos Dvorák, Sibelius u.a. spielten [wie man heute noch auf den leider etwas zu melancholischen Aufnahmen vernehmen mag], spielt SIE heute bei "Wetten, daß..." Mozart playback.


    Also, wer das nötig hat, tut mir leid. Und das ist bei weitem nicht gegen Thomas Gottschalk gemünzt, der vergangenen Samstag Mut und Tapferkeit bewiesen hat... er sang nämlich live!


    :P


    Es ist im Prinzip sehr schade, aber was will man machen. Vielleicht widme ich ihr mal ein Violinkonzert... [aber bevor ich Langwaid noch keine Ehre gemacht habe, lasse ich das lieber!]


    :hello:


    Cordialement
    Ulli

  • Zu ASMs Mozart-Konzerten hier mal die Meinung von classics-today (und nicht von David Hurwitz, der mit den 10/10-Wertungen bisweilen sehr verschwenderisch umgeht...):



    WOLFGANG AMADEUS MOZART
    Violin Concertos Nos. 1-5; Sinfonia concertante


    Anne-Sophie Mutter (violin); Yuri Bashment (viola)


    London Philharmonic Orchestra


    Anne-Sophie Mutter


    Deutsche Grammophon- B0005078-02(CD)
    Reference Recording - Concertos: Perlman (DG); Sinfonia: Böhm (DG)



    Anne-Sophie Mutter takes on dual roles of soloist and conductor in this new complete Mozart Violin Concerto collection, turning in performances of exceptional polish, vitality, and coherence. Mutter's virtuosity is never in doubt as she plays with full, confident tone and spirited energy. This, plus her stylish and wholly idiomatic interpretations remind us of just how brilliant and accomplished a performer she is--refreshing after last year's bizarrely self-indulgent Tchaikovsky concerto recording. Throughout this set Mutter places her prodigious talents and skills (to quote the well-worn phrase) "in the service of the music", presenting Mozart pretty much unfiltered.



    She's marvelous in the arching melodies of No. 5 (the slow movement is all serenity) and the vibrant rhythms of No. 3, while No. 4 has a harmonic richness that looks forward to Mendelssohn. Like Perlman before her, Mutter communicates her sheer pleasure in playing this music, though she avoids his tendency to pour on the schmaltz. The set offers a substantial bonus in the Sinfonia concertante, with violist Yuri Bashmet joining Mutter in a sparkling and tonally sumptuous rendition, worthy of comparison to Böhm's. The London Philharmonic plays handsomely under Mutter's direction, while Deutsche Grammophon's solidly focused recording nicely balances soloists and orchestra. This is a quintessential modern Mozart violin concerto collection--a highly recommendable achievement. [1/17/2006]



    --Victor Carr Jr



    Die Bewertung lautet: 10 / 10 (jeweils von 10 möglichen)

  • Salut,


    ich halte nichts von Bewertungssystemen, wenn es um "Bewertung" von Künstlern geht. Wie würde Herr Carr jun. Johanna Martzy oder Jean Neveu dann bewerten können? 50/10 oder gar auf eine Ebene stellen?


    Das kann nicht sein.


    :hello:


    Cordialement
    Ulli

  • Ich bin verwundert und verärgert,wie hier mit Anne Sophie Mutter umgesprungen wird.Das hat sie mitnichten verdient!
    Leider mußte ich feststellen,daß in letzter Zeit immer wieder ein Forenbenutzer anfängt,einen berühmten Star platt zu machen und einige andere stimmen froh mit ein,bis das Indianergeheul komplett ist.
    Das war so bei Netrebko,bei Lang Lang und nun auch bei Frau Mutter.


    So wohl ich mich bisher hier gefühlt habe,kommen mir doch langsam Zweifel an der Objektivität und Ernsthaftigkeit mancher "Kritiker" auf.
    Um nicht mißverstanden zu werden:An konstruktiver Kritik habe ich nichts auszusetzen,diese ist sinnvoll und notwendig.


    Aber diese unterschwelligen und oft flapsig-unreif formulierten Beleidigungen widerstreben mir zutiefst.


    Hier ist ein ernstes Wort von Alfred fällig.

  • Also was die neuen Einspielungen der Mozart-Violinkonzerte betrifft, würde ich mich nicht ganz so schwelgend ausdrücken wie der Kritiker bei classics today aber ich finde die Einspielungen wirklich gelungen, teilweise mitreissend z.B. 3. Satz des 1.Konzertes.
    Sehr klarer Klang, tolle Dynamik, schlanke Ausführung. Ich weiß wirklich nicht, was hieran so schrecklich ist, wäre aber auf die Negativkritik gespannt.
    Wenn Frau Mutter wirklich bei "Wetten dass" Mozart mit Playback gespielt hat, was ich nicht gesehen habe, dann kann ich es aber auch bedauern, dass sie das nötig hat. Hat sie eigentlich nicht wie ich finde.
    Gruß

  • Liebe Freunde,


    natürlich ist die Rezension des englischen Kritikers ein wenig euphorisch- aber desswegen muss sie im Kern ihrer Aussage nicht falsch sein. Über Bewertungsskalen von 1 - 10 kann man natürlich streiten.


    Schillernde Persönlichkeiten haben es nunmal an sich, dass sie harschen Widerspruch oder euphorische Verehrung herausfordern. Trotzdem möchte ich meinen: Es ist nicht nur der Plattenmafia und dem Management der DG zu danken, dass die Karriere von ASM nun schon über 20 Jahre dauert.


    Ich bin kein Profimusiker und kann deswegen nicht wirklich beurteilen inwieweit sie wirklich technisch perfekt spielt oder nicht, aber trotzdem sollte man einem Künstler nicht die Seriosität absprechen bloss weil er oder sie einer der "Stars" der Branche ist. Es scheint mir- und auch da kann ich mich selbstredend irren- dass letzteres hier gelegentlich der Fall ist.


    Vielleicht ist ASM aber auch wirklich nur eine ernsthafte Künstlerin, die zufällig das Glück hatte entdeckt zu werden?


    Herzliche Grüße,:hello:


    Christian

  • Liebe Forianer,


    ich habe jetzt über eine Stunde einen langen Beitrag zu dieser Problematik verfasst - und dann ist der Computer abgestürzt und hat alles ins Nirwna gezerrt.


    Ich habe nicht die Nervern alles nochmals zu schreiben, aber eine Kernaussage:


    Wir sollten nicht alle soo tierisch ernst nehmen, gewisse Künstler waren immer schon eine Zielscheibe des Spottes von Kritikern - geschadet hat ihnen das nie - im Gegenteil.
    Ich glaube, es war Oscar Wilde, der da einst sagte: "Es ist nicht schlimm, wenn über einen schlecht gesprochen wird, schlimm ist lediglich, wen über einen überhaupt nicht gesprochen wird."


    Nirgenwo gilt dieser Satz mehr als in der Kunst.


    Lang-LanG und Netrebkow: Natürlich stellen sie ein ideale Zielscheibe für älterte erfahrene Kritiker die schon viel gehört haben dar: Da werden Künstel der oberen Mittelklasse als "Weltereignisse" gefeiert, die dem Anspruch einfach nicht gerecht werden, der erhoben wird. Erschwerend kommt hinzu, daß etliche Künstler, die besser waren, von der Tonträgerindustrie in die Wüste geschickt wurden - sie waren zu teuer oder konnten dem Jugendwahn heutiger Manager nicht gerecht werden....


    Anne Sophie Mutter - sie war von Anbeginn umstritten - aus meiner sSicht ist es jedoch ein Qualitätsmerkmal ersten Ranges, wenn sich eine Geigerin über zwanzig Jahre stabil in Konzert und auf Tonträger behaupten kann.



    Ich finde auch, daß Kritiken nicht allzu sachlich sein müssen. sie dürfen auch mit Spott durchzogen sein - die Gegenseite muß dann aber auch toleriert werden, wenn sie spöttisch kontert.
    Das ist einerseits der Reiz solch eines Forums -andererseit dar es nie zu einer Schlammschlacht ausarten - Darüber wachen die Moderation und ich.


    Wir sollten nicht allzu persönlich betroffen sein, wenn einer unserer Lieblnge "verrissen" wird. Ich sprech da aus eigener Erfahrung: Dieses Forum war zur Zeit der Gründung durch mich ausgesprochen Mozart- und Karl Böhm-feindlich :D und DENNOCH habe ich ein freunschaftliches Klima mit allen Forianer gepflegt. Man beachte als positives Beispiel die netten "Geplänkel " zwischen Herrn Baumgartner und mir. Geschmackliche Antipoden - geniessen jedoch (so hoffe ich wenigstens) er und ich die feinen (nicht ernst gemeinten) Spitzen mit denen wir uns sprachlich fit halten, Spiegelfechten nnnt man das... :hello:


    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred

  • Zitat

    Wenn Frau Mutter wirklich bei "Wetten dass" Mozart mit Playback gespielt hat, was ich nicht gesehen habe, dann kann ich es aber auch bedauern, dass sie das nötig hat. Hat sie eigentlich nicht wie ich finde.
    Gruß


    Das sollte man nicht überbewerten.


    Solche Säle sind oft ungeeignet zur Übertragung von Klassischer Musik, ja von Musik-live gespielt überhaupt. So mögen oft technische Probleme
    den Ausschalg für die Entscheidung zu einem Playback geben.


    LG


    Alfred

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt


    Ich finde auch, daß Kritiken nicht allzu sachlich sein müssen. sie dürfen auch mit Spott durchzogen sein - die Gegenseite muß dann aber auch toleriert werden, wenn sie spöttisch kontert.
    Das ist einerseits der Reiz solch eines Forums -andererseit dar es nie zu einer Schlammschlacht ausarten - Darüber wachen die Moderation und ich.


    Hallo,


    nein, mE ist das ein falscher Ansatz. Spott ist per se schon abwertend. Spotten kann jeder, ob er/sie nun Ahnung hat oder nicht. Kritik ist in jedem Fall zulässig, nur sollte diese dann auch in jedem Fall argumentativ/sachlich unterlegt sein. Des Spottes sollte man sich, vielleicht bin ich aber auch in dieser Frage zu konservativ oder heikel, enthalten.


    Mit müden Grüßen


    tom

  • Zitat

    Original von tom
    Ging's hier nicht um eine Grundsatzfrage? :D


    Wozu sollte man Grundsätze diskutieren, wenn kein Ansatz da ist?


    ?(


    Ich verabschiede mich besser aus diesem Thread. Hier noch etwas Wunderbares zum Schluß:



    Ich mag Mozarts Violinkonzerte [bis auf die Einzelsätze 261, 373] nicht sehr... hier kann ich sie gerne anhören.



    :hello:


    Ulli