Henry Purcell - ein englischer Vertreter des Barock

  • Liebe Forianer,
    Je nachdem, ob man Händel als Engländer oder als Deutschen, der in England lebte (und die englische Staatsbürgerschft annahm) sehen will, ist Pucell ein zuordnen, entweder als einer der bedeutendsten Komponisten Englands , oder sogar als der bedeutendste schlechthin.



    Geboren 1659 in London, war er das Kind einer Musikerfamilie, sein Vater war "Gentleman der Königlichen Kapelle", die es seit der Wiedereinführung der Monarchie in England durch Charles II (1660) gab.


    Purcel wurde daher auch eine angemessen musikalische Ausbildung zuteil, er kannte den Französischen und den italienische Musikstil, war aber auch mit den Kompositionen der Tudor-Könige vertraut. Ab 1679 war er Organist der Westminster Abbey und ab 1683 Organist der Königlichen Kapelle. In jenem Jahr wurden auch seine ersten Kompositionen gedruckt, die "12 Sonatas in III Parts"


    Purcel schrieb über 70 Anthems, zahlreiche Chorwerke und Kantaten für Hoffeste und andere Ereignisse, wie Begräbnisse etc, sowie einige Semi-Operas, wie "King Arthur" und "The Fairy Queen" (nach Shakespeares Sommernachtstraum) "The Tempest" (ebenso nach Shakespeare. The Indian Queen" sowie mehrere Bühnenmusiken, darunter jene zu "Amphytrion", ebenso wie die Oper "Dido and Aeneas"
    Einige seiner Werke wurden nach seinem Tod (1695) durch seinen Bruder Daniel Purcell (1660-1717) , der ebenfalls Organist und Komponist war, vollendet.
    Dazu kommen zahlreiche Oden, Instrumentalwerke, wie Ouvertüren,
    Suiten, Cembalo-Suiten etc...


    Und jetz bin ich neugierig wer von Pucell was im CD-Schrank stehen hat ;)


    Beste Grüße aus Wien


    Alfred



  • Zwei Aufnahmen, die ich regelmäßig höre:
    Janet Baker ist als Dido zum Stein- Herz- und Nierensteinerweichen (oder wie man so sagt)
    und Christie zaubert faszinierend moderne Klänge und effekte aus der Partitur.

    (es lohnt auch die Beschäftigung mit dem Stück "Purcells Traum von König Artus" von TANKRED DORST. Er hat eine neue Rahmenhandlung um Arthur-Ausschnitte drumherum geschrieben, wurde vor ein paar Monaten in Wiesbaden uraufgeführt. das Stück dürfte mitlerweile bei Suhrkamp/Insel vorliegen)


    Habe noch weitere Kirchenmusikk von ihm, die ich aber noch nie intensiv gehört habe.
    gruß, Markus

  • Hallo Alfred,


    neben den von Markus genannten CDs habe ich außerdem noch:



    Die CD mit der Bühnenmusik aus einigen seiner bekanntesten "Semi-Opern" eignet sich recht gut als Einführung in die Musik Purcells.


    Etwas älter ist diese ebenfalls sehr gute Sammlung (3 CDs):



    Dann noch eine weitere Aufnahme von "Dido und Aeneas" mit einem Deiner erklärten Nicht-Lieblingsdirigenten :D:



    Alles in allem für mich immer noch die gelungenste HIP-Aufnahme, trotz Haim und Jacobs. Eine gleichmäßig hochwertige Besetzung sowohl in den Titel- (Bott, Ainsley) als auch in den Nebenrollen (Kirkby, Chance) und ein nicht zu dünn klingendes Orchester, dessen Klang man sogar als "polished" bezeichnen könnte.


    Grüße


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Hallo


    die Dido & Aeneas-Aufnahme von Harnoncourt (1983, DDD) habe ich auch. Klar, eine HIP-Aufnahme von dieser Oper will ich natürlich schon besitzen. Concentus Musicus klingt in dieser Aufnahme auch schon recht Klangschön. Nur zerpflückt mir der gute Nikolaus das Schlußlamento ein bisschen zu arg in seine einzelnen Phrasen.


    Mit der oben abgebildeten Aufnahme von Janet Baker wird wohl jeder leben können, die HIPster und die Romantiker gleichermaßen.


    Was ich allerdings noch suche ist eine hoffnungslos romantische Aufnahme. Ich suche eine Aufnahme mit butterweichen Sound und großem Orchester, vor allem für das Lamento. eine gute dido muß natürlich auch mitsingen. Kann mir jemand so eine erzromantische einspielung empfehlen?
    Schön ist auch die Stokowski-Transkription des Lamentos.


    noch ein hinweis: ganz bekannt ist von purcell auch der Eingangs-"March" zu "Music for the funeral of Queen Mary". Er findet elekronisch verfremdet verwendung in dem Film "A Clockwork Orange" von Stanley Kubrick. Aber das wisst ihr ja asicher auch.
    Guts nächtle

  • Hallo Markus,


    die Aufnahme hat zwar keinen großartigen Sound (ist halt Mono), dafür aber sicher die stimmlich "gewaltigste" Dido der Gesamtaufnahmen (Flagstad), dazu noch Schwarzkopf und Hemsley in einer Orchesterbesetzung, wie sie zur Zeit vor HIP üblich war:



    Für eher traditionell orientierte Hörer wäre auch diese Aufnahme zu empfehlen:



    Auch hier mit Jessye Norman eine Dido "on the grand scale", Allen und McLaughlin ebenfalls hervorragend und Leppard ist bestimmt kein Exponent des orchestralen Schmalspurklanges.


    Grüße


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Ich gestehe, dass ich auch zu den Purcell-Verehrern gehöre.


    Von Dido und Aneas stehen bei mir die Aufnahme mit Janet Baker, natürlich die Hogwood-Aufnahme mit Catherine Bott und Emma Kirkby, die Aufnahme von William Christie, die von Rene Jacobs und neuerdings die Aufnahme von Emmanuelle Haim. Die Jessye Norman Aufnahme habe ich angehört und sie wird sich wahrscheinlich auch irgendwann hier noch einfinden. Uneingeschränkte Lieblingsaufnahme ist bei mir die Hogwood-Aufnahme. Für mich gibt es kein besser gesungenes "Remember me" als das von Catherine Bott. Ich habe immer wieder anderes versucht und angehört und letztlich nichts Vergleichbares gefunden. Vibratolos, glasklar im Ausdruck. Da lasse ich auch die von mir sonst höchst geschätzte Janet Baker stehen. Wer die andere Seite des Ausdrucksspektrums sucht, sollte es vielleicht mit Jessye Norman versuchen.


    Die Fairy Queen bevorzuge ich in der Aufnahme von John Elliott Gardiner. Die Indian Queen ist seit kurzem wieder erhältlich in der Aufnahme mit Christopher Hogwood, die mir hier ebenfalls sehr zusagt. King Arthur habe ich auf DVD.


    Dann empfehle ich noch die Odes for Saint Cecilias Day in der Aufnahme mit Philippe Herreweghe. Weitere Purcell-Gesangsaufnahmen finden sich auf den CDs Henry Purcell, Music for a while und auf Catherine Bott, Mad Songs (beide L Oiseau-Lyre/Decca). Schließlich habe ich noch die Sammlung Henry Purcell, Theatre Music, Christopher Hogwood.


    Unter allen die unverzichtbarste ist mir, wie gesagt, Dido und Aneas Christopher Hogwood.


    Mit freundlichen Grüßen


    Matthias


  • Henry Purcell schätze ich als einen der größten Barockkomponisten überhaupt.
    Neben den hier schon vorgestellten Aufnahmen von Christie und Herreweghe ist die Großtat vom Label Hyperion unbedingt zu nennen.
    Dort erschienen alle Songs und Anthems, ettliche weitere Werke und im Rahmen der Serie "English Orpheus" noch sehr viel weitere englishe Barockmusik, von Vorgängern, Zeitgenossen und Nachfolgern.


    Eine CD die mir besonders an's Herz gewachsen ist, die Einspielung
    "Musick's Hand Maid" Harp Consort / Anfrew Lawrence King
    Lieder und Instrumentalstücke in einer etwas anderen Interpretation.


    Was mir an Purcell sofort auffiel ist die starke Ähnlichkeit zu Lully, zumindest in seinen Bühnenwerken.
    Schade dass er auch so früh schon gestorben ist, es wäre wirklich faszinierend gewesen wenn er und Händel sich getroffen hätten...


    Soviel ich weiß kam er eines Nachts nach Hause, völlig betrunken. Seine Frau war so verärgert, dass sie ihm nicht aufmachte und er musste die Nacht auf der Strasse verbringen, dort hat er sich dann erkältet und ist wohl daran auch Tage später gestorben.

  • der Lullist schrieb:


    Zitat

    Soviel ich weiß kam er eines Nachts nach Hause, völlig betrunken. Seine Frau war so verärgert, dass sie ihm nicht aufmachte und er musste die Nacht auf der Strasse verbringen, dort hat er sich dann erkältet und ist wohl daran auch Tage später gestorben.


    Diese nette Anekdote gehört wohl doch ins Reich der Musik-Legenden.
    Engalnd, das schon im 17. Jahrhundert gut informierte Zeitungen hatte, berichtete im SOMMER 1695, daß "Master Purcell" aufgrund einer Erkrankung für die Fertigstellung mehrerer Bühnenwerke, (zu denken ist wohl da vor allem an "The Tempest", die Hilfe seines jüngeren Bruders Daniel in Anspruch nehmen musste.
    Gestorben ist er dann knapp 5 Monate danach, wahrscheinlich hat er selbst nicht mit seinem Tod gerechnet, denn sein Testament wurde erst einen Tag vor seinem Tode aufgesetzt und von Purcell, der zu gesunden Zeiten eine geradezu kalligraphische Handschrift hatte, mit einer kaum mehr leserlichen Unterschrift bestätigt.

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Ein Hinweis für alle, die die 'Fairy Queen' einmal im Niedrigpreisbereich kennen lernen möchten, ist diese exzellente Aufnahme:



    Ich kenne sonst keine Aufnahmen von 'The Scholars Baroque Ensemble', kann aber diese Einspielung der 'Queen' zum Einstieg nur wärmstens empfehlen.


    Mit freundlichen Grüßen von der Nordseeküste, Andrew

    „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

  • auf der CD The Art of the Bawdy Song finden sich einige sehr
    deftige lieder von Henry Purcell (der teilweise pornografische text ist
    im booklet nachzulesen):


    • As Roger last Night to Jenny lay close
    • Come, come let us drink
    • Fay, nay, prithee John
    • I gave her Cakes and I gave her Ale
    • My Lady's Coachman John
    • Pox on you
    • Sir Walter enjoying his Damsel
    • The Miller's Daughter
    • Tom the Taylor



    dorian dor-90155


    faun

  • Guten Abend


    eine Purcell-Aufnahme die mich schaurig bewegt hat:



    u.a. "Music for the Funeral of Queen Mary" und "Funeral Anthem of Queen Mary";
    mit dem "Choir of Kings College Cambridge" und der "Academy of Ancient Music"
    Wer kann das bessser musizieren als Engländer :jubel: :jubel:


    Gruß aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Hallo allerseits,


    allen Purcell-Begeisterten möchte ich die folgende Aufnahme sehr ans Herz legen:



    Die fünfzehn Fantasien für Gambenconsort (3 bis 7 Gamben) aus dem Jahr 1680 bilden den Höhepunkt und gleichzeitig das Ende der Tradition englischer Consort-Musik. Was hier an Tiefe des Ausdrucks, harmonischer Kühnheit und kontrapunktischer Kunstfertigkeit geboten wird, ist einfach unbeschreiblich - man muss es gehört haben!


    :hello: Andreas

  • Zitat

    Die fünfzehn Fantasien für Gambenconsort (3 bis 7 Gamben) aus dem Jahr 1680 bilden den Höhepunkt und gleichzeitig das Ende der Tradition englischer Consort-Musik. Was hier an Tiefe des Ausdrucks, harmonischer Kühnheit und kontrapunktischer Kunstfertigkeit geboten wird, ist einfach unbeschreiblich - man muss es gehört haben!



    da möchte ich aber entschieden widersprechen :D


    Das Gengre der Consort Music hat ein anderer zur höchsten Vollendung gebracht - und da kommt Purcell auf Lichtjahre nicht heran, seine Werke verkümmern da zu anachronistischen "Schulübungen" - ich verweise daher auf den Thread über Matthew Locke, den wohl größten Komponisten der Restorations Epoche:


    Locke ist Tot - wie soll es nun weitergehen in der Musik ?


    meiner Meinung nach ein Komponist, der mindestens genauso hoch geschätzt werden sollte wie Purcell !


    Selbst in der Theatermusik ist Locke Purcell absolut ebenbürtig, the Tempest wurde lange als das Meisterwerk von Purcell angesehen - doch stammt diese großartige Musik von Locke - und dann wurde es still um dieses Werk....

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    Ich freue mich ueber diesen Thread! =) :yes:


    Welche Cd und/oder DVD -Aufnahme von The Fairy Queen ist eurer fachmaennischen Meinung nach die Empfehlenswerteste?


    Fairy Queen :angel:


    Hallo Fairy Queen!


    Diese:


    Mit dem Deller Consort, inkl. Mark und Alfred Deller liegst du goldrichtig. Sie sind Experten für englische Barock und Renaissancemusik!!


    Du wirst diese Aufnahme lieben!


    LG joschi

  • Ich will mich ja nicht über Joschis Empfehlung lustig machen - Deller war einer der ersten Musiker der versuchte dem "originalen" Klang auf die Spur zu kommen - und nebenbei auch der erste Countertenor der berühmt wurde.


    Aber das war in den 60ern ....



    Aus heutiger Sicht ist das vollkommen veraltet und nur noch ein museales Relikt der Interpretationsgeschichte.
    Sorry aber als Empfehlung würde ich seine Aufnahmen nichtmal unter Zwang nennen.


    Die sind nur dann interessant, wenn man sich eben für Dellers Stimme begeistern kann, bzw. interessiert ist an der Entwicklung der historisch informierten Aufführungspraxis.


    Er hat ja auch den King Arthur eingespielt - auch wenn es die Frostszene in den Film "Molière" geschafft hat, würde ich trotzdem auch hier andere Einspielungen deutlich vorziehen. (nebenbei, der Fim ist aus den 70ern)


    Eine Aufnahme die der Musik wirklich gerecht wird, ist die Einspielung unter William Christie die Wolkenstein vorgeschlagen hat.
    Da machst Du garantiert nichts falsch, sie ist hervorragend aufgenommen, und Christie ist wirklich ein Spezialist für Barockmusik.


    Da ist auch schon eine ganz andere Behandlung des Continuos zu bemerken, erst recht was das Orchester anbelangt. Die Tänze stimmen von den Tempi her und das ganze ist mit viel größerer Routine (im positiven Sine) und Souveränität eingespielt.



    Der King Arthur unter Christie ist ebenfalls von gleicher Qualität. Ich hab noch keine Aufnahme gehört, die mir bisher besser gefallen hätte. Beide Einspielungen sind bei meinen Unverzichtbaren zu finden - und das hat seine Gründe.
    Außerdem ist das Begleitmaterial viel ausführlicher ;)


    :hello:

  • Zitat

    Original von der Lullist
    da möchte ich aber entschieden widersprechen :D


    Das Gengre der Consort Music hat ein anderer zur höchsten Vollendung gebracht - und da kommt Purcell auf Lichtjahre nicht heran, seine Werke verkümmern da zu anachronistischen "Schulübungen"


    Zunächst einmal ist festzuhalten: Locke starb 1677. Purcell, der sein Schüler war und sein Nachfolger als Organist der Westminster Abbey wurde, komponierte die Fantasien 1680. Anachronistisch sind sie in der Tat, weil Consort-Musik zu dieser Zeit schon nicht mehr modern war. Aber sie sind keineswegs "Schulübungen", sondern Meisterwerke, die noch einmal all das konzentriert zusammenfassen, was die englische Consort-Tradition ausgemacht hat - danach hat meines Wissens niemand mehr in diesem Stil komponiert.


    Consort-Musik war in England vor allem in der Spätrenaissance von Bedeutung. Ich nenne exemplarisch folgende Komponisten:


    William Byrd (1543-1623)
    Thomas Morley (1557-1602)
    John Dowland (1563-1626)
    Thomas Tomkins (1572-1656)
    Orlando Gibbons (1583-1625)


    Wenn man Purcell bezüglich der Fantasien mit anderen Komponisten vergleicht, dann sollte man hier ansetzen und nicht bei Locke, der schon "moderner" (und damit für den heutigen Hörer gefälliger) komponiert hat. Lockes Qualitäten als Komponist sind sicher unbestritten, aber Purcell greift sozusagen über ihn hinweg auf die Tradition der Spätrenaissance zurück.


    Was man unter "höchster Vollendung" versteht, ist sicher subjektiv. Ich verstehe hier darunter: Expressivität und harmonische Kühnheit, die aber niemals Selbstzweck ist, sondern sich aus kontrapunktischer Struktur und konsequenter linearer Stimmführung ergibt - Charakteristika, die auch auf Werke der oben genannten Komponisten zutreffen.


    Was verstehst Du bei Consort-Musik unter "höchster Vollendung"?


    :hello: Andreas

  • Danke! =)
    Da ich ein grosser William Christie Fan bin, muss ich mich Lullist voll und ganz anschliessen. Christie arbeitet auch mit wunderbaren Saengern, die ganz meinem Geschmack entsprechen. Das ist fuer mich extrem wichtig. Ich bin sehr sensible fuer passende oder unpassende(in menien Ohren!!!) Stimmen. Bei Harnoncourt ist das zwar überwiegend auch der Fall, aber seine Tempi finde ich manchmal doch etwas gewoehnungsbedürftig. Allerdings kenne ich die Fairy Queen mit ihm nicht. Wisst ihr zufaeliig, wer die Solisten sind?
    Und ob es auch gute DVD gibt?


    Fairy Queen :angel:


  • Hallo Raphaell!!


    Schön, dass du mir zustimmst!
    Ich hatte schon Angst, dass ich von dem Metier keine Ahnung habe! [aufatme]


    LG joschi

  • Hallo zusammen,
    ich würde als Einstieg in die Operas and Semi-Operas von Purcell durchaus auch die Einspielungen mit Christie empfehlen - obwohl zumindet für »The Fairy Queen« und »Dido and Aeneas« mit den Naxos-Aufnahmen des Scholars Baroque Ensemble preiswerte Einstiegseinspielungen vorliegen.


    Insgesamt muß ich gestehen, daß ich Christie bei Purcell zwar immer gut und überzeugend finde - aber den letzten Kick haben für mich zumeist andere Aufnahmen.


    Beim King Arthur hat für mich eindeutig Gardiner die Nase vorn:


    .


    Und was Dido an Aeneas anbetrifft - naja, ich kann nicht anders, als die Einspielung mit Tatjana Troyanos als Dido unter Sir Charles Mackerras an die Spitze zu setzten.



    Die Toyanos ist für mich Purcells Dido - in ihrem »Ah Belinda« und ihrem »When I am laid in Earth« sind Trauer und Schmerz beinahe physisch spürbar.


    Herzlichst,
    Medard

  • Ich besitze 5 verschiedene Aufnahmen von
    "Dido and Aeneas", alle wurden bereits in diesem Thread
    erwähnt. Was die Überzeugungskraft von Troyanos angeht,
    bin einer Meinung mit Klawirr, schätze
    aber auch sehr die Hogwood Aufnahme mit Bott und Kirkby,
    sowie die vor ca. drei Jahren bei "Virgin/Veritas"
    erschienene "Dido" von Le Concert D` Astree,
    dir. Emmanuelle Haim (Dido - Susan Graham,
    Aeneas - Ian Bostridge et al.) Im Übrigen wird dieser
    Tonträger gerade zu einem recht moderaten Preis
    von ca. 10 Euro in der örtlichen Filiale des allgemein
    bekannten Händlers angeboten, der sich nach
    einem Planeten dieses Sonnensystems nennt.



    :hello:


    Viktor

  • Zitat

    Original von ThomasBernhard
    [E]s lohnt auch die Beschäftigung mit dem Stück "Purcells Traum von König Artus" von TANKRED DORST. Er hat eine neue Rahmenhandlung um Arthur-Ausschnitte drumherum geschrieben, wurde vor ein paar Monaten in Wiesbaden uraufgeführt. das Stück dürfte mitlerweile bei Suhrkamp/Insel vorliegen.
    gruß, Markus


    Oh, danke für den Hinweis. Schön, daß Tankred Dorst die Beschäftigung mit dem Artus-Stoff wieder aufgenommen hat. Sein Merlin war/ist ja wirklich exorbitant!!
    Herzlichst,
    Medard

  • Nun ich verstehe unter höchster Vollendung, wenn man eine musikalsische Form weiterentwickelt und weitere Möglichkeiten auslotet, es eben auf die Spitze treibt - anstatt, etwas nur im Stil einer längst vergangen Zeit zu reproduzieren.


    Locke war da einfach weiter als Purcell, da er z.B. mit der Sammlung "Consort of Fower Parts" neue Wege ging.
    Ob das nun gefälliger ist, sei dahin gestellt - ich wüsste nicht, dass dies etwas an der Qualität der Musik ändert.


    Und seien wir mal ehrlich - wären die Fantasien von 1680 nicht von Purcell - kein Hahn würde danach krähen!


    Das gleiche Phänomen konnte man ja am Tempest beobachten - von der damaligen Fachwelt, als wohl bestes Stück Purcells umjubelt - dann wurde nachgewiesen, der Großteil der Musik stammte von Locke - und kein Mensch interessierte sich mehr dafür.


    Der Name ist wichtiger als das Werk.


    Den wichtigsten Vertreter der Consort Music hast Du leider unterschlagen, William Lawes, seine Musik galt zu seiner Zeit als die Vollendung, auf seiner Tradition baut Locke seine Kompositionen.
    Und Lawes - auch Jenkins gingen (natürlich) weiter als ihre Vorgänger - denn darum geht es ja, neue Wege zu finden.


    Oder ein anderes Beispiel: Rameau würde niemals als Vollender der frz. Barockoper gelten, wenn er stur im Stile Lullys komponiert hätte - die Komponisten die das getan haben, sind so gut wie vergessen.


    Deshalb denke ich die Fantasien von Purcell, sind überbewertet - und stehen im keinen Verhältnis zu den Meisterwerken die Locke hinterlassen hat.
    Das ist jedenfalls meine persönliche Meinung.


  • Hallo!
    ich bin jetzt zwar kein Spezialist, was englische Consort-Musik und ihre Tradition anbetrifft, will aber einen (gänzlich unfachmännischen und unwissenschaftilchen) persönlichen Eindruck schildern: ich habe mir, nachdem ich einen Großteil der Purcell'schen Operas und Semi-Operas kennen und lieben gelernt hatte, nach und nach auch seine andere Bühnenmusik (in der Hogwood-Box) seine Cembalowerke und schließlich auch die Consort-Musik angeschafft - und muß sagen, daß ich (abgesehen von verschiedenen Einzelwerken und Suiten für Cembalo) einigermaßen enttäuscht war. Große Teile seiner Schauspielmusiken sind ganz hübsch, aber bei weitem nicht auf dem Niveau wie »Dido and Aeneas«, »The Fairy Queen« oder »King Arthur« und die Violen-Fantasien fand ich (sorry!!) langweilig bis belanglos. Ich stehe bis heute kaum drei Sätzchen durch, ohne das starke Bedürfnis zu bekommen, die CD zu wechseln. Bei Jenkins geht mir das übrigens keinswegs so, auch nicht bei Dowland und erst recht nicht bei Locke. Also: am Genre kann's eigentlich nicht liegen...
    Somit würde ich des Lullisten Ausführen, die argumentativ weitaus qualifizierteren sind als mein persönliches Statement, zustimmen. ;)
    Herzlichst,
    Medard

  • Zitat

    Original von der Lullist
    Nun ich verstehe unter höchster Vollendung, wenn man eine musikalsische Form weiterentwickelt und weitere Möglichkeiten auslotet, es eben auf die Spitze treibt - anstatt, etwas nur im Stil einer längst vergangen Zeit zu reproduzieren.


    Genau das hat Purcell getan - ich habe nicht den Eindruck, dass es ihm um das "Reproduzieren" ging. Er hat angeknüpft, zusammengefasst und seinen Teil dazugegeben - nichts anderes tat rund 70 Jahre später Bach in der Kunst der Fuge.


    Zitat

    Und seien wir mal ehrlich - wären die Fantasien von 1680 nicht von Purcell - kein Hahn würde danach krähen!


    Ihre musikalischen Qualitäten sind für mich unabhängig vom Namen des Komponisten - ich würde sie genauso schätzen, wenn sie ein anderer englischer Komponist des 17. Jahrhunderts geschrieben hätte.


    Zitat

    Deshalb denke ich die Fantasien von Purcell, sind überbewertet


    Ob sie generell überbewertet sind, vermag ich nicht zu beurteilen. Mich persönlich haben sie fasziniert, seitdem ich sie zum ersten Mal gehört habe - in einer Aufnahme aus den 60er Jahren mit dem Concentus Musicus Wien. Im übrigen habe ich als (Hobby-) Musiker viele Jahre lang in einem Ensemble mit Schwerpunkt Spätrenaissance/Frühbarock englische Consort-Musik gespielt und dadurch möglicherweise eine andere Sicht als Du. Mein Eindruck ist, dass hier oft Werke mehr für die Spieler und nicht so sehr für die Hörer komponiert sind (was man im übrigen auch Werken Frescobaldis nachsagt), was der damaligen Musizierpraxis ja durchaus entsprechen würde. Auf den heutigen Hörer wirkt diese Musik nicht immer spontan ansprechend, weil sich ihre Qualitäten sozusagen tief (manchmal sehr tief) unter der Oberfläche verbergen.


    Zitat

    Original von Klawirr
    und die Violen-Fantasien fand ich (sorry!!) langweilig bis belanglos. Ich stehe bis heute kaum drei Sätzchen durch, ohne das starke Bedürfnis zu bekommen, die CD zu wechseln. Bei Jenkins geht mir das übrigens keinswegs so, auch nicht bei Dowland und erst recht nicht bei Locke.


    Das bestätigt im Grunde nur meine obige These. Dein Eindruck hat allerdings nichts mit dem Namen des Komponisten zu tun, sondern mit der Art der Komposition. Wahrscheinlich würdest Du Dich bei einer Fantansie von Byrd oder Morley genauso gepflegt langweilen...
    :hello: Andreas