Schönste Romantik - Griegs Klavierkonzert

  • Hallo, liebe Taminoianer,


    kürzlich habe ich mal in den vorbildlich von Alfred erstellten Index geschaut und dabei festgestellt, dass es doch noch viele unenddeckte Musikschätze gibt, jedenfalls bei uns im Forum :stumm:. Anscheinend suchen viele hiesige Schatzsucher schon an den unmöglichsten Orten, ohne jedoch an allen großen Kreuzen der allseits bekannten Musikgeschichtskarte gegraben zu haben. So hat sich nun unser unerschrockene Held :hello: aufgemacht, um es den Schafen gleich zu tun und auch die abgetrampelten Pfade noch einmal abzugrasen, und siehe da, er wurde fündig. In den kargen, nordischen Gefilden der Romantik fand sich ein überaus schöner Schatz:


    Das Klavierkonzert op.16 in a-moll von Edvard Grieg (1843-1907).


    Der Komponist war neben Niels Gade einer der ersten, die nordische Musik salonfähig machten und gilt bis heute diesbezüglich als großes Vorbild. In der Kindheit wurde er von der Mutter am Klavier unterrichtet und von Ole Bull, einem Freund der Familie, an der Geige. Danach folgte ab 1853 eine Reise nach Leipzig, wo er am dortigen Konservatorium Klavier und Komposition studierte. Doch das Heimweh trieb in 1862 nach Hause. Es folgte anschließend eine Reise nach Kopenhagen wo er seine Kousine und spätere Frau Nina Hagerup und auch Rikard Nordraak kennen lernte, einen jung verstorbenen dänischen Komponisten, der Grieg musikalisch sehr beeinflusste und dessen Werk Grieg bekannt machte.
    Nachdem eine von Gade angeregte Symphonie trotz mehrmaliger Aufführungen vom Komponisten als Eklat angesehen wurde, versuchte sich der Komponist an einem Klavierkonzert, dass dann auch 1868 fertig geschrieben war. Bis heute zählt es neben einigen lyrischen Stücken und den Holberg- und Peer-Gynt-Suiten zu den bekanntesten Werken Griegs. Dreisätzig aufgebaut, wird es von den beiden Echsätzen dominiert. Die ganze Bandbreite romantischen Empfindens wird ausgenutzt und es zeigt sich in dem Werk sowohl die eurppäische Tradition als auch nordische Impressionen in Melodik, Rhythmik und Harmonie, stellvertretend für Norwegen, die Heimat des Komponisten, deren glühender Patriot er sein Leben lang war.


    Nun sind aber eure Eindrücke und Empfehlungen gefragt.


    Viele Grüße
    nubar

  • Ein absolut grandioses Klavierkonzert, das bei mir weit oben auf der Liste steht.
    Besonders der lyrische Mittelsatz hat es mir angetan, aber auch die hochvirtuosen und griegtypischen Passagen in den Ecksätzen sind prädestiniert für meine Ohren. :yes:


    Trotzdem liegt mir "noch" nur eine Einspielung vor.



    In dieser Zusammenstellung romantischer Klavierkonzerte wird das Grieg-Konzert angeboten mit Philippe Entremont und dem Philadelphia Orchestra unter Eugene Ormandy (Sony).


    Andere Einspielungen sind mir nur flüchtig aus dem Radio bekannt (z.B. Andsnes), deshalb wird auch hier möglichst bald eine Zweitaufnahme hermüssen.



    Gruß, Peter.


  • Hallo
    meine Empfehlung für das Klavierkonzert von Grieg:
    Göteborger Symphoniker - Neeme Järvi - Lilya Zilberstein - DG
    erhältlich in vielen verschiedenen CD-Ausgaben. (auch lowprice)
    Der spezielle Klang der Göteborger ist einfach himmlisch und Järvi ist ein uneitler, werktruer Dirigent.
    Das Grieg-Konzert ist natürlich wunderschön, aber der kompositorische Gehalt und die Struktur des Werkes ist nicht auf den vorderen Plätzen der obersten Liga. Dennoch: Järvi mach Grieg zum allerfeinsten Genußmittel.
    Gruß, Markus

  • Sagitt meint:


    Zwei kleine Anmerkungen zu diesem Konzert. Lipatti bewies 1947- damals schon krank- dass er nciht nur tiefschürfender Interpret, sondern auch Virtuose war. Eine so transparente linke Hand im dritten Satz des Konzerts hört man selten. In einer Aufnahme der Reihe " Große Pianisten" ( leider nicht so erfolgreich wie der Klavier-Kaiser, aber viel besser) gibt es eine technisch verbesserte Version.


    Die zweite Aufnahme ist von Lars Vogt. Seine Debüt-Platte. Animiert und unterstützt von Rattle gibt er eine jugend-frische ( er war gerade 20) Version des Konzert, die dazu passend ist. Die Orchesterbegleitung gefällt mir ausnehmend gut und sollte gerade auch bei diesem Konzert nicht bernachlässigt werden.

  • Ja, mir gefällt dieses Klavierkonzert auch ausnehmend gut. Nicht unterschlagen sollte man die Aufnahme mit Radu Lupu. Sie trifft meinen Geschmack, weil das Klavierspiel des Herrn Lupu sehr einfühlsam, feinsinnig und klar ist. An der Orchesterbegleitung gibt es m.E. auch nichts zu bemängeln.



    Schumann: Klavierkonzert op. 54
    +Grieg: Klavierkonzert op. 16
    Lupu, London SO, Previn (Decca Legends)


    Gruß, Cosima

  • Hallo,


    ich möchte rappys Tipp im Klavierkonzerte-Thread aufgreifen und fragen, wie es mit der anderen Karajan-Einspielung aussieht. Vielleicht kann jemand etwas dazu sagen, auch wegen des Brahms-Konzertes.




    Gruß, Peter.


    Edit: Sehe gerade, dass die Grieg-Aufnahme ja mit Kubelik am Pult ist. Trotzdem wäre ich für eine Einschätzung dankbar. :)

  • Petemonova!! Für diese zwei Kompositionen, und auch nur für diese, gibt es je eine ultimative Aufnahme, die einem die Suche nach seinem Favorit abnimmt! Ohne Zweifel, diese beiden Aufnahmen sind mit die wichtigsten CDs, die in JEDER Sammlung vorhanden sein sollten.




    Du glaubst mir nicht? ;)
    Dann les dir die Amazon-Kundenbewertungen durch...


    Richter - Brahms


    Zimerman - Grieg


    Da kommt wirklich nichts anderes in Frage ;)

    "Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, daß sie ein Argument darstellt und untermauert, das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil und Geschmack und Idiom -, über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten des Chronisten hinausgeht.Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, der seine eigene Zeit bereichert, indem er keiner angehört." - Glenn Gould

  • Ja, rappy. Ich glaube dir ja.


    Den Richter habe ich ja selbst im Schrank. Und über den kommt keiner. Trotzdem würden mich andere Interpretationen durchaus interessieren. Die Zimerman/Karajan-Aufnahme ist wohl derzeit nur teuer über Seeweg zu bekommen, da lohnt es sich vielleicht eher, günstigere und leicht zu bekommende Aufnahmen, anzusehen.


    Übrigens: Du darfst mich gerne Peter nennen. ;)



    Gruß, Peter.

  • Da bin ich ja beruhigt :D
    Naja, seitdem ich die Harnoncourt/Buchbinder Aufnahme gehört habe und ein paar Ausschnitte aus dem Soloeinsatz mit den 16tel am Anfang des ersten Satzes von verschiedenen Interpreten, hab ich mir gedacht: oh Gott, fasse nie wieder eine andere Aufnahme an.


    Aber den Karajan-Grieg muss man wirklich haben :)

    "Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, daß sie ein Argument darstellt und untermauert, das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil und Geschmack und Idiom -, über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten des Chronisten hinausgeht.Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, der seine eigene Zeit bereichert, indem er keiner angehört." - Glenn Gould

  • Hallo Peter,


    ich kenne die Karajan/Zimerman-Aufnahme nicht, aber wenn Du schon auf dieser Seite nach Kundenrezensionen schaust, dann wirf doch auch gleich einen Blick auf die Bewertungen der Lupu/Previn-CD. Die klingen nämlich mindestens ebenso euphorisch. :)


    Ich habe eben noch mal quergehört, vor allem den wunderschönen rhythmisch-explosiv beginnenden dritten Satz. Lupu, Lipatti, Richter und Anda liegen mir vor. (Richter scheidet hier übrigens für mich ganz aus. Ein Elend, wie er hier auf die Tasten drischt. Das ist nicht der Richter, wie ich ihn kenne und liebe.)


    Keiner dieser Pianisten versinkt IMO so wunderschön in die innigen Momente dieses Konzertes und keiner vermag im Finalsatz das tänzerische Element so zum Strahlen zu bringen wie Radu Lupu. Das ist und bleibt meine liebste Einspielung.


    LG, Cosima


    P.S.: Ich habe übrigens gerade beschlossen, mich nie mehr an diesen „Liebsten“-Threads zu beteiligen. Am Ende ärgere ich mich immer, wenn ich etwas Schönes - wie in diesem Falle das Grieg-Konzert - nicht mit aufführte.

  • Hallo Grieg-Freunde,


    es gibt drei Aufnahmen des Grieg-Klavierkonzertes, die für mich ganz besonders wichtig sind. Zwei wurden bereits genannt, aber die dritte ist ebenfalls eine ganz große Aufnahme.


    1.) Die erste Aufnahme wurde bereits im März 2005 von Peter genannt. Es ist die Aufnahme mit
    Entremont / Philadelphia Orchestra / Eugene Ormandy von CBS 1958
    Diese ist bei mir auf einer CBS-CD mit dem Saint-Saens-Klavierkonzert Nr.2 gekoppelt (Superaufnahme und CD).


    2.) Zimerman / Berliner PH / Karajan Was Zimerman aufnimmt hat wiedereinmal Hand und Fuß. karajan und Zimmerman wie aus einem Guß.
    Rappy schreibt:
    "Aber den Karajan-Grieg muss man wirklich haben."
    Ich möchte dies Bekräftigen, aber ausdrücklich hinzufügen --- es ist der Zimerman-Grieg.


    3.) Die dritte Aufnahme ist für mich noch eindruckvoller, da neben dem perfekten Klavierspiel Fleisher´s auch ein ebenso absolut perfektes begleitendes Orchester den Solisten unterstützt:
    :jubel:Mein Favorit!
    Fleisher / Cleveland Orchestra / Szell auf CBS-CD, Aufnahme 1960
    Ich möchte an dieser Stelle nur wieder erwähnen, das bei Solokonzerten die orchestrale Begleitung von entscheidender Bedeutung für das Gelingen einer Aufnahme ist - bei Szell kein Problem.
    Zwei Ausnahmekünstler wieder ganz groß !

  • Hallo Wolfgang,


    kann es sein, dass die Fleisher / Szell CD vergriffen ist?
    Ich kann sie nirgens finden ?(


    Danke und Gruß, Maik

  • Zitat

    Original von Maik
    kann es sein, dass die Fleisher / Szell CD vergriffen ist?
    Ich kann sie nirgens finden ?(


    das kann sehr gut sein, sie ist uralt, aus den späten 80ern als noch CDs unter "CBS" verlegt wurden". Eine Neuauflage (hoffentlich besserem remastering) ist lange überfällig. Aber das ist halt Sony, die kennen anscheinend nur noch einen einzigen Pianisten aus ihrem Backkatalog...


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo maik,


    nein - die CBS-CD aus den 80er Jahren ist leider gestrichen.
    Die Fleisher/Szell Aufnahme des Grieg-Klavierkonzertes ist zwar bei amazon aufgeführt, aber ohne einen Anbieter. Es steht nur da:
    Führen wir nicht oder nicht mehr - Jetzt gebraucht vorbestellen.


    =) Aber keine Sorge, solche Aufnahmen bleiben nicht in der Versenkung verschwunden, das nächste Jubiläum kommt bestimmt und dann will SONY Geld damit verdienen - sollen sie ja auch !

  • also ich bleibe ja dabei, daß ich den


    Järvi/Zilberstein-Grieg über die folgenden mir bekannten Aufnhamen setze, als da wären:


    Karajan/Zimerman-Grieg
    Kubelik/Anda-Grieg
    Wallenstein/Rubinstein-Grieg


    Eine hier noch nicht genannte Aufnahme werde ich jetzt gleich mal wieder anhören, nämlich:


    Sir Colin Davis - BR RSO - Murray Perahia, 1988 - hat mir beim Ersthören glaube ich auch sehr gefallen.


    Meine erste CD dieses Konzerts war zwar Karajan/Zimerman, daß mich aber Järvi/Zilberstein so nachhaltig beeindruckt hat, kann ich mir auch nicht erklären, aber so isses nun mal.

  • Zitat

    Original von Cosima

    Keiner dieser Pianisten versinkt IMO so wunderschön in die innigen Momente dieses Konzertes und keiner vermag im Finalsatz das tänzerische Element so zum Strahlen zu bringen wie Radu Lupu. Das ist und bleibt meine liebste Einspielung.


    Hallo Cosima,


    dem kann ich mich nur voll und ganz anschließen. Auch mir ist keine weitere Aufnahme bekannt, bei welcher der erste Einsatz des Klaviers im 2. Satz (vielleicht der innigste Moment!?) dermaßen feingliedrig und zart daher kommt, wie bei Lupu. Die Musik scheint förmlich zu schweben.
    Wirklich wundervoll!!


    LG
    Wulf.

  • hallo,


    es gibt eine ganze reihe von exquisiten einspielungen des grieg-konzertes. meine favoriten:


    dinu lipatti/philharmonia orch./karajan (EMI, dutton-reihe), sehr flexibel und federnd rhythmisch. sonorer anschlag.


    anda/berl. philh./kubelik (DG), sehr warme und pianistisch engagierte aufnahme.


    fleisher/cleveland orch./szell, sehr energetisch.


    stephen (bishop) kovacevich/LSO/c. davis (philips), IMO referenz, wenn man alle parameter berücksichtigt für ADD


    zimerman/berl. philh./karajan (DDD), exzellente aufnahme mit IMO zu direktem klavierklang. der flügel hat hier wohl sein mikrophon direkt unter dem deckel gehabt. hatte man sorge, dass zimerman sich nicht gegen das orchester behaupten könnte ?


    andsnes/berl. philh./jansons (EMI), eigentlich (IMO) die DDD-referenz. alles ist perfekt. nur finde ich andsnes immer etwas emotionsarm, ja kalt.


    am liebsten höre ich letztlich andas aufnahme, wahrscheinlich, weil ich damit 'groß wurde'. als man artur schnabel lipattis berühmte aufnahme bei EMI vorspielte, verlangte schnabel, gleich die kadenz im ersten satz zu hören. und so ist es auch (IMO), hat man die kadenz gehört, weiß man über den pianisten (und das konzert) bescheid :D


    gruß, siamak

  • hat jemand von euch diese Aufnahme



    mit Michelangeli / New Philharmonia Orchestra / Frühbeck de Burgos?


    Ich habe sie im Radio gehört (angeblich war es diese Aufnahme) und bin darüber etwas ins Rätseln gekommen.
    Eine großartige Aufführung, zweifellos, aber...


    ein dilettantischer Mitschnitt, wie man ihn der BBC eigentlich nicht zutrauen würde:
    1. mono (1965!)
    2. das Tonbandgerät lief nicht mit Normgeschwindigkeit und wurde sogar im Verlauf des Konzerts merklich langsamer.
    Mit Normalgeschwindigkeit bei der Digitalisierung abgespielt ergibt sich jedenfalls folgendes:
    Anfangstonhöhe ist ca 1/6 Halbton zu hoch (ca 440 Hz Stimmtonhöhe vorausgesetzt). Das steigert sich im Verlauf des Konzerts, insbesondere während des letzten Satzes zu sagenhaften 2/3 Halbton (am Ende also statt A-Dur eher ein tiefes B-Dur).


    Auch was die Geschwindigkeit angeht, haben wir es hier nicht mehr mit vernachlässigbaren Schwankungen zu tun. 2/3 Halbton zu hoch bedeutet 4% zu schnell, das entspricht einer Stufe auf dem Metronom.
    Ganz so rasend schnell hat ABM also doch nicht gespielt.


    Ich hab für mich versuchsweise eine tonhöhenkorrigierte Fassung erstellt, die ist tatsächlich beeindruckend (abgesehen vom anachronistischen Mono).
    Aber wieso um alles in der Welt kommt bei der BBC niemand auf diese Idee? :boese2:


    Sollte ich nur einer speziellen unkorrigierten Radiofassung aufgesessen sein, dann nehme ich alles zurück und behaupte das Gegenteil.
    Kann von euch jemand überprüfen, ob Anfangs- und Endtonhöhe etwa mit der normalen Tonhöhe übereinstimmt?


    Gruß, Khampan

  • Hallo Khampan


    1965 waren Live-Mitschnitte von Konzerten beim Rundfunk in mono ganz und gar nicht anachronistisch! Da gab es noch gar nicht so viele Sender mit Stereo-Programmen und es hat es noch einige Zeit gedauert, bis beim Rundfunk auch die Live-Mitschnitte generell in Stereo gemacht wurden.

  • upps, danke Theophilus, wieder etwas gelernt.
    Aber wurde denn nicht wenigstens vorsorglich in Stereo aufgezeichnet? Die BBC hat doch immer wieder gerne ihre Vorreiterrolle betont ?(


    Jedenfalls ist ein derartiger Tonband-Schlupf einer Rundfunkanstalt unwürdig, von ABM gar nicht zu reden.


    :hello: Khampan

  • Hallo Khampan,
    das mit dem Mono hat Theophilus ja schon erklärt.


    Der Rest deiner Ausführungen läßt mich ein wenig zweifeln.
    Wann wurde diese Aufnahme im Jahre 1965 gemacht?
    Vieleicht im Hochsommer bei den Proms?


    Wenn dies der Fall sein sollte, dann kann ich Dir versichern, daß unter den dann gegebenen klimatischen Bedingungen ( sehr ansteigende hohe Luftfeuchtigkeit während des Konzertes bei relativ hohen Temperaturen) eine solch hohe Schwankung der Tonhöhe passieren kann.
    Und die 440Hz als Ausgangsbasis sind ja auch nur eine Vermutung.
    Ich glaube kaum, daß 1965 ein Oboist da gesessen hat mit einem elektronischen Stimmgerät, das ihm zeigte: Du bist 1/6 über 440Hz..........


    Ich habe das selber sehr oft erlebt, daß im Hochsommer am Ende eines Konzertes mein Instrument weitaus mehr als einen Viertelton raufgegangen ist.



    Zitat

    Kann von euch jemand überprüfen, ob Anfangs- und Endtonhöhe


    Genau das muß auch in einem unter normalen klimatischen Bedingungen erfolgtem Konzert nicht der Fall sein.


    Die Instrumente steigen durchaus stark in der Tonhöhe, es sei denn, eine Klimaanlage läuft beim Konzert die ganze Zeit mit.
    Aber vor allem ältere Klimaanlagen werden wegen ihres meistens hörbaren Geräusches vor dem Konzert abgeschaltet.
    Die Folge ist, daß die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur zunimmt und die Instrumente stellenweise extrem raufgehen.


    Und 1965 gabe es halt nur aus heutiger Sicht alte Klimaanlagen, wenn überhaupt, in einem Konzertsaal.


    Irre ich mich, oder gibt es beim Grieg-Konzert keine Möglichkeit, zwischen den Sätzen nachzustimmen? :D


    Eben, es gibt diese Möglichkeit nicht.....


    Ich müßte mir das selber einmal anhören, um es wirklich beurteilen zu können.
    Aber dies sind meine hoffentlich berechtigten Vermutungen zu den von Dir beschriebenen Tonhöhenveränderungen.

    Zitat

    Jedenfalls ist ein derartiger Tonband-Schlupf einer Rundfunkanstalt unwürdig, von ABM gar nicht zu reden.


    Ich wäre mir da nicht so sicher.

    Zitat

    Ganz so rasend schnell hat ABM also doch nicht gespielt.


    Wer weiß?


    LG,
    Michael


  • Ich möchte hier nur wieder mal darauf hinweisen, dass ABM viele Einspielungen nicht autorisiert hat, und auch nachträglich autorisierte Einspielungen aberkannt hat, bezüglich Autorisierung. Ferner:
    wie anno 1965 die Tontechnik war, weiß ich persönlich nicht, ich war damals ja noch ein Kind, trotz meines hohen Alters heute.


    Jedenfalls gibt es unheimlich viele Einspielungen, die von ABM nicht autorisiert wurden, die heute in Massen kursieren.


    Lieben Gruß
    Micha

  • Lieber Michael,
    interessanter Punkt, den ich mit einem youtube-video unterlegen will.
    Völlig abgedreht (wie ich finde):
    Celibidache spricht über die "sensitivity" von Michelangeli...
    *ttp://www.youtube.com/watch?v=JwhdrYU2H_o
    :faint:

  • Hallo,


    das Klavierkonzert von Edvard Grieg ist auch eines meiner Lieblings-Klavierkonzerte. Alle Sätze sind hoch inspiriert. Ein besonders schöne Aufnahme habe ich neulich bei jpc gefunden. Sie wurde 1973 aufgenommen und ist daher schon etwas historisch. Valeria Walewska spielt das Klavierkonzert wunderschön phrasiert und artikuliert, jede Note ihres Spieles ergibt einen Sinn. Sie spricht und singt am Klavier. Die Wiener Symphoniker unter Erich Langer spielen ebenfalls wunderschön ausphrasiert.


    Die CD enthält auch eine wundervoll gelungene Aufnahme von Pjotr I. Tschaikowskys erstem Klavierkonzert. Auch hier phrasiert und artikuliert Valeria Walewska wundervoll, jede Note ergibt einen Sinn. Sie ist auch hoch virtuos, allerdings steht das bei ihr nicht im Vordergrund, ihre Virtuosität dient ganz und gar der Musik. Hier begleitet das Orchester der Wiener Staatsoper unter Hans Swarowsky, ebenfalls sehr inspiriert.


    In beiden Aufnahmen wird nie forciert gespielt, aber sehr ausdrucksvoll und sehr emotional, was ich sehr liebe.


    Das Klangbild aus dem Jahr 1973 (Stereo) ist nicht optimal, allerdings kann ich es nicht sicher beurteilen, da ich im Moment aufgrund eines Umbaus meine großen voll aktiven Dreiwegesysteme (exakt eingemessen am Hörplatz) nicht verwenden kann.



    Liebe Grüße


    Andreas

  • Zwei Aufnahmen, die bisher noch nicht genannt wurden, aber auf jeden Fall erwähnenswert sind:



    Roland Pöntinen; Bamberger Symphoniker/Leif Segerstam (1987)
    Spielzeiten: 12:45 - 6:40 - 9:57



    Noriko Ogawa; Philharmonisches Orchester Bergen/Ole Kristian Ruud (2002)
    Spielzeiten: 13:20 - 6:45 - 10:49


    Daneben gibt es noch eine Einspielung der Originalversion von 1868:



    Love Derwinger; Symphonieorchester Norrköping/Jun'ichi Hirokami (1993)
    Spielzeiten: 13:09 - 6:37 - 10:53


    Grieg überarbeitete das Klavierkonzert danach noch mehrfach, mindestens siebenmal. Die heute üblicherweise gespielte Version entstand erst wenige Wochen vor seinem Tod am 4. September 1907.


    Ich merke gerade, dass alle drei Aufnahmen kurioserweise wieder mal auf dem schwedischen Label BIS erschienen sind. :D

  • Dieses Konzert wird immer wieder unterbewertet und verachtet, wie Edvard Grieg sowieso im Allgemeinen.


    Das ist sehr bedauerlich.


    Für mich ist dieses Konzert eines der Besten und Interessantesten überhaupt.


    Eine Aufnahme steht für mich weit über allen Anderen:


    JORGE BOLET (KLAVIER)
    RADIO-SINFONIE-ORCHESTER BERLIN,
    RICCARDO CHAILLY (DIRIGENT)
    [DECCA, 1985]


    Eigentlich interessieren mich andere Aufnahmen dieses Konzerts nicht mehr, aber von mir aus kann ich noch folgende Aufnahmen durchgehen lassen:


    - Leon Fleisher, Cleveland Orchestra, Szell (Sony, 1960)
    - Olli Mustonen, San Francisco SO, Blomstedt (Decca, 1994)
    - Walter Gieseking, Philharmonia Orchestra, Karajan (EMI, 1951)


  • Da bin ich mal gespannt. eine, die Du durchgehen lässt, die mit Fleisher/Szell (CBS) ist mein Favorit (ausserdem Zimerman/Karajan (DG)).
    8o Da bin ich mal gespannt, wie Bolet / Chailly vergleichsweise bei Grieg und Schumann rüber kommen; ausserdem in TOP-Decca-Qualität !


    ^^ Die CD habe ich gerade für 13Cent bestellt ... die letzte Preiswerte ...
    =>
    Decca, 1985, DDD




    Da die hervorragende Fleisher / Szell - Aufnahme noch keine Abb in diesem Thread hat, hole ich dies heute nach.
    Aber auch mit dem Hintergrund, die 1.Rezension dort bei amazon zu lesen !


    Da wird bereichtet, dass Fleisher /Szell hier eine hochvirtuose Int bei Schumann und bes.passend bei Grieg abliefern ... die "tonpoetische Seite" würde eher nicht so wichtig genommen, was mir da sogar entgegenkommen dürfte, ;) als das ich mir "romantisches Geplänkel" antun müsste.


    - es gibt auch eine teurere SONY-Version ... ich habe diese ausreichend gut klingende von CBS:
    =>
    CBS, 1960, ADD



    SONY, 1960, ADD

  • Lieber Agon und Wolfgang,


    das Grieg-Konzert ist ein 'Schlachtross' wie z.B. Das 1. Tschaikowski oder das 2.Saint-Saens. Ich mag es durchaus. Aber ich verhehle es nicht, dass mir die Solo-Kadenz im 1. Satz am meisten gefällt. Ich kenne die Fleisher/Szell-Aufnahme, Andsnes/Jansons, Kovacevich/Szell, Arrau, Rubinstein und Richter. Auf CD verfügbar habe ich folgende mit Kurzbewertung:


    Geza Anda, p
    Rafael Kubelik, cond
    Berliner Philharmoniker
    (DG, ADD, 1963)


    Interpretation: 9/10
    Klang: 8/10


    Mit dieser Aufnahme habe ich das Konzert damals auf MC kennengelernt. Bis heute ist diese Aufnahme von mir sehr gemocht. Es ist hier breit angelegt und klanglich für 1963 extrem gut. Andas Entwicklung der Kadenz ist grandios.



    Dinu Lipatti, p
    Alceo Galliera, cond
    Philharmonia Orchestra
    (EMI, AAD, 1947)


    Interpretation: 10/10
    Klang: 6/10


    Lipattis Attacken sind elektrisierend, sein Ton betörend sonor.
    Ich habe irgendwie in Erinnerung, dass man diese Lipatti-Aufnahme Gieseking vorspielte, um seine Meinung zu hören, oder war es Schnabel ? Jedenfalls hatte der Maestro keine Lust, den ganzen ersten Satz zu hören und wollte gleich die Kadenz hören.



    Krystian Zimerman, p
    Herbert von Karajan, cond
    Berliner Philharmoniker
    (DG, DDD, 1982)


    Interpretation: 9/10
    Klang: 8/10


    Eine der ersten DDD der DG. Die hatte ich damals auch auf MC. Der sehr junge energetische Zimerman und der auf breit-orchestrale Darstellung bedacht nicht mehr junge Karajan. Man hört den Dissenz und das macht den Reiz insbesondere aus. Klanglich famos.


    LG Siamak

  • Ich finde beim Grieg Konzert immer noch die Aufnahme von Rubinstein mit Wallenstein gerade auch von der Idiomatik - dem "Grieg-Ton" her her ein Ideal. Sehr beeindruckt mich ebenfalls die Anda/Kubelik-Aufnahme. Und natürlich ABM. Hier seine Aufnahme mit Mario Rossi von 1963:



    Schöne Grüße
    Holger