DVD-Video: Die Meistersinger

  • Moin,


    da die Auswahl dieser Oper, einer meiner Lieblingsopern, auf DVD nicht gerade gross ist, dachte ich, ich starte mal ein Thema, in dem die verschiedenen Aufnahmen zusammen rezensiert werden.


    Dann fangen wir doch mal an:


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    Ich kenne diese Aufnahme nicht, habe nur vor vielen Jahren die Inszenierung in einer anderen Besetzung (Weikl, Thielemann) live gesehen. Das war ganz toll !! :yes: Auch wenn jetzt irgendwelche Thielemann-Hasser :D über mich herfallen.


    :lips:



    Kennt diese Aufnahme jemand?


    :lips:



    Hier ein paar Links zu Diskussionen, die schon im Forum gelaufen sind:


    James Levine - Popularität mit Ablaufdatum ?


    Was höre und sehe ich zur Zeit an DVD


    Meine Meinung: höchstens zum Anhören, wenn man nicht spätestens im Vorspiel zum dritten Akt eingeschlafen ist.


    :lips:


    -Jose van Dam
    -Peter Seiffert
    -Petra-Maria Schnitzer
    -Matti Salminen
    -Chor des Opernhauses Zürich
    -Orchester der Oper Zürich
    -Welser-Möst


    Gibt noch kein Bild,
    Ist oder kommt die Tage je nach Quelle heraus.


    Ich sass in einer der Vorstellungen für die DVD-Aufnahme. Da das Orchester so laut gespielt hat (das ist absolut unüblich, es schepperte immer in der Decke über mir), dass man die Sänger kaum gehört hat, und das ist in Zürich eigentlich aufgrund der Grösse des Opernhauses gar nicht möglich, möchte ich nichts über die sängerischen Leistungen schreiben. Das Orchester hat mir prinzipiell gut gefallen, ich hoffe sie mischen die Lautstärke für die Aufnahme zurecht.


    Der Hammer war aber die Inszenierung: Jeder Akt war anders inszeniert.
    1. Akt: wie zur Zeit Wagners => absolut abscheulich :evil:8o
    2. Akt: Hommage an Bayreuth und Wieland Wagner, alles hinter einem weissen Gaze-Vorhang, zwei Rampen, ein Holunderbusch und diverse Lichtefekte. => wers mag :wacky:
    3. Akt: philosophisch bunt an die Antike angepasst => ein berauschendes Fest :jubel:
    Die Kleidung und Maske wechselte auch. (z.B. Beckmessers Bärte)


    Nach dem ersten Akt fragte mich meine Frau, ob ich gehen wolle? Zum Glück hat der dritte Akt, bis auf die Lautstärke des Orchesters, dann alles wieder heraus geholt.


    Sobald mein lokaler DVD-Höckerer die Aufnahme im Regal stehen hat, werde ich da mal reinschauen und -hören.

  • Moin,


    hier das Cover der Zürcher Meistersinger:



    Die Inszenierung ist übrigens von Nikolas Lehnhof.


    Und dann habe ich noch reingehört und mir sind wieder Dinge eingefallen, die ich in der Rezension oben vergessen hatte.


    Welser-Möst dirigiert die Ouvertüre nicht im D-Zug-Tempo sondern im Transrapid-Tempo. Ich vermute, das ist neuer Weltrekord. Zum Glück reduziert er in der Oper dann das Tempo.


    Meiner Meinung nach ist die Abmischung genau so schlecht, wie ich es live gehört habe. Man hört die Sänger nicht, dann hört man das Orchester nicht und plötzlich sagt der Sachs etwas und man fällt förmlich um, da er genau unter dem Mikro stand.


    Der erste Akt ist auch beim zweiten Mal schauen abscheulich.
    Der zweite Akt ist nicht Video tauglich, da die Gaze nur noch Figuren dahinter erahnen lässt, und von den Sängern hört man auch nichts.
    Der dritte Akt gefällt mir weiterhin sehr gut.


    Sänger: ich konnte nun doch einiges verstehen und muss sagen, sowohl die Matilla, der Pape, als auch der Heppner bei Levine gefallen mir besser als Peter Seiffert, Petra-Maria Schnitzer, Matti Salminen. Van Dam gefällt mir besser als Morris, hatte mich aber live schon nicht voll überzeugt (Mist, immer Weikl im Hinterkopf).


    Technisch ist die DVD (EMI) deutlich schlechter als die Zürcher Aufnahmen , die ich von Arthouse kenne oder TDK besitze.


    Und dann gibt es nur ein Beipackzettel mit der Besetzung und den einzelnen Tracks, dafür aber preiswerter, als die anderen Aufnahmen.


    Ich kann diese Aufnahme nicht empfehlen. Ich hoffe, dass jemand anders ihr doch etwas abgewinnen kann, da ich den dritten Akt von der Inszenierung wirklich toll finde.

  • Lieber Radagast,
    Du frägst, ob jemand dieser Aufnahme etwas abgewinnen kann. Du hast ihn in mir gefunden.
    Meine Meinung in der Kürze:
    Beckmesser, David, Magdalene schauspielerisch und sängerisch hervorragend.
    Sachs, Stoltzing, Eva gut bis sehr gut (Sachs als sehr altersweise, van Dam hat den Zenit schon etwas überschritten).
    Welser-Möst: Für meinen Geschmack etwas zu breit, habe allerdings einen Tag zuvor die Aufnahme mit Böhm aus 1964 - Bayreuth - gehört (Turbo-Lader-Interpretation)


    PS: Krankhafte Thielemann-Hasser befinden sich in einem anderen Forum. Es noch viel zu tun, für Siegmund Freud.

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")

  • Auch ich habe mir gestern die angesprochene DVD aus Zürich geleistet und direkt gestern und heut genossen und das wirklich!
    Mir gefällt sie sehr gut! Die Inszenierung trifft absolut meinen Geschmack, kein moderner sinnlos reininterpretierter Kram sondern einfach eine Inszenierung die schön anzusehen ist...
    Auch gesanglich find ich sie sehr gut! Peter Seiffert liegt Wagner einfach klasse (auch als Tannhäuser eine echt Topbesetzung), mit Michael Volle einen sehr guten Beckmesser und zu Van Dam braucht man nix sagen, der ist einfach klasse als Wagnersänger! Und der Sachs kommt hier auf Grund seines Alters als ein sehr sehr Weiser Mann rüber,was aber wie ich finde noch recht gut passt...
    Auch die sonstigen Sänger gefalllen mir gut, vorallem Christoph Strehl als David. Als Abstrich seh ich die Magdalene (Brigitte Pinter) die mir einfach stimmlich nicht gefällt da der Ton sehr grell und schrill ist.


    MfG Richard

  • Moin,


    da ist ja wieder eine neue Aufnahme der Meistersinger erschienen.


    Hat dazu jemand eine Meinung?



    Ich habe gerade Theophilus Kommentar gefunden:


    Zitat

    Original von Theophilus
    Richard Wagner
    Die Meistersinger von Nürnberg


    Horst Stein


    Rein musikalisch eine überdurchschnittlich gute Produktion, die aber übermächtige Plattenkonkurrenz hätte, als Video jedoch in Verbindung mit der sehr gut ansehbaren (und jederzeit erkennbaren!) Wolfgang-Wagner-Inszenierung eine echte Empfehlung.

  • Hallo,


    in einem gebe ich Theophilus Recht: diese Inszenierung ist jederzeit als eine von Wolfgang Wagner zu erkennen. Wenn man die "Meistersinger" als harmlose, altfränkische Butzenscheiben-Komödie mit zwangsharmonisiertem "Ende gut - alles gut"-Schluss goutiert, wird man an dieser DVD wenig auszusetzen haben.


    Am besten gelingen vom Bühnenbild her noch die Innenräume: Katharinenkirche und Schusterstube. Aber die Gasse vor Sachsens Haus und die Festwiese sind von einer Sterilität, wie man sie von Ortschaften kennt, die bei "Unser Dorf soll schöner werden"-Wettbewerben Preise eingeheimst haben (in seiner letzten Bayreuther "Meistersinger"-Inszenierung war es allerdings noch schlimmer). Die Bäume und Büsche in der Gasse sehen aus wie Kübelpflanzen, die man zu dekorativen Zwecken dort abgestellt hat. Und der Blick auf Nürnberg durch die Sichtachse? Ein Baum und zwei Dächer, ansonsten Leere. Da hätte man doch auch mehr machen können und sollen. Das gilt auch für die Personenregie. An den ungleichen darstellerischen Leistungen kann man ersehen, dass der Regisseur Wagner mal wieder mit altväterlicher Routine an die Sache herangegangen ist und es den Darstellern selbst überlassen bleibt, das Beziehungsgeflecht der Figuren zu erhellen. Bei den Chorszenen das Übliche: Am Ende des 2. Aktes Bewegungschor und Standchor, der Tumult eine Slapstick-Prügelei auf Wirtshaus-Niveau, der nicht Gefährliches anhaftet. Man könnte meinen, hier habe nicht der Wahn, sondern ein "Wähnchen" gehaust.


    Herausragend unter den Solisten Bernd Weikl als Sachs. Endlich einmal kein gütiger, verständnisvoller Opa, sondern ein Mannsbild in den besten Jahren voll Saft und Kraft, bei dem man sich durchaus vorstellen könnte, dass Eva ihn nicht nur aus taktíschen Gründen heiraten würde ("Denn hatte ich die Wahl, nur Dich erwählte ich, Du wärest mein Gemahl..."). Schauspielerisch exzellent zeigt er die verschiedenen Facetten des Schusterpoeten: Ironie, Witz, Ernst, Nachdenklichkeit, Rührung. Auch wenn die Partie eigentlich einen hohen Bass erfordert, bemerkt man eigentlich kaum, dass Weikl "nur" ein Bariton ist, da dieser hinreichend dunkel timbriert ist. Dafür hat er wieder bei den Spitzentönen, insbesondere auf der Festwiese, keine Probleme. Also insgesamt ein sehr befriedigendes Rollenporträt. Das kann man - mit einigen Einschränkungen - auch für Preys Beckmesser sagen. Schauspielerisch ist er nicht so gut wie Weikl, benutzt mehr Standardgesten und ist im Spiel weniger variabel. Dazu ist er typenmäßig eigentlich zu sympathisch für die Figur, zu "goodie goodie". Die tiefe Tragik der Figur wird nicht recht sichtbar, der vernichtend blamable Auftritt auf der Festwiese ist keine Katastrophe, sondern ein Lapsus, der durch einen falschen Versöhnungshandshake mit Sachs im Vorbeigehen wieder ungeschehen gemacht wird. Wie gesagt, eine typische Wolfgang-Wagner-Inszenierung... Aber gesanglich ist Prey eine Luxusbesetzung, mit sehr schönem, ausdrucksvollem und unkarikiertem Vortrag. Einzig die H-Aspirationen bei den verzierten Stellen (Gu-hu-hu-hu-hunst, Du-hu-hu-hu-hunst) und gelegentliches Konsonantenrollen (Drrrrrummmm, Ritterrrrr) stören. Jerusalems Stolzing, darstellerisch etwas hölzern und zu wenig arrogant, glänzt vor allem dort, wo er seinen damals noch schönen lyrischen Tenor in langen Kantilenen ausstellen kann. An die Stimmgrenzen gerät er aber bei den Wutausbrüchen im 2. Akt, wo man Verhärtungen und gelegentliches Pressen hören kann. An der Eva der Frau Häggander gibt es gesanglich nichts auszusetzen, darstellerisch bleibt sie eindimensional, "ein braves Kind, gefragt nur spricht´s". Marga Schimls Magdalene ist rollendeckend, wenn auch etwas alt für den David Graham Clarks, der mit einem durchschlagskräftigen Charaktenor und großem schauspieleischem Einsatz und Agilität (Sprung am Ende des 2. Aktes) glänzt (optisch erinnert er mich an Roger Daltrey von "The Who"). Manfred Schenks Pogner bleibt gesanglich wie darstellerischblasser Durchschnitt (Matthias Hölles Nachtwächter weiß da mit seinem kurzen Auftritt mehr zu beeindrucken), die übrigen Meister sind o.k. (aber keine scharfe Charakterzeichnung wie etwa bei der Götz-Friedrich-Inszenierung aus Berlin). Die Ausnahme ist der Pogner, der von einem gewissen Jef Vermeersch desinteressiert und stimmlich langweilig dargeboten wird.


    Das Orchester unter Stein angenehm unaufdringlich, der Dirigent entdeckt die Partitur zwar nicht neu, schiebt sich aber auch nie in den Vordergrund. Eine kapellmeisterliche Leistung, in bestem Sinne.


    Das Gesamturteil: Musikalisch recht gut, aber da gibt es als CD-Aufnahmen, wie Theophilus schon richtig bemerkte, übermächtige Konkurrenz (Weikl ist hier aber besser als in der Sawallisch-Aufnahme). Inszenierung: Na ja, sie stört nicht weiter, eröffnet aber auch keine tiefergehenden Facetten des Werkes. Die allfällige Beckmesser-Sachs-Versöhnung kann man besser inzenieren, wenn man sie denn unbedingt will (sie entspricht ja durchaus nicht den Intentionen Wagners). In dem leider immer noch nicht greifbaren Züricher Mitschnitt von 1984 z.B. sitzt Beckmesser nach seinem Vortrag niedergeschlagen an einem Tisch mit den übrigen Meistern, die ihn in ihrem Jubel für Sachs nicht mehr beachten. Einzig Sachs (Donald McIntyre), dem der Rummel um seine Person unheimlich ist, bemerkt den Merker und legt ihm tröstend-aufmunternd den Arm auf die Schulter, worauf Beckmesser zu ihm aufblickt. Eine subtile und anrührende Lösung, die Regisseur Dresen da fand. Aber in Bayreuth hat nun einmal leider nur Wolfgang Wagner inszeniert...


    Grüße


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)