Simone Kermes: Die Ba-Rock-Lady

  • "Kulturschock durch Punk-Lady"


    ...betitelt Waltraud Brunst im Morgenweb das Konzert der Sopranistin Simone Kermes bei den Schwetzinger Festspielen.


    ...oder, wie der Amerikaner sagen würde:

    This Lady puts the rock in "Barock"


    Während Frau Brunst vor allem die orthopädisch bedenklichen Absätze der Kermes für erwähnenswert hält, hat mich, die ich die unglaubliche Freunde haben durfte, das Spektakel live zu erleben, vor allem eines zutiefst beeindruckt, ja geradezu umgehauen:


    Die Stimme.


    Frau Kermes singt Koloraturen, die so unfassbar sind, dass am Ende der Arien mehrfach [nach einer kurzen Luftholpause] ein Aufschrei durch das Publikum ging, begleitet von stürmischem Applaus. Dabei hat sie einen natürlichen Stimmklang bewahrt, wie man ihn bei Opernsängerinnen, die ein derartiges Niveau an Virtuosität erreicht haben, selten [will sagen: nie] erlebt hat.
    Unnatürlich hingegen empfand ich es, dass nach dem Ende einer Wahnwitzigen Koloraturkette kein tosender Jubel ausbrach, sondern das Publikum seine Ausbrüche pflichtbewusst, wenn auch schweren Herzes bis zum Verstummen des letzten Geigentones zurück hielt. Ich hätte mir gewünscht, dass der bei Jazzkonzerten übliche "Szenenapplaus" am Ende eines Solos auch dem Klassikpublikum zustünde, zumal dieser von den Komponisten offensichtlich eingeplant ist, da die Streicher in der Regel nach einer Koloratureinlage bis zum Ende der Arie lediglich bereits bekannte Motive wiederholen.



    Eine Mischung aus Marilyn Monroe und Gabi Koester.*


    Bei aller Oberflächlichkeit von Brunsts Betrachtungsweise, muss ich ihr in einem Satz Recht geben:

      "Ein Gesamtkunstwerk vom Scheitel bis zur Sohle: feuerrote Haare hoch aufgetürmt, ein federplustriges Designer-Gewand mit Ballonrock und Schößchenjacke..."


    Die Bühnenpräsenz von Frau Kermes ist mindestens so unfassbar, wie ihr virtuoser Gesang. Die Verwendung eigentlich barocker Attribute wie Turmfrisur und Schößchenrock übertrug sie so brillant in die heutige Zeit, dass dem Publikum beim ersten Anblick der Sängerin förmlich der Atem stockte.


    Kermes agiert auf der Bühne weiblich, verführerisch, humorvoll, temperamentvoll, dass es eine wahre Freude ist, ihr zuzusehen. Ihr ungezwungenes Gebaren unterstreicht den Höreindruck, dass ihr hochvirtuoser Gesang ganz natürlich und ohne Anstrengung aus der Kehle sprudelt.


    Man bemerkt deutlich, dass sie mit Ernsthaftigkeit und Disziplin bei der Sache ist und doch gleichzeitig mit einem Augenzwinkern auf den Operndiven-Koloraturen-Kastratenzirkus blickt.


    Wer die Kermes live erlebt, wird sich ihrer Faszination nicht entziehen können. Wer sie persönlich kennen gelernt hat, muss sie lieben. Die Natürlichkeit und Wärme ihrer Stimme spiegelt sich gleichermaßen in ihrer Persönlichkeit wieder.
    Dass man sich mit einer Frau in vollem Ornat einer barocken Operndiva, die gerade zwei Stunden lang von einem tobenden Publikum bejubelt wurde, unterhalten kann, als säße man bei einem Kaffekränzchen, zeugt meines Erachtens von einer großartigen, bescheidenen und liebenswürdigen Persönlichkeit. Weder Foto- noch Autogrammwünsche blieben unerhört.



    Am Donnerstag sang sie im Rahmen der Schwetzinger Festspiele im dortigen Schloßtheater das folgende Programm, begleitet von LE MUSICHE NOVE unter der Leitung von Claudio Osele:



    Riccardo Broschi (1698 – 1756)
    Aus der Oper "La Merope":
    Sinfonia



    Nicola Porpora (1686 – 1768 )
    Aus der Oper "Lucio Papirio":
    "Tocco il porto", Arie des Quinto Fabio
    "Morte amara", Arie des Quinto Fabio



    Tomaso Albinoni (1671 – 1751)
    Konzert für Streicher und Basso continuo D-dur op. 7 Nr. 1



    Giovanni Battista Pergolesi (1710 – 1736)
    Aus der Oper "L'Olimpiade":
    "Tu me da me dividi", Arie der Aristea



    Antonio Vivaldi (1678 – 1741)
    Konzert für Streicher und Basso continuo C-dur RV 117
    Aus der Oper "La verità in cimento":
    "Amato ben tu sei la mia speranza", Arie der Rosane
    Aus der Oper "Griselda":
    "Agitata da due venti", Arie der Costanza



    Leonardo Leo (1694 – 1744)
    Aus der Oper "Il Demetrio":
    "Manca solletica", Arie der Cleonice



    Antonio Vivaldi
    Aus der Oper "L'Olimpiade":
    "Tra le follie" – "Siam navi all‘onde algenti", Rezitativ und
    Arie des Aminta



    Domenico Gallo (um 1730 – um 1775)
    "La Follia" g-moll für zwei Violinen, Viola und Basso continuo



    Johann Adolf Hasse (1699 – 1783)
    Aus der Oper "Artaserse":
    "Ombra cara" – "Ombra tradita", Rezitativ und Arie der Didone
    Aus der Oper "Viriate":
    "Come nave in mezzo all'onde", Arie des Siface


    Während der großzügig bemessenen Zugaben, stellte Frau Kermes mit einem Lied von Kurt Weill sowie einem gänsehautigen "Dido's Lament" von Purcell ihre Fähigkeit unter Beweis, auch jenseits barocker Kastratenarien zu brillieren.



    So.
    Dieser Thread sei hiermit für weitere Wortmeldungen aus der Kermes-Fankurve freigegeben :D
    Kritische Äußerungen werden gnadenlos ignoriert :D



    Wem das alles zu lang zum Lesen war, hier die Zusammenfassung:

    :jubel:
    :jubel::jubel:
    :jubel::jubel::jubel:
    :jubel::jubel:
    :jubel:



    :hello:
    Violoncellchen


    * Copyright by Ulli und mich

  • Guten Abend



    Das kann ich uneingeschränkt bestätigen, so eine tolle Stimmung gabs schon lange nicht mehr im



    Schwetzinger Rokoko-Theater. :jubel: :jubel:


    Schön auch die wechselten Farben des Bühnenpropektes in Hintergrund, mehrmals im Einklang mit Frau Kermes Haarfarbe :D


    Gruß :hello:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Ja,


    das war ein superbes Konzert! Eigentlich müßte die Lady in red "Kirmes" heißen...


    :faint:
    :jubel: :jubel:
    :jubel: :jubel: :jubel:
    :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:
    :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:
    :faint: :jubel: :jubel: :lips: :jubel::jubel: :faint:
    :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:
    :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:
    :jubel: :jubel: :jubel:
    :jubel: :jubel:
    :faint:


    Und ich hätte es nicht für möglich gehalten, daß das, was ich bereits zum Teil von CDs kannte, live noch besser klingt. Auf CDs klingt ihre Stimme manchmal etwas steril oder schrill - aber ihre Gestik dazu, das bartolische Temperament, der durchdringende Giftblick ihrer Laseraugen - das alles machte den Abend zu einem bisher kaum zu überbietenden Ereignis [jedenfalls in Schwetzingen :D ].


    Und besten Dank an Bernhard für die Privatführung durch die Theaterkulisse und Katakomben. :lips:


    Allein das Programm an sich - soviele halsbrecherische Arien hintereinanderweg zu singen - dazu noch einer Radio-Live-Übertragung und TV-Aufzeichnung zuzustimmen! Das ist schon mehr als nur mutig und zeugt von größter Sicherheit.


    Das Orchester übrigens fand ich im Durchschnitt eher mittelfeldbelegend: Hervorragende Pianissimi, eine herausragende "Follia", aber teils auch große Unsicherheiten und Irritationen beim Zusammenspiel der beiden Violinen.


    Ihre neue CD-Produktion wurde von einem ortsansässigen Musikalienhändler mit dem Hinweis "Die Künstlerin signiert nach der Vorstellung" angeboten. Die Dinger gingen weg wie warme Semmeln. Nur leider wurde die Autogrammstunde wegen ein paar Nachaufnahmen abgesagt. Was uns natürlich nicht daran hinderte, die Künstlerin dennoch aufzusuchen, was auch gelungen ist [vgl. Fotos oben].


    Demnächst werde ich an diesem Ort einige Ihrer auf CD geb[r]annten Meisterleistungen vorstellen.


    Bis dahin viele Grüße


    :hello:


    Ulli

  • Zitat

    Die Bühnenpräsenz von Frau Kermes ist mindestens so unfassbar, wie ihr virtuoser Gesang


    Auch ganz meiner Meinung. Vor 2 Jahren habe ich sie bewundert bei der Ruhrtriennale. Da gab's "Der siegreiche David" von Reinhard Keiser.
    Ein ganz aussergewöhnlicher Abend!


    Das Oratorium selbst ist sensationell. Weit entfernt ähnlich Teilen von Händels biblischen Oratorien (vor allem 'Saul'). Hochvirtuos dargeboten von Musica Antiqua Köln, dem vortrefflichen ChorWerk Ruhr, Leitung Peter Neumann.


    Krönung des Abends war jedoch Simone Kermes in der Rolle der "gläubigen, andächtigen und gottliebenden Seele". Die Koloraturen, die Empfindsamkeit, die perfekte Ausgestaltung der einzelnen Rollen. Ich war hin und weg.
    Am Ende Standing Ovations!


    Leider ist das Werk nie veröffentlicht worden; ein einziges Mal im WDR gesendet (Datum war auch noch verschoben worden und stand nicht mal in meiner Programmzeitschrift). Jammerschade.

  • So,


    nun geht's los mit den Einspielungen. Eine meiner Meinung nach außerhalb der Sängerportraits wirklich erstklassige ist diese hier:



    Francesco Bartolomeo Conti [1681-1732]
    DAVID
    Oratorium


    Marijana Mijanovic, Simone Kermes,
    Birgit Christensen, Sonia Prina,
    Furio Zanasi, Vito Priante


    Il Complesso Barocco
    Alan Curtis


    Nicht nur, daß die Musik von Conti von besonderer Güte ist: Der Theorbenvirtuose Conti hat eben auch besonderen Wert auf die Rezitative gelegt, die natürlich daher keinesfalls langweilig, sondern extrem spannend aufgebaut sind. Und, was am beeindruckendsten ist, in bereits andernorts erwähnter Arie Quanto mirabile ertönt die Theorbe solistisch beinahe 12 Minuten lang - das muß man einfach hören! Von diesem Komponisten muß auch unbedingt noch mehr eingespielt werden!


    Starbesetzung mit Simone Kermes und Marijana Mijanovic, welche auch in dieser Einspielung von Händels Rodelinda wiederzufinden ist. Eine besonders glückliche Verbindung, wenn die beiden duettieren:



    Georg Friedrich Händel [1685-1759
    RODELINDA


    Simone Kermes, Rodelinda
    Marijana Mijanovic, Bertarido
    Steve Davislim, Grimoaldo
    Sonia Prina, Eduige
    Marie-Nicole Lemieux, Unulfo
    Vito Priante, Garibaldo


    Il Complesso Barocco
    ALAN CURTIS


    Simone Kermes hat übrigens am vergangenen Donnerstag für das HändelJahr 2009 einiges an Konzerten zu Ehren dieses Komponisten prognostiziert :D - aus eigener Kehle, versteht sich.


    Zur "Rodelinda" ist einiges in den entsprechenden Threads oder bei meinen Unverzichtbaren nachzulesen.


    Soweit für heute...


    :hello:


    Ulli

  • Zitat

    Original von Violoncellchen


    Eine Mischung aus Marilyn Monroe und Gabi Koester.*


    Weder von der einen noch der anderen möchte ich Händel oder Vivaldi gesungen hören.


    Zitat

    Kritische Äußerungen werden gnadenlos ignoriert


    Schon wieder ein Reservat? :D


    Mir ist Frau Kermes stimmlich mindestens eine Gewichtsklasse zu schwer für das, was sie singt. Das ist ja virtuos und mit viel Show-Bewusstsein dargeboten, aber auch mit viel Vibrato und oftmals mit dem Holzhammer. Subtilität würde ich ihr jedenfalls nicht nachsagen wollen.
    Meine Zusammenfassung: :no:

  • Hallo,


    Zitat

    Original von Hildebrandt


    Weder von der einen noch der anderen möchte ich Händel oder Vivaldi gesungen hören.


    Gesungen hören möchte ich Händel bzw. Vivaldi von beiden auch nicht - es sollte die Performance, also die Gestik, das Auftreten als solches beschreiben.



    Zitat

    Original von Hildebrandt
    [...] aber auch mit viel Vibrato und oftmals mit dem Holzhammer.


    Da gehen unsere Meinungen stark auseinander - viel Vibrato dulde ich nämlich nicht, wohl hingegen wohldosoertes Wenigvibrato, wie bei Simone Kermes. In der Tat aber wirkt ihre Stimme auf CDs teils etwas holzhammerig, was aber eben daran liegt, daß ihre Performancesubtilität sich auf einer CD nicht einfangen lässt. Vielleicht ein ganz ähnlicher Grund, warum ich die Callas nicht mag... auch, wenn die Aufnahmen von einer gewissen Grandiosität zeugen.


    :hello:


    Ulli

  • Zitat

    Original von Ulli
    Gesungen hören möchte ich Händel bzw. Vivaldi von beiden auch nicht - es sollte die Performance, also die Gestik, das Auftreten als solches beschreiben.


    Ach so. :D
    Naja, wenigstens auf die Performance von Gabi Koester konnte ich bisher ganz gut verzichten. :wacky:


    Zitat

    Da gehen unsere Meinungen stark auseinander - viel Vibrato dulde ich nämlich nicht, wohl hingegen wohldosoertes Wenigvibrato, wie bei Simone Kermes. In der Tat aber wirkt ihre Stimme auf CDs teils etwas holzhammerig, was aber eben daran liegt, daß ihre Performancesubtilität sich auf einer CD nicht einfangen lässt. Vielleicht ein ganz ähnlicher Grund, warum ich die Callas nicht mag... auch, wenn die Aufnahmen von einer gewissen Grandiosität zeugen.


    Ich hatte das Vergnügen, Frau Kermes live zu erleben. Die Performance war überzeugend, der Gesang nicht. Sicher eine grandiose Sängerin, nur für mich im falschen Fach.

  • Lieber Hildebrandt, in welchem Stimmfach sollte sie denn deiner Ansciht nach besser singen? ?(


    Ein solches Koloraturgenie mit einer so ausgeprägten Musikalität kann sich im Barock m;E. am allerbesten präsentieren. Für das ansonsten noch in Frage kommende Belcanto-Repertoire ist die Stimme m.E. vom Timbre her nciht geeignet.
    Mir gefällt sie rein von Koserve her stimmfarblich auch nciht so supergut, aber sie versteht ihre Kunst ganz hervorragend.
    Ich finde die Stimme nicht zu schwer und auch nicht zu vibratös für die etwas dramatischeren Barock-Figuren-im Gegenteil! Auch im Barockfach gibt es Unterschiede zwischen leichteren und schwereren Sopran Partien(man nehme etwa Morgana und Alcina oder Poppea und Drusilla) und die Kastraten waren ganz sicher auch keine Piepsmäuse oder Soubrettchen! :no:


    Fairy Queen

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    Lieber Hildebrandt, in welchem Stimmfach sollte sie denn deiner Ansciht nach besser singen? ?(


    Das ist nicht mein Problem. :D


    Ich halte sie für das typische Beispiel einer klassisch ausgebildeten Sängerin mit der "Zusatzqualifikation Barock".
    Mir gefällts nicht. Punkt. :yes:

  • Lieber Hildebrandt, wie soll denn eine Sängerin sonst ausgebildet sein?????? ?(
    Nichtklasssich mit Zusatz-Barock? Belting-Barock oder Jazz-Barock? Oder Naturstimme mit der angeborenen Fähigkeit die waghalsigsten Koloraturen zu jodeln? :faint:



    Lieber Ulli und liebes Bäsle, die Beschreibung der Perfomance hat mich an iene frz. Sängerin, Patricia Petibon erinnert. sie hat eine BarockCd des frz. Repertoires(Rameau, Lully etc) aufgenommen und gehört im Gegensatz zu Simone Kermes eher zum leichten Koloraturfach, singt aber auch sehr akrobatisch und virtuos. Ihre Stimme ist m.E. schöner, aber das ist Geschmackssache. Jedenfalls hat auch sie mit sehr abenteuerlichen Frisuren , knallrotem Haar und entsprechenden Gewändern ihre Performances gemacht und ich finde das genau richtig für dieses Repertoire! :jubel:
    Barock ist nciht zuletzt eben BAROCK und dazu gehört das Üppige, das Ausgeflippte und Verschnörkelte.


    Schade, dass ich diese Vorstellung nciht sehen konnte. Hätte mir sciher serh gut gefallen! :yes: :hello:


    F.Q.

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    Nichtklasssich mit Zusatz-Barock? Belting-Barock oder Jazz-Barock? Oder Naturstimme mit der angeborenen Fähigkeit die waghalsigsten Koloraturen zu jodeln? :faint:


    Das sind doch schon sehr schöne Vorschläge. :D


    Zitat

    Barock ist nciht zuletzt eben BAROCK und dazu gehört das Üppige, das Ausgeflippte und Verschnörkelte.


    Eine sehr griffige Barock-Definition. :yes:
    Wenn ich das jetzt mit der Performance von Gabi Koester und Marylin Monroe verbinde, bin ich ja im Bilde. :D

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    Schade, dass ich diese Vorstellung nciht sehen konnte. Hätte mir sciher serh gut gefallen! :yes: :hello:


    Hallo,


    sie wird irgendwann auf 3sat übertragen - genauer Termin leider noch nicht bekannt.


    Und Patricia Petibon ist mir natürlich ein Begriff - leider konnte ich sie noch nicht live erleben, habe aber eine gewisse Anzahl Aufnahmen mit ihr, die mir sehr gut gefallen bzw. die auch u.a. Kaufgrund waren.


    :hello:


    Ulli

  • Zitat

    Original von Hildebrandt
    Mir ist Frau Kermes stimmlich mindestens eine Gewichtsklasse zu schwer für das, was sie singt. Das ist ja virtuos und mit viel Show-Bewusstsein dargeboten, aber auch mit viel Vibrato und oftmals mit dem Holzhammer. Subtilität würde ich ihr jedenfalls nicht nachsagen wollen.


    ähm...reden wir von der selben Sängerin?


    Ich mag sie gerade, weil sie mit sehr wenig Vibrato singt und eine Stimme hat, die sehr leicht und natürlich klingt und nicht im üblichen Opernschwulst schwelgt.


    Vielleicht hat Frau Kermes ihre Gesangstechnik verändert? Ich kenne jedenfalls nur Aufnahmen neueren Datums von ihr und eben das letzte Konzert am Donnerstag. Ich kann da weder Vibrato noch stimmliche Schwere feststellen.


    ?(
    Violoncellchen

  • Hallo zusammen,


    im Netz gibts eine Aufnahme der "Come Scoglio" mit ihr von einem Konzert in Athen, die ich mir gerade anhörte.


    Ich kann da weder ein ausgeprägtes Vibrato noch eine besondere Schwere der Stimme hören - aber vielleicht ist auch das ja Geschmackssache.


    LG, Elisabeth

  • Ihr Lieben, die Tatsache dass sie eine Fiordiligi und auch die etwas dramatischeren Barockpartien singen kann, zeigt zumindest, dass sie kein ganz leichtes Kaliber ist, wie es evtl Hildebrandt vorschwebt.


    Aber was ihm da genau vorschwebt, weiss ich leider auch nicht so genau, denn ich finde Kermes Stimme für das etwas schwerere Barockfach ideal.
    Deshalb ist sie aber noch lange kein jung-dramtischer Oper Sopran im Verdi- Sinne, denn das Timbre ist hell aber eben mit Power! Was daran zu schwergewichtg sein soll, weiss ich auch nciht.
    wenn einem die Stimme an sich zu hart oder zu sschrill ist, ist das ieen ganz andere Sache, aber unpassend im Barockrepertoire ist sie wahrhaftig nicht! Ohne Power kann man solche BravourArien gar nciht schaffen und das timbmre bleibt bei alledem immer hell und in Violoncellchens natürlich(also eben nicht künstlich abgedunkelt durch starkes Decken wie oft im romantischen Opernrepertoire)



    Was meine "griffige Barockdefinition "angeht: die die im Barock nciht nur Vibratoloses sehen, wissen schon was ich meine! :D
    Pausbäckige Putten und jedwedes Geschnörkel/ Ornamentik - auch im Outfit-gehören eben auch dazu! :angel:
    Rocco barocco at his best! :D
    Lieber Ulli, bitte sag unbedingt Bescheid, wann das Ganze bei 3sat kommt. :hello:

  • Hier gehts weiter mit Einspielungsempfehlungen:



    Amor profano
    Arien aus Opern von Antonio Vivaldi


    Catone in Utica, La fede tradita e vendicata, Giustino,
    Griselda, Olimpiade, Orlando furioso, Semiramide,
    Il Tamerlano, Tigrane, Tito Manlio, La verita in cimento


    Venice Baroque Orchestra
    Andrea Marcon


    Einige hier enthaltene Arien wurden im Konzert live dargeboten, darunter "Agitata di due venti" aus Griselda oder "Amato ben tu sei la mia speranza" aus La verità in cimento.


    Die Schwesterscheibe "Amor sacro" fehlt mir leider noch,



    denn die Ersteinspielung von Kantaten meines Lieblingskomponisten Kraus mußte zuerst her:



    Die Einspielung habe ich bereits im entsprechenden Thread zu Kraus besprochen.


    :hello:


    Ulli

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    Aber was ihm da genau vorschwebt, weiss ich leider auch nicht so genau


    Ach, wenn ich das nur immer selber wüsste... :rolleyes:


    Vielleicht war es auch der Vergleich mit Gaby K., der mich entsetzt zurückfahren ließ. :D


    Denn mal ehrlich: Das hat sie nicht verdient.


    Zitat

    Was meine "griffige Barockdefinition "angeht: die die im Barock nciht nur Vibratoloses sehen, wissen schon was ich meine!


    Ach, kann man darin auch etwas anderes sehen? Wieder was gelernt... :untertauch:

  • Moin,


    so eben auf das EM-Spiel Deutschland-Östereich gepfiffen und Karte für die Punk-Lady gekauft.


    Allerdings wird sie in Zürich nicht nur barocken Kram singen:


    Montag, 16.06.2008, 19:30 Uhr
    Kleiner Saal


    Simone Kermes, Sopran
    Markus Märkl, Klavier


    Henry Purcell
    Music for a while


    John Blow
    Of all the torments


    John Eccles
    Restless in thoughts


    Joseph Haydn
    The wanderer Hob. XXVIa:32


    Joseph Haydn
    The mermaids song Hob. XXVIa:25


    Gioacchino Rossini
    La danza, tarantella napoletana


    Gioacchino Rossini
    Lesule, arietta


    Gioacchino Rossini
    Canzonetta spanguola


    Hugo Wolf
    Die Spröde


    Hugo Wolf
    Die Bekehrte


    Hugo Wolf
    Das verlassene Mägdlein


    Hugo Wolf
    Begegnung


    Gustav Mahler
    Liebst du um Schönheit


    Gustav Mahler
    Ich bin der Welt abhanden gekommen


    Claude Debussy
    Mandoline L 29


    Claude Debussy
    Clair de lune, 1. Fassung L 32


    Francis Poulenc
    Violon


    Francis Poulenc
    Les chemins de lamour, valse chantée

  • Meine Meinung zu "La Primavera":


    Ab...ge...fahren...



    ...inzwischen befallen mich sogar Zweifel, ob die rein instrumentalen Stellen tatsächlich ohne Gesang sind, oder ob die Koloraturen der Kermes nicht einfach nur den für menschen hörbaren Frequenzbereich verlassen haben...


    Wahnsinn!




    V.



    P.S.: Übrigens ist die Scheibe in den jpc-Charts inzwischen auf Platz 9 -
    Respekt Ulli :D


    NACHTRAG:
    Amazon tut sich unterdessen noch etwas schwer mit der Kermes/Kraus-Kombination:

    und hat es unterdessen weder geschafft, ein Cover noch Hörbeispiele einzustellen.

  • Zitat

    Original von Violoncellchen
    NACHTRAG:
    Amazon tut sich unterdessen noch etwas schwer mit der Kermes/Kraus-Kombination


    Hier zu finden - der Coverscanner scheint jedoch noch in Urlaub zu sein.


    :wacky:


    Ulli

  • Wer Simone Kermes im kommenden Monat "live on stage" erleben will, kann nach Düsseldorf in die Deutsche Oper am Rhein kommen.


    Simone Kermes singt hier die Giunia in Mozarts drittem großen Bühnenwerk (für die Mailänder Hofoper).


    Näheres unter "Deutsche Oper am Rhein" hier im Forum!


    LG


    :hello: Harald


    PS: Bei uns ist sie trotz roter Haare nur ein Ensemble-Mitglied von vielen - keine Punk- oder Barock-Lady!

  • Moin,


    Programm siehe oben.


    Was sehr auffällig war:
    1. nur ca. 1/3 der Plätze besetzt => und ratzfatz sass ich in der dritten Reihe. :D
    2. scharfe silber-goldene Plateauschuhe lugten unter einem Meer von Tüchern hervor. Das Kleid hätte auch Jessey Norman in einer grösseren Grösse getragen.
    3. der Pianist spielte mindestens eine bis zwei Ligen tiefer (Purcell auf einem Steinway ist aber auch schon ganz bitter.)


    Da stand sie also auf der Bühne und sagte mit ihrer Körpersprache gleich wo es lang geht. Und aufgemacht wurde die Wundertüte.


    Angefangen mit den Purcell-Lieder, die wirklich rockig waren, ging es über zu Haydn, der mir nicht so gefallen hat.
    Rossini war dann aber ein echtes Highlight. Hier perlte und jubilierte es nur so.


    Nach der Pause gab es dann gute bis sehr gute Wolf- und Mahler-Lieder. Hier ist natürlich die Konkurrenz gewaltig.


    Beim Debussy zeigte sich dann das Dilemma. Der Pianist mühte sich redlich schwebende Klangfarben zu erzeugen, die die Kermes im kleinen Finger hatte.


    Dann aber kamen für mich die Höhepunkte:
    Poulenc Les chemins de lamour, valse chantée (fantastisch, obwohl sie die erste Strophe ausgelassen hatte, dafür die zweite zweimal völlig unterschiedlich sang.)


    Als Zugabe: Weill " Surabaya-Johnny" Hier zeigte sich ganz deutlich , was für eine tolle Erzählerin sie ist.


    Und dann passierte eigentlich ein kleines Wunder: Als letzte Zugabe sang sie noch einen Purcell, den sie mit den ungefähren Worten ankündigte "Mal sehen ob das nach der Schreierei (Weill) noch klappt".


    Es klappte und wie. Frau Kermes kann anscheinend auf Knopfdruck Klangfarben aus 300 Jahrhunderten wechseln, oder das sehr wenige Vibrato an- und ausschalten, wie sie möchte. Sie benutzt diese Techniken wirklich als Werkzeuge, um ihre Geschichten zu erzählen.


    => ein sehr beeindruckender Abend, leider etwas kühl, ich hätte mir manchmal etwas mehr Gefühl gewünscht. (muss aber zugeben, dass ich sowieso nicht so der Liedfan bin.)


    P.S. und die zweite Halbzeit Oestereich -Deutschland habe ich dann noch Zuhause sehen können.

  • Zitat

    Original von Radagast
    3. der Pianist spielte mindestens eine bis zwei Ligen tiefer (Purcell auf einem Steinway ist aber auch schon ganz bitter.)


    Solangs nur Ligen und keine Hertz waren... :wacky:


    Zitat


    Beim Debussy zeigte sich dann das Dilemma. Der Pianist mühte sich redlich schwebende Klangfarben zu erzeugen, die die Kermes im kleinen Finger hatte.


    Ich hab schon nicht schlecht gestaunt, als Du das Programm veröffentlich hast...


    Zitat


    => ein sehr beeindruckender Abend, leider etwas kühl, ich hätte mir manchmal etwas mehr Gefühl gewünscht. (muss aber zugeben, dass ich sowieso nicht so der Liedfan bin.)


    Das nächste Mal buchst Du etwas mit Orchester oder einem echten Tasteninstrument.


    :hello:


    Ulli

  • Welch Programm!!!!!!
    Von Purcell bis Weill über Debussy und Poulenc- sowas kann sonst nur noch Dawn Upshaw!


    Wie man die "Chemins d'amour" kühl rüberbringen kann, ist mir allerdings rätselhaft...... 8o


    Und Liedfan kann man natürlich nur werden, wenn der Sänger es versteht , Emotionen zu wecken. Reine Virtusoität im Lied gibt es nicht. Dazu eignet sich dann Barockoper wahrlich mehr.


    Auch die "Perfomance" ist im Lied nciht so entscheidend. Das Timbre der Stimme und die musikalsiche ausgestaltung zusamen mit dem Piansiten empfinde ich als das A und O.
    Aber ih glaube, dass Frau Kermes das Repertoire in Kenntnis ihrer Stärken und Schwächen sehr gut gewählt hat, denn romantisches Lied par excellence hat sie ja gar nciht erst gemacht.
    Tolles Programm sag ich da nochmal! :jubel:


    F.Q.

  • Das anfangs erwähnte Konzert in Schwetzingen wird am kommenden Sonntag im Deutschlandfunk ausgestrahlt:


    Sonntag, 31. August 2008 - 21:05 Uhr

    Konzertdokument der Woche


    Morte amara
    Riccardo Broschi, Nicola Porpora, Antonio Vivaldi u.a.
    Arien und Concerti
    Simone Kermes, Sopran
    Le Musiche Nove
    Leitung: Claudio Osele
    Aufnahme vom 15.5.08 aus dem Rokoko-Theater, Schwetzingen


    LG


    :hello:

  • Sonntag 12. Oktober 2008 - 19:00

    Die Stimme des Barocks - Simone Kermes und Le Musiche Nove
    Schwetzinger Festspiele 2008
    Regie: Torben Schmidt
    Dirigent: Claudio Osele
    Komponist: Antonio Vivaldi u.a.
    Musiker: Enrico Casazza, Francesco Tomei, Giuseppe Mulè, Isabella Longo, Luca Rocco, Marco Pesci, Sergio Ciomei


    Zitat

    Simone Kermes, vielseitige Sopranistin, ist vor allem in der Zeit des Barock zu Hause auch wenn sie sich schon mal in die Berliner "Yellow Lounge" wagt. Bei ihrem Konzert mit Werken Vivaldis und Zeitgenossen, das sie im Rahmen der Schwetzinger Festspiele 2008 gab, wurde sie begleitet vom Ensemble Le Musiche Nove - bekannt für seine frischen Interpretationen der Barockmusik. Dirigent war Claudio Osele, dessen exzellenter Ruf nicht zuletzt durch seine Zusammenarbeit mit Cecilia Bartoli begründet wird. ARTE zeigt eine Aufzeichnung vom 15. Mai 2008 aus dem Rokokotheater des Schwetzinger Schlosses.


    Sie wird von der bekannten Krimiautorin und bekennenden Händel-Verehrerin Donna Leon gefördert, die unter anderem ein eigenes Pasticcio aus Händel-Arien für sie zusammengestellt hat. Sie trat auch schon bei der Berliner "Yellow Lounge" auf, wo klassische Musik in Clubatmosphäre transponiert wird, und ihr begleitender DJ kein Geringerer war als der Popstar Rufus Wainwright. Simone Kermes ist zweifelsohne vielseitig, aber natürlich singt sie hauptberuflich auf Opernbühnen und in Konzertsälen - und zwar vor allem das Belcanto-Repertoire des 18. Jahrhunderts: Händel und Bach, Vivaldi und Purcell, Mozart, Joseph Martin Kraus und Haydn. Gelegentlich gestattet sich die in Leipzig geborene Sopranistin, von deren "stratosphärischen Höhenkünsten" und "schlackenlosen Fiorituren" Ulrich Schreiber in der FAZ schwärmte, auch einen Ausflug ins 19. und sogar ins 20. Jahrhundert: zu Schostakowitsch, Orff oder Britten.
    Bei ihrem Konzert im Rahmen der Schwetzinger Festspiele wird Simone Kermes - und das mag ihren "stratosphärischen" Status als Star andeuten - vom Ensemble Le Musiche Nove begleitet, dessen Gründung 2001 mit dem Namen Cecilia Bartoli verknüpft ist. Obwohl die Musiker auf alten Instrumenten spielen, erscheint die Barockmusik so lebhaft und frisch, dass vergessen werden kann, wie alt die Kompositionen tatsächlich sind.
    Das Konzert mit Werken von Antonio Vivaldi, Nicola Porpora, Tomaso Albinoni und Leonardo Leo ist eine Aufzeichnung aus dem Rokokotheater im Schwetzinger Schloss vom 15. Mai 2008.


    Sonntag, 12. Oktober 2008 um 19.00 Uhr


    Wiederholungen:
    17.10.2008 um 08:00
    23.10.2008 um 08:00


    LG


    :hello: