Ein Flop: Verdis "La Traviata"

  • Lieber Waldi, liebe Traviata Verehrer/innen,


    da Dein Posting mich zum Kauf der o.g. Einspielung verleitet hat, möchte ich nun auch ein paar Zeilen dazu schreiben.


    Als Anfänger bin ich bestrebt die Opern in deutsch und in der Originalsprache zu hören. Das hat einen einfachen Grund, ich bin zu bequem :untertauch: während des Hörens ein Libretto zu lesen. Da ich aber wenigstens wissen will um was es in der Oper geht, sprich die Geschichte verfolgen möchte, gehe ich den Weg über die deutschsprachigen Ausgaben parallel zu den Originalsprachen.


    Ich habe diese Einspielung



    mit einer anderen deutschsprachigen, (leider nur Querschnitt) verglichen.




    Lieber Waldi ich gehe mir Dir wie so oft konform.


    Zitat

    Deutsch klingt gerade die "Traviata" nicht nur deutlich schlechter als in der Originalsprache, sondern auch schlechter als der "Rigoletto", der offenbar leichter zu übertragen ist. Manche Härten und Schwerfälligkeiten sind einfach nicht auszuräumen. Zwar funktioniert es trotzdem oft erstaunlich gut, aber das bleiben Teilerfolge. Auf der anderen Seite merkt man aber auch, selbst wenn man mit der italienischen Fassung gut vertraut ist, wie einem gewisse Szenen plötzlich mehr unter die Haut gehen.



    Nun zu meinem Vergleich.


    Karl Terkal als Alfredo gefällt mir nicht ganz so gut wie Fritz Wunderlich, aber ich gebe zu voreingenommen zu sein. Nichtsdestotrotz ist Terkal hervorragend. Er singt wirklich sehr ausdrucksstark, so dass man ihm den jungen Verliebten auch abnimmt. Sein Timbre ist m.E. nach etwas dunkler als das von Wunderlich, aber nicht minder schön.


    Teresa Stich-Randall und Hilde Güden jeweils als Violetta, würde ich, die ja Gesang nur nach Gefallen oder nicht Gefallen beurteilen kann, als gleich sehr gut bis hervorragend einschätzen.


    Giorgio Geramont, gesungen einmal von Dietrich Fischer-Dieskau und in der anderen Einspielung von Robert Blasius ist für mich der Ausschlagspunkt, die Einspielung unter Bartoletti vorzuziehen. Nur leider funktioniert das nicht wirklich, da wie schon geschrieben es nur ein Querschnitt ist.


    Zitat

    Müßte ich aus allen vorhandenen "Traviatas" zehn für die Insel auswählen, diese wäre wahrscheinlich dabei.


    d'accord


    Obwohl ich nur vier Einspielungen besitze und nicht zehn, würde ich mich von keiner trennen, auch nicht wenn ich auf eine Insel müßte. :D


    LG


    Maggie

  • Wenn wir schon dabei sind, diese Oper auf deutsch zu singen, muß ich die folgende Walhall-Aufnahmen in den Ring werfen:



    Aufnahme: 1951, Studio
    Dirigent: Georg Solti
    Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks
    Chor des Bayerischen Rundfunks
    (deutsche Fassung mit Kommentar)
    Walhall WLCD 0018 (2 CD)


    Alfredo Germont: Walter Ludwig
    Annina: Irma Schäfer
    Barone Douphol: Josef Knapp
    Dottore Grenvil: Rudolf Wölser
    Flora Bervoix: Elinor Junker-Giesen
    Gastone de Letoriès: Franz Klarwein
    Giorgio Germont: Karl Schmitt-Walter
    Giuseppe: Karl-Hermann Bennert
    Marchese d'Obigny: Siegfried Spöttel
    Un commissario: Karl Schwert
    Un domestico: Helmut Huber
    Violetta Valery: Clara Ebers


    Vorzüglich gesungene Rundfunk-Aufnahme. Ich besass sie schon als Kind auf Tonband. Das war für mich sehr schön, denn ein Sprecher aus dem off hat darauf schön immer alles erklärt, was da passierte.


    Als die CD erschien, hatte ich gehofft, die Sprechtexte wären wegretuschiert worden. Ist aber leider nicht so. Als Erwachsener stört es mich, denn heute kenne ich die Handlung ja.


    Trotzdem: Der junge Georg Solti, die liebe Clara Ebers, Walter Ludwig und Karl Schmitt-Walter - was will man mehr?


    LG

  • Meine Lieben,


    Im Zusammenhang mit dem neuerwachten Interesse an Robert Ilosfalvy habe ich meine in ungarischer Sprache gesungene "Traviata" (1963) hervorgeholt und meine Hörkenntnisse aufgefrischt.


    Lamberto Gardelli gilt als sicherer Dirigent im Verdi-Fach, wenn ihm auch nie die Zugehörigkeit zur absoluten Spitzenklasse bescheinigt wird. Ich schätze ihn an sich sehr, würde ihn zwar auch nicht mit den ganz großen Namen zusammen nennen, aber habe auch mit ihm noch nie eine Enttäuschung erlebt. Die "Traviata" liegt ihm jedenfalls, er baut die Spannungen erregend auf, begleitet gut (nur in einigen Ensembles wäre etwas mehr Präzision angebracht, kommt mir vor) und trifft den halb schmachtenden, halb pathetischen Ton sehr wirksam.


    Robert Ilosfalvy beginnt eher vorsichtig und gar nicht so umwerfend, wird aber rasch besser und besser und ist im 2.Akt bereits ein absoluter Referenz-Alfred, der seine Leidenschaft ebenso glaubhaft zum Ausdruck bringt wie die leuchtenden Spitzentöne, die er gleichsam ohne besondere Anstrengung produziert.


    Gleich nach ihm ist László Palócz als Giorgio Germont zu nennen, stimmlich kein übermäßiger Schönfärber, aber vom Volumen her und in bezug auf die Musikalität vorbildlich. Er vermittelt das außerordentliche hohe Niveau, das die Budapester Oper lange Jahre auszeichnete.


    Gabriella Déry als Violetta wirkt auf mich zwiespältig. In der Mittellage eine warme und volle Stimme mit genügend Ausdruck, aber wenn es um das Dramatische und in die Höhe geht, wird die Stimme teilweise immer farbloser und angestrengter. Ihre große Arie überzeugt daher nicht besonders, aber etwa im dritten Akt berührt die Interpretation durchaus. Insgesamt eine ungleichmäßige Leistung. Zwischendurch klingt es wie ermüdet, dann kommen wieder Passagen, die wirklich überzeugen. Man müßte einmal wissen, in welcher Reihenfolge im Studio aufgenommen wurde.


    Ungarisch klingt gesungen bei einer solchen Oper besser als deutsch, aber Italienisch bleibt Italienisch.


    LG


    Waldi

  • Zitat

    Die "Traviata" aus Los Angeles erscheint jetzt auch als DVD. Die Villazon-Fans in meinem Bekanntenkreis sind schon ganz unruhig....


    Ich weiss nicht, ob die Fleming/Villazon/Bruson DVD hier schon irgendwo schon näher besprochen wurde. Da ich diese Gestern gesehen habe, ein paar Zeilen dazu.
    Also ich bin vor allen Dingen begeistert von Rene Fleming als Violetta. :jubel:
    Schauspielerisch brilliant und stimmlich hervorragend und mit einer Ausstrahlung, die Villazon fast an die Wand drückt. Nicht, das dieser nicht gut singen würde, aber der Star des Abends war eindeutig Fleming. Bei Villanzon war doch einiges schon etwas forciert, auch schauspielerisch ein wenig hyperaktiv für diese Rolle (ok mein persönlicher Eindruck :untertauch:)
    Bruson fand ich besser, als sein Alter mich erwarten liess, der Mann ist auf der Aufnahme 70 Jahre alt ! Und natürlich hat die Schönheit der Stimme gelitten, vor allen Dingen was die Amplitude seines Vibratos betrifft- Trotzdem war sein Auftritt durch seine schauspielerischen Qualitäten und seinen sehr differenzierten Vortrag und eine gewisse kammermusikalische empfindsamkeit bei den Duetten und Terzetten durchaus sehr zu geniessen.
    Irgendwie scheint die Rolle des Vater Germont oft für altgediente, manchmal eben auch ausgediente :stumm: Sänger herhalten zu müssen. Vor zwei Jahren haben ich mal Giorgio Zancanaro in dieser Rolle erlebt, das war wirkllich schrecklich...
    Zurück zur DVD: Auch das Orchester unter Conlon hat mir sehr gut gefallen.


    Gruss :hello:
    Syrinx


  • Grüß Dich Alfred!


    Ja, das ist wirklich eine der besten Einspielungen, ich habe sie noch auf LP Gesamtaufnahme und ich finde Ileana Cotrubas und Placido Domingo einziartig - ich will bemerken, dass Ileana Cotrubas zu einer meiner Lieblingssopranistinnen gehört.


    Liebe Grüße Peter, auch aus Wien. :hello: :hello:


  • Halo Syrinx,
    fast mit allem einverstanden, aber wenn du Villazón hier als "zu hyperaktiv" empfindest, kennst du wohl die Salzburger "Traviata" nicht ;), denn verglichen damit wirkt er hier doch beinahe sediert..... Stimmlich überzeugt er mich auf dieser DVD am meisten von all seinen Einspielungen der letzten drei Jahre.
    Du hast vergessen zu erwähnen, dass es eine äußerst staubi-taugliche Inszenierung ist, sowas ist wohl wirklich nur mehr in LA zu sehen :wacky: (Nämlich als Neuproduktion!)
    Bruson war jahrelang unsere Stammbesetzung als Germont, und ich fand immer, dass diese Rolle nicht nur stimmlich, sondern auch vom Typ her ideal zu ihm passte, denn ein sehr engagierter Darsteller war er ja nie, aber hier passte das Statische hervorragend.
    lg Severina :hello:

  • Zitat

    Und wie würden Sie reagieren, wenn Sie auf einmal eine singende Operndiva auf dem Bahngleis vorfinden?


    „La Traviata” im Hauptbahnhof Zürich: Live auf arte
    Eine Koproduktion SF/ARTE
    Fernsehregie: Felix Breisach
    Moderation: Sandra Studer
    Nach der Oper in drei Akten von Giuseppe Verdi (1813 – 1901)
    Libretto von Francesco Maria Piave nach dem Schauspiel «La dame aux camélias» (1852) von Alexandre Dumas fils
    Uraufführung: 6. März 1853, Teatro La Fenice, Venedig
    Inszenierung: Adrian Marthaler
    Musikalische Leitung: Paolo Carignani
    Mitwirkende:Eva Mei (Violetta), Vittorio Grigòlo (Alfredo), Angelo Veccia (Giorgio Germont) und Ensemble,
    Chor und Orchester des Opernhauses Zürich


    Zitat

    Die drei Hauptpartien aus "La Traviata" zählen bis heute zu den Glanzstücken der Opernbühne. Im Hauptbahnhof Zürich werden sie von herausragenden Künstlern gestaltet.
    So gehört die italienische Sopranistin Eva Mei (Violetta) seit vielen Jahren zu den populärsten Ensemblemitgliedern des Zürcher Opernhauses. Sie sang außerdem große Partien an der Mailänder Scala, an der Wiener Staatsoper, an der Bayerischen Staatsoper in München, am Teatro La Fenice in Venedig und am Royal Opera House Covent Garden in London.


    Am äußerst viel versprechenden Anfang seiner Karriere steht der italienische Tenor Vittorio Grigòlo (Alfredo). Bereits mit 23 Jahren debütierte er an der Scala in Mailand und gehört heute zu den großen Tenorhoffnungen der italienischen Oper. Der Bariton Angelo Veccia (Giorgio Germont) stammt ebenfalls aus Italien und arbeitete nach seinem Studium an der Juilliard School zunächst vorwiegend in den USA. Mittlerweile führte ihn seine Karriere auf Opernbühnen in die ganze Welt. Der italienische Dirigent Paolo Carignani war von 1999 bis 2008 Generalmusikdirektor der Oper Frankfurt. Er dirigierte unter anderem an der Wiener und an der Münchner Staatsoper, am Royal Opera House Covent Garden in London, beim Glyndebourne Festival, an der Deutschen Oper Berlin und an der Opéra de la Bastille in Paris.


    Also schon mal den Termin vormerken: Dienstag, 30. September 2008!
    Eine Opernaufführung mitten in den Pendlerströmen des Zürcher Hauptbahnhofs: "La Traviata im Hauptbahnhof" ist ein Kulturprojekt des Schweizer Fernsehens, das in Zusammenarbeit mit dem deutsch-französischen Kultursender Arte, den SBB und dem Opernhaus Zürich produziert wird.


    LG


    :hello:

  • Lieber Norbert,


    ja! ich stimme Dir zu - voll und ganz! Meine erste Traviata-Aufnahme ist die Callas/Kraus unter Ghioni, dann habe ich noch einen Querschnitt mit Tebaldi/Poggi/Protti, den muss ich mir erstmal genauer anhören und natürlich die von Dir beschriebene Aufnahme mit Victoria de los Angeles und Carlo del Monte. Abgesehen von der Callas, die sowieso eine Klasse für sich ist und die ich nicht ohne Bewunderung für ihre dramatische Gabe hören kann, ist de los Angeles meine absolute Lieblings-Violetta. :angel: :angel:


    Ich finde, gerade diese Rolle ist für jegliche Spirenzchen und dramatisches Gehabe sowie (grobe) Plakativität jeglicher Art ein (leider oft missachtetes! :motz:) Tabu! Violetta ist einerseits eine junge Frau, die lebensfroh ist und das Leben genießt (dafür sind Moffo und Netrebko ein schönes Beispiel, die favorisiere ich auch und habe sie auf meiner Gute-Feen-Liste :]), andererseits das Clue der gesamten Oper ist ja meiner Meinung nach dieser Wandel von purer Verschwendung des eigene Lebens und der Jugend zu einem echten Gefühl, welches die edle Seele der Gefallenen zum Vorschein bringt! Dieser Edelmut und diese Feinheit der emotionalen Schattierungen bringt Victoria de los Angeles wunderbar intelligent und subtil auf den Punkt. Wirklich zum Hinknien! :jubel:


    Ich habe mich ein bisschen gewundert, wieso auf der Aufnahme das hohe Ende der Sempre Libera fehlt, doch von Dir habe ich erfahren, dass dies gar nicht in der Partitur steht und von Dirigenten sogar verboten wird. Danke für den interessanten Hinweis!


    Del Monte ist gut, aber nicht wirklich zum Hinknien. Meiner Meinung nach fehlt ihm hier sowohl das brutale männliche Charme eines jungen Björling (Mensch, wieso hat er mit DLA nur die Boheme aufgenommen und der Welt eine herrliche Traviata-Aufnahme vom selben Rang vorenthalten ?( :faint:) als auch der delikate, etwas zögerliche und sehr kultivierte Vortrag eines Gedda (der als Alfredo auch mein vollstes Wohlgefallen genießt :] :]), der zur intelligenten Interpretation von DLA auch optimal passen würde. Tja, schade, vielleicht wird man ja in der fernen Zukunft alle Konserven miteinander beliebig mixen können und jedem Opernfan seine ultimalive Besetzung ermöglichen... Aber noch ist es lange nicht soweit :no:


    Der Vater Germont von Sereni gefällt mir persönlich wirklich sehr gut. Über das Dirigat kann ich nicht viel sagen, aber ich denke, Deine Beschreibung trifft zu.


    Alles Liebe,
    Eure immer unkonventionelle Traviatas bevorzugende


    Theodora

  • Liebe Theodora,


    Dein Urteil über Victoria de los Angeles und Carlo del Monte kann ich nur unterstreichen (und habe mich in diesem Thread schon früher einmal entsprechend geäußert). Diese Violetta überstrahlt ihren ältlich wirkenden Partner bei weitem. Dabei singt er im Grund wirklich nicht übel, ist aber vom Typ her für den Alfredo ziemlich ungeeignet. Zum Zeitpunkt der Einspielung empfand man das wahrscheinlich nicht so krass, weil damals noch die männlich-reife Note mehr gefragt, wenn auch schon auf dem Rückzug war.


    Der versehentlich getippte Mario del Monaco gehörte auch nicht zu den Spitzen-Alfredos. Er hatte zwar mehr Jugendkraft und Leidenschaft, aber er singt - wie man an einem kurzen Filmausschnitt feststellen kann - zu unflexibel (und steht außerdem recht steif da, was überhaupt nicht zur Rolle paßt).


    LG


    Waldi

  • Lieber Walter,


    oh Gott! Ich denke das mit del Monaco war ein typischer Freudscher Versprecher - man soll sagen A, denkt sich dabei aber B und schreibt versehentlich B :D :D Wenn wir ganz offen miteinander sind - dieser Vulkan vom Menschen hätte die intelligente Interpretation von DLA vielleicht schön unterstrichen?.. Ich mag zwar grundsätzlich keine Fortissimo-Brüll-Tenöre, aber der Mann ist doch wirklich eine Ausnahme... Meinst Du jetzt ihn oder doch del Monte, welcher von beiden hat denn nun einen steifen Alfredo abgeliefert? Vor kurzem habe ich über del Monaco gelesen, er hat sich im Kostüm Othellos beerdigen lassen... Bei so etwas verliere ich als eine ehrliche Tamina auch schon mal eine Träne...
    Alles Liebe,
    Deine


    Theodora

  • Liebe Theodora,


    Der steife Alfredo war Mario del Monaco, den ich in anderen Partien trotz seiner Unarten hoch schätze - er konnte ja auch subtiler, wenn er sich bemühte. Zu Victoria de los Angeles hätte er aber keinesfalls gepaßt. Für die wäre zum Beispiel Robert Ilosfalvy ein idealer Partner gewesen. Unter den Italienern neben einem di Stefano natürlich Valletti und auch andere.


    LG


    Waldi

  • Lieber Walter,


    Ach, man weiss ja nicht, ob das Schweigen immer zustimmung beduetet! 8)


    Betreffend Cotrubas habe ich einige Problemchen: im YouTube sind ihre Violetta-Aufnahmen zum größten Teil in einer völlig inakzeptablen Qualität vertreten und ich kaufe prinzipiell keine Aufnahmen, die ich vorher nie gehört habe, dafür bin ich zu arm. ;( Deswegen kann ich das ja gar nicht beurteilen, leider!
    Moffo gefällt mir in der Rolle sehr gut, sie hat dieses erotische Timbre, wie hat das ein Tamino so schön beschrieben - erinnert an Granatäpfel, bittere Schokolade und kräftigen Rotwein... Den Film mit Domingo und Stratas habe ich gesehen und fand ihn schön, aber für meinen Geschmack zu konventionell, wenn ich das so ausdrücken darf. Da bleibt in meinem Kopf nachher nichts hängen, verstehst Du was ich meine?
    Alles Liebe
    Deine


    Theodora

  • Liebe Theodora,


    Zeffirelli hat natürlich vor allem fürs Auge inszeniert, aber die Stratas ist schon auch schön anzuhören.
    Mit der Cotrubas kannst Du nichts falsch machen. Horch einmal in einem Laden in die Kleiber-Aufnahme hinein bzw., wenn das möglich ist, höre Dir den Wiener Krips-Livemitschnitt an (Näheres bei Barockbassflo weiter oben in diesem Thread). Die Cotrubas ist von Anfang an kein leichtes Mädchen (im Gegensatz zur Moffo). Das stört manche zwar, aber für mich kommt das dem Gehalt der Oper näher.


    Buona notte, ich muß jetzt leider heimwärts marschieren


    Waldi

  • Lieber Walter,


    jetzt bin ich gespannt! Mach ich unbedingt und erzähle dann von meinen Eindrücken!


    Weißt Du, genau das ist der Punkt, den ich bei einer richtigen Traviata auch für wichtig halte: Wenn nicht ein leichtes Mädchen, dann schon wenigstens eine Spur Lebensfreude sollte mindestens im ersten Akt dabei sein. Stratas ist mehr für "die Sklavin Isaura" geeignet, sie fängt zu früh an zu vergehen und ist von Anfang an zu tadellos und nett, um glaubwürdig zu sein. Was den Gesang betrifft, kann man natürlich nichts dagegen einwenden, musikalisch sehr schön. Allerdings finde ich, Domingo kann man, muss man aber nicht in jeder Rolle zu Hause haben.


    Alles Liebe,
    Deine


    Theodora

  • Liebe Theodora,


    Bei der Cotrubas ist die Halbwelt so etwas wie der verzweifelte Versuch der Violetta, ihr Wissen um ihr tödliches Leiden zu betäuben, das Leben noch einmal voll zu ergreifen. Natürlich gelingen ihr die folgenden Akte am besten, das seelenvolle Leiden konnte sie berührend vermitteln. Die Kurtisane lag ihr weniger, aber gerade das trifft für mich den Kern. Diese Violetta ist nicht wirklich leichtsinnig und vergnügungssüchtig, sondern einfach zutiefst verunsichert, sodaß sie vor der Realität in die Zerstreuung flüchtet - aber auch dort kein wirkliches, auch nur zeitweiliges Vergessen findet. Das ersehnte Befreiungsgefühl erfährt sie erst in der Beziehung zu Alfredo. Zwar weiß sie , daß ihre Krankheit nicht aufzuhalten ist, aber sie erlebt wenigstens noch, was Glück ist. Cornel McNeill ist als Vater Germont der ideale Partner für diese Interpretation.


    LG


    Waldi

  • Was mir im Zeffirelli - Film gefällt ist besonders der 1. Akt.


    Da ist die "Halbwelt" bei Violetta, und die stiehlt und raubt, beim Weggehen, was nicht niet- und nagelfest ist.


    Über Placido Domingo kann man geteilter Meinung sein, aber Teresa Stratas ist, von Anfang an, eine Frau, die weiß, dass sie krank ist, und sich an der Liebe zu Alfredo doch, wie an einen Strohhalm klammert.


    Es ist ihr herzlichst egal, dass das Gesindel alles nimmt, wichtig wird ihr ja dann doch die Liebe zu Alfredo.



    Liebe Grüße Peter aus Wien. :hello: :hello:

  • Liebe Peter und Walter,


    Hoho, meine Herren, ich habe eben mit ungläubigem Staunen festgestellt, in unserer Uni-Bibliothek gibt es die Aufnahme Björling-Schymberg! :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: Seid ihr neidisch??


    Ich finde, gerade das ist es ja, was Traviata zu einem ganz besonderen musikalischen Werk macht: Jeder hat eine eigene Version der Ereignisse und natürlich die eigene Sicht der Protagonisten.


    Alles Liebe,
    Eure


    Theodora

  • Nein, liebe Theodora!


    Da bei uns ja auch die UNI, am 1.10., wieder anfängt, werde ich schauen welche Schätze es da gibt,


    aber in Wien werden die sehr selten verborgt, man kann sie sich in der UNI anhören, aber da habe ich leider Vorlesungen und Seminare, und für Prüfungen zu lernen.


    Ich habe zur Violetta meistens diese Ansicht, wenn es in der Regie stimmt, und das habe ich in Salzburg mit der Netrebko nicht bemerkt.


    Liebe Grüße und viel Vergnügen an den diversen Violettas,


    wünscht Dir Peter aus Wien. :hello: :hello: :hello:


  • Die Aufnahme ist doch nichts Seltenes - sieht man davon ab, daß die Protagonistin gestern verstorben ist, was dem Ganzen etwas Aktualität verschafft:



    Aufnahme: 29.8.1939, live, Stockholm, stark gekürzt
    Dirigent: Herbert Sandberg
    Orchestra of the Royal Swedish Opera Stockholm
    Chorus of the Royal Swedish Opera Stockholm


    Alfredo Germont: Jussi Björling
    Annina: Margit Sehlmark
    Barone Douphol: Georg Svensson
    Dottore Grenvil: Göst Lindberg
    Flora Bervoix: Göta Allard
    Gastone de Letoriès: Olle Strandberg
    Giorgio Germont: Conny Molin
    Giuseppe: Ryno Wallin
    Marchese d'Obigny: Folke Jonsson
    Un commissario: Bertil Alstergård
    Violetta Valery: Hjördis Schymberg


    kostet gerade mal 7,99 EURO!



    LG

  • Liebe Taminos,


    @Harald
    Tja, so wird einem das Vergnügen verdorben :motz: auf der anderen Seite, wie viele Taminos können auf Anhieb behaupten, sie haben diese Aufnahme zu Hause im Regal stehen oder wie viele haben sie überhaupt gehört?
    Schymberg wirklich gestorben? Dann ist es ja höchste Zeit, sich mit ihrem Schaffen bekannt zu machen! Einen besseren Tribut kann es für einen Künstler nicht geben, imho.


    audiamus
    Blass verstehe ich gut. Aber wieso siehst Du den Zeffirelli-Film in den Farben der schwedischen Fahne? Björling ist doch da gar nicht dabei :D :D


    Alles :angel:
    Eure


    Theodora

  • Zitat

    Original von Theodora
    wie viele Taminos können auf Anhieb behaupten, sie haben diese Aufnahme zu Hause im Regal stehen


    Ich habe.


    Zitat

    oder wie viele haben sie überhaupt gehört?


    Ich habe nicht. Bisher. Es ist aber auch manchmal zu verführerisch mit den billigen Cantus-Dingern. Kaufen und wegstellen und vergessen.


    Jetzt wäre das schamrote Mondgesicht dran, wenn ich mir nicht vorgenommen hätte, die Dinger nicht zu benutzen.


    Grüße,
    Micha

  • Zitat

    Original von Michael M.


    Jetzt wäre das schamrote Mondgesicht dran, wenn ich mir nicht vorgenommen hätte, die Dinger nicht zu benutzen.


    Grüße,
    Micha


    Das hatte ich mir zu Beginn auch vorgenommen. Irgendwann war es mir einfach zu anstrengend, ständig schreiben zu müssen: "Jetzt wäre.....". Also, sei nicht so streng zu Dir selbst :P


    :hello:
    Wulf

  • ich hoffe, ich bin hier an dieser Stelle nicht ganz falsch ! Ich habe eine Frage !
    mir wurde die Traviata mit Gruberova / Shicoff empfohlen,ich bin da etwas mißtrauisch und möchte mein Geld nicht unnütz ausgeben !
    Ich habe die Traviata als Video mit Teresa Stratas und als Gesamtaufnahme mit E.Cotrubas ( C. Kleiber- meiner Meinung nach nicht zu übertreffen )
    ich habe Shikoff schon in München gesehen( Tosca ) und fand ihn nicht überzeugend, was ja in anderen Rollen vielleicht doch möglich ist.
    Vielleicht kennt jemand die genannte Aufnahme und kann etwas dazu sagen,vielen Dank!
    Gruß Odabella :yes:

  • Liebe Odabella,


    Ich weiß aus eigener Erfahrung (bin ja selber noch sehr neu), dass es einige Zeit braucht, bis man begriffen hat, wie man die passenden threads findet, um seine Anfragen oder Bemerkungen reinzustellen. Aber wenn jeder für alles gleich einen neuen eröffnet, wird die ganze Sache ja nur noch unübersichtlicher...


    Gruberova kann ich persönlich Dir nicht empfehlen, aber ehrlich gesagt würde ich Gruberova nie niemandem empfehlen in welcher Aufnahme auch immer...


    Viele Grüße!
    Micha



  • Liebe Odabella,



    Du hast doch schon zwei ganz hervorragende Aufnahmen ;)


    Diese


    Giuseppe Verdi (1813-1901)
    La Traviata


    Gruberova, Shicoff, Zancanaro, Bacelli, Barrell,
    London SO, Rizzi
    Label: Teldec , DDD, 1992




    steht bei mir nur im Regal, weil mich ganz speziell die Interpretation der Gruberova interessierte und ich sie überdies einmal beim Marketplace äußerst günstig erwerben konnte.


    Die Sänger WÄREN ja recht gut, wenn der Dirigent sie ließe - absoluter Schwachpunkt der Aufnahme ist aber Carlo Rizzi, der ja auch Jahre später die berühmte Salzburger Traviata mit AN un RV "dämpfte", nachdem er den leider verstorbenen Marcello Viotti ersetzt hatte...


    Zu Deinen vorhandenen Aufnahmen ists qualitativ aber noch weit! - Ich werde mir die Aufnahme gerne vormerken für eine genauere Bewertung im TMOO-Thread, das kann aber noch ein paar Tage dauern.



    LG, Elisabeth

  • Liebe Taminos,


    @Michael
    Na, dann tue ich Dir mit meinen frechen Fragen was Gutes! Ich fände es passend, wenn Du in diesem THread über Deine Eindrücke von der Aufnahme berichten würdest!


    Was Gruberova anbetrifft, so habe ich sie als Violetta zwar noch nie gehört, würde aber nicht auf Anhieb behaupten, ich kann sie mir optimal in dieser Rolle vorstellen und schon gar nicht als erste Referenz nennen, wenn man seine erste Traviata kaufen will. Damit will ich keineswegs behaupten, dieser Sängerin würde kein Respekt zustehen oder sie wäre keine Weltklasse. Doch die erste Referenz für Traviata wäre sie für mich trotz alles Respektes nicht. Es gibt ja außer der schon ausgiebig diskutierten Stratas und Cotrubas immer noch die Callas, die hier Maßstäbe setzte und eine Menge an schönen modernen Versionen, wenn man Netrebko nicht mag, dann wäre eine wunderschöne Version von Reneé Fleming.


    Alles Liebe,
    Eure


    Thea

  • Zitat

    Original von Theodora
    Aber wieso siehst Du den Zeffirelli-Film in den Farben der schwedischen Fahne? Björling ist doch da gar nicht dabei :D :D



    Bei diesen Lichtwechseln von kalt nach warm v.v. denkst Du Dir einfach "alter Schwede..."



    audiamus



    .