• Nachdem Bartoks BLAUBART schon erfasst scheint, wobei bezeichnenderweise die Zahl der besprochenen Aufnahmen die der Teilnehmer übertrifft, frage ich mich, warum noch niemand hier den WOZZECK aufgegriffen hat. Bei mir liegt das daran, dass ich zu wenig Vergleiche habe. Dennoch möchte ich schon mal den Thread anregen und folgende Rollen vorgeben:


    cd/DVD...


    Dirigent und Orchester:
    Wozzeck:
    Marie:
    Hauptmann:
    Tambourmajor:
    Sonstige:


    Wertung:


    Ich werde mich dann später mit meiner Einschätzung einschalten. Im Augenblick ist mir nämlich leider nur die Naxos-Aufnahme gegenwärtig.


    :hello: Jacques Rideamus


    Links:
    Allgemein: Alban BERG: WOZZECK
    Opernführer: BERG Alban: WOZZECK


  • Chor u. Orch Opéra Paris - Pierre Boulez - 5+


    Wozzeck: Walter Berry - 5+ (Er war DER Wozzeck)
    Marie: Isabell Strauss - 5 (Eine Ausdruckssängerin)
    Hauptmann: Albert Weikenmeier - 5 (Seine nicht schöne Stimme, trifft die Figur genau)
    Tambourmajor: Fritz Uhl - 5 (ist hier bedeutend besser besetzt, als im "Tristan")
    Sostige: 4


    Wertung: 29/6 = 4,83


    TQ: 5 (1965)


    (Wahrscheinlich durch Boulez und Berry eine Referenzaufnahme.)


    :hello:Herbert.

  • Lieber Herbert,

    Zitat

    (Wahrscheinlich durch Boulez und Berry eine Referezaufnahme.)


    :yes: - aber nicht nur deshalb. Vor allem ist es glänzend gelungen, die Arten des vokalen Ausdrucks vom Sprechen über den Sprechgesang, den an den Gesang angenäherten Sprechgesang und den reinen Gesang zu differenzieren. Die Sängerbesetzung ist bis in die kleinsten Rollen überragend - ich würde die Wertung genau so abgeben wie Du.
    :hello:


  • Bitte verdoppeln, bin der selben Meinung - nur habe ich als Marie lieber Christa Ludwig gehabt!


    :hello: Liebe Grüße aus Wien, Peter.


  • Rundfunk Sinf. Orch. Leipzig, Herbert Kegel - 5 (kompetent, werkgerecht)


    Wozzeck: Theo Adam - 4 (sehr wortdeutlich, aber wenig berührend)
    Marie: Gisela Schröter - 4 (schrill dramatisch)
    Hauptmann: Horst Hiestermann - 4 (recht mäßig)
    Tambourmajor: Reiner Goldberg - 4 (stemmender, fast Heldentenor)
    Sonstige - 4


    Wertung: 25/6 = 4,16


    TQ. 4+ (1976)


    :hello:Herbert

  • Ich weiche nur leicht von Herbert ab:



    Rundfunk Sinf. Orch. Leipzig, Herbert Kegel - 5+ (glasklar strukturalistisches und dabei mitreißend dramatisches Dirigat)


    Wozzeck: Theo Adam - 5 (sehr wortdeutlich und sehr berührend)
    Marie: Gisela Schröter - 5 (dramatisch, ergreifend - bisweilen hinreißend hysterisch)
    Hauptmann: Horst Hiestermann - 4 (gut)
    Tambourmajor: Reiner Goldberg - 4,5 (richtig böse)
    Sonstige - 4


    Wertung: 27,5/6 = 4,58


    TQ. 4+ (1976)


    Viele Grüße,
    Medard

  • In der Sammlung fehlt mir noch der Wozzeck, den Karl Böhm für die DGG aufgenommen hat. Heute ist er nur noch gekoppelt mit "Lulu" in einer Box zu bekommen, aber: besser so als gar nicht.



    Bei dieser Aufnahme kann ich nur - so leid's mir tut - schwärmerische Kommentare abeben. Als Schüler konnte ich mir nur eine leisten, habe in der Biblithek Dortmund Vergleich gehört (mit einer bereits genannten Aufnahme) und fand diese in allen Punkten überlegen.


    Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin / Karl Böhm: - 5
    Wozzeck: Dietrich Fischer Dieskau (als perfekte Inkarnation der Rolle, von demütig "Jawohl, Herr Hauptmann..." über aufbegehrend "Im Himmel müssten wir donnern helfen" bis zur finalen Wahnvisio "das Messer, wo ist das Messer...") - 5
    Hauptmann: Gerhard Stolze (dessen hoher Tenor sich gut gegen FiDi und Christina Kohn als Doktor Sargnagel absetzt, sehr modulationsfähig ist ubnd im Sprechen wie im Singen einen hysterisch überdrehten Hauptmann gibt) - 5
    Marie: Evelyn Lear: Marie (singt und spielt die Rolle, als würde sie tatsächlich sieben paar lederne Hosen durchgucken, bringt aber gleichzeitig Melancholie und eine gewisse Selbstaufgabe mit ins Rollenverständnis) - 5
    Tambourmajor: Helmut Melchert (Die übelste Rolle im Stück glaubhaft fies dargeboten; ein Abgrund) - 5
    Andres: Fritz Wunderlich (jaja, die Rolle Aufnahmen unterschlagen, verdient in dieser Aufnahme aber unbedingt Erwähnung; klarer, nahezu stählerner Tenor, der dieser merkwürdigen Rolle Lebendigkeit verleiht) - 5


    Rest: auch 5


    Sorry, 35:7= 5


    Drunter mach' ich's in diesem Falle nicht.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.



  • Ich kann mich nur Thomas anschließen. Eine herrliche Interpretation :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:

  • Philharmonisches Staatsorchester Hamburg/Chor der Hamburger Staatsoper, Ingo Metzmacher - 5
    Wozzeck: Bo Skovhus - 5
    Marie: Angela Denoke - 5
    Hauptmann: Chris Merritt - 4
    Tambourmajor: Jan Blinkhof – 4
    Sonstige – 4


    Wertung: 27/6 = 4,67


    TQ: 5


    Hamburger Staatsoper, 1998 live
    Label: EMI

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")

  • Wiener Philharmoniker/Chor der Wiener Staatsoper, Karl Böhm - 5
    Wozzeck: Walter Berry – 5+++
    Marie: Christel Goltz - 5
    Hauptmann: Peter Klein - 5
    Tambourmajor: Max Lorenz – 4
    Sonstige – 5+ (Dönch als Doktor!!)


    Wertung: 29/6 = 4,83


    TQ: 3


    Wiener Staatsoper, 25.11.1955
    Label: CANTUS CLASSICS

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")



  • Chor und Orchester des Gran Teatre del Liceu Barcelona - Sebastian Weigle 5
    Da ich das Werk zum ersten Mal gehört habe, kann ich natürlich wenig über richtig oder falsch, langweilig oder überdreht sagen - aber es hat mir gefallen und macht meines Erachtens die Facetten und Schönheiten der Partitur auch für den Anfänger hörbar.


    Wozzeck: Franz Hawlata 5
    Gewiss, über sein Timbre, seine Stimmführung kann man sich streiten. Aber der Wozzeck hat auch seine tiefen Stellen, und da kommt Hawlatas Bass zur Geltung. Vor allem aber ist er in der Lage, sich völlig in eine Figur und eine Inszenierung hineinzuversetzen. Er wird wirklich zu der Person, die er spielt. Wie er den verzweifelten, tumben, einfachen Soldaten Wozzeck rüberbringt, das hat großes Format.


    Marie: Angela Denoke 5
    Vokal bereitet ihr die Partie keinerlei Probleme, und auch darstellerisch bleibt sie nichts schuldig.


    Hauptmann: Hubert Delamboye 5
    Mit stellenweise arg gepresstem und leerem Tenor verleiht er der Figur eine bedrohliche Suggestionskraft. Klingt blöd, ist aber so.


    Tambourmajor: Reiner Goldberg 5
    Wie der fast Siebzigjährige die Partie meistert, das kann sich sehen lassen.


    Sonstige: 5
    Besondere Erwähnung verdient hier Johann Tilli als bass- wie falsettstarker, bruchlos singender und bedrohlich wirkender Doktor.


    Inszenierung: Calixto Bieito 5
    Bieito zeigt uns eine industrielle Welt, in der der Einzelne nichts mehr wert ist, in der das Grauen allgegenwärtig ist. Da ist jeder Anflug von Persönlichkeit zum Scheitern verurteilt. Wozzecks Sohn ist kahlköpfig und muss künstlich beatmet werden. Im Industriecontainer-Wohnzimmer hegt Wozzeck ein kleines Rasenstück. Da werden ihm auch einmal Gedärme vorgehalten - aber das alles wirkt nie provokativ oder "Ach-guckt-mal-wie-toll-ich-schockieren-kann"-mäßig, sondern einfach nur wahr und richtig.


    GESAMT 5


    Fazit:
    Das war mein erster "Wozzeck". Und er hat den Erfolg erzielt, den ich mir erhofft hatte: Er hat mich dazu gebracht, mich mehr mit moderner Musik beschäftigen zu wollen. Kann es einen größeren Erfolg geben?


  • Ich kann mich nur Thomas anschließen. Eine herrliche Interpretation :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:


    Auch ich schließe mich hier an und liebe diese Aufnahme sehr, auch wenn ich die nicht immer ganz textverständliche Evelyn Lear nicht ganz auf dem Niveau von FiDi, Stolze und Wunderlich sehe.


    Ansonsten schätze ich auch sehr zwei Live-Mitschnitte aus der Deutschen Staatsoper Berlin, der erste von 1985 unter Siegfried Kurz mit Siegfried Lorenz in der Titelpartie und Cahtherine Montgomery-Meissner als Marie sowie dem damaligen Staatsopern-Ensemble (Goldberg, Menzel, Wolf etc.), und die zweite von 1994 unter Daniel Barenboim mit Franz Grundheber und Waltraud Meier, dazu Clark, von Kannen, Vogel etc. - der erste Mitschnitt war mal im Internet runterladbar, aber nie im Handel, der zweite Mitschnitt (quasi die Tonspur der damaligen Fernsehübertragung bei arte) war als CD offiziell auf dem Markt.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


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