Beethoven: Variationen für Klavier solo

  • Salü,


    nachdem ich in meinem Notenschrank aufgeräumt und ca. 95% an die antiquarische Abteilung des teuersten Plattenladens in Karlsruhe versetzt habe, sind ein paar Bände übrig geblieben. Darunter Klaviervariationen Beethovens. Dabei habe ich beim Durchblättern neben den himmlischen WoO 77 in G-Dur die Variationen op. 35 über das 'Eroica'-Thema entdeckt [irgendwo war es im Hirnkastl vergraben... :O ].


    Empfehlungen zu HIP-Einspielungen, insbesondere zu op. 35, werden mit Dankbarkeit nicht unter Lebenslänglich bedacht.


    :lips:


    Ulli


    Falls es eine diesbetreffenden Thread bereits geben sollte, bitte ---> verschieben.

  • Nicht HIP, aber hörenswert:


    Brendel: gefällt mir gut,
    Arrau: eher unauffällig
    Gilels: kann mich nicht genau erinnern
    Gould: mir am besten in Erinnerung. Fängt eher klavierschulenmäßig, langsam an. Dann gewinnt das Ganze langsam, etwa bei der 3. Variation an Fahrt, um sich dann so zu steigern, daß man - schließlich bei der Fuge angekommen - das Atmen vergißt.
    Lortie: keine Erinnerung


    Das habe ich, kein HIP dabei.


    Lieben Gruß aus Bonn :hello:

  • Tut mir leid, habe alles durchsucht, aber von op. 35 keine HIP-Version gefunden, nur von drei WoO-Variationszyklen.
    Vielleicht macht Ronald Brautigam die Variationen, wenn er mit den Sonaten durch ist - hat er ja bei Mozart auch gemacht ...

  • Hallo zusammen,


    von R. Brautigam gibt es eine Einspielung der frühen Variationswerke Beethovens (die leider nicht die Eroica-Variationen beinhaltet):



    Sie muss wohl aus den frühen neunziger Jahren stammen. Leider kenne ich die Aufnahme nicht persönlich, kann also nichts dazu sagen - aber da Brautigam auf dem Pianoforte als Interpret von Beethoven-Sonaten mit Recht in allererster Reihe steht, lohnt sich das Anhören sicher.


    Gruß
    Pylades

  • Wußt' ich's doch!
    Inzwischen sieht sie so aus, als Doppel-CD mit den frühen Sonaten.



    Inhalt:


    LUDWIG VAN BEETHOVEN (1770-1827)


    CD 1: The Early Piano Variations
    Thirteen Variations in A major on the arietta “Es war einmal ein alter Mann” from the Singspiel Das rote Käppchen by Carl Ditters von Dittersdorf, WoO 66 (1792) - Twelve Variations in C major on the “Menuett à la Vigano” from the ballet Le nozze disturbate by Jakob Haibel, WoO 68 (1795) - Nine Variations in A major on the aria “Quant’è più bello” from the opera La Molinara by Giovanni Paisiello, WoO 69 (1795) - Six Variations in G major on the duet “Nel cor più non mi sento” from the opera La Molinara by Giovanni Paisiello, WoO 70 (1795) - Twelve Variations in A major on the Russian Dance from the ballet Das Waldmädchen by Paul Wranitzky, WoO 71 (1796) - Eight Variations in C major on the romance “Une fièvre brûlante” from the opera Richard Cœur de Lion by André Grétry, WoO 72 (1796) - Ten Variations in B-flat major on the duet “La stessa, la stessissima” from the opera Falstaff by Antonio Salieri, WoO 73 (1799) - Seven Variations in F major on the quartet “Kind, willst du ruhig schlafen” from the opera Das unterbrochene Opferfest by Peter Winter, WoO 75 (1799)


    CD 2: The First Piano Sonatas
    Sonata No. 1 in f minor, Op. 2/1 (1793-5) - Sonata No. 2 in A major, Op. 2/2 (1794-) - Sonata No. 3 in C major, Op. 2/3 (1794-5) - Sonata No. 19 in g minor, Op. 49/1 (1795-8) - Sonata No. 20 G major, Op. 49/2 (1795-6)


    Ronald Brautigam, fortepiano


    (fortepiano by Paul McNulty, Amsterdam 1992, after Anton Walter, Vienna 1795)

  • Mir ist keine HIPpe Aufnahme von op.35 (oder 34 oder WoO 80 oder op.120) bekannt. Wenn Brautigam sie erst nach den kompletten Sonaten für BIS aufnimmt, kann das noch zwei Jahre oder mehr dauern.


    Nicht nur deswegen empfehle ich auch Gould, recht preiswert in der Original-Cover-Version. Das ist wirklich eine großartige CD. Er beginnt die Eroica-Variationen tatsächlich ziemlich langsam, was aber den Einleitungscharakter der ersten Variationen über den Bass unterstreicht und durchaus wirkungsvoll ist. Die leicht barockisierenden c-moll-Variationen kommen ihm ohnehin entgegen und auch op.34 sind sehr gut



    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Womöglich Roland Pöntinen bei BIS von 1986?

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • Zitat

    Beethoven Klavierstücke
    A tribute to Malcolm Bilson on the Occasion of his 70th Birthday.
    Bart van Oort; David Breitman; Tom Beghin; Ursula Duetschler; Zvi Meniker; Andrew Willis.
    Rondos op 51; Variations WoO 75; Rage over the Lost Penny, op 129; Variations op 34; Six WoO Pieces; Bagatelles op 126.
    Recorded: 2004-2005. Released October 2005.


    Das habe ich heute auf der Website von Bart van Oort entdeckt (ganz unten!) - wenn ich konkrete Bezugsquellen finde, füge ich sie hinzu. Das sind die Pianisten, die bei Claves mit Bilson zusammen alle Sonaten aufgenommen haben.

  • Zitat

    Original von a.b.
    Womöglich Roland Pöntinen bei BIS von 1986?


    In der Tat:



    http://www.bis.se/index.php?op=album&aID=BIS-CD-353


  • Woraus geht hervor, daß es sich bei "piano" um ein historisches Instrument handelt? Wäre das nicht Mitte der 80er ziemlich deutlich hervorgehoben worden?


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
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    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Salü,


    etwas unHIP, aber mit dabei:



    Die 'Eroica'-Variationen. Ich wünschte aber, ich hätte sie in dieser Aufnahme nie gehört... das klingt ja sowas von grauenhaft! Ein verstimmtes Kneipenklavier klingt dagegen noch himmlisch...


    Naja, ich werde weitersuchen.


    :hello:


    Ulli

  • Großer Meister,
    mal nur ganz kurz in diesen Thread gewandert.
    In Deinem Sinne des akribischen Lesens tat ich das auch mit Deinem Eröffnungsthread. Da bisher noch niemand auf Deinen die Eröffnung eröffnenden Satz eingegangen ist - quasi auf die Intro zu Deiner Ouvertüre - lass mich doch rasch fragen: Ulli, was ist in Dich gefahren?


    Dieser Satz

    Zitat

    nachdem ich in meinem Notenschrank aufgeräumt und ca. 95% an die antiquarische Abteilung des teuersten Plattenladens in Karlsruhe versetzt habe

    gab mir denn doch zu denken.



    Zitat

    nachdem ich in meinem Notenschrank aufgeräumt und ca. 95% an die antiquarische Abteilung des teuersten Plattenladens in Karlsruhe versetzt habe,

    Was ficht Dich an, Meister? Focht Dich an? Ich kenne das ja von mir: Raus mit Altem, Platz für Neues, Feng Shui und Ratz Fatz weg mit.


    Eigenartig: Am ungläubigsten wurde ich angeschaut, als ich Klavier-Klassik-Noten an eine angehende Studentin verschenkte. Sie meinte: Ihre Klavierlehrerin hätte gemeint, Noten würde sie nie verschenken. Ich kam mir vor wie der Glöckner von Notre Dame oder zumindest wie der kleine Hevelmann.


    Ohne die hehren Gedanken all der andern stören zu wollen, und mit dem Versprechen, nicht weiteres mehr in diesem Thread von mir zu geben, sei mir doch die eine einzige Frage erlaubt:
    Sag Er, wie kam Er dazu, 95% der Noten...
    Oder waren in dem Notenschrank Platten? Alte Platten?


    Möchte noch eine klitzekleine Frage anschließen: Eine HIP-Aufnahme: Was bedeutet das? HIP ist mir geläufig, aber in Verbindung mit dem Thread und mit Klassik kommen mir da doch so meine Zweifel. Auch hier wäre ich um eine Antwort dankbar.



    Zum Abspann dafür noch eine kuriose Story:


    Als Orgelschüler erlebte ich einst, wie eine Dame zum Orgeluntericht in die Kirche kam, in den Händen ein Notenblatt eines Bachschen Orgelwerkes mit vielen Eintragungen. Es stellte sich heraus, dass sie Orgelnoten mit den Eintragungen Albert Schweitzers geerbt hatte. Da ihr das Buch aber zu schwer war, hatte sie eine Seite oder auch mehr einfach herausgetrennt. VIelleicht die fehlenden 5%...


    Es grüßt


    wg :hello:

  • Ach, das war alles so'n Kram, den ich nie (wieder) spielen werde und der mir nur kostbaren Platz raubt: Grieg, Mendelssohn, Brahms, diverse unausprechliche Namen mit vielen Ypsilons und Strichen auf den Umlauten... mir reichen Bach, Händel, Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, etwas Schumann und ein paar Besonderheiten.


    Zu HIP haben wir diverse Threads (nicht zu verwechseln mit Hipp), zum Bleistift:


    HIPS
    Unterthema HIP: Originalinstrumente oder Nachbauten?
    Historische Interpretationspraxis auf Tonträger im Laufe der Jahrzehnte - von den Wurzeln bis heute
    "Wie historisch korrekt ist HIP wirklich ?" - Kritische Gedanken über heutige Interpretationspraxis
    Streichquartette auf historischen Instrumenten
    Klaviersonaten der Klassik auf "Originalinstrumenten"
    Mozart – HIP only


    Lange Liste, kurzer Sinn: Ich höre, wenn es geht, nur HIP.


    :hello:

  • Zitat

    Ach, das war alles so'n Kram, den ich nie (wieder) spielen werde und der mir nur kostbaren Platz raubt: Grieg, Mendelssohn, Brahms, diverse unausprechliche Namen mit vielen Ypsilons und Strichen auf den Umlauten...


    Da kann ich ja jetzt beruhigt ins Bett wandern.


    Allerdings: Es hätte ja auch sein können, dass in Deinem Notenschrank - zumindest in dem, den Du ausgeräumt hast - nur ein einziger Notenband gestanden hätte. Und dann wären 95% nicht mal ein einziger ganzer Band, alter Geizhals. :hahahaha:


    Aber Du hast mich entschädigt mit den HIP-Sachen. Danke.


    WG :hello:


  • Manchmal wird man halt bestraft, wenn man glaubt, mit "grauen" Radiomitschnitten (oder was immer das für Aufnahmen sind), Schnäppchen machen zu können. :rolleyes: Die weiter oben gezeigte "offizielle" CD mit den drei Variationen op.34,35, WoO 80 mit Gould ist für <Euro 10 zu haben. Es ist zwar Gould und vielleicht nicht jedermanns Sache, aber mir gefällt sie sehr gut (und außer dem ziemlich langsamen Beginn der Eroica-Var. ist sie für Goulds Verhältnisse nicht sehr exzentrisch).


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Emil Gilels hat in seiner leider nicht mehr vollendeten DG-Gesamtaufnahme glücklicherweise die "Eroica"-Variationen eingespielt. Wie zu erwarten, eine sehr differenzierte und kraftvolle Interpretation. Der Humor, sofern überhaupt vorhanden, ist zwar eher grimmig, aber das passt ebenso zu dem Stück wie der manchmal etwas harte Klavierklang (man beachte etwa am Anfang wie das "ta-ta-taaaam" in die ganz anders abgetönten Figurationen der ersten "Variationen" noch vor Erscheinen des eigentlichen Themas hineindonnert).


    Wer die Kosten dieser Beinahe-Gesamtaufnahme (ca. EUR 55) scheut, findet die Einzel-CD zu einigermaßen akzeptablen Preisen auf dem marketplace gebraucht (leider ohne Info, welche der Sonaten als Kopplung mit dabei ist, ziemlich sicher NICHT op.22 und op.26 wie in der Box)



    Mich wundert, dass es gar nicht so viele Einspielungen dieses Stücks zu geben scheint (verglichen mit den Diabellis, mit denen man die Straßen pflastern kann...). Abgesehen von Schnabels und Brendels (beinahe?) kompletten Aufnahmen auch der weniger bedeutenden Variationen gibt es noch Gould (m.E. eine seiner besten CDs) und Mustonen (exzentrischer als Gould) einzeln. Arrau anscheinend nur in einer historischen Einspielung bzw. vergriffen.
    Backhaus, Kempff, Kovacevich? Hier finde ich nichts. Kennt jemand Richters? Ist das seine einzige erhältliche Interpretation:



    :hello:


    JR

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    (Bob Dylan)


  • Nein:
    Variations in E flat, opus 35 "Eroica"


    * (London, Royal Festival Hall, 20 Oct 1968)
    o AS Disc 322 (CD) or Notes PGP 11004 (CD) or Historical Performers HP 18 or HP 38 (CD)
    o Memories 4436/37 (CD)
    o Musica Viva [ Greece ] 88.052 (CD)
    o BBC Legends BBCL 4090 (CD 2002)
    * (Carnegie Hall, New York, 5 April 1970)
    o Intaglio 7161 (CD)
    o Piano Time / Gold Recording PTC 3002 (CD)
    * (Teatro La Fenice, Venice, 1 June 1970)
    o Music & Arts CD-879 (CD)
    o Arkadia 919.1 (CD)
    * (Salzburg, 17 - 19 July 1970)
    o Ariola/Eurodisc 80652 MK (LP 1972)
    o Melodiya CM 02761/2 (LP 1971)
    o Olympia OCD 339 (CD)
    o Melodiya/JVC VIC 3031 (LP 1976) or VIC 5301-2 (LP 1980) or VIC 3129 (LP 1983)
    o Melodiya/JVC VDC 1085 (CD 1986) or JVC VICC-22007 (CD 1997)
    o Melodiya/Angel SR-40183 (LP 1972)
    o Le Chant du Monde LDX 78559 (LP 1974)
    o Eterna 826365 (LP 1972)
    o Eurodisc GD 69051 (CD)
    o MHS 3946 (LP 1979)
    o Music & Arts CD-775 (CD)
    o Quintessence 7210 (LP 1973)
    o Shinsekai SMK 7660 (LP 1971) or MK 7755 (LP 1973)
    o Olympia [Russia] 501093 (CD)
    o Regis [UK] RRC 1230 (CD)


    :hello:

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • Mich wundert, dass es gar nicht so viele Einspielungen dieses Stücks zu geben scheint (verglichen mit den Diabellis, mit denen man die Straßen pflastern kann...). Abgesehen von Schnabels und Brendels (beinahe?) kompletten Aufnahmen auch der weniger bedeutenden Variationen gibt es noch Gould (m.E. eine seiner besten CDs) und Mustonen (exzentrischer als Gould) einzeln. Arrau anscheinend nur in einer historischen Einspielung bzw. vergriffen.
    Backhaus, Kempff, Kovacevich? Hier finde ich nichts.


    Backhaus hat die Variationen auch nicht aufgenommen, Kovacevich meines Wissens auch nicht. Kempff hat die Variationen 1968 für die Deutsche Grammophon eingespielt, zusammen mit den Variationen in F-Dur op. 34 und denen in c-moll WoO 80. Sie sind leider bislang nur auf LP erschienen.

    Es gibt auch noch sehr gute Aufnahmen mit Buchbinder (im Rahmen der Gesamtaufnahme aller Variationen für Teldec) und Gulda (1950; Original Masters - Decca).

    Übrigens sollte das Alter der (ersten) Aufnahme mit Arrau (1941) kein Kaufhindernis sein.


    Rainer

  • Mich wundert, dass es gar nicht so viele Einspielungen dieses Stücks zu geben scheint (verglichen mit den Diabellis, mit denen man die Straßen pflastern kann...). Abgesehen von Schnabels und Brendels (beinahe?) kompletten Aufnahmen auch der weniger bedeutenden Variationen gibt es noch Gould (m.E. eine seiner besten CDs)


    Hat Gould nicht zwei Einspielungen der Eroica-Variationen vorglegt, eine frühe noch in Mono und die späte in Stereo sehr langsam?
    Welche ist gemeint?

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • Hat Gould nicht zwei Einspielungen der Eroica-Variationen vorglegt, eine frühe noch in Mono und die späte in Stereo sehr langsam?
    Welche ist gemeint?


    Es ist die m.E. einzige offizielle gemeint (Sony/CBS stereo, am Anfang recht langsam), weiter oben abgebildet bzw. verlinkt. Diese CD besitze ich seit fast 20 Jahren. Ich habe keinen Überblick noch strebe ich den an über Goulds in den letzten Jahren auf allen möglichen Labeln aufgetauchten sehr frühen Aufnahmen für den Rundfunk oder live.


    Mir ist eingefallen, dass ich Guldas Mono-Aufnahme auch noch auf einer dubiosen CD besitze, die werde ich nachher mal anhören.


    viele Grüße


    JR

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    (Bob Dylan)

  • Emil Gilels hat in seiner leider nicht mehr vollendeten DG-Gesamtaufnahme glücklicherweise die "Eroica"-Variationen eingespielt. Wie zu erwarten, eine sehr differenzierte und kraftvolle Interpretation. Der Humor, sofern überhaupt vorhanden, ist zwar eher grimmig, aber das passt ebenso zu dem Stück wie der manchmal etwas harte Klavierklang (man beachte etwa am Anfang wie das "ta-ta-taaaam" in die ganz anders abgetönten Figurationen der ersten "Variationen" noch vor Erscheinen des eigentlichen Themas hineindonnert).


    Wer die Kosten dieser Beinahe-Gesamtaufnahme (ca. EUR 55) scheut, findet die Einzel-CD zu einigermaßen akzeptablen Preisen auf dem marketplace gebraucht (leider ohne Info, welche der Sonaten als Kopplung mit dabei ist, ziemlich sicher NICHT op.22 und op.26 wie in der Box)


    Hallo Johannes,


    ich habe die Eroica-Variationen noch gehört mit Gilels - sein letztes Solo-Konzert in der Düsseldorfer-Tonhalle. Dieser bäuerliche Humor - da ist Gilels einfach der ideale Interpret. Es gibt noch einen - auch klanglich - wunderren Konzertmitschnitt, veröffentlicht in der BBC-Serie:


    http://www.jpc.de/jpcng/classi…lels-Klavier/hnum/3266963


    Die Eroica-Variationen sind dort vergessen worden in der Aufstellung - aber auf dem Cover kann man sehen, daß sie dabei sind! Auch der Scriabin und der Ravel ist übrigens sensationell! Eines der besten Konzerte von Gilels! :)


    Beste Grüße
    Hiolger

  • Ich habe jetzt Mustonen (Decca 1993) und Gulda (1950, auf membran/documents mit einigen Klaviersonaten, stammt vermutlich ursprünglich von Decca?) angehört. Mustonen fand ich vor einigen Jahren, als ich die kennenlernte, ja sehr spannend und interessant, aber diesmal gingen mir seine Manierismen, sein beinahe durchgehendes "gläsernes" staccato auf die Nerven. Gulda fand ich ebenfalls nicht besonders bemerkenswert; der etwas verwaschene Klang mag an Alter/Überspielung liegen, die Interpretation ist sehr gradlinig, die Kontraste zwischen den Variationen werden nicht so deutlich herausgespielt wie bei Gilels; vielleicht höre ich mir am Wochenenende noch Gould und Schnabel an, aber von den bisherigen war Gilels klar am besten.
    Seine Klaviersonaten finde ich ja oft etwas zu massiv, tendenziell humorlos, freilich, wo es passt, dann eben auch monumental und immer sehr klar und differenziert. Die Variationen bringen seine Stärken gut hervor, was mir bei einigen Sonaten fehlt, das Überschlagende, Aus-sich-Herausgehen erwarte ich bei den Variationen nicht wie vielleicht bei der Appassionata (die und etliche andere Sonaten sind mir in der Studio-Aufnahme zu kontrolliert und nüchtern).
    Wer die Beinahe-GA scheut, für den ist die von Holger genannte BBC-Aufnahme vermutlich eine gute Option (zusätzlich kaufen werde ich sie mir aber sicher nicht).


    viele Grüße


    JR

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  • Neben den auch hier schon besprochenen Eroica-Variationen in der Interpretation von Emil Gilels kann ich auch die in meiner Sammlung befindliche Gesamtaufnahme der Variationen mit Alfred Brendel empfehlen:



    Liebe Grüße


    Willi :rolleyes:

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Ich habe heute nun Richters Aufnahme von 1970 (ursprgl. Melodiya/Ariola, dann als CD bei Olympia, jetzt Regis) erhalten und eine Aufnahme Arraus von 1952, die anscheinend lange unerhältlich war, aber im Ggs. zu seiner Stereo-Einspielung von 1968 momentan einzeln erhältlich ist. (Diese Zusammenstellung enthält anscheinend einige weitere seltene Aufnahmen, lohnt sich vielleicht für einige hier.)



    JR

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    (Bob Dylan)

  • Ich habe nun die o.g. Aufnahmen von Richter und Arrau gehört. Vorweg, beide sind nichts für die, die Wert auf guten Klang legen. Der Arrau ist ordentliches Mono, aber doch mit deutlich vernehmbaren Rauschen und anderen Einschränkungen (und beitet keine Einteilung in einzelne Tracks). Richters klingt, wie leider einige andere dieser vorher bei Olympia erschienenen Aufnahmen für 1970 sehr mies (irgendwie dumpf und gleichzeitig hart?), Remastering hat anscheinend auch nicht viel geholfen. Obendrein höre ich beim Richter ein paar "Klicks" die wie digitale Fehler klingen (ich dachte zuerst am Laptop, das läge am Abspielprogramm, das so etwas manchmal bei neuen Tracks macht, es kam aber auch über die richtige Anlage).


    Arraus ist gut, aber m.E. muss man sich allein wg. der Variationen nicht diese Doppel-CD zulegen (die darauf enthaltene Liszt-Sonate habe ich noch nicht gehört, aber die ist auch separat erhältlich).


    Richter lohnt sich allerdings ungeachtet der klanglichen Mängel sehr: Das ist von denen, die ich gehört habe, die stürmischste Aufnahme, sehr schnell (außer in der "Einleitung"), Var. 2 rasant, stellenweise geradezu brutal (die beiden Triolenvariationen 9 und 13) und er läßt in der Mollvariation 14 oder vorher in einigen ruhigeren Variationen, anders als Arrau, kaum nach. Dadurch vielleicht ein wenig eindimensional (spielerisch-humorvoll ist da wenig bis nichts), aber auf jeden Fall beeindruckend. Die ebenfalls enthaltenen Var. op.34 gefallen mir allerdings bei Gould besser, obwohl Richter auch hörenswert ist (mir etwas zu langsam beim Thema und nicht so kontrastreich bei den einzelnen Stücken).


    Insgesamt, auch unter Berücksichtigung der Klangqualität, scheint mit Gilels', die eben leider nur in der Box oder second hand zu haben ist, die sicherste Empfehlung. Goulds Variationen-CD halte ich ebenfalls für sehr empfehlenswert; die etwas langsameren Tempi stören mich nicht. Richters, wenn man etwas toleranter beim Klang ist, und eine kompromisslos dramatische Lesart sucht.


    JR

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    (Bob Dylan)

  • Heute möchte ich in diesem Thread die sicherlich nicht jedem bekannten "6 Variationen über ein Originalthema in F-dur" op. 34 von Ludwig van Beethoven vorstellen.
    Ich habe sie am 6. März in der Kölner Philharmonie in einem reinen Beethoven-Abend von Leif Ove Andsnes gehört (ich berichtete im entsprechenden Thread darüber).
    Heute stelle ich es in der Einspielung von Alfred Brendel (Dezember 1958-Juli 1960) vorstellen.


    Das Werk beginnt mit dem Thema in F-dur, einer ganz lieblichen, pastoralen Melodie, die von Brendel wunderbar vorgetragen wird .
    Anschließend folgt die erste Variation in D-dur, reich an Trillern, virtuos.
    Die nun folgende Variation in B-dur ist im Dreiertakt, kurz und von rustikalem Charme.
    Die vierte Variation in Es-dur ist ein liebreizendes lyrisches Menuett.
    In der fünften Variation finden wir einen sehr großen Kontrast vor, ein düsterer Marsch in c-moll bahnt sich schwer stampfend seinen Weg, aber, oh Wunder (Wen nimmt das bei Beethoven Wunder?), hat dieser marsch am Ende eine Wandlung und eine Überleitung in Dur zur
    6. Variation in F-dur, die das Hauptthema variiert.
    Zum Schluss erscheint noch einmal das Hauptthema in all seiner melodischen Schönheit und Anmut,
    aber auch durch verschiedene Triller und zusätzliche Wendungen erweitert.
    Beethoven hat dieses Werk, in dem er in der Form experimentiert und zu sehr schönen lyrischen Aussagen findet, zu seinen "großen Kompositionen gerechnet.


    Alfred Brendel spielt das achtteilige Werk attacca und verleiht ihm so, wie auch Andsnes in Köln, eine große Geschlossenheit.


    Spielzeiten: 1. Thema: 1:17- 2. Var I: 1.41- 3. Var II: 0:59- 4. Var III: 1:03- 5. Var IV: 1:46- 6. Var V: 1:50- 7. Var VI: 1.37- 8. Thema: 2:29 -- 12:40 min.;


    Liebe Grüße


    Willi :thumbsup:

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Die Variationen op.34, ebenso wie Variationen op.35 sowie die beiden Sonatenzyklen op.30 und 31 enstanden zu der Zeit, als Beethoven mehrmals von einem "neuen Weg", den er beschreiten wollte, gesprochen haben soll. Sie sind insofern ein meines Wissens ziemlich einmaliges Experiment, als dass jede Variation in einer anderen Tonart steht. (Normalerweise wechseln Variationen sehr wenig, oft nur in die Molltonart, so zB in den Eroica-Variationen op.35.)

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    (Bob Dylan)

  • Was den Tonarten-Wechsel angeht, lieber Johannes, da gebe ich dir Recht. Da ist mir kein anderer Fall bekannt. Aber ansonsten hat er in seinen Klaviersonaten ziemlich viel experimentiert. Ich will nur mal einen Fall herausgreifen: die Coda. Ich will da nur mal an die zuletzt besprochene Nr. 4 op. 7 denken, wo er im Largo in den letzten 13 Takten eine Coda komponiert hat, fast durchgehend im Pianissimo und bei richtigem Tempo von faszinierender Langsamkeit, eine Coda von jenseitiger Schönheit. Oder als zweites Beispiel möchte ich die Sonate anführen, die wir zur Zeit besprechen: Nr. 26 Es-dur "Les Adieux": Im Kopfsatz eine Coda von 94 Takten, fast die Hälfte des Satzumfangs, und dann die letzten 33 Takte, quasi eine Coda in der Coda, ebenfalls im Pianissimo. Dann in der gleichen Sonate im Vivacissimamente eine Coda, die zu zwei Dritteln im Poco andante notiert ist, ebenfalls p bis pp, das sind auch Experimente auf der Suche nach immer neuen Formen, aber Experimente höchst gelungener Art.
    Und noch eins, lieber Johannes: wo du mich schon nach hierhin in diesen eigenen Klavier-Variations-Thread "abgeschoben hast", wäre es schön gewesen darauf hin zu weisen, dass es sich bei op. 30 um Violinsonaten handelt, die höchstens zur Hälfte hierhingehörten, wäre dies nicht ein Thread für "Klavier solo" :D .
    Ich hatte übrigens die o. a. Variationen in dem anderen Thread vorgestellt, weil ich sie für zemlich unbekannt halte.


    Liebe Grüße


    Willi ^^

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Die Variationen passten so offensichtlich nicht in den anderen thread, dass sich jede Begründung erübrigt. Aus dem Verlauf geht eindeutig hervor, dass es nicht um solche Werke geht, selbst wenn die vielleicht rein formal ein "größeres Klavierstück eines bekannten Meisters" sind. Da sie die dritt- oder viertbekanntesten Klaviervariationen Beethovens sind, sind sie auch nicht unbekannt.


    Ein bißchen drauf achten, dass nicht alles überall gepostet wird, müssen wir schon. Ich bitte um Verständnis für solche Moderationsentscheidungen.

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