Mozarts geistliche Werke



  • Gott zum Gruße!


    Mozarts Schaffen für die Geistlichkeit nimmt rund 10% seines Gesamtwerkes ein, beträchtlich. Es gibt bereits einige Spezialthreads zu diesen Werken, welche ich unten gelistet habe; die nachfolgende Zusammenstellung aller geistlichen Werke lt. Köchelverzeichnis [Thematische Übersicht der Komposition W. A. Mozarts] soll einen Gesamtüberblick verschaffen und Anregung für neue Threads oder Besprechungen geben. Fragmente habe ich der Vollständigkeit halber mitgelistet [ich liebe diesen Satz…]. Vor allem jedoch soll dieser Thread Gelegenheit geben, über einzelne "kleinere" Kirchenwerke zu sprechen, für die sich kein eigener Thread wirklich lohnt.


    I. Messen und Requiem


    KV 47a [139] Missa c-moll
    KV 47d [49] Missa brevis G-Dur
    KV 41a [65] Missa brevis F-Dur
    KV 66 Missa C-Dur “Dominicus-Messe”
    KV 90a [116] Missa brevis F-Dur [Fragment]
    KV 166d [115] Missa brevis C-Dur [Fragment]
    KV 167 Missa C-Dur “Trinitatis-Messe”
    KV 186f [192] Missa brevis F-Dur
    KV 186h [194] Missa brevis D-Dur
    KV 196b [220] Missa brevis “Spatzenmesse”
    KV 246a [262] Missa C-Dur
    KV 257 Missa C-Dur “Credo-Messe”
    KV 258 Missa C-Dur “Spaur-Messe”
    KV 272b [275] Missa brevis B-Dur
    KV 317 Missa C-Dur “Krönungs-Messe”
    KV 337 Missa solemnis C-Dur
    KV 417a [427] Missa c-moll „Große Messe“
    KV 626 Requiem d-moll [Fragment]


    II. Litaneien, Vespern


    KV 74e [109] Litaniae de B.M.V. B-Dur
    KV 125 Litaniae de Venerabili B-Dur
    KV 186d [195] Litaniae Lauretanae D-Dur
    KV 243 Litanie de Venerabili Es-Dur
    KV 186g [193] Dixit und Magnificat C-Dur
    KV 321 Vesperae de Dominica C-Dur
    KV 321a Magnificat [Fragment]
    KV 339 Vesperae solennes C-Dur


    III. Kleinere Kirchenwerke


    KV 33 Kyrie F-Dur
    KV 34 Aria: Scande coeli [Offertorium]
    KV 47 Veni Sancte Spiritus C-Dur
    KV 66a [117] Benedictus sit [Offertorium]
    KV 66b [141] Te Deum C-Dur
    KV 73a [143] Rezitativ u. Arie: Ergo interest
    KV 73k [89] Kyrie für 5 Soprane G-Dur
    KV 73s [85] Miserere C-Dur
    KV 73u [44] Cibavit eos [Antiphon]
    KV 73v [86] Quaerite primum [Antiphon]
    KV 74d [108] Regina Coeli C-Dur
    KV 74f [72] Inter natos [Offertorium]
    KV 90 Kyrie d-moll
    KV 127 Regina Coeli B-Dur
    KV 158a [165] Exsultate, Jubilate [Motette]
    KV 166e [223] Osanna [Fragment]
    KV 166f [Anh. 18] Kyrie C-Dur [Fragment]
    KV 166g [Anh. 19] Kyrie D-Dur [Fragment]
    KV 166h [Anh. 23] In te Domine [Fragment]
    KV 186i [91] Kyrie D-Dur [Fragment]
    KV 196a [Anh. 16] Kyrie G-Dur [Fragment]
    KV 205a [222] Misericordias [Offertorium]
    KV 248a [260] Venite Populi [Offertorium]
    KV 258a [Anh. 13] Kyrie C-Dur [Fragment]
    KV 272a [277] Alma Dei [Offertorium]
    KV 273 Sancta Maria [Graduale]
    KV 296a [322] Kyrie Es-Dur [Fragment]
    KV 321b [276] Regina Coeli C-Dur
    KV 323 Kyrie C-Dur [Fragment]
    KV 323a [Anh. 20] Gloria [Fragment]
    KV 336c [343] Zwei dt. Kirchenlieder [Oh Gottes Lamm / Als aus Ägypten]
    KV 368a [341] Kyrie d-moll
    KV 422a [Anh. 14] Kyrie D-Dur [Fragment]
    KV 618 Ave Verum [Motette]


    IV. Oratorien, geistliche Singspiele und Kantaten


    KV 35 Die Schuldigkeit des ersten Gebots
    KV 35a [42] Grabmusik
    KV 74c [118] La Betulia Liberata
    KV 317b [146] Arie: Kommet her
    KV 468a [429] Dir, Seele des Weltalls
    KV 469 Davidde penitente
    KV 471 Die Maurerfreude
    KV 619 Kleine deutsche Kantate
    KV 623 Freimaurerkantate
    KV 623a Maurergesang


    Wichtigster Auftraggeber zu Mozarts Salzburger Zeiten war der Erzbischof Hieronymus Colloredo:



    Wenn auch Mozart ihn nicht mochte, sich gar mit ihm überwarf, so haben wir ihm heute dennoch einen Großteil seines geistlichen Schaffens zu verdanken.
    Neben dem Requiem am bekannstesten dürfte wohl die sogenannte „Krönungsmesse“ und die "Große c-moll-Messe" sein, hier die erste Seite der Originalhandschrift Erstgenannter:






    Ulli

  • hallo, ulli, eine gute idee....
    denn gerade auch bei den kleineren werken (alle wie auch die großen ohne ausnahme schon gehört) lassen sich wahre schätze heben und es finden sich zuweilen richtige kuriosa ...
    in bälde mehr ... :hello:

  • Hallo, Ulli!


    Zitat


    KV 368a [341] Kyrie d-moll


    Ich muß an meine Gänsehaut denken, als ich dieses geniale, "kleine" Werk erstmals gehört hatte. Kannst Du näheres über die Entstehung der Komposition berichten?


    Viele Grüße,
    Pius.


  • Klar - und das sehr gerne, da ich diese Gänsehaut mit Dir teile: Ich finde das Kyrie KV 341 fast noch ergreifender, als die Kyrie-Fuge des Requiem. Beide Werke stehen übrigens in d-moll.


    Das Werk wurde vermutlich [das Autograph ist abhandengekommen] 1781 komponiert und weist eine große Besonderheit in Mozarts Schaffen für geistliche Musik auf: In den Instrumenten findet sich die Clarinette zum ersten und - letzten Male. Und die Verwendung der Clarinette führte auch zu einer Legendenbildung. Zunächst der wahre Teil:


    Clarinetten gab es im 1781er Wien und Salzburg kaum oder gar nicht. Daher nahm der Mozartexperte Jahn an, dass dies Kyrie in München komponiert sein müsse, da das Münchener Orchester über Clarinetten verfügte und Mozart diese auch beispielsweise beim Idomeneo [UA 27.01.1781] einsetzte. Dies führte zu der Annahme, dass dies Werk in der Zeit November 1780 - März 1781 in München entstanden sein muss, was aber nicht stimmt, wenn man das Werk mit anderen Werken aus derselben Zeit vergleichsweise anhört.


    Vielmehr sollte man annehmen, dass das Kyrie d-moll rund 5 bis 6 Jahre später entstanden ist, wenn nicht gar 1790 oder 1791. Dafür spricht die "innere Reife" des Werkes und die meiner Meinung nach absolute Nähe zum Requiem.


    Man ist sich übrigens nicht sicher, ob das Werk tatsächlich von Mozart vollendet worden ist. Man kann dies mangels Autograph nicht mehr feststellen. Vermutet wird, dass hier evtl. Maximilian Stadler oder gar Johann Anton André vollendend eingegriffen haben. Stand meiner Literatur ist hier 1990 ;( In jedem Falle unecht sind die dynamischen Vorschriften wie z.B. ff für fortissimo - soetwas hat Mozart niemals selbst geschrieben. Der Erstdruck erschien um 1825 bei André noch nach dem [vervollständigten?] Originalmanuskrpit.


    Es gibt weitere Legendenbildungen, so z.B. eine um "die alte Weberin", Mutter Constance Webers, die ebenfalls mit ihrer Familie um diese Zeit in Mannheim weilte. Die genaue Geschichte fällt mir nicht mehr ein...


    Angenehme Nachtruhe!
    Ulli

  • Zwei Fragen:
    -Was gibt es für empfehlenswerte Aufnahmen des ominösen einzelnen Kyrie?
    (ich habe je 4 oder 5 Requieme und c-moll-Messen, die Box mit dem Kölner ensemble unter Neumann und diverses andere, aber das Kyrie ist nirgends dabei...)


    -Ich habe unlängst gelesen, dass es für die Messen KV 31z und KV 337 je eine passene Kirchensonate (wenn ich recht verstanden habe aber incl. Trompeten etc.), die seinerzeit während der Zeremonie gespielt wurde, gibt. Gibt es Aufnahmen, die diese einschließen (wiederum scheine ich keine davon zu haben)? Wundert mich eigentlich, dass das nie gemacht wird, die Stücke sind doch eh ziemlich kurz.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Zitat

    Ich habe unlängst gelesen, dass es für die Messen KV 31z und KV 337 je eine passene Kirchensonate (wenn ich recht verstanden habe aber incl. Trompeten etc.), die seinerzeit während der Zeremonie gespielt wurde, gibt. Gibt es Aufnahmen, die diese einschließen (wiederum scheine ich keine davon zu haben)? Wundert mich eigentlich, dass das nie gemacht wird, die Stücke sind doch eh ziemlich kurz.


    Salut,


    das scheint derzeit noch eine Marktlücke zu sein. Alle Kirchensonaten Mozarts, die aber nach Köchels "Ordnung" nicht hierher gehören [von mir aus trotzdem gerne], sind für bestimmte Messen gedacht. Wir haben das auch teilweise so praktiziert, es kommt gut. Aufnahmen von Messen mit Kirchensonaten kenne ich allerdings keine.


    Zitat


    -Was gibt es für empfehlenswerte Aufnahmen des ominösen einzelnen Kyrie?
    (ich habe je 4 oder 5 Requieme und c-moll-Messen, die Box mit dem Kölner ensemble unter Neumann und diverses andere, aber das Kyrie ist nirgends dabei...)


    Du hast einfach zu wenige Requiem-Aufnahmen. Wenn Du Deine Sammlung um



    erweiterst, bist Du auch automatisch im Besitze dieses "ominösen" Kyrie d-moll KV 341.


    Rubens, Markert, Bostridge, Müller-Brachmann
    La Chapelle Royale
    Orchestre des Champs Elysees
    Herreweghe


    Zufällig entdecke ich gerade diese CD:



    Schlick, Frimmer, Pregardien, Mertens
    Kölner Kammerchor
    Collegium Cartesianum
    Neumann


    Hier sind die Messen 317, 337, 427 und die Kirchensonaten 329 und 336 drauf. Wie sie jedoch integriert wurden, kann ich Dir nicht sagen, ich kenne diese CD nicht. Übrigens ist das Kyrie 341 auf drauf! Na dann mal los...


    Beste Grüße
    Ulli


  • Jetz bin ich ehrlich gesagt etwas sauer. Ich habe eine 5-CD-Box mit genau diesen Musikern, die die Messen und das Requiem enthält, ebenso das Ave Verum Corpus. Aber das Kyrie fehlt! Und zumindest bei der Krönungsmesse, die ich vorhin gehört habe, ist auch kein Kirchensonate dabei.



    EMI/Virgin sind echt Idioten, die ich ungern belohne, in dem ich jetzt noch die Doppel-CD kaufe...


    Vielen Dank schonmal für die Hinweise!


    JR

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  • Grüß Gott,


    Köchel extrahiert die Kirchensonaten aus dem Bereich "geistliche Werke", in dem er nur Vokalmusik aufführt, und subsumiert sie unter Punkt 16 in einem eigenen Thread


    Kirchensonaten


    Es sind 18 an der Zahl:


    KV 41h [67] - Es-Dur
    KV 41i [68] - B-Dur
    KV 41k [69] - D-Dur
    KV 124A - D-Dur
    KV 124a [144] D-Dur
    KV 124b [145] - F-Dur
    KV 212 - B-Dur
    KV 241 - G-Dur
    KV 241a [224] - F-Dur
    KV 241b [225] - A-Dur
    KV 244 - F-Dur
    KV 245 - D-Dur
    KV 263 - C-Dur
    KV 271d [274] - G-Dur
    KV 271e [278] - C-Dur
    KV 317a [329] - C-Dur
    KV 317c [328] - C-Dur
    KV 336d [336] C-Dur


    Sie entstanden in der Zeit von 1772 bis 1780, jeweils in der Salzburger Zeit. In der Besetzung überwiegt zunächst die Formation 2 Violinen und Orgel, erstmals bei der Sonate in C [KV 263] kommen zwei Trompeten hinzu. Nach 274, welche wiederum lediglich für die "Standardbesetzung" komponiert ist, kommen die größeren Besetzungen:


    Sonate in C, KV 278: 2 Oboen, 2 Trompeten, Pauken, Streicher, Orgel
    Sonate in C, KV 329: 2 Oboen, 2 Hörner, 2 Trompeten, Pauken, Streicher, Orgel


    Die Sonaten in C, KV 328 und 336, weist eine Besonderheit auf: wenn sie auch zu der Standardformation zurückkehrt, notiert Mozart in einem separaten System Violoncello und Baß [con Fagotto ad libitum]. Das Anfangsthema 328 deutet bereits auf KV 467 hin...


    Die Kirchensonaten waren für den Gottesdienst im Salzburger Dom bestimmt. Alle Sonaten bestehen aus nur einem Satz, Allegro, kurze Durchführung. Sie wurden beim Hochamt zwischen Epistel und Evangelium gespielt, deswegen auch Epistelsonatne genannt, und durften nicht zu lang sein.



    [Metzlerorgel des Doms zu Salzburg]


    1783, zwei Jahre nach Mozarts Trennung vom Salzburger Hofdienst, schaffte Colloredo die sonate all' epistola ab. Da haben wir ja nochmal Glück gehabt...


    Der erste Schuber[t], den ich von der Complete Mozart Edition 1991 erwarb, war: Kirchensonaten - Orgelwerke. Gespielt wurde hier von


    Daniel Chorzempa, Orgel
    Deutsche Bachsolisten
    Leitung: Helmut Winschermann


    Chorzempa spielt auf der Holzhay-Orgel aus dem Jahr 1784, welche sich in der Schloßpfarrkirche zu Obermarchtal [D] befindet.


    Nun fürchte ich, gehört dieser Beitrag doch eher hier her ?


    Trés cordialement
    Ulli

  • Zitat

    Original von Johannes Roehl
    Zwei Fragen:
    -Was gibt es für empfehlenswerte Aufnahmen des ominösen einzelnen Kyrie?
    (ich habe je 4 oder 5 Requieme und c-moll-Messen, die Box mit dem Kölner ensemble unter Neumann und diverses andere, aber das Kyrie ist nirgends dabei...)


    Gardiners Einspielung des Requiems enthält auch das Kyrie d-moll KV 341 als Bonus. Kann ich auch wärmstens Empfehlen.


  • Hallo, Ulli!


    Danke für Deine Informationen zu KV 341. Mir kam das Werk auch wie ein "Spätwerk" vor.
    Kennengelernt habe ich die Kyrie auf der Requiem-CD mit Gardiner, die Markus vorgestellt hat.
    Mich wundert, daß die "Krönungsmesse" noch keinen thread hat, sie ist sicher das berühmtesrte der threadlosen Werke in der Liste. Außer ihr und KV 341 kenne ich von diesen auch nur noch das Ave Verum Corpus KV 618, das ist auf einer meiner Requiem-CDs mit drauf:

    Viele Grüße,
    Pius.

  • Hallo,


    auf der Suche nach Themen über die Vokalwerke von W.A. Mozart bin ich über diesen gestarteten Thread von Ulli gestolpert. Ich hatte vor, einen ganz speziellen Themenpunkt zu den Vokalwerken vom
    Wolferl neu zu eröffnen, da bietet sich aber dieser Thread geradezu an, um ihn einmal zu komplettieren.


    Wie ich in meiner Konzertrezension "Konzertbericht Aufbaustudiengänge Kirchenmusik A" bereits über die Litaniae Lauretanae KV 195 berichtet habe, werde ich in Zukunft hier Vokalwerke vom Wolferl vorstellen.


    Stellung nehmen möchte in meinem 1. Beitrag zum Kyrie d-moll, KV 341.


    Hierzu ist anzumerken, dass dieses Kirchenwerk mit folgender Besetzung: 4 Singstimmen, Flöten, Oboen, Klarinetten, Fagotten, 4 Hörnern, Trompeten, Pauken, Streichern (mit Viola) und Orgel komponiert wurde.
    Allein die Klarinetten und die Viola verhindern die Annahme einer Salzburger Entstehung, da diese dortige Hofkapelle über diese Instrumente nicht verfügte.
    Annahmen gehen fälschlicher Weise davon aus, dass dieses Kirchenwerk im Frühjahr 1781 während
    seines München Aufenthaltes komponiert haben könnte, es erhielt den Beinamen "Münchener Kyrie".
    Neuere Erkenntnisse geben den Aufschluss, dass dieses Werk auch in seine letzten Lebensjahre in Wien
    datiert werden kann, da Mozart sich dort wieder mit Kirchenmusik beschäftigt hatte.


    Die Molltonart, der eindrucksvolle Chorsatz und eine reiche Ochesterbegleitung prägen den Charakter
    dieses Kyrie, das möglicherweise nur der Beginn einer neuen grossen Messe darstellen sollte.
    Bei aller hohen Feierlichkeit atmet dieses Kyrie die Furcht vor dem Ungewissen und zugleich die Milde, das
    Vertrauen auf eine rettende Güte - weicht die Chromatik immer der Sicherheit der Kadenz, die Erregung
    immer der Ruhe. Sehr gelungen in der Abgrenzung der vokalen und instrumentalen Gruppen zueinander.


    Als eine beispielhafte Einspielung kann ich nachstehende CD empfehlen.
    Harnoncourt, Arnold Schönberg Chor, Concentus Musicus Wien von Dez.1992.





    Grüsse
    volker.

    Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
    Zitat: J.E.G.

  • Hallo,


    heute vervollständige ich einmal W.A.Mozarts Vokalwerke mit der
    "Litaniae Lauretanae d-dur, KV 195"


    Litaneien sind Bittgebete, die ein Reihe von Anliegen oder Anrufungen als Grundlage haben, denen eine
    formelhafte Bitte als Antwort folgt. Rufe und Bitten werden von einem Vorbeter vorgetragen und die Bitten von der Gemeinde wiederholt.
    Die Litaneien waren im 18. Jahrhundert als volkstümliche Andachtsform sehr beliebt. Das gilt insbesondere für die durch Papst Sixtus V, approbierte Litanei zu Ehren Marias, die mit dem Marienkult in Loreto/Italien zusammenhängt. 1291 wurde nämlich das Haus aus Nazareth, in dem Maria Jesus gebar, von Engeln nach Loreto getragen, da die Sarazenen in das Heilige Land einfielen. Nach zwei wundersamen Verrückungen steht das Haus nun an seinem heutigen Platz.


    Mozarts zweite Marienlitanei entstand 1774 während eines längeren Aufenthaltes in Salzburg.
    In der fünfsätzigen Anlage und Textaufteilung entspricht sie dem drei Jahre älteren Werk (Litaniae Lauretanae KV 109), ist aber um vieles reicher musikalisch ausgestaltet. Der neue italienische-konzertante Opernstil verbindet sich mit intimer, vielstimmiger Artikulation. Das Orchester übernimmt neben der begleitenden Funktion auch eigenständige Passagen wie Einleitungen oder Zwischenspiele.


    Das" Kyrie" beginnt mit einem ernsten Adagio-Chorsatz in d-dur, dem ein Allegro-Teil folgt, der Chor und Solisten in einem gekonnten Wechsel gegenüberstellt.


    Der zweite Satz, das "Santa Maria" stellt die Solisten - insbesondere den Sopran - sozusagen als Vorbeter der Anrufung an Maria dar, der Chor übernimmt den Part als antwortende Gemeinde.


    Das "Salus infirmorum" ist in einer blockartigen Monumentalität komponiert, das direkt vom Chor angestimmt wird. Der ernste Ausdruck, der sich auch in der Tonart h-moll widerspiegelt, drückt den Kampf der angefochtenen Seelen aus, die um die Fürsprache und Hilfe Mariens fleht.


    Der wunderschöne vierten Satz "Regina angelorum" ist ähnlich wie das "Sancta Maria" ein Konzertsatz, in dem das Lob der Himmelkönigin Maria zum Ausdruck kommt. Der Chor leitet diesmal die
    Anrufung ein, unter den Solisten hat hier der Tenor die Hauptrolle in Gestalt virtuoser Koloraturen.


    Den Abschluss der Litanei bildet ein besonders eindrucksvolles "Agnus Dei" für Solosopran.Sie gilt als eines der schönsten und überirdischten Adagiosätze, die er je geschrieben hat. Hierauf folgt ein ant-
    wortendes abschließendes Tutti.


    Anders als beispielweise in den Messen, die Mozart für die Liturgie des Salzburger Hofes geschrieben hat
    und dabei gewisse Vorgaben, die Form und die Länge beachten mußte, spürt man in dieser herrlichen
    Litanei eine große Freiheit und Innigkeit des Werkes, die einmal mehr die Genialität Mozarts beweist.


    Als eine beeindruckende Wiedergabe dieser Litanei d-dur, KV 195, ist es Harnoncourt zu danken.
    Sie wurde ebenfalls auf dieser CD veröffentlicht.




    Grüsse
    volker.

    Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
    Zitat: J.E.G.

  • Zitat

    Original von reklov29
    Anders als beispielweise in den Messen, die Mozart für die Liturgie des Salzburger Hofes geschrieben hat
    und dabei gewisse Vorgaben, die Form und die Länge beachten mußte, spürt man in dieser herrlichen
    Litanei eine große Freiheit und Innigkeit des Werkes, die einmal mehr die Genialität Mozarts beweist.


    Salut,


    ist KV 195 nicht für Salzburg gewesen? ;)


    Was meinst Du mit "längerem Aufenthalt in Salzburg"? :rolleyes:




    Cordialement
    Ulli

  • Hallo Ulli,
    Dein Zitat:
    a) Was meinst Du mit "längerem Aufenthalt in Salzburg"?
    b) ist KV 195 nicht für Salzburg gewesen?
    -----------------------------------
    Für einen Reisenden ist ein Aufenthalt in Salzburg in der Chronologie wie folgt feststellbar:


    a) 13.03.1773 Rückkehr aus Italien, Ankunft in Salzburg

    14.07.1774 Reise nach Wien, Treffen mit Haydn

    Rückkehr im September 1774 aus Wien nach Salzburg

    Im Dezember 1774 Reise nach München, Erstaufführung

    seiner Oper "La Finta giardiniera" am 4.1.1775

    im Münchner Salvatortheater

    Rückkehr nach Salzburg, wo er bis Ende 1777 verblieb.

    b) Die Litanie d-dur KV 195 wurde von Mozart für Salzburg komponiert aber unter der Prämisse, dass er sich von den Vorgaben des Fürstbischofs Coloredo lossagte, und diese Litanei in eigener Verantwortung

    erstellte. Überliefert ist folgender Text: Sowie Mozart nicht mehr an den Erzbischof zu denken hat,

    kehrt er sofort wieder zur solistischen Kantabilitäg zurück. So schreibt er im April/Mai 1774, wieder eine

    Lauretanische Litanei (KV 195).

    Grüsse Volker.

    Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
    Zitat: J.E.G.

  • Salut,


    zu a) Du hast eine andere Perspektive, als ich. Mozart war zu der Zeit noch "in" Salzburg, wenn auch auch zwischenzeitlich reisebedingt für längere Zeit nicht dort war. Er war vielleicht - nein sicher - auf der Suche nach einer Festanstellung andernorts, aber noch nicht definitiv von Salzburg gelöst. Der endgültige Bruch war ja erst vor/in/nach Paris.


    zu b) das hatte mich wirklich interessiert, weil ich keine Ahnung hatte. Der "Köchel" gibt hier nichts her. Danke.


    Liebe Grüße
    Ulli

  • Halo Ulli,
    Zitat:
    Er war vielleicht - nein sicher - auf der Suche nach einer Festanstellung andernorts, aber noch nicht definitiv von Salzburg gelöst. Der endgültige Bruch war ja erst vor/in/nach Paris.
    ------------------------------------


    Da stimme ich mit Dir voll überein, am 28.8.1777 erfolgte die erste Entlassung bevor dann der endgültige Bruch mit Salzburg im Mai 1781 erfolgte. Am 14.7.1774 unternahm er die Reise nach Wien um dort eine Anstellung zu bekommen, die aber wiederum ergebnislos verlief. Das gleiche Unterfangen startete er im Dezember 1774 mit München, wo er sich auch eine Anstellung erhoffte, aber wiederum ergebnislos verlief da sie durch Intrigen verhindert wurde.


    Grüsse
    Volker

    Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
    Zitat: J.E.G.

  • Hallo,


    heute nun ein weiterer Beitrag über Mozarts geistliche Werke: "Dixit et Magnificat" KV 193 (186g)

    Gleichzeitig mit der Lauretanischen Litanei entstand im Juli 1774 das "Dixit et Magnificat KV 193". Das Eingangs und Schlußstück einer Vesper:der Psalm 110; 1. Satz "Dixit Dominus" (Eingangssatz) und im 2. Satz das" Magnificat" (Schlußstück).


    Diese Komposition muss Mozart für eine Vesper am Vorabend eines größeren Kirchenfestes geschrieben
    haben, das durch Trompeten und Pauken in der Instrumentation sehr anspruchsvoll ausfällt. Auch diese
    Psalmkompositionen operieren mit der Mozartschen Viernotendeviese; das Magnificat (2.Satz) ist in seiner
    kontrapunktischen Haltung noch grandioser als das Dixit (1.Satz).


    Eine sehr schön anzuhörende Kurz-Vesper, die ebenfalls als eine gelungene Einspielung von Harnoncourt mit der u.a. CD veröffentlicht wurde.



    Grüsse
    volker.

    Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
    Zitat: J.E.G.

  • Hallo,


    in der Reihe "Mozarts geistliche Werke":
    heute nun eine Besprechung der Messe "Missa Brevis B-Dur, KV 275"


    Nach einer längeren Ruhensphase von ca. einem dreivierteljahr als Kirchenkomponist, entsteht im Herbst
    1777 wieder ein Kirchenwerk von W.A. Mozart die Messe "Missa Brevis KV 275".


    Diese Messe erscheint in seiner Herzlichkeit, Kindlichkeit, Liedhaftigkeit als eine Rückkehr zu seiner ersten
    C-Dur Messe von 1776, so daß man geneigt ist, von einem Schwesterwerk zu sprechen.
    Diese B-Dur Messe ist am 21. Dezember 1777 zur Aufführung gekommen, was brieflich an Wolfang von
    seinem Vater Leopold belegt ist. W.A. Mozart befand sich auf der Reise nach Mannheim/Paris.
    Die Messe ist von so intimen Charakter, der nur von Violinen, Bässen und Orgel begleitet, auf Gelehrsamkeit und Kontrapunkt ganz vezichtend, erscheint sie als ein persönliches Bekenntniswerk des
    jungen Mozart. Alles ist von quellender melodischer Schönheit, in einem hohen, heiteren Stil gehalten, der die Unterscheidung von weltlicher und geistlicher Musik vergessen macht.


    Das Anfangsthema, von Bässen und nachschlagenden Achteln der Geigen begleitet, legt den Charakter
    fest. Das "Credo" ist kurz und zu einer musikalischen Einheit zusammengefasst.


    Das "Sanctus" beginnt mit einem lyrisch schwingenden Fugato, das "Benedictus" ist ein arioses Sopran-Solo. Ergreifend ist das in g-moll verfasste "Agnus Dei", dem das "Dona nobis pacem" wie ein
    heiteres, sein Thema durch alle Stimmen führendes Rondo-Finale folgt.
    Hier verbinden sich Volkstümlichkeit und musizierlust zu einer herrlichen Einheit, ohne den lithurgischen
    Gedanken ausser Betracht zu lassen.


    Man kann die Messe süddeutsch, volkstümlich ansehen, zumal sie auf so vielen Kirchenchören in alten Abschriften zu finden ist. Das Werk strotzt voller Feinheit, unauffälliger Polyphonie sowie chromatischer Bewegtheit und Kühnheit.


    Eine grosse Auswahl an CD-Einspielungen für diese schöne Messe ist leider nicht auffindbar.
    Nachstehend eine kleine Auswahl von CD-Einspielungen:






    Grüsse
    volker.

    Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
    Zitat: J.E.G.


  • Hallo Ulli,


    Weil du die Freimaurermusik herbeiholst, solltest du auch die Freimaurer Lieder (O heiliges Band KV 148, Die Ihr in einem neuen Grade KV 468 und Zerfließet heut, geliebte Brüder KV 483) erwähnen. Oder sehe ich das falsch?


    Liebe Grüße, Paul

  • Salut,


    ich finde sowas immer lustig. In der Tat gibt es ab Takt 23 im Orchester eine recht ähnliche Phrase, Sopran und Alt singen "Misericordias Domine" auf dem Ton C - ich glaube aber kaum, dass Beethoven Mozarts Misericordias gekannt hat.


    :hello:


    Ulli