Der Ring, der nie gelungen - Richard Wagner: Der Ring des Nibelungen

  • Vielen Dank, lieber "Operus", für deinen ausführlichen, lesenswerten Bericht - lesenswert vor allem, weil hier auch die Sänger ausführlich behandelt werden.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

  • Bei ORFEO
    ist der „Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner als Gesamtaufnahme einer
    Aufführung der Bayreuther Festspiele aus
    dem Jahr 1961 neu herausgebracht worden. Historisch interessant ist diese Live-Aufzeichnung,
    weil sie die erste Ringinszenierung von Wolfgang Wagner und das Debut von
    Rudolf Kempe als Ringdirigent auf dem Grünen Hügel dokumentiert.


    Da hat entweder der zuständige Redaktuer bei ORFEO nicht aufgepasst oder ich lese falsch in der Bayreuther Aufführungsdatenbank. Die Wolfgang Wagner-Inszenierung unter Kempe hatte demnach 1960 Premiere (siehe hier). Kempe hat diesen dann von 1960 bis 1963 geleitet (siehe hier).

  • Da hat entweder der zuständige Redaktuer bei ORFEO nicht aufgepasst ...


    So ist es. Kempe debütierte als RING-Dirigent 1960 in Bayreuth für die neue Inszenierung von Wolfgang Wagner, zu der dieser sich übrigens bei einem Besuch in Epidauros hatte inspirieren lassen. Er soll sich vorgestellt haben, wie es denn sei, wenn in diesem antiken Theater der RING geben würde. Das habe ihn zu der Scheibenlösung geführt, die dem Vernehmen nach von Spöttern als fliegende Untertasse kolportiert wurde. Operus hat ja die Inszenierung bereits dankenswerterweise beschrieben. 1961 war die Reprise. In diesem Jahr stand als Neuinszenierung der TANNHÄUSER von Wieland mit der "schwarzen Venus" von Grace Bumbry so stark im Mittelpunkt, dass die RING-Wiederholung etwas in den Schatten trat.


    Den Mitschnitt von 1960 hat es bei Golden Melodram gegeben:



    Ich erspare mir jetzt mal eigene Bemerkungen zu Sängern und zum Dirigent, weil sie durch die Besprechung von Operus auch überflüssig geworden sind.


    Gruß Rheingold

  • Wenigstens hat er sich Wagner orchestral genähert:


    Und zum "Guru" ist er ja wohl erst geworden, als er in München sich dem Zen-Buddhismus zuwandte


    Lass' das nicht die Stuttgarter hören, ihr Celi sei ein Guru gewesen.


    Dass Sergiu Celibidache weiter oben als "Guru" bezeichnet wurde, hat wohl weniger mit seiner religiösen Bindung zu tun. Das war anders gemeint. Und Guru kann umgangssprachlich ja auch anderes verwendet werden. Warum er keine Opern dirigierte, ("Meistersinger" hat er sehr wohl dirigiert) hat viele Gründe. Man kann sie nachlesen in der reichlich vorhandenen Literatur und sie sich in seinem vielen Interviews aus erster Hand erklären lassen. Der wichtigste ist der, dass ihm die Oper als - so wörtlich - "unsaubere Sache" erschien. Es sei ihm unmöglich gewesen, Sängerensemble, Chor und Orchester zu einer maßstäblichen Perfektion zu führen, wie er sie nun mal in seiner Arbeit durchsetzen wollte. Die von Dir, lieber Willi, eingestellte Mitschnitt-CD ist für mein Dafürhalten ein wichtiges und faszinierendes Dokument. Ich habe das Programm auch im Konzert gehört. Als besonders eindringlich habe ich die TANNHÄUSER-Ouvertüre in der ursprünglichen Dresdener Fassung im Ohr. Als habe sich schon mit dieser Einleitung die ganze Geschichte erledigt. Beim besten Willen hätte man sich nicht vorstellen können, dass es danach erst richtig losgeht. Es war alles gesagt. Der Schluss war erbarmungslos. Unter der Macht des Bleches wurde alles zerschlagen und vernichtet, was sich geregt hatte an menschlichen Bedürfnissen und Begehren. Auch wenn es nichts Gesungenes und keine Gesamtaufnahmen gibt, würde ich Celibidache ohne Zögern einen bedeutenden Wagner-Dirigenten nennen, weil er diese Musik auf eine hochindividuelle Weise so genau deuten konnte.


    Gruß Rheingold

  • Da hat entweder der zuständige Redaktuer bei ORFEO nicht aufgepasst oder ich lese falsch in der Bayreuther Aufführungsdatenbank. Die Wolfgang Wagner-Inszenierung unter Kempe hatte demnach 1960 Premiere (siehe hier). Kempe hat diesen dann von 1960 bis 1963 geleitet (siehe hier)


    Liebe Freunde,


    Ihr habt selbstverständlich recht, Wolfgang Wagners Ring lief von 1960- 1964. Kempe hatte deshalb 1960 sein Ring Debut. Das neu herausgebracht bezog sich auf die Veröffentlichung von Orfeo. 1961 ist die erste von Bayreuth freigegebene Aufnahme dieser Ringzyklen mit den Bändern des Bayrischen Rundfunks. Frühere Veröffentlichungen waren von den Festspielen nicht legitimiert. Dieser Ring ist der erste, der professionell aufgelegt wurde, deshalb habe ich ihn besprochen. Danke für Eure Hinweise. Ich hätte deutlich darauf hinweisen sollen, dass es das zweite Jahr dieser Ringserie war.


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Hätte es die "Piraten" nicht gegeben, wäre die musiklisch-akustische Begegnung mit Nachriegs-Bayreuth ziemlich mager ausgefallen. Daran habe ich nicht den geringsten Zweifel. Die Zahl der offiziellen Dokument hielt sich zunächst ja in Grenzen. Erst mit der Zeit gelangte manches restaurierte Band als direkter Rundfunkmitschnitt offiziell auf den Markt. Was zuvor erschienen war bei Philips oder Teldec, wurde meist aus mehrerer Vorstellungen zusammengestellt, so dass die Atemlosigkeit der Vorstellung selbst nicht immer gegeben war. Die Piraten bauten durch die Menge ihrer Veröffentlichungen noch auf LP enormen Druck auf, auch wenn es um den Klang nicht immer zum besten stand. Deshalb würde ich ihnen Kränze flechten, auch weil sie es waren, die die Erinnerung hoch hielten und den Mythos befeuerten. Wir wüssten weder, wie Max Lorenz als Siegfried geklungen hat nach dem Krieg in Bayreuth (1952), welchen Eindruck er mit Martha Mödl als Sieglinde in der WALKÜRE hinterließ (1954) oder ob Inge Borkh als Sieglinde wirklich so betörend war (1952). Von den vielen alternativen Besetzungen ganz zu schweigen. Der TRISTAN unter Karajan von 1952 hat sich bei ORFEO als Initialzündung erwiesen. Sie gut wie hier ist nach meinem Eindruck nie wieder ein Remastering gelungen. Auch der jetzt herausgegebene RING unter Kempe kommt da nicht ran.


    Gruß Rheingold

  • So ist es. Kempe debütierte als RING-Dirigent 1960 in Bayreuth für die neue Inszenierung von Wolfgang Wagner, zu der dieser sich übrigens bei einem Besuch in Epidauros hatte inspirieren lassen. Er soll sich vorgestellt haben, wie es denn sei, wenn in diesem antiken Theater der RING geben würde. Das habe ihn zu der Scheibenlösung geführt


    Lieber Rüdiger.


    ich bin immer von den Socken über Deine Detailkenntnisse. Vorbildlich -nachahmenswert! :jubel: Von Wolfgang Wagners Inspiration im antiken Theater wußte ich noch nichts. Mit dem Wagner/Kempe-Ring beschäftigte ich mich damals äußerst intensiv, denn die Berichterstattung darüber war mein erstes größeres Rezensionsprojekt, die mir übertragen wurde. Also war die Erinnerung an dieses Ereignis auch im Detail noch sehr präsent. Außerdem konnte ich bei mir selbst kräftig klauen.


    Herzlichst
    Hans

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  • Lieber Hans, danke! Ach, das ist reiner Zufall, dass ich das mit Wolfgangs RING wusste. Mir gefällt die Geschichte auch deshalb, weil Epidauros auf meiner Liste jener Reiseziele steht, die ich mir nicht entgehen lassen möchte.



    Herzliche Grüße zurück.
    Rüdiger

  • Lieber Rheingold,


    ich habe in meinen Annalen gekramt und eine Vorstellung von Ina Felderer-Delcampo persönlich erlebt:


    Am 4. März 1967 sang sie in der Premiere II des "Fliegenden Holländer" in der Staatsoper die Senta - übrigens ihr einziger Auftritt in Wien, der ein Fiasko war. Ich erinnere mich an ein Pfeiff- und Lachkonzert das schon während ihrer Arie begann, das ich so nie wieder gehört habe.


    Die weitere Besetzung: Holländer - Theo Adam (Wien-Debüt), Erik - Waldemar Kmentt, Daland - Karl Ridderbusch, Mary - Martha Mödl, Steuermann - Murray Dickie.

  • Lieber Erich, danke für diesen interessanten Hinweis. Ich fühle mich von dieser Stimme auch nicht sonderlich angesprochen. Dennoch hätte ich schon ganz gern in diesem "Holländer" gesessen - vor allem wegen dieser Mary.


    Grüße für Dich von Rheingold

  • In der neuen "Opernwelt" (2/17, S. 24 ) bespricht Ekkehard Pluta verschiedene Ring-Gesamtaufnahmen von gestern und heute. Weil wir in einem anderen Thread gerade wieder einmal über Sängergenerationen und ihre Gesangsleistungen diskutieren und Pluta auch diesen Aspekt beleuchtet, stelle ich seine Rezension hier ein. Nicht ohne eine gewisse Befriedigung, weil der Kritiker weitgehend mit meiner umfangreichen Betrachtung des Bayreuther Wagner/Kempe Rings aus dem Aufführungsjahr 1961 übereinstimmt, die ich für den "Neuen Merker" Wien unter dem Titel "Der Ring als mystisches Märchen und Sängerfest" schrieb und auch hier in diesem Thread als Beitrag 299 einstellte.
    Nun zu Plutas Ausführungen:


    " ... um die völlig verloren gegangenen Maßstäbe des Wagner-Gesangs in Bayreuth und anderswo wieder zurechzurücken, kommt der bei Orfeo erstmals publizierte "Ring" von 1961 unter Rudolf Kempe gerade recht. Im homogenen Ensemble finden sich einige Sänger, die mit ihren Rollenporträts eine ganze Epoche geprägt haben. Dazu zählen an erster Stelle Birgit Nilssoson als Brünnhilde und Gottlob Frick als Hunding und Hagen. Nilsson übernimmt ihre Glanzrolle hier von Astrid Varnay, die im Bayreuth der fünfziger Jahre gleichsam ein Monopol darauf hatte und hier in der "Walküre" noch einmal ihre Klasse zeigen kann. Régine Crespin, später Karajans Brünnhilde, ist eine leuchtkräftige, sinnliche Sieglinde, Regina Resnik eine imponierende Fricka. Loge wurde nie charakterschärfer gezeichnet als von Gerhard Stolze und Otakar Kraus ist als Alberich ein ernsthafter Gegenspielerr von Wotan. Den verkörpern hier die Bayreuth-Debütanten Jerome Hines und James Milligan ("Siegfried") beide mit großer vokaler Autorität und Gespür für die Finessen von Wagners Deutsch. Der 33-jährige Kanadier Milligan stand am Beginn einer Weltkarriere, erlag aber nur wenige Monate nach diesem Auftritt während einer Probe in Basel einem Herzinfarkt. Thomas Stewart lässt als Donner und Gunther schon erkennen, dass er sich zum führenden Wotan seiner Generation entwickeln wird. Die glücklosen Helden sind hinsichtlich der Stimmfarbe eher ungewöhnlich besetzt. Fritz Uhl gibt mit heller schneidender Stimme den Siegmund, der sehr bartonal klingende Hans Hopf den Siegfried als gestandenes Mannsbild, nicht als naiven Jüngling. Rudolf Kempe baut in Bayreuth auf seinen Londoner "Ring"-Erfahrungen auf, schafft bei einem schlanken Gesamtklang einen ruhigen Erzählfluss, aus dem sich die dramatischen Höhepunkte organisch entwickeln."


    Diese treffende Betrachtung des Qualitätsverlustes im Wagner-Gesang wollte ich Euch und vor allen denen die engagiert über Gesangskunst gestern und heute diskutieren nicht vorenthalten.



    Liebe Grüße
    Herzlichst
    Operus


    *Textzitat mit ausdrücklicher Genehmigung von Ekkehard Pluta veröffentlicht, wofür ich ihm im Namen des Tamino Klassiforums und in meinem herzlich danke.
    Schade, daß wir ihn nicht als Mitglied bei uns haben - aber immerhin als Mitleser - was mich freut - - MOD 001 Alfred

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  • Die glücklosen Helden sind hinsichtlich der Stimmfarbe eher ungewöhnlich besetzt. [...] der sehr bartonal klingende Hans Hopf [gibt] den Siegfried als gestandenes Mannsbild, nicht als naiven Jüngling.


    Ich muss an der Stelle nochmal eine Lanze brechen für Hans Hopf, dem in der hier im Forum geführten Diskussion m. E. oft Unrecht getan wurde, den man sogar als unintellektuellen Proleten abgekanzelt hat. Das interessante Gespräch mit Everding bei "Da Capo" zeigte einen sympathischen Sänger im Ruhestand, der bereits damals (1987, meine ich) einige sehr treffende Beobachtungen machte hinsichtlich der Fehler im heutigen Wagner-Gesang, wo nach Hopfs Ansicht anderen Komponisten viel zu wenig Raum gewährt wird, was die Stimmen auf Dauer verschleiße. Hopf ist viel eher ein Siegfried in der Nachfolge von Max Lorenz als mit dem etwa gleichaltrigen Wolfgang Windgassen vergleichbar, der schon damals (50er/60er Jahre) "moderner" war. Dass er im Vergleich relativ im Schatten steht, mag auch damit zusammenhängen, dass Windgassen das Glück hatte, in den offiziellen ersten Einspielungen von den Bayreuther Festspielen mitwirken zu dürfen ("Parsifal" 1951, "Ring" 1955 bzw. 1966/67, "Tannhäuser" 1962, "Lohengrin" 1962, "Tristan" 1966), während Hopfs Bayreuther Siegfried aus den frühen 60er Jahren Jahrzehnte lang gar nicht offiziell greifbar war.

  • Ich muss an der Stelle nochmal eine Lanze brechen für Hans Hopf, dem in der hier im Forum geführten Diskussion m. E. oft Unrecht getan wurde, den man sogar als unintellektuellen Proleten abgekanzelt hat. Das interessante Gespräch mit Everding bei "Da Capo" zeigte einen sympathischen Sänger im Ruhestand, der bereits damals (1987, meine ich) einige sehr treffende Beobachtungen machte hinsichtlich der Fehler im heutigen Wagner-Gesang,


    Lieber Joseph II.,


    ganz nachdrücklich stimme ich Deinem Urteil über Hans Hopf zu. Er und Hans Beirer waren die letzten wahren Heldentenöre. Von Hopf gibt es zahreiche Aufnahmen, die das tenorale Können von Hans Hopf in schönster Weise beweisen. Der Sänger hatte nur wie die meisten Heldentenöre das Pech, dass Neubayreuth einen anderen anderen Sängertypus verlangte, favorisierte und förderte. Wolfgang Windgassen war der überragende Protagonist dieses modernen Sängerschauspielers.
    Ich hatte das Glück, zusammen mit Gottlob Frick Hopf in seinem Heim besuchen zu dürfen. Dort erlebte man den privaten Hans Hopf, liebenswürdig, offen, ganz direkt, kumpelhaft, ein Typ, der ankam und schnell Sympathie gewann. Sobald es offiziell wurde und Publikum dazu kam wurde aus dem netten Kumpel Hans der gewichtige Herr Kammersänger, der Respekt und Autorität forderte, was häufig mit Dünkel ausgelegt wurde. 1962 konnte ich mit Hans Hopf am Rande der Bayreuther Festspiele ein Interview machen. Hätte ich den privaten Hans Hopf nicht gekannt, hätte ich den Eindruck eines überheblichen, Beifall heischenden Parvenüs gehabt.


    Herzlichst
    Operus

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  • Zitat

    Wolfgang Windgassen war der überragende Protagonist dieses modernen Sängerschauspielers.

    Ja, das mag wohl sein.



    Zitat

    Von Hopf gibt es zahreiche Aufnahmen, die das tenorale Können von Hans Hopf in schönster Weise beweisen

    Stimmlich konnte Windgassen Hans Hopf niemals das Wasser reichen. Wenn ich mir die Arien aus AIDA oder OTELLO anhöre, bin ich sehr beeindruckt. Ich werde mir gleich seinen Kalaf in der deutsch-gesungenen Gesamtaufnahme nach längerer Zeit wieder anhören.

  • Stimmlich konnte Windgassen Hans Hopf niemals das Wasser reichen.


    Da traust Du Dich aber was! Warum? Es k a n n sich ein Eimer voll Spott über Dich ergießen. Ich habe es a.a.O. schon erlebt. Aber auch hier muss ich Dir überzeugt zustimmen. Ohne Windgassens Verdienst um und in Neubayreuth schmälern zu wollen (auch nicht zu können!): Windgassens Stimme hat mir nie gefallen. Deshalb ist jede Aufnahme mit ihm für mich ein Minuspunkt, aber eben nur ein Minus, also viel zu wenig, um alles in die Tonne hauen zu können.


    :hello:

  • Windgassens Stimme hat mir nie gefallen. Deshalb ist jede Aufnahme mit ihm für mich ein Minuspunkt, aber eben nur ein Minus, also viel zu wenig, um alles in die Tonne hauen zu können.


    Ich hatte mich ja hier wegen Windgassen ja auch schon mit dem Windgassen-Lordsiegelbewahrer angelegt, aber so weit würde ich nun wirklich niemals gehen wollen! Jenseits aller persönlichen Geschmacksfragen muss man konstatieren, dass er ein sehr guter Vertreter des jungendlichen Heldenfachs (also Erik, Lohengrin, Stolzing, Parsifal) war. Und was nun das schwere Heldenfach, also Tannhäuser, Tristan und Siegfried betrifft: da gibt es solche und solche Aufnahmen. Ihn zu verdammen finde ich persönlich genauso unangemessen, wie ihn verklärt über alle anderen in den Himmel zu heben.


    P.S.: Ich bin eigentlich kein großer Windgassen-Fan, aber als ich im Herbst 2014 einem Windgassen-Vortrag mit Prof. Hans-Peter Lehmann lauschte, haben mir alle dort eingespielten Tonbeispiele (ich erinnere mich an das Rienzi-Gebet und die Gralserzählung) wirklich außerordentlich gut gefallen.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


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  • Diese treffende Betrachtung des Qualitätsverlustes im Wagner-Gesang wollte ich Euch und vor allen denen die engagiert über Gesangskunst gestern und heute diskutieren nicht vorenthalten.


    Na, zumindest den Siegmund kann man heute besser besetzen. Viel besser sogar.
    Dazu habe ich mich kurz geäußert: in dem Thread über Stuart Skelton!


    Stuart Skelton - Heldentenor aus Australien


    Im übrigen bin ich ein wenig überrascht, wie wenig Herr Pluta tatsächlich über die Stimmen und Gesangsleistungen schreibt - zumindest in dem zitierten Ausschnitt.


    Beste Grüße


    Caruso41

  • Ihn zu verdammen finde ich persönlich genauso unangemessen, wie ihn verklärt über alle anderen in den Himmel zu heben.


    Verdammnis? Mir gefällt seine Stimme nicht und der Minuspunkt ist ja - bei 10 möglichen Punkten - kaum ins Gewicht fallend. Ich verstehe meinen Beitrag nicht als Verdammnis, finde diese Schlussfolgerung als zu hoch gegriffen.


    :hello:

  • Ok, von zehn möglichen Punkten wusste ich nichts. "Nie" und "jede Aufnahme" klang für mich sehr nach Generalverdammnis.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


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  • Anstelle einer eigenen Stellungsnahme erlaube ich mir als "Lordsiegelbewahrer" einige Abschnitte aus dem kürzlich erschienenen "Lexikon der Gesangsstimme", das nur wenige Sänger mit einem Artikel würdigt (von den Heldentenören, deren Leistung auf Schallplatten dokumentiert sind, werden nur Melchior, Lorenz und WW aufgeführt), zu zitieren:


    " Walter Erich Schäfer macht kluge Disziplin und eisernen Fleiss verantwortlich für diesen Weg (gemeint ist die Bayreuther Karriere Anm. des Verfassers). Damit sind freilich auch Stereotype genannt, die das Bild von Windgassen bis heute prägen: Eine ökonomisch geschickte Einteilung der Partien habe begrenzte stimmliche Ressourcen ebenso wettgemacht wie sängerisches Charisma die Grenzen in punkto Klangschönheit.
    Windgassens enormer Erfolg lässt sich damit jedoch nicht erklären. Die künstlerische Symbiose mit Wieland Wagner wurzelte in einem Theaterverständnis, das die Bühne als geistigen Raum und Ausdrucksträger archetypischer Ideen begriff....Die Modernität bestand in einer Vielschichtigkeit, die im Moment der gesanglichen Realisierung auch gedanklich eingelöst, bzw. beglaubigt wurde und sich essentiell von Wagner-Tenören der früheren Generationen unterschied. Damit wurde Wortklang zum Sinnträger - und zwar nicht nur an ausgesuchten Stellen, sondern während der ganzen Partie....
    Dass er beim Publikum wie auch im Kollegenkreis ein überaus beliebter Sänger war, dürfte mit einem tiefen künstlerischen Verantwortunsbewusstsein zu tun haben, das die eigene Leistung stets in einen grösseren Zusammenhang stellte."


    Besser kann wohl nicht begründet werden, warum ich über 40 Jahre nach seinem Tod immer noch "sein Siegel bewahre."

  • " Walter Erich Schäfer macht kluge Disziplin und eisernen Fleiss verantwortlich für diesen Weg (gemeint ist die Bayreuther Karriere Anm. des Verfassers). Damit sind freilich auch Stereotype genannt, die das Bild von Windgassen bis heute prägen: Eine ökonomisch geschickte Einteilung der Partien habe begrenzte stimmliche Ressourcen ebenso wettgemacht wie sängerisches Charisma die Grenzen in punkto Klangschönheit.
    Windgassens enormer Erfolg lässt sich damit jedoch nicht erklären. Die künstlerische Symbiose mit Wieland Wagner wurzelte in einem Theaterverständnis, das die Bühne als geistigen Raum und Ausdrucksträger archetypischer Ideen begriff....Die Modernität bestand in einer Vielschichtigkeit, die im Moment der gesanglichen Realisierung auch gedanklich eingelöst, bzw. beglaubigt wurde und sich essentiell von Wagner-Tenören der früheren Generationen unterschied. Damit wurde Wortklang zum Sinnträger - und zwar nicht nur an ausgesuchten Stellen, sondern während der ganzen Partie....
    Dass er beim Publikum wie auch im Kollegenkreis ein überaus beliebter Sänger war, dürfte mit einem tiefen künstlerischen Verantwortunsbewusstsein zu tun haben, das die eigene Leistung stets in einen grösseren Zusammenhang stellte."


    Lieber Marcel,


    diesen Ausführungen kann wohl jeder zustimmen, der in dem von Neubayreuth und Wieland Wagner geschaffenen Typ des Sängerschauspielers sein Ideal sieht. Es ehrt Dich auch, dass Du Dich in "ewiger Treue" für Wolfgang Windgassen einsetzt. Er hat diese Verehrung und Nibelungentreue wahrlich verdient. Die Diskussion dreht sich wahrscheinlich um etwas anderes, nämlich: Welcher Stimmtyp ist zumindest für die schweren Wagner-Partien der Beste. Und da favorisieren halt viele, besonders traditionelle Wagner-Freunde, schwerere Stimmen a la Melchior, Lorenz, Suthaus, Treptow, Beirer, Cox, Esser und Hopf. Es kommt auch auf die Aufnahme an: als "Tristan" finde ich Windgassen unübertrefflich, als "Tannhäuser" Suthaus und besonders als Brünhilden-Siegfried begeistert mich Hopf, besonders in den Live-Aufnahmen des Bayreuther "Rings" von 1961. Als die erste Studio-Aufnahme mit Solti produziert wurde bedauerten es viele, dass Ernst Kozub, trotz seiner stimmlichen Qualitäten, die Partie nicht bewältigte. Er hätte den Reiz eines neuen Siegfried gehabt. Man griff dann auf die verlässliche "Bank" Windgassen zurück und er meisterte die Aufgabe in bewährter Form und Weise.
    Der Solti-Ring ist dann mit ihm und sicherlich auch durch ihn bis heute eine Referenzaufnahme geblieben. Es sind halt viele verschiedene Aspekte, die in einer solchen Diskussion berücksichtigt werden sollten.


    Herzlichst
    Operus

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  • Joachim Herz, deutscher Regisseur und Intendant, * 15. 6. 1924 - + 18. 10. 2010 --- 7. Todestag
    (Leider scheint es von seinem Leipziger Ring keine CD zu geben.


    Lieber Willi, ich habe Deine Bemerkung mal in diesen Thread kopiert, wo sie mir gut aufgehoben scheint. Es gibt keine Aufnahme des Leipziger "Rings" in der Regie von Joachim Herz. Seit Jahren jage ich danach. Gefunden habe ich in Sammlerkreisen lediglich einige Auszüge, in denen zumindest die maßgeblichen Solisten in Erscheinung treten. Der Klang ist ganz vorzüglich. Und das nährt mit den Verdacht, als gebe es davon noch mehr.


    Hier mal eine Besetzungs- und Frackliste:


    Richard Wagner
    DER RING DES NIBELUNGEN


    Szenen
    Leipzig 1973 - 1976


    Brünnhilde SIGRID KEHL
    Sieglinde ELS BOLKESTEIN
    Fricka RENATE HÄRTEL
    Gutrune HANNA LISOWKA
    Siegfried JOHN WEAVING
    Siegmund GÜNTER KURTH
    Wotan RAINER LÜDEKE
    Hagen FRITZ HÜBNER
    Alberich KAREL BERMAN
    Gunther EKKEHARD WLASCHIHA
    Woglinde VENCESLAVA HRUBA-FREIBERGER (R), JITKA KOVARIKOVA (G)
    Floßhilde ANNE-KRISTIN PAUL (R und G)
    Wellgunde LILJANA NITSCHEWA (R)
    Floßhilde ROSEMARIE LANG (G)


    Gewandhausorchester Leipzig
    Dirigent GERD BAHNER


    DAS RHEINGOLD (1973)
    1 Habt acht
    2 Abendlich strahlt der Sonne Auge

    DIE WALKÜRE (1974)
    3 Dies Haus und dies Weib
    4 Dich selige Frau hält nun der Freund
    5 Dir rat ich, Vater
    6 Du zeugtest ein edles Geschlecht

    SIEGFRIED (25. Oktober 1975)
    7 Wie sah mein Vater wohl aus?
    8 Ewig war ich

    GÖTTERDÄMMERUNG (28. März 1976)
    9 Was spinnen und singen wir nicht?
    10 Einem Stärk'ren noch ist's nur bestimmt
    11 Hier sitz ich zur Wacht
    12 Schläfst du, Hagen, mein Sohn
    13 Frau Sonne sendet lichte Strahlen


    Von den sängerischen Leistungen soll man sich nicht zuviel versprechen. Für mich ragen Sigrid Kehl als Brünnhilde und Fritz Hübner als Hagen am meisten heraus. Hübner gibt es ja auch offiziell in der Rolle, um die Kehl mit ihren herben, leicht rauchigen Sopran ist es wirklich schade. Die wäre heute ein international gefragten Star. Sie hat mal eine Platte mit dem Schlussgesang aus der "Götterdämmerung" aufgenommen, die es bislang leider nicht auf CD geschafft hat. Ekkehard Wlaschiha war mit dem Gunter,m der nicht sehr viel hergibt, stand noch am Anfang seiner schönen Karriere. Rainer Lüdeke als Wotan ist unterirdisch, fahl und aschgrau. Das ganze Projekt scheiterte schließlich am Siegfried. John Weaving sah nur gut aus. Singen konnte er nicht. Und es gab keinen Ersatz damals.


    Vielleicht es es ja besser, sich nach etwas zu verzehren.


    Die Akademie der Künste der DDR hatte seinerzeit im Rahmen ihrer Arbeitshefte eine umfassende Dokumentation über die Entstehung der Inszenierung herausgebracht, die ich mir sogar habe binden lassen. Sie gehört für mich zum Spannendsten, was je über den "Ring" verlautbart wurde. Da klingt die Musik aus den Buchstaben heraus. :)

  • Floßhilde ANNE-KRISTIN PAUL (R und G)

    Floßhilde ROSEMARIE LANG (G)


    Hm... ;)




    Rainer Lüdeke als Wotan ist unterirdisch, fahl und aschgrau.


    Das stimmt leider. Man hat dann für einige Auffürungen von "Rheingold" und "Walküre" Siegfried Vogel als Gast-Wotan nachverpflichtet.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

  • Ich besitze folgende CD mit Jean Cox. Leider sind aus dem "Siegfried" nur die Schmiedelieder darauf. Aber dafür gibt es aus der "Götterdämmerung" das großartige "Brünnhilde, heil´ge Braut" zu hören:



    Hallo 9079Wolfgang, das sollte doch bestimmt in diesen Thread Zwangvolle Plage! Müh' ohne Zweck!


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Viel wurde hier in der Vergangenheit über den Ring diskutiert. Ein Kapitel für sich wären die mittlerweile immer zahlreicher werdenden Versuche, dieses Mammutwerk rein symphonisch darzubieten. Die Bezeichnungen variieren hier und der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Den Anfang machte wohl Lorin Maazel in den 1980er Jahren mit seinem Ring ohne Worte, der bei Telarc eingespielt wurde. Doch diese Bearbeitung ist schon lange nicht mehr die einzige. Im Folgenden will ich mal versuchen, die mir bekannten abzubilden:



    Wenn ich das recht überblicke, scheint es neben der Maazel-Bearbeitung noch welche von Henk de Vlieger (The Ring – An Orchestral Adventure), Friedmann Dreßler (Der symphonische Ring – Ein orchestrales Drama in zwei Teilen) und Andreas N. Tarkmann (Der Ring – symphonisch) zu geben. Besonders häufig eingespielt wurden diejenigen von Maazel und de Vlieger.


    Böse gesagt: Der Grundgedanke war womöglich, denjenigen Leuten Wagner nahezubringen, die Wagner eigentlich nicht mögen. Andererseits ist der stark symphonische Charakter der Wagner-Opern und insbesondere des Rings nicht zu leugnen, spielt das Orchester doch eine genauso wichtige Rolle.


    Ich erinnere mich, mein eigener Einstieg in den Ring war vor vielen Jahren tatsächlich die Telarc-Einspielung unter Maazel. Ich war seinerzeit angetan, es machte Lust auf mehr. Ob meine Begeisterung heute noch genauso groß wäre, sei mal dahingestellt. Natürlich ist der jeweilige Arrangeur gezwungen, eine persönliche Auswahl zu treffen. Viele hörenswerte Stellen fallen durchs Raster. Dem Anfänger fällt das nicht auf, dem Kenner natürlich umso mehr. Als ich kürzlich in die Bearbeitung von de Vlieger unter Kristjan Järvi via Spotify hineinhörte, war ich nicht besonders beglückt. Alles wird kurz angeschnitten und ehe man sich versieht, geht es schon weiter, die Nachhaltigkeit ist gering. Kann man ein Werk, das etwa 14 bis 15 Stunden dauert, überhaupt adäquat im Schnelldurchlauf machen? Zumindest diese Bearbeitung scheint mir dazu ungeeignet. Außerdem erschien mir auch die Ausführung nicht optimal, wirkte seltsam oberflächlich und poliert.


    Was ist eure Meinung zu solchen Projekten? Wer kennt eine der genannten Bearbeitungen oder kann gar noch eine bislang nicht angeführte nennen?

  • ...da bin ich auch gespannt auf Antworten. Ich kenne ja nun die genannte Lorin Maazel Aufnahme und als kompletten Ring die 92er Aufnahme aus Bayreuth (Daniel Barenboim/Harry Kupfer).


    Mich hat die reine Tonversion schon beeindruckt, ich hatte sie über 20 Jahre bevor ich den Ring jetzt komplett hörte bzw. sah. Die Musik für sich, ohne genaue Kenntnis der Geschichte der Oper, entfaltet eine eigene Dynamik. Zumindest mir geht es so, dass sie ohne Bild intensiver wirkt, vielleicht ähnlich einer Symphonie. Mit Bild dominiert in vielen Szenen der Gesang, wenn man zum ersten Mal der Geschichte folgt, umso mehr. Mag sein, dass Kenner sich auch dann viel eher auf Klang des Orchesters konzentrieren (können). Mir erschien es stellenweise wie Untermalung, zumindest verglichen mit Opern aus anderen Epochen.


    Ob solche "Einstiegsbrücken" funktionieren ist ist eine interessante Frage. Meine Vermutung, wer Wagner nicht mag wird die 16 Stunden auf keinen Fall durchhalten. Wahrscheinlich wird derjenige aber auch die Kurzfassung schon nicht mögen.


    Mir fiel es übrigens erstaunlich leicht unter der Voraussetzung Walküre, Siegfried und und Götterdämmerung jeweils halbieren zu können. Es wurden dann tatsächlich sieben Abende.

    ________________________________________________________________________________________


    Gruß
    Nicolas

  • Was ist eure Meinung zu solchen Projekten? Wer kennt eine der genannten Bearbeitungen oder kann gar noch eine bislang nicht angeführte nennen?

    Lieber Joseph, in meiner Jugend fand ich solche Projekte faszinierender als heute. Das liegt wohl nicht zuletzt, daran, dass ich mit den Jahren den originalen "Ring" ziemlich gut momoriert habe. Folglich bin immer ganz irritiert bin, wenn der musikalische Ablauf in meiner Wahrnehmung plötzlich ein anderer ist. Wenn ich richtig informiert bin, geht die Tradition der Bearbeitungen auf Stokowski zurück, der ja auch eine so genannte Tristan-Symphony anfertigte. Auch Szell soll sich damit beschäftigt haben. Ob davon etwas festgehalten wurde, weiß ich nicht. Offenbar war Maazel der erste, der seine eigene Version, die auch verlegt wurde, auf Tonträger eingespielt hat. Die LP erschien 1988. Ich schwöre, dass ich aus dem Fernsehen auch einen "Ring" ohne Worte mit Leinsdorf kenne - noch in schwarz-weiß. Schon deshab würde diese zeitlich vor Maazel einordnen. Es kann sein, dass ich einen Mitschnitt in meinem Bestand habe. Ich werde danach suchen. Insofern dürfte die Idee für die sinfonischen Bedarbeitungen aus den USA kommen. Das würde für mich passen.



  • Ich habe mir in den letzten anderthalb Stunden jetzt spontan die Bearbeitung von Friedmann Dreßler angehört. Es spielen die Duisburger Philharmoniker unter ihrem damaligen Chefdirigenten Jonathan Darlington. Dreßler ist selbst Cellist, seit 1987 Mitglied bei den Duisburgern und spielte ab 1994 regelmäßig im Bayreuther Festspielorchester mit, ist also mit der Materie bestens vertraut.

    Was unterscheidet sein Arrangement nun von den anderen? Zum einen ist es länger als diejenigen von Maazel und de Vlieger, die mit etwa 70 bzw. 60-65 Minuten jeweils locker auf eine CD passen: Hier sind es nämlich knapp 93 Minuten. Das ist m. E. schon mal ein großer Vorteil, ist dadurch doch deutlich mehr Musik enthalten, nämlich konkret:


    Das Rheingold (12:57)

    Vorspiel - Gesang der Rheintöchter - Alberichs Liebesfluch - Götterburg "Walhall" - Das Schmieden - Donners Ruf

    Die Walküre (27:13)

    Vorspiel - Siegmund und Sieglinde - Die "Winterstürme" - Siegmunds und Sieglindes Flucht - Vorspiel 2. Aufzug - Wotans Wut - Walkürenritt - Wotans Abschied - "Feuerzauber"

    Siegfried (11:41)

    Vorspiel 2. Aufzug - "Waldweben" - Kampf mit dem Drachen - Fafners Mahnung - Vorspiel 3. Aufzug

    Götterdämmerung (40:59)

    Nacht auf Brünnhildes Felsen - Sonnenaufgang - Duett Siegfried-Brünnhilde - Siegfrieds Rheinfahrt - Hagens Notruf - Chor der Mannen - Vorspiel 3. Aufzug - Ermordung - Erinnerung an Brünnhilde - Tod und Trauermarsch - Brünnhildes Schlussgesang


    Konkret unterteilt sich diese Orchesterbearbeitung in zwei Teile, wobei Rheingold und Walküre sowie Siegfried und Götterdämmerung eine Einheit bilden. Die Übergänge sind fließend und weitgehend gelungen. So geht es etwa vom Paukenwirbel bei Donners Ruf nahtlos ins Walküren-Vorspiel über (was schon Maazel so handhabte). Dadurch geht allerdings der Einzug der Götter in Walhall leider drauf, aber solche Einschränkungen sind wohl fast unumgänglich. Dafür ist Wotans Abschied fast komplett inkludiert worden und werden alle drei Vorspiele geliefert.


    Ein richtiger Pluspunkt ist für mein Dafürhalten, dass Dreßler das außerhalb der Oper beinahe nie gespielte, sehr atmosphärische Vorspiel zum 2. Aufzug des Siegfried quasi als Einleitung des zweiten Teils mit aufgenommen hat. Für meinen Geschmack geht er dieses aber etwas zu rasch an - ansonsten fand ich die gewählten Tempi ganz überwiegend sehr adäquat. Tatsächlich scheint gerade der Siegfried in dieser Version etwas aufgewertet worden zu sein, selbst wenn er von der reinen Spielzeit das Schlusslicht bildet. Eindeutig am besten abgedeckt ist die Götterdämmerung, die mit über 40 Minuten so lange ist wie der gesamte erste Teil. Schön, dass hier das Duett des Prologs berücksichtigt wurde und es nicht vom Sonnenaufgang gleich in die Rheinfahrt übergeht. Dass der Mannenchor immerhin kurz angerissen wird, finde ich auch gut. Naturgemäß ist der 3. Aufzug besonders stark vertreten, glücklicherweise nicht erst ab dem Trauermarsch.


    Fazit: Von den mir jetzt bekannten symphonischen Bearbeitungen sehe ich diejenige von Dreßler vorne und würde sie auch Maazel vorziehen. Mit de Vlieger werde ich hingegen nicht recht glücklich, beinhaltet dessen Arrangement doch die wenigste Musik. Außerdem sind die beiden Järvis für mich keine Wagner-Dirigenten im engeren Sinne. Die Duisburger Philharmoniker unter Darlington spielen das weitestgehend tadellos und beweisen, dass auch Orchester der zweiten Reihe ihre Meriten haben. Darlington hat durchaus ein Gespür für Wagners Musik und überragt darin so manchen berühmteren Dirigentenkollegen. Der Klang ist audiophil und lässt keine Wünsche offen. Obwohl Live-Mitschnitte von zwei Konzerten am 27. und 28. Mai 2009 (Mercatorhalle Duisburg), gibt es nur an zwei, drei Stellen marginale Publikumsgeräusche.