Weihnachten naht - Suche Stücke für Projektchor

  • Da die vereinigten Kirchenchöre in der Stadtkirche an Heilig Abend singen, habe ich vereits zum 6. Mal einen Projektchor gegründet, um in der Mette unserer Gemeinde auch einen festlichen Gottesdienst zu gestalten.


    Der Chor, mittlerweile 30 Personen stark setzt sich aus Mitgliedern zusammen, die ständig in Chören singen, aber auch aus Personen, die vor 30 Jahren das letzte Mal gesungen haben. Wir proben an den Adventssonntagen jeweils eine Stunde.


    Mittlerweile haben wir einen kleinen Fundus, auf den wir zurückgreifen können.


    Mein Ziel dieses Jahr ist es, noch ein paar neue Stücke einzustudieren.


    Fest steht in diesem Jahr:


    Adeste Fideles,


    Hark the herald,


    Noel, Noel,


    das Tollite hostias aus dem WO von Saint-Saens,


    und "Be still for the Glory of the Lord".


    Fällt einer/m von euch noch ein schönes Stück ein?


    Über zahlreiche Antworten freut sich


    MosesKR1

  • Chormusik ist eigentlich nicht so mein Ding, deswegen kann ich auch Schwierigkeitsgrade nicht beurteilen.


    Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass der Chor der Horten aus Berlioz'L'ENFANCE DU CHRIST, der seinerzeit von dem hinterlistigen Berlioz als alte Komposition ausgegeben und auch von vielen dafür gehalten wurde, eine originelle Abwechslung ist.


    Es ist das zweite Stück des zweiten Teils, der FLUCHT NACH ÄGYPTEN, in dem die Hirten die Helige Familie verabschieden, und beginnt mit:


    "Il s'en va loin de la terre"


    Vielleicht hast Du eine Gelegenheit, da mal rein zu hören. Anspruchslos ist das wohl nicht, auch sprachlich, aber wunderschön.


    Ansonsten: Toi toi toi


    :hello: Jacques Rideamus

  • Hallo,


    da allen mir folgende Stücke ein:


    "Tausend Sterne sind ein Dom"
    "In dulci jubilo"
    "Maria durch ein Dornwald ging" (ein echter Klassiker)
    "O Jesulein süß"
    ..und noch tausende andere.


    Dzu müsstest etwas präzisieren was genau Du suchst? Deutschsprachig? 3..4..5..6..8-stimmig? Welcher Schwierigkeitsgrad? Strophenlied oder durchkomponiert? Wir können Dir dann sicher weitaus besser weiterhelfen.


    Zitat

    Original von Rosenkavalier
    Und unser lieben Frauen Traum, Max Reger
    Übers Gebirg Maria geht, Johannes Eccard
    O Jesulein zart, J.S.Bach


    Diese Stücke sind natürlich Klassiker, aber vor allem die ersten beiden Stücke sind recht schwer, wenn man sie gut singen will..


    Liebe Grüße, der Thomas.

  • Zitat

    Original von MosesKR1
    ...das würde mindestens 6 Proben mehr bedeuten


    Lieber Moses,


    wenn das so ist, dann sollte man auf hübsche Linien und nicht allzuzuviel Kokolores zurückgreifen.


    Einige Vorschläge hierzu:


    A. Bruckner – Virga Jesse, WAB 52, SATB: Text: Jungfrau, Frieden, Versöhnung – was will man mehr zu Weihnachten, außerdem ist er aus Mose 17,8, also fast KR1.
    Nicht zu schwer, doch mit einigen harmonischen Schmankerln, dadurch unglaublich wirkungsvoll, zudem ein jubelndes Halleluja. Da bleibt kein Auge trocken.


    J.G.Rheinberger: Eine oder zwei der, glaube ich, insgesamt neun Advent-Motetten Op. 176, SATB. Noch ein beschwingtes Halleluja? Dann das Universi. Etwas mehr Chromatik? Hier hilft das Bededixisti. Oder soll es ein wenig volkstümlicher sein? Da röhrt das Rorate coeli. Alles gut machbar, auch mit Reservisten, allerdings auch mit Proben.


    Wenn die Herrschaften es etwas moderner mögen:


    A. Pärt: Magnificat-Antiphonen. Da gibt es sieben, und alle sind klar, einfach strukturiert, doch äußerst packend, weitgehend harmonisch normalgehörkompatibel mit gelegentlichen Überraschungsdissonanzen, beruhigend homophon.. Das „O Weisheit“ findest Du bestimmt auf Youtube.
    Mal was anderes, viel Klang für nicht ganz so viel Aufwand. Soweit ich es erinnere, auch SATB.


    Und natürlich immer wieder gerne: Jedweder Choral aus dem WO, aber die habt Ihr bestimmt schon zigmal rauf und runtergeschrubbt.
    Zudem: Schlag nach bei Rutter. Denn da steht was drin. Für alle Bedürfnisse.



    Gruß,



    audiamus



    .

  • Eins meiner Lieblings-Weihnachts-Chorstücke ist hier leider kaum bekannt, aber im angloamerikanischen Raum recht häufig anzutreffen:


    "E'en so, Lord Jesus, quickly come" von Paul Manz.



    Wunderschön, aber leider treten die Sopräne meist in Streik, da von ihnen das hohe b gefordert wird. Sehr schade, denn das Stück ist sehr effektvoll.


    Außerdem weitere Lieblinge:



    "Carol of the bells" von ich-weiss-nicht-wem


    "In the bleak midwinter" von Gustav Holst


    "Shiloh" von William Billings


    "Heilige Nacht" von Reichardt (ein absolutes Muss an Weihnachten)


    "Machet die Tore weit" von Hammerschmidt


    Durch mehrere Hispano-Barock-CDs bin ich auch zu einem großen Fan von "Serafin, que con dulce harmonia" von Juan Cereols geworden.


    Oh, und natürlich "Once in royal David's city", am besten mit einem einsamen Sopran-Solo am Anfang, so wie bei den Nine Lessons and Carols (oder heißt das umgekehrt) in Cambridge.



    Und ja, zu Weihnachten bricht meine Ader für Kitsch unaufhaltsam hervor. :angel::D



    PS: Wenn irgendwer einen richtig schönen Chorsatz von "Maria durch ein Dornwald" kennt, bitte bescheid sagen. Ich hab noch keinen gehört oder gesungen... ;(


  • ?( ?( ?(
    Nicht zu schwer???
    :no:
    Ich sage nur: In se....
    und die Tenöre sollten ein h1 sauber falsettieren können...


    auch Regers "Unser lieben Frauen" ist durchaus anspruchsvoll (mit 6-stimmiger 3. Strophe)
    ECCARDs "Übers Gebirg dürfte da schon eher passen (ist wirklich sehr schön!)
    Schöne Chorsätze von Weihnachtsliedern gibt es auch von REGER (O Jesulein süß, Kommt und lasst uns Christus ehren, Schlaf wohl, Du Himmelknabe?..) etc...
    Ich müsste etwas länger überlegen, ob mir noch weitere Stücke einfallen.


    Gruß pt_concours

    Hören, hören und nochmals hören: sich vertraut machen, lieben, schätzen.
    Keine Gefahr der Langeweile, im Gegensatz zu dem, was viele glauben, sondern vielmehr Seelenfrieden.
    Das ist mein bescheidener Rat. (S. Richter, 1978)

  • Zitat

    Original von pt_concours
    Nicht zu schwer???
    :no:
    Ich sage nur: In se....
    und die Tenöre sollten ein h1 sauber falsettieren können...



    Ja, wenn ich gewusst hätte, dass hier kopfschüttelnde Chorhonoratioren voller Sachkenntnis mitdiskutieren...
    So ein Manöver von Es-Dur nach As-Dur birgt natürlich seine Tücken, ganz zu schweigen von dem Verminderten danach, wie auch eine Sext, wenn sie nicht nur klein, sondern überdies leise sein soll, das geb ich zu.
    Beim h können allerdings prima die Alteusen aushelfen, wenn's garnicht geht, können am End' auch die Stimmen getauscht werden.
    Aber da krieg ich wohl wieder einen Kopfschüttler, weil's gis auch zu hoch ist und man sowas nicht tut.


    Ich sage nur: In te...domine speravi.

  • Zitat

    Original von audiamus


    Ja, wenn ich gewusst hätte, dass hier kopfschüttelnde Chorhonoratioren voller Sachkenntnis mitdiskutieren...
    So ein Manöver von Es-Dur nach As-Dur birgt natürlich seine Tücken, ganz zu schweigen von dem Verminderten danach, wie auch eine Sext, wenn sie nicht nur klein, sondern überdies leise sein soll, das geb ich zu.
    Beim h können allerdings prima die Alteusen aushelfen, wenn's garnicht geht, können am End' auch die Stimmen getauscht werden.
    Aber da krieg ich wohl wieder einen Kopfschüttler, weil's gis auch zu hoch ist und man sowas nicht tut.


    Nana, nicht so viel Ironie wenn ich bitten darf. Bruckner-Motetten sind allesamt sauschwer, und ich kenne wenige Aufnahmen, die wirklich als gut bezeichnet werden können. Für so ein Weihnachtskonzert sind solche Stücke sicher auch etwas zu überladen.


    weitere Weihnachtslieder:
    "Freud Dich Erd und Sternenzelt"
    "Aus hartem Weh" von Willy Sendt (unbekannt, aber toll)
    "Tochter Zion" (sehr feierlich)
    "Adeste fideles"
    ..to be continued..


    Als heftigere Weihnachtsliteratur fallen mir jetzt noch folgende Sachen ein:
    "Weihnachtsgeschichte" von Hugo Distler
    "Ceremony of Charols" von Benjamin Britten
    "4 Weihnachtsmotetten" von Francis Poulenc
    Aber wie schon gesagt, das ist eigentlich alles nicht für den beschriebenen Projektchor geeignet.


    Zitat

    Ich sage nur: In te...domine speravi.


    Hmm..Te-Deum von Bruckner? Böse Stelle, kann ich aus eigener (lang zurückliegender) Tenorerfahrung bestätigen :)


    Liebe Grüße, der Thomas. :hello:

  • Lieber Moses,


    was ich noch sagen wollte: Auf keinen Fall Bruckner singen lassen vom Format eines Locus iste oder so nem Kram, ist alles viel zu überladen (Zweinunddreißigstelketten mit Zwölftontechnik an pochiertem Kontradoppelpunkt etc).


    Lieber einen gemütlichen 6-stimmigen Reger oder den Britten. Da geben die Männer so gerne den Harfenpart, weil sie sonst nichts zu tun hätten.
    Mein Geheimtipp: Ein zünftiges, einstimmiges O Tannenbaum. Das haut rein.



    audiamus, Chorgewerkschaft Kassandra



    .

  • Hallo Moses,


    hier eine kleine Auswahl:


    Vom Himmel hoch
    Ihr Hirten erwacht
    Es ist ein Ros' entsprungen
    In dulci jubilo
    Still, still weil 's Kindlein schlafen will
    Herbei, o ihr Gläubigen
    Süßer die Glocken
    O Freude über Freude
    Markt und Straßen stehn verlassen
    O Jesulein süß
    Leise rieselt der Schnee
    Freu dich Erd und Sternenzelt
    O freudenreicher Tag
    Tochter Zion
    Als die Welt verloren
    Der Heiland ist geboren
    Menschen, die ihr war't verloren
    Zu Bethlehem geboren
    Maria durch ein Dornwald ging

  • Kaum geht man mal früher ins Bett, da überschlagen sich die Ereignisse hier.


    Vielen Dank erst mal für die Vorschläge.


    Am besten(?) fand ich den Vorschlag in der hinreissenden Interpretation des Kölner Domchores :baeh01: :baeh01: :baeh01:


    Wir müssen leichte Sachen nehmen, wie schon gesagt, besteht der Chor aus absoluten Laien und Profis.


    Die Stimmverteilung ist an sich schon abenteuerlich:


    9 Soprane (davon 7 gute)
    6 Alt (4 gute)
    6 Bässe (4 gute)
    und sage und schreibe 2 Tenöre (beide supergut) :pfeif: :pfeif: :pfeif:

  • Lieber audiamus,


    ich schätze es ja sehr, dass Du hier in dem Chorforum zu den wenigen Aktiven gehörst. Dabei konnte natürlich nicht verborgen bleiben, dass Du selber im Chor singst, was natürlich sehr erfreulich ist- für Dich und das Forum.
    Dennoch habe ich mit oben zitierter Aussage hier zum zweiten Mal einen Beitrag von Dir gelesen, der mich spontan an den Thread „Laienchöre... warum wissen die nie, was sie nicht können?“ denken ließ.


    Der erste Beitrag war:


    Dabei weis ich natürlich noch nichts über Deine Chorerfahrung und Dein sängerisches Können, allerdings soll das hier auch nicht das Thema sein, da es ja beides Mal um eine Empfehlung für andere ging.



    Die Motetten von BRUCKNER, sind wie auch die von REGER oder BRAHMS meiner Meinung von einem Laienchor kaum befriedigend zu bewältigen Und gerade das von Dir erwähnte „Virga Jesse“, ebenso wie „Christus factus est“ oder „Os justi“, auch das „Ave Maria“, selbst das von Dir erwähnte „Locus iste“ dürfte wohl kaum intonatorisch und klangtechnisch befriedigend aufzuführen sein (ich würde fast wetten, dass kein Akkord wirklich sauber ist und die Gesamtintonation nach einer einstelligen Taktzahl bereits deutlich verlassen wurde.) Oder anders gesagt , ich habe diese Werke selber schon im Chor gesungen, der zur Mehrzahl aus professionellen Sängern besteht (ich bin es nicht), die schon lange gemeinsam singen, und dass unter der Leitung eines besonders begabten Chordirigenten, und trotzdem hat man sich an diesen Werken fast „die Zähne ausgebissen“ und für drei bis vier Takte eine halbe Stunde geprobt (wirklich!), (das alle Sänger zu Beginn der Probe alle Töne bereits beherrschen ist eine Selbstverständlichkeit.) Übrigens zeigt doch, dass Ansinnen, die Stimmen zu tauschen, das man den Anforderungen des Werkes nicht wirklich gewachsen ist.
    Natürlich bleibt es immer ein schmaler Grat, da die schönsten Werke der Musik oft (aber nicht immer!) auch die schwersten sind, kann ich den großen Reiz verstehen, der von solchen Werken ausgeht. Allerdings möchte ich, bei der Härte mit der hier zum Teil andere Musiker beurteilt werden, auch etwas davon für alle fordern.
    Allerdings handelt es sich ja bei dem hier angesprochenen Projekt nicht um ein Konzert (oder gar eine Aufnahme), sondern zuerst um einen Gottesdienst, so dass die Beurteilung nach rein künstlerischen Gesichtpunkten doch etwas zurücktreten sollte.
    Erstaunt bin ich, dass bisher so wenig „alte Musik“ genannt wurde. ich erachte sie für einen solchen Projektchor als wesentlich günstiger, da sie mehr auf natürlicher Rede basieren, und nicht wie die Werke non BRUCKNER oder REGER besonders von den Harmonien und dem Chorklang leben (REGER muss ja oft fast wie Orgel klingen, BRUCKNER ebenso- oder wie Bläsersatz)
    Aber hier noch einige Empfehlungen:


    H. SCHÜTZ: Also hat Gott die Welt geliebt (SATTB), eigentlich machbar aber TT ;-)), ebenso Das Wort ward Fleisch oder Ein Kind ist uns geboren (beide SSATTB)
    A. GABRIELI Verbum caro est (SATB)
    A. BENCINI Ave Maria (SATB)


    das sind aber schon mittlere Motetten, vielleicht dann eher die Werke von:
    M. PRAETORIUS Es ist ein Ros entsprungen, Der Morgenstern ist aufgedrungen, etc.


    vielleicht auch:
    J. TAVERNER The Lamb -eigentlich recht leicht, aber man muss seine (einfache) Simme gegen andere durchsetzen können...


    Die schönen REGER-Sätze findest Du auf folgender CD:



    auch BRHAMS schrieb kleinere Motetten (Marienlieder)




    Na ja, mir fällt vielleicht noch einiges ein....


    Gruß pt_concours


    ansonsten audiamus H.SCHÜTZ: Herr, auf Dich traue ich ;)

    Hören, hören und nochmals hören: sich vertraut machen, lieben, schätzen.
    Keine Gefahr der Langeweile, im Gegensatz zu dem, was viele glauben, sondern vielmehr Seelenfrieden.
    Das ist mein bescheidener Rat. (S. Richter, 1978)

  • Zitat

    Original von pt_concours
    Die Motetten von BRUCKNER, sind wie auch die von REGER oder BRAHMS meiner Meinung von einem Laienchor kaum befriedigend zu bewältigen Und gerade das von Dir erwähnte „Virga Jesse“, ebenso wie „Christus factus est“ oder „Os justi“, auch das „Ave Maria“, selbst das von Dir erwähnte „Locus iste“ dürfte wohl kaum intonatorisch und klangtechnisch befriedigend aufzuführen sein (ich würde fast wetten, dass kein Akkord wirklich sauber ist und die Gesamtintonation nach einer einstelligen Taktzahl bereits deutlich verlassen wurde.)


    Das möchte ich unbedingt unterstreichen. "Locus iste" scheint ein einfach Stückchen zu sein, ist aber intonatorisch problematisch, und genau deswegen nicht so einfach.


    Selbiges, vielleicht noch viel mehr, gilt auch für das vorgeschlagenee "Magnificat" von Pärt. Der SopranII (oder wars der SI.`?), der die ganze Zeit den einen Ton sauber hält, wärend sich andere Stimmen teilweise eine kleine Sekunde daneben genüsslich reiben, muss erst mal gefunden werden. Außerdem ein echtes Kraftstück, da braucht der Chor viel Durchhaltevermögen.


    Zitat

    Erstaunt bin ich, dass bisher so wenig „alte Musik“ genannt wurde.


    Zumindest wurden schon Eccard und Hammerschmidt genannt. :baeh01:


    Zitat

    M. PRAETORIUS Es ist ein Ros entsprungen


    Diesen Satz möchte ich Dir, Moses, unbedingt für deinen Projektchor ans Herz legen. Der Satz ist schlicht und ist schnell erarbeitet, klingt aber herrlich und ist ein echter Klassiker.


    Außerdem fällt mir noch ein:
    "Ich brach drei dürre Reiselein" von Hugo Distler.
    Ein spröder aber hübscher Satz mit einem tollen Text, passt sicher auch gut in den geistlichen Rahmen Eures Auftrittes.


    Liebe Grüße, der Thomas. :hello:

  • Lieber pt_concours,


    Deine Assoziation ist mir unklar.
    Viel eher sähe ich überdies gerne den Thread: Laienchöre…warum wissen die nie, was sie könnten?


    Was ich nicht getan habe:
    Ein siebenstimmiges Ave Maria mit bis zu dreifach geteilten Männerstimmen und Quasi-Doppelchorfunktion oder ein achtstimmiges fugiertes Os justi mit zehntausend Vorhalten und ellenlangen ppp-Stellen auf einem Akkord zu empfehlen. Reger oder Brahms in diesem Zusammenhang hier auch nicht.


    Was ich getan habe:
    Werke vorzuschlagen, die ich von beiden Seiten des Pultes kenne und unter den gegebenen Umständen mit dem von Dir so richtig erkannten Ziel erfolgversprechend sein können, von Bruckner dabei eines, das nicht den Untertitel „Sämtliche Motetten“ trägt und sich auch Laienchören, die nicht für die EMI oder zum Gewinnen des DCW antreten, in der Struktur beruhigt, intonatorisch optimierbar, harmonisch nachvollziehbar und vor allem glückbringend darstellt.


    Fertig.



    audiamus



    .

  • Zitat

    Original von audiamus
    Lieber pt_concours,


    Deine Assoziation ist mir unklar.
    Viel eher sähe ich überdies gerne den Thread: Laienchöre…warum wissen die nie, was sie könnten?


    Nun ja... zumindest die Laienchöre, die ich kenne, sei es als Zuhörer oder als Mitglied, neigen allesamt kaum dazu, sich zu unterschätzen. Viel eher ist es oft schon schwierig, recht einfache Stücke wirklich gut zu interpretieren - Problem Nr. 1 ist da die schon mehrfach erwähnte Intonation. Es kommt immer wieder vor, dass durch den Größenwahn eines Chorleiters (der ja durchaus motivierend wirken kann) ein richtiger "Brocken" in Angriff genommen wird, der dann beim Konzert mehr schlecht als recht funktioniert. Mir persönlich ist es lieber, ein Chor singt einfache Werke gut als schwierige schlecht. Ohrenschmerzen kann ich nicht viel abgewinnen :no: Viele Chorleiter neigen leider dazu, ihre Sänger zu überschätzen und zu überfordern.
    Dass dagegen ein Chor bei einem Konzert Stücke singt, die allesamt in Relation zu einfach für die Sänger wirken, habe ich ehrlich gesagt noch niemals erlebt :untertauch:
    Bruckners Locus iste kenne ich von mehreren Laienchören interpretiert (habe auch selbst mitgesungen), und das kann schon schaffbar sein. Kann durchaus passabel klingen, aber nicht nach so wenig Probenzeit, wie sie Moses zur Verfügung hat. Selbst bei Laienchören, die das Stück seit Jahren im Repertoire haben, klingt z.B. die "irreprehensibilis"-Stelle manchmal plötzlich wieder grottenfalsch :faint:
    Prinzipiell finde ich es gut, wenn sich auch Laienchöre an schwierigere Literatur heranwagen - man wächst schließlich im besten Fall daran! - jedoch nur, wenn dies nicht unter Zeitdruck geschieht, also das Konzert nicht schon so nah ist, dass ein nicht zufriedenstellendes Ergebnis praktisch vorprogrammiert ist.

  • Lieber Moses, neben all den wunderschönen Sachen die bereits vorgeschlagen wurden: darf denn auch ein bisschen Gospel dabei sein?
    Ich glaube, das macht den allermeisten Choristen Freude, ist nicht so schwierig einzustudieren und effektvoll.



    Bei Detailfragen ist unser so vielbegabter Audiamus auch hierin eher als ich Spezialist.


    Ich habe sonst noch ein sehr flottes und interessantes aber gefälliges "Angels Alleluja " von Alan Bullard anzubieten.
    Viel Erfolg und "In bocca al lupo!"


    F.Q.




  • Liebe bachiana,


    1. ist das Stück „in the bleak midwinter“ (wirklich?) von HOLST, oder nur der Satz?


    viele der von Dir angesprochenen Weihnachtslieder (wie auch obiges) kenne ich übrigens von der sehr schönen 3-CD-Box „Christmas Collection“ von "The Sixteen“



    2. Solltest Du zwischen Weihnachten und Neujahr in Dresden sein, dann empfehle ich Dir unbedingt den Besuch der Aufführung der „Nine Lessons and Carols“ in der Loschwitzer Kirche am 26.12.2008 mit dem Körnerschen Singverein, pardon Dresdner Vocalconcert. Allerdings rechtzeitig Karten sichern (so ca. bis zum 15. Dezember)- ist nämlich immer ausverkauft.


    3. Kennst Du denn den wunderschönen Satz zu "Maria durch ein Dornwald" von G. RAPHAEL noch nicht?
    Oder kennst Du ihn und magst ihn nicht?



    @MosesKRI: Du wirst ja hoffentlich noch von eurer Wahl berichten, und wie zufrieden ihr damit geworden seid!


    audiamus :
    Wir scheinen bezüglich der Bruckner-Motetten verschiedener Meinung zu sein, dabei könnte man es belassen, wenn Du Dir nicht in Deiner Argumentation meiner Meinung, die Wahrheit doch etwas zurecht gebogen hättest. Deshalb noch eine kurze Bemerkung dazu.


    Während Du der Meinugn bist die Schwierigkeiten der BRUCKNER-Motetten reichen von leicht bis schwer, glaube ich, sie reichen von mittelschwer bis sehr schwer, wobei das Locus iste sicher das einfachste Stück der Reihe ist. Wenn ich mir die Anforderungen im Hinblick auf Intonation und Chorklang der weiteren Motetten ansehe, so kann ich z.B.: zwischen Virga Jesse oder Os justi keinen großen Unterschied erkennen. Diese Werke sind übrigens beide vierstimmig, d.h. SATB, obwohl sich einzelne Stimmen in diesen Motetten für kleinere Abschnitte teilen.


    Zitat

    Original von audiamus
    ...oder ein achtstimmiges fugiertes Os justi“


    ?(
    Da ist nichts achtstimmig fugiert!


    Und wenn ich sehe, wie oft im Virga Jesse fff, d.h. dreifaches Forte über mehrere Take mit schwierigen Harmonien (in zum Teil weiter Lage verlangt wird), dann ist das für einen Laienchor nie und nimmer zu schaffen!!


    :no:


    Man wird dann wahrscheinlich nur forte singen (und denken, es reicht schon). Aber ich sage, wenn Bruckner fff schreibt, will er es auch so gesungen haben. Und wenn man dem Werk nicht gewachsen ist, finde ich es ehrlicher, es auch nicht aufzuführen (s.o.) Ich finde, ein falsches Tempo wie eine falsche Dynamik ist ebenso falsch wie ein falscher Ton!


    Zitat

    Original von audiamus
    Ein siebenstimmiges Ave Maria mit bis zu dreifach geteilten Männerstimmen


    ?(
    Im Ave Maria sind die Männerstimmen (fast) immer vier- manchmal auch fünffach geteilt.


    Zumindest ein einer Seite des Pultes hab ich doch so meine Zweifel...


    Im Übrigen bin ich froh, dass hier eine Reihe weiterer Mitglieder, die man als erfahrene Chorsänger sehen muss, die Dinge ähnlich zu sehen scheinen.


    Gruß pt_concours

    Hören, hören und nochmals hören: sich vertraut machen, lieben, schätzen.
    Keine Gefahr der Langeweile, im Gegensatz zu dem, was viele glauben, sondern vielmehr Seelenfrieden.
    Das ist mein bescheidener Rat. (S. Richter, 1978)

  • Zitat

    Original von pt_concours


    Kennst Du denn den wunderschönen Satz zu "Maria durch ein Dornwald" von G. RAPHAEL noch nicht?
    Oder kennst Du ihn und magst ihn nicht?


    Dieser Satz ist tatsächlich mit Abstand der schönste, den ich kenne. :yes: Er beginnt mit recht tief gesetzten Männerstimmen, was der Musik eine geheimnissvolle Stimmung verleiht. Eine dicke Empfehlung! Die Männerstimmen müssen zwar recht sauber intonieren damit das Stück klingt, ansonsten ist der Satz nicht zu schwer und auch von mittelprächtigen Laienchören gut zu bewältigen.


    "Zu leichte" Stücke erlebt man in der Tat selten bei Chören. Das mag aber auch daran liegen, dass leicht erscheinende Chorwerke auch ihre Tücken haben, weil sie bspw. sehr offen gesetzt sind und jede einzelne Stimme, jeder Konsonant und jede agogische Bewegung schnell aus dem Gesamtklang herausfällt. An Chorsätzen wie Prätorius' "Es ist ein Ros' entsprungen" bspw. kann man sich gut die Zähne ausbeißen, wenn man mit einem sehr hohen Anspruch an das Stück herangeht. Hier kann man den Perfektionismus wirklich seeehr weit treiben..
    "Zu leichte" Stücke fallen daher vermutlich bei einem guten Chor deswegen nicht heraus, weil sie dann besonders gut gemacht sind.


    Liebe Grüße, der Thomas. :hello:

  • Lieber pt_concours,


    so langsam glaube ich, Edwin könnte vielleicht nach seinem didaktisch wunderbar aufbereiteten Zwölftonkursus ja mal ein Einführungsseminar im Lesen einrichten.





    Zitat

    Original von pt_concours
    ...glaube ich, sie reichen von mittelschwer bis sehr schwer...



    Glaube ich auch, von leicht hatte ich nie etwas geschrieben (genausowenig wie von einem Ave Maria oder einem Os justi). Heißt aber nicht, dass das nur Eric Ericson aufführen sollte.




    Zitat

    Original von pt_concours
    ?(
    Da ist nichts achtstimmig fugiert!



    Eigentlich noch leichter zu lesen. "Achtstimmiges fugiertes", nicht "achtstimmig fugiertes". Mit Komma wär's natürlich etwas leichter verständlich gewesen.




    Zitat

    Original von pt_concours
    ...dann ist das für einen Laienchor nie und nimmer zu schaffen!!



    Du musst es ja wissen.




    Zitat

    Original von pt_concours
    ?(
    Im Ave Maria sind die Männerstimmen (fast) immer vier- manchmal auch fünffach geteilt.


    Dreifach pro Stimme selbstverständlich.




    Zitat

    Original von pt_concours
    Im Übrigen bin ich froh, dass hier eine Reihe weiterer Mitglieder, die man als erfahrene Chorsänger sehen muss, die Dinge ähnlich zu sehen scheinen.



    Glückwunsch!



    So, hier klink ich mich aus.
    Viel Spaß weiterhin beim Schreiben. Dat Lesen, dat kriejenwa später.



    audiamus



    .

  • So, zwei Proben haben wir schon erfolgreich hinter uns gebracht.


    Wir nehmen:


    Distler: Ich brach drei dürre Zweigelein,
    MeBa: Hark the herald,
    Be still for the presence of the Lord,
    O, Tannenbaum (mit der Gemeinde)
    Adeste Fideles,
    Noel, Noel,
    Saint-Saens: Tollite hostias aus dem WO,
    Lulajsche Jesunium (ein polnisches Wiegenlied, wird von mir auf polnisch gesungen.


    und last, but not least: Stille Nacht.

  • Zitat

    Original von pt_concours
    Liebe bachiana,


    1. ist das Stück „in the bleak midwinter“ (wirklich?) von HOLST, oder nur der Satz?


    Also, meine Ausgabe besagt ganz deutlich "Melodie und Satz G. Holst", was aber nicht heißt, dass den Herausgebern kein Fehler unterlaufen sein könnte.


    Zitat


    viele der von Dir angesprochenen Weihnachtslieder (wie auch obiges) kenne ich übrigens von der sehr schönen 3-CD-Box „Christmas Collection“ von "The Sixteen“.


    Leider habe ich davon (d.h. nur von einer der dreien) die billische Classic FM-(= britisches Klassikradio)-Ausgabe (offenbar vergriffen - zumindest bei jpc), deren Booklet mir leider auch keine Erkenntnisse über Holsts Autorenschaft liefert. Die CD ist allerdings tatsächlich sehr schön und empfehlenswert.



    Zitat

    2. Solltest Du zwischen Weihnachten und Neujahr in Dresden sein, dann empfehle ich Dir unbedingt den Besuch der Aufführung der „Nine Lessons and Carols“ in der Loschwitzer Kirche am 26.12.2008 mit dem Körnerschen Singverein, pardon Dresdner Vocalconcert.


    Ganz großes Dankeschön für den Tip. Leider hab ich das Dresdner Vocalconcert bis jetzt noch nicht hören können, obwohl ich sehr daran interessiert bin.
    Allerdings wird's wohl, so verlockend das Loschwitzer Konzert auch klingen mag, auch diesmal nix werden, denn zu Weihnachten werde ich in heimatlichen Gefilden weilen, d.h. etwas weiter südlich. ;(


    Zitat

    3. Kennst Du denn den wunderschönen Satz zu "Maria durch ein Dornwald" von G. RAPHAEL noch nicht?
    Oder kennst Du ihn und magst ihn nicht?


    Ein kurzer Blick in mein schlaues Notizbuch verrät mir, dass ich ihn beim letztjährigen Adventskonzert des Dresdner Kammerchors in der Dreikönigskirche gehört haben muss. Offensichtlich hab ich damals nicht als optimal empfunden, sonst hätt ich ihn mir gemerkt und wohl auch die CD schon gekauft. :D


    Irgendwie ist mir schleierhaft, wie und warum hier die Stimmung plötzlich so umgekippt ist (weihnachtlicher Friede ist was anderes, meine Herren), aber wenn ich meinen Senf als langjährige Amateurchorsängerin dazugeben darf (das war eine rhetorische Frage, ich tu's natürlich ungefragt), dann würde ich sagen, dass auch ich bei der knappen Probenzeit wie sie Moses und seinen Sängern zur Verfügung steht, keine Risiken eingegangen wäre, zumal auch der existierende Fundus sicher erst einmal aufgefrischt werden muss, bevor er aufgeführt werden kann. Man tut weder sich noch den Zuhörern einen Gefallen damit, wenn das Konzert zum Stress ausartet.


    Die Auswahl, so weit ich sie überblicken kann, scheint mir eine sehr schöne zu sein. Toitoitoi für die Aufführung, Moses! Und vielleicht kann man ja im nächsten Jahr mal noch eine schöne anspruchsvolle Motette dazupacken, wenn der Fundus noch ein bisschen angewachsen ist und mehr Probenzeit zur Verfügung steht.


    "O Heiland reiss die Himmel auf" von Brahms hab ich zum Beispiel vor ein paar Jahren mal in einem recht ordentlichen Kammerchor gesungen, und das hat soweit ich mich erinnere ganz gut geklappt, obwohl das auch nicht ganz ohne ist. Ohne in die Noten zu blicken, bleibt der Satz aber - glaube ich - weitgehend vierstimmig, so dass er auch mit nicht allzuvielen Sängern zu bewältigen sein sollte.

  • Die Weihnachtsmette war ein voller Erfolg. Der Projektchor hat gut und schön gesungen. Für mich war die Mette in dem Falle erfolgreich, weil ich seit fast einem Jahr zum ersten Mal wieder solistisch gesungen habe, das "Lulajze Jezunium", ein Wiegenlied in polnischer Sprache.