"Guck mal Otto - Die Brauerei !!" - Klassische Musik in der Werbung

  • Liebe Forianer,


    Der oben zitierte Satz bezieht sich natürlich parodierend auf einen Werbespot, einer Biermarke (man könnte auch Label sagen, passt besser hierher :D ), welche in ihrem TV-Werbespot die Semperoper in Dresen als imagehebendes Element einsetzte...


    Aber auch der Einsatz von klassischer Musik selbst ist in der Werbung sehr gebräuchlich, angefangen von Mozarts oft mißbrauchter kleiner Nachtmusik bis hin zur Carmina Burana. Dabei ist man hier gar nicht zimperlich: Auch für Katzenfutter wird gelegentlich "Klassik" eingesetzt, Caruso muß seine Stimmbänder rund 80 Jahre nach seinem Tod noch immer für Instant-Pastagerichte bemühen.


    Weniger gefragt sind anscheind derzeit "Vivaldis Jahreszeiten" bzw Tschaikowksys Klavierkonzert Nr1 - DIE Renner in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts.


    Etliche Resourcen liegen noch brach, so hat beispielsweise noch kein Immobilienbüro Wagners: "Dich, teure Halle Grüß ich wieder" in Verwendung. Das mag zum Teil aber auch damit in Zusammenhang stehen, daß heutige Wohnobjekte eher Gemeinsamkeiten mit Schuhschachteln, als mit "Hallen" haben,




    Das wirft natürlich etliche Fragen auf , beispielsweise warum so wenig "Heavy Metal" für die Werbung eingesetzt wird und so viel Klassik ? Dazu noch die Frage ob die Verwendung von "klassischer Musik" als Werbeträger stützendes Element "zulässig sein sollte?"
    (Wir können hier frei von der Leber weg schreiben - niemand
    aus der Werbebranche wird sich abhalten lassen. Die Gefahr, daß
    ein Toilettenpapierfabrikant pleite macht, weil er sich duch unsere Ablehnung veranlasst sieht, die bisher so wirksame Werbeschiene mit "Klassischer" Musik aufzugeben ist meiner Einschätzung nach nicht wirklich gegeben.....


    Neben prinzipiellen Aussagen zur "Klassischen Musik in der Werbung", können natürlich auch geglückte und weniger geglückte Kombinationen von Artikel und dazu verwendeter "Werbemusik" benannt werden, wobei ich bitte möglichst keine Marken zu nennen, na ja bei den Positivbeispielen (so es welche gibt) vielleicht schon...


    Was passiert aber mit der verwendeten Musik ?
    Wird sie "entwertet" ?
    Bringt sie neue "Klassikliebhaber hervor?"


    Fragen über Fragen



    Beste Grüße
    aus Wien
    Alfred

  • Salut,


    na, dann mache ich mal den Anfgang mit einem - für mich eher ungewöhnlichen - positiven Beispiel. Ich muss allerdings zugeben, dass ich in den letzten Jahren äußerst selten fernsehe und - noch seltener - Werbung anschaue. Jedenfalls fiel mir einst eine gewisse Werbung für Schmuck auf - die Musik wurde eigens dafür von Karl Jenkins komponiert und zwar unter Beachtung der ungeschriebenen Regeln der Kunst der freien Improvisation im klassischen Stile...


    es handelt sich natürlich um den ersten Satz - Allegretto - aus seinem Palladio, ein Werk, das nicht "wirklich klassisch" ist, das aber zu mindestens 100% seinen Zweck erfüllt [hat] und durchaus Ohrwurmcharakter á la Die kleine Nachtmusik besitzt und deswegen von mir persönlich [!] in nächste Nähe zu Mozarts genanntem Werk gestellt wird.


    Damit bin ich auch bereits beim Grundsatz angelangt: Ich finde schon, dass Werbespots der verwendeten Musik einen bleibenden touch geben - Wer denkt nicht bei Verdis La donna é mobile zu allererst an Pizza? Ich meine, auch Mozarts Requiem bereits in der Werbung vernommen zu haben oder Teile aus Rossinis Barbiere. Mich persönlich stört es ungeheuerlich, wenn ich beim Genuß eines dieser Werke unvermeidbar mit den Bildern und Sprüchen der Produktmacher konfrontiert werde. Vermutlich is das auch einer jener Hintergründe der Macher, bleibende Eindrücke zu hinterlassen. Das grenzt für mich beinahe an Gehirnwäsche.


    Dass es anders geht, haben die Macher der Schmuckwerbung [es war glaube ich ein "allgemeiner" Werbespot der Schmuckbranche?] mit Jenkins gezeigt. Das finde ich, ist der richtige Weg!


    Gerne kann auch die aktuelle Musik verwendet werden, da sie sogar teils eng mit den Produkten bzw. der Zielgruppe verbunden ist.


    Cordialement,
    Ulli

  • Hallo


    Um auf den Titel des Threads einzugehen: Manche Verwendung von klassischer Musik in Werbung geht mir extrem auf den Senkel, den Radebergerspot finde ich da noch sehr geschmackvoll und ehrenwert.
    Radeberger kommt aus Dresden, da finde ich es schön, daß sich Radeberger mit der Semperoper identifiziert und sinnvollerweise auch noch Wagners "Einzug der Gäste" aus dem Tannhäuser dazu spielen läßt. Der umgang mit der Musik und der Semperoper geschieht in dem Werbespot durchaus würdevoll und liebevoll, als Dresdner wäre ich Radeberger geradezu dankbar dafür, daß der Spot den Ruhm der Stadt auf so geschmackvolle und dezente Weise verbreitet, man könnte ja auch mit leichtbekleideten Damen für Radeberger werben oder mit irgendwelchen Volldeppen, auf die die Jugend halt gerade abfährt.


    Im übrigen gehört Radeberger aber doch zur Binding-Gruppe, also eigentlich nach Frankfurt am Main. :P


    Gruß, Markus


    (negativbeispiele von Klassikverhunzung werde ich demnächst aber auch noch folgen lasse.)

  • Salut,


    na, dann fange ich mal mit einem aktuellen Negativbeispiel an: Der neueste Schrei in Klassikradio ist eine Werbung für Käse, untermalt mit Händels "Halleluja" aus dem Messias. Dazu der Spruch "Hallelujah, is' der guat..." - So ein KÄSE! Und dann auch noch der oberdämliche Vergleich, dass es sich bei dem Käse ebenfalls um einen "Klassiker" handelt. Man soll sich also angesprochen fühlen.... uäh


    Und die Moral von der Geschicht': Klassikradio hört man nicht!


    Cordialement,
    Ulli

  • Hallo Markus


    Zitat

    ...oder mit irgendwelchen Volldeppen, auf die die Jugend halt gerade abfährt.


    Ich bin mir nicht sicher, ob sich die Jugend geschmeichelt fühlen wird, wenn du ihre Idole als "Volldeppen" bezeichnest...



    ;)

  • Wie soll er diese "Personen" denn sonst nennen, da ist die Auswahl aber sehr begrenzt :P


    Also, ich empfinde Werbung, solange sie nicht lustig ist, als absolute Belästigung, deshalb sehe ich mir auch fast nur noch 3 Sat und Arte an, ich hab nur noch eine "Tschibo-Werbung" in Erinnerung, da wurde ein König eingekleidet (war wohl zu Weihnachten) und als Bekleitmusik verwendet man einen Tanz von Lully - da bekam ich natürlich große Ohren :D


    Jenkins "Palladio" fand ich zumindet so gut, dass ich mir die CD gekauft habe, die übrigen Stücke wahren zu meiner Überraschung viel interessanter, er komponierte u.a. eine 5. Jahreszeit, oder eine wunderbare Passacaglia, absolute Könner, mir gefällst!

  • Salut,


    peinlich ohne Ende finde ich, wenn im Radio Werbung für Rachmaninov gemacht wird und im Hintergrund trällert der 3. Satz aus Mozarts Klavierkonzert G-Dur KV 453.


    Cordialement,
    Ulli

  • Hallo,


    eine ähnliche Peinlichkeit gibt es bei uns in einem Werbespot der Casinos Austria. Dort sieht man eine moderne Cenerentola, die unterlegte Musik ist aber aus dem Ballett "Romeo und Julia"..... :(

  • Hallo,


    den von Markus zitierten Werbespot halte ich für den zur Zeit gefälligsten und geglücktesten, da
    im Hintergrund die Semperoper von Dresden gezeigt wird in all ihrer Pracht und Schönheit.
    Für solche Spots, die so gekonnt für das Produkt Werbung veranstalten, ist aus meiner Sicht nichts
    einzuwenden....


    Markus Dein Zitat:
    Im übrigen gehört Radeberger aber doch zur Binding-Gruppe, also eigentlich nach Frankfurt am Main.
    ---------------------------------------------------------------------------
    Hier habe ich absolut etwas dagegen, den Aufbau der Radeberger Brauerei nach der Wende wurde
    von dem Bielefelder Unternehmen Dr.August Oet...... vollzogen. Binding und Radeberger sind von dem
    Bielefelder einverleibt worden, also gehören beide Brauereien nach Ostwestfalen:yes::hello:



    Grüsse
    reklov29

    Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
    Zitat: J.E.G.

  • Die Werbung für die Radeberger Brauerei ist hervorragend, gleichgültig ob die Eigentümerzugehörigkeit Frankfurt, Bielefeld oder Dresden ist.
    Das Bier ist es übrigens auch.



    Was die Werbung mit Klassischer Musik betrifft, so ist sie mir allemal lieber als andere Spots, wenn die Musik dabei nicht zu sehr vergewaltigt wird
    (beliebte musikalische Arrangements, um den Klassik-Ohrwurm noch hörbarer zu machen.).


    Jetzt muß ich schließen, da mich der Durst plagt. Radeberger habe ich leider nicht, aber ein paar frische Goesser im Kühlschrank.


    Prost

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")

  • Sonst geht doch alles :D


    Aber ich möchte es verbieten.


    Hab mir gerade noch mal Adornos anderthalbstündigen Vortrag über schöne Stellen in der Musik angehört (Sendung des hr aus den 70er Jahren).


    Möchte das den Werbefuzzys jeden Tag einmal vorspielen ;)


    Am dritten Tag würden sie sich die Kugel geben - er spricht seinen Text nämlich selbst =)


    Grüße aus Bonn

  • Caro observator,



    Die Geistsauger und Zeitfresser sind leider nicht nur das TV
    (ein Fußballspiel sehe ich als wertvolle Bereicherung des Bildungsangebotes, einen Filmschinken weniger);
    Es ist einmal der Brotberuf und die damit verbundene Anfahrtszeit;
    zum anderen ist es die alternative Glotze namens Internet;
    ein Mützchen Schlaf schadet auch nicht,
    dazwischen bleibt zumindest mir nicht sehr viel Zeit übrig.

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")

  • Zitat

    Original von Rienzi
    (ein Fußballspiel sehe ich als wertvolle Bereicherung des Bildungsangebotes


    provokant wie immer :D


    Zitat

    Es ist einmal der Brotberuf und die damit verbundene Anfahrtszeit;
    zum anderen ist es die alternative Glotze namens Internet


    die anfahrtszeit zu meinem herrlichen brotundbutterberuf nutze ich in den öffis natürlich zum lesen und das internet nutzen wir um uns geistreiche grüsse zu schicken...
    :hello:

  • Hallo


    Schon das 2. Mal in den letzten zwei oder drei Jahren läuft bei uns ein Werbespot mit dem Duett Lakmé / Mallika. Im jetzigen Fall wird versucht, einem an sich gewöhnlichen Nahrungsmittel den Hauch des Besonderen zu verleihen. In diesem Sinne ist die exotische Musik zumindest passend eingesetzt.


    Was passiert aber mit der verwendeten Musik ? Ich hoffe nichts.


    Wird sie "entwertet" ? Nicht wirklich.


    Bringt sie neue "Klassikliebhaber hervor?
    Höchst unwahrscheinlich. Na ja, ich bin immerhin schon einmal gefragt worden, was das denn für eine wunderschöne Musik sei. Das lässt darauf schließen, dass vielleicht doch einige CDs mit diesem Duett mehr verkauft werden, als es ohne den Spot gewesen wären. Und wenn von diesen Käufern nur ein paar Prozent daraufhin noch iregendeine Klassik-CD kaufen.....

  • Nervtötende Werbung...ja klar...


    aber manche sind sehr schön unterlegt mit klassischer Musik.
    Das macht imo ab und zu Lust auf mehr.


    Wagner Piccolino Pizza; Musik: La Campanelle (Instr.Klavier)
    bekannter Pudding: Tschaikowsky Klavierkonzert Nr.1


    Kennt ihr noch weitere Beispiele?

  • Und weil wir schon einen Thread zum Thema haben, erlaube ich mir, das Schloß auszupacken...;)


    Edit von Pius: Und ich erlaube mir, die threads zusammenzufügen. ;)

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
    Gustav Mahler

  • au wei...da ist dem Alfred entgangen,daß es schon so einen Thread gibt ;)


    Nichts für ungut...auch wenn ich mir das ein wenig anders vorgestellt habe.
    Ich dachte eher an eine Liste mit Werbung belegt mit klassischer Musik.



    Hier der "Anfang":


    Piccolino Pizza; Musik: La Campanelle (Instr.Klavier)
    bekannter Pudding: Tschaikowsky Klavierkonzert Nr.1


    Kennt ihr noch mehr?

  • Hallo,


    bin heute über einen Werbehinweis in einer Klassikzeitung gestolpert...


    Jeder Besucher des Mozart-Konzertes "Erhält eine Mozartkugel gratis"

    Über Geschmack lässt sich vortrefflich streiten, aber sie mundet einem.



    Grüsse
    reklov29

    Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
    Zitat: J.E.G.


  • Salut,


    das hat ja nun nix mit Werbung zu tun... Die Eurovisionsmelodie kommt immer vor und am Ende von solchen "europäischen" Veranstaltungen und zwar ziemlich verhurzt...


    LG
    Ulli

  • Die Charpentier-Vergwaltigung des Te Deum Preludes nennt sich "Eurovisionshymne", wird vor Sendungen gespielt, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz gleichzeitig ausgestrahlt werden. Betrifft wohl auch Moiks Mutantenstadl ? :kotz:


    Der Zaratustra wurde für eine Biermarke vergewaltigt, die ich nicht nennen möchte :kotz:. Die Biermarke beginnt mit dem Wort, das im Englischen für das Wort "Krieg" steht. Alles klar?
    Im Kino war das vor jahren tatsächlich wirkungsvoll, wenn man den verkürzten Abklatsch dieser Werbeung allerdings im TV sieht, ...

  • Eine m.E. recht geschmackvolle Bierwerbung (ist auch ein sehr geschmackvolles Bier "aus dem Herzen der Natur" :D) verwendete vor einiger Zeit ein Stück aus Peer Gynt.


    Und trotz des etwas kitschigen orchestralen Arrangements der Händelschen d-moll-Sarabande fand ich die Levi's-Werbung, die sie verwendete, recht eindrucksvoll gemacht.


    Einer meiner Lieblingsspots war einer für Kosmetik, die "gefährlich glatte Haut" hervorruft: Ein Frau (die Laetitia Casta etwas ähnlich sieht, ich glaube aber sie ist es nicht) schwebt durch ein Bank- oder Hotelfoyer und als sie gerade bei einem etwas verklemmt ausschauenden Jüngling einchecken oder was auch immer will, gleitet ihr Kleid plötzlich von der glatten Haut, worauf sie in paradiesischen Zustand versetzt wird.
    Dazu erklingt ein Ausschnitt aus Haydns 7 letzten Worten, eine ätherische Geigenmelodie, witzigerweise aus dem Satz "Heute wirst du mit mir im Paradiese sein) :D:angel:


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Klassik in der Werbung - ein sehr interessantes Thema :yes:


    Zu meinen Klassik-Anfangszeiten, als ich mit knapp 20 in der kleinen Sammlung meines Vaters kramte, war ich ehrlich gesagt unter anderem auch auf Melodien aus der Werbung aus. Die damalige moderne Musik fing immer mehr an, mich anzuekeln und deshalb wurde ich sehr neugierig auf andere Richtungen. Die Werbung hat also in meinem Fall auch etwas dazu beigetragen (neben den ganzen anderen Faktoren, die ich im Vorstellungs-Thread bereits geschrieben habe), dass ich mich näher mit Klassik beschäftigt habe :angel:


    Zum Negativen: Schon zu meinen Anfängen habe ich mich über einige spezielle Spots aufregen müssen. Das betrifft meist Arrangements oder (allerschlimmst :angry: ) gesungene Sequenzen auf Basis von klassischer Musik. Wenn eine Verdi-Arie im Original zu Pizza gespielt wird, freue ich mich darüber - ob die Pizza dann wirklich auf meinem Teller landet ist eine andere Geschichte... Aber: Wenn ein anderer dämlicher Werbetext zu einer Melodie gesungen wird, die man ab diesem Zeitpunkt immer mit derselben verbindet, dann ist das nur noch zum :kotz:
    Mein Negativbeispiel: B****** ist das famose Zartgemüse aus der Dose... :angry: :kotz: X(:no: :motz:
    Ich kann mir diesen Marsch nicht mehr anhören, ohne an diesen Mist zu denken - er läuft automatisch im Kopf ab. Die einzige Möglichkeit wäre, einen anderen Text dazu zu schreiben, der mich nicht mehr aufregt :D


    :hello:
    Stefan