Für den Gesang gewonnen

  • Tag,


    den menschlichen Gesang hielt ich sehr viele Jahre für etwas ziemlich Schauderhaftes. Für das Musikzeugnis hatte man ein Volkslied vorzusingen, im Schulchor hatte man mitzusingen - während die anderen ein Klassenspiel im Fußball austrugen, an Weihnachten sangen die versammelten Familienmitglieder, die Großmutter mit beachtlich zitterndem Kinn, im Wunschkonzert des Rundfunksenders gab's die ewige Wiederkehr des Gleichen (Schneider, Schock, Schuricke). ... Die Zeit verstrich ... bis eines Tages:


    Ein polnischer Sänger trat mit den Rückert-Liedern von Gustav Mahler und dem NDR-Sinfonieorchester auf, es war die Öffentliche Generalprobe, sonntags. Der Schauer über dem Rücken war schon das Zeichen der Entscheidung: ein wirklicher Sänger. Nach dem Konzert war dann zu hören, der Sänger war Andrzej Hiolski, der Star-Bariton der Warschauer Oper. "Der war heute indisponiert!" Ach! - Wenig später die Befestigung, es gibt doch Sänger, die singen können: Eine Telemann-Kantante, die Sängerin in ca. 5 m Distanz, hinter der niedrigen Balustrade, alle Achtung, welch ein Gesang! Es war Gundula Janowitz.


    So gab es mindestens zwei professionelle Gesangskünstler, die singen konnten. ... Nach heutiger Zusammenfassung gibt es einige wenige mehr.


    MfG
    Albus

  • Albus schrieb:


    [zitat]
    So gab es mindestens zwei professionelle Gesangskünstler, die singen konnten. ... Nach heutiger Zusammenfassung gibt es einige wenige mehr.[/zitat]


    Na ja da gibt es doch einige, aber ich geb ja zu, ich hatte mit Stimmen nie Probleme.


    Fritz Wunderlich, beispielsweise: Welch ein Tenor !
    Ich glaube sagen zu können, er ist in seinem Fach bis heute unerreicht, bei allem Respekt, sie alle reichen nicht an ihn heran , die Schreiers, Araizas,Protschkas,Jerusalems, Pregardiens, und wie sie sonst alle noch heissen mögen. :happy:
    Ein Glück, daß es soviele Aufnahmen mit ihm gibt...


    Fischer Dieskau und Hermann Prey, bei aller Verschiedenheit, zwei Jahrhundertstimmen und vor allem unverwechselbar. Im Baritonbereich scheint der Nachwuchs aber ausgezeichnet zu sein, wenngleich mir 'Die' Stimme fehlt.


    'Schwarze' Bässe wie Gottlob Frick einer war sind IMO keine Mangelware mehr, sie sind, so scheints ausgestorben (wobei ich die 'russische' Sängerszene nicht so genau kenne, wo sowas durchaus noch vorkommen könnte)


    Mit Juan Diego Florez ist erstmals seit langem eine Neuentdeckung gemacht worden, die IMO 'außerordentlich' ist. Seine strahlende Stimme, gepaart mit Lieblichkeit, würde ich schon als momentan einzigartig bezeichnen.


    Mein Lieblingsmezzo, war obwohl eigentlich schon 'vor' meiner Zeit, Giulietta Simionato.
    Wenn man ihre Stimme beispielsweise auf der alten 'Cenerentola'-Aufnahme für DECCA hört,
    dann lässt sie IMO jede Konkurrenz hinter sich.


    Im Falle von Gundula Janowitz muß ich Albus voll beipflichten: Diese Stimme ist einzigartig.


    Aber ich bin sicher es werden hier noch einge Stimmen erwähnt werden........


    Gruß aus Wien


    Alfred

  • Hallo


    Jeder der sich etwas mit Gesang beschäftigt, wird zu dem Ergebnis kommen müssen, dass Wunderlich ebenso wie die Callas in einer anderen Liga singen.


    Ich möchte aber gerne noch auf zwei andere Sänger ansprechen, vielleicht ist mancher noch nicht so auf sie aufmerksam geworden.


    Ein toller lyrischer Tenor ist Blochwitz. Leider sind seine Dichterliebe (EMI) und seine Müllerin (DGG) gestrichen worden. Vielen bekannt dürfte dagegen die moderne Winterreise mit Zender sein (BMG) oder die 2 Sym. von Mendelssohn unter Abbado (DGG). Als Tipp noch eine Bach-Kantaten CD (Mathis, Kallisch, Blochwitz, Quasthoff) mit dem Windsbacher Knabenchor :


    Meine Lieblingssängerin ist Barbara Bonney. Wer ihre Liederaufnahmen noch nicht hat sollte unbedingt zugreifen (sind günstig zu haben):


    Liedaufnahmen von
    Schubert ; Mendelssohn ; Mozart


    Aber auch das Requiem von Faure mit ihr und Hampson unter Legrand ist Klasse und günstig !

  • Morgen,


    wie hieß der ganz große Konkurrent von Enrico Caruso an der Metropolitan Opera in den 30er Jahren? Gemeint ist der tatsächlich Caruso ebenbürtige Gesangskünstler, mit einem Doppelnamen, der erst dann auf die Bühne zurückkehrte, als die Differenz der Gagen nur noch 1 USD betrug, Rudolf Bing fand diese 'Konfliktlösung'. (Ja, ein Sängerlexikon habe ich nicht). Der Ebenbürtige hat einige sozusagen fantastische Tondokumente hinterlassen; Hanjo Kesting, NDR, Experte für Gesangskünstler, brachte vor Jahren eine Gedenksendung für diesen Sänger. Seitdem habe ich die Lücke nicht schließen können. Vielleicht jetzt?


    MfG
    Albus

  • Albus schrieb:


    Zitat

    wie hieß der ganz große Konkurrent von Enrico Caruso an der Metropolitan Opera in den 30er Jahren? Gemeint ist der tatsächlich Caruso ebenbürtige Gesangskünstler, mit einem Doppelnamen, der erst dann auf die Bühne zurückkehrte, als die Differenz der Gagen nur noch 1 USD betrug, Rudolf Bing fand diese 'Konfliktlösung


    Hallo Albus,


    irgendwas an der Frage kann nicht stimmen, eigentlich einiges.


    1) Caruso war in den 30er Jahren bereits tot, als war er für niemanden mehr ein Konkurrent



    2) war Sir Rudolf Bing in jener Zeit in Glyndeburne, nicht an der Met


    (???)


    Freundliche Grüße aus Wien
    Alfred

  • Morgen Alfred,


    ach, meine Erinnerung ist schlecht. Die 30er Jahre sind eine zur Frage überflüssige Zutat, bitte ignorieren, den Namen Bing sollte ich vielleicht auch so nehmen, bitte zu ignorieren - es bleibt die Konkurrenz an der Met zwischen ... und ... .


    Ich bitte um Nachsicht.


    Freundliche Grüße!
    Albus

  • Wer für Gundula Janowitz schwärmt (zu Recht!), sollte mal Christiane Oelze lauschen, zum Bespiel als Pamina, oder in Brahms´ "Requiem" unter Herreweghe, oder sich ihr Rezital mit Goetheliedern anhören. Nach meiner Empfindung der gleiche engelhafte Stimmtypus wie die Große Gundula! Zudem eine ausgesprochen kluge Interpretin.


    Und gerade in der Alten Musik gibt es heute eine ganze Reihe von vergleichbar anrührenden, allerdings kleineren Sopranstimmen, etwa Maria Cristina Kiehr (welch eine Stimmbeherrschung, und dabei welche Expressivität!) oder Barbara Schlick.



    In aller Bescheidenheit,
    Buxtehude

  • Uiuiuiuiui, bei diesem Thema fallen mir spontan ... ach noch viel mehr Namen ein, ich versuch mich aber auf ein Paar wenige zu begrenzen (ein Kommentar spar ich mir, vielleicht ab und zu ein Paar Tipps)


    Bryn Terfel (Songs von Vaughan-Williams, Delius, ..., Klavier Malcolm Martineua, DGG)


    Edita Gruberova (für mich die dramatischste Königin der Nacht)


    Placido Domingo


    Sylvia McNair ("Schöpfung" (Haydn) / Gardiner, "Requiem" (Faure) / Marriner), "Yeomen of the Guard" (Sullivan) / Marriner)


    Kurt Moll


    Christoph Pregardien (Schubertlieder)


    und natürlich die Klassiker wie Wunderlich, Callas uns so viele mehr

  • Hallo Alfred,


    was ist ein schwarzer Bass ? Ich denke, einer, der morgens vor 10 Uhr schon das tiefe C ohne Schwierigkeiten singen kann ?


    Ich will Deine Aufmerksamkeit auf englische Bässe richten. das tiefe C wird ja selten gefordert,es gibt ein oder zwei Bach-Kantaten und dann natürlich Musik von Monteverdi ( im Orfeo der Charon) oder Schütz ( Saul,was verfolgst Du mich).


    Englische Bässe, die diese " Schwärze" haben sind Micheal George( hör mal seinen Osmin, obwohl der nur bis zum D herunter muss) oder die Herren Alistair Miles oder Davod Thomas. Die haben die tiefen Töne, sie leben, also sind schwarze Bässe nicht ausgestorben ( von den unzähligen Russen, die wir nicht kennen, ganz abgesehen, erst recht von tibetischen Mönchen, denen das tiefe C ja ein hoher Ton ist).


    Die englischen Bässe haben halt nicht den kumpelhaften Frohsinn, den gelegentlich deutsche ausgestrahlt haben, die den Rollen damit aber auch eine gewisse Dämlichkeit verpasst haben ( Kurt Boehme als Osmin).


    Ich finde ohnehin schade, dass die Leistung des tiefen Gesang überhaupt nicht derjenigen des hohen Gesang gleichgestellt ist,obwohl ein tiefes C zu singen mindestens so schwierig ist, wie das hohe zu erwischen, und dementsprechend noch viel weniger verbreitet ist. Liegt es daran, wie Kristian Maidt-Zinke heute in der Süddeutschen Zeitung meint, dass das hohe C an das Liebespiel von Kater und Katz erinnert ?

  • Zitat:Alfred
    Fritz Wunderlich, beispielsweise: Welch ein Tenor !
    ______________________________________________________________________________


    Wie in meinem Thread vom 5.11.2004 zu Mozart's Cosi fan tutte beits erwähnt ein Jahrhunderttenor
    allererster Qualität die seines Gleichen sucht..........., leider viel zu früh, durch einen Unglücksfall Mitte
    1960 verstorben.....!!!


    Für mich einer der Neuentdeckungen als Bassbariton der Neuzeit:
    Thomas Quasthoff... trotz seiner Behinderung (Contergangeschädigt) eine außergewöhnliche und warmherzige Stimme, - zuzuzählen zu den absoluten Spitzenkönnern seines Faches -.


    In einem Kurzraffer einmal seine Biographie:


    1959 geb. in Hildesheim 1972 Beginn der Gesangsausbildung bei Prof. Charlotte Lehmann in Hannover 1988 1. Preis im Fach Gesang beim ARD-Wettbewerb in München 1995 Niedersachsenpreis 1996 Schostakowitsch-Preis in Moskau; Professur für Gesang an der Musikhochschule Detmold 1998 New Yorker Recital-Debüt mit Mahlers Des Knaben Wunderhorn mit den New Yorker Philharmonikern unter der Leitung von Colin Davis. Im selben Jahr Mahlers Das Lied von der Erde mit dem Boston Symphony Orchestra unter Seiji Ozawa und Brahms' Deutsches Requiem mit dem Chicago Symphony Orchestra unter Daniel Barenboim. 1999 Abschluß eines Exklusivvertrages mit der Deutschen Grammophon. Erste Veröffentlichung ist Mahlers Des Knaben Wunderhorn mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Claudio Abbado. 2000 DG-Aufnahme mit Liedern von Brahms und Liszt mit Justus Zeyen (Klavier) sowie Bethovens neunte Sinfonie mit den Berliner Philharmonikern unter Claudio Abbado. 2001 Cannes Classical Award für die DG-Aufnahme mit Liedern von Brahms und Liszt. Schönbergs Gurrelieder mit den Berliner Philharmonikern unter Simon Rattle. 2002 Mahler-Zyklus mit den Deutschen Symphonie Orchester Berlin unter Kent Nagano, Elagars The Dream of Gerontius an der Bayerischen Staatsoper München unter Zubin Mehta, Mahlers Des Knaben Wunderhorn mit dem Los Angeles Symphony Orchstra unter Esa-Pekka Salonen. Haydns Schöpfung mit dem Cleveland Orchestra unter Franz Welser-Möst. 2003 Im September Mitglied der Jury beim ARD-Wettbewerb in München in der Sparte (Gesang). 2004 Am 8. April gibt der Bassbariton sein Debüt an der Wiener Staatsoper als Amfortas in Wagners Parsifal. Bei den Pfingstfestspielen in Baden-Baden Rheingold in einer konzertanten Aufführung unter Simon Rattle.


    Seit dem Wintersemester 2004/2005
    Professor für das Fachgebiet Gesang an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" Berlin.
    ____________________________________________________________________


    Durch den Ruf nach Berlin wechselte er von der Musikhochschule Detmold nach Berlin.
    Für den Raum Bielefeld, bzw. Ostwestfalen ein herber Verlust, trat er doch des öfteren in Bach'schen Oratorien als Gesangssolist auf......!!! Habe ihn des öfteren hören könne und werde ihn schmerzlich
    missen, zumal sein menschliches Wesen auf einen faszinierend wirkt.
    _____________________________________________________________________________


    Siehe auch mein Hinweis Aktuelles aus der Klassikwelt, Fernsehtermine.


    Herzliche Grüße aus Spenge
    reklov29

    Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
    Zitat: J.E.G.

  • Hi,


    die Frage ist wirklich etwas verwirrend, da einfach nicht beantwortbar. Meine spontane Antwort trifft nur auf eine einzige deiner Forderungen zu, könnte aber dennoch passen:


    Giacomo Lauri-Volpi


    Geb. 1892, ab 1923 für 10 Spielzeiten an der Met enagiert, war dort der eigentliche Nachfolger Carusos mit einem sehr ähnlichen Repertoire. Ihm war eine sehr lange Karriere beschieden (letzter öffentlicher Auftritt 1972!).


    Ciao

  • Hallo zusammen,


    tja, die "schwärzesten" Bässe stammen wohl meist aus Osteuropa, namentlich der ehemaligen Sowjetunion, Bulgarien usw. Meist also Länder, indenen der Russisch-Orthodoxe Gesang der Popen eine lange Tradition genießt.


    In diesem Zusammenhang mal gefragt:


    Ist es eigentlich eine Legende, dass Fjodor Schaljapin den Don Carlos nur mit einer Flasche Wodka intus glaubhaft interpretieren konnte?

    Beste Grüße aus Bonn
    Matthias


    Ich tu', was meine Pflicht gebeut, doch hass' ich alle Grausamkeit (ROCCO)

  • Sagitt meint:


    Ganz schwarze Stimmen haben tibetische Mönche, die in Regionen " singen" , in die ein Bass nicht gelangt. Russische Sänger sind nach wie vor bei uns eher nicht bekannt ,Nesterenko und Buchurdlaadze ausgenommen. Auf englische schwarze Bässe hatte ich bereits hingewiesen. Nun muss man allerdings sagen, dass das Repertoire für solche Stimmen eher klein ist. Oftmals muss der Bass nur bis zum tiefen F, manchmal ein tiefes E, Osmin muss bis zum tiefen D, wenige Bachkantaten, Heinrich Schütz und Monteverdi sehen ein tiefes C vor ( großartig, wie sich Charon im Orfeo langsam dorthin arbeitet) Normalerweise muss der Bass ein tiefes G singen, keine Herausforderung.
    Bei russischer Musik sind die tiefen Töne natürlich ein Markenzeichen( unverssbar die Stücke der Don Kosaken- das darf man doch hoffentlich hier erwähnen, aber auch Ektenia, eine Produktion der DG aus Petersburg- eine orthodoxe Messe).

  • Sagitt meint:


    Ich freue mich, dass ich nicht der einzige bin, der für diesen Sänger wirbt. Die lyrischen Tenöre stehen eigentlich alle im Schatten von Wunderlich,sh. die Bemerkungen auch in diesem thread.


    Und dies ist nicht berechtigt. Es gibt neben Wunderlich andere Sänger, die mindestens seine Intellegenz mitbringen, technisch ihm mindestens ebenbürtig sind und Fähigkeiten haben, die Wunderlich nicht zu Gebote stehen, piano,pioanissimo singen zu können, ohne dass der Ton fahl wird, weil er eben nur Abklatsch eines Forte ist.


    Hans Peter Blochwitz hat maßstäbliche Interpretationen gemacht.


    Im Liedbereich ist vor allem seine Schöne Müllerin zu nennen. Er gestaltet die Lieder so innig, man höre unvorgenommen die jeweiligen Schlüsse der einzelnen Strophen von Baches Wiegenlied und weiss dann, was ich meine.


    Er hat als Bachsänger große Kunst gemacht. Als Evangelist bei Solti, als Sänger bei Gardiner ( Weihnachtsoratorium) mit einer unglaublichen Virtuosität ( weil Gardiner eben so flotte Tempi hat).


    Er hat eine großartige Tenorpartie in der Mozartversion des Messias gesungen ( Corboz).


    Als Mozarttenor ist er große Klasse. Sein Ferrando aus der Cosi mit Levine ist mir der liebste. Ich höre gerne seinen Tamino ( Harnoncourt und Christie). Am Sonntag lief im NDR La finta semplice unter der leitung von Schreier ( wer weiss,ob es diese Box aus der Philipps-Edition noch einzeln gibt ?). Blochwitz singt großartig ( 1989) die Tenorpartie aus dieser Oper. Er hat mit Gardiner das Requiem und KV 427 gemacht, aber auch Davidde penitente- die Zweitverwertung von KV 427.


    Leider brach die Karriere auf Tonträger schon Mitte der neunziger Jahre ab und viele seiner Aufnahmen sind gestrichen ( wie zB die Schöne Müllerin oder der Messias).


    Dies ist ein großer Verlust,aber wohl unvermeidlich,wenn man nicht Kultstatus erreicht hat.

  • Morgen,


    und - potzblitz ! - Theophilus!! - Lauri-Volpi, natürlich, Lauri-Volpi war der Konkurrent von Caruso am Metropolitan Opera House (die zweifelhafte Frage weiter oben ...).


    Danke, Theophilus, ich danke sehr!


    Mit freundlichen Grüßen!
    Albus

  • Zum Thema schwarze Bässe eine kleine Anekdote vom Regensburger Stadttheater (aus erster Hand vom Korrepetitor):


    Bei einer Fidelio-Klavierprobe kam der Rocco-Darsteller, Johann Smari Svaerson (oder so ähnlich), ein isländischer Bass, spontan auf die Idee, die Rolle eine Oktave (ich glaube, es war das Terzett Mut, Söhnchen Mut) tiefer zu singen, und zog das wirklich durch bis zum Kontra-A, aber in voller Lautstärke. Tiefschwarz, oder?


    Gruß, Flo

  • Zitat

    Original von sagitt
    Sagitt meint:


    Heinrich Schütz und Monteverdi sehen ein tiefes C vor .


    Vorsicht! es ist schließlich nicht klar, welche Stimmtonhöhe damals existierte!


    da kann es riesige Unterschiede geben




    zur Anekdote: das hab ich auch schon von einem ital.Baß erlebt: Arie des Zacharias in Nabucco eine Oktave tiefer... aber nur bei der Probe - auf der Bühne gings schief!


    Und von tibetanischen Mönchen hab ich eine Aufnahme - das Gebrumm geht hinunter bis zum Kontra B, A....das schaffen gute Bässe schon - in der Literatur kommts halt nicht vor - wahrscheinlich wegen der Anspannung auf der Bühne - für tiefe Töne muß man entspannt sein

    Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
    (frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

    2 Mal editiert, zuletzt von tastenwolf ()

  • Lieber Albus,


    hier ist Deines Rätsels endgültige Lösung:


    Lauri-Volpis Konkurrent an der Met war Benjamino Gigl (nicht Caruso)i. Jürgen (nicht Hanjo) Kesting schreibt dazu in seinem dreibändigen Werk DIE GROSSEN SÄNGER:


    Mit seinem Rivalen B. Gigli focht er erbitterte und komische Kämpfe um die Vormachtstellung unter den Primi uomini aus. Als sein Vertrag zur erneuten Verlängerung anstand, bestand er auf einer höheren Gage als sein Rivale, und es wurden 10 Cent auf 1500 Dollar zugegeben.


    Ciao Bruno

  • Hallo,


    Zitat

    pianoflo schreibt
    Bei einer Fidelio-Klavierprobe kam der Rocco-Darsteller, Johann Smari Svaerson (oder so ähnlich), ein isländischer Bass, spontan auf die Idee, die Rolle eine Oktave (ich glaube, es war das Terzett Mut, Söhnchen Mut) tiefer zu singen, und zog das wirklich durch bis zum Kontra-A, aber in voller Lautstärke. Tiefschwarz, oder?


    Zitat

    Rocco schreibt
    tja, die "schwärzesten" Bässe stammen wohl meist aus Osteuropa, namentlich der ehemaligen Sowjetunion, Bulgarien usw. Meist also Länder, indenen der Russisch-Orthodoxe Gesang der Popen eine lange Tradition genießt.


    z.B. Nicolai Ghiaurov ist für mein Empfinden , obwohl er eine tiefe Stimme hat, ein heller Bass. Giulio Neri oder Nicola Rossi-Lemeni hingegen sind IMO schwarze Bässe (oder zumindest dunkelgrau).


    Ein Bass der tief sehr tief singen kann ist IMO noch lange kein schwarzer Bass. So wie es helle und dunkle Stimmen auch bei den anderen Stimmlagen gibt, so gibt es bei den Bässen noch die "Zusatz-Farbe" schwarz. Weil es noch dunkler klingt als üblich. Diese Farbenbezeichnung ist für mich eine Frage des Klanges und nicht wie tief einer runterkommt.
    Und mehr als das tiefe D aus dem Osmin wird auf der grossen Bühne kaum verlangt, obwohl die meisten Bässe diesen Ton haben. Tiefe Töne zu brummen ist für einen Bass demnach nichts aussergewöhnliches, doch einem derart tiefen Ton mit Vibrato und Ausdruck eine schöne, hörbare Klangfarbe zu geben evtl noch mit einem crescendo /diminuendo spielen zu können, dass ist dann schon höhere Kunst. Denn oftmals hat ein Bass diese Tiefe und es kommt (wenn man es genau nimmt) nur "warme Luft" raus.


    Noch was Gesangtechnisches: es ist für einen Bass ein leichtes seine Stimme bzw Klangfarbe zu verdunkeln, je nach Position der Zunge im Mund klingt ein Ton hell oder dunkel. So gibt es auch bei den Bässen "Falschspieler", die obwohl sie eigentlich eine helle Farbe haben, durch verschieben der Zunge und des Klangraumes im Mund dunkler klingen.


    Gruss
    Christoph

  • Zitat

    Und mehr als das tiefe D aus dem Osmin wird auf der grossen Bühne kaum verlangt, obwohl die meisten Bässe diesen Ton haben. Tiefe Töne zu brummen ist für einen Bass demnach nichts aussergewöhnliches,


    spontan fällt mir nur das Rosenkavalier C ein, bzw. der lange D Schluß in der Schweigsamen Frau...


    und ob das außergewöhnlich ist...allein das Sarastro F (zur Liebe will ich dich nicht zwingen, DOCH) im ersten Finale gelingt selten..


    lg,
    Wolfgang

    Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
    (frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

  • Hallo Wolfgang,


    ich glaube dieses F des Sarastro gelingt nur deswegen nicht, weil der Herr vor Lampenfieber fast draufgeht und so angespannt ist, dass es nicht klappt oder was ich noch fast mehr befürchte...


    ... dass der Herr Sänger eigentlich ein Bass-Bariton ist und für ihn solche tiefen Töne eher eine Lotterie sind!


    Also ich gehöre zu jener Berufsgattung, die von solchen wie Dir am Klavier begleitet werden und ich darf mich Bass nennen, weil mein Stimmumfang vom D bis zu f' reicht (frühmorgens oder je nach Lockerheit bis ins C runter). Mein Gesangslehrer meint sogar, wenn ich genug Vertrauen und Sicherheit habe gehts problemlos bis zum g'. Aber die Psyche will da noch nicht so recht mitmachen. Ich habe aber den Sprung auf die Bühne noch nicht gemacht, weil ich nicht zu jenen gehöre, die mit halb-ausgebildeter Stimme schon ihre oft fatalen Zeichen setzen wollen.


    Aber wenn wir beim Herrn Sarastro bleiben so gibt es Sänger, die singen am Schluss der 2.Strophe der heil'gen Hallen ein tiefes E um Eindruck zu erhaschen.


    Es ist auf alle Fälle schön zu wissen, das da einer ist, der mit Sängern zu tun hat und sich mit den unglaublich doofen Problemen, die wir Sänger haben, auskennt.


    Gruss
    Christoph

  • Enrico Caruso soll einmal seine Gesangstechnik so beschrieben haben: Bauch rein, Brust raus und singen - so einfach geht das! Tja, alle wissen es - nur die wenigsten Sänger haben es kapiert...


    Auch Jussi Björling soll ein solcher Dummkopf gewesen, dass er sich offenbar keine komplizierte Gesangstechnik merken konnte - vielleicht hat er grad deswegen so schön gesungen und wurde so berühmt...


    Gute Sänger denken nicht an den Gesang sondern sie sprechen mit Melodie und Rhythmus (Den Kopf brauchen sie für den Text und das Geschehen auf der Bühne). Doch auch dies ist für uns Menschen viel zu einfach, drum gibt es so viele Gesangs-Professoren und -Techniken, weil wir nicht wie der elektrische Strom, der kürzesten, einfachsten Weg nehmen, sondern glauben, Erfolg haben kann man nur, wenn die Lösung mit grösstmöglichem Intelligenzaufwand erreicht wird. Und weil wir alle solche Intelligenz-Bestien sind, gibt es nur wenige Sänger. Ich geb mir zwar wöchentlich mehrmals grosse Mühe, mich so dumm wie Björling anzustellen, aber es gelingt mir noch nicht so häufig. Und so muss ich halt noch üben.



    Gruss
    Christoph


    PS
    und wer nun bei diesem Posting keinen Durchblick hat - macht nichts! mein Gesangslehrer muss es mir auch immer wieder erklären... wenigstens weiss ich jetzt auch, dass "Bauch rein / Brust raus" nicht alleine genügt, der Mund muss so gross auf wie nur möglich, wie ein Nilpferd eben.

  • Hallo Albus,


    der polnische Tenor Jean de Reszke war eigentlich mehr der Vorgänger Carusos im italienischen Fach,einige Zeit wurden sie nebeneinander wechselweise besetzt,bis de Reszke dann ins Heldenfach wechselte und als Lohengrin,Tristan usw. phänomenale Erfolge an der Met feierte.Für Caruso war de Reszke lange Zeit ein rotes Tuch.Er war groß,schlank und kam bei den Damen sehr gut an.Der "kleine pummelige Italiener" hat seine Defizite im Erscheinungsbild dann aber durch ungeheure Musikalität und Fleiß im Rollenstudium mehr als wettgemacht.Später lag ihm ganz New York und die übrige Opernwelt zu Füßen.Der erste Superstar überhaupt.

  • Hallo Siegfried,


    das kann leider nicht sein. Jean de Reszke gab am 29.4.1901 als Tristan seine Abschiedsvorstellung an der Metropolitan Opera New York. Er lebte danach in Paris und war gesuchter Gesangspädagoge. Caruso hingegen debütierte in New York am 23.11.1903. Die beiden können sich dort also nie begegnet sein.


    Leider wurde Jean de Reszke (der übrigens zwei berühmte singende Geschwister hatte!) wenigstens ein Jahrzehnt zu früh geboren. Es geht die Mähr, dass er teilweise noch besser als Caruso gewesen sei. Er verfehlte aber knapp die Einführung der Schallplatte und wir können nur davon träumen, wie es hätte sein können...

  • Hallo Theophilus,


    daß es heute keine offiziellen Aufnahmen mit Jean de Reszke gibt, ist sicher eine der großen verpaßten Gelegenheiten der frühen Schallaufzeichnung. Allerdings gibt es sehr substantielle Hinweise auf möglicherweise doch irgendwo vorhandene Aufnahmen:


    "On April 22, 1905, after his retirement, De Reszke is known to have recorded for Fonotipia in Paris two selections: "Salut, tombeau" from Roméo (record number 39000), and "O souverain" from Le Cid (39001). These fourteen-inch discs were advertised at the time in French journals; however, despite rumors of copies hidden in a Paris bank vault, a secluded Havana estate, or the collection of the British royal family, none has ever surfaced, and the only evidence surviving today of De Reszke's singing is found on the Mapleson cylinders."


    Die Live-Aufnahmen aus der MET auf den Mapleson-Zylindern umfassen Ausschnitte aus "L´Africaine", "Le Cid", "Siegfried", "Lohengrin" und "Tristan". Allerdings ist die akustische Qualität derartig unzureichend, daß man von dieser legendären Stimme nur einen fernen, verwehten Eindruck bekommt, das "Echo eines Echos", wie Kesting in seinen "Großen Sängern" schreibt.


    Grüße


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Hallo Giselher,


    vollkommen richtig. Ich habe die Mapelson-Zylinder weggelassen, weil sie angeblich nichts zur Beurteilung beitragen können. Die Mähr von den Fonotipia-Aufnahmen hat sich meines Wissens noch immer nicht bestätigt. Sie ist aber nicht von der Hand zu weisen. Denn von seiner Frau Marie de Goulain gibt es aus dem Jahr 1905 wirklich zwei Aufnahmen. Zumindest eine davon ist auch schon einmal auf CD veröffentlicht worden

  • Hallo,


    meine Erweckung für den Liedgesang erfolgte vor ein paar Jahren durch die "Winterreise" mit Fischer-Dieskau/Moore, als sehr gut erhaltenen LP-Kassette vom Flohmarkt günstig mitgemnommen. Das war eine meiner "Sternstunden" beim Musikhören. Ich bin dabeigeblieben und habe mir so nach und nach dann weitere Platten dazugekauft. Einen ausgesprochenen Lieblingssänger habe ich nicht, aber eine Lieblingssängerin und das auch schon vorher: Kathleen Ferrier. Eine reine Bauchentscheidung - DIE stimme, die mir bis heute Schauer über den Rücken jagt.


    Gruß, Karsten

  • Zitat

    Mit Juan Diego Florez ist erstmals seit langem eine Neuentdeckung gemacht worden,die IMO"ausserordendlich"ist.


    Hallo Alfred,
    zu diesen Neuentdeckungen muß man aber auch unbedingt
    Rolando Villazón zählen,der im lyrischen und im Spintofach
    die gleichen Aufgaben mit herrlicher Stimme und Technik
    ausfüllt und an den großen Bühnen der ganzen Welt umjubelt
    wird, wie J.D.Florez im ganz lyrischen Bereich.


    :hello:Herbert.