Die Pauke - der Grund des Orchesters

  • Hallo, liebes Forum,


    was bedeutet Euch die Pauke im Orchester? Um es gleich direkt zu sagen: Für mich ist sie das wichtigste Einzelinstrument und ich möchte hier versuchen, meine Begeisterung in Beispiele zu fassen und sie aus dem Schattendasein herauszuführen, wo alle anderen Instrumente von dem Ruhm großer Solisten leben können.



    Das fing schon an mit dem frühesten Musikunterricht: Haydns Sinfonie mit dem Paukenschlag, Britten „The Young Person’s Guide to the Orcestra“, Prokofjew „Peter und der Wolf“ und Ravels „Bolero“, alles Stücke, die in den 60er Jahre sehr viel häufiger zu hören waren und die ich heute eher zuhause als im Konzertsaal höre.


    Die heutige Kesselpauke wurde im 17. Jahrhundert eingeführt. Die Vienna Symphonic Library schreibt:


    Als lautestes aller Orchesterinstrumente verlangt sie den SpielerInnen absolutes Fingerspitzengefühl ab. Ebenso verhält es sich mit der Tonhöhe: Die Pauke ist das einzige Fellinstrument (Membranophon) im Orchester mit bestimmter Tonhöhe . Das Finden der richtigen Tonhöhe erfordert von den Spielern ein extrem feines Gehör – das sprichwörtliche Paukistengehör.


    Lautstärke und Tonhöhe sind bei der Pauke viel stärker als bei anderen Instrumenten vom jeweiligen Raum und vom Klima abhängig. Deswegen wird die Ausführung der Paukenstimme im Orchester in der Regel ausgebildeten PaukistInnen anvertraut. Die Unterscheidung zwischen Paukisten und Schlagzeugern, welche die übrigen Schlaginstrumente bedienen, hat mit der Intensität der Aufgaben des Paukisten zu tun, die eine Spezialisierung unbedingt erfordert. Die Pauken werden also immer von PaukistInnen gespielt, selten dürfen SchlagzeugspielerInnen „auf die Pauke hauen“.

    In romantischen und modernen Werken sind meist 4 Pauken besetzt, in der klassischen Epoche wurde standardmäßig ein Paukenpaar vorgeschrieben.


    Im Orchester steht sie dem Dirigenten gegenüber und bringt aus dem Hintergrund den Boden in die jeweils richtige Schwingung, auf der sich die Musik entfalten kann. Die meisten Dirigenten scheinen allerdings Angst zu haben, die Pauke könnte alles überdröhnen und die angemessene Feinheit der Stimmung stören und drängen sie für meinen Geschmack zu sehr an die Seite.


    Vielleicht liegt das auch daran, dass die ursprüngliche Kraft der Pauke mit der Zivilisation verdrängt wurde. Sie setzt sich daher außerhalb und gegen die Kunst durch in den Massenaufmärschen der totalitären System bzw. der Dauerbeschallung mit Musik aus der Retorte und ihren computer-erzeugten Rhythmus-Maschinen.


    Wehe, die Pauke ist einmal nicht hellwach. Während der Dirigent mit dem Rücken zum Publikum steht, zeigt die Intensität und der ganze körperliche Ausdruck des Paukisten stellvertretend, mit welcher Leidenschaft das Orchester spielt. Das ist leider nur selten zu erleben. Ich denke etwa ein Konzert der St. Petersburger Philharmoniker mit Temirkanow in Salzburg. Was da die Pauke in Resphighis „Pini die Roma“ geleistet hat, vom Stadtgekreisch bis zum alles niederwalzenden Triumphzug auf der Via Appia, und wie das ganze Orchester mitgerissen wurde!


    Hier eine vorläufige Liste mir wichtiger Stellen.


    Bach, Ouvertüre zur 3. Suite, Knappertsbusch mit den Wiener Philharmonikern 1944. Für mich nach wie vor der beste Auftakt für das Zusammenspiel von Pauke, tiefen Streichern und Trompeten.


    Mozart, Prager Sinfonie, Einleitung des ersten Satzes. Über Jahrzehnte war für mich Markevitsch mit den Berliner Philharmonikern gültig, bis ich Mackerras mit dem Prager Kammerorchester hörte. So kann eine Kesseltrommel klingen.


    Beethoven, Violinkonzert, die ersten Takte. Ernest Bour spielte 1987 mit Thomas Zehetmaier und dem ensemble modern eine sehr rasche Fassung, die im ersten Satz in einer Kadenz gipfelt, wo das Schlagzeug mit der Violine in Dialog tritt.


    Beethoven, 9. Sinfonie, 2. Satz. In einem Buch zum Schlagzeug las ich, welcher Schlagzeuger es sich nehmen lässt, hier unentfesselt aufzuspielen, hat seinen Beruf verfehlt. Referenz ist für mich bis heute Charles Münch mit dem Boston SO.


    Und noch einmal Charles Münch. Was die Pauke am Anfang von Brahms’ 1. Sinfonie bedeutet, ist klar. Was aber der Paukist des Orchestre de Paris im 4. Satz leistet, setzt sich weit ab von allen anderen mir bekannten Einspielungen.


    Bruckner, 3. Sinfonie, 2. Satz. Skrowaczewski und das Saarbrücken RSO bauen das Adagio in aller Ruhe auf, bis es in einem Schlag kulminiert, der einfach sitzt. (Über die Vielfalt des Schlagzeugs in der 8. und 9. Sinfonie wäre ein eigener Beitrag notwendig ...)


    Mahler, 1. Sinfonie, 3. Satz. Das Gewebe der unterschiedlichsten Schlagzeugstimmen scheint mir am besten Markevitch mit dem Orchestre National de France gelungen.


    Mahler, 6. Sinfonie, letzter Satz. Trotz Scherchen, Barbirolli, Szell, Gielen, Welser-Möst habe ich noch keine Aufnahme gehört, die dem entspricht, was ich unter Hammerschlägen erwarte, eine der größten Lücken in meiner Musiksammlung.


    Mahler, 7. Sinfonie, 2. und 5. Satz. Das Kuhgeläut. Je realistischer der Klang, desto intensiver das Gefühl von Seinsverlassenheit. Das ist Scherchen hervorragend gelungen mit den Wiener Sinfonikern. Das höllische Inferno am Ende der Sinfonie ist zu spüren in den Live-Aufnahmen 1999 mit Abbado und dem Gustav-Mahler Jugend-Orchester. Ich habe es in München im Herkules-Saal erlebt. Da bebte eine ganze Rückwand von Schlaginstrumenten hinter dem Orchester.


    Strawinsky „Le sacre du printemps“, kein Kommentar. Stattdessen möchte ich schließen mit dem letzten Satz aus Bartoks Konzert für Orchester. Wie hier in den ersten Takten der Paukist des New York Philharmonic unter Boulez bei rasendem Tempo jedem Schlag eine eigene Betonung gibt, aus dem Rhythmus herauszuspringen droht und ihn gerade dadurch antreibt, scheint mir ein würdiger Abschluss dieses kleinen Querschnitts.


    Ich bin gespannt auf weitere Anregungen,


    Viele Grüße,


    Walter


  • Cordialement,
    Ulli

  • Mir fällt zu dem Thema eine Textzeile aus Georg Kreislers Chanson über das Triangel ein:


    "... ich bin erst auf Seite 89 dran..." :D


    Aber mal im Ernst, bei den Pauken ist das ja ähnlich. Und trotzdem empfinde auch ich die Pauke als eine unersetzliche Zutat in vielen Werken. Eine Stelle, die mir sehr wichtig ist, das ist das Tuba mirum aus Berlioz´ Requiem. Nach dem die vier Blechorchester bereits die Grundfeste der Welt erschüttert haben, reißt mit einem gewaltigen Paukenwirbel der Erdboden auf. Ich kenne nichts gewaltigeres.


    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Hallo Walter T.,


    Du hast ja schon in Deinem Beitrag einige wichtige Beispiele für entscheidende Paukenstellen in Klassikwerken gegeben.
    Ich möchte mich Deiner Meinung anschließen, denn auch für mich sind generell die Schlaginstrumente wichtige Instrumente um der Musik den letzten Pfiff zu geben.
    Ich bin immer enttäuscht, wenn ich Aufnahmen höre in denen die Schlaginstrumente zu unterbelichtet sind.


    Ein Beispiel fällt mir gerade ein, weil ich die SACD davon neu erstanden habe:
    Dvorak: 16 Slawische Tänze op.46 und 72 mit Geoge Szell/Cleveland Orchester
    Diese Aufnahme hatte ich schon in den 70er-Jahren auf CBS-LP und bin damit groß geworden. So federnd und präzise hat die Tänze kaum einer aufgenommen - eine Referenzeinspielung.
    :) Jetzt habe ich diese Aufnahme mal mit meiner damals zur CD-Einführung gekauften mit Antal Dorati / Royal Philharmonic Orchester auf DECCA verglichen und mußte feststellen, das diese wesentlich energiegeladerer kommt und den slawischen Tänzen noch mehr pfiff und Klasse verleiht - das lag nicht zuletzt auch an den brillanten Paukenstellen, die bei Dorati nicht gebremst und unterbelichtet klingen - da fetzt es richtig und --- oh wunder, macht mehr Spaß als die Szell-Aufnahme.
    Fazit : Trotzdem zwei referenzwürdige Einspielungen der Dvorak-Slawischen Tänze.


    :) Ein mich bewegendes Beispiel mit dem Bartok: Konzert für Orchester unter Boulez/New Yorker Philharmoniker auf CBS-CD hast Du auch genannt.
    Das ist auch für mich die beste Aufnahme, ja meine beste CD und ein TOP-Beispiel für die Pauke als wichtiges Orchesterinstrument, das hier solistisch edel präsentiert wird. Mich wundert das hier nur immer von Boulez-DG-Aufnahme die Rede ist - die CBS ist besser.

  • Hallo,


    bin sozusagen auch Paukenfan - mein Lieblingsstück dabei ist die Holländer-Ouvertüre von Wagner, wenn man dabei auch den Paukenwirbel nach dem Oboensolo nicht unbedingt von ff nach fff erweitern muss - das ist Effekthascherei (Karajan).


    Dazu noch eines: Sicher ist Kempes Aufnahme des Lohengrin hervorragend, aber gerade er gibt den Pauken leider wenig Raum, bereits im Vorspiel zum 1. Akt, aber - und da noch auffälliger - beim Einzugsmarsch der Fürsten im 3. Akt.


    Dies mal am Rande.

  • Salut,


    nicht mehr ganz taufrisch diese CD, aber gerade entdeckt und vorgemerkt:



    Virtuose Paukenkonzerte
    des 17. und 18. Jahrhunderts


    Werke von Druschetzky, A.& J. Philidor, Fischer, Molter, Graupner


    Alexander Peter [Paukist & Dirigent]
    Philharmonisches
    Kammerorchester Dresden


    Darunter Werke für z.B. 8 Pauken...


    Na, wenn das nichts ist!


    :hello:


    Ulli

  • Für mich immer wieder faszinierend: Die Pauken, während die Gouvernante in Benjamin Brittens "Turn of the Screw" nach Bly fährt: Einerseits relativ realistisches Nachahmen des Getrappels der Zugpferde, andererseits düster-beunruhigender Rhythmus, der auf das kommende Grauen hinweist.
    Auch nicht übel: Die Sonate für drei "Kettledrums" des walisischen Komponisten Daniel Jones, der hier ein rhythmisches System erprobt, das mit Boris Blachers "Variablen Metren" verwandt ist.

  • Die NAXOS-CD "Virtuose Paukenkonzerte des 17. und 18. Jahrhunderts" habe ich mir auch irgendwann letztes Jahr zugelegt, weil ich auch ein Schlagwerk-Fan bin ("Schießbude" nennen Orchestermusiker die Ecke, in der Becken, Pauken & Co. aufgebaut sind - davor will immer keiner sitzen :D )


    Allerdings war diese CD für mich der Auslöser, dass ich hier wirklich nur empfehlen kann, selbige nur "portionsweise" anzuhören, weil man sonst nach ein, zwei Werken am Stück der Sache etwas überdrüssig wird (rein persönlicher Höreindruck) - und das wäre schade um diese originell zusammengestellten Stücke (es sind auch ein paar kleinere Sinfonien dabei, in denen die Pauke prominent vertreten ist - nicht nur reine "Konzerte", wie der CD-Titel vermitteln möchte).


    In anderen Werken (mir fällt grad das Menuett aus der "Jupiter-Sinfonie" von WAM ein) mag ich den wohlgemerkt wohldosierten Einsatz von Pauken auch sehr gern! Das ist dann immer wie eine zusätzliche Prise Pfeffer im Eintopf - sprich: "Weniger ist mehr!"
    Dann ist der beabsichtigte Effekt einfach stärker und wirkungsvoller, als wenn an jeder theoretisch möglichen Stelle ein Paukenschlag erfolgt.


    Passagen wie z. B. die Einleitung des 1. Satzes von Brahms' 1. Sinfonie, wo ellenlang am Stück gepaukenwirbelt wird, finde ich in ihrer Wirkung dann schon etwas übertrieben.

    "Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
    (Georg Christoph Lichtenberg, 1773)

  • Hallo Ulli,


    als "Pauken-Fan" habe ich mir die NAXOS-CD auch zugelegt, war dann aber etwas enttäuscht, weil nur barocke und frühklassische Werke hier versammelt sind, die mich nicht so ganz vom Hocker reissen.
    Ich sage es ganz ehrlich: Auf der CD wird mir zu wenig gedroschen !
    Die CD habe ich daher auch erst einmal im CD-Player gehabt.


    :) Da ziehe ich doch Werke von William Kraft: Concerto for Timpani and Orchestra (1984) und den Contextures: Riots – Decade ’60 (1967)vor, von denen ich eine TOP-Decca-CD mit Zubin Metha/SanFrancisco SO habe, auf der auch Varese-Werke enthalten sind.
    William Kraft (b.1923 Chicago) verwendet auch in anderen Werken zahlreiches Schlagzeug. Dies ist eher meine Klang-Welt - ich weiss - Du bist voll der Klassiker (Dir wird die NAXOS-CD besser gefallen) !

  • Zitat

    ... weil nur barocke und frühklassische Werke hier versammelt sind


    ... genau das dürfte Ulli interessieren :D:D


    Alles andere hätte ihn doch bestimmt schwer enttäuscht :hello:

    "Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
    (Georg Christoph Lichtenberg, 1773)

  • Salut ihr beyden,


    Danke für Eure Ratschläge. Ich habe die CD jetzt mitbestellt [für den Preis!] - ich einfach zu neugierig - zudem sind einige Komponisten enthalten, von denen ich nie jemals hörte bzw. las.


    Ich werde dann berichten, wenn die Postkutsche eingetroffen ist!


    Liebe Grüße
    Ulli

  • Eine nicht unbedeutende, ja geradezu tragende Rolle spielt die Pauke auch in
    Nielsens 4. Symhonie v.a. im Finale.


    Auf dem Höhepunkt der Spannung entfesseln sich dei Paukenschläge, denen die kurzen Intervallsprünge der Streicher kaum gewachsen scheinen. (Wenn ich mich nicht täusche ist es sogar bei der Aufführung vorgesehen, die beiden Pauken vor das Orchester zu stellen) Sie symbolieren vielleicht ein letztes Mal den Kampf um Aufrechterhaltung des Bestehenden, nicht nur den Krieg selbst sondern auch den Kampf gegen den Krieg und Zertörung, bevro das Werk in wundervoll teilweise abgekärte aber stark bejahende Weise ändert. Zweimal absteigende Quarten in den Pauken, dann die Umkehrung: zwei mal aufsteigend.


    (Hoffe, habe das noch richtig im Gedächtnis :) )

  • Hallo,
    am Klang der Pauke haben natürlich auch die Schlegel
    einen wesentlichen Anteil.Weiche Filzschlegel erzeugen
    einen diffusen,Kork oder Holzschlegel einen harten,
    trockenen Klang,den ich bevorzuge.In allen Beethoven-
    Sinfonien spielen die Pauken eine bedeutende Rolle.Sie
    werden aber meistens durch den Dirigenten unterdrückt,
    warum,weiß ich nicht.Ein positives Beispiel ist für mich die
    8.Sinfonie,mit der Staatskapelle Dresden,Dir.Herbert Blom=
    stedt.(1975)So kann eine Beethoven-Sinfonie klingen,wenn
    man die Pauken(meiner Meinung nach) richtig behandelt.


    Gruß Herbert.

  • A propos "Beethoven":


    Zitat

    Original von Walter.T:
    Beethoven, Violinkonzert, die ersten Takte. Ernest Bour spielte 1987 mit Thomas Zehetmaier und dem ensemble modern eine sehr rasche Fassung, die im ersten Satz in einer Kadenz gipfelt, wo das Schlagzeug mit der Violine in Dialog tritt.


    Stimmt - die Kadenz ist toll - ich kenne sie auch von der DG-Aufnahme mit Wolfgang Schneiderhan als Solist und den Berliner Philharmonikern (Aufnahme ist aus den 60ern ?( )


    Die Pauke als Dialogpartner der Violine ist ein schönes und sinniges Wiederaufgreifen des Paukenmotivs (und der Pauke selber, natürlich), das den 1. Satz eröffnet und sich dann wie ein roter Faden als immer wiederkehrender Rhythmus durch den Satz zieht.


    Stammen tut sie meines Wissens aber aus der von Beethoven selber verfertigten Version seines Violinkonzerts für Klavier und Orchester (und ist von ihm bei dieser Gelegenheit gleich mitkomponiert worden?)
    Während dann für die Violinversion über Jahrzehnte eine Kadenz vom Geiger Joseph Joachim sehr beliebt und viel gespielt wurde, war es -glaube ich- dann Wolfgang Schneiderhan, der auf die kühne Idee kam, die Kadenz mit der "Dialog-Pauke" von der Klavier- zur Violinversion umzuarbeiten (nicht ganz einfach, wo doch ein Klavier viel mehr Töne gleichzeitig spielen kann) - ich finde die Lösung aber mehr als überzeugend und im Verhältnis zu diesem umfangreichen Kopfsatz auch nicht zu lang geraten.

    "Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
    (Georg Christoph Lichtenberg, 1773)

  • Hallo Marc Cologne,
    ich habe noch zwei sehr schöne Aufnahmen mit dieser Kadenz,
    die Schneiderhan erstellt hat.


    Ulf Hoelscher,Staatskapelle Dresden Dir.Hans Vonk (1986)


    Christian Tetzlaff,SWF-Sinf. Orch.Michael Gielen .( ? )


    Gruß Herbert.

  • Bis weit ins 18. Jhd. traten Pauken ja fast immer gemeinsam mit den Trompeten auf. Mozart dürfte einer der ersten gewesen sein, der den sehr feierlichen Effekt des piano-Einsatzes dieser sonst meist laut schmetternden Instrumente entdeckte (im langsamen Satz der Linzer Sinfonie).
    - Haydns großartiger Paukenwirbel in der gleichnamigen Sinfonie wurde noch nciht genannt, ein mitreißender Trompeten/Pauken-Einsatz findet sich z.b. im Menuett der Sinfonie Nr. 93 und im Trio von Nr. 97 der schöne Farb-Effekt dieser Instrumente im pp.


    Ich bin selbst kein großer Fan der Violin/Pauken-Kadenz, aber Beethoven scheint davon fasziniert gewesen zu sein; er macht etwas ähnliches in den Kadenzen im Finale des 5. Klavierkonzerts und im Kopfsatz des 3. und Brahms muß es natürlich in seinem d-moll-Konzert nachmachen.


    Aber ich liebe die Pauken z.B. bei Brahms im ersten Klavierkonzert (Anfang) und in der ersten Sinfonie. Oder im dt. Requiem bei den ff-Wiederholungen in "Denn alles Fleisch , es ist wie Gras". Als das Requiem bei der ersten Aufführung durchfiel, lag das u.a. daran, dass im 3. Satz in der abschließenden Fuge "Der Gerechten Seelen..." die Pauke zu laut war und alles übertönte (der Orgelpunkt D wird von Pauken und einiegen Bläsern durchgehend gehalten).


    Bei Bruckner natürlich der Beginn des Finales der 8. Sinfonie, bei Sibelius das Scherzo aus der 1. Sinfonie, bei Mahler die düsteren Scherzi der 6. u. 7. Sinfonie und der Kopfsatz der 9.: eine zwei oder dreimal auftretenden "Schicksalsstelle". Und natürlich der Höhepunkt des Adagios der 4.


    Und eines der wenigen Stücke von Strauss, die ich wirklich mag, ist die Burleske für Klavier, Pauken und Orchester.


    Wie Herbert bevorzuge ich eher harte Schlegel, aber es gibt wohl Stücke, wo verschiedene verwendet werden müssen, um gewisse Effekte zu erreichen.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)


  • 1990

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
    Gustav Mahler

  • Hallo,
    großartig ist auch der Einsatz der Pauke in der 9. Sinfonie von Dvorak,
    oder im"Deutschen Requiem" von Brahms,spielt die Pauke eine
    führende Rolle,im 2.Satz,:" D enn alles Fleisch es ist wie Gras"
    ähnlich,wie zu Beginn seiner 1.Sinfonie.


    Dazu die Empfehungen:
    Dvorak:9.Sinfonie (NBC Sinf.Orch.A.Toscanini,großartig).


    Brahms:Ein deutsches Requiem(Berl.Philh.Karajan)


    Brahms:1.Sinfonie(Philh.Orch.London,O.Klemperer)


    Gruß Herbert.

  • Salut,


    nicht zu vergessen die oktavierten [ich erinnere mich richtig?] Solo-Pauken im 2. Satz von Beethovens 9. Sinfonie - gleich zu Beginn. Mein Lieblingssatz dieses Werkes!


    Wenn ich's recht weiß, verwendet Beethoven hier erstmals [abgesehen von den Ausnahmen der oben vorgestellten CD] wieder mehr als zwei Pauken, nämlich d-A-d' [oder D-A-d ??] - nimmt die Sache ab hier wieder neuen Anlauf? In der Epoche der "Wiener Klassik" waren - wenn überhaupt - zwei Pauken [in Tonika- und Dominantfunktion] üblich...


    :hello:


    Ulli

  • Zwei weitére noch nicht genannte Werke in denen die Pauke eine tragende Rolle spielt sind diese beiden Werke:


    Hindemith: Symphonische Metharmorphosen über Themen von C-M-Weber
    Dies ist eines meiner Lieblingswerke des 20.Jahrhunderts. In vier Sätzen werden von Hindemith C.M.Weber-Themen kunstvoll vertont - im 2.Satz haben die Pauken sogar tragende Funktion beim Hauptthema.


    Es gibt drei Aufnahmen die alle Wünsche an orchestraler Perfektion und Brio voll erfüllen - Bernstein allen voran:
    1. Bernstein / NewYorker PH (CBS/SONY)
    Auch in der Sinfonie in Es kommt die Pauke nicht zu kurz.
    2. Szell / Cleveland Orchestra (CBS)
    3. Ormandy / Philadelphia Orchestra (EMI)

    ---------------------------------------------------
    Carlos Chavez: Toccata für Schlaginstrumente
    Dieses ca.9Minütige Werk habe ich mal voller Begeisterung im WDR3 gehört - eine CD konnte ich aber bisher nicht finden und eine Tonbandaufnahme habe ich auch nicht.
    C.Chavez hat noch ein anderes Werk mit der Bezeichnung Toccata geschrieben - das habe ich aber erst gemerkt, als ich mir die ASV-CD gekauft hatte - es war ein anderes Stück von ihm.
    Vielleicht hat jemand einen TIPP wo ich dieses Wahnsinnstück herbekommen kann !?!

  • der Zufall will es, dass ich mir vorgestern folgendes Werk von Philip Glass anhörte : Concerto Fantasy for Two Timpanists and Orchestra - da trommeln Jonathan Haas und Evelyn Glennie (Mann höre - eine Frau) zusammen auf insgesamt 14 Kesselpauken herum ... nach dem zweiten Satz gibt es sogar eine 4-minütige Kadenz ... irgendwann ist man so weichgeklopft, dass man tränenden Auges und blutenden Ohres die Stille nach dem Finale begrüßt ;) ok, das war übertrieben, aber irgendwann wurde es mir doch zuviel Gepauke.

    Der Mutter die mich nie geboren, habe ich heute Nacht geschworen,
    ich werde ihr eine Krankheit schenken, und sie danach im Fluss versenken.
    Rammstein

  • Zitat

    Original von teleton
    Da ziehe ich doch Werke von William Kraft: Concerto for Timpani and Orchestra (1984) und den Contextures: Riots – Decade ’60 (1967)vor


    Mal ne Frage:
    Contextures: Riots - Decade ist laut Werkverzeichnis für Violine, Timpani und Orchester. In den CD Infos findet man aber keine Solisten zu der Aufnahme. Fehlen die nur oder ist das eine andere Version?

  • In der Overtüre zu Mozarts Titus jagen mir die Pauken regelmäßig Gänsehaut über den Rücken. Besonders gegen Ende, wenn die Pauken seicht, diesen tanzenden Rhythmus bestimmen.

  • Hallo allerseits, mein erster Beitrag in diesem Forum:


    In der ersten Sinfonie von Schostakowitsch gibt es im vierten Satz eine wunderbare Stelle: Nach einem lauten Höhepunkt ist für kurze Zeit Ruhe, dann intoniert die Pauke das aus dem dritten Satz aufgegriffene Thema. Immer wieder beeindruckend. Auch sonst spielt die Pauke in diesem Satz beim Spannungsaufbau eine tragende Rolle.


    Gruß


    Thomas

  • Hallo Thomas,


    wollkommen im Tamino-Forum.
    Dein Einstieg mit Pauken aus der Schostakowitsch: Sinfonie Nr.1,4.Satz gefällt mir, denn das ist eine umwerfende Passage in der Sinfonie.
    Welche Aufnahme hast Du ?


    Die Pauke wird nirgendwo so wuchtig, fellzerschmetternd eingesetzt wie in der Roshdestwensky-Eurodisc-Aufnahme. Auch Kondraschin ist hier umwerfend.
    Eher lasch ist dort leider Jansons auf EMI und von Bernstein/New Yorker PH hätte ich mir auch etwas mehr Power gewünscht (kann aber an der Technik liegen, die Pauken sind zu soft).
    ---------------------------------------------
    Hallo Taminos,


    Zitat

    Vielleicht hat jemand einen TIPP wo ich dieses Wahnsinnstück herbekommen kann !?!

    .
    Diese Frage habe ich mir selbst beantwortet indem ich die entsprechende HUGAROTON - CD gekauft habe (bei amazon günstig) auf der die Pauke und andere Schlaginstrumente stark vertreten sind:


    Amadinda Percussion Group
    Varese: Ionisation für 13 Schlagzeugsolisten;
    Chavez: Toccata für Schlaginstrumente;
    Cage:4'33; Amores
    Cage / Harrison: Double Music

    Mit Zoltan Kocsis, Klavier
    Hungaroton Aufnahme 1988 DDD


    :hello: Ein Schlagzeugfest !

  • Wenn wir schon bei Schostakowitsch sind. Die Pauke spielt in der Fünften immer wieder eine wichtige Rolle. Der 4. Satz der Fünften beginnt mit einem Paukensolo, auch am Ende des Satzes spielt die Pauke eine wichtige Rolle und die Symphonie schließt mit wuchtigen Schlägen auf einer großen Trommel.


    (Übrigens als Anmerkung zum Threadtitel. Es ist wohl mehr die große Trommel, der das Attribut "Grund des Orchester" gebührt, nicht die Pauke. Die Pauke ist ein wichtiger Rhytmus-Träger, für das Fundament sorgen die Kontrabässe und die große Trommel)

  • Oh ja - die "Gran cassa" (so müsste dat Ding auf italienisch in den meisten Partituren heißen?), also die große Trommel - die bringt tatsächlich einiges zum vibrieren/ erzittern. Immer, wenn ich dieses Instrument live erleben kann, bin ich von diesem Klang, den man wirklich körperlich fühlen kann, sehr beeindruckt.


    Schöne Einsätze hierfür gibt es -natürlich- im Verdi-Requiem (u. a. im Dies irae und Tuba mirum) und auch in den beiden letzten Sätzen von Berlioz' "Symphonie fantastique", wenn es erst zum Schafott und dann zum Hexensabbat geht :]

    "Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
    (Georg Christoph Lichtenberg, 1773)