Hoffmanns Erzählungen - Ein Unglücksstück?

  • Liebe Taminoianer,


    Ich oute mich nunächst als großer Freund dieser "Gruseloper" und das in jeder Hinsicht.
    Nicht nur die Musik ist wunderbar, die Oper ist auch bühnenwirksam, wenn sie richtig inszeniert wird. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß
    die Oper eigentlich angeblich unvollendet geblieben ist, ihre verschiedenen Rekonstruierungsversuche, mehr oder (zumeist) minder geglückt,weil die als
    Maxime , die Herstellung eines Originals hatten (das es wahrscheinlich nie gegeben hat) und nicht die Bühnenwirksamkeit.
    Dazu muß man wissen, daß auch Offenbach ein gestandener Theathermann war, und nichts ausließ, was die Wirkung einer Werkes auf das Publikum verstärken konnte.
    Es ist daher auch nicht von Bedeutung ob die "Diamanten-Arie" (Spiegelarie) von Offenbach stammt oder nicht.Sie gehört einfach dazu.
    Die gespenstischen Geschichten von E.T.A Hoffmann
    mit ihrer Tendenz zum Aberglauben fanden ihren Höhepunkt in dem Drama, daß jenes Theater, an dem die deutschsprachige Erstaufführung stattfand, das
    Wiener Ringtheater am 8.12 1881 während einer Vorstellung durch einen Fehler der Bühnenbeluchtung (mit Gas)niederbrannte, wobei es 386 Todesopfer zu beklagen gab. In Wien galt das Werk danach als "Unglücksstück" und wurde über Jahrzehnte hin nicht mehr aufgeführt.


    Kommen wir nun zu den Einspielungen dieser schwierigen, wenn auch dankbaren Oper für die Schallplatte. Auch hier wurde viel experimentiert, vermeintliche Urfassungen wurden aufgenommen, aber auch zahlreiche am Theateralltag orientierte Bearbeitungen, die Oper gibt e in Deusch und auf französich, mit Rzizativen oder mit gesprochenem Text. Wie hättet Ihrs denn gern ?


    Ich frage diesmal nicht nach der "besten" Aufnahme, lediglich, wer hat das Wer schon gesehen, was war Euer Eindruck, und natürlich würde ich mich über Statements zu vorhandenen Aufnahmen freuen.
    Ich besitze das Werk 3 Mal auf CD, aber perfekt, wenn man das in diesem Zusammenhang überhaupt sagen darf, ist IMO nur eine....


    Gruß
    aus Wien
    Alfred

  • "Live" kenne ich die letzte Inszenierung von Hoffmann der Wiener Staatsoper. Diese ist weder modern noch traditionell, und sie stört nicht.
    Im Guilietta-Akt erinnern mich die Gondeln an schwimmende Särge und der ganz, ganz böse Bösewicht Dapertutto wurde aus dem Film "Der Pate" entwendet.
    Der Regisseur wird sich sicher dabei viel gedacht haben. Die Aufführung war dank Neil Shicoff bzw. Giuseppe Sabbatini, Kirchschlager etc. schon ein Genuß.
    Wie schreibt doch der Wiener Operndirektor Holender so schön altmodisch in der heutigen Wiener Presse, daß die Oper durch das Zusammenspiel von Gesang und Instrumenten entstanden ist und geleitet von einem Dirigenten zu Gehör gebracht wird.
    Aus einer TV-Übertragung kenne ich die Inszenierung aus der Covent Garden Opera London. Die hat mir als Alten sehr gut gefallen, da sie frei von gewollten und ungewollten Modernismen ist und Hoffmann in seiner Zeit zeigt. Als Hoffmann Domingo in seiner Glanzzeit und in einer seiner besten Rollen.


    Was die Aufnahmen betrifft, habe ich ebenfalls drei
    (einmal mit Neil Shicoff, zweimal mit Domingo - eine davon aus dem Radio von den Salzburger Festspielen).
    Kennt jemand die Aufnahme mit Richard Tucker als Hoffmann. Ich kenne leider nur eine Arie daraus mit ihm - ein Wahnsinn an Ausdruck.

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")

  • Hallo Rienzi,


    Auch ich habe drei Einspielungen dieses Werkes.


    Die in meinen Augen beste ist jene unter Richard Bonynge,
    seinerzeit spöttisch "Mr Sutherland" genannt.


    Ich mag auch sein Dirigat, welches sehr plakativ, theatralisch im besten Sinne des Wortes ist.


    Dazu die IMO unvergleichliche Besetzung (Sutherland/Domingo/Baquier etc..)


    Sutherland singt alle vier weiblichen Hauptrollen, eine Praxis die auf den anderen mir zur Verfügung stehenden Einspielungen nicht angewandt wird, aus begreiflichen Gründen. Ich finde diese Lösung, wo sie sich realisieren lässt, jedoch als durchaus schlüssig, weil es sich ja tatsechlich immer um die gleiche Person handelt, die jedoch 3 mal projiziiert wird.


    Die Aufnahme hält sich fern von "wissenschaftliche Rekonstruktionen"
    des vermeintlichen Originals, das es in Wirklichkeit nie gegeben ha, und verwendet eine theaterpraxis-nahe Version, was IMO in solchen Fällen immer das Beste ist.


    Die (analoge) Aufnahmetechnik ist DECCA :yes:



    vielleicht hat noch jemand Alternativen anzubieten.
    Interessant wäre es auch, wie Ihr in diesem Zusammenhang zu Versionen in deutscher Sprache steht, war doch die Textvorlage deutschen Novellen entnommen.


    • Adalbert von Chamisso: Peter Schlehmils wundersame Geschichte
    • E.T.A. Hoffmann: Rat Crespel
    • E.T.A. Hoffmann: Die Abenteuer der Silvesternacht
    • E.T.A. Hoffmann: Der Sandmann


    Viele Gruße aus Wien


    Alfred

  • Hallo zusammen,


    ich besitze alle drei bisher genannten Aufnahmen, zudem noch die zweite Einspielung mit Domingo unter Seiji Ozawa.



    Für mich hat Domingo mit Hoffmann eine seiner besten Rollen gefunden; in beiden Einspielungen gefällt er mir sehr gut.


    Ich mag alle Aufnahmen sehr, wenngleich gerade die ansonsten sehr gute Einspielung mit Cluytens zwei heftige Fehlbesetzungen (Ghiuselev, Ernest Blanc) aufweist. Dafür war sie aber sehr preisgünstig zu haben, und Nicolai Gedda ist auch als Hoffmann eine Offenbarung ;) .

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
    Gustav Mahler

  • Diese, oft belächelte, was das Thema angeht, meisterhaft komponierte Oper gehört, wie im Forum schon angesprochen, zu den Opern, bei denen die Fassungen Rätsel aufgeben..
    meine Favoriten:Simoneau/Alarie/London-Schaenen,RAI 1959
    Tucker/Peters/Singher-Monteux,MET 1955
    Gedda/Schwarzkopf/Blanc,Cluytens,PARIS 1964


    Gruss Guido

  • Ich kann es kaum glauben - Relativ wenige Einträge gibt es zu dieser Oper.
    Dabei gäbe es hier sooo viel zu sagen.


    Ich gestehe- ich bin unfair - weil ich hatte anlässlich des Verfassens des Beitrags für unseren Opernführer Gelegenheit mich erneut mit dem Thema dieser Oper zu befassen. Man sollte gar nicht glauben - wie vile Feinheiten tagtäglich übergangen werden, ein Werk betreffend


    Bei " Hoffmanns Erzählungen" stellen sich mir vorrangig 2 Fragen


    1) Ist die deutsche Fassung "legitim"?
    (schließlich stammen diese Gruselgeschichten, denn es sind ja solche aus dem deutschen Sprachraum


    2) die Gretchenfage: Wie haltet ihr es mit der "Spiegelarie" (Diamantenarie) die ja mit ziemlicher Sicherheit gar nicht von Offenbach ist - ist sie unverzichtbarer Bestandteil der Oper - oder ein entbehrliches Anhängsel von unbekannter Hand hinzugefügt ?


    3) Welche Akt - Reihenfolge bevorzugt Ihr ?


    a)Olympia - Antonia - Giulietta


    b)Olympia - Giulietta - Antonia


    @Guido
    Ich wüsste nicht was es bei Haoffmanns Erzählungen " zu lächeln gibt:
    Ein einzigartiges unverwechselbares Meisterwerk - einzigartig in seiner Art.



    Beste Grüße aus Wien


    Alfred

  • Hallo Alfred


    1) Man muss unterscheiden. Als Platteneinspielung plädiere ich für die französische Fassung. Auf der Bühne kann ich einer geglückten Aufteilung in deutschen Text und französischen Gesang durchaus etwas abgewinnen.


    2) Ich höre die sogenannte Spiegelarie ("Scintille diamant..." !!!) sehr gerne und vermisse sie in Aufführungen nach Letztstand der Offenbach-Forschung ein wenig. Aber was soll man machen, sie gehört eigentlich nicht hinein...


    3) Ich bevorzuge den Antonia-Akt als Mittelteil (für mich einer der genialsten Akte der Operngeschichte).

  • Für den Hörer oder Zuschauer ist das keineswegs ein Unglücksstück,wird man doch mit wunderbarer Musik beglückt.
    Neil Shicoff dürfte der Hofmann schlechthin sein.Ich sah auch schon Robert Künzli in der Hauptrolle und er war sehr gut dabei.

  • Ich probe gerade (mit Choeur Vivace in Lausanne) Hoffmanns Erzählungen. Es ist a Hetz & Viecherei. Die Walzerei versetzt mich nach Wien zurück (wo ich 16 Jahre gelebt habe) und bringt ´s Beuschl bissl in Aufruhr.


    Schweizer Fernsehen SF1 bringt am So, 12.3.´06 um 12.00 Uhr in der Sendung Sternstunde Kunst


    «Das verschwundene Manuskript»
    Die Geschichte von Offenbachs "Hoffmanns Erzählungen"


    Der Komponist Jacques Offenbach stirbt am 5. Oktober 1880, kurz vor der Uraufführung seiner "Hoffmanns Erzählungen", einem Stück über die Gesichter und Gefahren der (falschen) Liebe. Er hinterlässt, kurzum, eine wunderbare Oper in 5 Akten. Allerdings: Sie ist nicht vollendet. Das Manuskript geht nach seinem Tod durch viele, auch schamlose Hände. Es wird radikal gekürzt, umgeschrieben, verfälscht. Ein ganzer Akt verschwindet. Zufällig wird Offenbachs Originalfassung ein Jahrhundert später in einem vergammelnden Schloss im Burgund wieder gefunden. Wer sich die Rechte an diesem Manuskript sichern wollte, musste aber nicht nur Geld, sondern auch Nerven beweisen. Ein Dokumentarfilm mit Krimi-Qualitäten und Aufführungsausschnitten aus ganz Europa, unter anderem mit der Sängerin Anne-Sofie von Otter.



    Wiederholungen der Sternstunde Kunst auf SF1:
    Montag, 13. März um 00.55 Uhr
    Mittwoch, 15. März um 05.30 Uhr
    Samstag, 18. März um 10.00 Uhr


  • Dieses ist auch "meine" Aufnahme. Heute Abend sah ich die Oper das erste mal live:
    Kurznotizen aus den Opernhäusern
    ("Contes d'Hoffmann in Dortmund")


    Interessant war die Reihenfolge der Bilder: Antonia - Olympia - Giulietta.
    Hat aber durchaus gepasst. Beim Giulietta-Bild fehlte mir etwas der rote Faden, das ist auf der CD besser gelöst.


    Es gab viele Passagen, die auf der CD nicht vorkommen (u.a. mehr Gesang für die Muse). Zwischendurch auch gesprochenen Text.


    Die Aufführung war eine der beiden besten meiner "Opernkarriere" (bisher 31 Opernbesuche).



    Thomas Deck

  • Hallo thdeck,


    es ist kein Wunder, dass sich die Aufführung von der Ozawa-Aufnahme unterscheidet. Denn Ozawa bedient sich der veralteten Choudens-Fassung von 1907, die einiges an Material enthält, das nicht von Offenbach stammt. Die Aufführung des Theaters in Dortmund orientiert sich wahrscheinlich an der Fassung des amerikanischen Musikforschers Michael Kaye von 1999. Der hat in jahrzehntelanger Detektivarbeit verschollen geglaubte Skizzen Offenbachs in Archiven und auf Dachböden ausfindig gemacht und in einer Edition zusammengestellt. Wenn man die Kaye-Fassung ungekürzt spielt, dauert eine Aufführung nun etwa 3 Stunden.


    Musikalisch überzeugt mich die Kaye-Fassung am meisten, allerdings halte ich sie in ihrer ungekürzten Form für nicht wirklich bühnentauglich, da der Giulietta-Akt darin zuviel Gewicht bekommt. Offenbach war ja Theaterpraktiker und hätte wohl, wenn er länger gelebt hätte, das eine oder andere noch geändert bzw. wohl auch gekürzt (Komponisten sehen ihre Partituren oftmals als weniger sakrosankt an als Musikwissenschaftler). Und "Scintille. diamant" ist einfach zu gut (und besser als "Tourne, tourne, miroir"), um in die Archive verbannt zu werden.


    Meine Lieblingsaufnahmen der jeweiligen Fassungen:


    - Cluytens 1948 (Choudens)
    - Bonynge 1972 (die beste der Kapellmeister-Mischfassungen)
    - Cambreling 1987 (Oeser)
    - Nagano 1999 (Kaye)

    dazu noch der Querschnitt unter Klobucar auf deutsch von 1961 (Schock, Cordes, Lorengar etc.)


    Grüße


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Hallo,
    Les contes d'Hoffmann gehört auch zu meinen Lieblingsopern.
    Ich besitze fast alle Gesamtaufnahmen.Man kann feststellen,
    daß es keine ideale Aufnahme der Oper gibt.Mir ist es gleich,
    ob Gulietta,oder Antonia am Schluß steht.Auch muß ich gestehen,
    daß ich die Fassung mit Barkarole und Spiegelarie den s.g. Original=
    fassungen vorziehe.Für wichtig halte ich allerdings die Besetzung
    der vier Geliebten mit einer Sängerin,und die der vier Gegenspieler
    mit einem Sänger.Es gibt einige Aufnahmen,die dies berücksichtigen.
    Die Oper enthält also maximal 11 Solorollen.Die Sprache ist natürlich
    französisch;aber die deutsche Fassung kann der Oper nicht wirklich
    schaden,wenn gute Sänger beteiligt sind.


    Meine Favoriten sind:André Clytens (1948 )
    Pierre Monteux(1955)
    Eugen Szenkar(1950 deutsch,hervorragend:Rudolf Schock)


    Grüße Herbert Henn.

  • Hallo Alfred,
    wie ich schon zu einem anderen Thread schrieb,stammt die
    Melodie der s.g. Spiegelarie aus dem Vorspiel zu:"Le voyage
    dans la lune".Die Barkarole ist eine Balettmusik aus:
    "Die Rheinnixen".Beide Melodien stammen also von Offenbach.
    Ernest Guiraud,der das Werk nach Offenbachs Tod instrumenierte,
    schuf auch die Recitative und fügte die oben genannten Stücke ein.




    Gruß Herbert.

  • Zitat

    Original von GiselherHH
    es ist kein Wunder, dass sich die Aufführung von der Ozawa-Aufnahme unterscheidet. Denn Ozawa bedient sich der veralteten Choudens-Fassung von 1907, die einiges an Material enthält, das nicht von Offenbach stammt. Die Aufführung des Theaters in Dortmund orientiert sich wahrscheinlich an der Fassung des amerikanischen Musikforschers Michael Kaye von 1999. Der hat in jahrzehntelanger Detektivarbeit verschollen geglaubte Skizzen Offenbachs in Archiven und auf Dachböden ausfindig gemacht und in einer Edition zusammengestellt. Wenn man die Kaye-Fassung ungekürzt spielt, dauert eine Aufführung nun etwa 3 Stunden.


    Musikalisch überzeugt mich die Kaye-Fassung am meisten, allerdings halte ich sie in ihrer ungekürzten Form für nicht wirklich bühnentauglich, da der Giulietta-Akt darin zuviel Gewicht bekommt. Offenbach war ja Theaterpraktiker und hätte wohl, wenn er länger gelebt hätte, das eine oder andere noch geändert bzw. wohl auch gekürzt (Komponisten sehen ihre Partituren oftmals als weniger sakrosankt an als Musikwissenschaftler). Und die "Scintille. diamant" ist einfach zu gut (und besser als "Tourne, tourne, miroir"), um in die Archive verbannt zu werden.


    Hallo,


    die Dortmunder Fassung (das Programm gibt leider keine nähere Auskunft dazu) erschien mir in der Tat länger als die von der Ozawa-Aufnahme, speziell der Giulietta-Akt. Die "Diamantenarie" war aber auch in Dortmund dabei. Insgesamt erschien mir der Akt aber zu lang. Oder liegt es nur an der Gewöhnung? Ich habe halt den Eindruck, dass der Inhalt dieses Aktes dramaturgisch nicht so viel hergibt wie der des Olympia- und vor allem des Antonia-Aktes und daher die Länge entsprechend angepasst werden sollte. In der Praxis würde ich mich mit Streichungen aber auch schwer tun...



    Thomas Deck

  • Theater - und Operntheater im Speziellen war immer eine Sach der Praktiker - keine der Thoeoretiker und Musikwissenschafter.


    Während ich in Sachen Einheit von Zeit und Raum der Handlung und naturalistischer Bühnendarstelllung unbeugsam (manche sagen auch starrsinnig) bin - so bin ich jedoch der Auffassung, daß Kürzungen und kleinere Bearbeitungen für den Bühnenalltag gradezu notwendig sind. Offenbach war ein Theatermann von Herzen - zudem nicht besonders zimperlich - er hätte IMO JEDER Version zugestimmt - wenn sie nur bühnenwirksam sei.


    So sehe auch ich das Werk. Die mir bekannten "revidierten" Fassungen - wor ein angeblicher (in Wahrheit nie existenter ) Urzustand "wiederhergestellt" wurde - wirken auf mich dünn und blutleer. Sie haben mich nie begeistert.


    mfg
    aus Wien
    Alfred

  • Ich bin auch der Meinung, dass "Les contes d`Hoffmann" mit zum besten gehört, was die Oper bislang zustande gebracht hat. Und Neill Shicoff ist der Hoffmann schlechthin. Wir hatten hier in Bonn eine Inszenierung mit einem amerikanischen Tenor (Timothy Simpson), der sehr stark an Shicoff erinnert hat. Insofern fast ein Glücksfall für jemanden, der diese Oper liebt.
    LG, DonRoberto.


  • Gestern zur Nacht gehört.
    Hoffmanns Erzählungen auf deutsch. Lohnenswert wg. Schock, Metternich, Streich und Schlemm. Aber leider wohl ein Zusammenschnitt mehrer Aufführungen oder Konzerte unter Beecham mit sehr eigenwilliger Zusammenstellung und teils brutalen Kürzungen (zB der Schluß von "Klein Zack"). Etwas für Liebhaber der og Sänger und für Sammler, keine Aufnahme für den Einstieg.

  • Hallo Misha,


    das ist der"Soundtrack" zu einem englischen Ballettfilm,


    mit der Handlung von Hoffmanns Erzählungen.


    Wahrscheinlich nur für die deutsche Fassung.


    Die CDs haben den Ton vom Filmmaterial übernommen,


    darum ist die Qualität so miserabel.


    (In dem Filmvorspann erscheint Rudolf Schock


    übrgens als Werner Schock.)


    :hello:Herbert.

  • Hallo zusammen, wie gefällt Euch denn die Aufnahme mit Araiza als Hoffmann? Ist die zu empfehlen?


    Weiterhin: Gibt es irgendeine adäquate deutsche Gesamtaufnahme. Mir gefällt Der "Bunker"-Hoffmann mit Anders gut, aber sie folgt der Spielpraxis vor der Verbannung des Werkes durch den Nationalsozialismus, sprich: Ganz herbe Schnitte.


    Übrigens Alfred, die Spiegelarie muss sein! Auch wenn's nicht dazu gehört. Ohne die, geht's für mich gar nicht. Schön, dass das bei der letzten Salzburger Festspiel-Inszenierung auch so gesehen wurde.


    LG,


    Knuspi


  • Hi Knuspi, Araiza empfehle ich doch immer gerne!!!! Ist aber seeeehr subjektiv, bin ich doch ein deklarierter Fan von ihm. Denn ganz ehrlich: Er war auf der Bühne ein toller Hoffmann, weil er die Rolle so intensiv gestaltete und im wahrsten Sinn des Wortes durchlitt (wie auch Shicoff), auf Konserve ist Domingo wahrscheinlich besser.
    Schade, dass es vom alten Münchner "Hoffmann" keine DVD gibt, das war Araizas Rollendebut. Regie Otto Schenk, allerdings nicht seine beste. (Ich höre jetzt schon Edwins Kommentar... 8)) Der OLympia-Akt war herrlich (typisch verspielter SChenk), Giulietta ging noch so, aber zur Antonia ist ihm leider nichts mehr eingefallen.
    lg Sevi

  • Liebe Sevi, lieber Herbert,


    vielen Dank für die Infos. Werde mir mal beide zulegen, die aus der MEt - schon allein weil ich historische Aufnahmen so mag und die Araiza auch noch. Die mit Welitsch habe ich, aber da fehlt auch so viel.


    Zu Schenk: Ich würde so gerne noch mal einen gothic Hoffmann sehen. Kenne die von Dir beschriebene Inszenierung nur von Fotos. Hast Du mittlerweile mal den Salzburger Hoffmann gesehen? Und kennst Du den aus Covent Garden? Den finde ich richtig gut.


    LG,


    Knuspi

  • Lieber Knuspi,
    ich hoffe, meine Freundin bringt mir morgen die Kassette mit dem Salzburger "Hoffmann", mein Videorekorder hat ja leider gestreikt. Den von Covent Garden habe ich auch, du meinst doch den mit Domingo? Ich finde es schade, dass es vom alten Ponelle-Hoffmann aus Salzburg keine Aufzeichnung gibt, das war quasi mein "Erweckungserlebnis" in Sachen Oper, bis dahin war ich ausschließlich dem Sprechtheater verfallen. Übrigens, das ist jetzt OT, die "Königskinder" in Zürich kommen defintiv, bloß die Besetzung steht noch nicht. :) :)Also freue dich!
    lg SEvi

  • Ich muss doch mal eine Lanze für Francisco Araiza als Hoffmann brechen ... er gefällt mir persönlich auch auf der "Konserve" besser als z.B. Domingo. Neben anderen besitze ich die Gesamtaufnahme mit Araiza. Besonders interessiere ich mich für die "Bösewichter", hier von einem meiner Lieblingssänger, Samuel Ramey, beeindruckend dargestellt. Dazu gesellen sich Jessye Norman, Cheryl Studer, Eva Lind, Anne Sofie von Otter u.a. ... aufnahmetechnisch, nach meiner Auffassung, einwandfrei. "leide"r die "Kaye"-Fassung. Die Spiegelarie z.B. wäre mir auch lieber ... gerade von Samuel Ramey ...

  • Es ist ja so;daß vom Komponisten für die vier Geliebten,


    für die vier Gegenspieler Hoffmanns und für die vier


    Dienerrollen jeweils ein Sänger vorgesehen ist.Das


    ist eine dramaturgische Notwendigkeit.Wenn man,


    wie meistens,lauter verschiedene Sängerinnen und


    Sänger nimmt,ist der Sinn dieser Oper verfehlt.


    :hello:Herbert.

  • Hallo Hoffmann-Freunde,


    ich interessiere mich sehr für die nach wie vor ja nicht komplett abgeschlossene Forschungsarbeit in Bezug auf die "vollständige" Fassung von Les Contes d'Hoffmann.


    Vor ein paar Jahren (ca. 8-10 Jahre her??) war doch die erstmalige Aufführung (in Hamburg, glaube ich) einer Fassung in den Schlagzeilen, die ziemlich umfangreiche Archiv-Funde zum Schluss des Giulietta-Aktes berücksichtigte.


    Ich habe vor Jahren mal diese weiter oben schon einmal erwähnte Aufnahme angehört (und im Booklet gelesen). Da wurde dann stolz erwähnt, dass es sich hierbei um die bislang vollständigste Einspielung der Oper handeln würde.


    Das dürfte aber meines Wissens Anfang der 1990er Jahre gewesen sein, so dass die erwähnte Ergänzung der Giulietta hier wohl noch nicht berücksichtigt wurde - oder sehe ich das falsch?



    mit neuem Cover zur Zeit so erhältlich:



    Es handelt sich um die EMI-Einspielung mit Neil Shicoff in der Titelrolle und Sylvain Cambreling als Dirigent.


    Ich gebe zu, dass ich gerade bei dieser Oper irgendwann den Überblick verloren habe, welche Fassung wodurch gekennzeichnet ist und was wo fehlt, usw.
    Ich kenne keine Oper, wo das alles soooo kompliziert ist, wie gerade hier beim Hoffmann - dagegen erscheinen Opern mit einer ähnlich komplizierten Entstehungs- und Alternativfassungsgeschichte wie Idomeneo, Boris Godunow oder Don Carlos geradezu einfach :]


    Ich selber habe zur Zeit die ebenfalls schon erwähnte Einspielung mit Domingo und Joan Sutherland in meiner Sammlung, die aus den frühen 1970ern stammt und daher mit Sicherheit nicht die vollständigste Fassung der Oper bieten dürfte (dafür mit Sicherheit aber die bühnenüblichste und am meisten verbreiteste, das ist ja auch schon was...)



    Daher meine Frage an die Experten:
    Gibt es denn schon eine (empfehlenswerte) Aufnahme mit den neuesten Notenfunden (dürfte dann wohl die oben erwähnte "Hambuger Fassung sein"...) - und damit der zur Zeit vollständigsten Version (das kann sich in ein paar Jahren ja auch schon wieder geändert haben) :rolleyes:

    "Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
    (Georg Christoph Lichtenberg, 1773)

  • Hallo Marc


    Der grundlegende Unterschied des Hoffmanns zu deinen anderen Beispielen liegt eben darin, dass er unvollendet ist. Was immer man noch herausfinden mag, es werden Reste von Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten bleiben, die nie zu einer endgültigen Version führen können.

  • Hallo Marc,


    die immer noch aktuellste CD-Fassung der Kaye-Ausgabe ist diese hier:



    Allerdings ist der "Hamburger" Schluss des Giulietta-Aktes aufgrund des hierfür zu frühen Einspielungsdatums nicht mit drauf. Den kannst Du Dir als mp3-Ausschnitt aus der Hamburger Aufführung unter "www.r-ds.com/opera/hoffmann/libretto.htm" anhören.
    Die insgesamt nicht schlechte Cambreling-Einspielung folgt der heute weitgehend überholten Oeser-Fassung.


    Sehr informativ in diesem Zusammenhang diese liebevoll gestaltete Seite: "www.jacques-offenbach.de".


    :hello:


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)