Arriagas Streichquartette

  • Der Baskische Geiger und Komponist Juan Crisóstomo de Arriaga (* 27. Januar 1806; † 17. Januar 1826), kurz vor seinem 20. Geburtstag an Tuberkulose verstorbern und gerne als "Spanischer Mozart" tituliert, hat uns drei Streichquartette hinterlassen. Diese Werke sind die einzigen, die zu seiner Lebzeit veröffentlicht wurden, nämlich 1824 in Paris, als er also 17 Jahre jung war.


    Deren Diskographie ist inzwischen auf (mindestens) neun Einspielungen angewachsen.


    1. Arriaga Quartet (ASV)
    2. Camerata Boccherini (Naxos)
    3. Casals Quartett (HMF)
    4. New Vlach Quartet (Avenira)
    5. Prima Vista Quartet (Dux)
    6. Quatuor Mosaiques (loiseaulyre (Spanien))
    7. Sine Nomine Quartet (Claves)
    8. The Chilingirian Quartet (CRD)
    9. Voces-Quartett (MDG)



    Welche Einspielung davon ist wirklich empfehlenswert?


    Danke!

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • Hi,


    es gibt zu Arriaga bereits einen eigenen Thread:


    Juan Crisostomo Arriaga


    Da solltest Du eigentlich fündig werden. Falls nicht: Ich selbst habe die Einspielung mit dem Voces-Quartett, die eigentlich sehr gut (aber bei jpc viel zu teuer) ist. Noch besser gefällt mir natürlich das Quatuor mosaiques, da hier auf historischen Instrumenten musiziert wird. Diese Einspielung ist aber derzeit m. W. nur über fnac in Spanien zu beziehen.


    Viele Grüße,


    Ulli

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • Zitat

    Original von Ulli
    Noch besser gefällt mir natürlich das Quatuor mosaiques, da hier auf historischen Instrumenten musiziert wird. Diese Einspielung ist aber derzeit m. W. nur über fnac in Spanien zu beziehen.


    Viele Grüße,


    Ulli


    Scheint dort nicht mehr auf!


    Bislang haben auch mir die Voces am besten, aber doch nicht hinreichend gut, gefallen...

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • Zitat

    Original von a.b.
    Scheint dort nicht mehr auf!


    Ja, ist komischer Weise unter den üblichen Suchbegriffen noch nie aufzufinden gewesen - ich finds jetzt gerade auch nicht...


    Aber amazon hat die CD grad zum Abzockerpreis drin.


    :hello:


    Ulli

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • Bei classicstoday wurde die Aufnahme unter dem New Vlach Quartet sehr gelobt, sogar als Referenzeinspielung gepriesen: ich habe den Kauf nicht bereut und gehe mit den Lobeshymnen konform. Eine wirklich hervorragende Einspielung.


    Wer den letzten Satz des 3. noch einen Tick filigraner, zarter und vielleicht auch eleganter mag, der kann IMO auch zu den Chilingirians greifen, wobei mir aber bei den anderen Sätzen New Vlach Quartet für meine Ohren besser wegkommt - auch klangtechnisch superb!


    :hello:
    Wulf

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  • Zitat

    Original von Wulf
    Bei classicstoday wurde die Aufnahme unter dem New Vlach Quartet sehr gelobt, sogar als Referenzeinspielung gepriesen: ich habe den Kauf nicht bereut und gehe mit den Lobeshymnen konform. Eine wirklich hervorragende Einspielung.


    Die sehr knappen Soundschnitzel des New Vlach Quartets kamen mir etwas spanisch vor, weil tendetiell böhmisch-romantisch interpretiert. Ist dem nicht so?


    (zu den Chilingirians greife ich ganz sicher nicht...Die besagte Kritik hier ist leider völlig nichtssagend :angry:)
    :hello:

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • Zitat

    Original von a.b.


    tendetiell böhmisch-romantisch interpretiert. Ist dem nicht so?


    Na ja, ein Hauch von Romantik weht da schon - aber vielleicht hörst Du das Böhmische auch nur, weil Du weißt, daß es sich um das New Vlach Quartet handelt?? ;)


    Zitat


    (zu den Chilingirians greife ich ganz sicher nicht


    Und warum das nicht, wenn ich fragen darf??


    Zitat


    ...Die besagte Kritik hier ist leider völlig nichtssagend :angry:)
    :hello:


    Ja, wie so manche Kritik :rolleyes:


    :hello:
    Wulf


  • ...und noch seltsamerer Weise wird die Einspielung nicht mal auf der Homopage des Labels beworben...


    ?(


    Ulli

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • Zitat

    Original von Wulf



    Und warum das nicht, wenn ich fragen darf??


    desaströse Konzerterfahrung gepaart mit der Kenntnis einer für meinen Geschmack musikalisch schrecklichen Mozart-CD bei CRD (mit zudem schrecklich schriller Aufnahme).


    Zitat

    - aber vielleicht hörst Du das Böhmische auch nur, weil Du weißt, daß es sich um das New Vlach Quartet handelt??


    Du wirst lachen, genau das habe ich mich auch gefragt! Aber tatsächlich ist es umgekehrt gewesen: Das Label war bei jpc so klein abgebildet, dass ich gar nicht auf die Interpreten geachtet und zuerst die Schnitzel gestartet hatte und erst hinterher gelesen habe, wie das Ensemble heißt.


    :hello:

    Gruß ab


    ---
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    J. Locke

  • Zitat

    Original von Ulli
    ...und noch seltsamerer Weise wird die Einspielung nicht mal auf der Homopage des Labels beworben...


    Das ist öfter so bei Produktionen, die nur für einen bestimmten Markt gemacht werden. [In Österreich haben wir etwa eine DDG-Einspielung mit Violinkonzerten von Lidia Baich, die es auch nicht auf der DGG-Webseite gibt.]

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

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  • Zitat

    Original von Ulli
    ...Quatuor mosaiques, da hier auf historischen Instrumenten musiziert wird. Diese Einspielung ist aber derzeit m. W. nur über fnac in Spanien zu beziehen.



    Gibt's auch in Spaniens Karstadt , dem corte inglés.
    Unter Symphonisches...




    audiamus



    .

  • Guten Abend,
    meines Wissens die ersten,die alle drei Arriaga-Streichquartette einspielten waren 1995 die Guarneris auf Philips.
    Das Guarneri Quartet hatte von Anfang an eine große Affinität zu Arriaga - dies ist in dem sehr empfehlenswerten Buch "Mein Leben zu viert" von Arnold Steinhardt (Primarius des Guarneri Quartets) nachzulesen.
    Historisch interessant ist,daß das Es-Dur Quartett (Nr.3) bereits in den 50-iger Jahren auf LP bei MMS eingespielt wurde.Die Interpreten waren die Mitglieder des Quatuor Guilet ,dessen Primarius Daniel Guilet (Gründungsmitglied des Beaux Arts Trios) war.Daniel Guilet nannte sich von seiner Emigration in die USA Daniel Guillevitch und war 2.Geiger des Quatuor Calvet.Der Cellist des Quatuor Guilet war David Soyer,später Cellist beim Guarneri Quartet - hier schließt sich also der Kreis wieder.
    Viele Grüße
    Santoliquido

    M.B.

  • Zitat

    Original von santoliquido
    Guten Abend,
    meines Wissens die ersten,die alle drei Arriaga-Streichquartette einspielten waren 1995 die Guarneris auf Philips.


    Hm. Die Aufnahme des Voces-Quartett stammt von 1985, die des Sine Nomine Quartet von 1994, Vlach von 1992 ...


    :hello:


    Ulli

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • Hallo!


    Bisher habe un kenne ich nur die Naxos-CD,



    bin damit aber zufrieden. Das liegt aber wahrschienlich daran, daß ich keine anderen Aufnahmen kenne. Eine gewisse Befürchtung anhand des Ensemblenamens, daß Arriaga hier etwas zu boccherinesk gespielt wird, bleibt zudem auch.
    Die Aufnahme mit dem Casals Quartett ist inzwischen preisgünstig in der musique d'abord-Reihe erschienen:



    Kann da jemand einen Vergleich mit den Hochpreis-Aufnhamen der Vlachs und Voces ziehen?


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Zitat

    Original von Pius


    Die Aufnahme kenne ich nicht, bemerke aber gerade, daß ich Arriagas 3. Quartett demnächst im Konzertsaal erleben werde, mit ebendiesem Ensemble - kann dann ggf. etwas dazu schreiben.


    Wen's interessiert und wer vielleicht Lust und Zeit hat: Hier Ort, Zeit und Programm:



    Bei mir findet sich lediglich eine Aufnahme der drei Quartette, die ich lange nicht mehr gehört habe:



    Guarneri Quartet
    Philips 1995

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  • Hallo!


    Bei Dussmann habe ich in zwei CDs mal näher reingehört, die des Vlach Quartets und die des Voces Quartets.
    Danach war ich mir zwar sicher, daß ich eine bessere Interpretation als die auf der Naxos-CD benötige, aber nicht, welche das sein soll - Vlach und Voces waren recht komplementär zueinander. Einen bleibenderen Eindruck hat aber letztlich die Voces Quartet-Aufnahme bei mir hinterlassen. Die würde ich dann also nehmen, wäre da nicht diese Mosaiques-HIP-Aufnahme.
    Lange Rede, kurzer Sinn:
    Ulli, gibt die Mosaiques-Aufnahme substantiell noch mehr her als die der Voces (außer HIP zu sein)? Sind sie von Ausdruck und Tempo her ähnlich oder eher verschieden?


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Zitat

    Original von Pius
    Eine gewisse Befürchtung anhand des Ensemblenamens, daß Arriaga hier etwas zu boccherinesk gespielt wird, bleibt zudem auch.


    Etwas spanisch sollte es wohl schon klingen, oder?


    Zitat


    Lange Rede, kurzer Sinn:
    Ulli, gibt die Mosaiques-Aufnahme substantiell noch mehr her als die der Voces (außer HIP zu sein)? Sind sie von Ausdruck und Tempo her ähnlich oder eher verschieden?


    Salü,


    ich habe beim Hören keine Anomalien festgestellt, wobei ich kein direktes Vergleichshören veranstaltet, sondern mit meiner Erinnerung verglichen habe - die Tempi scheinen bei Arriaga eher starr zu sein, gröbere Abweichungen dürften durch (nicht) ausgelassene Wiederholungen entstanden sein, z.B. II, 1 oder III, 1:


    Nr. 1 d-moll


    1) V 7'15 | M 7'26
    2) V 7'12 | M 6'09
    3) V 3'03 | M 3'01
    4) V 8'36 | M 7'47


    Nr. 2 A-Dur


    1) V 9'24 | M 8'03
    2) V 7'28 | M 7'02
    3) V 3'18 | M 3'09
    4) V 4'38 | M 5'09


    Nr. 3 Es-Dur


    1) V 6'19 | M 9'12
    2) V 6'28 | M 5'06
    3) V 3'34 | M 3'40
    4) V 6'32 | M 6'36


    Ich müßte das aber im Einzelfall bei Gelegenheit nochmals nachhören. Das VocesQ war mein Erstkontakt mit Arriaga und mir war von Beginn an bewußt, daß hier noch recht viel Luft nach oben ist, obschon diese Einspielung wirklich schon gut ist und auch begeistern kann, für's erste jedenfalls. Die Mosaïques reißen zwar das Ruder nicht direkt um 180° herum, aber das Weniger an Vibrato und Mehr an Tiefe ist doch sehr wertschöpfend. Das letzte Wort zu Arriagas Quartetten dürfte aber wohl noch nicht gepsorchen worden sein...


    :hello:


    Ulli

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • Zitat

    Original von a.b.


    (zu den Chilingirians greife ich ganz sicher nicht...Die besagte Kritik hier ist leider völlig nichtssagend :angry:)
    :hello:


    Lieber a.b.,


    das wäre aber durchaus ein Hörtip: die LP-Box habe ich seit vielen Jahren im Bestand. Ich gebe allerdings zu, daß die Chilingirans via Rundfunk mein Erstkontakt mit Arriaga waren. Und in Zeiten vor dem Internet war die Gleichung ja diese: im Rundfunk gehört, im Plattengeschäft vorgefunden: super!!! Die Guarneri-Einspielung z.B. kenne ich nicht. Allerdings hat die Einspielung mit den Chilingirans bislang bei mir auch keinen Diskusionsbedarf ausgelöst.


    Diese Streichquartette sind ganz bezaubernde Kostbarkeiten, und ich kann jedem nur empfehlen, eine Aufnahme davon seiner Musiksammlung gleichsam als Brillianzpunkt hinzuzufügen.


    Merkwürdig indes: Arriagas Sinfonie in d-moll taucht diskographisch bereits in den späten 1950er Jahren auf (mit den London Mozart Players unter Harry Blech z.B. gekoppelt mit Mozarts KV 200 und KV 318 ).


    Arriagas Musik empfinde ich wie eine Sternschnuppe: der Mann verstarb 20jährig. Und das schmale, hinterlassene Werk ist es 183 Jahre nach seinem Tode wert, gehört, geliebt und als kostbar empfunden zu werden.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.


  • Das empfinde ich ähnlich. Daher bin ich schon lange auf der Suche nach einer adäquaten Einspielung. Die Guarneris haben mir zu ausladenedes Vibrato, bei den Casals-Leuten finde ich nur sterile Noten statt Musik, die Namenlosen aus der Schweiz haben eienen ebensolchen (d.i. nahmenlosen) Eindruck hinterlassen. Die Voces fand ich bislang noch am besten, aber auf die kurzen Höreindrücke im Laden war mir das doch zu teuer, um einen Fehlkauf zu riskieren. Die Mosaiques würden mich noch sehr interessieren, weil sie studio so viel besser sind als im Konzert und an guten Tagen Herr Hörbath wirklich wunderbar musikalisch, auch wenn sie mit ihrem Ernst of das Heitere der Musik austreiben.


    Eigentlich hätte ich bei cpo auf The Revolutiionary Drawing Room gehofft, oder auf Hausmusik London... =)


    Arriagas Orchesterwerk bekam ich einst aus Spanien als Geschenk mitgebracht mit Jordi Savall bei Astree Audivis von 1995. Damit bin ich hinreichend zufrieden.
    :hello:

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • Auf Arriaga bin ich vor mehreren Jahren durch die drei Streichquartette, die einzigen zu seinen Lebzeiten gedruckten Werke, in der abgebildeten Aufnahme gestoßen.



    Ich muss aufpassen, dass ich nicht übertreibe; sicher, die Quartette hat er erst im Alter von 16 Jahren geschrieben, aber welch eine kraftvolle Sprache, welch eine Sicherheit im Umgang mit Form und Inhalt und den Sinn für das Ganze, welch wunderbare Ideen. Welche Tiefe im Ausdruck.


    Ja, ich möchte mir gar nicht vorstellen, was die Quartettliteratur noch qualitativ hätte gewinnen können, wenn...Naja, das ist natürlich müßige Spekulation und vergebliches Bedauern. Also besser genießen, was da ist: Schöne Quartettmusik.

    Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

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  • NB Es gab in den 1950ern (oder frühen 60ern) auch schon eine Einspielung zweier der Quartette mit dem Guilet-Quartet (Daniel Guilet, der später beim BeauxArts Trio spielte). Label ist Concert Hall, aber die ist wohl nie auf CD erschienen. Nur weil sich jemand wunderte, dass Arriagas Sinfonie so viel früher aufgenommen worden wäre. Das scheint etwa zur gleichen Zeit gewesen zu sein.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)