Persönlich erlebter ältester Opernkünstler

  • Da in der kleinen aber doch reich von künstlerischer Atmosphäre Bayreuth neben dem Festspiel auch manche Gesangswettbewerbe und Meisterkurse (von Junge-Musiker-Stiftung) stattfinden, habe ich während meines 3,5 jährigen Diplomstudiums in Bayreuth Chancen zum persönlichen Erlebnis mit renommierten Opernkünstlern (für mich :D), bspw. auf dem ersten Gesangswettbewerb von Junge-Musiker-Stiftung Bayreuth (Leitung ist also M. Jung) 2007 kriegte ich Photo mit Jurymitgliedern B. Fassbaender und K. Moll, und auf dem Liedwettbewerb ein Jahr darauf kriegte ich Photo und Autogramm von unübertreffbaren Königin der Nacht E. Moser und meiner beliebtesten deutschsprachigen Koloratursop. the great I. Hallstein.
    Der älteste Künstler, die ich bisher in meinem Leben erlebt habe (nicht auf der Bühne, freilich) ist Jean Cox, genialer Siegfried in meinen Augen, vor einem Jahr auf dem Meisterkurs von A. Reynolds, damals schon 86, leidet an Parkinson....kann kaum reagieren auf dem Rollstuhl als ich sagte: Mr. Cox, i admire you as great Siegfried...er ist 61 Jahre älter als ich.
    Deshalb bin ich auch gespannt darauf, wer der/die von dir erlebte (auf oder außer Bühne) älteste Opernkünstler(in) ist und wann er oder sie geboren war? :rolleyes:

    Soll er dir noch so viel Atem lassen, als 'en Altweiberfurz, soll ich?

  • Hermin Esser. Dürfte jetzt an die 80 sein...


    Er pustete mir mal während des Abendessens Mozarts "O wie ängstlich, o wie feurig
    Klopft mein liebevolles Herz!" ins Ohr ...


    :hello:


    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Zitat

    Original von Ulli
    Hermin Esser. Dürfte jetzt an die 80 sein...


    Na gut, aber wenn das vor dreißig Jahren war, war er da gerade mal fünfzig...


    Mir erschließt sich der Sinn des ganzen hier nicht...
    Wie alt ist jetzt eigentlich Johannes Heesters? :untertauch:

    Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
    (Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

  • Auf der Bühne war es letzten Dezember Anja Silja, die mit ihren 68 Jahren die Hexe in Hänsel und Gretel sang. Wir sind allerdings weniger wegen ihr in die Oper gegangen als wegen Diana Damrau und Angelika Kirchschlager. Frau Silja musste mit Rollator und unbekleideter Plastikbrust auftreten. Sie war altersentsprechend bei Stimme, wobei sie teilweise noch ziemlich Furcht erregende Töne von sich gab. Das Londoner Publikum war anscheinend "not amused" und es gab deutliche Missfallensäußerungen, als sie vor den Vorhang trat. Angesichts des Alters der Sängerin war das, wie ich fand, nicht die feine englische Art.


    Gruss, PW

  • Zitat

    Original von Reinhard


    Na gut, aber wenn das vor dreißig Jahren war, war er da gerade mal fünfzig...


    Es war etwa vor 4 oder 5 Jahren.


    :hello:

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • wieder von mir schlecht ausgedrückte Frage...eigentlich würde es mir spannend sein, wer ist der älteste (im Sinne des absoluten Jahrgangs, und er/sie muss nicht noch lebend sein, wenn z.B. beim erstmaligen Treffen in Deiner Kindheit oder Jugendheit er/sie schon am Ende der Karriere ist...)Künstler(in) in deinem Erlebnis?
    Einer meiner Freunde in München, der während der letzten Festspielzeit bei der Generalprobe von Walküre neben mir sitzt, erzählte sein Erlebnis mit Ludwig Hofmann am Ende seiner Karriere als Wotan, dieser Freund ist gegen 70, und L. Hofmann war 1891 geboren und schon vor 45 Jahren Himmelfahrt genommen.

    Soll er dir noch so viel Atem lassen, als 'en Altweiberfurz, soll ich?

  • Eine schöne threadidee, lieber xingwang!


    Und bei dieseser Gelegenheit noch herzlich willkommen bei Tamino.


    Der älteste Opernsänger, dem ich noch begegnen durfte, war der damals 91- jährige Hans Hotter, der im Jahr 2000 Juror beim Gesangswettbeweb in Passau war - eine beeindruckende Persönlichkeit!



    LG, Elisabeth

  • Zitat

    Original von gruppetto
    ......... Anja Silja, ..... .....sie teilweise noch ziemlich Furcht erregende Töne von sich gab. .....
    Gruss, PW


    Das war in den 60ern nicht anders. :D Ganz schlimm ist ihre auf Deutsch gekrähte Tosca.

    res severa verum gaudium


    Herzliche Grüße aus Sachsen
    Misha

  • Lieber Xingwang,


    alle die von Dir und den anderen erwähnten Sänger kenne ich persönlich. Jean Cox und Anne Reynolds werde ich im Juli/August besuchen, wenn ich für längere Zeit bei den Bayreuther Festspielen bin.
    Beim Künstlertreffen der Gottlob-Frick-Gesellschaft treffen sich alljährlich die ehemaligen großen Sängerlegenden. Die ältesten sind Horst Günter mit 94 Jahren und Benno Kusche mit 91 Jahren. Beide geistig noch top fitt und körperlich in so gutem Zustand, dass sie noch nach Ölbronn reisen können. Wenn wir Glück haben kommen sie auch in diesem Jahr am 17./18. Oktober zu uns. Zwischen 75 Jahren und 85 Jahren sind in der Regel so 10 große ehemalige Sänger und Sängerinnen bei uns.
    Falls Du ganz besonderes Interesse an der Begegnung mit diesen Künstlern hast gäbe es eine Möglichkeit, dass ich Dich zu diesem Künsltertreffen einlade. Falls Du also darauf reflektierst schreibe mich bitte persönlich über Tamino an. Näheres kannst Du auch aus dem Internet-Auftritt der Gottlob-Frick-Gesellschaft ersehen. Auf der Startseite bei Tamino ist ein Link.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Ich habe glaube ich den Bühnenabschied von Anny Schlemm als Mamma Lucia (Cavalleria Rusticana) in Frankfurt erlebt (2003 oder vielleicht auch noch später). Das dürfte in dieser Hinsicht für mich vorerst nicht mehr zu überbieten sein.


    Dirigenten als "Opernkünstler" sind eine andere Gattung, da kämen einige Senioren zusammen.

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  • In meinem Fall eindeutig Jopie Heesters!




    Erlebt im vorletzten Jahr bei der Aufzeichnung einer "Wetten dass..."-Sendung in Berlin (deren Besuch ich bisher mit Rücksicht auf mein Renommée peinlichts zu verschweigen suchte).


    Da die Operette ja fürderhin als Teilmenge der Obermenge Oper geduldet wird, müßte Heesters’ Nennung in diesem Thread also zulässig sein! :pfeif:



    Ein langes Leben wünscht Euch:


    Laurenz :hello:

    `
    (...) Eine meiner frühesten Erinnerungen im Zusammenhang mit der Musik betrifft einen Abend, an dem das Rothschild-Quartett bei uns ein hochmodernes Werk von Egon Wellesz spielen sollte. Die Stühle waren den Musikern zu niedrig, so nahmen sie unsere Bände mit Schubertscher Kammermusik, um damit ihre Sitze zu erhöhen. Ich dachte, wieviel schöner es wäre, wenn sie auf Wellesz sitzend Schubert spielen würden (...)


    — aus „5000 Abende in der Oper“ von Sir Rudolf Bing —
    .

  • "Erlebt" - im Sinne eines Liveauftritts habe ich die genannten nicht - aber sie waren Kunden, dort wo ich in den siebziger Jahren arbeitete.


    Kurz gesehen habe ich Anton Dermota, dessen einigermaßen "kammersängerhafte" Attitüde mir nicht positiv in Erinnerung ist.


    Dann Lubomir Pantscheff. Einst ein bekannter Sänger (was ich damals nicht wusste) kam er immer im Schlepptau von Nikolai Ghiaurov. Er war eine stets zu Scherzen aufgelegte Person, und wurde deshalb (ohne daß er es selber wusste (?) ) von uns "Lubschi" genannt - Ich glaube nicht, daß es ihn gestört hätte. Auch er hatte ein "theatralisches Wesen" - aber irgendwie war immer ein parodierender Unterton durchzuhören...


    Eine weitere "Bekanntschaft" war die Tochter einer Stimmlegende, nämlich jene von Erik von Schmedes.
    Ich weiß nicht mal mehr ihren vollen Namen - und auch keine Lebensdaten. Ich schätze sie in den siebzigern auf mitte siebzig ein, aber das kann nicht stimmen - sie mußte viel älter gewesen sein damals.
    Eine extrem schlanke Dame, immer in Begleitung ihres Dackels "Mette".
    Sie hat noch Caruso an der Wiener Staatsoper erlebt, war mit Furtwänglers Frau und mit Maria Ivogün befreundet.


    mfg aus Wien


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Eine weitere "Bekanntschaft" war die Tochter einer Stimmlegende, nämlich jene von Erik von Schmedes.
    Ich weiß nicht mal mehr ihren vollen Namen - und auch keine Lebensdaten. Ich schätze sie in den siebzigern auf mitte siebzig ein, aber das kann nicht stimmen - sie mußte viel älter gewesen sein damals.
    Eine extrem schlanke Dame, immer in Begleitung ihres Dackels "Mette".


    Vermutlich diese Dame:


    Dagmar Schmedes (* 15.3.1896 Wien, † ?.8.1987 Wien) (Quelle)


    Sie sang scheinbar in der 1950er Aufnahme der "Walküre" unter Furtwängler die Waltraute.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Ich habe Julius Patzak 1961 in der Studiokantine kennen gelernt.


    Ich sagte ihm unter anderem, daß mir seine frühen Mozart-Aufnahmen


    besonders gut gefielen, seine Antwort darauf: "Oje, die ollen


    Kamellen".


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Bei mir ist es Inge Borkh, die anlässlich ihres 90. (? - Wie alt ist sie denn nun wirklich?) Geburtstages kürzlich unseren Laden besucht hat.
    Eine immer noch sehr vitale und rüstige Frau!


    :hello:



    LG, Peter.

  • Lieber Sonnensucher,
    ich habe es Gott sei Dank noch nicht erlebt, dass hier im Tamino-Forum ein TeilnehmerIn so engstirnig denkt, dass er eine ganze Musikgattung ablehnt. Im Gegenteil unsere Diskussionen und unsere Begeisterung wird von der Vielzahl der Musikrichtungen gespeist und beflügelt.
    Die Operette erlebt zur Zeit eine gewisse Renaissance. Diese Entwicklung sollten wir unterstüzen, weil sonst wertvolles Kulturgut verloren ginge. Wir beim Heilbronner Sinfonie Orchester veranstalten im Sommer Open-Air-Konzerte. Nie ist das Publikum glücklicher als bei einem Oprettenkonzert, besonders wenn Ohrwürmer geboten werden. Da wird mitgesummt, mitgeklatscht und mitgetraümt. Das ist die Operettenseligkeit, die nur diese Kunstform bieten kann.
    Also rechtfertige Dich bitte nicht, wegen Deiner Liebe zur Operette.
    Argumentiere mit Herzblut hier im Forum und lass uns an Deinem Ethusiasmus teilnehmen.
    Johannes Heesters ist trotz eigenwilligem Gesang eine bewundernswerte Persönlichkeit. In seinem Alter noch auf der Bühne zu stehen und respektable Leistungen zu vollbringen, das ist einmalig. Darüberhinaus hat er als Operettenheld, besonders im Frack, Generationen begeistert und tut es immer noch. Bravo!
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Da Heesters auch Operette gesungen hat - und zwar nicht nur im Film - sondern auch im rennomierten Theater an der Wien - gehört er natürlich in diesen Thread.
    Ich habe ihn übrigens in der "Abschiedvorstellung" als Danilo im Theater an der Wien gesehen - damals - vor etwa 40 Jahren.


    Nach der Vorstellung gab es standig Ovations


    Damals meinte Heesters in einem Interview, es sei Zeit aufzuhören, der Danilo sei schließlich kein "Tattergreis" :D


    Damals war ich knapp unter 20...........


    mfg aus Wien


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Meine Lieben,


    Bei mir war es wohl Anton Dermota, den ich 1986 näher kennenlernte, und bei dem ich gemeinsam mit dem Germanisten Herbert Zeman (wir bearbeiteten zusammen Dermotas Autographen-Sammlung) auch in seine Villa eingeladen war. Er war ganz reizend und gar nicht abgehoben, noch herzlicher war seine Frau, die Pianistin Hilda Berger-Weyerwald. Mit Dermota unterhielten wir uns längere Zeit über eine Platte, die ihm ein britischer Schüler als erste selbständige Edition geschickt hatte, und die er für mein damaliges Empfinden recht menschlich-milde beurteilte. Er schien es aber für wichtig zu halten, dem Nachwuchs Ermunterung und Selbstvertrauen zu geben.


    LG


    Waldi

  • In einem anderen Thread habe ich es schon erzählt:

    Martha Mödl,
    damals schon 88 Jahre alt, spielte die Golde im Musical "Anatevka" im Düsseldorfer Opernhaus - und sie spielte ihren um 50 Jahre jüngeren Partner, den Milchmann Tevje, locker an die Wamd - ein unvergeßliches Erlebnis mit einer wunderbaren Künstlerin!


    LG


    Harald :jubel: :jubel:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Hallo, Ihr Lieben,
    wenn sich jetzt unsere Diskussion in Richtung der persönlichen Erlebnisse mit alten Künstlern dreht, dann möchte ich auch mein intensivstes Erleben einbringen. Es war selbstverständlich - wie könnte es bei mir auch anders sein - mit Gottlob Frick. Sein allerletztes öffentliches Auftreten war 79-jährig am 26. Januar 1985 im Schießhaus in Heilbronn. In diesem Konzert sang er 7 Arien und Lieder, darunter so Brocken wie die Philipp-Arie "Sie hat mich nie geliebt". Am bewegendsten waren für mich aber an diesem Abend die einfachen Lieder "Wohin ist das alles wohin" und "Auf der Heide blüh'n die letzten Rosen". Ich gestehe, dass bei mir und anderen Zuhörern die Tränen flossen. Wir spürten heute nimmt ein ganz großer Sänger und liebenswerter Mensch Abschied von der Bühne. So war es denn auch tatsächlich. Der Kritiker rühmte: "Es ist fast ein Wunder, wie diese Stimme sich erhalten hat". Weil dieses Konzert vom Heilbronner Sinfonie Orchester mir zu meinem 50. Geburtstag gewidmet war ist es für mich noch unvergesslicher.
    Herzlichst
    Operus
    :jubel: :jubel: :jubel:

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

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  • Inge Borkh ist am 26.5.1921 in Mannheim als Inge Simon in Mannheim geboren. Demnach ist sie heute 88 Jahre alt. Ihr Alter ist bei Kutsch/Riemens mit 1917 falsch angegeben. In Friedrichs Opernlexikon steht es richtig. Ich durfte vor drei Jahren mit der großen Künstlerin in München beim Opernclub ein Künstlergespräch moderieren. Danach feierten wir ihren 85. Geburtstag.
    Übrigens habe ich im Thread Inge Borkh bereits Auskunft und Kommentar zu der Altersfrage gegeben. Die begnadet vitale Inge Borkh ist jedoch zeitlos alt.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!


  • Lieber Waldi!


    Du hast mit jeder Zeile Recht! Er und seine Gattin waren so bezaubernde Menschen.


    Ich durfte ja, bedingt durch meine "Zauberflöten - Erfahrungen", Anton Dermota schon 1953 kennenlernen.


    Er war für mich der Tamino des Theaters an der Wien, später auch in der WSO und der Volksoper,


    und seine Herzensgüte, die hatte er schon damals, er gab einem wirklich Selbstvertrauen, da wir auch Messen zusammen sangen.


    Liebe Grüße sendet Dir Peter, und Danke, dass Du Anton Dermota dachtest. :hello: :hello:

  • Hallo,
    dass ich in der Provinz wohne, scheint meine Abneigung gegen Auftritte alter Künstler wesentlich beeinflusst zu haben. Wer von den ehemals großen Sängern "nicht mehr so richtig kann", kommt irgendwann auch zu uns in die Provinz nach MeckPomm. Der Name zieht noch, die Enttäuschung ist dann beim Besuch der Veranstaltung groß. Als Beispiel möchte ich einen Auftritt von Montserrat Caballe nennen. Solche Veranstaltungen sind natürlich nicht gleichzusetzen mit einer Abschiedsvorstellung von Künstlern (wie sie z.B. operus sehr berührend über Gottlob Frick geschildert hat) - sofern es nicht gerade die 37. "Abschieds"tournee ist. Immer, wenn ich nach einem Auftritt eines alternden Sängers/Sängerin einem Frager berichte, der Sänger habe noch gut gesungen, war mir klar, dass das "noch" eigentlich schon ein klarer Verriss war.
    Gruß
    Lohengrin

  • Ich war bis 2006 in Chisinau(Republik Moldau), übrigens der Geburtsort der viel zu früh verschiedenen Maria Cebotari, tätig und hatte das manchmal etwas zweifelhafte Vergnügen, die Sopranistin Maria Biesu, damals schon mindestens 70 Jahre alt (das genaue Geburtsdatum ist strittig..) erleben zu dürfen. Maria Biesu (ausgesprochen Bijeschu) war Mitte der 60er in Tokyo mal zur besten Cio-Cio-San der Welt erkoren worden, und davon zehrte sie reichlich - die Stimme war auch zu ihren besten Zeiten nicht wirklich sensationell, aber die UdSSR ließ ja auch nicht ganz so singuläre Talente nicht verkommen, und so hat Frau Biesu überall, wohin man sie reisen ließ, ziemlich viel gesungen, durchaus mit sehr ordentlichem Erfolg.
    Ich habe 2004 oder 2005 noch eine Butterfly mit ihr erlebt. Das meiste war greulich. Aber es gab -ab und wann- zwei, drei Takte von großer, teilweise überragender Schönheit, die mich ihr alles verzeihen ließen, was sie Puccini an dem Abend antat. Ein gleiches Erlebnis hatte ich am nämlichen Ort mit der noch viel älteren Irina Archipowa, die zwar nur noch die Pique-Dame-Gräfin sang, aber für eine Dame mit mindestens 80 Jahren noch bemerkenswert gut bei Stimme war.

    "...and suddenly everybody burst out singing"
    Busman's Honeymoon

  • Hm, das müsste bei mir Rugerro Raimondi als Scarpia in Verona gewesen sein.
    Ansonsten Helen Donath (auch wenn die nicht wirklich alt ist) als Zerlina in Essen und Wofgang Schöne als Sachs in den Meistersingern (auch in Essen).


  • Daran mußte ich auch als erstes denken, als ich die Nachricht von seinem Tode bekam.....


    (.....da hat doch Ulli kürzlich noch was dazu geschrieben....)

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Mitte der 80iger moderierte Elisabeth Schwarzkopf beim ersten Frauen-Festival in Hamburg einen Rezitations- und Liederabend mit Joana Maria Gorvin, Christa Ludwig, Hanna Schwarz und, glaube ich, Gabriele Schnaut. Nach Jahren war sie noch nicht so alt, aber wohl nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit, denn sie ließ sich gerade an dieser Stelle ausführlich darüber aus, dass sie mit Emanzipation von Frauen und speziell auch diesem Festival nun eigentlich so gar nichts am Hut hätte. Sie konnte es einfach nicht lassen. :baeh01:


    1999 kam Martha Mödl mit 87 Jahren noch einmal in die Hamburgische Staatsoper, um ihr Buch "So war mein Weg" vorzustellen. Welch eine warmherzige, humorvolle, bescheidene Künstlerin. Man war sofort verliebt. Nachher signierte sie, wirklich, noch stundenlang ihr Buch! :jubel:


    Den stimmlich nun wirklich alten Gedda und die ebenso gelagerte de Los Angeles erlebte ich bei zwei Liederabenden in Hamburg zu Beginn dieses Jahrtausends. Er war nur noch erschütternd. :no:


    :hello: Gustav

  • Auch der musikwanderer kann über eine Begegnung berichten:


    1970, während der Salzburger Festspiele, über die ich damals als Urlauber für meinen Arbeitgeber, eine kleinere Zeitung im Westfälischen, berichtet habe, konnte ich durch die Vermittlung eines mir bekannten Sängers (der wiederum den Montano in Karajans Otello-Inszenierung sang) den berühmten Max Lorenz besuchen und interviewen. Genauer: Es kam kein Interview zustande, weil Lorenz, ein ungemein netter Plauderer, mich kaum zu Worte kommen, respektive Fragen stellen ließ. Aus dem angedachten Interview wurde dann eine zeitungsgerechte Kurzbiographie über einen der großen Wagner-Tenöre.


    Noch mitten im Redefluß des Kammersängers kam dann der Tenor Karl-Josef Hering, ein Schüler von Lorenz und Völker, aus Berlin zu Besuch und es wurde noch bunter, denn beide unterstrichen ihre Gesangskünste vor dem völlig überraschten Besucher aus Westfalen. Lorenz und Hering begannen von den "Winterstürmen", die dem "Wonnemond wichen", im Duett zu singen, mußten aber nach wenigen Takten, völlig außer sich vor Lachen, aufgeben. Worauf Lorenz (sinngemäß) zu Hering sagte: "Noch vor zehn Jahren hättest du mich nicht so alt aussehen lassen."


    Das war schon toll - aber es ist Historie.

    .


    MUSIKWANDERER

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