Karl Ridderbusch - der Kumpel aus dem Ruhrgebiet

  • Mein lieber Harald!


    Vielen Dank, daß du hier an den großartigen Karl Ridderbusch erinnerst. Trotz seiner nicht wegzudiskutierenden Macken besaß er für mich eine der schönsten Baßstimmen, die Deutschland je besaß. Durch seine vielen Aufnahmen, die ich besitze, wird er mir stets in Erinnerung bleiben.



    Herzlichst


    Wolfgang

    W.S.

  • Durch eine damalige Freundin, die Anfang der 60er Jahre in Münster lebte und mir von ihrer Entdeckung Karl Ridderbusch vorschwärmte, hörte ich erstmals von diesem Sänger. Persönlich erlebte ich ihn 1967 als Daland in der Wiener B-Premiere vom "Fliegenden Holländer", bei der er die A-Besetzung Oskar Czerwenka weitaus überragte. Darauf folgten viele Aufführungen in Bayreuth (Fasolt, Hunding, Hagen, König Heinrich, Titurel, Pogner, Sachs, Daland), später auch Hamburg (vor allem Ochs) und Kiel (Sachs 1982).


    Für mich war Ridderbusch Besitzer einer der schönsten Baß-Stimmen nicht nur dieser Zeit, ein herrlich sattes Baßtimbre mit großer Höhenexpansion. Auch als Hagen fand ich ihn stimmlich hervorragend, obwohl mir vom Stimmtyp ein Gottlob Frick lieber war. Meine Einschränkungen gegenüber Ridderbusch beziehen sich vor allem auf seine Künstlerpersönlichkeit als Darsteller. Ich weiß, viele der Taminos werden anderer Meinung sein, aber als Sachs habe ich Theo Adam bei weitem vorgezogen, obwohl dieser nicht über Ridderbuschs balsamisches Stimm-Material verfügte. Aber Ridderbusch war mir in dieser Partie immer zu eindimensional, zu sehr lediglich Schuster als vielmehr Schuster und Poet, doch das ist letzten Endes eine Frage des eigenen Geschmacks. Auch als Ochs, den er zudem (welch' Frevel damals) mit Bart spielte, war er mir zu polternd, zu wenig delikat. Hier zog ich Hans Sotin und Kurt Moll bei weitem vor, obwohl die Mühelosigkeit, mit der er diese Partie bewältigte, staunen machte.


    Ich habe damals (1976) in Bayreuth miterlebt, wie Ridderbusch sich negativ über Chéreau ausließ, was seinerzeit meinen Beifall fand, weil auch ich nicht gerade zu den Fans dieser Inszenierung zählte. Heute sehe ich dies viel differenzierter. Einerseits Hut ab vor einem Sänger, der einmal öffentlich äußerte, was viele seiner Kollegen ansonsten nur in der Kantine verlauten lassen (auch ein Theo Adam sagte einmal in Hamburg seine Mitwirkung als Sachs ab, weil Herbert Wernickes Sicht auf das Stück und vor allem die Hauptfigur des Werkes nicht mit der seinen in Einklang zu bringen waren). Auf der anderen Seite war Ridderbusch offenbar nicht aufgegangen, wie Chérau, der ja für seine einfühlsame Personenregie gelobt worden war, Ridderbuschs Persönlichkeit in die Figur des Hagen eingehen ließ. Ridderbuschs Verzicht auf Bayreuth (oder sein Rausschmiß) waren jedenfalls ein großer Verlust für die Bayreuther Festspiele.


    Was Ridderbusch in seiner Freizeit tat, was er sammelte, habe ich nicht in mein Fazit einfließen lassen, ihn für einen großen Sänger zu halten, an dessen beste Partien ich gerne zurückdenke.

  • Ich kenne ihn nicht aus seinen großen Rollen, aber seine Leistung in den Opern, die ich gleich nennen werde, ist überragend:
    der Holzhacker in den "Königskindern", die Titelpartie im "Barbier von Bagdad" und der Papst im letzten Akt von Pfitzners "Palestrina", in der Aufnahme unter Kubelik.

    Nulla dies sine linea (nach wie vor gültige Römerweisheit)

  • Fernab dessen, was hier über die Privatperson Ridderbusch geschrieben wurde, da ich ihn nicht kannte, werde ich mich dazu nicht äußern, möchte ich nur einmal sagen, dass die (zugegeben wenigen) Aufnahmen, die ich kenne und an denen er beteiligt ist, diese seine Beteiligung sehr schätze. Die oben von Dr. Pingel genannte Papst-Partie im "Palestrina" gehört definitiv dazu und ich liebe seinen Sachs. Vielleicht ist er wirklich mehr Schuster als Poet, aber mein Empfinden dieser Figur hat Ridderbsuch ausgezeichnet getroffen, diese sympathie Natur, die kleinen Spitzen.
    Ganz besonders angetan bin ich (da erst vor Kurzem das erste Mal gehört) seinen König Marke. Als ich das zum ersten Mal hörte (in der Karajan Studioaufnahme) war ich ganz geplättet, so ergreifend und gleichzeitig schön finde ich ihn in seinem großen Monolog. Allein diese samtige, aber volle Stimme...er hat einen Schmelz, wie man so sagt, wie Butter auf heißem Toast.

    "Die Glücklichen sind neugierig."
    (Friedrich Nietzsche)

  • Ich habe mir kürzlich nochmal einen "Live-Freischütz" angehört: Rom, 1973. Karl Ridderbusch singt hier einen - meiner Meinung nach - vorzüglichen Kaspar. Auch das übrige Sängerensemble ist nicht zu verachten.


    "Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
    Enrico Caruso


    "Non datemi consigli che so sbagliare da solo".
    ("Gebt mir keine Ratschläge, Fehler kann ich auch allein machen".)
    Giuseppe di Stefano

  • Ja, eine sehr schöne Aufnahme, die ich auch gern höre. Nur King halte ich für eine Fehlbesetzung. Er ist vieles, und ich verbinde ihn immer wieder mit bestimmten Rollen, nur Max ist er nicht.


    Gruß Rheingold.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Und Liedersänger war er auch. Höre gerade mal wieder seine LP mit Loewe-Balladen mit Richard Timbro am Flügel. Schöne Stimme, die vor allem im Mezzoforte und Piano bei den langen Noten zum Tragen kommt. Sein "Archibald Douglas" ist großartig.

  • Und Liedersänger war er auch. Höre gerade mal wieder seine LP mit Loewe-Balladen

    Diese schöne Platte habe ich auch noch und höre sie immer wieder sehr gern.


    "Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
    Enrico Caruso


    "Non datemi consigli che so sbagliare da solo".
    ("Gebt mir keine Ratschläge, Fehler kann ich auch allein machen".)
    Giuseppe di Stefano

  • Diese Aufnahmen von Karl Ridderbusch besitze ich natürlich auch. Trotz vieler Schmähungen hier im Forum halte ich seine Stimme für eine der schönsten Baßstimmen im deutschen Sprachraum. Eine seiner besten Leistungen ist für mich der CARON in Monteverdis "Orpheo". Da zeigt Ridderbusch, daß seine Stimme auch in des Basses Abgründe (Tiefe) führte.

    W.S.

  • Um nochmal auf den Liedsänger Karl Ridderbusch zurückzukommen - hier ist seine Winterreise:



    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

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  • Und Liedersänger war er auch. Höre gerade mal wieder seine LP mit Loewe-Balladen mit Richard Timbro am Flügel. Schöne Stimme, die vor allem im Mezzoforte und Piano bei den langen Noten zum Tragen kommt. Sein "Archibald Douglas" ist großartig.


    Lieber Hami,


    Richard Timbro ist Richard Trimborn, lange Zeit der Studienleiter an der Düsseldorfer Oper und damit ein wichtiger Mitarbeiter dieses Hauses. Bekannt war er auch als Freund des schwierigen Carlos Kleiber.

    Nulla dies sine linea (nach wie vor gültige Römerweisheit)

  • Richard Timbro ist Richard Trimborn,

    Richtig, lieber dr. pingel, auf dem Umschlag meiner LP steht ebenfalls Timborn. Wenn das kein Zufall ist!


    Timbro ist eine schwedische, etwas faschistoide und rassistische Gedankenschmiede. Bitte um Entschuldigung.

  • Ich habe mich ja schon öfters als Fan von Ridderbuschs Gesang geäußert, muss aber seit ein paar Tagen die Einschränkung machen, dass ich seinem Liedgesang nichts abgewinnen kann. Ich habe mir seine Loewe-Interpretationen beim Werbepartner runtergeladen und war unangenehm überrascht. Hier ist leider wirklich die undifferenziert, teilweise durchgeblökte Interpretation zu hören, die ihm hier immer mal wieder bei seinen Opernpartien angekreidet wurde.
    Da ich aber die Möglichkeit hatte, günstig seine "Winterreise" zu ersteigern, habe ich da mal neugierig zugeschlagen. Harald Kral hatte die Aufnahme schon mehrfach lobend im Forum erwähnt und nun möchte ich mir gerne selber einen Eindruck verschaffen.
    Demnächst mehr zu diesem Thema, wenn ich die CD gehört habe.


  • Lieber Cartman,


    wahrscheinlich wirst Du enttäuscht sein. Ridderbusch war wahrlich kein begnadeter Liedsänger. Seine Diktion läßt oft zu wünschen übrig. Es gibt wahrlich bessere Aufnahmen der "Winterreise".
    Der Sammlerwert besteht hauptsächlich darin, dass die Aufnahme Seltenheitswert hat und nicht so viele Bässe den Zyklus aufgenommen haben.

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Ergreifend wie "leidend" Karl Ridderbusch auf dem Bild im eingestellten Cover aussieht. Die Winterreise, die Kurt Moll aufgenommen hat empfinde ich bei den Realisationen dieses Liedzyklus - die ich von Bässen kenne - als ganz hervorragend gelungen.


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Für meinen Geschmack hat vor allem Josef Greindl eine herausragende Winterreise mit der Pianistin Hertha Klust aufgenommen.
    Die Schwierigkeit ist, daß die Winterreise für Tenor komponiert wurde, so tummelt sich der Klavierpart, der bei Schubert sehr wichtig ist, wenn eine tiefe Stimme singt, meist unter dem Notensystem ab. Auch der große Hans Hotter hat die Winterreise in der Bearbeitung für tiefe Stimme gesungen und mit Michael Raucheisen und nach dem Krieg mit Gerald Moore aufgenommen.


    :hello: Herbert

    Tutto nel mondo è burla.

  • Für mich ist die Winterreise mit Hotter, auch in der Aufnahme mit Gerald Moore bis heute auch nicht annähernd erreicht worden (schon gar nicht von Fischer-Dieskau)! Diese Schwermut und Entsagung....
    Spannend (vielleicht kennt sie jemand) ist übrigens die einst auf Arte ausgestrahlte Dokumentation, in welcher Quasthoff bei Hotter die Winterreise zu gestalten lernte und vom ca. 90jährigen lernen durfte, was Interpretation heisst. Der "Leiermann" bleibt mir unvergesslich, seit ich Hotter in den 70ern noch im Herkulessaal live erleben dufte.

  • Liebe Taminos,


    nun hatte ich Zeit und Muse, um mir die Winterreise zu Gemüte zu führen. Der Eindruck ist gemischt. Die Aufnahme ist in meinen Ohren nicht ganz so enttäuschend wie die Einspielung der Loewe-Balladen, ist aber in der Tat auch kein Meisterwerk. Erst ab dem siebten Lied ("Auf dem Flusse") schein Ridderbusch aufzugehen, dass man die Stücke nicht unbedingt undifferenziert "durchsingen" muss, sondern auch interpretieren sollte. Das bringt ihn allerdings auch dazu, dass er z.B. in dem Lied "Das Wirtshaus" ein übertrieben weinerliche Stimme einsetzt oder den "Leiermann" komplett in einem eintönigen Pianissimo vorträgt. Ansonsten verlässt er sich allzu oft auf seine tieftönende Stimme und bleibt an der Oberfläche der vertonten Texte.


    Fazit: Hätte Ridderbusch jemanden an der Seite gehabt, der mit ihm eine Interpretation der "Winterreise" erarbeitet, seine Lautstärke gedrosselt und eine differenziertere Lesart eingefordert hätte, dann wäre die Aufnahme wahrscheinlich wesentlich interessanter geworden. So hat sich der Sänger leider mit diesem Liederzyklus übernommen und auch ich rate in diesem Fall zu den Aufnahmen mit Greindl oder Hotter.


    Eine Guten Rutsch wünscht euch noch an dieser Stelle


    der Cartman

  • Trotz "Tagesform", lieber Norbert, habe ich zu seinem heutigen Ehrentag diese Box herausgesucht:



    Karl Ridderbusch wäre heute 83. Jahre alt geworden.



    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).


  • Ich besitze viele gute Aufnahmen mit Karl Ridderbusch. Für mich bleibt er für immer einer der größten deutschen Bassisten. Ich werde mir gleich die folgende CD mit etwas leichterer Muse anhören:

    W.S.

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  • Lieber Willi,


    ?(?(?( wessen Tagesform meinst Du? Meine, die des Herrn Ridderbusch, Deine?

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Lieber Norbert, es ist schon ein Weilchen her (17. März 2009) :D , als du in Beitrag Nr. 28 in Bezug auf die Götterdämmerung aus der Karajan-Box Folgendes sagtest:

    Zitat

    Wenn ich Ridderbusch mit Josef Greindl (Böhm) oder Matti Salminen (Janowski) vergleiche, empfinde ich erstgenannten eher als zu "nobel", zu "warm" und zu wenig "grob".


    Natürlich weiß ich, daß es bei Ridderbusch, wie bei anderen Sängern auch, eine "Tagesform" gab und er deswegen auch schlechte Tage gehabt hat...


    Also war es wohl Ridderbuschs Tagesform, die, als ich ihn in Münster live in "Undine" kennenlernte, überragend war. Da ich die GA von Böhm und Janowski auch habe, werde ich mal, wenn ich ganz viel Zeit habe, einen kleinen Vergleich anstellen.
    Im Grunde hast du insofern schon mal vorab Recht, weil ich Ridderbuschs Stimme auch mit einer warmen, noblen Färbung in Erinnerung habe.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Ich sitze gerade in meinem Stammcafé "Rose's" und habe mein kleines Ultrabook mitgenommen, lieber Norbert. Als ich bei YouTube Karl Ridderbusch eingab, stieß ich als Erstes auf dies:



    Ridderbusch singt "Hier sitz' ich zur Wacht" aus der Götterdämmerung, und zwar hier im "Jahrhundertring" 1976 aus Bayreuth unter Boulez. Wie ich finde, ist sein Ton hier um Einiges dramatischer und dämonischer als das, was man gemeinhin als "nobel" bezeichnen würde. Aber ich müsste die Arie mal mit der Karajan-Ausgabe vergleichen und auch mit Salminen und Greindl.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Gerade habe ich das Stück auch in folgender Einspielung gehört (und gesehen):



    Offenbar handelt es sich um eine Aufnahme von der Met Anfang dieses Jahrtausends. Salminen singt unter Levine, vielleicht noch einen Tick schwärzer und dämonischer, aber vielleicht erscheint das auch nur so, weil hier noch die visuelle Komponente hinzukommt, jedenfalls auch ein prachtvoller Vortrag.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Heute haben wir an Karl Ridderbuschs Todestasg zu denken. Er starb am 21. Juni 1997. Zu seinemTodestag habe ich folgende Aufnahme aus meiner Sammlung ausgesucht. Karl "at his best": nicht immer hört man die Basspartie mit einer solchen Strahlkraft und unbändigen Vehemenz:



    Heute ist Karl Ridderbuschs 18. Todestag.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).