Ernest Ansermet - Legende zu Lebzeiten, heute vergessen(?)

  • So spielt das Leben.


    Ernest Ansermet (1883-1969 ), der eigentlich ursprünglich Mathematikprofessor in Lausanne war, war schon zu Lebzeiten eine Legende, leitete er doch etliche Uraufführungen von Werken Stravinskys (Er war der Dirigent der Uraufführung des "Sacre du Printemps" in Paris, die solch einen Skandal auslöste !) Bartok, Honegger(Rugby, Paris 1928 ), und Martin.




    Ausgebidet wurde er von Felix Mottl und Artur Nikisch.
    1918 gründete Ansermet das Orchestre de la Suisse Romande mit dem er zeitlebens etliche Aufnahmen für die Schallplatte machte.


    Ansermet war ein Anhänger der "modernen Musik", jedoch ein Gegner der "neuen Musik".


    Er komponierte selbst auch einige Werke und gab das Buch "Grundlagen der Musik im menschlichen Bewusstsein" heraus.



    In meiner Schallplattensammlung findet sich einges von Stravinsky.


    Ich werde mich aber bemühen ihn auch in meine CD-Sammlung einzubringen. Solch ein Mann darf nicht vergessen werden.



    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred

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  • Hallo Alfred,


    ich habe für dich etwas Stoff zum Nachforschen. Man liest sehr oft, dass Ansermet 1918 das Orchestre de la Suisse Romande gegründet haben soll. Wenn man davon ausgeht, dass nicht alle die erste fehlerhafte Meldung abgeschrieben haben, wird er wohl irgendetwas gegründet haben. Das Orchester selbst gibt 1935 als Gründungsjahr an, und Ansermet war über 30 Jahre dessen Chefdirigent (ich glaube bis 1967).
    Vielleicht kannst du eruieren, was da 1918 wirklich gelaufen ist, mir ist es noch nicht gelungen.

  • Theophilius schrieb:


    Zitat

    Vielleicht kannst du eruieren, was da 1918 wirklich gelaufen ist, mir ist es noch nicht gelungen


    Easy :D
    "Dem Administrateur ist nichts zu schwör"


    Ich war auf der Website des Orchesters und da steht:


    Zitat

    Founded in 1918 by Ernest Ansermet, who served as head conductor until 1967, the Orchestre de la Suisse Romande (OSR), made up of 112 permanent members, gives subscription concerts in Geneva and Lausanne as well as symphonic programmes organized by the City of Geneva and an annual United Nations Day concert, and plays for opera performances at the Grand Théâtre of Geneva. Starting on 1 September 2005, the OSR's Artistic and Music Director will be the German conductor Marek Janowski.


    bzw. derselbe Text in französischer Sprache (gegengecheckt)



    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred

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  • Lieber Alfred ,
    bitte unbedingt die "Shéhérazade" besorgen . Seine Aufnahme hat nur in der mit Ozawa etwa Vergleichbares !
    Früher gabe es eine Einspielung ( LP ) des Schumann-Konzertes mit Lipatti . Sie ist wohl in den Archiven und verstaubt . Ein Schande .
    ich suche bei mir nach Ansermet und hoffe mehr beitragen zu können .
    HErzliche Grüsse an die schöne blaue Donau !
    Frank


    PS.: Der mir von Dir geschenkte Steinway klingt übrigens ausserordentlich ! Danke . F.

  • Viel zum Thema kann ich aus Mangel an Einspielungen leider nicht beitragen.


    Gut gefällt mir Brahms´Altrhapsodie mit Helen Watts und Ansermet - ob sie allerdings besser ist als meine Vergleichsaufnahmen mit Abbado, Klemperer und Sinopoli vermag ich jetzt nicht zu eruieren, denn diese Aufnahmen sind ja auch nicht von schlechten Eltern!


    Ach, wer heilet die Schmerzen dess, dem Balsam zu Gift ward !?!


    Gruß, Markus

  • Hallo Alfred,


    schon mit dem Begriff "Legende zu Lebzeiten" kann ich ja wenig anfangen. IMO wird ein Künstler zur Legende immer erst im Rückblick - und da ist Ansermet als Dirigent der UA des "Sacre" möglicherweise dabei (vor allem, weil diese Uraufführung legendär ist).


    Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Ansermet war ein Anhänger der "modernen Musik", jedoch ein Gegner der "neuen Musik".


    Was soll denn diese Differenzierung bedeuten? Mir schwant schon, was Du sagen willst, sag es doch: Ansermet stand viele Strömungen seiner Zeit offen gegenüber, aber genau einer nicht: Nämlich der zweiten Wiener Schule. Damit konnte er nichts anfangen. Die "neue Musik" seiner Zeit, das waren aber eben durchaus auch die von Dir genannten Strawinsky (der später auch auf Schönbergs Spuren wandelte), Bartok, Martin, Honnegger etc.


    Ansermets Aversion gegen die 2. Wiener Schule und die Zwölftontechnik vor allem führte ihn - wenn ich mich recht erinnere auch in dem von Dir genannten Buch - zu einigen ziemlich hässlichen antisemitischen Ausfällen, die er sich, so denke ich, besser erspart und lieber wirklich musikalisch argumentiert hätte.


    Das ändert freilich nichts daran, dass er einige bemerkenswerte Aufnahmen hinterlassen hat, die sich, wie ich finde, durch eine wunderbare "Clarté" auszeichnen (sogar die genannte Aufnahme der Rimsky'schen Scheherazade)...


    Beste Grüsse,


    Claus

    Die wirkliche Basis eines schöpferischen Werks ist Experimentieren - kühnes Experimentieren! (Edgar Varèse)

  • Lieber Thomas ,
    das Schumannkonzert mit Lipatti /Ansermet ist erhältlich wie eine 3. Symphonie von Brahms . Von der "Shéhérazade" gibt es zwei verschiedene Aufnahmen . Leider ist sonst alles Wichtige gestrichen , jedenfalls fast . Sehr bedauerlich .
    Beste Grüsse
    Frank

  • Zitat

    [i]IMO wird ein Künstler zur Legende immer erst im Rückblick - und da ist Ansermet als Dirigent der UA des "Sacre" möglicherweise dabei (vor allem, weil diese Uraufführung legendär ist).


    Das stimmt nicht ganz, das war immer noch Pierre Monteux. Allerdings hatte Strawinsky in jenem Haus, das er von seinem Freund Ansermet übernommen hatte, den Sacre fertiggestellt. Außerdem dirigierte er später immer wieder Strawinsky, der mit der anderen, rhythmisch betonteren Herangehensweise, zufriedener war als mit Monteux und Ansermet später noch das eine oder andere Werk widmete. Die deutsche UA des Sacre in Berlin geht allerdings auf Ansermets Kappe.


    Nach eigenem Bekunden war ihm die deutsche/österreichische Musik in großen Teilen seiner Karriere eher fremd. Umso mehr waren dafür Franzosen wie Debussy und Ravel, Russen wie Prokofieff und Strawinsky sein Metier, in dem er für mich bis heute Maßstäbe setzte. Wer also diese Kombination antrifft, sollte zugreifen. Was die angesprochene Scheherazade angeht: Auch von meiner Seite die Referenz!


    Gruß
    B.

  • von ansermet, der nun wirklich vollkommen zu unrecht vernachläsigt wird bzw. (fast) vergessen ist, habe ich eine reihe grandioser debussy- und ravel-aufnahmen auf lp ...
    u.a. die interessanteste aufnahme von la mer .. hier hört man wirklich -wie zuvor oder danach - das 'zwiegespräch zwischen wind und wellen' als zwei gegeneinander ankämpfende musikalische linien ... man glaubt kaum, wieviel in dieser grandiosen partitur steckt und was man alles hörbar machen kann ... :jubel:

  • Ich glaube, bei Ansermet muss man zwischen seiner musikhistorischen Leistung und seiner interpretatorischen unterscheiden.


    Die historische ist, dass er als Vorkämpfer für Strawinskij mit beteiligt war, diesem eine einzigartige Position zu erobern - und zwar auch mit den Werken des Neoklassizismus, die damals mitunter als Irrweg eingestuft wurden.


    Es stimmt auch nicht ganz, dass Andermet mit Zwölftontechnik nichts anfangen konnte. Seine Ablehnung betraf speziell die Wiener Schule. Der schweizer Komponist Frank Martin, der ebenfalls die Zwölftontechnik anwendete (allerdings in einer modifizierten Form), erfuhr von Ansermet durchaus Förderung - und Ansermets Aufnahme der Kantate "In terra pax" ist wirklich unvergleichlich (und meines Wissens nach nie auf CD herausgekommen).


    Überhaupt hat Ansermet für die Musik des 20. Jahrhunderts unendlich viel geleistet - und dafür gebührt ihm ein Ehrenplatz in der Musikgeschichte.


    Auf der anderen Seite stehen Ansermets Interpretationen - und da muss man IMHO etwas Vorsicht bei der Bewertung walten lassen. Wenn man sich etwa die Strawinskij-Box bei Decca durchhört, kommt man drauf, dass das Orchester nur mittelklassig ist: Intonation und Zusammenspiel werden oft eher mit pauschaler Sauberkeit realisiert.


    Dazu kommt, dass Ansermet IMO wirklich fabelhaft ist bei Stellen, in denen es um den Farbwert geht, etwa "Feuervogel"-Anfang. Rhythmik ist da schon weniger seine Sache (der "Sacre" ist indifferent und für meinen Geschmack viel zu leicht gespielt, "Mavra" teilweise geradezu schlampig, der erste Satz "Psalmensymphonie" mehr über die Runden gebracht als wirklich zielgerichtet geformt, die Symphonie in drei Sätzen und die C-Dur-Symphonie haben beide keinen wirklichen Biss, insgesamt gut gespielt, aber, zumindest für mich, keine Referenzaufnahmen).


    Sehr schön finde ich hingegen die Einspielung von Debussys "Pelleas", obwohl das schon etwas in die Richtung geht, Debussy als Klangmagier zu spielen und weniger als Musikdramatiker. Verglichen mit Inghelbrechts Aufnahme wirkt Ansermet diffuser, wenngleich sicherlich klanglich noch raffinierter. Die bereits erwähnte "La Mer"-Einspielung ist unglaublich schön, wenn auch ein paar Details verloren gehen; die "Nocturnes" hingegen sind IMO wieder uninteressant, weil die Dynamik viel zu undifferenziert ist. Aber das mag auch an dem spätestens im letzten Satz überforderten Orchester liegen.


    Fazit: Für mich ist Ansermet eine der wichtigsten Interpreten-Erscheinungen in der Musik des 20. Jahrhunderts; ob er zu den besten gehört, muss ich ganz subjektiv allerdings bezweifeln.

  • Zitat


    Rhythmik ist da schon weniger seine Sache (der "Sacre" ist indifferent und für meinen Geschmack viel zu leicht gespielt).


    Hallo Edwin,


    eigentlich sehe ich das ganz ähnlich. Umso erstaunlicher finde ich folgende Passage aus einem alten Ansermet-Buch:


    "Anders als Pierre Monteux, der die Uraufführung des «Petruschka» wie des «Sacre du printemps» geleitet hatte, fand Ansermet zu einer neuen, das rhythmische Element stärker betonenden Dirigiertechnik. Er dirigierte die komplexen Takte nicht in der tradierten, ebenfalls komplizierten Weise aus, sondern gliederte sie in Gruppen von einfacheren Takten und brachte dadurch ein zusätzliches motorisches Element in die Musik ein. Strawinsky übernahm in späteren Fassungen wiederholt diese bereichernden Vereinfachungen Ansermets, wobei sich freilich auch immer wieder zwischen den beiden Freunden Diskussionen über die Art der Gliederung ergaben."


    Dennoch finde auch ich gerade die rhythmische Arbeit in den Strawinsky-Balletten eher mau, schätze dafür umso mehr seine Farbpalette, auch bei der von die erwähnten "Pelleas", Dukas' "Zauberlehrling", Ravels usw. In diesem Punkt gehört er für mich in diesem speziellen Segment schon zu den besten.


    Gruß
    B.

  • Man muss bedenken, dass Strawinskijs Rhythmen eine völlige Neuerung in der Musik darstellen. D.h., dass die Dirigenten auf keiner Erfahrung aufbauen konnten.
    Ansermets großes Verdienst ist, gezeigt zu haben, dass man diese Rhythmen exakt wiedergeben kann (Monteux soll daran gescheitert sein).
    Heute sollte das für jeden Dirigenten zum Alltag gehören. Dementsprechend kann man heute auf dem Handwerk aufbauend um die Interpretation bemüht sein.
    Ansermet gehörte aber noch einer Generation an, die dieses Handwerk überhaupt erst schaffen musste. Das Endergebnis mag aus heutiger Sicht weniger befriedigend sein, aber die Arbeit daran hat viel von dem geschaffen, worauf man heute aufbaut.


    Auch beim Hineinhorchen in den Klang und dem genauen Ausbalancieren ist Ansermet bei zeitgenössischer Musik sicher ein Pionier. Und vor solchen Leistungen ziehe ich auf jeden Fall meinen Hut.

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    Man muss bedenken, dass Strawinskijs Rhythmen eine völlige Neuerung in der Musik darstellen. D.h., dass die Dirigenten auf keiner Erfahrung aufbauen konnten.
    Ansermets großes Verdienst ist, gezeigt zu haben, dass man diese Rhythmen exakt wiedergeben kann (Monteux soll daran gescheitert sein).
    Heute sollte das für jeden Dirigenten zum Alltag gehören. Dementsprechend kann man heute auf dem Handwerk aufbauend um die Interpretation bemüht sein.
    Ansermet gehörte aber noch einer Generation an, die dieses Handwerk überhaupt erst schaffen musste. Das Endergebnis mag aus heutiger Sicht weniger befriedigend sein, aber die Arbeit daran hat viel von dem geschaffen, worauf man heute aufbaut.


    Auch beim Hineinhorchen in den Klang und dem genauen Ausbalancieren ist Ansermet bei zeitgenössischer Musik sicher ein Pionier. Und vor solchen Leistungen ziehe ich auf jeden Fall meinen Hut.


    Hallo Edwin,


    das war jetzt eine sehr notwendige und richtige Ergänzung zu deinem ersten Urteil. Strawinskij wollte sicher etwas Neues in die Musik einführen, aber ich bin überzeugt, dass er sich nicht im Entferntesten vorstellen konnte, welch wüstes und archaisches Gestampfe moderne Orchester aus seiner Sacre-Partitur herausholen können. Es ist sogar fraglich, ob er das gewollt hätte, ganz sicher hätte es Ansermet aber nicht so gebracht, selbst wenn sein Orchester es gekonnt hätte. Es braucht dafür Zeit, sowohl für die Interpreten, als auch - und vor allem - für die Zuhörer!
    Es ist dies für mich ein schönes Beispiel, wie ein Kunstwerk im Laufe der Zeit sich "weiterentwickelt", wahrscheinlich sogar weiter als sein Schöpfer es sich hat vorstellen können - auch wenn er es sich erträumt hat.

  • Kennt jemand Ansermets phantastische Orchestrierung der Six Epigraphes Antiques von Debussy? Es gibt auch eine historische Einspielung davon mit ihm...
    Leider wird diese herrliche Partitur so gut wie nie aufgeführt...

  • Hallo,


    vielleicht nebenbei nochmal eine kleine Ansermet-Anekdote, die ich meinem CD-Booklet entnommen habe. Mit Rimsky-Korsakows "Antar" hat Ansermet im Juni 1954 die erste Decca-Stereo-Aufnahme überhaupt aufgenommen. Der legendäre Studiotechniker Roy Wallace erinnert sich, wie Ansermet unmittelbar nach der Aufnahme die Bänder abhörte:


    Ansermet stand einfach nur reglos da, eine ganze Zeitlang. Plötzlich drehte er sich um, seine blauen Augen funkelten, er legte seine Hand auf meine Schultern und sagte: "Das ist ganz überragend. Es ist wunderbar. Es ist so, als stünde ich an meinem Pult." Da wurde mir klar, dass wir es geschafft hatten.


    Wie gesagt, nur so nebenbei, angedenk der Stereo-Pioniere....


    Gruß
    B.

  • Hallo Barbirolli!


    Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich Dir die schriftliche Quelle nicht nennen kann. Ansermet soll sich über Schönberg in einer Weise geäußert haben, die ziemlich eindeutig in diese wenig sympathische Richtung weist.
    Nachdem ich das erfahren habe, habe ich mit zwei Musikern gesprochen, die öfter unter Ansermet gespielt hatten (das ist natürlich schon einige Jährchen her), und beide antworteten relativ überrascht: "Ach, das wußten sie nicht?"


    Allerdings sagten beide, dass es von Ansermet ihres Wissens nach nie auch nur einen Hauch einer Sympathieerklärung für das Dritte Reich gegeben hat.
    Meiner Interpretation nach hat Ansermet das Ende der von ihm geliebten Welt in Kunstrichtungen und wissenschaftlichen Forschungen gesehen, deren Protagonisten Juden waren, was zu einer Verallgemeinerung führte, die bei Künstlern von Ansermets Generation leider relativ oft vorkam (was die Sache selbst natürlich nicht besser macht).


    LG

  • Schon vor längerer Zeit habe ich mir von Ansermet die 4-CD-Box für 9,99 € bei jpc gekauft, die eine Reihe seiner berühmten Einspielungen enthält. Ein Höhepunkt ist für mich die Toteninsel von Rachmaninov.



    Am meisten schätze ich aber seine Einspielung der "Pulcinella-Suite" von Strawinsky. Die scheint jedoch zur Zeit nicht verfügbar zu sein.


    Spät hat er dann auch Komponisten wie Brahms dirigiert, die 3. Sinfonie gefällt mir sehr gut.




    Viele Grüße,


    Walter

  • "Pulcinella" ist in der Ansermet-Aufnahme wirklich fabelhaft (obwohl mir die etwas schärfer konturierte Boulez-Einspielung noch besser gefällt). Ich finde auch "Apollon musagète" wunderbar ausbalanciert, also wirklich klassisch schön musiziert.
    Erhältlich sind die Strawinskij-Einspielungen Ansermets alle in dieser Box um knapp 54 Euro beim Versand mit den 3 Buchstaben:



    Was leider nicht dabei ist: Ein Mitschnitt einer Feuervogel-Probe, den ich auf einer Decca-LP habe. Das ist natürlich gestellt, aber es zeigt, wie wichtig Ansermet die Klangbalance war und wie er auf die Farbmischungen achtete.

  • Hallo Ansermet-Freunde,


    mein erstes Hörerlebnis mit Ansermet waren die Orchesterwerke von Debussy in einer 4LP-Box von Decca - Aufnahmen, die mir bis heute sehr gut gefallen. Wenn ich auch einige noch bessere Aufnahmen mit Dutoit, Askkenazy und Solti habe.


    Ansermet hat eine starke Affinität zu den russischen Komponisten, die er hervorragend dirigierte. Werke aus dem alten Russland von
    Liadow und Glinka: Orchesterstücke,
    Rimsky-Korsakow: Sheherazade, Der goldene Hahn-Suite,
    Borodin: Sinfonien Nr.1 und 2

    sind TOP-Interpretationen.


    :] Die Ballett-Aufnahmen von Manuell de Falla: Der Dreispitz, Der Liebeszauber auf Decca gehören zum besten, was der gesamte Schallplattenmarkt von de Falla zu bieten hat. Die packenden Rhythmen und die Spielfreunde werden bei keinem anderen Dirigenten so fantastisch umgesetzt.

    Von Strawinsky-Orchesterwerke-5LP-Box mit Ansermet auf Decca habe ich allerdings durchweg später stärkere und packendere Aufnahmen auf CD bekommen. Edwin hat diesen Umstand auch schon am Beispiel einiger Strawinsky-Werke erwähnt - dem kann ich mich anschließen.


    :] Die beste Aufnahme und Interpretation, die ich mit Ansermet je gehört habe, ist die
    Honegger: Sinfonie Nr.3 mit dem Orchester de la Suisse Romande auf einer Decca-LP (mit der Sinfonie Nr.5 gekoppelt).
    Es wird Zeit das diese Referenzaufnahme auch auf CD erscheint.
    Leider ist diese TOP-Aufnahme nie bei Decca auf CD erschienen (habe mir selber eine hergestellt ;) ..). Seltsamerweise gibt es bei Decca nur die ebenso fantastischen Aufnahmen der Honegger: Sinfonien Nr.2 und 4 mit Ansermet auf CD !?? ?(??!


  • Vor einigen Tagen bestellte ich mir meine erste Ansermet-Aufnahme und zwar mit den Jahreszeiten und den Konzertwalzern von Glasunow.



    Werk und Aufnahme gefällt mir ganz hervorragend. Obwohl die Aufnahmen von 1966 sind, ist die Klangqualität nicht eingeschränkt. Interpretatorisch habe ich keinen Vergleich, Ansermet nimmt die Werke aber sehr glatt, was gut zu ihnen passt (IMO).
    Die CD ist übrigens bei jpc gerade für 1,99 EUR zu haben.



    Gruß, Peter.

  • Ich konnte in Spanien, wo ich immer wieder hier nicht so gängige Aufnahmen finde, von Maurice Ravel L'heure espagnole, gekoppelt mit L'enfant et les sortilège und Claude Debussys Le Martyre de Sainte Sébastien auftreiben. Ich habe mir, ehrlich gesagt, diese beiden CD nur wegen Ernest Ansermet gekauft. Zur Zeit gehören beide Komponisten immer noch im Bereich eines Repertoirs, den ich mir zZt. noch erorbere. Ich habe somit keine Vergleichsmöglichkeiten. Ich möchte dennoch sagen, dass mir von den drei Werken die Spanische Stunde am besten gefällt, was wohl weder an den Komponisten noch am Dirigenten mit "seinem" Orchester liegt, sondern am Hörer mit seinen Hörgewohnheiten.


    In Deutschland kann man eine DVD der EMI erwerben mit Beethovens 9. Symphonie, dirigiert von Otto Klemperer. Als Bonus findet man tatsächlich eine 7. Symphonie des Meisters aus Bonn unter der Leitung von Ansermet. Ansermet könnte ein Vorgänger HIP-Bewegung gewesen sein. Sein Beethoven ist schlank, durchsichtig (trotz MONO-Tonqualität). Das Tempo ist schnell und bildet schon deshalb einen reizvollen Kontrast zu Klemperer.

  • Ernest Ansermet gehörte gewiss zu den wichtigen Musikerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Biographisches ist hier ja schon hinreichend zusammengetragen worden, daher ein persönlicher Blick auf den Widerspruch zwischen der gesteuerten Wahrnehmung dieses Musikers und seinem Plattenverzeichnis.


    Meine erste Ansermet-Begegnung war eine Gesamteinspielung von Tschaikowskys „Nussknacker“. Das deckte sich mit dem, wofür Ansermet nach Marketing-Meinung seines Plattenlabels DECCA der frühen 1980er Jahren einstand: Russische Meister des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sowie Strawinsky, Ravel und Debussy. Mit dieser Einschätzung wird man dem Manne aber in keiner Weise gerecht, die Unterschlagungen sind immens.


    Allein, wenn man den Katalog der Platten betrachtet, die in Stereo für DECCA von Ansemet eingespielt wurden, so finden sich dort die neun Sinfonien Beethovens, zwei der Bachschen Orchester-Suiten, auch Bach-Kantaten, die vier Brahms-Sinfonien, dessen Alt-Rhapsodie (mit Helen Watts) und das „Deutsche Requiem“, Liszt’s „Faust-Sinfonie“, Mendelsohns 4. Sinfonie, Schumanns 2., Orchestermusik von Richard Wagner, einge Weber-Ouvertüren und einige späte Haydn-Sinfonien, um nur einmal das deutsche Repertoire zu erwähnen. Sibelius mit den Sinfonien 2 und 4 sollte nicht unterschlagen werden und natürlich nicht Bartok, Prokoffief, Artur Honegger, Alberic Magnard oder Frank Martin.


    Die Aufzählung ist jetzt nicht vollständig. Zieht man nun den Kataolog der Mono-Einspielungen Ansermets hinzu, verändert sich der Blick nocheinmal. Auch hier spielt Haydn eine Rolle, Mozart, aber auch der heute vergessene Schweizer Oboussier, Blochs „Voice in the Wilderness“ und „Shlemo“ beide mit Zara Nelsova, oder de Falla’s „Nuits“ (die allerdings auf Schellack). Ansermet war also weit davon entfernt, ein Spezialist zu sein, wenngleich sein Einsatz für seinerzeit Zeitgenössisches sicherlich seinen Ruf geprägt haben wird. Für diese Genaration Musiker scheint es allerdings typisch gewesen zu sein, nicht enzyklopädisch einzuspielen. Die (LP-) Box-Sets von Beethoven und Brahms, Debussy und Strawinsky sind posthume Zusammenstellungen von ursprünglich Einzelveröffentlichungen.


    Wie viele seiner Generation war Ansermet für mein Verständnis hauptsächlich ein Zelebrant des Einzelwerkes. Seine Tempi waren oftmals eher zügig, und dennoch gelingt ihm das Kunststück, „Siegfrieds Trauermarsch“ so spielen zu lassen, daß er langsamer und getragener wirkt als das gleiche Stück in der Einspielung des guten alten Hans Knappertsbusch, der ausweislich der Zeitangabe auf dem LP-Cover faktisch mehr Zeit benötigt.


    Und noch etwas: Durch die Hinwendung zum Einzelwerk entstanden oftmals Platten, die nicht den x-ten Aufguß des gut verkaufbaren Mainstreams ablieferten, sondern vor allem Musik, die eher selten zu hören ist und war. Lalo fällt mir ad hoc als Beispiel ein: keine weitere Einspielung der Sinfonie Espagnol wir hier vorgelegt, sondern das weniger bekannte Ballett „Namuna“.


    Der Großteil von Ansermets Platten entstand zusammen mit dem von ihm gegründeten Orchestre de la Suisse Romande. Dies scheint auch die Archillesferse seiner Tonträger-Hinterlassenschaft zu sein. Diesem Klangkörper ließen sich zwar fabelhafte Studio-Einspielungen abtrotzen (sieht man von Strawinskys „Sacre“ ab; die Schwächen dieser Platte liegen für meine Verständnis vor allem beim Orchester, weniger beim Dirigenten), Live scheint es dann oftmals aber eher schwierig gewesen zu sein. Nahezu grausig konnte es werden, wenn dann auch noch Solisten hinzukamen (Robert Casadesus etwa mit Mozarts Krönungskonzert, dem 2. Liszt-Konzert und dann, als krönendem Gipfel de Fallas „Nuits“; dieses schmerzliche Eingeständnis ringe ich mir jetzt als ausgesprochener Ansermet-Fan ab).


    In den 1990er Jahren hatte das Label Cascavelle einige der Rundfunkkonzerte des OSR auf CD veröffentlicht und es werden eklatante Qualitätsunterschiede hörbar im Vergleich zu den beispielsweise bei Orfeo als CD veröffentlichten Live-Konzerten Ansermets mit dem RSO des Bayerischen Rundfunks. Gemessen an seinen Studio-Aufnahmen hat Ansermet allerdings jede Menge Exzellenz hinterlassen, die gegenwärtig zumeist in den Archiven seines Plattenlabels schlummert. Leider!

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Hallo santoliquido,


    ich habe gerade Dein Statement zu Ansermet gelesen.
    Wegen der fehlenden Absätze ist dieser Text allerdings schwer zu lesen und es fällt nichts heraus.


    Die von Dir vorgestellten Ansermet-Aufnahmen kenne ich auch größtenteils, da ich früher gerne Ansermet aus dem Rundfunk mit Tonband mitgeschnitten habe:
    Zum Beispiel die fetzige für viele unbekannte Ballettmusik von
    Lalo: Namouna;
    oder auch die Sinfonia Espagnole;
    Strawinsky´s LeSacre hat mich mit Ansermet schwer entäuscht, da ich zu dieser Zeit (frühe 80erJahre) bereits die Swetlanow-Aufnahme gewöhnt war, die nun aus ganz anderem Holz geschnitzt ist.


    Du schreibst an anderer Stelle:

    Zitat

    Fein, daß sich hier mehrere Freunde von Ernest Ansermet eingefunden haben. Vielleicht debattieren wir hier weiter?
    Liebe Grüße vom Thomas


    Das können wir gerne machen.


    ----------------------------------------


    Hallo Barbirolli,


    Zitat

    Auch ich bin ein großer Anhänger vieler Ansermet-Aufnahmen. Dann aber Debussys La Mer!


    Da bin ich aber sehr verwundert über deine Aussage.


    Ich hatte mir damals zu meiner Studentenzeit bei SATURN Köln die Debussy-Decca-Ansermet-4LP-Box zugelegt und war total begeistert - auch von LaMer.
    Die von Dir favorisierte Martinon-Aufnahme auf EMI war dann auf CD die Nächste --- ich finde nach wie vor Ansermet besser.
    Es folgten dann viele wietere Aufnahmen (das Stück word einem ja überall im Zusammenhang mit Debussy, quasi mitgeliefert):
    Solti/Chicago SO (Decca) - TOP-Aufnahme
    Karajan/ Berliner PH (DG) - gefällt mir auch sehr gut - Karajangener :P :hahahaha:


    :] Meine Lieblingsaufnahme von LaMer heute ist aber
    Ashkenazy / Cleveland Orchestra (Decca).


    Aber zurück zum Thema:
    :hello: Was gefällt Dir an der Ansermet - Aufnahme nicht ?

  • Graben wir diesen Thread doch einfach einmal wieder aus:


    Im "Enttäuschungs-Thread" hatte ich noch einmal die vorgenannten Live-Einspielungen in der Kopplung Ansermet / Casadesus erwähnt. Das waren insofen Enttäuschungen, als dort streckenweise kräftig neben den vogechriebenen Noten musiziert wird. Das ist umso auffälliger, als es von den "Nuits" eine Studioeinspielung auf Schellack (mitlerweile auch auf CD zu kriegen) mit Jaqueline Blancard vorliegt, die musikalisch ausgesprochen überzeugt. Aus dem Kopf kann ich jetzt aber nicht sagen, ob Ansermet hier "sein" Orchester dirgiert, das LSO oder das Orchestre de Paris. Zumindest seine Mono-Aufnahmen sind nicht durchgängig mit dem OSR entstanden.


    Und da sind wir bei einem weiteren interessanten Punkt der diskographischen Bewertung von Ernest Ansermet angelangt: Nicht ganz zu unrecht jagen Plattensammler nach Ansermet-Einspielungen wegen der DECCA-Klangtechnik. Wer Probenmitschnitte von Ansermet kennt -Edwin erwähnte bereits den zum "Feuervogel, ähnliche liegen vor zur Symphonie Fantastique, und "echter" Probenmitschnitt von der Ansermet Gesellschaft veröffentlicht zur Platteneinspielung seiner wohl legendärsten Platte, die "Boite a joujoux"- der weiß, wie sehr er am Klang gebastelt hatte.


    Ähnlich wie Karajan schien auch Ansermet bewußt zu sein, mit dem Medium Schallplatte, eine eigenständige Ausdrucksform neben dem live-Konzert zu haben. Das allerdings scheint zuweilen nicht ohne Einfluß auf Spielfreude, Spritizigkeit und Temperament des Ergebnisses geblieben zu sein.


    Auffällig ist das dort, wo sich Aufnahmen vergleichen lassen, die zunächst mono aufgenommen wurden und die dann später erneut gemacht wurden: in stereo. So zum Beispiel das Orchesterwerk Ravels. Man sollte dabei nicht vergessen, daß auch die mono-Aufnahmen der DECCA von ausgezeichneter Qualität waren; "Rhapsodie Espagnole" und "La Valse" hätten in der älteren Einspielung bei mir durchaus die Nase vorn.


    Wirkliche Schätze sind für mich seine Einspielungen von Werken, die Asnermet sich erst in der Stereo-Ära erarbeitet hatte, so die Betthoven Sinfonien, die Brahms-Sinfonien und das Deutsche Requiem mit Hermann Prey. Herausragend bei Beethoven für mich die Nr. 6, bei Brahms die Nr. 2.


    Daß es bei einer derart voluminösen diskographischen Hinterlassenschaft (zwar bei weitem nicht so umfangreich wie bei HvK, der aber auch deutlich jünger war) durchaus Schatten gibt, wer würde sich da wundern wollen. Von der Gesamtheit seiner Hinterlassenschaft ist -und war auch zum Ende der LP-Ära- nur ein Bruchteil verfügbar.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

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  • Hallo Wolfgang,


    da haben sich unsere beiden Beiträge überschnitten. Zu meinem ersten Beitrag: Da hast Du recht, die fehlenden Absätze nerven. Allerdings war das mein erster Tamino-Beitrag. Wenn ein Mod mich da nochmal dranließe, würde ich ihn etwas übersichtlicher machen wollen.


    Mit Deiner Einschätzung vom "Sacre" bin ich völlig d'accord. Möglicherweise ist da Ansermet's Temperament der neuen Technik zum Opfer gefallen. Ad hoc wüsste ich jetzt aber auch nicht zu sagen, ob er das zuvor schon mal in mono aufgenommen hatte. Sollte mir da einmal etwas in die Finger fallen, werde ich berichten. Eine "Feuervolgel"-Aufnahme aus der späten Schellack-Ära ist jedenfalls bekannt.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

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  • Hallo Santiliquido,


    ich habe auch noch die Decca-LP-Box mit den Strawinsky-Werken unter Ansermet.
    Der Feuervogel war natürlich auch dabei und es ist eine gute Aufnahme mit seinem schweizer Orchester.


    ;) Wenn ich allerdings den Ansermet- Feuervogel mit meinen heutigen CD-Aufnahmen unter Boulez (DG), Dorati (bietet den schnellsten Vogel) (Decca) und auch Dutoit (Decca) vergleiche, dann verblasst Ansermet leider auch hier.


    :yes: Neben den französischen Impressionisten ist seine Stärke auch in den alten russischen Orchesterbildern zu finden: Rimsky-Korsakow, Liadow, Glinka, Borodin - das sind Komponisten, die seine Vorliebe waren.
    Die Scheherazade von Rimsky-Korsakow war meine erste Aufnahme von dem Werk (Decca) - "wunder-schön und -bar".
    Das einzige was ich an dieser Ansermet-Aufnahme auszusetzen habe: kurz vor dem Ende, wenn das Schiff zerschellt, das ist mir das bei Ansermet nicht brachial genug.


    :yes: Einen ganz großen Wurf hat Ansermet in seinen Aufnahmen der Honegger-Sinfonen gelandet (leider nur Nr.2,3,4,5 erhältlich).
    Die Sinfonie Nr.3 (eines meiner großen Favoriten) kenne ich in keiner besseren Aufnahme als auf Decca (LP). Diese Aufnahme habe ich leider nie auf CD gesehen - nur Nr.2 und 4 (Decca).
    Eine zweite Aufnahme hat er auf dem Label ORFEO vorgelegt - hier eine ganz andere weniger großsinfonische Interpretation als bei der Decca-Aufnahme. Bei ORFEO wird das Werk quasi seziert und kammermusikalisch auseinandergenommen.
    :angel: Beides große Ansermet-Dokumente.



    Honegger:Symphonie Nr. 3 "Liturgique"
    Brahms: Sinfonie Nr.3

    Bayer. RSO, Ansermet
    ORFEO, 1964 ADD


    Das er auch ein großer Brahms-Interpret war, zeigt diese CD, auf der Bramhs als Filler drauf ist - es gibt auch Leute, die Honegger als Filler sehen :D.
    Im Grunde eine Zusammenstellung die nicht paßt, aber ein großes Ansermet-Dokument darstellt.

  • Hallo Wolfgang,


    den Feuervogel gibt es glaube ich zweimal: Version 2 ist posthum als DECCA-Kassette veröffentlicht worden. Die Box enthält die Proben zur Aufnahme und das Ballett. Es spielt das das Philharmonia Orchestra London (wenn ich mich nicht sehr täusche).


    Zitat

    Original von barbirolli
    (zum "Sacre") eigentlich sehe ich das ganz ähnlich. Umso erstaunlicher finde ich folgende Passage aus einem alten Ansermet-Buch:


    "Anders als Pierre Monteux, der die Uraufführung des «Petruschka» wie des «Sacre du printemps» geleitet hatte, fand Ansermet zu einer neuen, das rhythmische Element stärker betonenden Dirigiertechnik. Er dirigierte die komplexen Takte nicht in der tradierten, ebenfalls komplizierten Weise aus, sondern gliederte sie in Gruppen von einfacheren Takten und brachte dadurch ein zusätzliches motorisches Element in die Musik ein. Strawinsky übernahm in späteren Fassungen wiederholt diese bereichernden Vereinfachungen Ansermets, wobei sich freilich auch immer wieder zwischen den beiden Freunden Diskussionen über die Art der Gliederung ergaben."


    @ Barbirolli: Ich kann mir schon vorstellen, daß hier der von mir angesprochene Punkt greifen könnte, nämlich der Unterschied zwischen dem eigentlichen Dirgigat und dem Ausfeilen des Ganzen für eine Platteneinspielung.


    Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    der erste Satz "Psalmensymphonie" mehr über die Runden gebracht als wirklich zielgerichtet geformt,


    Bei den mono / stereo Einspielungen fällt mir gerade noch ein Beispiel ein, in das ich aufgrund von Edwins Anmerkungen noch einmal hineinhören werde: Die Psalmensinfonie. Die ist nämlich auch in der mono-Ära als 10"-LP erschienen und später neu aufgenommen worden.


    Ich glaube schon, daß die technischen Möglichkeiten -auch die zu Schnitten- nicht nur Segen waren, zumal in dieser Frühzeit der Technik nicht.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Hallo,
    bei Sortierarbeiten ist mir eine Ansermet-Box,
    mit französischen Orchesterwerken, buchstäblich auf die Füße gefallen.
    Ich deute das als Omen und werde mich in dieser Woche mit den CDs beschäftigen,
    zumal mich meine kleine Zehe links weiterhin daran erinnert ;)
    Die Box ist aus den frühen 90igern.
    Finde kein Cover mehr.


    Habe ich schon ewig nicht mehr gehört...


    Werde meine Eindrücke, falls gewünscht, schildern.


    Gruß
    embe

  • Hallo,
    bis jetzt hab ich mir angehört:


    Die Sym. von Chausson
    eine schöne Aufnahme ohne Schwulst und Schmalz.
    Aber nicht gänzlich ohne Emotionen.
    Ich empfehle diese Aufnahme jedem der französisches Repertoire schätzt.
    Leider höre ich dieses wunderbare Werk viel zu selten.
    Klanglich (1964) erstaunlich durchsichtig und fast ohne Rauschen.


    Die Images von Debussy sind mir schon bekannter.
    Auch kenne ich die Aufnahme aus seligen LP-Zeiten.
    Was Ansermet und sein Orchester hier leisten hat wohl Referenzstatus.
    Für mich eine unverzichtbare Alternative zu Boulez, Abbado, Martinon ua.
    Etwas mehr Rauschen aber trotzdem sehr durchsichtiger und weiträumiger Klang.


    Roussel 3. Sym ist natürlich wieder ein Paradebeispiel für Ansermets inneres Metronom.
    Da sitzt alles auf dem Punkt.
    Das pulsiert ohne Ende, einfach klasse.
    Etwas nervt mich allerdings die plärrige Trompete...
    kann aber auch am Ton liegen.
    Der ist etwas eingeengt und mulmiger/halliger als sonst. 1954 aufgenommen!


    Da leider die 3. + 4. Sym. von A. Honegger in der Box nicht erhältlich waren,
    hab ich mir die LP zu Ohren geführt.
    Und zwar Nr. 3, das ist schon sehr aufwühlende Musik und Ansermet
    lässt es auch ordentlich krachen.
    Ich bin begeistert.
    Muss mir mal die Alternativen anhören als da wären z.B. Dutoit, Plasson und Baudo.
    Den Schlusssatz hab ich von den Jüngeren nicht so explosiv in Erinnerung.


    Meine LP ist eine holländische London Enterprise, völlig nebengeräuschfrei
    und mit phantastischem Klang.
    Als das Stück vorbei war, hab ich versucht mit der CD-Player Ferbedienung meinen alten Dual zu stoppen, :D
    so wenig Knistern und Knack hab ich selten erlebt.



    Gruß
    embe